Einzelbild herunterladen
 

KuldaerMZeitung

29. Jahrgang.

Iutöa, Freitag, den 4. Juli 1902.

HL 151.

Dtb« ant> Vttlat tot Jnltatr Mlfnlrudcie p<tereaafl< Nr. » (Mrmonk).

trldjeint »flM tn. Ausnahme der tzonn-vnd Wer* * tflflt. Viertell-hrd.

-e,ug'i"ti» ehne®nnfltrlef)D und Bestellgeld en ftulba und ouS« Sätt8iaJl^0%

Jnftrdfi: Sie tinfpaltige Petit» »eile ober bereit Rauml5Pfa..Re» Hamen bie Petit» geile 25 Pfg.; bei Wiederholungen roirbenlfpredjenb. Rabatt gewährt.

mit den Beilagen

„Illustrirte Sonntags-Zeitung1’, „Fuldaer Gescbicbtsblätter" und £otterie--£i$te.

Berlin, 3. Juli 1902.

+ Der Mtfchof os« Aildeehei» hat sich Mer Operation unterziehen müssen. Der hoch» würdigste Herr hat — der .Hrldesh. Ztg.' zu­folge — fett Jahren ein chronische- Ohrenletdeu, und diese- hat in der jüngste» Zeit einen döS- artigen Charakter angenommen. Infolge einer hinzugetretene» Komplikation wurde eine größere Operation »othwendtg und am lt tzten Mittwoch vorgenommen. Debet wurde ein Absceß unter­halb der harten Hirnhaut entdeckt und entfernt. Die Operation wurde in zweistündiger Narkose von einem der besten Ohrenärzte auSgrsührt, Dr. Jansen in Berlin. Es besteht die begründete Hoffnung, daß bei der vortrefflichen Konstitution des Patienten eine Heilung erzielt wird.

Stsatsartnratt Ar. Sch«lz in Mül­haufen im Elsaß ist nach Metz versetz: worden. Soeben wurde er als einer der Kandidaten der Demokraten und Sozialdemokraten in den Gr» mrinderath von Mülhausen gewählt, zusammen mit dem Landgerichttzdirektor dort. Bullrtcht gibt die Regierung auch diesem tttzte-e« demnächst Gelegenheit, feine Thätixkrit als Land-zertcht-» Direktor an einem anderen Orte aukzuüben, ebenso wie manchen anderen Beamten tm Elsaß, die auS Haß gegen die „Römischen" bei den (le« metndewahlen lieber gemeinsame Sache mit den Sozialdemokraten möchten.

* zbette»f«tz«r». Tinen heiteren, fast komi. sche« Eindruck macht es, wenn man das Verhalten der liberale« und katholiker feindlichen Presse feder Art hirfichtlich der Aachener Kaiserrebe vergleicht. Bor acht Lagen wurden im liberalen Lager die „Papstworte ehrfurchtsvoll begrüßt" und den General von Lc« wußte man aS „verehrm-gs. würdigen greisen Trnsraloberst und überzeugten Katholiken" nicht hoch genug zu preisen. Das war damals, als man noch mit einer Fälschung der Aachener Katserrede den ^friedliebenden" Papst gegen das „sriedenstörende" Centrum aus- spielen zu können glaubte! Die ,Magdeb. Ztg.' z. B. in ihrer Nr. 317 vom 25. Juni erblickte in dem „päpstlichen^Geständniß, daß in Deutsch­land jeder Katholik ungestört und frei seinem Glauben lebe« könne" zwar nicht geradezu die Auflösung der Cent rumspartei, aber doch „eht sehr schätzbare- Jmponderabile sowohl gegen­über den Ansprüchen unserer Klerikalen", als auch gegenüber der Regierung, indem jetzt „etwa bei der Regierung vorhandenen Neigungen, den Forderungen des KlerikalismuS entgegenzukommen, das Geständniß des Papstes im Wege stehe". Sogar der soziald-mckratische .Vorwärts' (Nr. 143 vom 22. Juni), der doch sonst gewiß kein Freund kirchlicher und weltlicher Autorität ist, wuroe plötzlich 00» einer AutoritätS- schwärmerei angewandelt und beklagte sich über die „Auflehnung" der CrvtrwmSpreffe „gegen rte päpstliche Autorität", indem er htnzufügte: „Es ist rin Verdienst deS Papstes, daß et diesen Centrumsschwtndel einmal entlarvt und

Kine KHinafcrhrt.

AuS dem Reisetagebuche eines verstorbenen Diplomaten.

2 ------ (Nachdruck verboten.)

Den 14. Oktober 18 ..

Ich habe in der Frühe mein erstes Bad im rothen Meer genommen, e« ist das salzigste Meerwasser, das । giflirt. Die Bäder find groß und sehr komsonabel eingerichtet, ein großes Fenster geht auf die See, und wenn man in seiner Wanne fitzt und das rauschende Meer dicht neben -sich hat, könnte man fich einbilden, daß man direkt im Meer schwämme. Hoffen wir, daß e- nicht dazu kommt!

Das Meer hat jetzt wieder eine dunkelblaue Farbe angenommen; die Ufer find auf beiden Seiten verschwunden und werden euch vor Aden nicht wieder zum Vorschein kommen.

Wir weiden einen heißen Tag bekommen. Soeur Madelaine stickt unaufhörlich weiter; ihre Stickerei nimmt heute eine prägnantere Form an, in dem rothen Herzen steckt ein Dolch (?) und über dem Herzen wird ein Kreuz eingesteckt. Die französischen Geistlichen scheinen der Welt doch noch nicht so abgestorben zu fein, wie ich dachte. Der eine raucht ganz gemächlich eine kurze Pfeife, der andere liest eine englische Novelle, der dritte, ein wirkliches Malertalevt, zeichnet zum Entzücken. Beim Frühstück wird die Punga, die großen Fächer, — die über die ganze Table d’hdte Lehen — in Bewegung gesetzt; sie geben einen

offen die Wahrheit au-gesprochen hat: da- über­wiegend protestantische Deutsche Reich ist in der That da- Land, wo die katholische Kirche und ihre politische Organisation regiert, und zwar weniger angefochten herrscht al- in katholischen Ländern." Das ist nun auf einmal ganz anders geworden. Nachdem Generaloberst von 2(5 In Bonn die richtige Erklärung der Worte der Kaiser- und de- Pcpste« gegeben hat, schwenkte die liberale Wetterfahne plötzlich um, und heute fährt man schweres G< schütz auf gegen „den alten 2c6" und gegen den Kaiser; man erhebt »den schärfsten Widerspruch gegen die lhSr.chten Wen­dungen" von 2c «3 und warnt vor „lyzantinischer Lodpretsung der Kaiserrede". Als katholische Blätter Bedenken äußerten, die jetzt durch Herrn v. Los bestätigt worden find, wurden sie als Kaiser» und Papstverächter zugleich hingestellt. Heute he.ßt es, „selbst der eifrigste Monarchist könne nicht bestreiten, daß der Kaiser sich gelegentlich im Ausdruck vergriffen habe". Bor acht Tagen galt schon eine leise derartige Andeutung saft als Majestät-Verbrechen. Sehr unwirsch ist ein liberales Blatt, daß „die deutsche Politik auf die Zastiedenheit de- Papstes zu viel Gewicht lege und ourch Erwägung weiterer Wünsche deS Papste- ernste Besorgnisse unter den Protestanten errege". Ein so gewaltiger Umschwung der Stimmung innerhalb weniger Tage, wie er sich hier im ganzen gegnerischen Lrger — vom orthodoxen ,Reichsboten' bis zum sozialdemokratischen.Vorrräns' — vollzogen hat, dürfte wohl noch selten im politischen 2eben zu verzeichnen gewesen fein; er ist aber höchst charakteristisch für die betreffenden Parteien und rhre Presse, bei denen der Hatz gegen die katho­lische Kirche und das Centrum alle anderen Ge- fühle übrnniext.

X Aknsessor D-Iler in Ker« hat nicht nur sein Amt als Rektor der Berner Univerfi ät, sondern auch überhaupt als Professor nieberqekgt, scheidct damit allo vollständig au» dem llnioer» fitätrverbande aus. Der Grund dazu l gt, rote bericht' t, in einer Rede, bie Professor Vetter in Nürnberg bei der Jubelfeier des G manischen Museum« gehalten hat. Er füh te bou etwa da- Folgende aus: er komme au« einem L r.be mit allerdings sehr weitgehenden Rcservatrech err. Die Deutschen in der Schweiz feien sich ihrer Zu­gehörigkeit zum großen deutschen Volke vollkommen bewußt ... geistig sti bet deutsche Schweizer deutsch und werde e« bleiben! — Von einer andern al« geistigen Zusammengehörigkeit hat Professor Vetter nicht gesprochen, und er hat aus» drücklich auch nur von dem ben schen Schweizer gesprochen. Nichtsdestoweniger erhob sich ein Ent­rüstungssturm gegen ihn, der zuerst in einer studentischen „Katzenmusik" mit Einwerfen der Fenster sich bemerkbar machte. Aber die amtliche Welt in Bern stellte fich auf die Seite dieser ge- schmack. ollen Kundgebung: die halbamtliche Zeitung .Der Bund' brachte unter der Ueberschüft „Die Nürnberger Rede einer Berner Germanisten" einen Artikel voll starker M ßbilligungen gegen Px-ofessor Vetter, und daraufhin beschäftigte sich auch der Senat der Universität mit der Sache. Er wurde im Senate der Antrag gestillt, den Artikel des .Bund' zu mißbilligen; der Antrag wurde indessen mit einigen Stimmen Mehrheit WSSWSSSWSSSWSSSSSSS» MSVSWSSSSSSVW sehr kühlenden, beständig wehenden Windzug, der überaus angenehm ist.

An jedem Ende des Tttche« steht ein Chkmfe, der die ganze Maschinerie in Bewegung setzt, und «« lassen ihre regelmäßigen Bewegungen uns glauben, daß wir e« mit Automaten zu thun haben. *

♦

Den 15. Oktober.

Die Fahrt wird einförmiger, hier und da macht man eine weitere Bekanntschaft, sonst stet« dar gleiche Einerlei. Hohe See ohne Wind, eine erdrückende Hitze, die nur zuweilen durch eine kurze Brise itroa« erleichtert wird. Temperatur im Schatten 4G° Gels, oder 31° R.

Heute Morgen haben wir zum ersten Mal fliegende Fiscke bemerkt, welche mit einer außer­ordentlichen Geschwindigkeit über dem Meere hin ost große Strecken fliegen. Wer fie das eiste Mal. steht, könnte fie für Schwalben halten. — Die Küche ist anhaltend gut- Kaffee, Thee, Chokolade nach Belieben, bi» 8 und 91/» Uhr Dejeuner, 1 Uhr Luncheon, Wein Bier, Limonade mit Nüssen ober Obst; 5 Uhr Table d’höte, 8 Uhr Thee.

*

Den 16. Oktober.

Die Hitze wird unerträglich: 28° R. während bet Nacht, dabei total feuchte Luft, die einem in beständiger Transpiration erhält. Und noch volle drei Tage und Rächte, bi« wir au« diesem Feg­feuer von roihern Meere kommen.

abgelehnt, und nunmehr erklärte Professor Vetter, daß er seine Lehrthätigkeit an der Universität ein» stelle. Man kann die Berner Professoren zu diesem Beschlüsse nicht beglückwünschen; er zeugt gleich der Stellungnahme de« genannten Berner Regie­rungsblatte« von einer geradezu krankhaften Reiz­barkeit und einer unsagbar kleinlichen Gesinnung. Hoffentlich gibt recht bald eine deutsche Hochschule H.rrn Professor Vetter Gelegenheit, seine Lehr­thätigkeit in Deutschland forizusetzen.

X „Nix dajtsch.“ Unsere allerbeste» Freunde find die Tschechen von der radikalen Färbung, wie fie gegenwärtig in Böhmen vor­herrscht. Die Polen unterbrächen ihre Neigung, im galizischen Landtage eine Kundgebung gegen die Polenpolitik der preußischen Regierung zu veranstalten; dafür nahmen sich die Tschechen gegen den eigenen Wille» der Polen dieser Letzteren fich an und lärmten im österreichischen Abgeordnetenhause, daß ei seine Art hatte. Noch mehr: bie Rabilaltschechk» wäihen gegen den Grafen Potocki, den galizi'chen Lanbmarschall, wegen dessen „lahmer" Erklärung im galizischen Landtage. Sehr zu bedauern ist es, daß die Re- gierung vor diesem wilden Toben zurückweicht. AuS Besorgniß, dadurch ien tschechischen Völker­haß aufs neue aufzuregen, hat Fürst Lobkowitz, der böhrn sche Oberlanbmarschall, einen Nachruf auf den König Albert von Sachsen im böhmischen Landtage unterlassen. * So geschehen im Lande der Wenzelskrone im Jahre 1902 !

+ 5«r K«tlOfftt«g der MureugefsNgeue«. Auch Deutsche befinden fich, wir betaant und mehrfach berichtet, in verhältuißmäßig großer Anzahl unter den Kriegsgefangenen, bie von de» Engländern nach verschiedene» entfernten Inseln gebracht worden find. Wege« dieser Leute hatte Staatssekretär Freiherr von Richthofe» Verhand- lungen mit der britischen Regierung eingeleitet. Diese wird mit he« Gefangenen im allgemeinen verfahren: znncch^ werden bie Buren sortgeschafft, die den Treueio Listen; dann diejenigen Buren, lie ihn nicht G'ften.; dann erst dijenigen Ge­fangenen frem^r Staatsangehörigkeit, für die England die U Zerfahrt bezahle« muß. Die fremde« Krieg« * fxngenen aber, die ihre Schiffs­fahrt selbst begeb en, könne« sofort abreifeu — nur nicht nach Südafrika. Es handelt fich für fie also nur um die nothwendigen Reisegelder.

X Mltium»r«iU-r v. Lar°dm«n- hat dem Prinzregenten Luitpold aus Anlaß seines Zwistes mit dem Senate der Univerfität Würz- bürg ein Entloffungsgesuch unterbreitet, ist damit aber abschlägig beschiede» worden — so wird berichtet. Damit würde der Prinzregent dem Kultusminister seine Beikimmung zu dessen Haltung gegenüber de« streikende« Professoren ausgedrückt habe«. Die liberale Presse verzeichnet die Meldung in sehr mürrischer Weise, zum Theil in recht kennzeichnender Weise. In der «.ckional- liberale» Berliner .Rational-Zeituna' liest man sogar folgende» Satz: „Anderseits könnte e« sich aber auch tragen, auf wie lange die Ablehnung (des EmlassungSgesuches) erfolgt wäre; de»» tS ist bekannt, daß der Prinzregent keineswegs weitgehendeu Zugeständnissen an den Klertka- llsmus geneigt ist." Wie kommt denn auf einmal der „KlerikaliSmuS" hier hinein? Die liberalen Blätter scheinen gar nicht zu bemerken,

Ich habe einen der katholischen Geistlichen, derselbe, welcher den Walzer spielte, kennen ge- leri t. Er gehört, wie die übrigen dem Orden der Jesuiten an und geht mit drei andere» nach Kalkutta als Lehrer an einem dortige» Jefuitenkolleg. Er ist ein intelligenter, hübscher Mensch auS der Rheivproviilz, dem bie V-rbannungsordrs der Jesuiten schwer auf dem Herze» liegt. Er hängt ober noch — und wie wäre eS anders möglich! — sehr an seinem Baterland, das ihm tie Thüre verschlossen! Um

fich von seine« Eltern zu verabschieden, mußte cr fie nach Belaten kommen lasser. — Er hat «och nicht die Weihe» erhalten, da für die Je­suiten ein zwölfjähriger Kurs mit Ablesung oller mögliche» Examina in den verschiedenen wissen» schaftlichen Fächer« vorauSgehen muß. Such ein Missionar der Baseler Gesellschaft, der nach Kalkutta geht. Hobe ich kenne» gt. lernt. Wer ihn sicht, würde nicht nur schwöre«, sonder« auch wetten, daß er ein Jade ist. Er ist übrigens efr netter, gebildeter Man», der be- reits 16 Jahre in China gewesen, perfekt chinesisch spricht und selbstverständlich in chiue- fische« Verhältnisse« vvllkommen bewandert ist. Ich habe auch etroaS chinesisch mit meinem Chinesen zu lerne» angrsangen, ti jedoch bald wieder aufgegeben; die Leute verstehen zu wenig Deutsch, um fich sprachlich verständlich zu nuchm. Es ist ein wahres Vergnüge», fie sprechen zu hören. — Mein Kabmengenoffe geht rach Ma- nila, meine Tischnachbarin nach Schanghai und mein vie-ü-vis als Gouverneur nach Por« dicherry Bis Saigon, d. h. noch die

daß fie damit dem ganzen Streitfälle Cqroust ein eigenartige- Gepräge aufdrück«» und un­mittelbar be« Argwohn bestätige«, daß die Würzburger Professoren de» Dr. Chroust »ur deswegen so heftig befehde», weil er ein „Kleri« kaler" f 11 ifr (Siehe Depesche.)

* Sine Aer-rnfsetznug le» StrafmSndig- lleit» Alter» von 12 auf 14 Jahre wird mehr­fach von den Strafrechts-Reformern gefordert. Bis jetzt ist die Geneigtheit der Mehrzahl der Verbündete» Regierunge« nicht groß, auf diese» Wunsch einzugehen. Es wird von ihnen geltend gemacht, daß schon jetzt den Gerichten und de» zur Fürsorge verpflichtete» Kornmunal-Verbänbe» und Gemeinden große Schwierigkeiten erwachsen au3 de» Ausführungs-Bestimmungen zum bürger­liche» Gesetzbuchs und aus den Bestimmungen für Unterbringung verwahrloster Kinder. Insbeson­dere würden auch die Koste» erheblich vermehrt werden. Man fragt, fich auch, wo alle die jungen Sträflinge untergebracht werden sollen, die jetzt den Gefängnissen verfallen.

* Ueber die N-rtsfrei-ett der Anträge von Mannschaften des Beurlaubtenstandes an die vorgesetzte militärische Dienststelle ist nach­stehende Verfügung des RsichSpostamtes er­

gangen :

Anträge d.r Mannschaften des BeurlaubtenstandeS an die vor»esrtzte militärische Dienststelle auf Befreiung von den Kontrollversammlungen dürfen nur dann porto­frei befördert werden, wenn fie durch Erlraubmg, ge- richtliche Vorladung oder ähnliche von dem Willen des Kontrollpflichtigen unabhängige Umstände veranlaßt werden, foferx sie in formeller Hinsicht den Anforderungen deS Regulativs über die Portofreiheiten entsprechen. Alle anderen Anträge auf Befreiung von den Nontroll. Versammlungen, z. B. solche, welche durch die Rücksicht auf Familienfestlichteiten oder ähnliche Gründe veran­laßt werden, genießen die Portofreiheit nicht.

* 3. Juli 1902. Der «Wielkopo-

lani»' meldet, daß die Regierung die von polnischen Dame» geleitete« Fürsorgeoer ei« e für arme Polettkinder, die dort gespeist wurden und die Schularbeiten unter Aussicht machte«,

geschlossen habe.

* A»»l»r«h-, 3. Juli 1902. Dir »weite Kammer beriet!) beute den Centrumsantrag, betr. die Zulessung von Ordensnieder- lassungen. Von der Regierung wurde die Er­klärung abgegeben, daß fie auf dem Boden be« Gesstze« vorn 8. Oktober 1860 flehe. Zu Beginn der Session sowie während ihre« Verlaufs seien Anträge auf Genehmigung der Zulassung von Männerorden durch bie Kurie eingegangen. Eine Entschließung der Regierung fei noch nicht erfolgt, da e« noch eingehender Erwägung bedürfe, unter welchen Voraussetzungen den Anträgen der kirch­lichen Behörde entsprochen werden konnte. Ver­handlungen mit der Kurie selbst schwebten im gegenwärtigen Augenblicke nicht. Der Cenvumr- antrog wurde darauf gegen die Stimmen der Nationallibeialen angenommen.

* Müuche». 3. Juli 1902. Im Finanz- ausschuß der Kammer der Abgeordneten wurde gestern die Forderung von 10009 Mk. für Vor­arbeiten zur Errichtung einer technischen Hoch­schule in Nürnberg durch da« Centrum gegen die Stimmen der Übrigen Parteien abgelehnt. Die Ablehnung wurde damit begründet, daß einer­seits die Finanzlage zu ungünstig für ein Millionenprojekt fei, und daß man anderseits ■■■

nächste» drei Woche", werden wir wohl warmes Wetter behalten.

Gestern Abend habe« sich ein paar Dutzend Syoene« (kleine, grüngelb gefiederte Dötel), sowie eine Anzahl Schwalben aus unser Schiff ge- fttdjtet — blinde Passagiere, die mit nach Ade« gehen, falls fie nicht vorher von be« Eulen ge­fressen fisd. Sechs derselbe» begleite» das Schiff, und da fie in der Frühe verpaßt, in ihre Löcher zurückzukehren, stad fie jetzt dazu verbannt, de» ganze» Tag um das Schiff herumzvfliegen.

♦ ♦

*

Den 17. Oktober.

Gestern Abend prachtvolles Meereileuchten. Das stanze Meer wie mit PhoSphor übergossen; wo sich eine Welle bricht, leuchtet alles ouf. — Die Straße, dis unser Schiff zurücklegt, zieht wie eine feurige Schlange hinter uns her. — Die Nacht verspricht etwas Uhler zu werden. Eme Brise, vermwhlich von den j tzt näher zusammen, tretenden Ufer» veranlaßt, erhebt sich. Die Nähe deS Lande- macht sich auch durch die grüne Farbe des Meeres und Tausende von Möoen bemerkbar. Links in der Ferre stehl man durch bas Fernrohr einen kleinen türkischen Ort, nach der Karte ist es «nzweifelhaft Mocca, daS Vaterland des vortreffliche» Kaffees.

Jedermann setzt sich an seine Korresponderz; wir sollen morgen in aller F.ühe in Aden sein. Wir nähern uns der Lad el Mandeb. Links reizende, sich scharf von der reinen Luft ab« hebende Fetten, kahl und unkultivirt, an ihrem Fuße im Sande ein zweistöckiges, ganz euro«