FuldaerWZeitmrg
Mit den Beilagen
29. Jahrgang.
Iulöa, Donnerstag, den 19. Juni 1902.
Jfä 138
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G Der preußische Landtag.
Am 8. Januar ist die nunmehr geschloffene Taaunq deS preußischen Landtage« eröffnet wor- den; sie hat also länger als fünf Monate gedauert. Aber wenn man sich axsirht, was an gesetzgeberischen Stoffen während dieser Zett er- ledigt worden ist, dann kann man nur sagen, daß diese Leistungen eine» recht bescheidenen Umsang haben. Und was an wichtigen Vorlagen erledigt woroen ist, das gerade hat die aller- wentaste Zeit in Anspruch genommen: Dotation der Provinzen, Polenoorlage, Erwerb der Kohlen- selber tat Dortmunder Bergrevier für den Staat, Verwaltung der Main-Neckar-Bahn, lex Adickes und Ausführung deS Schlachtvieh- und Fleischbeschau - Gesetzes — die Eisenbahnvorlage nicht zu vergeffen, die ja aber eine regelmäßig wieder- lehrende Erscheinung ist.
Aber die Etatsberathung! Sie hat am 16. Januar begonnen und war im Abgeordneten- Hause erst am 25. April beendet, so d»ß bis in den Monat Mai hinein die Regierung ohne die vtrfaffungsgemäß vorgeschrtebene Ermächtigung war, die erforderlichen Geldausgaben zu machen. Und dabei haftete diesem Etat auch nicht eine einzige Absonderlichkeit an. Es war ein Etat, wie alle Etats Voranschläge auch, der keinen Anlaß bot zur Erledigung hervorragender Streitfragen — abgesehen höchstens vom Eisenbahn- und vom Kultusetat. Die eingehende Berathung deS Kultusetats allein hatie einen Charakter, von dem man sagen kann, daß er nicht ohne nachhaltigem Eindruck auf die Regierung geblieben ist Diese Debatte haben von neuem dargethan, daß eS etwas nützt, wenn immer und immer wieder von den Freunden eines christliche» Schulwesens Sturm gelaufen wird gegen die verrotteten Schulmaßregel» in liberalem Sinne. Unsere Freunde in Bayern haben auf diesem Gebiete einen guten Steg erfochten; möchten unsere Freunde in Preußen niemals müde werden, diesen verdienstvollen Kampf, diesen Kreuzzug gegen die Entchristlichung der Schule in jedem Jchre von neuem auszunebmen. Wenn das zukür.stiae preußische Abgeordnetenhai^, das im nächsten Jahre gewählt werden muß, dieselbe Mehrheit aufzuweisen hat, wie seine Vorgänger, dann ist gute Hoffnung darauf vorhanden, daß endlich doch einmal Bresche geschossen werde in die Mauern liberalisirender Grundsätze, mit denen die preußische Schulverwaltung sich bisher noch immer umgeben hat. Der Hauptvertreter dieser Grundsätze in der Verwaltung der Volksschule ist von der politische« Arena abberufen — der Ministerialdirektor Kügler, der bald nach dem Ausscheide« aus diesem Amte von einem unvermutheten Tode er- eilt wurde; und die Hoffnung ist durchaus nicht unberechtigt, es werde die neue GesetzgebungS- Periode such die ersehnten Verbefferungen für die Schule bringe«.
Neue Gestalten waren am Ministertische zu sehen: der frühere Generalpostmeister von Pod- bielski als preußischer Minister der Lavdwtrth- schäft; Freiherr von Rheinbaben, bisher Minister des Innern, als Finanzmil ister; Freiherr von Hammerstein, ehedem Bezirkspräsident in Lotb-
rrMMs-SliMm-c« rin« alten SmhOn.
Halbver,effene Geschichten auS den 80 er und 40 er Jahren des 19. Jahrhunderts von B. ®. Coester.
44 ------- (Nachdruck verboten.)
„Wo steckst Du denn. Kleiner? (Henry war drei Jahre älter und 2 Finger breit länger als ich, also zu dieser Anrede berechtigt.) Ich suche Dich wie 'ne Stecknadel. Wir, d. h. Schreckbergs, die Familien Ruberus, Eßler, v. Seschen u. 21. m. haben für übermorgen eine Schlitten- parthie verabredet, und ich komme zu fragen, ob Du dabei sein willst."
Ich packte seinen Arm.
„Mensch, Bruder, wie Himmelsbotschast klingt Dein Wort und Du fragst, ob ich dabei sein will, komm, komm rasch!"
„Sachte, sachte, mein Meiner", meinte jetzt der Beste aller Brüder, „beruhige Dich ein wenig. Du scheinst mir etwas aufgeregt."
Ich fühlte, daß er Recht habe und suchte mich gewaltsam zu fassen.
„Man geht zu Tisch, komm. Kleiner", klang nach einer Weile Henrys Stimme an mein Ohr und sein Arm schob sich unter den meinen.
Wir hatten kaum einige Schritte zurückgelegt, 1° erhielt ich einen starken Stoß in den Rücken, ~et mich veranlaßte, mich wüthend herumzu- drehen; ich nahm an, Kant oder sonst Jemand wache sich einen schlechten Witz. Mein zorniges Antlitz legte sich aber sofort in liebenswürdige Falten — oder mußte sich vielmehr, den un- öeschriebenen Gesetzen der Höflichkeit entsprechend,
ringen, als sei« Nachfolger im Ministerium deS Inner«, und der einstige «ationo Liberale Abgeordnete Möller, genannt der „lange Möller" als Handelsminister.
Freiherr von Rhkinbaben bat fein Reffort ohne Zweifel mit Geschick und Erfolg vertreten. Die längere Uebung im parlamentarischen Reden hat ihn zu einem der besten Berliner Ministerredner gemach!, und er verbindet mit glücklicher Schlagfertigkeit die gute Eigenschaft, daß er sich nicht durch die Aeußerung gegentheiliger Ansichten und durch planmäßige Angriffe in Aufregung versetzen läßt. Herr von PodbielSki ist der Alte geblieben; nicht minder hat man an Herrn Möller keine Ueberraschungrn erlebt. Und von der gänzlich neuen Erscheinung deS Freiherr« von Hammerstein kann man nur sagen, daß man sie noch nicht vollkommen in allen ihren Eigenschaften kenne« gelernt hat. Das Eine weiß man, daß rr sehr energisch auftreten kann, ohne freilich et« hervorragender Redner zu sein; und daß er ein strammer preußisch konservativer Mann, ist trotz seines langjährigen Aufenthaltes in Elsaß-Lothringen. Die altgewohnte Figur des Verkehrsministers von Thielen wird im nächsten Winter fehlen. Wer ihn ersetze« soll, ist «och nicht genau bekannt. Daß er unschwer zu ersetzen ist, steht fest.
Für die Zukunft wird Zweierlei nothwendtg sein: erstens die unnöthige Verlängerung der Gtatsd-batten zu vermeiden — zweitens aber den Landtag zu rechter Zeit mit den wichtigen Vorlagen zu versehen und ihn nicht erst wieder im allerletzte« Augenblicke damit zu belasten. Daß die Verlängerung der Tagungen über Psingsten hinaus auch im preußische« Landtage vom Uebel ist, hat die öde Leere bewiesen, die dem Beschauer zuletzt im Abaeordmtenhause entgegenaähnte.
[] Musolino.
Das italienische Räuberleben wird so bald nicht auszurottcn sei«; denn daS italienische Volksbewußtsein ist noch weit von be- Erkennt- niß entfernt, daß der Räuber als f»f®<r an sich eine Scheußlichkeit ist und keine DasinSberechti- gung hat. Das hat man von neuem beobachten können a« dem Entwickeln»gSgange des Schwur- gerichtsprozeffks i« Lucca gegen den Räuber Musolino. Die Geschworene« waren einig Sarin, daß Musolino in sechs Fälle« des vorbedachten Mordes schuldig sei, i« zwei anderen Fälle» aber mildernde Umstände für sich i« Anspruch nehme» könne; und dennoch wollten mehrere Geschworene den Räuber vollkommen freisprechen. Nur mit vieler Mühe war es möglich, ihnen klar zu machen, daß daS nicht anginge; und daS geschah in der mittelitalienischen Stadt Lucca, wohin der Prozeß übertrage« worden war! Ein süditalienisches Schwurgericht würde vermuthlich gar nicht zu einer Berurtheilung gelangt fein.
Musolino selbst hat mit der natürliche» Be- redtfamkeit deS südlichen Italieners eine glänzende VertheidigungSrede für sich gehalten, die in einzelnen Theilen ebenfalls sehr kennzeichnend ist. „Warum hätte ich — so rief er aus — nicht die meineidigen Zeugen et schießen sollen, die
in freundliche Falten legen, als ich mich unerwartet Lotten 9lierenfett, pardon, der Frau Kapitän Otterbach gegenüber sah.
Sie war noch dicker geworden und sah in dem eng geschnürten grasgrünen Seidenkleide wie ein amerikanischer Riesenfrosch aus. Widerlich!
Ich stellte Henry vor und sie überschüttete uns mit liebenswürdigen Redensarten, erzählte, wie sie Damis Wünschen nicht länger habe widerstehen können, den die Sehnsucht, sein altes Regiment wiederzusehen, schier verzehrt habe — (gegenseitig war die Sehnsucht nicht, schaltete ich boshaft aber natürlich nur für mich, ein) — wie sie seit Weihnachten hier bei Papa wären, aber in den nächsten Tagen in ihr reizendes Heim nach Fulda, wo ihrer viele liebe Freunde harrten, zurückkehren würden.
Sie machte eine Pause, um Athem zu schöpfen, die ich benutzte, um mich nach ihrem Echo, Frl. Mimmy, die ich jetzt erst vermißte, zu erkundigen.
Ziemlich zerstreut hörte ich ihren weitläufigen Auseinandersetzungen zu, die arme lübe Mümmü habe ein Röschen am Beinchen und müßte sich vor Erkältungen hüten, usw.
Schließlich wurde uns ihr langweiliges Gerede doch zu arg, und wir verabschiedeten uns kurz, um uns zu den Damen Ruberus zu begeben.
Wir besprachen die Schlittenparthie, und Henry machte den wirklich ungewöhnlich guten Vorschlag, daß Jedermanns Tischdame heute auch die Schlittendame übermorgen sein sollte. Der Vorschlag fand allgemein jubelnde Zustimmung.
Niemand aber war ihm für diesen guten Einfall wohl dankbarer, als sein Bruder Christian.
Spione und Verräther, die das Kopfgeld von 60,000 Franken verdiene» wollten, das aus feinem Haupte stand? Freilich habe ich dreimal auS Versehen Unschuldige erschaffen; aber solche Versitzen stno auch der Polizei und den Soldaten begegnet. Mindestens vierzehn Leute haben diese bei öen Treibjagd^» gegen mich fälschlich er- schaffen, darunter meinen eigenen Bruder. Ich aber bin immer ein ehrlicher Mensch gewesen! Was mir meine Freunde an Nahrungsmitteln aus die Berge brachte», bezahlte ich; und als sie mit einmal gestohlene Zigarren brachten, habe ich diefe zurückgewiesen ... Als Christus verfolgt und hingerichtet wurde, mißfiel eS auch dem Throne und den Könige». Darum sprecht mich frei und verurtheilt keinen Unschuldige». Ich wünsche euch guten Tag!" Die Rede ist augenscheinlich nicht ohne Eindruck auf den Gerichtshof geblieben ; mindestens nicht ohne den überzeugende» Eindruck, daß Musolino selbst wirklich kein Ver- ständniß har für den Umfang seiner Verstöße gegen das leitende Gesetz und gegen die Grundsätze der menschlichen Gesellschaft von heute über Leben und Eigenthum der Mitmenschen.
Das kann man am besten aus dem Verhalten des Staatsanwaltes ersehen. Musolino ist zu lebenslänglichem Zuchtbause verurtheilt worden, wovon die ersten acht Jahre in Einzelhaft zu verbringen find. Aus eine Anfrage Musolinv's nach der Möglichkeit einer Milderung dieser Strafe tröstete ihn der Staatsanwalt und ermahnte ihn zu guter Führung im Zuchthause: AlSdann werde er sicherlich sei» Loos e l-ichtem und möglicherweise auch einen Gnadenakt des Monarchen erwirken körnen!
Wir können es also erleben, daß Held Musolino nach einigen Jahren als freier Mann wieder in de» kalabrische» Berge« umhersteigen wird!
Berlin, 18. Juni 1902.
• Ztzeich-Karezler Graf MSl-w ist heute (Mittwoch) mm gen aus Bonn in Berlin eingetroffen, um im Auftrage be« Kaiser« die Sitzungen be« Landtages zu beschließen. Abenb« reist er nach Aachen, um sich dort wieder dem Kaiser auf besten weiterer Rheinlandsreise anzuschließen.
• Aei« Wechsel in Hannover. Die Behauptungen liberaler Blätter, er stehe ein Wechsel im Obe« Präsidium ber Provinz Hannover bevor, wirb durch eine halbamtliche Notiz als eine „Ente" erklärt.
* Sech» öadische Kapuziner auf einmal werde» im'Kapuzinerkloster m — Krefeld in den nächsten Tagen zu Priestern geweiht. Diese sechs badische» Landet kinder stammen aus Baden- Baden, GerlachSheim, Arenzheim, Lörrach, Mannheim und Murg. Ihre Primiz dürfe« sie, wenn sie darum «achsuchrn, mit brzirkiamtlicher E laubniß in ihrem badischen Heimathlande WWWWWWWWVMMWSWWSWWMWWMMWWMMWWM
Wir befanden uns in einer sehr munteren ausgelassenen Stimmung.
Kant und Henrys scher^hast-witzigeBemerkungen fuhren wie Racketenfunken hinüber und herüber und alles war in fröhlichster Stimmung. Der Wein that auch das ©einige dazu, kurz, auch meine kleine Dame überwand schließlich ihre Schüchternheit und thaute so aus, daß ich ganz srappirt war über den Mutterwitz, den sie entwickelte, und die Schlagfertigkeit, mit der sie Kants oft etwas unzarte Witze zurückwies.
Kinder! Euer Vater war ein glückseliger Mann an jenem Abend, und Gott Lob und Dank, seine Glücksahnungen haben ihn nicht betrogen! Aber von der Schlittenparthie erzähle ich Euch ein andermal, ich bin müde geworden.
XI. Die Schlittenparthie.
Einen herrlichen sonnigen Wintertag hatte Gott seinen guten Hanauern zu ihrer Schlitten- 1 parthie bescheert.
Es war zwar ziemlich falt, aber kein Lüstchen regte sich und die Schneebahn war tadellos schön. Pünktlich um 1'/- Uhr fanden Henry und ich uns an dem Ruberus'schen Hause am Paradeplatz ein, vor dem bereits 3 Schlitten unserer harrten. Die sorgsame Geheimeräthin hatte ihre Töchter so eingewickelt, daß sie unförmlichen Zeugbündeln glichen und kaum im Stande waren, sich zu rühren' Dichte, grüne Gazeschleier bedeckten das Gesicht meiner kleinen Gefährtin und die Hände waren im Innern eines riesigen Biberpelzmuffes verschwunden.
In der Vorstadt vor dem Frankfurterthor war Rendezvous, fröhlich wurden die Bekannten begrüßt, gelacht und gejubelt wurde über die oft,
halte«. Nachher aber müsse» sie wieder fort aus ihrer Heirnath i»s fremde Sind; den» sie find verbannt au8 Baden, weil sie — dem Kapuziner orden angehöre«. Wäre« sie Anarchisten, bau« würde man ihre Namen zwar in den polizeilichen Listen führen und sie beobachten, aber sie dürsten im Lande bleibe». Kapuziner, die i« Wort und That zum Gehorsam gegen die staatliche Obrigkeit auffordern und dafür sorgen, daß nicht nur dem Volke, sonder» allen die Religio» erhalte» bleibt; Kapuziner, die keine Reichthümer, keine großen Güterkomplexr anhäufen, sondern von ihrer geistigen ober ihrer Hände Arbeit, je nach Umständen auch vom Almosen gutherziger Leute leben — die müssen hinaus aus dem Lande Bade», die find verbannt! So will's der sogenannte Liberalismus!
• Sozialdemokratie «ad politischer Mord. Der Attentäter Hirsch Leckert in Wilna, der mehrere Reooloeischüste gegen den Gouverneur von Wahl abfeueite und diesen schwer verletzte, ist hivgerichtet worden. In einem Rich- rufe feiert ihn der ,Vorwärts', bas leitende Organ ber Sozialdemokratie, wiederum mit schwungvollen Worten als „einen Märtyrer, besten Name mit golbenen Settern in bem großen Buche ber Leiben unb Kämpfe des Proletariates verzeichnet fein werbe." Das genügt!
Hk J>ie vayerische Sozialdemokratie. Der Parteitag der bayerischen Sozialdemokratie in Ludwigshafen hat sich durch Herr« August Bebel nicht störe» laffen. Im Gegentheil: Herr Bebel hat sich wieder ein Mal in seiner Rolle al« Oberschulmeister der „Genossin" kräftig blamirt. Denn trotz oller Gegenrede» und Verwarnungen do» Berlin her hat besagter Parteitag beschlossi», ihre» Vertretern i» der bayerisch:« Abgeordnetenkammer sei» volles Vertrauen aus- zusprechen für deren Mitarbeit an der Reform des bayerischen Landtags wahlrechtes. Großer Beifall hat sogar der Referent beim Ludwigshafener Parteitage eingeheimst, als er feine Rede mit herbem Spotte würzte über die „Prinzipienwächter in Berlin", die „wieder einmal daS Bedürfniß verspürt haben, übet die rückständige» bayerischen Genoffen zu Gericht zu sitzen*. Nur eine einzige Stimme erhob sich gegen den beantragten BertrauenSauSfpruch. Elf Mitglieder enthielten sich der Stimmenabgabe, und nicht weniger cl8 vierundfiebzig traten dafür ein; die Berliner Parteileitung aber ist auffüllend still geworden. Um waS es sich in Bayern handelt, ist j, bekannt: Die Abgeordnetenkammer hat einstimmig eine Entschließung angenommen, in der die Regierung ersucht wird, in der nächsten Tagung einen Gesetzentwurf vorzulegen über die Reform des Wahlrechtes in dem Sinne direkter Wahle« und neuer Abgrenzung der Wahlkreise, dagegen Heraufsetzung des aktiven Wahlrechtes vom 21. zum 25. und Herabsetzung deS «affinen Wahlrechtes vom 30. zum 25. Jahre als Altersgrenze.
O Ate AoMarifkommissto» des Aeichs- ta-e» hat am heutigen M itwoch die Seidenzölle weiter beraihen und mehrere Posten nach den Sätzen der Regierungsvorlage erledigt. Am MWWWM«WWWMWW^WMWWMW«WW«VS«SSS drolligen Vermummungen, dann gings hinaus mit Peitschenknall und Schellenklang in Gottes schöne Welt.
Gesprochen wurde wenig bei dieser Fahrt zwischen Tina und mir; sie hat mir später gestanden, daß es ihr arg unheimlich gewesen sei, so mit einem fremden Mann allein in die Welt zu fahren.
Und ich schwieg, weil mein Herz so voll Glück war, daß ich keine Worte fand. Wie weit wir an jenem Tage fuhren, kann ich nicht sagen, aber Frankfurt war gewiß nicht mehr allzu fern, als das Hornsignal erklang, welches zur Umkehr aufforderte.
Waren wir bis dahin eine der Ersten gewesen, so befanden wir uns jetzt sehr im Nachtrab, ich gewahrte daher jetzt erst mit Erstaunen, daß wohl 35 bis 40 Schlitten an der Parthie betheiligt waren.
Daß Hanau über solche Menge von hübschen Schlitten verfüge, hätte ich nie für möglich gehalten und gab meinem Erstaunen darüber in Worten Ausdruck.
„Das hatten wir auch befürchtet", nickte Frl. v. Ruberus, „Schreckbergs und wir hatten uns deshalb gleich 6 Schlitten aus Frankfurt kommen lassen, Saschens und Eßlers haben eigene."
Das war also des Räthsels Lösung, auf diese Weise war die stattliche Anzahl allerdings erklärlich.
Es dämmerte schon stark, als wir unser Ziel, das Wilhelmsbad, wo heiße Chokolade unser harrte, erreichten, aber es dauerte noch eine ganze Weile, ehe unser Schlitten sich dem Portal nähern konnte.