29. Jahrgang.
IuL-a, Samstag dm 28. Juni 1902.
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solle» nach de» Anträgen der Sozialdemokratie etwa 330 zollfrei bleiben. Ginge rs «un wirk» ltch auch »ach diesen Anträgen, dann würde das sür das Reich einen weitern Ausfall an Einnahm- im Betrage von bald 400 Millionen Mark bedeuten — macht zusammen eine Ver- rtrgerung der RnchSeinnahmr« um rund 650 Millionen Mark jährlich! Die Einnahmen deS Reiches betragen, von üenMalrikalarheiträgen abgesehen, überhaupt etwa 1500 Millionen Mark jährlich; wenn eS nach ven Anträgen der Sozialdemokratie ginge, würde das Reich also mit einem Schlage bald dre Hälfte feiner laufenden Einnahmen verlieren. Aber dir Folge« würden «och ganz andere sein. Unsere Land- wirthschaft würde vollkommen, unsere Industrie zum allergrößten Thetle vernichtet werden, wen» alle diese Schutzzölle auf einmal aufgehoben werden würden; und dann würden ganze H:ere von Arbeitern rare Arbeit, ihre« Loh», ihr Brod verlieren. Das ganze Reich würde in seiner wirthschaftlichsn Wohlfahrt zusammenbreche«, die Arbeiterschaft würde zum großem Thetle ihre Beschäftigung verlieren und am Hungertuche nagen — und mit. solchem Wahnsinn gehen Männer hausiren, die nicht nur ernst genommen sein, sonder« auch behaupten wolle« eigentlich die wahren und ettz^ge« Volkisreunde zu fein.
X Die WoHnrmgsfrag- in zserli«. Die Wohnungsfrage hat schon mehrfach die Berliner Stadtverordneten beschäftigt, wobei mitunter die wunderbarsten Sachen zürn Vorschein gekommen sind. Smzelne Stadtverordnete haben daS Fehle« kleiner Wohnunge« sogar unmittelbar geleugnet, andere haben sich gewehrt dagegen, daß die Stadt Berlin selbst etwas dagegen thue rc. rc. Endlich am Donnerstag Abend ist sie erste solche Vorlage des Berliner Magistrates von der Versammlung der Stadtverordneten angenommen worden, nachdem es nicht weniger und nicht mehr als ein ganzes Jahr gedauert hat, bis dir Stadtverordneten und deren Ausschuß zu diesem Abstimmung-« Ergebnisse gelangen konnten. Es handelt sich dabei um eine vn hältnißm ästig geringfügige Summe, die als Unterstützung der Stast Berlin einer Aktien- Gesellschaft zu dem Zw ck- der Herstellung klei- Miet Wohnu»ae« gewährt werde« soll. Die Sozialdemokraten aber stimm en gegen die Vorlage! Es wird sehr viele Leute geben, die sich die Lösung der Arbeiter.Wöhnungsftage ganz anders vorstkllen. Ader wenn man sieht, daß im Augenblicke nichts Anderes zu erreichen ist, dann nimmt der vernünftige und überlegende Politiker daS, was er zunächst erhallen kann unter dem Vorbehalte, daß er deswegen feine eigenen Ziele nicht aus dem Auge verliert. Jedoch verwirft er nicht grundsätzlich Alles, was nicht ganz genau nach seinen eigenen Rrzepten gearbeitet ist. Die Berliner Sozialdemokraten haben durch ihre ablehnende Haltung auch dieser WohnungS Vorlage gegenüber bewiesen, daß sie nicht das richtige Verständniß für die Bedürfnisse der Arbeiterschaft haben. Sie haben Nein gesagt tu trauter Ge- meinschast mit den „Hausagrariern«, die auch schon diese geringsügige soziale Wohnungs-Fürsorge der Stadt als einen Eingriff i« die Aus-
auch ?rbejt Bei» »wie
G Vom Pulverfaffe am Balkan.
Dem Bulgarenfürsten Ferdinand war endlich das hohe Glück zu The'! geworden, dem Zaren einen Besuch machen zu dürfen. Er war auf der Reife von dem Ministerpräsidenten Danew, einem andern Minister und einem hervorragenden Vertreter seiner Militärverwaltung begleitet, so daß die Reise ganz und gar den Charakter einer polt" tischen Handlung großen Stils erhie't — so weit man nämlich mm einem großen Stil Leidem kleinen Bulgarenfüisten sprechen kann.
Der klein« Ferdinand möchte aber wach'en, er möchte umr Leben gern König werden. Er möchte auch gar zu gern da« tittkischs Hohe.trjoch abschütteln, und wenn er auch dafür zehnmal in die ärgste Abhängigkeit von Rußland gerietet! Dem frühem Ru nänensürsten ist es geglückt, noch dazu ohne in Abhängigkeit vo a Zarenreiche zu Machen ; und nun läßt es dem Koburglr keine Ruhe — er möchte ti auch zur „Msj stät" bringen.
Wenn er gar nichts Aubercs wollle, als mit der tchönm „Anrede" Maj stät angesprocheu zu werden, tonnte ihm am Erde sein Wille erfüllt werden. Aber dos würde dem Lande Bulgarien wenig nützen. Ein königlicher Hofhalt müßre am Ende auch reichlicher auegestattct werden, als der jetzt fürstliche Haushalt in Sofia, und auf der andern Sette wtttdcn Macht, Ausehen und Kredit des LandtS such nicht um einen Pfifferling mehr werth jein, als j tz». Selbst angenommen, Herr Ferdinand selbst würde beglückt sein schon durch das Majestätsspielzeug, kann man doch ntÄt recht .glauben, daß die leitenden bulgarischen Politiker ebenso deschetden sein sollten. Sie wolle« augenscheinlich Höherer erreichen, als nur einen Tyroninhaber besitzen, der König anstatt Fürst heißt: los von Stambul, 5« ist die Parole bet Urnen.
Diese WLusche aber kann auch Ruß and sür sich allein nicht erfülle. Um diese Wünsche in die That fache zu verwandeln, müßten dis Bulgaren doch zunächst auch die Zustimmung des türkischen Großherrn selbst und danach auch die Einwilligung derjenigen Mächte erlangen, die die Bürgschaft für die Einhaltung des Berliner Vertrages übernommen haben. Bei diesen Mächten, namentlich bei uns in Deutschland, besteht der dringendste Wunsch, eS möge auf der Balkanholbinsel alles beim Alten bleiben. Der Sultan selbst wird sich hüten, den Bulgaren den Willen zu thun; denn mit der Vulgär ei ist es ganz anders als mit Rumänien bestellt. Die Bulgaren schneiden mit ihrem Laude tief in die europäische Türkei hinein, und ohne Aufhören zetteln sie allerhand Umtriebe an, um der Türkei Verlegenheiten zu bereiten. Der Bulgarensürst aber stellt sich ganz öffentlich, sogar gifllffentlich so an, als wäre er nicht ein Vasall Abdul Hamid's, sondern d-s Beherrschers aller Reußen; und alle diese Umstände im Vereine müssen ganz unbedingt den türkischen Großherrn so mißtrauisch w'« nur irgend möglich gegen alle neuen
Als der brave Mann gegangen, der mir nebenbei noch mit 10 st. baarem Geld aus meiner augenblicklichen Verlegenheit geholfen und in bescheidenster Weise den guten Rath ertheilt, mein Glück möglichst für mich zu behalten (ach, wann wird jemals ein guter Rath von der sorglosen Jugend befolgt!) packte ich den ganzen Kram in wahllosem Durcheinander in die zum Glück leeren Schubladen des Sekretärs und rief meinem Burfchen.
Zunächst Händigteich ihm3 Gulden ein und gab Befehl, für ein gutes Abendbrod das Nöthigste — hierzu gehörte auch eine Flasche Rum — herbeizuschaffen und dann Herrn Leutnant O'Donell dazu zu bitten.
Zuletzt übergab ich ihm die für ihn bestimmten Sachen.
Er betrachtete dieselben sprachlos mit komisch - dummernstem Gesicht. Auf einmal wurde dasselbe von einem seligen Grinsen verklärt, schließlich wurde er aber wieder ernst, stand plötzlich stramm und stotterte: „Entschuld'gen der Herr Leidnant, Herr Leidnant san err, min Namens- : dag is erscht iwermorge."
Ich lachte vergnügt. „Besser zu früh als zu spät", sagte ich, „und nun mach', daß Du fort > kommst.
Aber der Knabe betrachtete sich seine Geschenke
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ahme der .-und Feier- Sae. Dierlrliährt. L»iug»prei« ^neBr'Nkerlodn ,nd Bestellgeld in $iu[&o und aus-
mit den Beilagen
„Illustrirte Sonntags-Zeitung", .Juldaer Gescbicbtsblätter" und Cotterie-Eiste.
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Halbverrefsenr Geschichten aus dm 30 er und 40 er Jahre» des 19, Jahrhunderts von B. S. E o e st e r.
Machtgelüste der Bulgarei und ihreS Fürsten machen. "Sultan Abdul Hamid wird also ganz gewiß nichts wiffen wollen von der bulgarischen Köuig- macheret, und dir Berliner Vertragsmächtr werden dementsprechend ableynend sich dagegen verhalten.
Die Sache kommt erst in das rechte Licht, wenn man erwägt, daß ein von der Türkei us» abhängiges Bulgarien, das aber DaKtomme* von Rußland abhängig ist, für dieses Letztere emm ganz außerordentlich wichtigen und schätzens- wenhrn Vorposten gegen Konftantinopil abgeben würde. Heute sagen wohl die zairischen Dipio- maten, sie wolle» Konstantinopkl nicht haben. Aber daS ist doch nur so zu versteh?», d ß sie ganz genau wiffen, sie können es jetzt nicht bekommen. Würd-N sich die Verhältnisse ändern, so daß die russischen Gelüste auf Konstantinopel auch rur einige Aussicht auf Verwirklichung ex« dielten, dann würde auch die russische Balkan- politik eisen anderen Kurs einschlagen, einen Ecobolungskurs, und dann würde öaf gefährliche Pulverfaß am Balkan vermuthlich sehr bald in die Last fliege». Ein von der Türkei u»ab- härtgiges, der Petersburger Politik aber vollkommen ergebenes Bulgarenland würde möglicherweise in Petersburg schon als ein Umstand betrachtet werden, der eine Aenderung der gegenwärtigen Balkanpolitik herbüführrn körnte; und deswegen werden die übrigen Mächte dvpp-lt vorsichtig und zurückhaltend damit sein.
In einem russischen Militärfachblatte, dem .Jkbornik', einer besondere« Beilage des Mili- tärjournals RaSwftdtfchik', wird mit über- raschender Dreistigkeit ein vollkommen bis in alle Einzelheiten ausgearbeitetsr Feldzugsplan entwickelt zerr Uebencumpeluvg und E-oberunz Konstantinopels mitten im Frieden. Auf dreißig Krie^sschffen und dreißig Transportschiffen langt unversehens die russische Eroderungsarmre von Gedastopol her binnen 36 Munden im Bosporus an. Gleichzeitig manöverirt „zufällig" eine französische Flotte in den griechischen Gewässern. Diese bemächt-gt sich, bevor sich fceffex Jemand vr sieht, der Befestigungen an den Dardanellen. Russische Truppen werden ausgeschifft. Dann er- solgt gleichzeitig der Angriff von allen Setten her, und Raffen und Franzosen fircken einander in den Straßen von Konstantinopel als die neuen Herren der türkische» Hauptstadt in die Arme.
Die Hunde, die fo laut bellen, werden ja nicht gleich beißen. Aber die eigenthümlichen Eroberungsphantasteen solcher Art werde« nicht dazu beitragen, den Sultan vertrauensseliger zn machen. Er wird also vermuthlich auf seiner Hut sein, und Ferdinand der Koburger wird sich die Lust auf die „Majestät" einstweilen noch vergehen taffen müssen.
begreifen konnten, wo die Leute all' Herkommen sollten, die diese Sachen kaufen würden. An der Konstabler Wache trennten wir uns, ich bog in die Fahrgaß' ein, um zu Rothschild zu gehen, die Freunde drehten um, im Römer sollte ich sie wiederfinden.
Dies Wiederfinden fand schneller statt, als wir erwartet hatten, denn ich hatte bei Rothschild den Bescheid erhalten, mich gefälligst Nachmittags um 4 Uhr wieder einzufinden, — und das war gut, denn wir hatten gerade noch Zeit, um nach dem „Hotel zum Schwan" zu gehen, wo wir an der um 2 Uhr stattfindenden Table d’ böte theilnehmen wollten.
Es war noch der alte „Schwan", ein unscheinbares graues Entlein gegen den Prachtbau von heute, der seinerseits längst wieder von größeren, prächtigeren Häusern überholt ist, ach, und wie überwältigend schön und großartig kam uns bescheidenen Hanauern das graue Entlein vor. Eleganter konnte es auch in Paris nicht sein, dünkte mir. .
Eine 10 Kreuzer-Cigarre und ein Täßchen Mokka beschloß unsere „sündhafte Schlemmerei'^ wie Stürmchen unser zwar nobles, aber doch sich in bescheidenen Grenzen haltendes Diner bezeichnet hatte; es war Zeit für mich, mich zu Rothschild zu begeben.
Mainlust war diesmal der Rendezvousplatz.
Ach, es war gut für mich, daß das berühmte Bankhaus von M. A. Rothschild ein solides Geschäft war, denn als ich Hotel und Freunde verließ war ich in einem Zustande, den wir un Freundeskreis mit „absoluter Klarheit" bezeichneten und den man heute „Schwips ' zu nennen Megt. — Der bekannte Zustand, in dem man sich zu-
Berlin, 27. Juni 1902.
K Kaiser Mltzskm hatte, fo wird berich- tet, drn Wunsch ausgedrückt, selbst nach London erst in aller Gemüthsruhe, machte die Fausthandschuh links und probirte sie an.
„Die Händschen saan schän, unse bassemer aach, un der Herr Leidnant sollen aach schän bedankt saan."
,,S' ist gut, rechts um kehrt und marsch"
Der Geduldfaden war mir nun doch gerissen, ich wollte auch endlich allein sein, mit meinen Gedanken und Zukunftsttäumen.
O' Donell war natürlich sehr erstaunt, als er solch wohlbesetzten Tisch vorfand und angenehm überrascht, daß er sich diesmal den Thee nach seinem Geschmacke hatte mischen können.
Als er nach Hause ging, nahm er wohl die deutliche Empfindung mit heim, daß er heute bei einem Millionär soupirt habe, denn als solcher wurde ich anderen Tags am Mittagstische empfangen und gefeiert. Stolz, bescheiden lehnte ich alle Ovationen ab und bat nur mir erlauben zu dürfen, die Kameraden zu einer Bowle einzuladen, deren Zubereitung ich Stürmchens bewährten Händen anvertrauen würde. Allgemeiner Jubel. Der nächste Samstag sollte uns im Kasino vereinigen, so wurde festgesetzt.
In den nächsten Tagen machte ich die zwar sehr erfreuliche, aber doch mich etwas über- rafchende Bemerkung, daß ich viel, viel mehr gute und treue Freunde hatte, als ich bis jetzt geahnt. Mancher gestand mir, er habe mich schon immer geliebt, es mir nur nicht zu sagen gewagt, und eine Thräne der Rührung glänzte dabei in seinem Auge.
„Lieber Kamerad", „theuerer, alter Freund", anders wurde ich gar nicht mehr angeredet; betrübend war für mich nur die Wahrnehmung, daß die Meisten gerade in schrecklicher Geld-
Zuserlke: DE einspaltige Netir» «eile oder bereu Raum 15 Psg.Reklamen die Petit» geile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wirdenlsprechend. Rabatt gewährt.
zu reifes, um König Eduard zu besuchen. Man hat dem Kaiser ab-r von London aus unterbreitet, daß es im Interesse des Kranken wäre, wen« er den Besuch unterließe.
h Il«tersa«ge de» Gorpedoöooie» 8 42 wird aus Kuxhaoen berichtet, daß der Kapitän des englischen Kohlen - Dampfers „Firsby", der das Torpedoboot i« den Grund rohrte, verhaftet worden ist, nachdem er verschiedenen Verhören unterworfen woroen war. Wahrscheinlich sind wieder einmal alle Mann an Bord des englischen Dampfers betrunken gewesen. Das kommt bei englischen Kohlendampfer« öfter vor.
X ^olvisHes. Auch die Polen beginnen mit einer planmäßigen Anfirdr-lungspolittk in den öftttchen vrmßischen Provinzen. Gräfin Amalie Poluticka in Porubc bei Rakel läßt mehrere ihre Gü er in Parzellen zerlegen und diese Parzellen as neue pü»i che Ansiedler aus Westpreußeri, Schlesien und Pommern verpachten. Es fehlt nicht an Meldungeu von Leuten, die pachtrn wollen; die Pachwerträze fallen mit dem Frühling des rächste« Jahres ihren Anfang pchmen. — Einen inirreffsnt-rn Beitrag zur p?l- »ischrn Cprachenfrage hat der Reichstaxspräsivent Graf Ballestrem geliefert. Dieser -.mrstehlt nicht nur den polnischen Religion^ unterricht in den Volksschulen der polnischen Bezirke, sondern überhaupt auch polnische« Kprachuvteriicht, den« „j-der Messch — sagt Graf Ballestrem — hat ein äuget orenes Recht auf feine Muttersprache, und die Regierung hat die Pflicht, triefen angeborenen Rechten in den Schulplänen Genüge zu leisten^. Aber Graf Ballestrem wünscht auch, daß die Beamten, die unmittelbar mit dem Volke zu thun haben, und auch die Richter die Sprache des Volkes wenigstens fo wett beherrschen, daß sie die Sprache ohne die Hilft eines Dolmetschers weLigftens verstehen. Diese Meiriungt äußerunz des Grafen Ballestrem wurde verlesen in einer WahlmLnker-Versammlung in Beuche« in Ober- schttsir».
x MEchsMcher Hbaisustrm. Die Polttrk der Sostaldemokratie im Reichstage, genauer gesagt ihre politische Agitation dort, ist b-kanr-ttlch darauf zugefchnitter, draußen im Lande die Annahme zr erwecken, dir Sczialdemo- tratie allein betreibe wahrhaft Wüthschafts- politik zu Gunsten d-s Arbeiters und kleinen Mannes. Sie stimmen gegen Branntweinsteuer und gegen Zuckersteuer: Der Arbeiter soll darüber entzückt sein und glauben, es würde ihm daS Paradies auf Erden entstrhe», wenn alles rach den Wünschen der Herren Obergenoffen ginge! Rar schade, daß das Staatswesen Geld kostet — vielleicht wirklich zu viel Gel"; aber alles Sträuben dagegen hilft nichts, vorläufig läßt sich daran in ein.« einzelne« Reiche allein nichts ändern. Nun würde die Aufhebung der Branntwein- und Zuckersteuer allein die Ein- vahmen des Reiches alljährlich um rund 250 Millionen Mark verringern; wie sollte dieser Ausfall ersetzt werden? I« der Zolltarif.Kom- Mission deS Reichstages bringen die Sozialdemo' traten einen Antrag auf Zollfreiheit nach dem andern ein. Von den bisher durchberatheven ru»!> fünfhundert Nummern beS Talifentwurfes Verlegenheit waren und der Himmel hatte ganz offenbar mich, den theuren, alten Freund, dazu ausersehen, ihnen zu helfen! . .
Ich machte komische Erfahrungen m jenen Tagen und meine Menschenkenntniß nahm beträchtlich zu.
Leider werden uns die meisten Menschen nrcht lieber, wenn man sie näher kennen lernt, und gäbe es nicht Lichtpunkte im Leben, die für alles entschädigten, man könnte zum Menschenverächter werden. , .
Aber Gottlob, echtes Gold bewährt sich :m Feuer. Um nur eins zu erwähnen, das brave Stürmchen z. B. bewährte sich.
Ich wußte wie arm er war, wie redlich und ehrenhaft er sich durchschlug. Wußte, daß ferne Mutter eine Hauptmanuswittwe mit 6 unver- heirathetens Töchtern in irgend einem weltfernen Heckennestchen, desfen „Pärre" ihr Bruder war ihre bescheidene Pension verzehrte, und ihn nicht unterstützen konnte, trotzdem gelang es mir nur mit den größten Schwierigkeiten, ihm zuweilen durch ein in scherzhafter Form gehaltenes, kleines Geschenk unter die Arme zu greifen. Kaum vermochte ich ihn dazu zu bewegeri, meine Einladung anzunehmen, mit Hartor und Zimmer den nächsten Tag in Frankfurt zuzubringen.
„Wohin mich Geldgeschäfte führten", wie ich nachlässig bemerkte.
Der Oberst konnte uns zum Glück entbehren, so wurde denn ein Wagen gemiethet und um 9 Uhr Vormittags lustig abkutschirt.
Bei Miliani am Theaterplatz wurde abgestiegen und ein feines Frühstück verzehrt. Dann spazirten wir die Zeil herunter, wo wir staunend vor der Pracht der Läden standen und gar nicht