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Halbverzefsene Geschichten auS de» 30 er und 40 er Jahren des 19. Jahrhunderts von B. S. Eoester.
®0 ------ (Nachdruck verboten.)
XIII. Am Ziel.
Es ist doch immer die alte Geschichte, auf den lustigen Rosenmontag folgt sehr rasch der Aschermittwoch, auf den Carneval die stille Fastenzeit.
Selbst die Natur schien Reuethränen über all den Schaden zu vergießen, die der übermüthige Frost angerichtet hatte; es thaute mächtig, die Straßen waren in glitscherige Schmutzwege ver- wandelt, und jede Dachkandel hatte den Schnupfen.
Unsere schöne, reinliche Stadt Hanau glich einem Schmutzfinken.
Ungeduldig auf die menschenleeren Straßen sehend, stand ich am Fenster. Ich war sehr verstimmt, denn öder noch als auf der Straße sah es in meinem Geldbeutel aus.
Und wir schrieben erst den 25ten!
Mein Bursche deckte eben den Tisch zürn Abendessen. Sieben dem Spirituskocher stand die Thee- und Zuckerdose, im Rumfläschchen war noch ein winziger Rest. Tröstlich war nur das mächtige Kommißbrod, welches auf meinem Platze lag.
Da klopfte es. Auf mein „Herein" kam der lustige Knabe £>’ Donell in's Zimmer, das bekannte kleine Päckchen im Arm.
Er wollte mir wieder Strümpfe verkaufen. ^Grimmig lachend wies ich ihm den Inhalt meiner
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Orutf an» tkrtag der Jntborr 3<tltni>ru4trO ptUreaage fir. i (barnwntd.
diesen Agitatoren."
Das ist auch richtig, daß die Schimpfereien der bekannten polnischen Hetzblätter mristentheils sehr überschätzt werben. Sogar der durch und durch hakatistische Obubürgrimeister von Posen hat sich neulich im preußischen H:rre«hause luftig gemacht über die Wichtigkeit, ote die Minister in ihren Parlam.entsreden den Ausfällen jener Radauprefle beilegen; daß ste es auch im Ernste thun und ebenso reden in einer Dethauliäien Sitzung dis StaatLm nistiriumS, ist zu bezweifeln. Das ist jedenfalls gewiß, daß bei den preußischen und auch bei den österreichischen Polen gegenwärtig noch immer die gemäßigteren Eie- mente die Oberhand haben. Aber das Andere ist auch richt zu bestreiten, daß die rgdikal-n Unterströmunpen fortgesetzt an Eirfl>»ß auf die ; polnische Bwölkerung gewinnen, und daß auch in denjenigen polnischen Z.itungen, die btther die gemäßigte Richtung vertraten, die radikalen Anfälle je länger desto häufiger werden.
DaS beste Beispiel dafür ist der »Kmyer Poznanski'. Dieses Blatt nimmt unter allen preußischen Polenblättern eine führende Stellung ein und hatte ehedem enge Beziehungen zu der Residenz des Herrn Erzbischofs von Posen. Es hielt sich früher sorgfältig fern von der Radau- Politik der verschiedenen polnische» Blätter. Aber in neuerer Zeit hat es mehrfach solche Anfälle bekommen — seit dem Ableben seines früher» Leiters, des vortrefflichen Dr. Kanteckt. Und ganz neuerdings hat es wiederum eine solche Entgleisung e lebt in der Gestalt einer geradezu blindwüihigen Besprechung der fitzten preußischen Pole» Vorlage. Es ist einfach toll, waS dort geleistet wird: Besagter,Kury'.r Poznans!!' macht zum große« Theile das--Crntrum
verantwortlich für die Bewilligung dieser neuen 21/» Millionen Mark zur Stä lang deS Deutsch-
sprechen in ihrem Gedankengange ganz genau unseren eigenen Darlegungen aus früherer Z it Man wech ja, daß die Polen in der Beurthe.il wg politischer ÄiNgr außerordentlich leicht zu über, schäumender Aufregung neigen; der polnische Reichstag verflossenen Axaedcickens ist das klassische Beispiel dafür. Histerder, wenn das Blut sich wieder abgekühlt hat, pflegt die Reue nicht auszudlitben. Aber diese Reue bleibt leider in den meisten Fällen ohne die nachfolgende Besserung: bei der ersten Gelegenheit, wie dies- mal bei der Beurlhettung der letzten preußischen Polenrorlage, schäumt das Gefäß von neuem in wildester Weise über.
Gerade deswegen da'.f man eben solche Aus- fälle der polnischen Preffe nicht gar zu tragisch nehmen. Aber bei aller Erregung, auch wen» dieselbe zum Theil entschuldbar ist, sollten die polnischen Blätter sich vor Einem durchaus hüten: r ämlich vor so ungerechten Berdächtigungen deS CentrumS. Dasür ist der augenblickliche Zorn keine Entschuldigung. E n solches Vergehe» ruft eher den Verdacht wach, bei den Polen entwickele sich eine wirkliche Abneigung gegen das C ntrum; und einen solchen Verdacht sollte man im Lager der Polenparfii niemals aufkommen laste», d rmit man sich nicht am Ende doch auch noch den einzigen und fitzten Freund entfremde, das Crntrum.
Das Centrum kann recht gut ohne die Freund- schast der Polen bestehen. Die Polen brauchen aber das Centrum nothroendig in den Parlamenten und würden ohne das Centrum mund- todt sein. Ihr eigenes Interesse sollte ihnen also sagen, daß sie sehr thöricht handeln würden, wenn sie noch weiter Krieg gegen daS Centrum führen wollten — abgesehen von den Geboten der politischen Dankbarkeit.
bindung stehen mit dem Wechsel im preußischen Arbettrministerium, gehörte auch die Behauptung, es seien in der letzten Sitzung des Staatrmini- eriums Beschlüffe gefaßt worden über eine Ressort- Leränderung de« B auw es ens. Die Behauptung st sicherlich unzutreffend. Zunächst soll olles beim alten bleiben.
+ Ai- Kahrt nach Spithead, zur eng. rschea Flottenschau, die mit dem Schnelldampfer „Auguste Viktoria" unternommen werden sollte, unterbleibt j tzt nothwendigerweise, da ja auch die Flottenichau aus Rücksicht auf die Er- iranküng des Köeigs Eduard nicht ftatifiniet. An dieser Fahrt sollten, wie bekannt, auch die- migen Mitglieder des R ichStages theilrehmen, Ke vom Marine-Staatssikretär zu den Besichti- gungen nach Kiel eingkladen worden sind.
ft Ans Ar. Lieser, Mahlürei» wird berichtet, daß der Bund der Lrndw.rthi nicht geschloffen für Dr. Dahlem eintritt, sondern seinen Mitgliedern die Att ihrer Stimmabgabe dem eigenen Ermessen überläßt.
4- AiästS-nt des preußisches» HServer- wsltttnzsgerichles w rt>, wie schon kurz gemeldet, Herr D:.Peters, bisher Ministerialdiiektor im Ministerium des Inneren. Früher gehörte derselbe als Mitglied de« preußischen Abg-ordneten- Hauses der natwnalliberalen Fraktion desselben an. Im Oberverwaltungrgerichte war er bereits eine Reihe von Jahren thätig, zuletzt al» Präsident eines Senate« deffelben. Aus dieser Stellung schied er, um Direktor im Ministerium des Innern zu werden; und damals nahm man schon an, daß er später einmal P:äfi)ent de« ganzen Oberverwaltungsgerichtes werden solle. Gerade jetzt hat cs mit diesem Gerichtshöfe eine besondere Bewandtn'ß: der Regierung paßte dessen bitheriger Rechtssp uch nicht, daß Versammlungen nicht nur deswegen aufgelöst werden dürften, weil polnisch darin gesprochen wurde. Wird basselbe Gericht nun anders
daß unser gemeinsames Abendbrod sehr vergnügt verlief. Mein hübscher junger Gast trank heroisch seinen Thee aus, und ich wußte, daß er damit, obgleich ich ihm meine Rurnvorräthe allein überließ (ein guter Eßlöffel voll war es immerhin noch) mir wirklich ein Opfer brachte. .Trank er jemals Thee, fo mischte er sich das Gebräu sicherlich im umgekehrten Verhältniß: Viel Zucker und einen Eßlöffel Thee zum Rum.
Die Gemüthlichkeit wurde noch erhöht, als er nachher aus den Taschen seines regenschweren Mantels, der am Ofen trocknete, eine Pfeife und ein Päcklein Taback hervorzog — dergleichen Liebesgaben fand er stets in Begleitung der Strümpfe — und so rauchten wir bald vergnügt um die Wette.--
Obgleich mir der gute O' Donell mehr als die Hälfte des Wurstrestes dagelasten, war derselbe trotz aller Sparsamkeit meinerseits bald zu Ende, der Monat leider noch nicht.
Einladungen kamen nicht, ein Ball, der, rote O' Donell durch seine Braut erfahren hatte, bei der älteren Fräulein v. Seschen stattfinden sollte, war erst für das Ende der nächsten Woche tn Aussicht genommen, das mit Schnee vermischte Regenroetter war gräulicher denn je und verbot jeden Spaziergang, kein Wunder also, daß ich mich bald abermals in der eingangs beschriebenen, schier selbstmörderischen Stimmung befand.
Inzwischen war auch der Zucker alle geworden, der nackte Thee, das trockene Brod bildete meine Nahrung.
In trüben Gedanken versunken, mit dem Rücken gegen das Fenster gelehnt, kaute ich auf meinen Schnurrbartenden herum, als ich abermals durch ein Klopfen gestört wurde.
u theilen?
* D-r HEchifflahrt-m-S von St-ttktt «ach Serlitt. In diesen Tagen hat, rote de- richtet, die »Nationallib. Korrespondenz' au- gedeutet, die preußische Regierung beobfichtige, auS der großen Sammeloorlage, auch Wass-r- roirthschastliche Vorlage genannt, den Großschifffahrtsweg von Stettin »ach Berlin herauszu- nehmen und zunächst dem preußischen Landtage allein vorzulegen. Es scheint so, als entspreche das de» tyatsächlichen Absichten der preußischen Staatsregierung- I» einer Darlegung der.Berl. Poltt. Nachr.', die in neuerer Zeit wieder häufiger zu halbamtlichen Ankündigungen benützt zu werden scheine», wird mit der Wahrscheinlichkeit gerechnet, daß iS so geschehen werde, und in diesem Sinne geschrieben: „Die Vorlegung des Großschifffahrtsweges Berlin-Stettin würde keineswegs eines Rückzug vor den agrarischen Kanalgegnern bedeute» ; sie würde vielmehr nur der ix de» Stettiner Handelskreisen vorherrschenden Auf- faffang Rechnung tragen, daß der Zweck des Verkehrsunternehmex?, den wichtigsten preußischen Seehafen leberssähig zu erhalten, nur dann er- reicht werden kann, w-xn der Bau ohne Verzug in Angriff genommen wird." Mindestens ebenso wichtig wie dieser Kanal von Stettin »ach Berlin
Berlin, 25. Juni 1902.
+ Aeitte A-uderimg i« de« preutzischen Mivisterie». In den Gerüchten, die in Ver-
tdums in den preußischen Provinzen Posen und Wrftpreuße». Die richtige Antwort darauf hat ein Crntrumsabg-ordneter in der »Kölnischen Bllkszettung' geg ben: E- hat dem Posener Blatte bewiesen, aaf wie falscher Fährte es sich mit seinem Angriff- gegen bas C-rtrmn befindet, und wie thöcicht es handelt, indem es in feiner unüberlegte» Bosheitsftimmung gerade auf die besten Freunde der Polen, auf daS C.rttrum kosschlaot. Wohl um zu zeig-«, daß auch in anderen Cwrumr kreisen dieser Tadel gegen den ,Ruit) :t Poznans!!' geb lligt wird, druckt bte Berliner .Germania' den ganze» Artikel dir .Köln. Volkszto.' ab.
Wir unserseits habe» schon früher die Polen genau tn demselben Sinne gewarnt und können uns btSsv-gtn heute damit begnügen, auf diese weiteren Kundgebungen der ,Köln. Votksztg.' und der .Germania' zu verweisen. Sie ent«
Geldbörse, wo sich neben einigen Spielmarken zwei ganze 6-Kreuzerstücke herumtrieben, und eben so stumm zeigte ich auf die Vorbereitungen zu meinem frugalen Abendbrode, das Kommißbrod und die Brittaniatheekanne.
Der junge gutherzige Offizier verstand diese Geberdensprache sofort, auf seinem schönen Gesichte malte sich aufrichtige Theilnahme, um so mehr überraschte es mich, daß er plötzlich Kehrt machte, und ohne ein Wort zu sagen verschwand.
„Thee und Kommißbrod, gelt, das sagt Dir nicht zu, mein Sohn," dachte ich und ließ mich, nachdem ich das trüb brennende Talglicht geputzt und den Spiritus mittelst eines Fidibus entzündet, mit einem melancholischen Seufzer auf das Sopha sinken.
Aber ich hatte ihm Unrecht gethan. Es mochten ungefähr fünf Minuten verflossen sein, so erschien der gute Kerl, triefend vor Regen, wiederum in meinem Zimmer. Das bekannte Päckchen im Arm hatte eine auffallend längliche Gestalt angenommen.
„Es ist fo riesig gemüthlich bei Ihnen, lieber Adler", begann er, „darf ich mich bei Ihnen zum Abendessen anmelden, ich habe mir erlaubt, eine Kleinigkeit dazu mitzubringen."
Mit diesen Worten entwickelte er fein Päckchen und brachte aus demselben eine Zungenleberwurst hervor, die in solcher Güte damals nur in Fulda verfertigt wurde, und jetzt glaub ich, dort gar nicht mehr gemacht wird.
Ist das Rezept verloren gegangen, nach welchem die zarte Zunge eines Kalbes oder jungen Rindes inmitten einer mit dicken Speckgrieben durchsetzten fürtrefflichenLeberwur st gebettet wurde ?
Ich brauche nun wohl nicht zu versichern.
9 Centrum und Polen.
diesen Tagen ging die Nachricht durch die «lätter die Polen wollt?» für die nächste Neu- ” H »um Reichstage auch im Dortmunder Wahl- kette einen eigene« Kandidaten ausstellen. „Auch" damit ist' hier gemeint: ebenso wie bet der Hden Ersatzwahl zum Reichstage im Wahlkreise Duisburg. AiS es sich um diese letztgenannte Z.sotzwahl handelte, ist ja thatsächlich schon das Losungswort ausgegeben worden, in allen Wahlkreisen des Industrie-Bezirkes, wo eine hinreichende «»zahl von polnischen Wählern vorhanden ist, eigene polnische Kanöidaten aufzvstelle». Wen» die Polen nun im Dortmunder Wahlkreise that- iächlich dasselbe thun wollten, würde das nicht weiter wunderbar fein, sondern so ziemlich bex Im voraus gehegten @rWartungen entsprechen. Die Dortmunder.Tremoxia' versichert indessen, daß die besagte Nachricht richt den Thatfachen entspreche und macht sich lustig über die „vereinzelten Rrdaubrüser" unter den Pole« des Dort- munder Bezirkes, die mit solchen Svnderg-iüsten sich tragen und nach der Mcktheilung des genannten Blattes mit einem Beine im sozialdemokratischen Lager stehen solle«. „Das Gros unserer polnische» Bevölkerung," so versichert die ,Tre> monia weiter, „will natürlich nichts wiffrn von
Aber nicht an der Wohnzimmerthüre klopfte man, das Geräusch, so vernahm ich deutlich, kam zu meinem Erstaunen vorn Schlafzimmer her.
Die Thür diefer Stube, die nach dem Schlafzimmer meines Wirthes führte, war von seiner Seite verriegelt, während bei mir em Schlussel im Schloß steckte.
Und an dieser Thür klopfte Jemand. Ich sprang natürlich hinzu und fragte, wer da sei.
„Herr Leidnant sind se so gidig, machese mal vor 'n Momentche de Dhier offen" ertönte die Stimme meines Hauswirthes, welcher Aufforderung ich von Neugierde getrieben, sofort nachkam.
Zwischen dem Thürspalt quoll ein dickes, mit rothblumigen Zitz bezogenes und mit einer starken Kordel zusammengezogenes Bäuchlein hervor, dem sein und des Hauses Besitzer, mein biederer Wirth folgte. „Exkiese der Herr Leidnant, wenn ich Ihne stäre" begann er, indem er gleichzeitig das perlenbestickte Hauskäppchen von dem mit 'nem „Atzelchen" *) bedeckten ehrwürdigen Haupte nahm, dann setzte er die Hand schalldämpfend an den Mund haltend, geheimmß- voll hinzu: „Nämlich 's iffe Judd drauße, der nach 'm Herr Leidnant frage dhut, un von meine frühere Herrn weiß ich, baße als nit immer gern vor de Judd zu Haus sinn. Ich habbern gesagt, ich weißt's nit, ich wollt' nachsehe. —
Mit herzlichem Dank für so viel zarte Rücksichtnahme schüttelte ich dem Biedern die Klaue, bat ihn aber, den Sohn Israels herein zu lassen, ich hätte Keinen zu fürchten.
Erstaunt und kopfschüttelnd zog sich. Herr Bier mit einem: „Na nix vor ungut" in fein.
*) Hessischer Ausdruck für Perrücke.
mit den Beilagen
„lllustrirte Sonntags-Zeitung", „iuldaer gescbicbtsblätter" und Cottcrie-Eiste, Juidcr, Donnerstag, den 26. Juni 1902
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wird entsprechend. Ui abalt gewährt.
29. Jahrgang.
ist bte Regulirung mehrerer Flüffe, namentlich >er unteren Oder, der Havel undderSpree. Wen» es gerecht zugehen scll dann müffe» auch diese Fiußreguliruugen aus dem Rahmex der großen „Krneloollage" herausgenommen u»d gesondert dem Landtage oorgelest werden. Was haben ganz »oibwendige Flußbauten in der Mark Brandenburg unb in den Ostieeprovinzen mit dem Mittellandkanal zu schaff-n?
x Aie netten Aandeksvertrage, Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika denkt gar nicht daran, unsere« „Freihändlern" den Gefallen zu thu* und gegen bex Zilltarifentwurf der deutschen Re chSverwaltuxg Fehde anzusagen. Diese nicht mehr neue Wahrheit wird von frischem bestätigt durch eine schriftliche Aeußeruvg des amerikanischen Staats» sekcetärs Hay Das osfiziöse Telegraphenbureau verbreitet die Meldung, daß Herr Hay in einem Briefe an den Abgeordneten Taroxey sich dahin geäußirt hat: Ihre Annahme sei unsicher. Doch selbst wenn die Vorlage angenommen würde, sei der Zweck der Zollerhöhung nur, eine Grundlage für die Verhandlung über Handelsverträge zu haben. Eigenartig wird man berührt durch eine Meldung aus Oesterreich. Danach wurde der ungarische Ministerpräsident amtlich davon ix Krnntniß gesetzt, daß Oesterreich die bestehenden Handelsverträge kündigen wolle. Damit ist nun den Ungarn endlich einmal von Wien aus Entschiedenheit gezeigt. Sie müffen sich nun endlich entschließen darüber, wie sie fick in ihrem handetspolttiscken Verhältniffe zu Oesterreich stellen wollen. Wenigstens besteht die Hoffnung darauf, daß es so fei. Nach den geltenden Bestimmungen muß nämlich die eine Regierung der ander» bis spätestens ?um 1. Juli die Erklärung abgebex, daß sie die bestehenden Handelsverträge zum 1. Januar kündigen will. Sonst verliert sie die Berkchtigung dazu. E.folgt nun noch keine Verständigung zwischen den beiden Reichshälften, dann kann dis gemeinsame Regierung der aanzen Monarchie die Verträge kÜLdigen, wenn Oester- reich daS btar.tragt. Bevor die Magyaren sich der Gefahr einer 'Vereinzelung auSsetzen, werden ft: sich wohl zu einer Verständigung mit Oesterreich im eigenen Jntercff? entschließen. Die Ver« kirz^t'inq würde ihnen sehr schlecht bekommen.
* Eine interessante Statistik n8er die A»veit»zeit der Angestelllea in den Komp- toiren kaufmännischer Betriebe ist vom kaiserlichen Statistischen Amt bearbeitet worden. Auf Veranlassung der Kommisfion für Aibeiter- stalistik find in den größeren Städten de« Deutschen Reiches 14,638 Fragebogen an Prinzipale und Gehilfen auegegeben worden, wovon auf Berlin 1260 entfielen. Rach den durch 13,673 Comptoire aus gefüllten F agebogen waren in diesen Bureau« 64,560 männliche (92 pEl.) und 5126 (8 pCt.) weibliche Personen beschäftigt. Was nun die Ar beite zeit betrifft, so haben durchschnittlich eine Arbeit«zeit von weniger als 9 Stunden männliche Gehilfen über 16 Jahre 61,3 pSt, von 9 bl« 10 Stunden 28,1 pCt., von mehr als 10 Stunden 10,6 pCt.. weibliche Gehilfen 55,9 resp. 30,4 , bei®. 13,7 pCt. Die Arbeitszeit bei Angestellte« i unter 16 Jahren vethält sich ungefähr in dem
Deutsches Reich*
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