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„Illustrirte Sonntags--Zeitung0,

mit den Beilagen

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vrnck und Verlar der Anldaer AcliendrnLere» ptkreaagc fir. i (tarmonte). I

M 142.

Jutöa, Dienstag, den 24. Juni 1902.

29. Jahrgang.

T Zur Aachener Kaiserrede.

In seiner Rede im Rathhause zu Aachen, deren Wortlaut wir gestern mitgetheilt haben, hat der Kaiser auch des Papstes gedacht und den Inhalt einer mündliche« Botschaft mitge­theilt, die der hl. Vater durch den Generalobersten Freiherrn von Loe an den Kaiser gesandt halte. Der Generaloberst war bekanntlich vom Kaiser zum hl. Vater entsandt worden, um diesem die Glückwünsche zu seinem Jubiläum zu überbringen. Der hl. Vater hat ihm geantwortet, „er freue sich, ihm sagen zu können, daß er stets hoch ge­dacht habe von der Frömmigkeit der Deutschen, zumal des deutschen Heeres. Er könne ihm aber noch mehr sagen, und das solle er seinem Kaiser bestellen: das Land in Europa, wo noch Zucht, Ordnung und Disziplin herrsche, Respekt vor der Obrigkeit, Achtung vor der Kirche, und wo jeder Katholik ungestört und frei seinem Glaube» leben könne, daS fei das Deutsche Reich, und das danke er dem deutschen Kaiser."

Nach der Annahme einer ganzen Reihe libe­raler, demokratischer und kulturkämpferischer Blätter soll angeblich diese Mittheilung des Kaisers der „klerikalen Presse natürlich sehr unbequem sein". Unsere Antwort lautet darauf: Nein, natürlich gar nicht unbequem. Wir freuen uns im Gegentheil herzlich darüber. Der neue Kultur­kampf, von dem mit Recht in katholischen Zei­tungen gesprochen wird, droht der Kirche ja nur zum geringsten Theile von ven Regierungen her. Der neue Kulturkampf ist ein neuer und beson­ders wüster Feldzug der Schauren der Christus, feinde in allen Gestalten, unterstützt und geför­dert gerade von derjenigen Presse und ihren Hintermännern, die j-tzt die lächerliche Behaup. tung aufbringen, die Aachener Kaiserrede müßte unS unbequem sei». Fühlen diese Herren sich vielleicht eins mit dem Kaiser und dem Papst in der Beurtheilung von christlichen Glaubensfragen und von kirchlichen Angelegenheiten? Lächerlich! Die Aachener Kaiserrede richtet stch ja vielmehr gerade gegen diese Klopffechter des modernen Un­glaubens, gegen diese Ritter vom neue» Rnltur» kämpfe. Das geht am deutlichsten aus einer an­dern Stelle der Rede des Kaisers hervor, als er nämlich sagte: „Wer sei» Leben nicht auf die BafiS der Religio« stellt, der ist verlöre«. So will auch ich. . . mein Gelöbniß hiermit aus­sprechen, daß ich daS ganze Reich, das ganze Volk, mein Heer symbolisch durch diesen Kom­mandostab vertreten, mich selbst und mein HauS unter das Kreuz stelle und unter den Schutz deffen, von dem der große Apostel Petrus gesagt hat: Es ist in keinem Andern Heil, eS ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darin sie sollen selig werde«, und der von sich selbst ge­sagt hat: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen!"

Klingt denn das den Herren vom modernen Unglauben etwa bequem und angenehm in den Ohre«? Wir Katholiken fühlen uns gemeinsam mit ollen gläubigen Christen in solchen Grund­sätze» EtnS mit dem Kaiser. Gerade die katho­lische Kirche ist die Vorkämpferin in dem guten Streite um die Erhaltung und in der Brr-

IrotnettMmammgni rin« alten

Mrhkjsku.

Halbverzefsene Beschichten aus den 80 ei und 40 er Jahre« deS 19. Jahrhunderts von B. S. Soester.

48 ------ (Nachdruck verboten.)

Das hörten die Hanauer gern und glaubten es ihm auf das Wort.

Neben Tina saß Sturm mit Annchen Bock, dann Henry und Thekla v. Seschen. An dem Halbrund, womit der Tisch abschloß, saß Dore mit dem langen Tom, der auch erst nach längerer Auslandsreise zurückgekehrt war, dann kam Hartor mit seiner Braut, Kant und Lisette Eßler, die meine Nachbarin war. Das andere Ende der Tafel hatten die beiden Brautpaar O'Donnel- Berlhumi und Reinhardt-Smith-Fortes sowie einige junge, eben Leutnant gewordene und ganz schweigsame Offiziere eingenommen.

Abgesehen von diesen, die aber um so weniger mitzählten, als sie sich mit feierlicher Andacht lediglich mit dem Essen beschäftigten, waren wir ganz „unter uns"; kein Wunder also, daß bald die übermüthigste Fröhlichkeit herrschte.

Selbst ich vergaß für den Moment, daß ich ein Mann war, der auf jedes irdische Glück hatte verzichten müssen. Dore war besonders lustig und neckte ihre jüngere Schwester beständig. Tina wurde bei jedem Ausfall zwar glühend roth, blieb aber keine Antwort schuldig. Sie war nicht auf den Mund gefallen, und obgleich ich auf sie verzichtet hatte, "konnte ich mich doch nicht enthalten, nach einer besonders treffenden

thetdtgung dieser einzig und ewig wahren Worte; wir Katholiken begreife« also ganz und gar nicht, was unS an ben Worten deS Kaisers „natürlich unbequem" sein sollte.

Daß der Kaiser „unsere beiden Konfessionen neben einander" zur Verwirklichung seiner An- schauungen und Grundsätze als Mitarbeiter anrust, kann dem Katholiken erst recht nicht „unbequem" fein. Der deutsche Katholik verlangt nichts Anderes, als die »olle und überall in überlegter Weise durchgesührte Gleichberechtigung „unserer beiden Konfessionen neben einander"; und in dem Kampfe gegen de« Unglauben wird der Kaiser sicherlich gerade u«S Katholiken jederzeit zur begeisterte«, zur unermüdlichen Mitarbeit bereit und auch ge­rüstet finden. Hat man denn gar nicht daran gedacht, daß soeben erst im Deutschen Reichs­tage der Abgeordnete Dr. Bachem im Namen des CrntrumS seine Freude und seinen Dank ausgesprochen hat für die Mitarbeit a« dem Toleranz-Gesetze und dabei auch gern und freudig anerkannt hat, daß durch das entschlossene Vor­gehen des Reichskanzlers Uebelstände auf kirch­lichem Gebiete bereits vor der Annahme dieses Gesetzes in zwei deutschen Bundesstaaten beseitigt wurden? Ist es denn nicht vollkommen selbstver­ständlich, daß der Kanzler damit in vollendeter Uebereinstimmung mit dem Kaiser gehandelt hat?

Was der Popst dem Generalobersten Frei­herrn von Loe gesagt hat, ist nicht ausgezeichnet in Akten und Urkunden. Es war eine kurze Bemerkung, keine lange und eingehende Ab­handlung; und daß die volle Gewissensfreiheit und freie Ausübung ihrer Religion de« Katho­liken im Allgemeinen i« Deutschland gesichert ist, erkennen wir doch sicherlich gern an und haben es noch stets anerkannt. Ausnahmen find es, die wir noch zu bekämpfen haben, einzelne Aus­nahmen. Daß diese Ausnahmen aber ganz sicherlich durchaus nicht «ach dem Geschmacke des Kaisers find, das wiffen wir auch ganz gewiß. Im Gegentheil glauben wir Katholiken, daß diese Kaiserrede gerade denjenigen einiger­maßen unbequem sein mag, die an dem Vor­handensein dieser höchst unrühmlichen Ausnahmen die Schuld tragen.

Rein, unbequem ist uns Katho! k-n diese Kaiserrede ganz und gar nicht. Wir w ffen dem Kaiser vielmehr aufrichtigen Dank dafür und wir hoffen, daß er uns mit seiner Kaiser­macht beistehen werde, um auch noch jene un­rühmlichen Ausnahmen zu beseitigen, die dem Sinne seiner Worte und den von ihm mit- getheilten Aeußernngen des hl. Vaters noch immer widersprechen!

* Ein kleiner Katholikentag

bat cm letzten Sonntag in Berlin stattgefunden. Die Veranlaffung war die Jubelfeier des fünfzigjährigen Bestehens deS Katho­lische» Gesellenoereins, und eine mächtige Straßenkundgebung war dec Festzug, der von allen den herbeigeeilten Gästen aus nah und fern gebildet wurde. Au« ganz Deutschland waren die Vertreter von Brudervereine« mit ihre« Fahnen außerordentlich zahlreich erschienen;

Antwort Henry einen triumphirenden Blick zuzu­werfen, den dieser lächelnd erwiderte.

Jetzt neckte Dore sie mit dem Germaniaschopf, wie sie's nannte, und erzählte indiskret, daß Tina alle Morgen 3/* Stunden brauche, um die Zöpfe zu pflechten und Nachts die Haarmaffe über die Bettstelle hintenüber herabhängen ließ, weil sie sonst nicht schlafen könne.

„Ich bitt' Sie, gnädig' Fräulein, warum schneiden Sie die Haare nicht ab?" fragte Sturm naiv.

Tina lachte ganz unbefangen.

„Weil ich dann auf die Nase stürzen würde."

„Auf die Nase, wieso?" wunderte sich Stürmchen.

„Ei, meinen Sie nicht, daß ich mein Gleich­gewicht verlöre, wenn mir plötzlich die dicken Zöpfe abgeschnitten würden?"

Wir lachten vergnügt; wurden noch ver­gnügter, als Sturm ganz überzeugt rief: „Das ist aber auch wahr!" und dann ganz erschrocken zusammenfuhr, als ihn seine Tischdame anstieß und unfreundlich meinte: „Ach gehen s' los, glaubest doch nit alles!"

Ein Rehziemer, der jetzt in Begleitung eines vorzüglichen Kartoffelsalätchens erschien, beschäftigte für einen Augenblick alle Anwesenden so, daß die Unterhaltung eine Weile zu stocken schien.

„Ach wie gut, hessischer Kartoffelsalat", rief Tom begeistert, ich hab ihn kürzlich in Cottbus mit Zucker bestreut erhalten.

Ein Schaudern ging durch die Gesellschaft ob solcher Behauptung.

„Tom, langer Tom," rief ich ihm wehmüthig zu, „was haben wir Dir gethan, daß Du uns den Appetit verderben willst?"

aber auch das Ausland fehlte nicht: So konnte man in dem einfach großartigen Festzuge auch die katholischen Gesellenorreine von London, Brüssel, Wien und Budapest mit ihre« Fahnen vertreten sehen. Um 12 Uhr Mittags begann der Fest- zug an der Kirche der heiligen Hedwig und bewegte fich durch die Behrenstraße und durch das Brandenburger Thor nach dem Thiergarten und der LiegeSallee hinaus. Man brauchte so ziemlich eine halbe Stunde, um den ganzen Zug an fich vorbeirnarschtre« zu lasten, deffen glanz- volle Entwickelung durch herrlich«s Wetter aufS vortrefflichste begünstigt wurde. Es war gerade, als fei die liebe Sonne auf ei« paar Stunden h-roorgekommen durch allen den Regen- und SiurmeSgraus, um recht frisch und fröhlich dem katholischen Frstzuge durch die belebtesten Straße« der protestantische« Residenzstadt voranzuleuchten — ein prächtiges Bild, wie Fahne an Fahne sich reihte, getragen von Männer«, denen es auf dem Gesichte geschrieben stand, daß fir voll bewußt waren der eigenartigen Bedeutung dieser Veranstaltung. Vom Thiergarten aus ging der Zug, in dem in gleichmäßigen Abständen fünf Mufikchöre vertheilt waren, durch die höchst vor­nehme Viktoriastraße nach der Potsdamer Brücke und weiter am Kanal entlang «ach der bekannten Philharmonie.

Den Gesichtern der Berliner sah man es an, daß sie meistens nicht recht wußten, was fir mit dem mächtigen Festzuge anfangen sollten. Hundert Fahnen hinter einander aufmarschtre« zu sehen, deren Bilder ausschließlich religiöse Dinge dar­stellten, war gewiß noch Keinem von alle« den Zuschauern vorg-kommen; aber man muß dem Berliner Publikum «achsagen, daß es diesmal in fast erstaunlich hohem Grade die Lust zu spöttische« Bemerkungen unterdrückte, die sonst gerade dem Berliner mehr als irgend einem andern Großstädter innewohnt. Die ganze Ver­anstaltung oerl es ohne jegliche Störung, abge­sehen von einige« ganz vereinzelte« Schimpfereien gemeiner Art «i der Potsdamer Brücke, auSge- gange« von ewigen „Genoffen". Die Herren Sozialdemokrat » hatten aber nicht die Genug- thuung, von de« Theilnehmern des Zuges ernst­liche Beachtung tu erlangen. Mit fchweizender Nichtachtung gin^ man über ihre wüsten Redens- arten zur Tagesor dnung Über.

Von hervorragenden Ehrengästen ist nament­lich der ReichStagsabgeordnete Prinz Arenberg zu erwähnen, der inmitten des Festzuges diesen auf feinem ganzen Wege begleitete.

Berlin, 23. Juni 1902.

* Minifierwechsel im KrsenSahnmierifie- rium. Der,Staatsanzeiger meldet heute Abend: Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht: dem Staatsminister und Minister der öffenttichen Arbeiten von Thielen die nachgssuchte

„Es ist gar nicht wahr, ich hab's keinen Moment geglaubt," schrie jetzt Sturm vergnügt und trank sein Glas aus, „und Cottbus das gibt es ja gar nicht."

„Doch, Herr Kamerad entschuldigen," ließ sich da plötzlich einer der jungen Dachse ver­nehmen," eine Tagreise südlich von Berlin liegt die ehemalige Residenz der heidnischen Wenden­fürsten, berühmt durch ihre Tuchfabrikation, ein Städtchen von 7—8000 Einwohner, hart an der Spree, die Bewohner--"

„Danke, danke, setzen Sie sich einen rauf" rief Kant, Sie haben Ihr Sache vorzüglich ge­macht, aber schenken Sie uns den Rest!"

Erschrocken und verlegen schwieg das arme junge Kerlchen, von nun an widmete er sich nur dem Essen und gab keinen Pieps mehr von sich.

„Au" rief in diesem Moment Hartor, „o ich bitte um Entschuldigung, ich habe auf den Mör­der gebissen". „Au, au, ich auch" lachte Tina und legte zwei plattgedrückte Schrotkörner neben ihren Teller, „welche Sympathie edler Seelen, Jette wirst Du nicht eifersüchtig? — Aber da muß ich Euch eine köstliche Geschichte vom Buwelche erzählen". (Buwelche gewöhnlich 's Töffelche genannt; war ein kleiner Nachkömmling, ein rothhaariges Scheusälchen, welches von den Schwestern unendlich geliebt und rasend verzogen wurde. Es war ein kluges und trotz dem Ver­ziehen wohlgesittetes Kind.)

Buwelchen hatte am Sonntag im Hasenbrätchen auf ein Schrot gebissen und erschrocken 'ausge­rufen: „Mutter ich hab'n Knöchelcheim Mund". Darauf wird ihm der Ursprung des von Schwester Dore glücklich zu Tage geförderten Schrotküg- leins natürlich erklärt. Abends gibts Servelat-

Entlassung au« seinem Amt unter Belassung des Titels und Ranges eines Staatsministers und unterVerleihung des hohenOrden« vomSch w ar zen Adler zu ertheilen und den Generalmajor a. D. Budde zum Staatsminister und Minister der öffentlichen Arbeiten zu ernennen. Gleichzeitig ist Minister Budde al« Nachfolger de« Herrn von Thielen zum Chef de« Reichsamtes für die Ver­waltung der Reichseisenbahnen ernannt worden. — Herr vKt Thielen steht feit fast 50 Jahren — allerdings mit einer Unterbrechung — im preußischen Staatsdienst, in den er 1854 als Aus­kultator eingetreten war. Seit 38 Jahren be­findet er sich im Eisenbahndienste. 1864 war er zur Staatsbahnverwaltung übergetreten, ging drei Jahre später allerdings in den Privatdienst über als Mitglied der Direktion der Rheinischen Eisen­bahngesellschaft und trat dann 1880 nach deren Verstaatlichung in den Staatsdienst zurück. Zehn Jahre, von 1881 bi« 1891, hat er als Eisen- bahndirektionsprästdent gewirkt, zuerst in Elber­feld, dann in Hannover, bis er am 20. Juni 1891 als Nachfolger Maybach'« an die Spitze de« Ministeriums der öffentlichen Arbeiten berufen wurde. 11 Jahre hat er diesem Ministerium vor­gestanden, länger als irgend ein Minister unter dem jetzigen Kaiser. — Der neue Minister Budde, der langjährige Vertreter des Generalflab« für den Etat der strategischen Eisenbahnen, erfreut fich in parlamentarischen Kreisen großer Beliebtheit und seine Ernennung wird als eine recht glückliche Wahl betrachtet. Zwar ist von anderer Seite darauf hingewi fen worden, daß man mit Gene­rälen al« Ministern und Staatssekretären nicht immer die beste Erfahrung gemacht habe, allein diejenigen, welche den oben genannten Herrn näher kennen, glauben auf Grund seiner bisherigen amt­lichen Thätigkeit, und nachdem derselbe in den letzten beiden Jahren noch die oberste Leitung eine« großen industriellen Betrieb« (der Deutschen Waffen- und Munit!onsfabrikea) inne gehabt Hai, eine recht erfolgreiche Wirksamkeit von ihm er­warten zu dürfen. |

+ Kein Krvfolgegesetz in LippeAet- mel«. Die Nachricht, daß dem Landtage von Lippe Detmold ein Erbfolgegesetz zu Gunsten der Biesterfeld-Linie vorgelegt werden solle, scheint fich nicht zu bewahrheiten. Bei dieser Gelegenheit möge daran erinnert sein, daß feem Landtage ein solche« Gesetz schon einmal im Jahre 1897 vor­gelegt, nachher indessen auf Ersuchen des Bundes- raihe« wieder zurückgezogen wurde. Man begnügte fich im Jahre danach mit einer Novelle zu dem Regentschaftsgesetze vom April 1895, die in dem Falle eines eintretenden Thronwechsel« dem je­weiligen ältesten Sohne de« Regenten die Nach­folge zner kennt.

ft Die „einige« Liberalen": Im Wahl- kreise Bayreuth find Verhandlungen eingeleitet worden, um eine Wahlvereinigung zwischen den Freifinnigen und Nationalliberalen zu Stande zu bringen zum Zwecke der gemeinsame« Kandi­datenaufstellung ; und nun rühmen gewisse Zritungen diesen Einigkeits-Sinn der Liberalen. Na, erstens bleibt abzuwarten, ob diese Verhand­lungen überhaupt zum Ziele führe« werden, waS einstweilen noch sehr zu bezweifeln ist. Und wenn wurst und Töffelchen bekommt ein Pfefferkorn in's Mäulchen.

„Mütterchen", rief es vergnügt, „ich hab's Kiggelche gesunde, womit das Würstche ge- schoffe ist!"

Wir lachten alle auf Büwelchens Kosten und Thomas meinte, er sähe ordentlich im Geiste die unglückliche Wurst vor dem Jäger fliehen.

„Aber zahme Schweine schießt er doch nit!" rief Sturm.

Stürmchen, Stürmchen, — wir lachten Thränen — wo warst Du mit Deinen Gedanken!

„Haben Sie alle Spitznamen im Regiment?" fragte mich Frl. von Seschen.

„O nein, nur die näheren Freunde."

„Adler ist ganz hübsch", meinte Dore „hin­gegen Urian, wie Adrian genannt wird, finde ich gräßlich.

„Aber sehr bezeichnend" sagte Henry trocken.

Kant warf ihm einen giftigen Blick zu: „Sie werden auch noch an einen Spitznamen glauben müssen, Herr v. Adlerskopf."

„Sehr leicht möglich", nickte Henry gleich- müthig und hielt Arens sein Glas hin zum einschenken.

„Ich schlage vor, ihn Adam zu nennen, er wohnt ja im Paradies," rief lustig Tina.

„Adam" unterbrach sie Kant kurz und rauh auflachend, „Adamskropf statt Adlerskopf! Bei Gott so eine famose Idee hätte ich Dir gar nie zugetraut.

„Haben Sie's gehört, Herr Baron, meine Cousine Tina schlägt vor, Sie Adamskropf zu nennen!"

Diesmal war er aber mit feiner Bosheit an die unrechte Adresse gekommen. Ehe Henry ant-