Erschein! tSgsr-, tn, Aufnahme der Sonn-und Feier« tcfle.Sitrtetiät)ri.
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FuldaerMZeitung
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mit den Beilagen
«roniwoetll»'. S2»»Ie »edaMen 3«l. Siu«. .
„lllustnrte Sonntags-Zeitung , „Suldaer ßescbichtsblätter" und fotterie-Ciste.
Orutf und Verleg der Fuldaer AclleudruLere» p<t<regag< fit. 2 (varmonlei.
Jü 147.
Jul^öa, Montag, den 30. Juni 1902.
29. Jahrgang.
0 Finanzbeklemmungen.
„In nicht allzu ferner Zeit wird der Reichstag den Muth habe» müssen, mit Thatkraft die Ordnung der Reichsfinanzen in die Wege zu leiten" — so schrieb diese letzten Tage die konservative .Kreuz-Zeitung'. Sicherlich! Nur ist nicht recht zu verstehen, warum dazu außerordentlicher Muth gehören soll. Höchstens könnte man sagen, in nicht allzu ferner Zeit werde her Reichstag die Nothwendigkeit, mit den Reichsfinanzen in ganz besonderer Weise fich zu beschäftigen, in sehr dringlicher Weise empfinden. Aber man versteht den Satz doch, wenn man sich die Gedankenverbindung genauer anfieht, aus der jener Satz des konservativen ParteiblatteS helvorgegangen ist. Der frühere Unterstaatssekretär in Elsaß Lothringen, jchige Professor von Mayr in München, hat nämlich in einer von ihm verfaßten Schrift herausgerechnet, daß dem Reiche an die hundert Millionen neuer Einnahmen erschloffen werden müßten, und er empfiehlt als Einnahmequelle wieder einmal de» Tabak. Von dieser Schrift war in der »Kreuz- Zeitung' die Rede; und dazu freilich gehört Muth, viel Muth, die Wege des Herr» von Mayr zu wandeln. Bequem ist eS ja sehr, ganz einfach einen MaffenverbrauchSgegenstand des Volkes beim Wickel zu nehmen und zu verfügen: er wird von nun an höher besteuert. Aber es wird wohl Niemand behaupten wollen, daß dies der Gipfelpunkt aller steuerpolitische« Weisheit und Geschicklichkeit sei. Vorläufig steht es zwar mit den Aussichten der neuen Zolltarifoo lage recht trübe. Die Wahrscheinlichkeit, daß fie zunächst nicht zu Stande kommt, ist größer als die entgegengesetzte Möglichkeit. Nichtsdestoweniger kann man unmöglich gerade jetzt inS Blaue hinein neue Reichksteuern ausschreiben, noch dazu durch drückende Abgaben auf solche Maffenoer- brauchsgegenstände deS Volkes. Man muß zuerst abwarten, was auS dem neuen Zolltarif werden, wie viel er etwa an Mehreinnahmen dem Reiche bringen wird, bevor man zur Lösung dieser Fragen schreitet. Und dann wird man »och immer vergebens nach einer Mehrheit im Reichstage suchen, die geneigt wäre, Bier und Tabak noch mehr bluten zu laffen.
Aber daß die Finanzlage im Allgemeinen nicht besonders glänzend ist und sogar im nächsten Rechnungsjahre wohl noch weniger gut sein wird, geht mit unangenehmer Deutlichkeit hervor aus dem nunmehr vorliegenden definitiven Finanzabschlüsse der Finanzjahres 1901 für Preußen. Der Fehlbetrag diese« preußischen Finanzjahre» stellt fich auf mehr al« 40 Millionen Mark, einschließlich eines Mehrbetrages der Herauszahlungen aus dem Hinterlegungrfond« über die Einzahlungen. Dieser Fehlbetrag entstammt indessen nicht der Hauptsache nach au« der V:r- schlechterung des Finanzverhältnisse« zwischen dem Reiche und den Einzelstaaten, sondern hat hauptsächlich feinen Grund in der ungünstigen Finanzlage der Staatrbahnbetriebe- Diese Schlußabrechnung bestätigt vollauf die voraufgegangenen vorläufigen Zusammenstellungen am Schluffe de» Rechnungsjahre«, wonach die Einnahmen der preußischen Eisenbahnen um rund 80 Millionen Mark hinter dem Voranschläge zurück-
Snstumls-krstuittMM t'm alt« tttlheff«.
Halbverzeffene Geschichten aus de» 80 et und 49 er Jahren be« 19. Jahrhunderts von B. S. Coester.
68 - ------- (Nachdruck verboten.)
Langsam schlenderte ich die Bockenheimergaß entlang bis an's Thor; — hier war ich noch nie gewesen und wußte nicht weiter.
„Bitte", wandte ich mich daher höflich grüßend an einen vorübergehenden, wohl dem Arbeiterstand angehörenden Mann, „ich möchte gern nach der Mainlust."
„Ich net", lachte der Unhold rauh und trollte weiter.
Ich war empört, aber nicht entmuthigt. Noch höflicher fast wandte ich mich an einen Mann, der die Hände in die Hosentaschen versenkt, müßig dastehend die Frankfurter Revue passiven ließ. Seine dicke rothe Nase ließ mich auf Gutmüthig- keit schließen.
„Bitte guter Freund, ich möchte gern nach der Mainlust--"
„Gehefe hin«, was geht's mich a" brüllte der Kerl so laut, daß ich fast zurückfuhr.
Nun, das muß man sagen, höflich waren diese freien Reichsstädter nicht!
Doch diesen Gedanken hatte ich noch nicht ausgedacht, als ich meinen Arm leise und zaghaft berührt fühlte.
Umwendend sah ich mich einem sehr liebenswürdig grüßenden Stutzerlein gegenüber, das
blieben. Dieser Ausfall an Einnahmen wird zum Theil ausgeglichen durch eine Verminderung der Ausgaben — aber zum erheblich kleinern Theile, nämlich nur um etwa 22 Millionen Mark, sodaß insgesammt ein Ausfall von rund 58 Millionen Mark übrig bleibt.
Eigentlich also ist dieser Jahresabschluß gar nicht ungünstig im allgemeinen. Denn der Fehlbetrag von ungefähr vierzig Millionen beweist, daß die Verminderung der Eisenbahnerträge und gleichzeitig die Vermehrung der Herauszahlungen an das Reich zum Theil ausgewogen werden durch andere Einnahmen des preußischen Staate-, die weit höher ausgefallen find, als man fie int EtatSvoranschlage angesetzt hatte.
Dieser Finanzabschluß für Preußen beweist also ganz und gar nicht- für die Nothwenhig- keit her Erschließung sehr großer Einnahmequellen lür das Reich. Der Verkehr wir) fich wieder heben, in anderen Bundesstaaten ebenso wie in Preußen; und dann wird sich auch die Finanzlage wieoer bessern. Das muß ab gewartet werden, obwohl ja leider anzunehmen ist, daß die Herauszahlungen der einzelne» Bundesstaaten an daS Reich im nächstfolgenden Jahre noch größer als in diesem Jahre werden sein müssen. Es würde ein thörichtes Beginne» sein, in der erste« Bestürzung ungeheuer neue Steuer qu-llen für das Reich zu erschließen, bevor man einen auch nur ungefähren Ueberblick haben kann über das, waS uns die Finanzverhältnisse der nächsten Zeit im übrigen bringen werden. Dm Finanzministern mag es sehr wünschenswrrth erscheinen, „heidenmäßig viel Geld" zu haben. Aber der Standpunkt der Steuerzahler ist ein anderer. Diese müssen an Steuern und Abgaben ausbringen, was durchaus nothwendig ist, aber auch nicht mehr. Und deswegen wird es fich empfehlen, auf dem Gebiete der Finanzpolitik zunächst vorsichtig tastend voranzugehen, die Ent- Wickelung d-r nächsten Jahre abzuwarten und dann erst zu prüfen, ob denn wirklich die Er- schließung sehr großer «euer ReichSnanahmen nicht zu vermeiden ist.
Berlin, 28. Juni 1902.
X Der Nreivmed-Dertras ist erneuert — diese erfreuliche Nachricht ist durch den amtlichen Draht am letzten SamStag verbreitet worden. Die betreffende amtliche Meldung aus Berlin lautete:
DaS Bertragsinstrument über die Verlängerung beS Bündnisses mit Oesterreich-Ungar» und Italien würbe heute (SamStag) Vormittag hier (in Berlin) durch ben Reichskanzler Grafen Bülow unb die Botschafter von Szögyeny unb Graf Lawza unterzeichnet. Der Dreibund ist in unveränbetter Form erneuert worben.
Das ist nun eigentlich nichts Neue- mehr. Die leitenden Staatsmänner in Berlin, Wien, Budapest und Rom hattm bereits mehrfach in den Parlamente» so klare und unzweideutige «S» «S»WWSS»WSSWSSW»SMW»MSS»WW» trotz der rauhen Märzluft Nankinghöslein trug und in der gelbbelederten Linken eine langstielige Lorgnette hielt.
„Entschuldigense, wenn ich mr erlaub' Sie anzurede", begann er, „awer se sinn ewwe an ’e bar richtige Sachsehäuser gerathe, darf ich mr erlaube Ihne den Weg zu zeige?"
Das nahm ich natürlich mit Dankbarkeit an und erhielt den Bescheid, daß ich mich links wenden und die neue Mainzerstraße durchschreiten müsse, da käme ich sicher nach dem Main. „Die neue Mainzerstraß', wo mr als aach die Millionärstraß nenne, weil da nur reiche Leut wohne," bemerite er scherzhaft und ging, meinen Dank höflich abweisend, mit einem „Gern geschehe, gern geschehe", trippelnden Schrittes von dannen.
Eilends durchschritt ich nun die vornehme, stille, breite und mir endlos lang erscheinende Straße, die ihrem Namen, Millionärstraße, Ehre machte.
Plötzlich hemmte ich meine Eile, ein Gedanke war mir gekommen.
Millionärstraße, he, das war mein Fall! „Endlich unter Meinesgleichen", dachte ich und meine Brust hob sich stolz. Mit einer Grandezze wie ein Großwürdenträger schritt ich weiter und machte ein Gesicht, als ob Frankfurts Wohl und Wehe vom Zucken meiner Wimpern abhänge. Trotzdem erreichte ich endlich die Mainlust und wurde von den harrenden Kameraden mit stürmischem Hurrah empfangen.
Die Zeit war ihnen in der verräucherten kleinen Wirthsstube recht lang geworden, sie hatten sich darum Karten geben lassen und ein ■
Mittheilungen über hie bevorstehende Erneuerung deS DreibunhoertrageS gemacht, daß an dieser Letztern gar nicht mehr zu zweifeln war. Die Zusammenkünfte des Reichskanzlers Grafen Bülow i» Venedig mit dem italienische» Minister Prinetti und mit de» leitenden Staatsmänner» in Wien wäre» entscheidend, und seitdem hat man aus die vielen Zeitungsmeldunge» über Erschütterungen des Dreibünde- und dergleichen mehr gar keinen Werth mehr gelegt, jedensalls nicht in Deutschland: Die wenige» Parlamentarier aber, die in Rom und Budapest gegen den Dreibund zu Felde ziehe» wollten, machte» fich dadurch nur zu lustigen Personen auf der politischen Schaubühne. Dieser Dreibundvertrag ist aufqebaut auf dem Bündnißoertrage, der am 7. Oktober 1879 zwischen den Deutschen Reiche und Oesterreich-Ungarn abgeschloffen wurde. Die Verhältnisse bedingte» diesen Vertrag als eine natürliche Nothwendigkeit; auf beiden Seiten war auch im Uebrigen starke Neigung dazu vorhanden, den schnell vergessenen Bruderzwist von 1866 in das angenehme Gegentheil zu verwandel», in ein festes Bündniß her beiden Staaten. Die Franzosen suchten Revanche durch ein BKnd- »iß mit Raßland zu erlangen, das damals zwar »och nicht bestand, aber von Paris aus bereits eifrig betriebe» wurde; gegen die Annäherung zwischen dem Zarenreiche und der Republik jenseits der Vogesen mußte ein Gegengewicht geschaffen werden. Italien einerseits hatte schlimme Erfahrungen mit den französischen Gelüste« auf Tunis gemacht, stand damals also auch im erklärten Gegensätze zu Frankreich, und au8 diesen Verhältnisse» heraus entstand im Jahre 1887 der Dreibund-Vertrag. Der italienische Staatsmann, der ihn zuerst für Italien abschloß, war Crispi. In Italien hat eS schon sehr viele einflußreiche Politiker gegeben, die im Herze» mehr einem Bunde mit Frankreich zugethan sind, als dem Bündnisse mit ben beiden Kaiserreiche»; aber die eigenen Vorteile weisen Italien so zwingend auf den Weg der Dreibund-Politik, daß sein Abfall davon i» absehbarer Zeit ausgeschlossen gilt. Nach ro.e vor wird "er Wortlaut des Vertrages geheim gehalten. Daß er die beste Stütze des europäischen Friedei ist, ist längst allgemein bekannt und anerkannt.
* Inr Keuchtmtg u«b Zkacha-MtM> empsoyle»! Die ,Kreuzzeitung' mahnt die Konservativen, Vorbereitungen für die nächsten Reichstag» mahl en ohne Unterlaß zu betreiben. „Der Sommer ist nicht die geeignete Zeit, Versammlungen abzuhalten; aber er bringt vielfach Muße zum Nachdenken über Verbesserungen der Organisation und zu Besprechungen in kleineren Zirkeln." Wenn jeder seine Schuldigkeit thue, so werde die Partei den Gegnern manches zu rathen aufgeben, manche Enttäuschung bereiten. Theodor Körner schrieb an feinen Vater, bevor er in ben Freiheitskrieg zog: „Ich weiß wohl, daß ich den Ausschlag nicht geben würde; aber wenn jeder so denkt, so müßte da« Ganze untergehen." Diese Worte mögen sich alle zur Mahnung dienen laffen, die 'da meinen, die Mitwirkung einer Person mehr ober weniger thue nichts zur Sache. Wir alle müssen uns rühren unb jeher an feinem Platze muß Hand an« Werk legen, bann wirb bie konservative Sache siegen." — Alle« da« mögen
„F hombrechen" gespielt, bei der Sturm zu seiner unendlichen Freude (denn es war ihm noch nie passirt) 36 Kreuzer gewonnen hatte. Ein vergnügtes Augenblinzeln der Kameraden belehrte mich aber, daß diese durch „Mogeln" dem Glück des braven Stürmchen ein wenig nachgeholfen hatten.
„Hier sind bessere Karten", rief ich und warf die Theaterbillets auf den Tisch. Sturm erschrak förmlich.
„Das ist zu viel, Adler, Sie ruiniren sich heute noch, bedenken sie das Sprüchwort: „Wie gewonnen, so zeronnen."
Ich roarf ihm einen mitleidigen Blick zu: „Sie sind ein Kind, Stürmchen, — kommen Sie meine Herrn, das souper im „Landsberg" wartet."--
Als wir Nachts zwischen 12 und 1 Uhr glücklich wieder in Hanau angelangt waren, hatten wir wohl alle Mer das Gefühl, einen schönen Tag verlebt zu haben, und trennten uns vergnügt. — Der nächste Morgen brachte Freud und Leid.
Zuerst die Nachricht, daß Mathilde Berthunis Mutter gestorben.
Daraus ergab sich die Nothwendigkeit, die Bowle zu verschieben, denn wenn auch der alte Oberst Berthuni schon lange außer Dienst war, schon die Rücksicht auf O' Donell gebot es.
Die freudige Botschaft war, daß Ehren-Arens dagewesen und zum Ball bei Excellenz v. Seichen eingeladen habe.
Mein Herz klopfte selig, dort sah ich Tina wieder, und ach, mit wieviel freudigeren Ge-
fichauch dteParteigenossen in derCentrum«- P artet gesagt fein laffen.
X Iie Iolktarifkommissivu des ztzekch». tage» hat einige Tage ihre Berathungen unterbrochen, um dieselben erst wieder am nächsten Dienstag aufzunehmen. Die Herabsetzung der Garnzölle hat die nothwenbigen Folge» gehabt, d. h. also H:radsetzu»g auch der Zölle für solche Waaren, die ganz oder zum Theil Erzeugnisse auS Gar» find, also eine Reihe von Gewebe», ferner für gewebte Handschuhe, Strümpfe und bergt, mehr. Nach einer Erklärung des Ge- heimeratheS LusenSky wird der BundeSrath • zu der Herabsetzung der Garnzölle und entsprechenden Gewebezölle erst nach der Beschlußfassung deS Reichstagsplenums Stellung nehmen. Zu erwähne» ist, daß die außerordentliche Erhöhung des Zolles für Fischernetze von 3 auf 50 Mk. abgelehnt und der alte Zoll von 3 Ml. beibehalten wurde. Auch die Organe deS Bundes der Landwirthe erinnern die Vertreter der konservativen Partei in der Kommisfio» an die Nothwendigkeit, dem ursprünglichen Programm getreu zu bleibe» und nicht an ben unnatürlichen Erhöhungen her Industrie zölle mitzuwirken. Die .Deutsche Agrar- korrespondenz' schreibt in diesem Sinne: „Es will uns als ein selbstverständliches Gebot zweck- bewußter Taktik erscheinen, daß man .... in d-r ersten Lesung des Tarifs jede industrielle Zollerhöhung zunächst schlechthin ablehnt, mit dem Vorbehalte, später, bei bann vorliegender Sicherung der landwirthschaftlichen Zölle, auch erhöhte Jndustriezölle in zweiter Lesung zu bewilligen. Statt dessen ist man in der Kommission umgekehrt vorgegangen ..." Da man den Konservativen nun auch aus dem zunächst befreundeten Lager in dieser Weise zuredet, sehen sie vielleicht ein, daß der zuerst beschrittene Weg, für die allerhöchsten Jndustriezölle zu stimmen, nicht der richtige war. i
X Unternehmer unb ArSeiter im Aan- gemerve. Die Sage im Hamburger Baugewerbe läßt noch keine Aussicht auf baldige Beilegung der Streitigkeiten zwischen Unternehmern und Arbeitern zu. Die Unternehmer haben fich im Gegentheil gegen die Forderungen der Arbeiter noch fester zusammen geschloffen unb neuerdings auch Unterstützung aus anderen Unter« nehmerkreisen erhalten. So haben fich . bie, Ziegeleibefitzer von Hamburg und Umgegend mit ben JnnungSmeistern des Baugewerbes solidarisch erklärt und beschlossen, keine Baumaterialien mehr an solche Meister zu liefern, die die Forderungen der Arbeiter bewilligen. Dieses Verfahren ist schroff und in seinen Grundsätzen nicht zu billigen. Man darf aber nicht vergesse», daß die sozialdemokratisch organistrten Arbeiter nicht minder schroff vorgegangen sind und die erste Veranlassung zu der Hamburger Streitigkeit gegeben haben. Im allgemeine» hat der deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe auch während der letzten Monate erhebliche Fortschritte gemacht. Am 31. Oktober vorigen Jahres, zur Zeit bet letzten Generalversammlung i» Frankfurt a. M. gehörten dem Bunde 82 Octr- verbände mit 3500 Mitgliedern an. Jetzt besteht der Bund au8 112 OttSverbänden mit 5468 Mitgliedern. Auch der Unternehmerver- fühlen durste ich diesem. Zusammentreffen entgegensehen.
Da mich Arens nicht angetroffen, so machte ich mich zur Mittagszeit bereit, dem alten Fräulein selbst zu verkünden, daß sie das Glück haben würde, mich am Ballabend unter ihren Gästen zu finden.
Sie empfing mich sehr freundlich und bat mich dann, ihr und den Nichten beim Schreiben der Tanzkarten — ich hatte fie durch mein Kommen in dieser Beschäftigung unterbrochen — etwas behilflich zu sein.
In meiner glückselig übermüthigen Stimmung sagte ich: „Gern, aber ich mache eine Bedingung."
„Und die wäre?" lachte die alte Dame. „Daß ich zur Belohnung zwei Stück geschenkt bekomme und mit nach Hause nehmen darf."
„Ist genehmigt." — —
Dies eine dieser Kärtlein, liebe Kinder, habe ich eben aus den Tiefen meines Dokumentenkastens zwischen all den Schätzen, die weder für Motten noch für Rost die geringste Anziehungskraft haben, hervorgesucht. Es liegt vor mir und ich will es Euch beschreiben. Der kleine Doppelbogen, aus jetzt vergilbten dünnen Papier, war aus der Vorderseite von einem goldenen Blumenkränzchen umrandet, aber sonst gänzlich leer.
Unsere Aufgabe bestand zunächst darin, ihn mit 12 feinen Linien zu versehen, und bann die von Fräulein v. Seschen bestimmte Tanz-Ordnung einzuschreiben. Auf dem Kärtlein nun, welches Euere Mama fo forgfältig aufbewahrt und mir später in meinen Dokumentenkasten gelegt hat, war folgendes zu 'lesen: