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.mostrirte Sonntags-Zeitung*, .Juldaer Geschichtsblätter" und Cotterie-üsfe.

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JuLöa, Montag, dm 14. Juli 1902.

29. Jahrgang.

* Der Rücktritt des bayerischen Kultusministers.

Sorbe« erst war gemeldet worde«, daß VtaatSrath von Schraut der Nachfolger des .Herr« von Auer als RegieruvgSpräfident von Oberbayern werden sollte; da folgte der erste« Nachricht die andere auf dem Fuße, daß dem Kulturminister von Landmann „aus Gesundheits­rücksichten bis auf Weiteres Urlaub bewilligt" und Staatsralh von Schraut mit der Führung der Geschäfte des bay;rischeu Kultusministeriums betraut sei. DaS bedeutet natürlich nichts Anderes, als daß Herr von Landmann auS dem Kultusministerium dauernd ausscheidet. Staats­rath von Schraut soll am 1, August sein neues Amt als Regierungsvräfident antretr«. Bis dahin muß also ei» Nachfolger für Herrn von 'Landmann gesunden und dem neuen Kultus­minister auch ein «euer StaatSrath an die Seite gestellt werden. Daß der Staatsrath in einem bayerische» Ministerium dieselbe Stellung ein­nimmt, wie der Unter staalesetretär in einem preußischen Ministerium, dürfte allgemein be­kannt sein.

Natürlich bezeichnen viele &ute den Würz­burger Unioerfitätsstreit als den Stein, über den Herr von Landmann stolperte. Und ebenso viele Leute gehen noch weiter, indem sie die Vor­stellung zu erwecken suchen, daß eS sich hier um einen Widerstreit zwischen Liberal und Katholiich handele und H rr von Landman« seinen Platz habe räumen müssen als ein Minister, der für den katholischen Professor Chroust in Würzburg Partei genommen habe gegen den liberalen Würzburger Profeflorenring. Eine solche ein­seitige Darstellung trifft gewiß nicht das Richtiae. Proseffor Chroust steht, wenn er auch Katholik ist, nicht auf streng katholischem Standpunkte. Er hat sich selbst stets als einen „liberalen Katholiken" bezeichnet und ist auch in der baye­rischen Abgeordnetenkammer beispielsweise in diesem Sinne von dem Centrumsabgeordueien Pfarrer Serstenberger kritifirt worde«. Und außerdem ist gar nicht daran zu denke», daß der „Fall Chroust" allein den Fall des Kultus­minister- von Landma»« verursucht habe.

Ist etwa Herr v. Landman« et« sogen. „Kleri­kaler"? O nein! Herr v. Landmann steht mit seine« eigenen Anschauungen auf liberalem Boden. Nachdem er die juristischen Staatsprüfungen zurück­gelegt hatte, war er zunächst mehrere Jahre alS Redakteur bei der liberalen »Allgem. Ztg.' thätig, die damals ihr Heim noch in Augsburg hatte; »an hat niemals gehört, daß ein grundsätzlicher Gesinnungswechsel bei ihm zu verzeichnen gewesen wäre. Deswegen würde es auch verkehrt sei«, wollte ma« den Rücktritt LandmannS als einen Sieg des Liberalismus im Allgemeinen bezeichnen, so als ob mit dem Wechsel in der Person deS Kultusministers nun auch ein Systemwechsel be- sorstehe. Die allgemeinen politischen Verhältniffe in Bayern gestatten eine» solchen Systemwechsel gar nicht; außerdem kann man von dem ganzen Ministerium nicht sagen, daß eS eisen parteipoliti­schen Charakter habe.

Herr v. Landman« hat sich aber einen offenen und gerechten Sinn gewahrt. Er ließ sich nicht von dem liberalen Profefforen - Ringe zur offen-

Kine KHincrfclHrt.

AuS dem Reisetagebuche eines verstorbenen Diplomaten. 10 ------ (Nachdruck verboten.)

An Bord eines große«, elegant eingerichtete« englischen Raddampfers führe« wir nach Can­to«. Das Wetter war herrlich und die Fahrt ist ganz reizend. Um 12 Uhr servirte man an Bord ein ganz vorzügliches Diner, nach deffen Beendigung man i« WampoS, dem ersten chinesischen Hafen, einläuft. Den Eingang des Fluffes Jantsekiang erreichte man gegen 12'/, Uhr. Derselbe ist rechts und links mit chinesischen FortS sehr primitiver Konstruktion «mitt. Der Fluß ist außerordentlich stattlich, sehr brett und tief und wimmelt von chinefische» Dschunken. Von Zeit zu Zeit erhebt sich auf den angrenzende« Hügeln eine flagada in der Gestalt eines mächtigen Schachtelhalmes. Um 3 Uhr programmmäßig lief der Dampfer in Canto« ein. Inmitten eines wahren Chaos von chinesi­sche« Fahrzeugen legte er an. Unser Dragoma« kam an Bord, begleitet von 7 Chinese« und 3 Tragstühlen, die uns in wenigen Augenblicken über die Brücke brachten, welche die Insel Chamsin, den Aufenthalt der Europäer, von den Chinesen, d. h. dem Festlande trennt. Die Insel ist ein großer Garten, ringsum von Waffer und einem hübschgebaute«Quai, auf deffenRöcken ein schöner, breiter Spazierweg sich befindet, umgeben.

Wir sahen schon von weitem die deutsche Flagge wehen und erreichten in kurzer Zeit das Haus, daS für die nächsten Jahre mein Heim

baren Ungerechtigkeit gegen andersdenkende Män­ner beeinfluffen, wie sie dieser betrieben sehen will und beispielsweise bei dem „Falle Spahn" und dem darauf folgenden Mommsen-Rummel betrieben hat; deswegen wurde er freilich von allen diesen Leuten mit sehr scheele« Augen an- gesehen. Die Angriffe der Kammerltberale« gegen ihn bei der letzte« Schulgesetz - Debatte sind ja hinlänglich bekannt. Deswegen bezeugte daS Centrum dem Minister v. Landmann seine An- erkennung; eS erkannte feine Gerechtigkeit an, die er ohne Voreingenommenheit allen Anschauungen gegenüber übte, aber eS unterstützte ihn nicht als GestnnungSgenoffen. Denn ein solcher GefinnungS- genoffe ist er keineswegs j-malS gewesen. Per­sönliche Eigenschaften deS Herrn v. Landmann mögen sehr viel dazu beigetrage« haben, daß er nicht länger alS 6 Jahre das bayerische Kultus­ministerium i«ne hatte — für einen bayerischen Minister eine aerhältnißmäßig kurze AmtSdauer. Das älteste Mitglied des Ministeriums, Finanz- »inister Freiherr von Riedel, hat bereits sein fünfundzwanzigjähriger Mtnisterjubiläum gefeiert. Ministerpräsident Graf Crailsheim wurde bereits im Alter vo« 38 Jahre« Minister und bekleidet dieses hohe Amt nun auch bereits 22 Jahre. Augenscheinlich ist ein plötzlicher Wechsel der Situation erfolgt. Herr von Wiedemann, der Lester der Geheimkanzlei des Prinzregenten, wurde sogar auf dem Drahtwege aus seinem Urlaube nach München zurückberufen, um Herr« vo» Landmann szur Einreichung seines Urlaubes zu veranlaffen. Der letzte Ministerrath wenigstens hatte noch damit geendet, daß beschloffe« wurde, eine DiSziplinaruntersuchusg gegen die Würz­burger Senatsherren anzustrengen, weil sie den Kultusminister beleidigt und ein amtliches Schrift­stück vorzeitig der Orffentlichkeit übergeben hätte«.

Die Liberale» sollte« doch also ja nicht über einen angeblichen Sieg in der Sache triumphiren. Und wenn sie es dennoch thu», dann werden die «achkommende« Ereignisse sthr bald zeigen, daß sie bet weitem zu früh tttumphtrt haben. Herr von Landmann scheidet aui dem Ministerium. Aber ihm kann als Nachfolger nur ein Mann gegeben werden, der sein Amt nach ähnlichen Grundsätze» verwaltet; oder aber seine Amts­dauer würde noch kürzer als diejenige seines Vorgängers sein.

T Der Mädchenhandel.

Sest einer lange» Reihe von Jahren schändet eine scheußliche Pestbeule die Menschheit: der internationale Mädchenhandel; und leider kan« man verschiedenen Regierungen den Borwurf nicht erspare», daß sie nicht mit dem genügenden Nachdrucke gegen diese Scheußlichkeit Vorgehen. Der Mädchenhandel ist eine Thatsache. Die That- fache besteht seit langer Zttt. Der Handel wird von bestimmte» Leuten berufsmäßig betrieben. Er ist mindestens so abscheulich wie der Anarchis­mus. Aber noch niemals hat man etwa- ver­nommen davon, daß die Regierungen in ähn­licher Weise wie beim Anarchismus gemeinschaft­lich durchgreifende Maßregeln gegen diese systema­tisch betriebene Niederträchtigkeit überlegt hätten.

Man macht sich keiner antisemitischen Vor­eingenommenheit schuldig, wenn man sogt, daß

sein wird. Es ist ein reizend gelegener, solid ge­bauter Kiosk, von dem ich ganz entzückt bin. Die Front geht auf den Fluß, der von dem House und dem kleinen davorliegende» Garten nur durch die Promenade, d. h. einen freien Raum von etwa 29 Schritten, getrennt ist. Das gegenüber liegende Ufer, im Hintergründe von blauen, duf- tigen Bergen eingerahmt, zeigt hohes Grün, Bäume und Sträucher und dazwischen chinesische Häuser und Hütten. Vor meinem Hause ankern die großen Seedampfer, Segelschiffe und seit gestern ein englischer Kanonenboot. Den ganzen Tag fahren chinesische Dschunken auf und ab, von den größten bis zu den kleinsten, ost ganz dicht dem Quai entlang. Der vordere Garten ist trn Innern durch eine Barnburheck«, von außen mit einer etwa ein Meter hohen, mit Fayence durchbrochenen Mauer eingeschloffen. In seiner Mitte erhebt fich der hohe Mast, auf dem die deutsche Kriegs­flagge weht. — Die Fronte auf den Fluß bilden, von der Flußseite aus gesehen, recht« mein Arbeitszimmer, dann der Salon und link« das Speisezimmer. Alle drei Räume geben auf eine sehr breite (5 Schritte) gedeckte Veranda, auf deren durchbrochener Ballustrade Blumen fich be­finden, auf der Veranda überall chinefische Rohr- stühle und Seffel, während chinefische leichte Matten an jeder der Ocffnungen angebracht, die Sonne stet« abzuhalten bestimmt find. Mein Ar bett»- zimmer ist ca. 71/» Meter hoch und 11 Meter lang, recht elegant eingerichtet und mit vor allem durch seine reizende Ausficht auf den Fluß lieb. Der Saal, der dicht anschließt, ist bedeutend größer. Er bildet mein Schmerzenskind und wild

dieser gemeine Schacher mit Menschen fletsch in der Hauptsache von Jude» betrieben wird. Das ist eben Thatsache, gar nicht abzuleugnende That­sache. Deswegen ist es intereffant, daß der Rabbiner-Verband l« diesen Tagen bei seiner Versammlung in Frankfurt am Main mit diesem bösen Thema sich beschäftigt hat. Rabbiner Rosenack auS Bremen hat ausdrücklich zuge­geben, daß namentlich Juden Mädchenhandel treiben.

„Bor zehn Jahren — so sagte Herr Rosenack nach einem Berichte der .Franks. Ztg/ — wurde im Reichstage zuerst davon gesprochen, daß eS vornehmlich Juden seien, die Mädchenhandel treibe», und daß hauptsächlich jüdische Mäd­chen diesem Handel zum Opfer fallen. Leider ist Vieler davon wahr . . ."

Was der Rabbiner Rosenack sagt, wird auch einem Christen zu sagen gestattet fein, umsomehr, als Herr Rosenack augenscheinlich sehr genau über die Einzelhrtten dieses Sklavenhandels unterrichtet ist. Daß der Mädchenhandel hauptsächlich von galizischen Juden betrieben wird, ist freilich längst allgemein bekannt. Außerdem stellen Polen und Rußland ganz besonders viele Händler und auch Mädchen. Im übrigen aber erstreckt fich der Handel bis nach China und Japan. Zwei jüdische Vereinigungen — so erzählte wiederum Herr Rosenack — haben in der Bekämpfung dieses Handels schon manchen Erfolg erzielt: in London und in Hamburg. Die Photogramme der berüchtigste» jüdischen Mädchen­händler find in den Händen des Hamburger Komitees ... so Herr Rosenack.

Es ist doch merkwürdig, daß die jüdischen Vereinigungen die Photogramme dieser verchierten Schufte besitzen, sie wohl also auch kennen, und daß diese Bestien in Menschengestalt dennoch nicht von den Behörden dingfesi gemacht werden. Wie ist den» daS möglich? DaS ist nur so zu er­klären, daß man fich scheut, den Behörden zur öffentlichen Abstrafung diese Mensche» auSzu- liefern, well sie auch Juden sind; und daß außer­dem die Behörde« selbst nicht den genügenden Eifer entwickeln in der Entdeckung und Ver­folgung der Mädchenhändler. Siefen Seelen­verkäufern mag sicherlich nicht leicht beizukommen sein. Aber Herr Rosenack hat mitgetheilt, daß manche von ihnen sich felbsi der Polizei schon al« Spitzel angeboten haben, um bet der Be­kämpfung deS Mädchenhandels mitzuwtrken — gegen den entsprechenden klingenden Lohn natür­lich. Und dennoch hört man wenig und nichts von Entlarvungen und Bestrafungen solcher Schufte. Irgend etwas muß dabei nicht in Ordnung fein. Sonst müßte eS anders damit bestellt fein. Uebrigens muß man Herr» Rosenack in einem Punkte widersprechen: es handilt fich nicht um hauptsächlich jüdische Mädchen, die ver­schachert werden. Wenn darüber eine Statistik veranstaltet werden könnte, würde fich wahrschein­lich Herausstellen, daß mehr polnische, rusfische und deutsche Mädchen den Schuften zum Opfer fallen, als jüdische.

Leider besteht in den Kreisen der gebildeten und gefitteten Juden auch noch nicht die rechte Auffaffung für die ganze niederträchtige Gemein­heit diese« Sklavenhandels. Dafür hat ein anderes Mitglied des Rabbiner-Verbandes einen

mich noch viel Geld kosten, bis er fertig einge­richtet ist. Ich finde nur drei große Vorhänge, einen Divan, vier Sessel und einen Rundtisch, da­gegen keinerlei Teppiche oder Spiegel und außer zwei Stahlstichen kein sonstiger Mobiliar vor. Da« Speisezimmer, da« so groß wie mein Arbeit«- zimmer ist, ist ebenfalls recht elegant eingerichtet; außer der Ergänzung ein Services, das, wie ich fürchie, auch noch beträchtliche« Geld kosten wird, bedarf es hier nicht. Ein kleines Schieb lenster er­möglicht dem Koch, die Speisen direkt in das Zimmer zu gebe«, ohne feine nicht immer salon­mäßige Erscheinung selbst auf die Bildfläche zu bringen. Dem Arbeitszimmer gegenüber befindet fich mein Schlafzimmer; e« ist noch größer als da« erstere, enthält ein Bett, das ebenso breit wie lang ist und ist im übrigen ganz gut möbltrt. Die Fenster gehen auf eine breite, mit Gras und Bäumen bewachsene Straße, mit welcher wieder die gleiche Veranda, die überhaupt da« ganze Hau» umgibt, parallel geht. Außer meinem Schlaf­zimmer befinden sich noch drei Fremdenzimmer im Hause, alle groß und stattlich, zwei davon voll­ständig möblirt, da« dritte wenigsten« mit einem Bett versehen. Daneben eine geräumige Kanzlei und da« Zimmer de« Dragoman'«. Zu jedem Schlafzimmer gehört ein Badezimmer, in welchem fich auch da« Closet befindet. Die gleichen Räume wie oben befinden sich im Rez de chaasiäe, an­dern man in zwei kleine, für Küche und Diener­schaft bestimmte Nebengebäude gelangt, hinter welchem fich ein großer Gemüsegarten ausdehnt. Da« Ganze macht einen sehr stattlichen Eindruck; da» Hau« ist neu gebaut und Alle« in bester Ordnung.

unangenehm überraschenden Beweis erbracht: der Rabbiner Cohn aus Kattowitz hat in allem Ernste den Vorschlag gemacht, den Mädchen­händlern größere Geldsummen zu schenken, damit sie sich einem redlichen Erwerbe zuwenden können; denn — die Mädchenhäidler wendete» fich »nr aus Noch diesem häßlichen Gewerbe zu. Und die »Franks. Zig.', deren Urtheil doch jedenfalls mll dem vorwiegend jüdische» Gedankengang» hierbei überetnstimmt, behandelt den Cohn'schen Voi schlag in scherzhafter Weise. „Vielleicht — so schreibt fie — ist darum Herr Cohn auS Kattowitz aus den fulminanten Gedanken ge­kommen, die Mädchenhändler mit ihrem Gewerbe auszukaufen. Wenn diese Idee einschlägt, er­öffnen sich die henlichste» Aussichten. Wir warten dann nur »och, bis die Räuber abgelöst werden; dann nehmen wir Schiller'» Werke unter den Arm und wandern, wenn schon nicht in die böhmischen Wälder, so doch wenigstens i» den Taunus".

DaS ist nicht der richtige To» für eine Kritik de« Cohn'schen Vorschlages. Diesem gebührt nur die tiefste Entrüstung darüber, daß ein Rabbiner eine so niedrige Kulturauffaffung hegen und fich erdreisten kann, diese auch »och in öffentlicher Versammlung vorzutragen. Den Mädchenhänd- lern gebührt nicht Mitleid und noch weniger Ab­lösung mit höchst willkommenen Geldsumme». Ihnen gebühren die schärfste» Strafmittel, die unsere Gesetze kennen, und ganz nachdrückliche außergesetzliche Hiebe dazu. Herrn Cohn auS Kattowitz aber sagen hoffentlich Stammesgenoffen» die einseitiger als er selbst sind, daß er mit seinen Frankfurter Ausführungen einen häßlichen Ver­dacht erweckt hat: nämlich den Verdacht, daß man im allgemeinen im Judenthume den Mädchenhändlern noch nicht die Verachtung zollt, die ihnen gebührt.

Berlin, 12. Juli 1902.

+ Der Kaiser und Kerr Waldeck- Monffea«. Der Kaiser hat, wie schon in der letzten Nummer der,Fuld. Ztg.' kurz gemeldet war, auf seiner Nordlondssahrt Herrn Waldeck- Ronffean, den früheren französischen Minister­präsidenten, auf seiner Jacht Hohenzollern bei Odde als Gast empfangen. Dieser Empfang hat insofern seine besondere Bedeutung, als Herr Waldeck-Rousseau vermuthlich der Nachfolger deS Herrn Loubet in der Würde des Prästdenten der Republik Frankreich fein wird, wenn man auch weniger Werth auf die ZeitungSmeldungen zu legen braucht, die behaupten wollen, man kenne de« Inhalt der gepflogenen Unterredung zwar nicht, wiffe aber, daß diese Unterredung über die Grenzen der hergebrachten Höflichkeit hinaus- gegangen sei. Ma» kennt ihren Inhalt eben nicht, weiß also auch nichts davon. Die Haupt­sache auch bei dieser Begegnung ist die Aufmerk­samkeit, die Kaiser Wilhelm bei jeder Gelegen­heit in ritterlicher Weise hervorragenden Franzosen erweist.

Heute Mittag machte ich meinen offiziellen Besuch bet btm Vizekönig. Zu dem Zwecke waren drei Tragsessel, in Seide ausgestattet, vor der Thüre. Im Jmern derselben zur Rechten ist ein chinestscher Spiegel mit buntem Porzellan, weiter unten eine kleine Vase, vermuthlich für Cigarrenasche, link« oben eine Porzellanvase für Blumen und oben ein weiterer Spiegel angebracht. Die Thüre de« Stuhle» wird halb durch eine seidene Thüre geschlossen, oberhalb welcher seidene Vorhänge die gänzliche Abschlicßung ermöglichen. Da« Dach ist au« Seide und Rohrgeflecht. Vier Chinesen mit aufgrkrämpten schwarzen Filzhüten, in deren Mitte eine rothe Seiden quaste den oberen Theil de« Hutes bedeckt, tragen den Stuhl. Vorau« gehen drei Chinesen in blauem Anzuge, um Platz zu machen. Wir wurden eine Strecke lang durch unzählige enge Gaffen, in welchen fich ein Laden an den andern reiht, getragen, bi« wir da« Hau» de« Gouverneur« erreichten. Die kleinen, schmalen Straßen bieten ein außerordentlich lebendige« Bild. Jeder Laden trägt einen breiten Holzstreifen, die von oben bis unten in bunten Farben, meist gold und roth, ober rott) auf weiß, mit chinesischer Schrift verziert find. Reben diesen zu beiden Seiten al« äußerste Wandbekleidung be­findlichen Borden hängen noch öor dem Laden Papier- und Leinwandstreifen, ebenfalls bunt und mit bunten Lettern beschrieben, herunter, meist mit grünem ober blauem Untergründe. Rechnet man dazu die zahllosen großen, rothen Laternen uttit die innere bunte, reich mit Gold verzierte Laden- Einrichtung, so kann man sichet« Bild von dem male­rischen Eindruck dieser engen Straßen machen. (F. f.)