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jufOMtw.: Für die Redattton L v. Larl Schakker.
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Kintaöung
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29. Jahrgang.
prr 49.GeueralVerfammlx«gderKa1ho- likr« Deutschlands in Mannheim 1902.
Katholiüe« Dealschkand»!
Zum erstenmal« wird in der von Gott so reich gesegneten Pfalz die Generalversammlung der Katholiken Deutschland- abgehalten, da auf Mannheim, die Metropole derselben, durch den Beschluß der letzten Tagung in Osnabrück die Ehre der Wahl als Versammlungsort für 1902 gefallen ist.
Mannheim gleicht an Reichthum historischer Srinnmungen nicht anderen bekannten Städten der Pfalz, — wir nennen nur die Reichsstädte Speier und Worms, dar Kurfürstenschloß Heidelberg; es kann fich auch mit Bezug auf die Zeugnisse katholischer Vergangenheit mit keinem der historischen Orte messen, welche die glänzenden Jahresversammlungen der Katholiken Deutschlands bisher beherbergt haben. Erst mit Beginn des 18. Jahrhunderts unter dem hochsinnigen Kurfürsten Karl Philipp und seinem Nachfolger Karl Theodor entfaltete fich in Mannheim ein reiches Leben in Kunst und Wissenschaft, wie in religiös-kirchlichen Schöpfungen, in den Werken der Jugendbildung und Charitas. Hervorragende Künstler und Gelehrte jene» Zeitalters haben der Stadt ihren Stempel aufgeprägt.
Der in jener Epoche geweckte Bürgerfinn, verbunden mit Unternehmungsgeist und Thatkraft, bat es alsdann im verflossenen Jahrhundert, zu dessen Beginn die rechtsrheinisch« Pfalz zum Großherzog- thum Baden kam, verstanden, die glückliche Lage der Stadt an den beiden Flüssen Neckar und Rhein aurzunützen und mit reicher staatlicher Unterstützung während der weisen 50jährigen Regierungrzeit Großherzogs Friedrich Mannheim zur Centrale des Handels und der Industrie im Südwesten Deutschland«, zum größten Hafenplatz des Binnenlandes umzuschaffen und in die Zahl der großen Städte des Reich» al» jüngste und modernste ein- zureihen.
Die Besucher der 49. Generalversammlung werden in Mannheim große Unternehmungen des modernen Erwerbsleben-, de- Handels, der Industrie und der Schifffahrt, wie kaum sonstwo, kennen lernen in der nächsten Umgebung an den Spuren geschichtlicher Größe wie den landwirth« schaftlichen Reizen der wetngesegneten Rheinpfalz und des anmuthigen N-ckarthaleS fich freuen, überall den gemüthvollen pfälzischen Frohsinn finden.
Die Katholiken Mannheims haben, obwohl fie fich der großen Schwierigkeiten bewußt waren, welche die Vorbereitung einer so bedeutsamen Versammlung ihnen bieten, auS den wichtigsten Gründen zur Fö derung der kathol. LebrnSinte- reffen, getragen von der Begeisterung des kathol. Volkes de- PfalzgaueS den Versuch unternommen, mit Unterstützung Seitens der Katholiken der Schwesterstadt Ludwigshafen der deutschen Katholikenversammlung für die Tage ernster Arbeit und festlicher Veranstaltungen eine würdig.« Stätte zu bereiten und freuen fich, recht viele kathol.
Angel' und Dämon.
Roman von Johann Marius.
3 ------ (Nachdruck verboten.)
»Lassen Sie Ihre Pferde hier eine halbe Stunde auöruhen." sagte er zu dem Kutscher, »Dann mögen Sie mit langsam nachkommen. DaS HauS, vor dem Sie halten sollen, habe ich Ihnen genau bezeichnet."
Der Kutscher, der schon ein reiches Trinkgeld im Voraus bekommen hatte, nickte.
»Ja, Herr, eS soll olles besorgt werden."
Ernst sckritt jetzt rüstig vorwärts. Sein Herz war zum Zerspringen voll, aber eS war eine Fülle der höchsten Freude, die es höher schlagen ließ. Sein Weg führte ihn an dem schmalen Alsterstrom vorbei, an dem er als Knabe oft gefischt hatte. Der junge Kaufmann batte in Peru mächtige Seen und herrliche Ströme ge. sehen, aber ihr Anblick, selbst der des allgewaltigen, unendlichen MeereS, hatte ihn nicht so entzückt, als in dieser Stunde das schmale, friedlich dahin- fließende Gewässer, auf dem die Sonne jetzt silberglänzende Funken tanzen ließ. Es war ihm, als wenn der kleine Strom fich zu seinem Empfange mit diesem Schmuck versehen hätte. Und dort das Dorf mit seinen zum Theil noch mit Strohdächern bedeckten Häusern, aus deren Schornsteinen ein blauer, gekräuselter Rauch in den Morgenbimmel in gerader Richtung emporstieg. Ein unzerstörbarer Frieden schien diese Heimath seiner Eltern und der theuren Schwester
Männer aller BerusSstände und Erwerbsklaffen auS dem ganzen Reiche und den benachbarten Ländern deutscher Zunge, der Schweiz und Oesterreich, begrüßen zu dürfen.
Die zeitgeschichtlichen Strömungen, die Noth» Wendigkeit des Fortschritts der Katholiken im kirchlichen wie im öffentlichen Leben nach den unwandelbaren Grundsätzen der Wahrheit und Gerechtigkeit, die Stärkung der Einigkeit in unseren Bestrebungen stellen auch der diesjährigen Generalversammlung der Katholiken Deutschlands hochwichtige Aufgaben. Wir laden alle katholischen Männer ein, an ihrer Lösung nach besten Kräften mitzuwirken.
Die heurige Generalversammlung steht in der Reihe ihrer Vorgängerinnen an der Schwelle de» Zeitpunkte», mit dem die Zahl ihrer 50. Jahreswiederkehr erfüllt sein wird. Sie tagt gieichzeitig in dem Jahre, das dem Abschluß der viertelhundert- jährigen glorreichen Regierung de» Oberhauptes unserer heiligen Kirche, des heiligen Vaters Leo XIII. vorangeht- Dis Würdigung vornehmlich des letzten Ereignisses wird der Generalvetsammlung in Mannheim eine besondere Weihe geben.
Die 49. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands wird am 24. August beginnen und die Tage bis einschließlich 28. August umfassen.
Das katholische Deutschland sei hiedurch zu diesen Tagen mit aller Herzlichkeit eingeladen!
Mannheim, im Juli 1902.
Das Lokalkornitse.
Der Dorstaud:
Vorsitzender: Girßlrr, Joseph, AmtSgerichtSdirrktor und Landtagsabgeordneter. 1. Stellvertreter: Dauer, Joseph, Stadtdekan. 2. Stellvertreter: KöLig, Andreas, Mechaniker, Stadtverordneten-Borstand.
Aigeldinger, Johann, Stadtpfarrer, Käferthal, Augä- mtnto, Fr., Senior des katholischen GesellenvereinS. Köhmrr, Joseph, Güterexpeditor. Kürsig, Ludwig, Pfarr- kurat. Sürck, Franz, Stadtpfarrer. Feige, Paul, Redakteur und Stadtverordneter. Freund, Anton, Stadtpfarrer, Neckarau. Funk, K, Bank -trettot und StifiungS- rath. Grieser, Eugen, Stadtverordneter und EttstimgS- rath. Dr. Amtmann, Chr., Rechtsanwalt. Aklffrich, Christ., Kaufmann. Hildebrand, Stadtpfarr c, Ludwigshafen Höllerbach, Adolf, Prokurist. Ki 'er, Pfarr- kurat, Waldhof. Knebel, Joh Bapt Pfarrk. ut. Krumm, Franz, Güterexpeditor. Kill, Hubert, Ho Photograph. Dr. Mater, ®., LehranuSprakttkaut. M K, Joseph, Getstl. Gymnasiallehrer und Gefängnißpfarrrr. «etbel, Jakob, Architekt, Stadtrath. Hchrubly, «uguit, Apotheker a. D, StiftungSrath. Kchenb, Florian, arbeitet« sekretär, Stadtverordneter. Kchwribart, K, Architekt, Stadtverordneter und StiftungSrath. Siegel, Georg, Händler. Siratthaus, Herman», Oberlehrer. WIgler, Fr, Kaufmann. Würth, Ludwig, Hauptlehrer. Wtoter- haider, Karl, Kaplan. Zehnter, Joh. Ant., LandgertchtS- direktor, Reichs- und Landtagsabgeordneter.
•F Italien und Rußland.
Viktor Emanuel der Dritte ist von Rußland wieder abgereist. Italien und daS Zarenreich haben sicherlich wenig politische Berührungs» punk-e. Nichtsdestoweniger werden in einer Reihe von Preffemitthetlungen dieser Monarchenzu» sammenkunft allerhand Deutungen gegeben, die ungemein wichtige Thatsachen anzeigen würden, wenn fie auch nur zur kleinen Hälfte wahr wären.
Zunächst behauptet die .Internationale Korrespondenz', der Zar beschäftige fich mit dem
zu umschweben und nichts ließ ahnen, was diesen Frieden mit unheimlicher, dämonischer Gewalt jetzt schon bedrohte.
Nur noch wenige Schritte, so kam Diethelm daS HauS in Sicht, in dem er die fröhlichsten Jahre seiner Kindheit verlebt hatte.
Er blieb stehen und überlegte, ob er durch die Vorderthüre oder durch daS Hinterpförtchen des Gartens, daS nach einer Wiese hinausführte, die Heimstätte betreten sollte. Er wußte von früher her, daß seine Eltern an schönen Frühlings» und Sommertagen ihren Morgenkaffee im Freien einzunehmen pflegten. DaS konnte auch heute der Fall sein, und so wollte er im Garten an sie heranschleichen und jubelnd in ihre Arme stürzen.
Dicht an dem von einer Hecke eingefaßten Garten befand fich ein schmaler Pfad, der sich nach dem Felde htnzog; diesen durchschritt er, um zu dem genannten Psörtchen zu gelangen. Ec hatte seinen großen, weißen Panawahut tief in die Stirne gedrückt, damit man ihn nicht eher erkennen tonnte, bis er den Ruf auSfiieß: „Da ist Euer Sohn wieder, den Ihr so lange habt entbehren müssen."
Diese Vorsicht war unnütz, denn im Garten, soweit er über die niedrige Hecke hinetnsehen konnte, zeigte fich noch kein lebendes Wesen. Daß er sich geirrt, sollte er erst erfahren nachdem er die kleine Pforte geöffnet hatte und auf daS mit wildem Wein.geschmückte Haus zuging.
Im Begriffe, an einet Laube vordeizuschreiten, welche als Knabe ihm ein Lieblingsaufenthalt gewesen war, sah er durch daS Grün einen weißen Strohhut schimmern.
Gedanken einer Annäherung der russischen Kirche an die katholische. Schon seit mehreren Jahren soll er fich mit dem Plane befassen, die griechisch - orientalischen Nationalkirchen in einer gemeinsamen Organisation zu» sammenzufaffen. Die Königin Helene von Italien, bekanntlich eine Tochter deS Fürsten von Montenegro, „stehe noch mit allen Fasern im Banne der griechisch-orthodoxen Kirche", soll gleichzeitig den Anstoß dazu gegeben haben, daß auch Körst; Viktor Emanuel eine solche Annäherung der katholischen und der griechischen Kirche ins Auge gefaßt habe. Der König glaube offenbar, der Papst werde in der römischen Frage seine unbedingt ablehnende Haltung aufgeben, wenn ihm alS Entschädigung dafür die Anerkennung eines, wenn auch nur rein ideellen Prinzipates über die orientalische Kirchs angeboten werde.
Die Botschaft hören wir, allein uns fehlt der Glaube. Daß der Zar eS sehr gern sehen würde, wenn alle Anhänger der verschiedenen griechffcheu Nationalkirchen sich unter die russtschen Fittiche begeben wollten, isi natürlich ohne weiteres als wahr anzunehmen, weil es fich ganz von selbst versteht. Dos ist aber gar nicht neu, sondern eine sehr alte Geschichte. Danach sireben die Russen schon lange, aber freilich, ohne bisher Glück damit gehabt zu haben. Nicht unwahrscheinlich ferner klingt es, wenn verfichert wird, der Zar wünsche nichts sehnlicher, als der Protektor der Christen im Orient anerkannt zu werde«; dann in dieser Eigenschaft würde er sehr häufig Gelegenheit zu Einmischungen in allerhand Verhältnisse erhalten, die chm gegenwärtig fehlt. Und schließlich könnte ja auch der Zar geneigt fein, die zusammengeschloffenen griechischen Nationalkirchen unter ein Prinzipat des hl. Vaters zu stellen, wenn ihm zum Ausgleiche dafür erhebliche Bortheile auf politischem Gebiete erwachsen. Nach einer besonder» Gelege heit zur Anknüpfung solcher Verhandlungen brauchte er fich gar nicht lange um- sehen. Der dl Vater hat sich wiederholt an alle Christen auf ö<m Erdenrunde mit dem Anrufe gewandt, sich wieder mit der einzigen Mutter- kirche zu otrtineu. Die griechischen National- kirchen brauchten ja also nut diesem an sie ergangenen Rase ui folgen. Aber nun kommt der hinkende Bote »i-.ch: der hl. Vater wird um solche Dinge nicht schachern und Handel treiben; am allerwenigsten wird er das Unrecht, das dem hl. Stuhle durch das moderne italienische König« thum zugefügt worden ist, zum Gegenstand« solcher AtndelSgeschäste machen können. Sein heiliges Recht kann der Papst nicht verkaufen gegen daS Linsengericht eines „ideellen Prinzipates" — d. h. einer Oberhoheit, die wohl auf dem Papiere steht, in der That aber sonst nichts weiter zu bedeuten hat und dem Papste keine eigentlichen Rechte verleiht. Man sollte doch nicht erst versuchen, dem hl. Stuhle eine solche würdelose Komödie zuzumuthen, die geradezu wie eine Vrr- höhnung des Oberhauptes der Christenheit an- muthet.
Ganz anders ist eS bestellt mit der Frage eines Handelsvertrages zwischen Rußland und Italien. Nach Petersburger Drahtme!» dungen ist dieses Thema zwischen dem russischen Finanzminister Witte und dem italienischen Minister deS Auswärtigen Prinetti eingehend et-
Ueberrascht hemmte Ernst für einen Augenblick seinen Schritt und trat dann rasch ent» schloffen in die Laube ein.
Eine zarte Mädchengestalt, deren Profil durch lange, blonde Locke«, die bis auf ihre Schulter» niederfielen, fast ganz bedeckt, war, hatte unter dem Lindenblätterdache Platz genommen. ES lagen Papiere aus dem Tisch, über welch« sich der weiblich, Blondkopf mit dem Strohhut gebeugt hatte. Dos Mädchen schien zu zeichne».
„Sollte daS Martha, meine Schwester sein?" dachte Ernst. „Aber so groß kann die Kleine ja schwerlich geworden sein."
An seine Abwesenheit von sieben Jahren schien er in diesem Augenblick« nicht zu denke».
Das Mädchen war so vertieft in ihre Arbeit, daß fie das Heranrahen nicht gehört zu haben schien. Jetzt aber, da sein Schatten een Lauben- rinaang verdunkelte, sah fie plötz'ich empor mid blickte bestürzt in daS Antlitz deS ihr augenscheinlich fremde» Mannes. Verwirrt erhob fie fich. Der Stift mit dem fie gezeichnet hatte, war ihrer Hand entglitten und mit tieferglühe», dem Antlitz stand fie nun dem jungen Fremden gegenüber, dessen Augen in unverkennbarer Bewunderung auf das liebliche, junge Mädchen gerichtet waren.
Sie war so verlege», daß fie vor dem Blick deS jungen ManneS die Augen senkte und nicht dic Frag« an ihn zu richten wagte, wer ec sei und wie er alS Unbekannter in den Garten komme.
So konnte fie nicht entdecken, daß der junge Fremd« ihr Bruder sei.
örtert worden, worauf in wetteren Besprechungen zwischen den beiderseitigen auswärtigen Ministern, Herrn Prinetti und dem Grafen Lamsdorff, in aller Form die Grundlage zu einer Handelsver« ständigung gelegt worden ist. Die halbamtliche italienische Mittheilung, die dies bestätigt, fügt hinzu: diese russtsch-italienische HandelSverständi- gung werde eine greifbare Form annehmen nach dem Abschlüsse des neuen Handelsvertrages zwischen Deutschland und Rußland. Fast scheint eS, als betrachte man in Italien diesen Abschluß weit mehr als bet uns in Deutschland selbst alS eine bereits fertig ausgemachte Sache.
Di« offenkundige Annäherung zwischen Ruß- land und Italien bedeutet eine starke Abweichung von der Richtschnur der politischen Ereignisse früherer Zeiten. Auf der Halbinsel Krim kämpften die Soldaten von Piemont mit den Engländern und Franzosen gegen daS Zarenreich; und nachher trieb man sehr lange in dem neuen Königreiche Italien eine Abwehrpolitik gegen das sehr gefürchtete slawische Gespenst. Man fürchtete, Rußland könnte die italienischen Kreise im Mittelmeergebiet zerstören und noch FranceSco Crispi betonte bis vor zehn Jahren stets sehr lebhaft die Gegnerschaft zwischen den russtschen und den italienischen Interessen auf der Balkanhalbinsel. Auch fand der bulgarische Minister Stambulow in Italien die beste Stütze für feine ruffenfeindliche Politik; und in ganz frischer Erinnerung ist die Unterstützung, die der König von Abeffynie» von Rußland und von Frankreich in seinem Kriege mit Italien erhielt.
Die Annäherung Italiens an daS Zarenreich ist erst eine Erfindung des gegenwärtigen italienischen Ministeriums, und im allgemeinen mögen die Italiener sehr überrascht gewesen fein, als fie vernahmen, daß Viktor Emanuel zuersi von allen fremden Höfen den Hof deS Zaren besuchen wolle. Daß Kaiser Wilhelm fich einverstanden damit erklärt hat, ist bekannt.
Berlin, 18. Juli 1902.
* Zu der Nachricht von dem Aücktritt des Irhr». v. Mangeuheim auS dem politischen Lebe», über die fich die .Deutsche Tageszeitung' beharrlich ausschweigt, schreibt die .Kreuzztg.':
Mr würden diesen Entschluß bedauern, ihn aber begreifen. Wenn daS .Berliner Tageblatt' in dem Verzicht deS Frhrn. vo» Wangenheim jedoch »den völligen Zusammenbruch der Politik deS Bundes der Landwirthe* erkennen will, so ist die» eine von den Illusionen, in denen die liberale Presse sich mtt Vorliebe bewegt. Wenn schon man auS dem angebliche» Rücktritt des Freiherr» v. Wangenheim durchaus eine» Schluß ziehe« will, so möchte eS höchstens der sei», daß die maßvolle Politik deS bisherigen BundeSvorfttzende» durch die schärfere Tonart abgelöst werden könnte.
* Ki« «euer Iaik KuhkeuKampff scheint in Darmstadt oorgekommen zu feto. Der 38 jährige Kaufmann MofeS Lion auS Köln wurde, wie er »ach dem .Berl. Tagebl' in einer Beschwerde an daS Darmstädter Polizeipräsidium
Ernst aber, der ihr Bild ja bei sich trug, hatte sie sogleich erkannt und war über ihr« Schönheit für einige Minuten sprachlos.
„Martha, Du bist eS, o — wie groß, wie schön bist Du geworden!"
Die wohlklingende Stimme tönte ihr wie Engelruf in’» Ohr. Nur aus feinem Munde konnten diese Worte kommen, au» dem Munde dessen, mit dem sich in der Laube ihr Geist und ihre Hände noch soeben beschäftigt hatten.
Ihr Kopf hob fich rasch empor. Nur wenige Augenblicke — dann pflog sie auf ihn zu und ergriff mit beiden Händen seine ihr dargeboten« Rechte. Sie wollte sprechen, doch die maßlose, unverhoffte Freude versiegelte ihr die Lippe».
Er zogst« sanft an seine Brust. In dieser Minute war fie wieder da« Kind Martha für ihn geworden.
Sie ließ e» geschehen. Ihr Kopf neigte sich auf seine Schulter. Sie begann zu weinen, aber es waren Thränen der Freude, die über ihre Wangen flössen.
„Martha, meine Schwester!"
„Mein Bruder, mein lieber, theurer Bruder!"
Plötzlich entwand fie fich seinen Armen und zog ihn in die Laube.
„Sieh, Ernst", rief fie, „wie Deine Schwester Deiner gedacht hat!"
Sie wie» auf den Tisch. Ernst blickte hin. Da lag sein ihr vor einem Jahre gesandtes Bild und neben demselbe sechs kleine auf Velinpapier gezeichnete Bildchen, die dem Bilde täuschend ähnlick» waren.
„Glaubst Du mir nun, mein Bruder?" fragte fie unter Thränen lächelnd.