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FnldaerMZeitung

M 139

Iu^dcr, Freitag, den 20. Juni 1902.

29. Jahrgang.

C><rantwerl!l<6: Sür di« Rcdaklion 3»l. Saum, jür 3nl«ral« J. paticlltr In Lulda.

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Zur Lage der Industriearbeiter.

Dem oberschlrfischen Lande traut man im all- gemeinen in Deutschland nicht viel Gutes zu. Aber wenn man dieses Land Oberschlesien und seinen Jadustriebezirk nach den Jahresberichten der Fadrikinspektoren mit den anderen Industrie« bezirken im Reiche vergleicht, dann erhält man nur vortheilhaste Ausschlüffe darüber. Der Bericht der preußischen Aufstchtsbeamten für das abgelaufene Jahr 1901 wußte zu melden, daß sowohl die Unternehmer als auch die Arbeiter gerade im Regierungsbezirk Oppeln am meisten den Rath und die Vermittelung des Gewerbe« Inspektors in Anspruch nehmen, daß also die Einrichtung der Gewerbe-Aussicht in Oberschiesten von allen Bezirken der allerbesten Erfolge sich zu erfreuen hat. Wenn man nun weiter die Berichte der Auffichtsbeamten für daS Jahr 1901 daraufhin prüft, wie die Lage der Arbeiter während dieses JahreS sich gestaltete, dann er« hält man den wiederum erfreulichen Aufschluß für den genannten Bezirk, daß die wirthschaft« liche Krise in dem oberschlefischen Bergwerks« und Hütlenrevier daS Lohneinkommen der indu­striellen Arbeiter am wenigsten schädlich beein­flußt hat.

In dem Bezirke des Aufsichtsbeamten von ArnSberg in Westfalen, einem der größten aller Auffichtsbezirke in Deutschland, hat es Lohnaus« fälle bis hinauf zu 25 v. H. gegeben aller­dings auch nur als Ausnahmen. Die Lohn­herabsetzung hat auch im Arnsberger Bezirke nicht so viel betragen, wie es bei dem schnellen Niedergänge der Konjunktur zu befürchten war, und wie es nach vielen Zeitungen den Anschein hatte" so berichtet der Ausfichtsbeamte des Arnberger Bezirkes. Im Oppelner Bezirke hat «S aber thatsächltch weder größere Arbeitslosig­keit, noch überhaupt Lohnkürzungen gegeben. Die oberschlefische Industrie muß also unstreitig auf sehr gesundem wirthschaftlichem Boden stehen; sie ist wahrscheinlich am wenigsten beeinflußt worden durch die schwindelhafte Börsentreiberei mit In- dustrikwerthen während der Zeit des vorauf« gegangenen Aufschwunges.

Es ist sehr schwer, wenn nicht unmöglich, auf der Grundlage der Berichte der verschiedenen Gewerbe-Jnspektoren zu einem zusammensaffende», einheitlichen Urtheil zu gelangen über die Vor­gänge in den wirthschastlichen Verhältniffen der Industrie-Arbeiter im allgemeinen. Man kann höchstens das eine erfreuliche Ergrbniß für daS Ganze feststellen, daß die Einbuße, die die Ar­beiter durch die industrielle Krise erlitten haben, nicht so ganz schlimm ist, wie man nach den vor« ausgegangenen Zeitungsberichten glauben könnte.

Die ungünstigen Einwirkungen der Krise auf die wirthschastlichen Verhältnisse der Arbeiter find der Hauptsache nach zweierlei gewesen: dort, wo sie sich in fühlbarer Weise geltend machten, wurden entweder Arbeiter entlaffen, oder es wurden alle Arbeiter beibehalten, aber mit kürzerer Arbeitszeit und dementsprechend kleinerem Ver­dienste. Aber auch die Abnahme der beschäftigten Arbeiter bleibt nach den vorliegenden JahreS« berichten ganz entschieden nicht unwesentlich zurück

Inttmmts-ttMtnmgni einte alten

SmWi.

Halbvergeffene Geschichten au3 den 80 er und 40 er Jahren deS 19. Jahrhunderts von B. S. Coester.

46 ------ (Nachdruck verboten.)

Sie. war allein gekommen; Dami hatte sich, trotz feiner Sehnsucht nach uns, gedrückt. Er hatte em böses Hüstchen, erzählte die Gattin, und mußte sich der bevorstehenden Reise halber schonen.

Tina war erschreckend still und so verschüchtert daß sie kaum mehr als Ja und Nein hervor­brachte.

Wie ich später erfuhr, lastete der Gedanke wie ein Alp auf ihr, daß ich am Ende doch noch, vielleicht nach der Rückkehr, mein Schlitten­recht geltend machen würde, und ich hätte mich am Ende dm ganzen Abend damit begnügen müssen, mich ab und an mit Mathilde^Berthumi, die auf meiner andern Seite saß, zu unterhalten,' wenn nicht ein unerwartetes Ereigniß Leben und Unbefangenheit meiner Tischdame zurückgegeben hätte.

Die stille, sanfte, sehr zurückhaltende Jette Gasler war nämlich plötzlich mit einem Ent- 'bdsnsschrei aufgesprungen, sodaß sich alle Köpfe ^schreckt zu ihr hinwandten. Die Ursache ihrer ^ukration bald als harmlos erkennend, hatte sie sich lächelnd wieder hingesetzt und ihre Umgebung wegen des verursachten Schrecks um Entschuldi­gung gebeten.

Hartor, ein eifriger Nimrod, war nämlich . Besitzer zweier prachtvollen Hunde, Mentor und

hinter den Angaben der verschiedenen Berichte und Stimmungsbilder in einzelnen Zeitungen. Beispielsweise wurden für Berlin und Danzig mitunter geradezu ungeheuerliche Zahlen ange­geben über die angeblich vorhandene Menge der Arbeitslosen. Man ersieht jetzt aus den amt­lichen Berichten, daß jene Zahlenangaben fürchter­lich überttieben waren, daß vielmehr diejenigen recht hatten, die von Anfang an die Verläßlich­keit besagter Ziffern anzweifelten. Und wenn man sich nun gar nach den Jahresberichten der preußischen Aussichtsbeamten die Gesamrntzahl aller beschäftigten Personen überhaupt ansteht, wird man durch die Thatsache überrascht, daß die Gesammtzabl während deS Jahres 1901 um fast zwei vom Hundert gegen daS Jahr vorher gestiegen ist.

Aber diese Thatsache wiederum hat ihren Wurm: Die Zahl der erwachsenen männlichen Arbeiter hat um 1,3 v. H. abgenommen; und Beides zusammen läßt sich nur so erklären, daß manche industriellen Unternehmer die billigeren weiblichen und jugendlichen Arbeitskräfte in größerer Menge herangezogen haben, nachdem sie männliche Arbeitskräfte vorher entfernt hatten. Das ist ein Verfahren, das ungeschminkte Tadel verdient. In den eigentlichen Jndustriebezirken hat man aber zu solchen tadelnswerthen Aus­kunftsmitteln keine Zuflucht genommen. Denn gerade die größten Industrie bezirke weifen auch eine Abnahme der beschäftigten Arbeitskräfte ins« gefammt auf. Diese beträgt im Durchschnitte aber nur ein Hundertstel

Ein Wort gebührt noch den WohnungSver« yältniffen der industriellen Arbeiter; «nd da muß man leider nach den vorliegenden preußischen Jahresberichten feststellen, daß diese keine Vrr- befferung, sondern eher eine weitere Verschlechte- rung während des Vmjchres erfahren haben. Das ist eine neue Mahnung dazu, doch end­lich und endlich eine allgemeine und gleich­artige WohnungSaussicht einzuführen. Noch heutigen Tages gibt es in Berlin und fernen Vororten sogenannte Arbeitermohnu^en, die eigentlich nur aus einer Stube b»> -hen und dennoch an die neun und zehn Person-n beher­bergen; und in Düffeldorf, daS eine e- me regel» mäßige WohnungSaussicht eingeführt ha-, wurden von 318 besichtigten Wohnungen uichr weniger als 191 beanstandet und 108 al- gänzlich unge­eignet für Wohnzwecke bezeichnet einfach himmelschreiend!

Deutsches Heich.

Berlin, 19. Juni 1902.

+ König Alvert von Knchs-n ist heute (Donnerstag) Abend 8 Uhr 5 Mm. auf Schloß Sibyllenort sanft und ruhig nttchlafen. Schon heute früh ließ der amtliche Krankheitsbericht das Schlimmste befürchten. Heute Nachmittag er« schien der Fürstbischof von BreSlau, Se. Eminenz

Hektor. Natürlich hatten diese, zu ihrem großen Schmerz, heute zu Hause bleiben und anstatt mit dem geliebten Herrn, mit dem Burschen vorlieb nehmen müssen. Das hatte ihnen nicht gepaßt, und es war ihnen gelungen, die Wachsamkeit des Burschen zu täuschen und ihm zu entschlüpfen. Gott weiß, wie sie unsere Spur gefunden, kurz und gut, sie erschienen plötzlich im Saale, näherten sich unbemerkt dem Brautpaare und steckten ihre zottigen Köpfe mit plumper aber ehrlicher Liebkosung unerwartet zwischen den Beiden durch. Kein Wunder, daß Frl. Gasler erschrak, aber sie beruhigte sich rasch und suchte Hartor zu besänftigen, der zornig auf die Hunde einschalt und sie sofort herausjagen wollte.

Sie durften dableiben und schlossen sich uns auf dem Heimwege, den wir bald antraten, fröhlich bellend und umherspringend an.

Der kleine Vorfall hatte, wie gesagt, Tinas Zünglein gelöst. Sie plauderte jetzt unbefangen, und ich amüsirte mich köstlich über ihre munteren, witzigen, schlagfertigen Bemerkungen. Es ging chließlich so lebhaft bei uns zu, daß ich einen ;anz erstaunten Blick, den Henry mir zuwars, auffing und Dore uns mit dem Finger drohte.

Mit schelmischem Lachen machte mich Tina auf das jüngste Brautpaar des Regiments auf» merksam, welches selig, aber sein Glück stumm genießend, neben Frau Hauptmann Otterbach saß.

Das glücklich-unglückselige Paar, Hauptmann Reinhardt und Fräulein Eliza Smith-Forbes war nämlich auf Händedrücke und Augensprache angewiesen, denn sie sprach, bis auf wenige deutsche Worte, nur englisch, er nur deutsch.

Fräulein v. Ruberus erzählte mir, daß Haupt­mann Reinhardt im selben Hause wie Mrs.

Kardinal Kopp im Schlöffe und weilte eine Viertelstunde lang am Krankenbette. Um 6 Uhr gaben die Aerzte folgenden Bericht bekannt:Der König zeigte im Laufe des Tages sehr wenig Theiluahme, das Benommensein, welches gestern nur vorübergehend bemerkbar war, dauerte heute mit geringer Unterbrechung an. Puls 100, im Allgemeinen noch ziemlich kräftig, Nahrungsauf- nähme mangelhaft." Der Tod erfolgte ohne jeden Todeskampf. König Albert stand im 75. Lebens­jahre. Er war am 23. April 1828 als der älteste Sohn dkS damaligen Prinzen, späteren Königs Johann, zu Dresden geboren. Schon frühzeitig zeigte er besondere Neigung für das Mllitärwesen. 1849 zog er als Hauptmann der Artillerie nach Schleswig-Holstein, wo er am Sturm auf die Düpprler Schanzen theilnahm. Im deutjch- österreichischen Kriege übernahm er das Kom­mando der sächsischen Truppe», die er u. A. in den Schlachten bei Gitschin und Königsgrätz fühlte. Im deutsch.franzöfischen Kriege war Kconprinz Albert Führer des sächsischen Aimee- korpS, und nach oer Einschließung von Metz erhielt er den Oberbefehl über die aus dem preußischen Sardekorps, dem 4. und 12. (sächfi. scheu) Armeekorps und der 5. und 6. Kavallerie, dioision neuge bildete vierte oder MaaSarmee, die an der Schlacht von Sedan hervorragenden Artheil nahm und bei der Einschließung von Paris die Nord- und Nordostfront besetzte. Nach dem Frieden wurde er zum Generalinspek eur der 1. Armeeinspektion und zum Generalfeldmarschall er­nannt. Schon seit Jahren litt König Albert an einem Blasenleiden, das bei feinem hohen Alter nicht unbedenklich war; aber er erholte sich immer wieder und schien bis vor kurzer Zeit sich oer« hälinißmäßig wohl zu fühlen. Dem jetzigen Leiden haben die Kräfte nicht mehr Stand gehalten. Da die Ehe deS Königs Albert und der Königin Karola kinderlos geblieben ist, so geht die Thron­folge auf den Bruder des verstorbenen Königs, Prinzen Geo> a über, der am 8. August 1832 geboren ist. König Georg ist Wittwer; feine Gemahlin »er eine portugiesische Prinzessin Marie. Sein ältester Sohn ist Prinz Friedrich Augnst, der > >k 1896 mit einer österreichischen Erzherzogin, P nzesfin Luise, verheirathet ist und drei Söhne -ud zwei Töchter besitzt. Außer­dem hat König G org noch zwei Söhne und zwei Töchter.

+Stelilien ist ZfrionlsaH-".Reli­gion ist Privatsache" steht geschrieben auf dem sozialdemokratischen Aushängeschild. Drin im Geschäfte geht's anders her und daß eS so ist, wird nunmehr auch von der sozialdemo« krattschen .Volksstimme' in Mannheim aner­kannt und getadelt: Man sollte doch im Lager der Sozialdemokratie alle religiösen und philo­sophischen Fragen unberührt lasten. Nun, die ,VolkSstimme' hat recht, und ihre Mahnung ist lobens werth. Aber ob sie etwas helfen wird? Schwerlich 1

+ Au» den Hstmarßen. Bei der Be- rathung der sogenannten letzten Polenoorlage im preußischen Landtage hat unter anderem der Kultusminister Stadt erwähnt, daß die preu­ßische Regierung ganz besondere Maßregeln auf

dem Gebiete der Volksschule vorhabe, möglicher­weise auch eine Erhöhung der Lehrergehälter. Nach einer anscheinend halbamtlichen Mittheilung der ,Brrl. Pol. Nachr.' finden bereits Er­örterungen zwischen den beteiligten Ministerien darüber statt, allen Beamten und auch den Volksschullehrern in den zweisprachigen Landestheile« fortan eine Gehaltszulage zu gewähren, die schon im nächsten preußischen Etat enthalten sein soll.

X Die Kise«Satz« - Tarife wurden am letzten Mittwoch nun auch tm Plenum der württembergischen Abgeordnetenkammer besprochen, nachdem sie vorher den entsprechenden Ausschuß dieser Kammer beschäftigt hatten. Ja dem Ausschüsse find in dringender Weise Wünsche nach erheblicher Verbilligung der Personenfahr­preise laut geworden, worauf der Vertreter der Regierung abwinkte und auf die ungünstige Finanzlage hinwies. Im Plenum der Kammer hat nun am Mittwoch der Minister von neuem erklärt, daß wegen der ungünstigen Finanzlage nur eine stufenweise Ermäßigung her Fahrpreise möglich sei. Aber etwas erscheint auch dem Minister erreichbar: Die Herabsetzung der ein­fachen Fahrpreise auf die Hälfte des Preise- der Rückfahrkarten. Für späterhin könne man dann noch weitere Verbilligungen der Eisenbahn­fahrten in Aussicht nehmen. Eine weitere Hauptsache in den Erklärungen des württem­bergischen Ministers ist der Hinweis darauf, daß er glaube, für diese Vorschläge auch das Ein« verständniß der anderen süddeutschen Eisenbahn­verwaltungen zu erlangen. Wirklich ? Aus Bayern hörte man bisher nur immer die eine Melodie, daß eine Herabsetzung der Fahrpreise aus Rück­sicht auf die ErhaUung der Staatseinnahmen unmöglich sei.

+ Die SeitzeuzSKe beschäftigen noch immer die Zollkommisston des Reichstages. Alle wichtigen Zollsätze dieses Handelsartikels sind nach den Vorschlägen des Regierungsentwurfes angenommen worden, oder haben nur sehr geringfügige Sender- ungen erlitten. Nach den Seidenzöllen kommen die Zölle für Wolle und Erzeugnisse aus Wolle an die Reihe.

+ Die.Nordd. Allg.Zig/ theitt mit: Gegen Eide Mai erschien ein Jrade des Sultans, welches die staatliche Anerkennung sämmtlicher deutschen, in der Türkei belegenex geistlichen und weltlichen Hbotztt-ält-iieits- Mtd Zlnter- richts-Anstatte» ausspricht. Die.Nordd. Allg. Ztg.' gibt ein Verzeichniß von 53 solcher An­stalten in Konstantinopel, Smyrna, Saloniki, Java, Jerusalem, Beirut und anderen Orten Syriens und Palästinas und fährt fort: Für die Anstalten, für die zwar die Genehmigung ertheill ist, die aber noch nicht errichtet find, wird die staatlich» Anerkennung grundsätzlich aus­gesprochen, die Ausstellung des Fermans aber bis zur Errichtung vorbehalten. Die staatliche Anerkennunz schließt im Prinzip die Befreiung der anerkannten Anstalten von den Zollabgaben und der Grundsteuer aus.

* lieber Ar. Kart May ist ein Streit ent­brannt, zu welchem die gefammte katholische Presse jetzt, nachdem derselbe entschieden ist.

Smith-Forbes wohne,und nun denken Sie sich, Herr v. Adlerskopf", fügte sie lachend hinzu, wie es dem Unglücklichen pardon dem Glücks­käfer erging. Am Neujahrsmorgen will er als höflicher Mann seinen Hausgenossen eine Gratu­lationsvisite machen und wird zunächst von Frl. Eliza allein empfangen. Er rafft einige Brocken englisch und französisch zusammen, um sein An­erbieten anzubringen und ergreift, als er den Glückwunsch ausspricht, galant die Hand der Dame, um sie an die Lippen zu drücken. Im selben Moment erscheint Mrs. Smith-Forbes, bleibt, als sie die Gruppe erblickt, einen Augen­blick wie entzückt im Thürrahmen stehen, und kommt dann, die Hände wie zum Segen er­hebend, näher:

O Hauptmann ich sein serr glücklich, ferr glücklich, kiß mein Tochter, ich erlauben es."

Der gute Hauptmann ist erst etwas verdutzt, denkt aber, das sei vielleicht in England Sitte, daß man sich zum Beginne des Neuen Jahres, wie etwa die Russen zum Osterfeste küsse und berührt statt der Hand, zart und zurückhaltend Elizas hübschen Mund.

Und reizend ist sie, diese kleine Engländerin", schaltete Tina ein und fuhr alsdann fort zu be­richten, wie noch mehr Besuch erschienen sei, dem die Mutter zum grenzenlosen Erstaunen unseres guten, gar nicht dummen, aber etwas schwer­fälligen und unbeholfenen Hauptmanns, ihn und Eliza als Brautpaar vorgestellt.

Wir lachten vergnügt über diese drollige Affäre und bereiteten uns alsdann zum Auf­bruch vor; die Mütter wurden bereits ungeduldig.

Vorgreifend will ich hier bemerken, daß die Ehe des Hauptmann Reinhardt durchaus glück­

lich wurde. Die junge Frau lernte schnell und besser deutsch sprechen als die Mama.

Als ich dieser würdigen Dame einige Jahre später in Kassel begegnete, wohin sie zur Em­pfangnahme und Taufe eines Enkels gekommen, versicherte sie mir mit strahlender Miene:

Mein Tochter ist serr glücklich mit die Haupt­mann, alle Jahr ein Gindche!" Nun eines greif­bareren Beweises bedurfte es wohl nicht.

Ich begab mich nach der Herrengarderobe und suchte nach Mantel und Reisedecke, ein schwieriges Werk, denn das Zimmer war ge­drängt voll und sehr schlecht erleuchtet. Halb ungeduldig über mein erfolgloses Bemühen ge­dachte ich zu warten, bis sich die Hochfluth ver­laufen, stellte mich an's Fenster und schaute in die Nacht hinaus.

Aus meiner Versunkenheit weckte mich ein leichter Schlag auf die Schulter, und eine Stimme, Henrys Stimme, fragte:

Willst Du hier übernachten. Kleiner? Hier ist Dein Mantel, mach'n bischen fix, Tina Ruberus erfriert ja draußen in ihrem Schlitten."

Und dann seine Stimme zum Flüstern dämpfend, setzte er hinzu:

Du gehst ja auf einmal gewaltig fcharf voran, ich bitte Dich, diese kleine Tina, was hast Du an ihr, ein niedliches Mädchen aber Suppe ohne Salz."

So, und Dore? Salz ohne Suppe", er­widerte ich wüthend,chacun ä son goüt.

Aber natürlich, Christian", sagte Henry sofort einlenkend,chacun ä son goüt; vergiß, was ich gesagt, ich dachte nicht, daß Du es so ernst nehmen würdest, ich wünsche Dir von ganzem Herzen Glück."