Kolonialrathes hat die Vorlage Billigung ix dem« felben gefunden; eine von dem Seheimrath Frhrn. von Tücher beantragte Entschließung in diesem Sinne ist einstimmig angenommen worden. Wenn diese Vorlage ihren Zwecken entspricht, dann kann ihr die Veröffentlichung nur förderlich sein. Sie läßt hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten.
h Die neue deutsche Aechtschreivmeg wird den BundeSrath vermuthlich im Laufe dieser Woche beschäftigen. Es handelt sich dabei bekanntlich um den endgiltigen Beschluß über die Einführung der neuen allgemeinen Rechtschreibung.
X A-Erzrmg de« zulässigen Arveil«- i»6«. Die Grwerbe-Jnspektoren werden häufig ersucht, in ihren Jahresberichten neben den allgemeinen Berichtsgegenständen auch besondere Fragen zu behandeln, demgemäß also auch die entsprechenden praktischen Studien anzustellen. Diesmal hat der Reichskanzler die Gewerbe- Inspektionen um Bericht über die nachfolgenden Fragen ersucht: Erscheint es zweckmäßig und. durchführbar, die nach § 137 Absatz 2 der Gewerbeordnung zulässige tägliche Arbeitszeit von elf auf zehn Stunden herabzusetzen; die nach Absatz 3 zu gewährende Mittagspause von einer Stunde auf lVe Stunde zu verlängern und den Arbeitrschluß am Samstag früher als ö1/« Uhr ju legen? Oder stehen Bedenken entgegen? Steht man fich die angezogenen Paragraphen der Gewerbe-Ordnung näher an, so findet man, daß es fich bei diesen angeordneten Erhebungen um die höchst zulässige Arbeitszeit für weibliche Arbeiter über 16 Jahr« handelt.
B Kart«, 30. Juni 1902. Das neue französische Ministerium steht bereits vor einer Krise. Max weiß, daß mehreren neuen Ministern von der äußerst radikalen Richtung der mehr gemäßigte Fixaxzmixister Rouoier nicht willkommen war, und möglicherweise suchen diese ganz radikalen Herren absichtlich Streit mit Herrn Rouvier zu bekommen, um ihn auf diese Weise aus dem Ministerium herauSzudeißen. Der Marineminister Pelletan hat damit ange« fangen, und zwar sofort vor aller Öffentlichkeit, nämlich bei seinem Bankett, das daS radikale Pariser Wahlkomitee am letzten Sonntag veranstaltete. Herr Pelletan beschwerte sich über die Verschiebung gereifter Maßregeln, die er als „Shfonnen" bezeichnete. Ec meinte, er werde auch als Minister auf der Durchführung cer» jmigen Reformen bestehen, die er als Abgeordneter gefordert habe, ob nun ein Defizit vorhanden fei oder nicht; mit der Einführung noth- wendiger Reformen dürfe man nicht warten, 618 das Defizit gedeckt fei u. s. w. u. f. w. Herr Pillrtan richtete also die Spitze seiner Rede ganz unmittelbar und öffentlich gegen Rouoier. Dieser wird auf den Angriff schwerlich stumm bleiben.
• London, 30. Juni 1902. Nach einer amtlichen Erklärung von heute Mittag wurde der König gestern während einiger Stunden auf ein besonderes Lager getragen, was eine wohlthätige Wirkung auf ihn aus übte. Die Königin ist beständig im Krankenzimmer. Jeder Lärm wird vom König ferngehallen. Der König sieht keine Korrespondenz und befaßt fich mit keiner Frage, die sich auf die Staatsgeschäftr bezieht. Er sieht bisweilen seine Kinder, aber immer nur auf kurze Zeit. Der Muth und die Geduld de« Patienten find bewunderungswürdig. Die Wunde, welche sehr tief ist, wird mindestens zweimal täglich verbunden. Dar Verbinden bereitet dem König groß-n Schmerz. Die Aerzte Barlow, Lakirg und Treve« haben feit der Operation, außer gelegentlich auf eine Stunde, das Palais nicht verlasien.
• Lorr-on, 30. Juni 1902. Nach den letzten Londoner Berichten ist das B e f i n d e n de» K ö n i g r Eduard von England „unter den obwaltenden Umständen" so befriedigend wie eben möglich. Aber augenscheinlich wird in den Berichten über das Befinden de« Königs ein starkes Vertufchungs- fystem gehandhabt, und zwar n'cht erst jetzt, sondern schon seit längerer Zeit. Der König hatte bereite vor dieser Blmddarmentzüadung mit einem Hal«- leiben zu thun, das ihn nöthigtr, ebenfalls eine Operation an sich vornehmen zu lassen und fortgesetzt bestimmte Halseinspritzungen zu machen. Man vermuthet Im all gemeinen, daß König Eduard außerdem an der Zucke» krankheit leide, und daß bei Zuckerkranken alle Wunden sehr schwer Hellen, ist eine sattsam bekannte Thatsache. Unter solchen Umständen ist e« nur zu leicht begreiflich, daß das große Publikum in London die abgegebenen ärztlichen Berichte mit einigem Mißtrauen in Empfang nimmt und demiheilt Nichtsdestoweniger muß k» dem König wirklich fo gut gehen, wie es eben möglich ist, denn Sonntag Abend rst die Ausgabe der ärztlichen Kkankheitrberichie einstweilen eingestellt worden.
0 Ilom, 30. Juni 1902. Heber eine Audienz de» Freiherrn von Hertling beim hl. Vater wird der .Germania' unter dem 27. d. M. berichtet: „Am verflossenen Dienstag, den 24. Juni, wurde Herr Baron von Hertling von Sr. Heiligkeit in Privataudienz empfangen, bi: über eine halbe Stunde dauerte und selbstverständlich Erörterungen wichtiger Natur zum Gegenstände hatte. Namentlich sprach sich der Pavst sehr eingehend und mit hoher Genuathuung über Deutschland und Kaiser Withelm aus."
• Aewyoxk, 30. Juni 1902. Einem Telegramm aus Cap Haitien zufolge beschaffen die Schiffe der Regierung bei dem gestrigen Kampfe mit denAufstäxdigenCap Haitien, ohne die Konsuln vorher davon zu benachrichtigen. Sex gaxzeu Tag fiel ein Kugelhagel in die Straßen. Die Konsuln sind im Begriff, fich an Bord eine« Kreuzers einzuschiffen. Der Versuch der RegieruxgStruppen, die Aufständigen zu vertreiben, mißlang.
• Sofia, 30. Juni 1902. Recht interessante Sachen hört man über die wechselseitigen eng- lischen und bulgarischen Beziehungen. Obgleich Fürst Ferdinand zur Verwandtschaft des eng- lischen Königs gehört, hat er doch keine Sin- la düng zur Theilnahme an der Krönung erhalten, fo daß Bulgarien der einzige europäische Staat ist, der bei dem feierlichen Akte, wenn er stattgefunden hätte, nicht vertreten gewesen wäre. Ursache davon find die herzlich schlechten Beziehungen zwischen dem englischen und dem bulgarischen Hofe. Seit wann fie batiren ist schwer festzustellen. Zum ersten Male kamen fie zum Vorschein bei dem Leichenbegäxg« niffe der Königin Viktoria. Der Fürst hatte die Absicht, der Königin die letzten Ehren persönlich zu erweisen, man wollte ihm aber im Letchenzuge einen sowenig angemeffenenPlatz anweisen, baf; er die Fahrt nach London aufgab und auch nicht einmal an dem in ber protestantischen Kirche zu Sofia abgehaltenen Trauergottesbienste theilnahm. Weiterhin unterließ es König Eduard, dem Fürsten feine Thronbesteigung anzuzeigen, und jetzt ist, wie gesagt, die Einladung zur Krönung ausgeblieben. Die Bulgaren find darüber gar nicht erzürnt, denn eine Reise des Fürsten oder seiner Vertreter hätte Geld gekostet, das man dort für solche Repräsentationen sehr ungern ausgibt.
• Aohemrtesövrs, 30, Juni 1902. Die hiesige deutsche Kolonie hielt am 27. Juni einen Festkommers ab, um ihre freundschaftlichen Gesinnungen für den König von England und die gegenwärtige Regierung Transvaals auszu- drücken. Der Vorsitzende Krause forderte die Deutschen auf, die natürlich der alten Regierung wegen ber von ihr erfahrenen großmütigen Be- hanblung ihre Sympathie zuwandten, jetzt nach »eenbigung des Krieges mitzuwirkex zur Br- sörderung ber Freundschaft zwischen den früheren Feinden und zur Herstellung von Wohlfahrt und Frieden in Transvaal. Er versicherte Lord Milner, der am Kommers theilnahm, ber Sympathie unb ber Unterstützung ber Deutschen.
Aus Kirche und Schule.
O Amöneburg, 30. Juni 1902. Von zu- stehender Seite wirb uns mttgetheilt, baß von diesem Jahre angefangen bie achttägige Feier in ber Lindau-Kapelle bei Amöneburg nicht mehr ihren Anfang nimmt mit dem Festtage ber heil. Maria Magdalena selbst, sondern jedesmal mit dem Montage derjenigen Woche, in welche dieses Fest fällt.
* zÜielhreutsHSdiguug für Lehrer. Nach bem Lehrerbesoldungsgesetze erhalten einstweilig axgestellte Lehrer in der Regel eine um ein Drittel geringere Miethsentschä- bigung. Wie der Kulturminister anläßlich eine» Spezialfalles entschieden Hai, ist diese Bestimmung dahin auszulegen, daß durch sie eine anderweitige Bemessung nicht ausgeschlossen ist. Entscheidend für die Festsetzung der Miethsent- chädizung der einstweilig angestellten Lehrer sind in erster Linie die örtlichen Wohnungspreise.
Lokales
Fulda, 1. Juli 1902.
* Sin gemattiges Gewitter mit Aagel, welches sich gestern Abeno gegen 1/a8 Uhr über unsere Gegend entlud, hat in verschiedenen Nach- bargtmeinben schweren Schaden ungerichtet. Die Stadt war vor dem Ausdruck des Gewitters in eine dichte Staubwolke gehüllt, dann folgte ein nicht allzu starker Regen mit Bl-tz und Donner, — im Übrigen blieb die Stadt verschobt Dagegen wurden die tSemeiabe» Bachraix, Künzell. Petersberg, Dirlos usw. von einem h ftigex Hagelwetter hei»g sucht, welch«s die Feld- und Gartenfrüchte stellenweise gänzlich vernichtet hat. Wte wir erfahren, haben die größeren Besitzer ihre Feldstüchte gegen Hagelschaden versichert, dagegen die kleineren Leute nicht, so daß diese von dem Unglück schwer (uttoff» ftnö. Der Hagel bedeckte an einzelner Stellen die Lecker meterhoch, und noch heute früh warer erhebliche Mengen von Hagelkörnern zu finden, wo gestern noch üppige Saaten prangten. — Heute Vormittag hatten wir vox 10 Uhr cb wiederum ein Gewitter, welches reichlichen Regex über die Stadt unb bie Fluren ergoß.
92 Bei Ausschachtungsarbeiten iw der Kanal- straße wurden gestern unb h-ute etwa 3 Meter tief in einer Kiesfchicht verschiedene alte, aber sehr gut erhaltene Schädelfixoche« von Thieren gesunden, die j-tzt tn urfner Gegend nicht m-dr Vorkommen. Es rst u. A. eine Schär eldkcke mjt Hörnern, anscheinend von einem rinttittigen Tdrere, und ein großer liefet riefet mit »igee. artigen Zähnen, bie auf ein Nag-lh er schließen lüften. Die Sachen wurden uns von Herrn Brillerty, der bei dem betr. Umbau als Bau- sührer thätig ist, in freunbl djet Weise vo gezeigt.
u. s «). ix Gekegramme». Eine weitere kleine Erleichterung in ber Austaxirung von Telegrammen ist soeben durch eine Ber fügung bes Staatssekretärs bei Reichspostamts angeorbnet worden. Sie lautet: Die Ausführungsbestimmung zu § 7 h ber Telegraphen- otbnuxg, wonach bei Ziffernausbrücken wie („l/zb", „Vie") re., bie in ber deutschen Umgangssprache als Stundenzeitangaben angewendet werden, ber Bruch und bie nachfolgende ganze Zahl gesondert als je ein Wort zu toxiren sind, wird aufgehoben. Derartige Ziffernausdrücke find fortan nur als ein Wort zu zahlen, vorausgesetzt, daß fie ein- schließlich deS Bruchstrichs nicht mehr als fflx Zeichen enthalten. Mehr kommen wohl auch kaum vor.
* Aestrafemg schr»!pffichtiger Kinder. Der preußische Justizminister hat eine Verfügung erlaffen, wonach schulpflichtige' Kinder, die Ge- fängniß- oder Haftstrafen abzubüßen haben, diese womöglich zu einer Zeit abbüßen sollen, in ber fie bie Schule nicht versäumen. Zu diesem Zweck sollen bie Schulvorstänbe u. s. w. befragt werben, zu welcher Zeit am besten bie Strafe abgebüßt werbe. — Für Schulkinber, welche wegen ForstdiebstahlS unb bergt bestraft find, kann burch bie Schulbehörde unb bergt eine Strafaussetzung unb vielleicht Begnadigung erwirkt werben, wenn fie fich später nichts zn Schulden kommen kaffen.
TldcbSär gebiet
X Dipperz, 30. Juni 1902. Gestern if dahier ein D arlehenskassenvereln ins Leben getreten, dem sogleich ungefähr 50 Mitglieder beitraten, ein Beweis dafür, rote roth- wendig eia solch' wohlthäiig wirkendes Institut für unsere Pfarrei war. E« ist alle Hoffnung vorhanden, daß dasselbe einen gedeihlichen Fortgang nehmen werde.
O Aotheman», 1. Juli 1902, Das gestern Abend ausgebrochene Gewitter war von einem sehr verderblichen Hagelschlag für unsere Fluren begleitet. Fußhoch lagen die dicken Hagelkörner auf den Aeckern und Wiesen. Auf den Kornfeldern und unter den Hackfrüchten ist ber Schäden sehr groß. Aufwärts im Thal? ber schönen Fulda über Döllbach hinaus scheint ber Schaben noch empfindlicher zu fein. Die Rqönberge im Hintergründe boten in Folge ber bicken Hogelkörner- decke einen malerisch schönen weißen Anblick. Viele Lanbwirthe sind versichert — freilich nicht alle!
? Aeny-f, 30. Juni 1902. Heute Abenb entlab sich hier ein schweres Gewitter, bei bem ber Blitz viermal einschlr g, jedoch ohne zu zünden. Ein zufällig hier anwesender Lehrer von auswärts erhielt bei einem Blitzschläge eine unbedeutende Verletzung im Rücken; er erholte sich bald und konnte die Heimreise antreten.
[*] Weyher», 30. Juni 1902. Herr Pfarrer Hilarius Werner ist als Watsenrath für die hiesige Gemeinde bestellt worden. >
© chersfetd, 30. Juni 1902. Das „besst- che Simmenthal", wie neuerdings ber B.zirk Iersfeld in Folge seiner hervorragenben Simmen- haler Viehzucht benannt wird, hat seinem Namen auch auf der Bezirks-Thierschau zu Fritzlar wieder Ehre gemacht. Die hiesige Zucht- zenoftenschast hat besagte Thierschau mit 9 Toteren beschickt; es wurde einer Kub des Wilhelm Vey zum Brembach ber erste Preis mit 150 A und einem Rind des Johann Bohn zu Gers- elb gleichfaus der erste Preis mit 150 Jfc. zu- irtannt. Ferner erhielt die Genoffenschaft eine ilberne Medaille und ein Ehrendiplom. Die Aussteller auf der Ausstellung ber deutschen Zandwirthschafts-Gefellschaft zu Mannheim haben die ihnen zugefallenen nennenswerthen Geldpreise ganz gleichheitlich, und bie Aussteller ber Bezirks- Thierschau zu Fritzlar bie erhalteren Beträge zur Hälfte unter fich getheilt, so daß auch bie m t Preisen leer auSgegangenen Genossenschafts-Mitglieder einen Antheil an den Prämien hatten.
Kette«Hanse», 30. Juni 1902. Am 6. und 7. Juli d. I tagt bekanntlich dahier die 24. Abgeordneten - Versammlung des etwa 5600 Mitglieder zählenden „Hessischen Krieger-Verbandes", mit weichem zugleich ras Verbandsfest gefeiert wird. Eine große, direkt am Bahnhofe gelegene Wiese ist bereits zum Festplatz umgeroanbelt worden. Der neuerbaute geräumige Saal des Gastwirths Guter- murh wird zur Abgeordnetenverfammlung erstmalig in Benutzung genommen. Während die writer entfernt wohnenden Vereine ber Stärke ihres Vereines entsprechend durch Delegirte am Feste vertreten werden, haben die benachbarten, sowohl preußische wie bayrische Vereine Vollzähliges Erscheinen zugesagt, so daß sich am kommenden Sonntag bei günstiger Witterung ein großes Volksfest dahier abwickeln wird. Zur bequemen Hin- und Rückfahrt hat die Bahnoer- roalluna einen Extrazug eingelegt. Derselbe fährt ab in Fulda 9 ”, Bror-zell 9.11, Eichenzell 9.18, Welkers 9 24. Sütter 9 81, Ried 9.37, Schmalnau 9." und trifft um 9 " V. in Hettenhausen ein. Die Rückfahrt ift auf 10."° Uhr Abends fest- gesetzt. Da sich mit bem Krieger fest zugleich eine Rhöntour auf bie nahen R;ö „berge verbinden läfjr, wird besonders zahlreiche Betheili- gung von Fulna aus erwartet.
efr Hrv, 30. Juni 1902. Gestern, am Feste ber Apostelfürst»n P tim und Paulus, feierte bet katholische Männerverein zu Ock fein 25J
jähriges Stiftungsfest verbunden mit einer Papstfeier. Da« Fest nahm einen nach jeder Hinsicht glänzenden Verlauf. Am Morgen des Jubelfeste« war während der Frühmesse gemein- fame hl. Kommunion. Trotz der Heuernte, welch« in unserem Thale immer viele Hände beschäftigt, fand sich doch eine stattliche Anzahl Männer an bet Kommunionbank ein. Um ll» 10 Uhr ging der Verein In geschlossenem Zuge mit Fahne und Musik zu bem feierlichen Festgotierdienst. Herr Kuratus Nüdling von Alsberg hatte die Fest, predigt übernommen. Den Höhepunkt des Freudentage« bildete am Abend die Festversammlung, welche in bem reichgeschmückten Vereinrsaale statt- fand und einen erhebenden Verlauf nahm. Der Prästdent de« Verein«, ber hochw. Herr Rektor Haseneier eröffnete die Versammlung mit dem, katholischen Gruße unb schlug alsbald mit allgemeiner Zustimmung den hochw. Herrn Sladt- pfarrer Röhre al« Ehrenpräsident vor. Herr Professor Nix aus Frankfurt a. M. trat al« erster Festredner auf. In ansprechender und humorvoller Weise schilderte der hochw. Redner die Bedeutung unb den Einfluß des Mannes unb ging bann dazu über, bie großen Vortheile auf, zuzählen, welche eine Vereinigung echter und rechter katholischen Männer jedem einzelnen Mitglied wie auch der ganzen Gemeinde bringt. Im Anschluß hieran forderte er bie Mitglieder auf, zur Verbreitung de« Verein« zu wirken und eine schöne Anzahl ber anwesenden Gäste entsprach sofort der Aufforderung des Festredners, ihre Namen in eine offenltegenbe Liste einschreiben zu kaffen. Hatte ber erste Festredner das Jubiläum der Kinder, wie er in finniger Weise die Jubelfeier des 25jäh- I rigen Stiftungsfestes nannte, zum Gegenstände feines Vortrages gemacht, so fiel dem hochw. Herrn Kuratus Nüdling bie Aufgabe zu, das Jubiläum deS Vaters, unseres hl. Vaters Leo XIII., zu feiern. In begeisterter Rede entwarf ber zweite Festredner ein lichtvolles Charakterbild des Jubelpapstes auf Petri Thron. Jeder Zuhörer wurde mit größerer Verehrung und Innigerer Liebe zu unserem hl. Vater erfüllt. Mit großer Begeisterung wurde daher auch das Hoch auf Leo XIII. aufgenommen unb bas gemeinsame Sieb: „Gott erhalte unfern Vater" gesungen, ti Der hochw. Herr Ehrenprästdent brachte sodann ein Hoch auf unfern innigst geliebten Kaiser aus, 1 der Religion und Sitte vor Allem geschützt wissen \ wolle, was eine der ersten Aufgaben des katbo- i lischen Männeroereins ist. Mit einem kurzen i Schlußwort des Herrn Ehrenpr äfidenten hatte der 1 offizielle Theil fetn Ende erreicht. — Es war ein / schönes Zusammentreffen, daß bie fünf Präsides, \ welche im Saufe dieser 25 Jahre dem Vereine Vorständen, dem Jubelfeste beiwohnten. Auch der Gründer und erste Prästdent des Vereins, ber hochw. Herr Dechant Seipel aus Fritzlar, war erschienen und erinnerte ix seiner witzigen Weise an die Fährlichkeiten, welche dem Verein bei feiner Gründung in ber sturmbewegten Kultur- kampssM überall erwuchsen. Der Gesangverein „Liedertafel" verherrlichte bas F.'st wesentlich dtrch den Vortrag wohlgeluvgener mehrstimmiger Männerchöre. — Wir wünschen bem katholischen Männerverein zu Ocb, baß er noch wieder 25 Jahren sein goldenes Jubiläum feiert, daß er weiter wirken möze wie bisher, um katholischen Glauben und katholische Sitten in unserer Stadt zu erhalten und zu fördern.
* KiMt «, 30. Juni 1902. Heute tagte Hierfeld st .der „Hessische Forstverein". — Von dem gestern Abend 9 Uhr 18 Minuten auf dem Bahnhof Hanau-Ost aus der Richtung von Gelnhausen ««getroffenen Personenzuge mußte ein Wagen ausgesetzt werde», da fich eine Achse »eSfelben heißgelaufen hatte. — Da« Schwurgericht vermtheilte am Samstag die >rei Schlaffer Zitschka, Fuck und Jang von Großauheim wegen Meineid zu jr 1 Jahr und 4 Monaten Gefänguiß. Damit Haden die Sitzungen der zweiten Schreurgerichtsperiode, die grabe zwei Wochm dauert--, ihr Ende erreicht. Der Vorsitzende entließ die Geschworenen mit »em Dank des Gerichtes in ihre Hermath. — Am gestrigen Sonntaa wurde dahier das neue VereixshauS ber hiesigen Turngemeisbe eröffnet.
* Iraxstfuri a. W. 30. Juni 1902. Am Sonntag den 13. Juli wird im Tiooli-rarien für die Katholiken Franksu t« ein Volksfest ab- gehalten. — Bei der heutigen Ruderregatta ;etoann den Äaiferprei« (Vierer) bie Frank- urter Rudergesellschast Sachsenhausen. Zweiter wurde ber Spinolerihelder Ruderverein.
* Aöchfi, 30. Juni 1902. In neuerer Zeit iad dahier oerschiedeneTyp hu«- Erkrankungen vorgekommen. Die Ursache davon wird auf bin Genuß von Mainwafler zurückgeführt. Die Polizei- öermiltung hat deshalb vor dem Genuß von Mainwasser eindringlich gewarnt.
* AlchaffsnSurg, 30. Juni 1902 Der iiesige Bürgermeister, Herr Künigl. Geheimer Hof- rath Ritter v Medicus, feiert am 3. Juli b. I. ein 25jährig:S Dienftjubilöum.
* Aiurvurg 30. Juni 1902. Air Abgeordneter für den Kommunallandtag bei RegierungS- rezirkes W esbaden an Stelle bes verstorbenen Herrn Dr. Lieber wurde Herr Bürgermeister W. Hartmann mit 19 gegen 2 Stimmen gewählt.
* . «rmftadl, 30. Juni 1902 Amtlich wird gimelbet: Gestern Avend 9 Uhr 35 Minuten entgleisten bet bet E nfahrt des von Hanau ommenBen Pärsonen»ugeS Nr. 469 in dir Halte- teile Zell-Kirckbrombach Lte zwei letzten Per- onerwazex. Vier P rsorien erlitten leichte V er» ittzu' gen. Die U fache des Unfall.S ist b S jetzt roch richt festg.stevt reor'en. Die Siö-uxg wurde noch tn ter Nacht b fetligt.