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Juköa, Mittwoch, bett 2. Juli 1902.
29. Jahrgang
UZweites WealtD
* Die Aachener Kaiserrede
bietet noch immer bex Blättern Anlaß zu aller« Hand Betrachtungen. Die .Kölnische Zeitung', die sich jetzt mit ihr beschäftigt, hebt neben dem Hinweis des Kaiser« auf seine unausgesetzte Fürsorge um den Weltfrieden auf der Grundlage eines unbesiegbaren Heeres und einer mächtigen Flotte die „bemerkenswerthen Mittheflungen" des Kaisers hervor, welche er über die Worte machte, die Papsi Leo XIII. durch den Generaloberst v. Lo8 dem Kaiser bestellen ließ. Das Blatt bemerkt dazu, die Ausführungen seien so erfreulich, daß man nur wünschen könne, sie möchten „auch aus der kampflustigen und kawpsbedürstigen „ultramontanen" Seite nicht ihre Wirkung ver- fehlen." Wir haben schon zum Ueberfluß betont, daß wir mit Freuden bereit find, das vom Kaiser als nothwendig erklärte friedliche Zusammenwirken der Konst sstonen zu fördern. Auf der anderen Seite hat man im Gegentheil die kaiserliche Rede benutzt zu erneuten Angriffen gegen den Katholizismus alias „Ultramontantsmus". Nach jener Seite ihre Mahnung zu richten, wäre für die »Köln. Ztg.' also gewiß dringlicher gewesen.
Die Münchener Neuesten Nachr.' habe« nicht Übel Lust, die Aeußeruxg des hl. Vaters mit der „Unfehlbarkeit des Papstes" in Verbindung zu bringen, die für die Katholiken bindend sei. Kraft seiner Unfehlbarkeit habe der Papst den Toleranzantrag oeS Cenlrums, die Paritätsbe- strebungex der Katholiken, die vom bayerischen Episkopat gegen die Los von Rom-Hetze unternommenen Schritte als ganz und gar unberechtigte Dinge erklärt. Das Blatt beweist damit nur, daß es nicht versteht, was die päpstliche Unfehlbarkeit bedeutet. Urbrigens hat noch vor zwei Monaten der hl. Vater auf die Adresse der deutschen Pilger u. a. geantwortet:
„Und es fehlt fürwahr nicht an Grund, daß Wir um euch besorgt sind. Wenn wir nämlich die katholischen Völker in eurem Lande betrachten. so sehen Wir, wie ihr selbst auch bekennt, daß sie noch von alten Spaltungen bedrängt «nd beunruhigt werden (premi adhuc atque hnpeti)" ...»
Gegenüber der,M. N. N.' macht die ,A u g 8 b. Po st ztg.' geltend, die Aeußerung des hl. Vaters habe sicherlich nicht den Zweck, als eine apodiktische staatsrechtliche Feststellung aufgefaßt zu werden. Und so habe sie auch der Kaiser unmöglich aufgefaßt. Einer solchen Auffassung würde eine Reihe der wichtigsten Momente widersprechen: General v. Loö kam zum Papste als Abgesandter nicht des deutschen Kaisers, sondern derKönig« von Preußen. Der Prtnzregent von Bayern, der König von Sachsen hatten eigene außerordentliche Botschafter entsandt. Generaloberst v. Soe kam vor Allem nicht als Wortführer Mecklenburgs, Braunschweigs und einiger thüringischer Kleinstaaten, wo wahrhaftig nicht „jeder Katholik ungestört frei seinem Glauben leben kann". Die Antwort des Papstes bezog sich also in erster Linie auf Preußen; sie faßte die Situation in großem Zuge und hat insofern selbstredend nur relative Bedeutung. Daß der staatsrechtliche Begriff Deutscher Reich weder vom Papste, noch vom Kaiser gemeint sein kann, dafür sei Reichskanzler Graf B ülo w ein klassischer Zeuge. Bei der ersten Lesung de« Toleranzantrages im Reichstage gab er zu, daß in einigen deutschen Staaten noch Bestimmungen zu Recht bestehen, welche die frei« Religtonsübnng der Katholiken beschränken. Alle diese Dinge find dem hl. Vater selbstverständlich genau bekannt, so daß die stillschweigenden Einschränkungen fich aus den Thatsachen ergeben.
Die ,Hamb. Rachr.' empfinden angesichts der Kaiserrede Verfassung«bedenken, weil der Kaiser gesagt habe, daß er außer sich, seinem Hause und dem Heere auch das ganze deutsche Reich und das deutsche Volk unter da« Kreuz stelle. Sie behaupten, daß nach der Verfaffung dem Kaiser in kirchlichen Angelegenheiten überhaupt kein Recht zu irgend welchen Verfügungen zustehe, und er selbst al« König von Preußen keine Gewalt über Glauben und Gewissen seines Volker habe. Eine solche „Gewalt" hat sich der Kaiser in seiner Aachener Rede auch nicht zugeschrieben und wird auch von den ,Hamb. Rachr.' kaum befürchtet, was dem Blatte Schmerzen bereitet, ist da« Be- kenntniß de« Kaisers zur Religion. Dieser gefällt auch der .BerltnerZeitung' nicht, ©iemeint, unsere Zeit sei doch nicht mehr mittelalterlich genug, um diese sinnbildliche Allverchrifllichung unkritisch und in Erwiderung der innigen Mysttzir- mur mit mystischer Innigkeit hinzunehmen. Die liberale Presse hat denn ja auch das Bekenntniß des Kaisers eher mit allem andern als mit Innigkeit entgegengenommen.
Di« .Frankfurter Zeitung' macht auf die Bez eichnung des Papstes als „heiliger Vater" aufmerksam, einen „Ausdruck, der von einem evangelischen Fürsten hier wohl zum ersten Male gebraucht worden sei." Fürst Bismarck, so sagt die ,Frkf. Ztg.', habe seiner Zeit i« seinem Dank- briefe für die Verleihung des Christussrdens einen solchen Ausdruck sorgsam vermieden und sich der Anrede „Sire" bedient.
Auch der .Hannoversche Courier' ist unzufrieden mit der Berufung „deS protestantische« Hohexzollern auf den „Heilige» Vater", die nicht mehr ungewohnte Huldigung an die Welt- macht des Katholizismus, die allein noch von alle» Faktoren deS Gegenwartslebens Elemente mittelalterlicher Romantik in fich birgt, — Ideen- Verbindungen, die unsere Tagespolitik seit lange mehr als wüxschexSwerth beeinflussen." — Sie seien geeignet, bei de« Vertretern des entschiedenen Protestantismus Anstoß zu erregen, ohne daß fis ihren Zweck der Versöhnung des „Klerikalismus" mit deutscher Art erfülle« werden. Was nicht gleich olles „Anstoß" erregt! WünschenSwerlher wäre es, der ,Hann. Kourier' erregte nicht kurz nach der „Huldigung an den Katholizismus" mit der Anzweifelung der deutsche« Denkungsart der „Klerikalen" Anstoß.
Auch i« der exzltschex Presse findet die Aachener Kaiserrede ein lebhaftes Echo. Sämmt- liche Londoner Blätter beschäftige sich mehr oder weniger eingehend mit der Rede. «Daily Mail' nennt die Rede „eine jener charaktrristi- scheu Verkündigungen", und der Berliner »Times'- Korrespondent findet, daß die Rede nicht nur, wai Redegewandtheit anbrtrifft, hervorragend, sondern auch vom historischen und politische» Standpunkt aus intereffant ist". Die meisten Blätter weisen darauf Hix, wie in den letzten Generationen des Hohenzollernhauses Frömmigkeit und Gottvertraue« die Herrscher stets ausgezeichnet haben, und wie vor allem Kaiser Wilhelm I. während des französische« Krieges alle Botschaften an seine Gattin mit dem Hinweise auf GotteS Hilfe ein leitete. Auch an die Predigt, die der jetzige Kaiser an Bord seiner Dacht im Jahre 1900 hielt, wird erinnert und daraus aufmerksam gemacht, daß er die ze summte Nation dazu aufforderte, die Kriegrr, welche nach China gesandt worden waren, daheim mit Fürbitte und Gebet zu unterflützrx. Der Ton der gesammten englischen Preffe ist durchaus freundlich und man erkennt da« Bestreben, die Tugenden deS Kaisers voll anzuerkenrex.
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* Das Räuberwesen im Kaukasus hat einen eigenthümlichen Charakter angenommen, von dem wir
folgende Schilderung erhalten: Die Räuber betreiben ihr Gewerbe so offen, daß sie vollkommen gleichberechtigt neben der friedlichen Bevölkerung erscheinen. Sie verschreiben sich ihre Waffen und ihren Schicßbedars durch die großen Transportkontore, sie kommen nach Baku, Batum und Tiflis, um die geraubten Werthpapiere zu
versilbern, sie besuchen die Theater und senden sogar den örtlichen Zeitungen Berichttgungen zu, wenn diese irgend welche falschen Angaben über sie verbreitet haben. Dabei entspricht ihr sonstiges Auftreten »ach den Mittheilungen der Blätter durchaus dem von Männern der besseren Gesellschaft. Sie vermeiden Streitigkeiten, Lärm und Geschrei und zeigen sich Damen gegenüber als Kavaliere. An der Grenze behandeln sie die Waarentransporte und die Reisenden mit größt« Rücksicht und ihre Raube vollziehen sich in größter Ordnung. Fällt ihnen ein größerer Zug in die Hände, so wird jeder Wagen ruhig und ordnungsgemäß der Reihe nach wie von Zollbeamten geleen und dann zur Weiterfahrt vorbeigelassen. Nimmt die „Arbeit" viel Zeit in Anspruch und find Damen unter den Gefangenen, so erhalten diese gewöhnlich Erfrischungen. Kinder dürfen nicht erschreckt werden. Tie Frau eines wirklichen Stadtraths wurde bei einer solchen Gelegenheit vom Räuberhauptmann, der die Rolle eine- Fra Diavola nicht übel spielte, Excellenz titulirt, und um Entschuldigung gebeten, daß man genöthigt sei, sie in ihrer Ruhe zu stören. Die Polizei und die Behörden sind demgegenüber vollständig machtlos. An ein Nachlassen der Räubereien ist vorläufig nicht zu denken.
* Pasicude Parthie. Heiraths-Kandidat: „Ich muß Ihnen sagen, ich mache große Ansprüche." — Vermittler: „Was sind Sie denn?" — Heiraths-Kandidat: „Pferdehändler." — Vermittler: „Dann habe ich was für Sie: Eine Wittwe, die ist ganz verschimmelt und kann mit Goldfüchsen berappen!"
Literarisches
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Sohr Bergtzans Kundaikas über alle Theile der Erde, neunte Auflage in vollständig neuer, zeit- grmäst'.r Bearbeitung. entworfen und unter Mitwirkung son Otto Herkt derauSgegeben von Prof. Dr. AioiS Bludau. 30 Lieferungen ä 1 Mk. Berlag von Karl Flemming in Glogan.
Die erste Lieferung dringt sine phyfiksltfche Karte von Europa und eine Uebersichtskarte von Afrika. Der Professor der Erd- und Völkerkunde an der Universität Halle, Dr. Alsr. KirLhoff beurtheilt diese beiden Karten wie folgt: „Die erste Karte xibtckn vortrefflicher technische ■ Ausführung eine klare Ueberficht der Umrißgliederung sowie der Bodenplaflik Europas; fie stellt zugleich die Liesen- und Eisverhältniffe der umgebenden Meere klar und korrekt dar. Die «frika- karte der Neuauflage des Sohr-Berghaus'schen Handatlas gewährt ein sehr klares und eindrucksvolles Bild der Naturbeschaffenheit des Erdtheils. Die neueren Forschungsergebnisse find sorgfältig verwerthet, so daß die Karte eine der zuverlässigsten Ueberfichtskarteu von Afrika darstellt, die wir zur Zeit besitzen. Die geschickte Auswahl der Flächenfarben zum Ausdruck der Höhenstufen, sowie die zarte braune Schraffirung läßt bei der rühm-nswerthen Deutlichkeit des Stiches trotz der Fülle des Inhalts die Karte in allen ihren Lyriken vollkommen übersichtlich erscheinen. Cie wird daher dem Laien wie dem Fachmann ein werthvolleS und recht handliches Hilfsmittel für das Afrtkastudium darbieten." — ES liegen unS noch eine Reihe von ähnlichen anerkennenden Bcurtheilungen der beiden Karten von anerkannte t Autoritäten vor, so daß wir dieses Werk auf daS Ang-lex.mtlichste empfehlen können.
Wei« Testament. Ts ist noch viel zu wenig bekannt, daß nach seinem geltenden Rechte Jedermann sein Testament an feinem Schreibtische oder auf der Reise an jedem beliebigen Orte — ohne Richter oder Notar — und ohne Zeugen unter Ersparung ziemlich hoher Reisekosten, Tagegelder, Sporteln und Spesen errichte», ändern und aufheben kann. Ein jeder
sollte sein HauS bestelle« und zwar nicht in kranke«, sonder» i» ,es«»de» Tagen. Welche Forme» und welche« Inhalt daS Privat-Testament habe» muß, zeigt der Berfafler des Buches, „DaS eigenhändig geschriebene und unterschriebene Testament", die einfachste und billigste TettamentSform usw. Dr. AlbamiS z« Delitzsch an 29 Beispielen mit Anmerkungen. Die Schrift ist für Jedermann ei» zuverlässiger Rathgeber. Der Verfasser geht von dem zweifellos richtigen Äiund« satze auS, daß der We, durch Lehren lang und schwierig, der Weg durch Beispiele kurz und wirksam ist Diese Schrift ist von dem preußischen KriegSwinister der Armee empfohlen worben. In der neusten VII. Auflage ist auch das in verfchiedeneu Gegenden Deutschland;: noch geltende sogenannte Höferecht, Rnrrbenrecht, besonders berücksichtigt worden. Das Buch erschien im Kommissionsverlag von Reinhold Pabst zu Delitzsch und kann durch jede Buchhandlung zu dem billige» Preise von 1 Mk. 50 Pf. bezogen werden.
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* Ira«»f«rt a. W.» I.Juli 1902. Das Geschäft war, »ach dem Bericht der Frankfurter Zentralstelle für Obstverwerthung, in der Woche vom 23. bis 28. Juni, recht lebhaft, namentlich in Kirsche». Die Angebote und Nachfragen nach fast allen Obstsorten laufen zufriedenstellend ein. Größere Abschlüsse mit Ausnahme von Kirschen und grünen Stachelbeere» find bei der Zentralstelle noch nicht zu verzeichnen. Die Durchschnittspreise betrugen: Erdbeeren per Zt. 40 Mk., Kirschen 15 bis 26 Mk., grüne Stachelbeeren 11 Mk., Johannisbeere« 12 M., Aprikosen 80 Mk.
• Ira»Ls«rk, 30. Juni 1902. Amtliche Notirung der Biehmarkt-Preise. Zum Berkaus standen: 505 Ochsen, 50 Bullen, 798 Kühe und Färsen (Stiere und Rinder), 957 Kälber,, 143 Schafe und Hämmel und 1085 Schweine. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht Ochsen: a. vollfleischige, ausgemästete höchsten SchlachtwerthS bis zu 6 Jahren 66-69 M., b. junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 62—64 M„ c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 59—61 M, d. gering genährte jeden Alters 00—00 M. Bullen: a. vollfleischige höchsten SchlachtwertheS 58—60 M., b. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 54—56 M. o. gering genährte 00—00 M. Kühe und Färse» (Stiere und Rinder): a. vollfleischige, ausgemästete Färse» (Stiere und Rinder) höchsten SchlachtwertheS 64—66 M., b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchste» SchlachtwertheS bis zu 7 Jahren 61—63 M., o. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut» entwickele jüngere, Kühe und Färsen (Stiere und Sßnder) 51-53 M., d. mäßig genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 43—45 SRL e. gering genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 00—00 M. Bezahlt wurde für 1 Pfund Schlachtgewicht: Kälber: a. feinste Mast-(Bollm. Mast- unb beste Saugkälber 78—80 Pf., b. mittlere Mast, und qutt Saugkälber 69 -71 Pf., c. geringe Saugkälber 56 bis 60 Pf., d. ältere gering genährte Kälber (Fresser) 00—00 Pf. Schafe: a. Mastlämmer und jüngere Mast- hämmel 64—66 Pf., b. ältere Masthämmel 60—62 Pf. c. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Märzschafe 50—52 Pf. Schweine: a. vollfleischige der feinere» Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu l1/« Jahren 64—65 Pf., b. fleischige 63-00 Pf., c. gerin« entwickelte, sowie Sauen und Eber 52—56 Pf., d. ausländische Schweinr (unter Angabe der Herkunft) —. Pf. Bezahlt wurde für ei» Pfund Lebend, gewicht: Kälber a. 48—49 Pfg. b. 40—42 Pfg.« Schwein, a. 51—00 Pfg., b. fleischige 50 Pf«. Geschäft in Hornvieh und Kleinvieh gut, Markt ge« räumt. — Aus Oesterreich standen 129 Ochse» und 4 Bullen zum Verkauf.
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Bestellungen auf das 3. Quartal der ,Fuldaer Zeitung' werde« noch fortwährend von alle« Postanstalten, Landbriefträger«, voa unsere» Zeitungs- trägerinnen «nd ««serer Expedition (Harmonie) entgegengenommen.
Ium Untergang öes Torpedobootes 8. 42.
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Beistehend geben wir unseren Lesern eine Abbildung des Torpedoboote« 8. 42, welches bekanntlich am 23. Juni auf der Unterelbe dicht vor Cuxhaven von dem englischen Kohlendampfer „Firrby" überrannt wurde. Das Unglück geschah bei klarer Lust um 121/2 Uhr Nacht«. Der Kommandant Kapitänleutnant Rosenstcck von Rhöneck. Obermaschinistenmaat März, Maschinistenmaat Keil- wagen und Matrose Reimers find ertrunken und vier Mann schwer verletzt. Da« Torpedoboot hatte eine Länge von 44 Metern, Maschinen von 1350 Pferdekrästen und lief 21 Seemeilen in der Stunde. Es führte 2 Schnellfeuerkanonen von
5 cm Kaliber, sowie 3 Torpedorohre und war al« Schulschiff in Wilhelmshaven stationirt und zur Regatta nach Cuxhaven abgegangen.
Das Aeußere des Bootes, das den anderen Torpedobooten unserer Marine ganz und gar ähnlich ist, gibt unser beistehendes Bild vorzüglich wieder. Unsere Leser finden in demselben das Torpedobugrohr, den waifischrückmartig geformten vorderen Schiffttheil, den vorderen Thurm, in welchem fich da» Steuerrad befindet und in welchem der da« Boot führende Offizier seinen Standort hat. Von hier aus führen auch di« Telegraphen und Sprachrohre nach der Maschine und dem Hetzraum.
Dicht hinter dem Thurms steht der schräge Schorn- stein und hinter ihm ist dar Breitseitlancirrohr ausgestellt. Noch weiter nach hinten folgt dann der Maschinenraum, der dünne Segelmast und hinter diesem der Hintere Thurm, durch welchen man in die Kajüte des Kommandanten und in die Kammer des Deckosfiziers gelangt, während der vordere Thurm den Niedergang zum Mannschaftsraum bildete. Auf dem Hinteren Theil des Bootes hat das zweite Breitseitlancirrohr Aufstellung gefunden. Ueber die Art, wie das Schiffsunglück entstanden, ist etwas Bestimmtes noch nicht festgestellt worden.