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M 143.

Jul'öa, Mittwoch, den 25. Juni 1902.

29. Jahrgang.

[] Ausgleichende Gerechtigkeit.

Die deutsche« Schuh« und Tchäftefabri« kante« haben kürzlich in Düsseldorf eine Versammlung abgehalten und dabei einstimmig eine Entschließung angenommen gegen die Zölle für Gerbstoffe, wie st; von der Zolltarifkom- miffion des Reichstages beschlossen worden sind. In dieser Entschließung ist gesagt, daß bte Au§- fuhrfähigkrtt eines der größten deutschen Industrie­zweige, der Lederindustrie, durch solche «Zölle" zu Gunsten einer kleinen »nippe von Schäl« waldbesitzern vernichtet und die Tchuhwaaren- industrie aufs schwerste geschädigt werden müßte. Ss ist unbegreiflich, wie J-ma«d von einer kleinen G-uppr oonDchälwaldb'sitzeru" sprechen "kann. Es ist doch eine wirtlich sarlsam bekannte Thatsach», daß es sich dabei um eine außer­ordentlich große Anzahl deutscher Schälwald- bauern handelt, deren Verl ältnisse meistentheils nichts weniger als glanzend und gar nicht danach angethan sind, ihnen einen Wechsel im 'Gewerbe leicht zu machen. Allermindestens ist die Z hl der Schälwaldbauern ganz sicherlich weit größer als die Zchl der Schuh« und Schäftrfabrikanten.

Es handelt sich aber hier nicht um diesen einzelnen Fall, sonder« um den allgemeinen Grundsatz in der Behandlung aller Zollfragen überhaupt. Den« wenn alle Jntereffenkreise in derselben schroffen und unverträglichen Art und Weise vorgehe« wollten, wie die Schuh« und Schäftefabrikanten in ihrer Versammlung in Düffeldorf, dann würde niemals ein neuer Zoll' r tarif zu Stande kommen. Diese verlange« die höchste« Einfuhrzölle für ihre eigenen Erzeugniffe; aber sie verweigern den nothwendigen Zollschrtz für diejenigen Stoffe, die sie bei ihrer Industrie verbrauchen, und sie beweisen damit, daß sie selbst zwar sehr energisch sein können in der .Verfolgung der Ziele ihres Eigennutzes, aber daß sie ganz und gar kei« Verständniß haben, keine Spur von Einsicht für das, wat! das allgemeine Ganze des Volkes, waS andere Erwerbskreise zu ihrem Blühen und Ge« > dethen nöthig haben. Auch die Schuhe und Stiefel gehöre« ohne Zweifel zu den allgemeinen Volksbedürfniffen. Diese durch sehr hohe Ein­fuhrzölle zu vertheuer«, tragen die Schuh« und Schästemacher kein Bedenken; aber danach frage» sie nicht, ob die Schälwaldbauern auch bestehen können, und sie übersehe« i« ihrer eigennützigen Kurzsichtigkeit vollkommen, daß diese Schälwald- befiher mit allen ihren Knechten, Mägden und Arbeitern ebe falls zu den Verbrauchern von Schuhen u«d Stiefeln gehören. Je beffer eS de« Schälwaldbauern geht, desto beffere Käufer werde» sie fein. Je sorgenvoller ihr Dasein sich gestaltet, desto mehr müssen sie sich in der Be­friedigung ihrer Bedürfnisse einschränken, desto weniger Verdienst wird die deutsche FußbekleidungS- Industrie an ihnen haben.

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IMMs-ilimruiM nus ilt«

Halbvergeffene Geschichten aus de« 30 et und 40 et Iahten deS 19. Jahrhunderts von B. E. Eoestet.

49 ------ (Nachdruck verboten.)

Süßes, liebes, tapferes Geschöpfchen, dachte ich voll Rührung, ich Meinte sie noch nie so ge­liebt zu haben, wie in diesem Augenblick.

Und diesen Kerl, diesen Urian hatte ich jahre­lang meinen besten Freund genannt! Ich schämte mich ordentlich, als ich daran dachte.Be­ruhigen Sie sich doch, gnädiges Fräulein, bat sie Zimmern, wir alle haben genau gehört, was Sie -gesagt, Ihr Herr Vetter macht gern Witze, es war gewiß nicht bös gemeint".

Natürlich nicht", rief Kant,mach doch nicht gleich 'nen Elefant aus 'ner Mücke, Tina." Die kleine, tapfere Dame entgegnete kein Wort. Sie war noch immer glühend roth und hielt die Augen krampfhaft auf den Teller gerichtet.

Ich sah, wie sie sich umsonst bemühte, ein Stück Biskuittorte herunter zu schlucken und daß zwei Helle Thränen über ihre Wangen liefen.

Der leidige Zwischenfall hatte uns die Stim­mung gründlich verdorben, es war ein Moment iso still an unserer Tafel,daß ein Engel durch's Zimmer flog." Umsonst bemühte sich Dore, das gestörte Gleichgewicht wieder herzu­stellen, indem sie eine andere drollige Geschichte von Töffelchen zum Besten gab.

Er hatte furchtbar geheult, als er gehört, daß er von der heutigen Mahlzeit ausgeschlossen sei «nd hatte gleiches Recht für Alle verlangt. Als

An solchen et«zelnen Beispielen sieht man am allerklarste», wohin solche einseitige Inte« refsenpolitik und solche Zollengherzitzkeit führen. Leider aber merkt man an der Haltung der Großindustrie, ihrer Organe der Presse und ihrer Vertreter in der Zolltarifkommission L § Reichstages noch nichts oaoon, daß ihnen bte Grundsätze der »othwendige« ausgleichende» Ge« rechtigkeit i» Fleisch und Blut übrrgegangen seien. Die Industrie verlangt für ihre Erzeugnisse sehr viel beträchtlichere Erhöhungen der Einfuhrzölle, als sie der.Landwirthschaft für deren Erzeugnisse zugestebe» will; und sie verfällt damit in den« selben Febler, den die Schuh- und Schäftesabri- kanten mit ihrer Entschließung in Düsseldorf be­gangen habe». Sogar die Regierung scheint gänzlich auf der Seite dieser' ungerechtfertigte« Ansprüche der Industriellen zu stehen, und doch steht in der Begründung dieses Zslltarifentwurfes, also in einem von der Regierung selbst auSge- arbeiteten Schriftstücke, klar und deutlich zu lese», daß wohl die Landwirthschaft, nicht aber di; Großindustrie eines erhöhten Zollschutzes bedürfe. Und dabei handelt es sich doch auch in der Industrie vielfach um ganz noch wendige Lebens­bedürfnisse deS Volkes! Davon aber hat noch Niemand d« Won vernommen, daß auch das Zollwucher" sei auf Kosten der Lebenshaltung deS Volkes. Das ist kei« gerechter Ausgleich der Jitereffen; und auf diesem Wege werden wir niemals zu dem erwünschten Ziele gelange». Es muß doch auch zum hundertsten mal daran er­innert werden, daß die Landwirthschaft auf diese Weise doppelt geschädigt werden würde: erstens dadurch, daß ihre eigenen Erzeugnisse ungenügen- den Zolljchutz habe», diejenigen industriellen Artikel daber, die die Landwirthschaft zu ihrem Betriebe noihwendia braucht, durch übermäßige Zölle in unnützer Weise versteuert werden würde».

In diesem Sinne sei hier nur an die land- wirthschaftlichen Maschinen erinnert: soll schon die Landwirthschaft nicht de» Zollschutz er­halte», den sie für ihre Erzeugnisse nothwendig braucht, dann dürfen ihr wenigstens nicht ihre notbwrndigen Bedürfnisse auch noch unnütz ver« theuert werden. Erstaunlicherweise sind bisher die Vertreter der konservative« Partei in der Zolltarifkommission nicht so der Vertreter des Bundes der Landwirthe! sür die höchsten Jndustriezölle ei» getreten. Soll das so bleiben? Mit den Ausführungen ihrer Presse würde» sie sich dadurch in argen Widerspruch setzen, und das Centrum würden sie dabei nicht an ihrer Seite finden.

Berlin, 24. Juni 1902.

4- Hraf Aülorv als Jupiter tonans. Ma« hätte es kaum denken sollen; aber eS ist dennoch so gekommen: eine angebliche Mit- theitung der liberale» und freihändlerischen

ihm dies grausam verweigert wurde, war er energisch auf seine kleine, eine Trommel dar­stellende Sparbüchse losgeschritten und hatte, nach­dem er derselben einen blanken Kreuzer ent­nommen, das Haus ohne Abschied verlassen. Die Geheimräthin witterte Unheil und hatte ihm eilig sein Gretchen nachgeschickt. Diese erwischte den kleinen Durchgänger erst in der Adler­apotheke, wo er noch immer schluchzend sein Geld auf den Ladentisch gelegt und mit erstickter Stimmevor'n Kreuzer Gift", verlangt hatte. Der freundliche Herr Hopfer de 1 Orme der Besitzer der Apotheke, tröstete liebreich das arme Schelmchen und übergab ihn dann sammt Kreuzer und einem Stück Junfernleder, (welches die geheimnißvolle Eigenschaft besaß, den kleinen Mann wieder mit seinem Schicksal zu versöhnen), dem eiligst herbeistürzenden Gretchen.

Man lachte wohl, aber es war ein Höflich­keitslachen, welches nicht aus dem Herzen kam und das Diner würde wohl so in unbehaglicher StimmuM beendet worden sein, wenn es nicht Stürmchm noch gelungen wäre, die Situtation zu retten.

Kant sprach kein Wort. Seinen Zorn ließ er an einem Dutzend Nüssen und Mandeln aus, als diese vertilgt, lehnte er sich verdrossen in seinen Stuhl zurück und riß zerstreut an seinem dicken, rothbraunen Schnauzbaut. In seinen kleinen, grauen Augen flimmerte es tückisch. Ich, der ihn so genau kannte, wußte, er sann auf Ver­geltung, oder suchte ein Opfer, an dem er feinen Zorn für die erlittene Unbill auslassen konnte. Sturm aber empfand Mitleid mit ihm.Du, Adrian", fing er an, mit der Absicht ihm das Schmeichelhafteste zu sagen,maltraitire doch

.Weser-Zeitungs hat eine ausführliche Aus­einandersetzung in der Presse veranlaßt. Danach hätte nämlich der RerchStag sofort geschloffen werden sollen, wen» keine Mehrheit für die Brüffeler Zuckerkonvention zu Stande gekommen wäre. Die kaiserliche Ermächtigung soll der Reichskanzler schon in der Tasche gehabt haben. Es ist nicht recht klar, was man mit dieser nach­träglichen Behauptung eigentlich bezwecken will. Jedenfalls würde mit einer Schließung des ReKMges auch die Zollkiirlfvorlage unter de» Tisch gefallen fein, und ihr würden gerade von der zollfreundliche» Mehrheit des Reichstages, der die Gegner der Konvention angehörten, sicherlich keine Thränen mehr nachgeweint worden fern. Warum also auch noch nachträglich Räuber und Mörder? In dieser Weise dem Reichs­kanzler post festum die Rolle des donnernden Jupiter undichten zu wolle», bedeutet so viel, als ihn lächerlich machen. Habe» das die E. sinder jener Nachricht nicht bemerkt?

X A<r Wechsel im prerchischerr ArSeits- mivlsterivm war keine Uederrafchung mehr. Ma» wußte es längst, daß Herr von Titele» aus dem Amte scheiden und daß der frühere Generalmojor Budde fei« Nachfolger werde« würde. Eigentlich hatte man ja erwartet, daß Herr v. Thielen gleichzeitig mit den Herren von M quel, Breseld und Frhr. v. Hammerstein ab­treten werde. Man begreift aber die Gründe ganz gut, die daS Gegentheil bewirkten. Das hätte ausgesehen wie ei« Verzicht der preußischen Regierung auf ihren Kanalplan; und solche» Deutungen wollte sie sich nicht aussetze». Um nur ja solche Deutungen auch jetzt nicht auf­kommen zu laffe», wird gtfl ffentlich darauf hin- gewiefe», daß Generalmajor Budde derjenige Offizier war, der im preußischen Abgeordneten­hause von strategischen Gesichtspunkten aus de» Mittellandkanal empfehlen mußte. Das war keine dankbare Aufgabe, und man muß sagen, daß er sich dieser Aufgabe so gut entledigte, wie es eben möglich war. Generalmajor Budde ist k-i» Essenbahnfachmann, aber freilich auch nicht ohne eine gewisse theoretische Kmntniß des Eisenbahnwesens. Er war rämlich früher im Großen Generalstabe Vorsteher der Eisenbahn- abtheilung desselben. Erst im März 1897 wurde er zum Obersten befördert, und er steht heute erst tm 51. Lebensjahre, ist also ein verhältniß- mäßig junger Minister. Wenn er im preußische« Abgeordnetenhause die Aufgabe» erfülle« will, die ihm zugedacht sind, dann wird er vermuthkich gut daran thu«, die Mehrheit des Abgeordneten­hauses weniger kräftig herauSzusordern, als dieS fei« AmtSvorgänger mitunter gethkin hat inner­halb und außerhalb deS Parlamentes. Herr» von Thielen ist dmch die A't seiner Verab­schiedung diese selbst nach Möglichkeit versüßt worden. Nach langer Zeit hat ih« der Kaiser wieder einmal selbst empfangen und hat ihm sogar den höchste« Orden, den Schwarzen Adttr- orden, verlieye». Das ändert nichts an der Thatsäche, daß Herr o. Thielen während langer Zeit vorher säst gar nicht mehr vom Kaiser empfangen worden war, nicht einmal in einem Falle, als er um eine Audienz dringend Deinen schönen Schnurrbart nicht so, wenn ich meinen so behandeln wollte, ich hält' keine Haar mehr unter der Nase".

Kants Augen leuchteten. Er hatte sein Opfer gefunden.

Unheimlich sanft und katzenfreundlich begann er, zuvor noch sein Glas zum Gruß Sturm hin­haltend und es langsam leerend:Lieber Freund, mitnem Bart wie der Deine ging ich über­haupt nicht über die Straße. Ein Wunder, daß Dir die Gassenbuben nicht nachlaufen. Das soll ein Bart sein? Als wenn zwei alte Reiserbesen vor dem Kaserthorin Gedanken" stehen geblieben wären, schaut das Gewächs aus."

Der Vergleich war boshaft, aber so treffend, daß man nolens volens lachen mußte.

Stürmchen war gar nicht beleidigt.

Du hast ganz recht, Adrian", pflichtete er dem Spötter bei,aber was soll ich machen?"

Mach's wie ich, halt Dirnen Kreuzschnabel." 'Nen Kreuzschnabel, wozu denn?"

Kant zuckte ungeduldig mit den Schultern. Jedes Kind weiß, daß Kreuzschnabelmist und Hufschmiere gemischt, an 'nem Freitag bei zu­nehmendem Mond aufgetragen, ein zwar nicht ganz angenehmes, aber unfehlbares Barterzeu­gungsmittel ist."

O, wirklich?" wunderte sich Stürmchen ehr­lich. Ein Sturm von Lachen erhob sich.

Hörese auf, 's wird mer iwel" schrie Frl. Eßler und schlug Kant derb mit dem Fächer es war diesmal keinWattoscher" und konnte einen Puff vertragen, auf den Arm und Fräu­lein Annchen Bock meinte ungnädig:s ist wirklich zu arg, was Sie sich alles aufbinde lasse!".

nachgesucht hatte: nämlich damals, als es sich um d;e Ausführung der bekannten Berliner Straßrnbahnpläne handelte. Es war darum sehr erklärlich, daß man längst schon seinen Rück­tritt erwartete, und verwunderlich bleibt nur, daß dieser Rücktritt so lange auf sich warte« ließ. Eingehende Fachkenntniß hat ihm Niemand abgestritti«: H.rr o. Thieken war im Eisenbahn- dirnste thätig seit dem Jahre 1867. Dem neuen Minister ist seine Ernennung vom Kaiser per­sönlich am Montag mitgetheilt worden. Er war, wie man ja weiß, zuletzt Generaldirektor der deutschen Waffen- und Munitionsfabriken, ist also kein Neuling auf dem Gebiete der praktische« Thätigkeit.

+Gnnzv »re Lent«»«!»". Die parla- mentiose, stille Zeit ist da; und mit ihr haben sich auch schon dir altbekannten pslitischen Hunds- tagSblüthen einqefundrn, obwohl ja sonst unsere gegenwärtige Sommerzeit nichts weniger als hundstagSmäßtg sich anläßt. Die »Frei­sinnige Zeitung' des Herr» Abgeordnete« Eugen Richter ist nämlich auf den Scherz irgend eines lockern Zeisigs Herei«gefallen, wonach die Stadt Krefeld das versprochene Husaren- Regiment eigentlich nur dertanzbaren" und heirathsfähigen Leutnants wegen erhalten soll und die reichen Seidentöchter Männer in Uni­form erhalten. Ganz ernsthaft rechnet nun die »Freisinnige Zeitung' ihren Lesern vor, daß ja Krefeld 106893 Einwohner, ein ganzes Regi­ment aber nur 16 Oberleutnants und Leutnants hab« . . . Und deswegen fährt nun die »Frei­sinnige Zeitung' allerzröbsteS Geschütz auf und droht mit der Verweigerung der Geldmittel durch den Reichstag. Wenn das schon bei 15 Grad Wärme wird, was soll bei 25 Graden heraus komme« ?

* Hraf Aleventlow, der in Schaumburg- Lippe bei der letzten R ichstagrersatzwahl gegen den Kandidaten der Freisinnige» Volkspartet unter­lege» ist, ist nunmehr, wie wir der »Deutschen Tagerztg/ entnehmen, sür die nächstjährige Reichs- iagswahl im Wahlkreise Nordhausen von bett Antisemiten als Kandidat aufgestellt worden.

O , Ireih-tt, dir ich meine." DaS neue französische Ministerium ist nicht mit allzu viel Herzlichkeit ausgenommen worden, weder in seinem Hcimathlande noch außerhalb desselben. Die Maßregel«, die eS auf dem Gebiete der inneren LandeSverwaltung trifft, sind auch keineswegs dazu angethan, ihm mehr Sympathien zu gewin­ne». Zu diese« seinen allererstm Maßregeln ge­hört eine AuSkehr unter dem französische» Beamten- thum, wie sie in Frankreich bisher nicht üblich war und den Grundsätze« aller dessen, was man republikanische Freiheit zu nenne« pflegt, sehr er­heblich widerspricht. Die Beamten sollen augen­scheinlich Parteimänner des Ministeriums fein, ober aber keine Stellen als Beamte erhalten. Herr Ministerpräsident CombeS hat nämlich an die Präfekten ein Rundfchreiben gerichtet, in dem diese daran erinnert werden, daß siein allen öffentlichen Dienstzweige» eine politische Aktion auszuüben haben"; die Beamte« sollen nicht vergessen, daß ste die strenge Pflicht habe«, sich ihrer (also der Präsik e.i) politische« Direktion

Stuhlrücken am anderen Tisch zeigte uns an, daß die Geheimräthin die Tafel aufgehoben habe. Auch wir sprangen nun auf. Man verneigte sich vor seiner Tischdame, schob deren Stuhl zur Seite, bot ihr den Arm und führte sie in das Wohnzimmer zurück. Dort erfolgte ein zweiter Diener, der mit einem zierlichen Knix erwidert wurde, worauf man sich als entlassen betrachtete. Sich gegenseitiggesegnete Mahlzeit" zu wünschen, war nicht Mode, diese Sitte lernte ich erst 1867 kennen, als wir preußisch geworden und ich nach Magdeburg versetzt war.

Diese verkappte Art, dem Andern eine ge­regelte Verdauung zu wünschen, kam mir anfangs unsagbar komisch vor, aber nach kurzer Zeit wurde sie auch mir, was sie den Preußen längst war, eine leere Höflichkeitsform, bei der sich Niemand mehr etwas dachte.

Hier in Hanau schloß das Diner mit einer Tasse Kaffee, welche im Stehen getrunken wurde. Dann verneigte man sich mit einigen Dankes- Worten vor dem gütigen Wirth und schob ab.

Mir an schlossen sich die beiden jungen Offi­ziere, deren Weg an meiner Wohnung vorüber führte. Der eine Herr von Feldmager, zwang­los und vergnügt mit einem aus tiefstem Herzen kommenden:Gott, war das schön, ich finde es überhaupt herrlich hier in Hanau," der andere Leutnant Jrrländer, übermäßig höflich und steif, fragte erst an, ob ich gütigst gestatten wolle, daß er sich mir auf dem Weg anschlöffe.

Jrrländer war mir nicht sympathisch, trotz seines tadellosen Benehmens. Seine guten Manieren waren ihm nicht angeboren und nicht anerzogen, sondern mühsam Anderen abgesehen. Seine Höflichkeit kam nicht von Herzen, und hatt