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gfuTöa, Montag, den 23. Ium 1902.

M 141.

(:) Zwei Kaiserreden.

Ge.Müjtstät der Kaiser hat bei seiner An­wesenheit in der alten Kaiserstadt Aachen zwei Ansprachen gehalten, die wegen ihres Inhalts eine allseitige Beachtung verdienen. In der alt­ehrwürdigen Münsterkirch! erwiderte der Kaiser auf eine Begrüßungsansprache des Seniors des Stiftskapitels, P<äiat Dr. Bellesheim, wie folgt:

Ich danke dem Stiftskapitkl von ganzem Herzen -für diese herrliche Ansprache, die Ich soeben hier ver­nommen habe. Wenn alle Geistliche» Ihrer Konfession im deutschen Lande so denken wie Sie, dann ist es um die Zukunft de? Vaterlandes wohl bestellt. Es ist Mir •eine hohe Freude, daß Ich das Werk der Fortführung und Ausschmückung Ihrer Kirche persönlich fördern und beschützen kann. Es ist eine Fortführung im Sinne Meiner Vorfahren. Schon Mein hochseliger Großvater und Vater empfanden es als ihre nothwendige Pflicht, diesem schönen Gotteshause seinen Glanz wieder zu ver­leihen, den es einst beseffen hat, und wir führen nun das Werk fort, das Kart der Große e'nfi angefangen. Durch alle Jahrhunderte hindurch geht bei den Ger­manen ein Zug durch ihr Empfinden, die Liebe zur Natur, die uns der Schöpfer in das Herz gepflanzt hat, als echt germanisches Erbtheil. Dieselbe über­trugen sie in ihre Kunst zum Schmuck ihrer Gottes­häuser und von den dadurch entstandenen Vorbildern kann kein Deutscher sich losmachen und für den Landes- Herrn wird ihr Schutz zur Pflicht. Ich werde froh fein, wenn der Himmel es Mir gestattet, am Abend Meines Lebens noch die Vollendung dieser K.rche er­lebe» zu können.

Eine wettere Ansprache, die der Kaiser bei dem Ehlentcunkr im alle» KrönurgZsaale des neu teil muhten Aachener Rathheufes auf die Begrüßungsansprache des Oberbürgermeisters Veltman hielt, lautete folgendermaßen:

Im Name» der Kaiserin und in Meinem Namen spreche Ich Ihne» von ganzem Herzen tiefbewegt u»seren Dank für den unbeschreiblich patrio­tischen und begeisterten Empfang aus, ben alle Theile der Stadt Aachen uns bereiteten. Es war Mir ein Herzensbedürfntß, die Stadt Aachen zu be­suchen, und Ich danke Jynen für die Gelegenheit, die Sie Mir durch die Einladung geboten habe». Wrr sollte auf so historischem Boden, wie es Aachen ist, nicht mächtig eifaßt werden von dem Wehen und Rauschen der Vergangenheit und Gegenwart! Wer sollte nicht an die Fügung des Himmels denken, wenn er die Ge­schichte der Jahrhunderte überblickt, die unser Vaterland durchgemacht hat in der Verbindung mit Aachen! Aachen ist die Wiege deS deutschen KaiserthumS, denn hier richtete der große Karl seinen Stuhl auf, und vo» seinem Glanze gewann auch die Stadt Aachen einen Widerschein. So bedeutend, so groß war die Figur dieses gewaltigen germanische» Fürsten, daß von Rom ihm die Würde eines alten römischen Cäsaren ange­tragen wurde und er auSersehen ward, die Erbschaft deS imperii romani anzutreten. Gewiß eine großartige Anerkennung für die Leistungsfähigkeit unseres eben erst in der Geschichte auftretendeu germanischen Stammes. Den» entsunken war das römische Szepter der Cäsaren den Händen ihrer Nachfolger; zerbröckelt und morsch wankte der römische Bau, und erst das Erscheinen der siegesfrohen Germanen mit ihrem reinen Gemüthe war im Stande, der Weltgeschichte de» neuen Lauf zu weisen, den sie bisher genommen. S.NWW. .......

jlkitsmts-SriMvmgkt! kitus altes Smhejsk«.

Halbvergeffene Geschichten aus den 30 er und 40 er Jahre» drS 19. Jahrhunderts von B. S. Eoester.

47 ------ (Nachdruck verboten )

XII.

Glück im Spiel und Glück in der Liebe.

Die nächsten Tage und Wochen waren schwer für mich.

Die kleine Hunde-Tragikomödie trat bald in den Hintergrund und mein tiefer Kummer um mein verlorenes Glück bedrückte meine Seele.

Ich zitterte bei dem Gedanken, mit Tina zu­sammenzutreffen und verzehrte mich dabei fast vor Sehnsucht nach ihrem Anblick.

In den nächsten 14 Tagen begegneten wir uns zu meiner schmerzlichen Befriedigung»irgends, die gastlichen Familien, die sich um die Ehre rissen, mich zu empfangen, gehörten theils nicht zum Umgang des Geheimraths von Ruberus, theils traf es sich, daß er und seine Damen sich schon anderweitig versagt hatten.

Nun aber ließen Eßlers zum Abendbrod mit darauffolgendem Tanz bitten. Dort mußte ich die Geliebte treffen.

Ich erwog das für und wider, dann aber, nach kurzem Kampf, sagte ich entschlossen ab.

Ich sei unwohl, ich könne nicht kommen. Das war wohl kaum eine Lüge, so elend hatte ich mich selten gefühlt.

Selbst Kant, der mich besuchte, fand, daß ich

Da verstand es sich vo» selbst, daß der gewaltige Karl der Große, der Fcankenlöaig, die Blicke Roms auf sich lenkte, welches in ihm seinen Schutz und Hort erblickte. Allein die Aufgabe, das Amt eines römischen Kaisers mit der Würde eines germanischen Königs zu verbinden, war zu schwer. WaS er mit seiner gewaltigen Persön- ichkeit vermochte, das versagte das Geschick seinen Nachfolgern und unter der Sorge um daS Weltimperium verloren die späteren Kaisergeschlechter das germanische Volk und Land auS dem Auge. Sie zogen gen Süden, um daS Weltimperium aufrecht zu halten und vergaßen darob Germaniens. So mußte allmählich unser deutsches Land und Volk verkommen; gleichwie bei der Aloe, wenn ihre Blüthe treibt und die ganze Kraft der Pflanze sich zu dieser einen Aufgabe aufrafft, hoch emporstrebend Blüthe auf Blüthe entwickelt und das Auge des fiaun.nden Beschauers ft ff eit, derweilen nun die Pflanze felcer zusammenbricht und ihre Wurzel verdorrt, so erging es auch d-m römischen Kaiserthum deutscher Nation. Nunmehr ist ein anbe-eS Kaiser­thum entstanden, dem deutschen Volke ist sein Kaiser wieder geworden, den es sich selbst geholt hat. Mit dem Schwert tu der Faust, auf dem Schlacht­felde ist die Kione erworben worden und das Reichs­panier flattert wieder hoch in den Lüsten. Aus der­selben Begeisterung und L.ebe, womit das deutsche Volk an feiner alten Kaiseridee gehangen, ist das neue Kaiser­reich inS Leben getreten. Allein die Aufgaben sind andere; nach außen beschränkt auf die Grenzen unseres Landes, um uns von neuem innerlich stählend auf die Aufgaben vorzubereiten, die unserem Volke jetzt werden, und die tm Mittelaller nicht erfüllt werden konnten.

Und so sehen wir denn, daß sich das Reich, obwohl noch jung, in sich filbst von Jahr zu Jahr kräftigt, während das Vertrauen zu ihm von allen Se ten immer stärker sich befestigt. Das mächtige deutsche Heer aber gewährt einen Rückhalt dem Frieden Europas. Dem Charakter der Germanen entsprechend, be­schränken wir uns nach außen, um »ach innen unbeschränkt zu sein. Weithin zieht unsere Sprache ihre Kreise auch über die Meere, weithin geht der Flug unserer Wiffenschast und Forschung. Kein Werk auS dem Gebiete der neueren Forschung, welches nicht in unserer Sprache abgefaßt würde, und kein Ge­danke entspringt der W.ffenfchaft, der nicht von unS zuerst verwerthet würde, um nachher von anderen Nationen angenommen zu werden, und dies ist das Weltimperium, do8 der germanische Geist anstrebt. Wollen wir nun nach jeder Richtung unseren großen Aufgaben gerecht werden, dann dürfen wir nicht vergessen, daß der Urgrund, worauf das Reich entstanden ist, wurzelt in der Einfachhei t, Gottesfurcht und den hohen sittlichen An­schauungen unserer Vorfahren. Wie hat die prüfende Hand unseres Gottes zu Anfang des vorigen Jahr­hunderts auf unserem Lande gelegen und mächtig hat der Arm der Vorsehung das Eisen geschmiedet und ge­schweißt am Ofen deS Elends, bis die Waffe fertig wurde! So erwarte ich auch von Ihnen Allen, daß Sie Mir helfen werden, ob Geistliche oder Laien, die Religion im Volke aufrecht zu erhalten. Zu­sammen müssen wir arbeiten, um dem germanischen Stamme seine gesunde Kraft und feine sittliche Grund­lage zu erhalten; das geht aber nur, wenn man ihm die Religion erhält, und das gilt in gleicher Weise für beide Konfessionen. Um so größer ist heute meine Freude, den Herren der Kirche, die hier vertreten sind, eine Nachricht zu bringen, die Ihnen mit, blaß aussehe und meine Zunge lalle, und er er­bot sich, mir Balsam auf Zucker zu tröpfeln.

Ziemlich grob bat ich ihn, mich vor allen Dingen von seiner Gegenwart zu befreien, ich bedürfe der Ruhe.

Er entfloh mit langen Schritten und dem Gehege feiner Zähne entflohen die Worte: „Schwarzer Undank, unausstehlicher Kerl, danke."

Ach wie trostlos langsam schlich der Abend dahin, der so schön, .so herrlich hätte sein können.

Mit wem sie wohl eben tanzte, wer sie wohl zu Tische führte?

Ob sie mich vermissen würde?

„Ach Tina, Tina," stöhnte ich und vergrub meinen Kopf in die Kiffen, ich wollte nichts sehen und hören.

Draußen trillerte dieweil das lustige Marriche.

„Ja siehste woll Karlche, so gehts in die Welt, der Eine hat'n Beutel, der Ärmere hat's Geld!"

O, du dreimal verfluchtes Geld!---

Drei Tage nach dem Eßler'schen Ball hatte ich das Glück, die drei Ruberus'schen Damen auf der Straße zu treffen.

Es ist ein oft mißbrauchtes Wort, wenn man von einer Mutter sagt, sie sähe wie die etwas ältere Schwester ihrer Töchter aus. Auf die Geheimräthin von Ruberus konnte man diesen Ausspruch, ohne der Wahrheit irgendwie Zwang anzuthun, anwenden, obgleich eigentlich keine der Töchter ihr glich.

Wohl hatte Dore ihre lebhaften dunklen Augen und die fast überschlanke Figur, Tina die feine gradlinige Nase geerbt, im Großen und Ganzen repräsentirten aber die Töchter den aus-

theilen zu können ich stolz bin. Hier steht General von Los, ein treuer Diener seiner Könige. Er ward von mir gefanbt nach Rom zum Jubiläum deS heiligen Vaters, und als er ihm meine Glückwünsche und Jubelgabe überbrachte und ihm in einem intimen Gespräch Aufschluß gab, wie es aus­steht in unsere» deutschen Landen, hat ihm der heilige Vater geantwortet, erfreue sich, ihm sagen zu könne», daß er stets hoch gedacht habe von der Frömmigkeit der Deutschen, zumal deS deutschen HeereS. Er könne ihm aber noch mehr sagen, und das solle er feinem Kaiser bestellen: Das Land in Europa, wo noch Zucht, Ordnung und Disziplin herrsche, Respekt vor der Obrigkeit, Achtung vor der Kirche und wo jeder Katholik ungestöit frei seinem Glauben leben könne, das sei daS deutsche Reich und das danke er dem deutschen Kaiser. Dies berechtigt Mich zu dem Ausspruch, daß unsere beiden Konfesstonen nebeneinander das eine große Ziel im Auge behalten müssen, die Gottesfurcht und Ehrfurcht vor der Relision zu erhalten und zu stärken. Ob wir moderne Menschen sind und ob wir auf diesem oder jenem Gebiete wirken, ist einerlei. Wer fein Leben nicht auf die Basis der Religion stellt, ist verloren. So will auch Ich, da an diesem Tage und an diesem Orte es sich ziemt, nicht nur zu reden, sondern auch zu geloben, Mein Gelösniß hiermit aus­sprechen, daß Ich daS ganze Reich, daS ganze Volk und Mein Heer durch diesen Kom­mandostab vertrete, das Reich selbst und Mein Hans unter das Kreuz stelle und unter den Schutz dessen, von dem der große Apostel PeiruS gesagt hat: Es ist in keinem Anderen Heil, und es ist auch kein anderer Name dem Menschen gegeben worden, darin sie sollen selig werden, und der von sich selbst gesagt hat, Himmel und Erde werde» vergehe», aber meine Worte vergehen nicht! — Ich trinke auf das Wohl der Stadt Aachen in der festen lleberzeugung, daß die Worte, die Ich gesprochen habe, ix ihr einen guten Bode» finden werden, wie es Mich ja auch, was Ich heute von der Bürgerschaft dieser Stadt, Alt und Jurg, gesehen habe, sicher macht, daß auch in dein Zu­kunft in ihren Mauern Unser Haus und Unser Thron eine feste Stütze finden wird. Die Stadt Aachen lebe hoch! hoch! hoch!

Berlin, 21. Juni 1902.

* Für die am 10. Juli beginnende Aord- landsreise des Kaisers sind in diesem Jahre nur 3 Wochen festgesetzt. Nach der Landung des Kaiseis in Emden trifft die Hohenzollern in Kiel ein, um sich für die Fahrt nach Rußland aurzurüsten. Diese Reise wird 7 Tage dauern; es sind für die Hin» und Rückfahrt je 2. für den Aufenthalt auf der Rhede von Reval 3 Tage vor­gesehen.

+ Aeichstag ««d preußischer Landtag. Die von mehreren Seiten neuerhobene Forderung, den preußischen Landtag diesmal früher einzube­rufen, hat di« mehrfache Deutung erfahren, auf dteie Weise wolle man nur einem Theile der Mit­glieder des Reichstages auf Umwegen Tagegelder gesprochenen deutschen Typus der Familie Rube­rus, während die jetzt 38jährige Mutter tief schwarzes Haar hatte. Lebhaft und liebenswürdig wie immer, kam die geistvolle Frau auf mich zu und erkundigte sich nach meinem Befinden, sie habe mich auf dem Eßler'schen Ball vermißt.

Mit tiefer Verbeugung ihr für so viel un­verdiente Theilnahme dankend und dabei ängst­lich Tinas Blick vermeidend, versicherte ich, daß ich mich wieder vollkommen wohl befände.

„O das ist gut," rief Frau von Ruberus aus, „dann haben wir hoffentlich die Freude, Sie Dienstag bei uns zu sehen."

Was blieb mir übrig, als mit abermaliger tiefer Verbeugung die fo freundlich ausgesprochene Einladung anzunehmen, und mit einem herzlichen: „Nun dann halten sie sich tapfer, auf Wieder­sehen nächsten Dienstag", ging Frau v. Ruberus ihrem Hause zu.

Mit sehr gemischten Gefühlen kam ich da­heim an.

Ach mit tausend Banden zog es mich in ihre süße Nähe, die zu vermeiden ich mir doch so fest vorgenommen hatte; schließlich aber stellte ich mir selbst die Galgenfrist, bis zum Dienstag Vor­mittag zu warten, dann konnte ich ja noch immer absagen.

In diesem Kampf mit Herz und Verstand blieb Ersteres Sieger.

Als Arends erschien, die Liste in der Hand, den Bleistiftstummel an den Lippen und ganz vorwurfsvoll meinte: „Herr Leutnant werde mir doch heute nit widder 'n Korb gäwwe, das wär noch schönner!" konnte ich der Versuchung nicht widerstehen und sagte zu. — Befriedigt mit dem

29. Jahrgang.

zuwenden. Gegen eine solche Deutung und gegen solche Absichten muß natürlich sehr nachdrücklicher Widerspruch erhoben werden. Erstens haben die Mitglieder des Reichstages selbst vollen Anspruch darauf, daß ihnen eine Entschädigung für ihre persönlichen Auslagen gemacht werde. Zweitens würden durch ein solches Verfahren die preußischen Staatrfinanzsn za Gunsten einer R-ichsangelegsn- heit in Anspruch genommen werden, deren geson­derte Erledigung für sich allein dringendes Be- dürfniß ist. Drittens aber würde eine Maßregel dieier Art mit diesem Hintergründe eine Bevor­zugung der preußischen Mitglieder des Reichstages gegenüber den anderen Re'chttagsabzeordneten lein, die man doch auf keinen Fall bestätigen kann. Wenn der preußische Landtag seine Re­gierungsvorlagen nur zur rechten Zeit bekommt und die Ekattderathung nicht gar zu sehr in die Länge zieht, kann er unter gewöhnlichen Um­standen seine Arbeiten stets in der Zeit vom Januar bis zum Pfingstfeste erledigen.

* HhirrarzneistnSi««. Das preußische Staairmlnisterium hat sich, wie die .Berliner Thier ärztliche Wochenschrift'mittheilt, für die Ein­führung des obligatorischen Abiturienten- examens als Vorb edingung des Studiums der Thiermedizin ausgesprochen. Dement­sprechend werden die preußischen Bevollmächtigten im Bandesrath für den Antrag Bayerns stimmen, dessen Verhandlung nun wohl bald stattfinden und dessen Annahme gesichert fein dürfte.

+ Ai« Kölner HeStt«8»rverKs find zwar eine Schöpfung der Neuzeit. Nichtsdestoweniger find fis durch die unheimlichen Fortschritte der Waffentechnik schon längst wieder überholt, und bereits feit mehreren Jahren geht daS Gerücht, daß der um die Stadt Köln gezogene Festung-- ri«g demnächst beseitigt weroen solle. Nach Blätter- Meldungen aus Köln soll der entsprechende feste Beschluß schon vorliegen. Danach sollen die Festungswerke aeschlrift und di» gesammten mili« tärfiskalischen Gelände zum Preise von 98 Mill. Mark durch Verkauf an die Stadt Köln abge­treten werden. Gleichzeitig erzählt man stch, eS sei die Anlage eines befestigten Lagers auf der Wahner Heide (20 Klm. südöstlich von Köln) ge­plant.

ff- Die WrßSräuche Sei Ausverkäufen find zum Gegenstände vo» Gutachten gemacht worden, dis das Reichsamt des Innern einfor­derte. Diese Gutachten find sitzt zum größten Theile emgegangen, und eS wird nunmehr in dem genannten Reichsamte darüber beralhen, ob gegen solche Mißbräuche auf Grund des Gesetze- gegen den unlauter» Wettbewerb eingeschritten werden kann und soll. Zu diesen Mißbräuchen gehört, wie bekannt, in erster Reihe der Nach­schub von Maaren bei dem Ausverkäufe von Konkursmaffen. In großen Städten und in deren Umgebung wird diese Art des Geschäfte- von ganz bestimmten Handelsleuten als Speziali­tät betrieben.

X Nie Zolltarif.Kommission des Reichs­tages soll «ad) der Ansicht ihrer „maßgebend« Kreise" in vier bis sechs Wochen mit der ersten Lesung des Tariferitwurses fertig werden und dann eine längere Pause bis zur zweiten Lesung des Tarifentwurfes ein treten kaffen — so lautet

Kopf nickend, machte Arends ein Kreuzchen hinter meinen Namen und schob ab. Solch Kreuzchen war nicht etwa als böses Omen aufzufafsen, ebensowenig wie die Null, die hinter manchem Namen stand, für den Träger dieses Namens eine Beleidigung bedeutete. Das war die' Ge­heimschrift des braven Arends. Wer das Kreuz auf sich nahm, kam, die Nullen sagten ab.

Hinter einer Familie mit Töchtern machte er drei Kreuze, wenn der Vater absagte, eine Null davor, aber dachte sich nichts Böses dabei.

Ich also hatte mich zum Kreuz bekannt und fühlte mich nun doppelt verpflichtet, hinzugehen.

Und der Dienstag, der gefürchtete und er­sehnte kam heran.

Es war um 3 Uhr zum Diner befohlen, ich stellte mich knapp vor der bestimmten Stunde ein, konnte eben nur die Damen des Hauses be­grüßen, als schon der Geheimrath auf mich zu­trat und mich bat, Bertha v. Seschen zu Tisch zu sühren. Gleich darauf verkündete uns das ,,Madame est servi“ des wohlgeschulten Haus­bedienten, daß die Suppe unserer harre und jeder beeilte sich, seine Tischdame mit zierlichster Ver­beugung — die mit sittsamem Knix erwidert wurde — nach dem Speisesaal zu führen.

Die Tischplätze waren nicht bestimmt, aber ein gütiges Geschick gab mir Tina als vis-a-vis.

Ihr Tischherr war mein Freund Zimmern, vor kurzem erst von einem Kommando, welches ihn längere Zeit an Kassel gesesselt, zurückgekehrt. Er sollte nun recht viel von der Residenz er­zählen, aber er behauptete, Kassel sei ein Dorf gegen Hanau, die Geselligkeit spießbürgerlich und langweilig. (Forts, folgt.)