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29. Jahrgang.

Jutta, Mittwoch, dm 9. Juli 1902.

M 155

(Nachdruck verboten.)

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Eine KHinafaHrt.

Aus dem Reisetagebuche eines verstorbenen Diplomaten,

Glücklicher Weise zeigt stch hier weniger von dem lästigen Gestndil, das uns seine Maaren oder Dienste anbietet. Nur einen Malmen sah ich, der mir Kölnisches Wasser mit deut­schem Empfehlungsschreiben osferirte. Bor uns hält ein Boot, das ganz mst Muscheln und Koralle« angesüllt und seinen Inhalt zum Verkauf anbietet. Dir prachtvollen, großen Exemplare, die mit sehr viel Geschmack gruppirt stno, würden daS Auge eines Jeden entzücken. DaS Frühstück steht auf dem Tisch und nach Beendigung gehen wir ans Land.

Zu unseren Ausflügen nach Gingapore mußte ich auch meine Tischnachbarin Mad. H. einladen. Sie ist die junge Frau meines ersten Kollegen in Schanghai, deren B-kanntschast ich an Bord gemacht, und da sie allein reist, liegt mir natürlich die Pflicht ob, mich ihrer anju< nehmen und für sie zu sorgen, was einem alten Junggesellen nicht immer ganz leicht ist. Diese Pfl chl tritt übrigens, von der T-.schunterhaltung abgesehen, eigentltchst gegen Abend nach dem Essen in Thätigkeit. Die kleine Frau, (ehe Engländerin), hat die Liebhaberei, alsdann auf bas Verdeck zu gehen, u»d mir als ihrem Ehaperon liegt ob, sie dahin zu begleiten. An bet äußersten Spitze des Schiffes, über die Brüstung gelehnt, führen wir dann eine mehr

nehmigung der Regierungsmaßnahmen während des Krieges nicht verweigern, Mr» sieht daraus, daß Herr Chamberlain während de« Burenkrieges etwas gelernt hat. Früher verachtete er, vom Scheitel bis zur Zehe ein Londoner Jingo, die südafrikanischen Holländer als einen im Vergleiche zum Briten minderwerthigen VolkSstamm. Jetzt haben ihm die Hiebe eines Steijn, de Wet, Delarey und Botha Achtung vor diesen Hollandern und die Einsicht beigebracht, daß diese am ehesten durch ritterliche Behandlung zu leite« und zu regieren sind. Herr Chamberlain beweist damit von neuem, daß er ein feiner Kopf und ein kluger Staatsmann ist, den stierköpfigen Leuten weit überlegen, die er als Vollzieher seiner An- Weisungen äußerlich als Leiter der Kapkolonte bestellt hat.

Dazu kommt noch etwas Anderes. Im briti­schen Parlament hat Herr Chamberlain, wenn auch nur der Noth gehorchend und nicht dem eigenen Triebe, immer versichert, er wolle die Afrikander keineswegs unterdrücken, sonder« nach der Beendigung des Feldzuges mit ihnen und mit den Buren zusammen arbeiten an einer glück- lichen Zukunft des unter dem britischen Sc-pter vereinigten Südafrika. In seinem innersten Herzen bat damals Herr Chamberlain vielleicht überfeine eigenen Worte gelächelt. Nun aber hat sich das Element der Buren und der Afrikander weit stärker und widerstandsfähiger erwiesen, als man es stch vorher i« London jemals vorgestellt hatte; des­wegen wird sich die britische Regierung zunächst sehr hüten davor, diese Elemente aus's neue zu reizen. Sie will — im eigene« Jnteresie! — vielmehr versöhne«, nicht aus's neue Erbitterung säen. Deswegen ist für Herrn Chamberlaia gerade der richtige Zeitpunkt gekommen, um aus der Noth eine Tugend zu machen und die Afrikander durch Höflichkeit zu gewinnen, anstatt ihnen neue Fußtritte zu versetze«. Ma« kann das Londoner Telegramm als baare Münze hinnehmen, daß näm­lich die holländischen Afrikander die Weigerung der britischen Regierung mit Befriedigung begrüßt haben. Man kann in Anbetracht der Lage der Dinge in Südafrika nur daS Eine wü >chen, daß diese Afrikander wirklich einen Strich urch die ganze Krieasrechnung machen und di von der britischen R-gierung gewünschte Indem -tät er- thetlen. Diese letztere beeilt stch auch mit der Hetrnschaffung der kriegsgefangenen Buren, was ebenfalls in günstiger Weise die Stimmung der Buren und Kapholländer beeinfluffen wird.

+Aalionalliverake Partei versammln«-. Der Centraloorstand der nationalltberalen Partei hat dem wiederholten Dränge» stattgegebe» u»d beschlossen, für den Monat Oktober einen allge­meinen Delegirtentag nach Eisenach einzube­rufen, bevor die Verhandlungen des Reichstages wieder beginnen. Lange Zeit hat man gezögert, diesen Plan auszusühren. Der Grund der Ver­zögerung war die Beforgniß, der Parteitag möchte dem Zusammenhalten der Partei nicht förderlich, sondern im Gegentheile schädlich sein. Ma« kennt ja sattsam die Gegensätze innerhalb der Partei in der Beurtheilung der Zvllfrage, von vielen anderen Gegensätzen abgesehen!

X Ländliche Aevölüerrmg nud Zte Iwttm. Nur vereinzelte Starrköpfe und Ka­thedergelehrte wollen nichtzugeben, daß die länd­liche und landwirthschaftlich lhätige Bevölkerung eine weit höhere Bedeutung für die Ergänzung des Heeres und damit für die deutsche Wehr­kraft und auch Machtstellung hat, als die Be­völkerung der größeren Städte und die Industrie- bezirke. Die Reichsverwaltung hat «och immer nicht bett schon mehrfach im Parlamente aus­gesprochenen Wunsch erfüllt, genaue statistische Erhebungen über die ursprüngliche Herkunft der Rekruten nach diesem Gesichtspunkte zu vrran« fialten. Nu« hat der Deutsche Landwirthschafts- rath einen Bericht über. diese Frage und ihre bisherige Behandlung herausgegeben. Man er­sieht daraus, daß der LandwirthschaftSrath schon vor längerer Zeit eine Eingabe an den Reichs­kanzler gerichtet hat, worin dieser aufs neue darum gebeten wird, das entsprechende Material der Ersotzbehörden den statistischen Centralstellen zur fortlaufende« Verarbeitung und Veröffent­lichung zu überweisen. In diesem Werke ist auch eine Arbeit des vortrefflichen Profeffor- Gering in Berlin enthalten, in dem dieser sehr überzeugend nachweist, daß zwei Drittel der deutschen Rekruten auS den überwiegend land- wtrthschaftlichen Bezirke» deS Reiches stammen, nur ei» Drittel aus industriellen Gegenden. Der preußische Kriegsminister hatte in der Budget- kommission des Reichstages die gewünschte Statistik in Aussicht gestellt. Es wird nun höchste Zeit, daß sie endlich veröffentlicht werde.

X Die Aurwanderuug. Nach wie vor geht der Hauptstrom der europäischen Auswan­derer »ach den Vereinigte» Staaten voy Amerika. Die Einwanderung, die diese Letzteren haben, ist darum gleichzeitig ein sehr guter Gradmesser für die Auswanderung aus Europa. Am allerge­ringsten war die Einwanderung »ach den Ver­einigte» Staate» von Amerika in dem Berichts­jahre 1896/97. Sie betrug damals nut 230000, in dem wanderungsreichrn Berichtsjahre 1891/92 dagegen nicht weniger alS 623000. Seit 1897 ist die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten wieder in die Höhe gegangen: in dem Berichts­jahre 1900/1901 hat sie schon wieder die hohe Ziffer von 488 000 erreicht. Jedoch ist Deutsch­land an dieser letzten Zunahme nicht betheiligt. Die Auswanderung aus Deutschland hat erst mit dem laufenden Jahre wieder zugenommen. An der Aus Wanderung sind der Reihe nach am stärk­sten betheiligt Jtalim (134000), Oesterreich- Ungarn (113000), Rußland (85000), England (46000), Schweden (35000), Deutschland

„Timstrirte Sonntags-Zeitung”, ,5uktaer Ge$d)id)t$blättef" und rotkrie=n$fe.

die »edakttou i. v. Karl S»akk«r.

-far liTSulM.

G Chamberlain der Gute.

Herr Joseph Chamberlain hat einen guten Tag gehabt: er hat sich in der südafrikanischen Politik einmal alS der Vertheidiger verfaffungs- mäßiger Rechte gegen andere Leute gezeigt, die «och gewaUthätiger als der britische Herr Kolonialminister vorgehen wollten. Die britische Regierung deS KaplandeS wollte nämlich nichts mehr und nichts weniger, als die Vetsaffung des KaplandeS für längere Zeit beseitigen, und das fi auch Herrn Chamberlain als eine zu gemalt» ame und gleichzeitig gefährliche Maßregel er« chienen. Er hat dem Gouverneur bet Kap- Monte, Sir Walter Hely Hutchinson, eine ab- chlägige Antwort eriheilt: nur bie Minderheit »er Mitglieder des Kap-Parlamentes habe die entsprechende Bittschrift unterzeichnet, und nur durch das gesummte Reichsparlament könne eine solche Maßregel beschlossen werden. Außerdem aber äußert Herr Chamberlain die verständige Anficht, daß bie zeitweilige Aufhebung her Ver­fassung im Kaplande ohne Befragung bet gegen­wärtigen Volksvertretung desselben nicht zur Beschwichtigung der Gegensätze zwischen Hol­ländern und Engländern beitrage», sondern im Gegeiltheil zu erneuter gegenseitiger Erbitterung führen werde. DaS Parlament der Kapkolonte solle so bald wie möglich einberufen werden, und Herr Chamberlain spricht die Hoffnung aus, daß das Parlament der Regierung nicht die Bewillt- guwg derjenigen Maßregeln verweigern werde, die zur Beruhigung des Landes nothwendig seien.

Herr Chamberlain hat sicherlich recht. Es hat im Kaplande schon sehr viel böseS Blut ge» macht, daß bie englische Regierung während bet Dauer deS Krieges bie Einberufung des Kap- Parlamentes vethinbette. In biefem Parlamente haben bie Afrikander bi» Mehrheit, also bie Bürger von holländischer Abstammung. Würde daffelbe während des Krieges versammelt gewesen sei», dann würde es ohne Zweifel mehr als ein­mal seiner Freundschaft für bie stammesvrrwandten Buren offenen und kräftigen Ausdruck gegeben haben. Daß das von der englischen Regierung verhindert wurde dadurch, daß man das Kap- Parlament ganz einfach nicht einberief, kann man der Regierung nicht verdenken. Im Kriege geht es »och immer anders zu, als in friedlichen Zeiten; und wat die Beiseiteschiebung des Par­lamentes der Kapkolonte auch nicht nach der Ver- faffung zu rechtfertigen, so muß man der bri­tischen Regierung eben die ganz besonderen Um­stände zu gute halten. Nunmehr aber ist der Krieg beendet. Es müffen wieder verfaffungs- mäßige Zustände zurückkehren, und dazu gehört vor allen Dingen die erneute Einberufung des Parlamentes im Kaplande. Herr Chamberlain geht m seiner Berücksichtigung der Volk-rechte bet Kaplänber sogar so weit, daß er ei« Indem- nitäts-Gesetz als erforderlich bezeichnet, um die Regierungsmaßnahmen während des Krieges nach­träglich durch bie Volksvertretung bestätigen zu lasten. Das entspricht den Gepflogenheiten euro­päischer Staaten in vollkommenster Ordnung, und eS ist gleichzeitig eiee kluge Taktik Chamberlain'-, daß er von vornherein die Hoffnung avsspricht, das Parlament der Kapkolonte werde die Ge-

Betlin, 8. Juli 1902.

4- Wo« der Zlniversttat Münster. Die Unioetstlät Münster, bekommt in ihrer philo­sophischen Fakultät auch einen protestantischen Profeffor, den ersten protestantischen Dozenten in der dortigen philosophisch n Fakultät. Die Mittel dafür enthält der Staatshaushalt bereits Auf diesen neuen Lehrstuhl ist Prof. Dr. Erich Ad ick es berufen worden, ein Bruder des Ober- odet minder lebhafte Unterhaltung, kehre» dann um 7 Mer 1I»8 Ugr auf das Hinterdeck zurück und spielen von 8 bis 9'/, Uhr unsere Partie Befique, wonach sie stch zurückzieht. Sie ist eine muntere, aufgelegte Frau, mit her ich aber wegen der ganz verschiedene« Austastung in Betreff unserer Reile nicht harmonire. Sie freut stch unendlich, ihren Mann, den sie abgöttisch liebt, in Schanghai wieder zu sehen. Jede Stunde bringt sie ihrem ersehnten Glück zwölf Meilen näher; mich entführt der Dampfer ebenso viel von Allem, was ich liebe und was mich liebt. Sie erwartet dort ihr Heim, eine ihr vertraut und liebgewordene Thätigkeit, ich sehe nur fremden Leuten, einem fremden Orte und einer mir noch fremden Thätigkeit entgegen, von der ich nicht sagen kann, daß ich sie liebe.

Madame H. nahm meine Einladung nach Singapore bereitwillig an. Nach einer Drei» viertelstündigen Pause, bie sie auf ihre Toilette unb Dr. D mit Aufraffung seiner gesammten K-nntniffe der englischen Sprache zur Verein- barung des Fahrpreise- mit einem malaischen Kutscher verwendete, fliegen wir endlich i« einen dicht am Landungsplätze haltenden Wagen ein. Diese Droschken sind weit unb geräumig wie kleine Omnibuffe; mein Diener faß auf bem Bock, bet Kutscher auf bet Deichsel. Wir hatten unS eben in Bewegung gesetzt, als ein Herr an den Wagen trat uns nach mir fragte. Ich er­kannte in dem mich Anredenden den Sekcetär und jetzige« Verweser des Konsulats, der drei Jahre vorher auf bet Reise «ach Singapore

etwas träge, würden d-shalb von der Konkurrenz der Chinese« ganz unterdrücke, wenn sie nicht einzelne Sewerbszweige stch ausschließlich zu unterhalten gewußt und darin eine bie chinesische Konkurrenz ausschließrnde Fertigkeit ex langt hätten. Pferde und Schiffe zu führen, sind fast ausschließlich Beschäftigungen der Malaien, bariben fi-d sie auch noch Fischer und Diener von Em op lern. In der erstge- ginsten Th Eiligkeit wiro ihnen von der dritte» nicht kaukasischen Rasse, den Hindu-, eine nicht gefährliche Konkurrenz gemacht. Die Fahrt durch das ausschließlich chinesische Viertel wat eine sehr iatercffante. Man könnte sich mit Leichtigkeit vollständig nach China versitzt denken, denn alle- was man sicht ist chinesisch und alle Leute Chinesen. Da laste« stch einige rafften. Andere die Ohren reinige», der Vierte den Zopf auskämmrn; Andere fitzen a» einem Tisch mit Este» beschäftigt; - da sind Schneider-, Schuster- und Satilrrläden, die 20 bis 30 Chinesen be- schäftigen. Man sieht, wie sie nach unb »ach alle u«b jebe Erwrrbszwrige, alle Gewerbe sowie den Klein- unb Großhandel an stch gerissen. Die Häuser stnb von außen mit großer chine­sischer Aufschrift, Laternen, Blumen und Drache», Göttern und Göttinnen, theilwrise recht geschmack­voll verziert. Kein Haus, ob von Chinese« oder Europäern, Armen oder Reichen bewohnt, hat Fenster. Der offene Raum ist theils von Matten, lyeils von rothem Tuche bedeckt.

Wir erreichen endlich die Stadt; sie ist von dem Borneo Werst, w, unser Dampfer liegt, eine Stunde entfernt. Am ersten Ziele,

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bürgermeisters in Frankfurt a. M., jetzt außer­ordentlicher Profeffor an der Universität in Kiel. Hat wohl in irgend einer katholischen Zeitung ein Wort , gestanden gegen diese Neuerung inner« halb der philosophischen Fakultät in Münster? Nicht ein einziges Wort! Daraus kann man wiederum ersehen, daß die Katholiken die Grund­sätze der Parität hoch halten und befolgen, ganz anders al- gewiffe andere Kreise, die ein großes Wehklagen erheben, wenn an Universitäten in katholischen Gegenden mit einer großen Anzahl Studenten für Philosophie und Geschichte unter viele Universitätslehrer liberaler unb kirchen- feindlicher Richtung ein Katholik berufen wirb.

x A-r Wahlkreis Kayrenlh Nunmehr liegt die amtliche Feststellung bes Wahlergebnisse- im Wahlkreise Bayreuth vor. Es wurden, wie schon gestern gemeldet, im ganzen 13,874 gütige Stimmen abgegeben. Davon hat der sozialdemo­kratische Wahlbewerber, der Schneibermeister Hügel in Bay euth, 5498 Stimmen erhalten. Nach der Zahl der erhaltenen Stimmen folgen Oekonomierath Hagen in Bayreuth (natl.) mit 3911, Landwirth F-ustel in Langenbruck mit 3286 (Bund der Landw.) und Kaufmann Günther in Plauen (freif.) mit 1164 Stimmer-. Die Stim­men der bürgerlichen Parteien find gegen die letzte Wahl stark rurückgegangen. Im März 1900 siegte im ersten Wahlgange der nationalliberale Wahlbewerber als einziger bürgerlicher Kandidat mit 9159 Stimmen über den Sozialdemokraten, der damals 4737 Stimmen erhielt. Die Stimme» aller drei bürgerlichen Wahlbewerber betragen diesmal zusammengenommen nur 8361, also rund achthundert Stimmen weniger, als bei der letzten Wahl. Die Sozialdemokratie hat um etwa ebenso viele Stimme» zugenommen. Wen» man das jüngste Wahlergebniß mit demjenigen der Haupt­wahl vom Jahre 1898 vergleicht, sieht man so­fort, von welcher einzelnen Partei Der Sozial­demokratie di'sir Zuwachs gekommen ist. Die Freisinnige Vokspartei erzielte bei der Haupt­wahl i. I. 1893 nicht weniger als 2314, dies« mal nur 1164 Stimmen. Was bie Freisinnige Volkspartei also verloren hat, ist be» Sozial­demokraten als Gewinn zugefallen. Wie bie Freisinnigen bieüm'l in ber Stichwahl sich ver­halten werben, ist noch unbestimmt.

4- „SteCiflio* ist N»ivats«ch-". Zu ben sehr vielen Beispielen, aus benen hervorgeht, daß die Sozialdemokraten gar nicht daran denken, bie Religion als Privatsache unbehelligt zu laflen, ge­hört ein Fall in bem Berliner Vororte Adlerr­ho s. Dort hatte der sozialdemokratische Arbeiter- Turnverein eine sogenannte „Kartoffel- unb Häringsparthie" am preußischen Bußtage veran­staltet, unb bei dem Auszuae, der damit verbunden war, wurde ein au« Kartoffeln und Häringen her- gestelltes Kreuz vorangetragen. Dcm Träger diese« „Kieuzes" hatte man ein Gewand ungezogen, das augenscheinlich ein Chorhemd vorstellen sollte. Diese gemeine Beschimpfung deffen, was dem Christen am heiligsien ist, soll nun Ahndung vor Gericht finden. Die entsprechende Verhandlung ist für diesen Mütwoch vor dem Landgericht II in Berlin anberaumt. Hoffentlich wird die exem­plarische Bestrafung der Wüstlinge nicht au»« bleiben,

ein paar Tage in Kairo bei mir zugebrochr. Er übergab mir einen Brief des Konsuls in Hongkong und stellte sich uns fammt seinem Wagen zur Verfügung. Troppa tarde carissimo! Nach langer Uebetlegung ließ ich ihn t» feinem Wagen nach Hause fahren und versprach ihn;, um 4 Uhr auf hem Konsulate vorzusprechm.

Unser Omnibus setzt stch wieder in Be­wegung und das kleine Pferdchen bringt ihn rasch von bet Stelle; allerdings sind, wie m alle» britischen Kolonie», bie W ge ganz vor- tresflch unterhalten. Z» beiden Seiten des Weges hohes unb niederes Gesträuch, Darunter Palmen unb andere hohe Bäume, der Boden bei Der Fluth mit ein paar Faß Wasser beDkckt. Hie und Da finden sich eine Anzahl Wohnungen von Malaien, auf Pfählen über DaS Wasser ge­baut. Wir passtren zunächst zur Linken einen großen chinesischen Friedhof und bald Darauf den Anfang bet Stabt Singapore; mehrere Dutzend HolzhÜtten, an bie sich un­mittelbar Die chinesischen Quartiere an« schließen. Haus an Haus, Laben an Laben gehört ben Chinesen, ganz mit chinesischen In­schriften bedeckt, unb unter bem Vordache wimmelt es von Chinesen in allen Alters­klasse» ; bie meisten nur mit einer Schürze betleibet und vo» hellgelber, theils bem weiße» stch nähernden Hautfarbe. Die Malaien find bunkelbraune, bronzefarbene, fetlant und hübsch gebaute Gestalten mit regelmäßige» ge­fälligen GestchtSzüzen; auch sie tragen bas schwarze, glänzende Haar lang beruntersallenb, aber auf Dem Hmterkopfr aufg'st.-ckc. Sie find

ü Fuldaer

Deutsches Reich.