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tür 3»tera!c 3. parzetler tu Fulda. illuslrirte Sonntags-Zeitung", „iuldaer Gescbicbtsblätter" und Cotterie-tiste.

»ruck an» Verla- der Fuldaer Actiendrulere» peler»sage fit. i CbärmonU). i

M 136.

Jutöa, Dienstag, den 17. Juni 1902.

29. Jahrgang.

G Groß-England.

Die Übelen Erfahrungen der Engländer während deS Burenkrieges haben den Gedanken zur Reife gelangen kaffen, einen engeren Zu« sammevhang zwischen den einzelne« Theilen deS großen Reiches herzustellen. Bei der bevor« stehende« Krönungsfeier in London werden die leitenden Minister aller britische» Tochterstaate« in London anwesend sein, und diese gleichzeitige Anwesenheit der leitende« Staatsmänner wil man benützen, um eine Art britische« Bundes« ratheS ins Leben zu rufen. Es werden er­scheinen Sir Wilfried Saurier für Kanada, Sir Gordo» Sprigg für die Kapkolonie, Mr. Barton für den australische» Kolonialverband, Mr. Sed- do» für Neuseeland und Sir Albert Hime für Natal. Der Kolonialminister Chamberlain wird diese Berathungen leiten, die am 2. Juli ihren Anfang nehmen sollen. Ma» rechnet bestimmt auf die Verwirklichung des Planes; schon im Voraus wird verkündet, daß dir neue Körper­schaft in Zukunft regelmäßig alle drei Jahre zu gemeinsamen Berathungen zusammentreten werde.

Es handelt fich um zahlreiche Berathungspuukte politischer, wirthschaftlicher und militärischer Natur. Namentlich diese letztgenannten Fragen haben unter den obwaltenden Verhältnisse» eine ganz beson­dere Wichtigkeit. Man kennt ja die ungeheuer­lichen und nichtsdestoweniger als wahr verbürgte» Erzählungen von den ganz absonderlichen Helden- thaten der Australier beim britische« Heere in den Burenländern: Meuterei, Fahnenflucht, Raub, Mord, Plünderung, Vergewaltigung — was nur an solchen Schandthate» möglich war, ist beim britischen Heere in Südafrika vorgekommen, und namentlich bei de» Kolonial-Truppen. Daß Eng­land diesen Uebelständen ein Ende zu mache» ge­denkt, ist nichts weniger als auffallend, und daß auch die Tochterländer die Nothwendigkeit solcher Reformen einsehen, leuchtet ebenso ein. Nach Lon­doner Berichts» sind für die Berathungen dieser Art allein vier Tage in Aus stcht genommen. Aber eS ist die Frage, ob selbst die lange Berathnngs- zeit ausreichend sein werde. So sehr man in den britischen Kolonien einfieht, daß „etwas geschehen müffe", so ist man augenscheinlich nicht bereit, dem Mutter lande ganz unentgeltlich die verlang- ten befferen Heeresdienste zu leisten. Noch mehr: manche Kanadier wollen „von Europens über­tünchter Höflichkeit" vorläufig gar nichts wissen. Dazu gehört der kanadische Finanzminister, der unlängst noch ganz trocken erklärt hat, Kanada dürfe auf keinen Fall sein Geld für englische Heeresdienste im Auslande verschwenden; in der­selben Tonart hat der kanadische Ministerpräsi­dent es kürzlich als eine selbstmörderische Politik bezeichnet, wenn Kanada in dieser Weise vor de» englische» Staatswage« sich spanne« lassen würde. Die Kanadier werde« also in ihren Forderungen nicht bescheiden sein; es ist recht fraglich, ob die militärifchen und politischen Wünsche des Herrn Chamberlain schon bei dieser ersten Berathung ihre Erfüllung finden werden.

Bessere Aussichten hat die Schaffung eines all­gemeinen Zolloerbande» und in Verbindung damit auch die Einrichtung besserer Schiffsverbindungen

jlrttittmtMi»mitttsk» tiits alt« Smhkff«.

fcalboergeffene Geschichten auS den 80 er und 40 er Jahren deS 19. Jahrhunderts von B. S. Eosfter.

42 ------ (Nachdruck verboten )

Mehr noch als die Anschaffung neuer Strümpfe machte mir aber die plastische Stopfkunst meiner Wäscherin Kummer und Füßeleid. Meine Kennt­nisse in weiblichen Handarbeiten gingen nicht so weit, um feststellen zu können, mit was sie eigent­lich stopfte, Slacheldraht gab's doch damals noch nicht!

Aber wenn ich nach einem martervollen Tag die stets zu engen „Stiebet" auszog, zeigten meine mißhandelten Füße Zeichnungen, die man hätte als Vorlagen zu gothischen Kirchenfenstern ver­wenden können.

Deshalb war ich £>’ Donells Strumpfofferten gegenüber so schwach.

Und sein Vorrath schien unerschöpflich. Da er noch vier Brüder hatte, so hatte ich seine Mutter im Verdacht, mit Heinzelmännchen in Ver­bindung zu stehen. Ich äußerte dies einmal, da lachte der hübsche Schelm und meinte, das käme daher, daß er nämlich zwei Mütter habe, und eine stricke allerdings beständig, um die 16Familien- beine in guter Ordnung zu erhalten.

„Zwei Mütter", fragte ich belustigt, wie kommt denn das, Ihr Papa ist doch kein Türk?

„Nein", meinte er lachend, aber ein Schwieger­sohn des Professors Cassel in Marburg.

„Sie geben mir Räthsel auf."

„Die ich gleich lösen werde. Sehen Sie,

zwischen den verschiedenen Ländern. So ist von Neuseeland vorgeschlagen, in den Kolonieen Vor- zugizölle zu gewähren für solche Maaren, die britische» Erzeugniß sind und auf britischen Schiffen ankommen; dafür soll dann da» Mutterland auch Vorzugszölle gewähren für die Erzeugnisse der britischen Kolonieen. Nur wiederum mit Kanada wird e» darüber lebhafte Auseinandersetzungen geben wegen der Einfuhr kanadischen Viehes, von der man im .Mutterlande nichts wissen will. Nach dem Wunsche der Landwirthe im englischen Mutterlande, deren Verkaufswaare ja fast nur noch in Vieh besteht, soll da» Kolontalvieh nicht um einen Deut günstiger al» ganz fremde» Vieh behandelt werden.

Die militärischen Zukunftspläne der britischen Regierung können uns ziemlich kalt lassen. Erstens gehören sie ja eben in das Gebiet bet Zukunfts­musik, die uns vorläufig noch gar nicht in die Ohren klingt und vielleicht niemals nach den Wünschen der Londoner Regierung ertönen wird. Zweitens wird e» England auch mit feinen Kolonialreichen zusammen niemals zu einer großen Heerermacht bringen, die uns Deutschen irgend­welche Besorgnisse ein flößen könnte, auch wenn alles nach Wunsch gehen sollte. Aber die wirth- schaftckchen Pläne, die viel mehr Aussicht auf Ver­wirklichung haben, berühren unsere deutschen In- teressen sehr, ganz besonders jetzt in dieser Zeit der Neugestaltung unserer Handelspolitik; und alle Diejenigen, die im deutschen Reiche berufen find zur Entscheidung und Mitarbeit dabei, werden diese Mtniflerzusammenkünfte und ihre Berathungen in London mit sehr aufmerksamen Blicken verfolgen.

Der geplante britische Reichszollveretn hat große Bedeutung auch für unser« deutschen Wirth- schaftsintereffen und für deren Entwickelung.

Berlin, 16. Im i 1902.

Hc Der Kaiser ««d die Kaift i« reisen von Nürnberg au§, wo sie den F lttichkeiten des Germanische» Museums beiwohne«-, an den Rhein und werden am 17. Juni früh 8 Uhr in Bonn ankommen. Das kaiserliche Paar wird diS zum 19. Juni i» Bon» verweilen und während dieser Zeit mehrere Ausflüge unternehmen. Ge­plant ist u. a. auch ein Ausflug zu der Apolli­naris kirche in Remage». Die Ankunft in Aachen soll am 19. Juni Mittags 2 Uhr erfolgen, die Abfahrt von dort schon wieder um 41/a Uhr Nachmittags. Vo» dort geht die Reise nach der Villa Hügel des Herrn Krupp. Von da aus sollen Mörs und Krefeld am 20. Juni be­sucht werden, am 21. Juni Düsseldorf, Ruhr­ort und Wesel. Von Wesel au» wird die Rückfahrt nach Potsdam erfolgen.

st Als Nachfolge» de- Mi«iste»» vo« Ghiele« wird nunmehr in bestimmter Form der bereit» genannte Generalmajor a. D. Budde be­zeichnet. In den maßgebenden Kreisen soll diese

Nachfolgerschaft beschlossen sein. Man wird e» ja bald erfahren.

* lieber die Nedeutrmg de» katholische« Nresse sagen die bayerischen Bischöfe in einem Rundschreiben an den Klerus:

DaS lebendige Wort ix der Kirche und in den Bersammlnngen müßte |odann eine um so reichlichere Unterstützung in einer gut redigirten katholischen Presse finden, alS unsere Gegner gerade die P«sse vielfach zum Angriffe gegen uns mißbrauchen. Wir bedürfen kleiner apologetischer Schriften fürs Volk, in welchen die brennenden Fragen und die angegriffenen Glaubenswahrheiten klar besprochen und die von geg­nerischer Seite vorgebrachten Einwürfe auf leicht ver­ständliche, aber doch korrekte Weise widerlegt werden. Ein vielleicht noch einflußreicherer Bundesgenosse müßte uns natürlich die katholische Tagesprefse fein, welche täglich in vielen Tausenden und Tausenden von Exemplaren Eingang in die Familien findet und dort im stillen Familienkreise für die Wahrheit arbeitet. Hierdurch eröffnet fich ein weites und gesegnetes Ar­beitsfeld für den katholischen Preßverein, der seine Ent­stehung größtentheUs diesen Angriffen auf unsere Reli­gion verdankt und fich die Hebung, Beredlung und weitere Verbreitung der katholischen Presse zu seiner speziellen Aufgabe gewählt hat.

X De» Schkvh des p»r«hifltze« Land- lages verzögert sich von einem Tage zum andern und vo» einer Woche zur andere». Das Abge­ordnetenhaus hat heute (Montag) das Aus­führungsgesetz zum Schlachtvieh- und Fleischbe- schauges-tze angenommen und damit allen wich­tigen Stoff aufgearbeitet. Aber nun wollt» die Oberbürgermeister der Städte dem Gesetzentwürfe im Herre»hause noch Schwierigkeiten machen, so daß der Entwurf vom Herrenhause möglicher­weise an eine Kommission verwiesen wird. Im allgemeine» wird angenommen, daß an de» Schluß vor Donnerstag nicht zu denken sei, wenn nicht etwa gar der Freitag herankommt. Der Besuch des Abgeordnetenhauses ist jetzt fort­gesetzt so schlecht, daß dasselbe wohl niemals mehr die beschlußfähige Ziffer erreicht.

X Aom»«««le Ileifchst-«-» «nd @»i- chi«enscha« im Adgeo»d»eße«ha«se. Die Liberale» Haven heute (Montag) im preußischen Abgeordnetenhause ein eigenartiges Schauspiel aufgeführt: Sr< sind mit wahrer Leidenschaft für Maßregeln in de» Kampf gezogen, die ganz unvermeidlich ontheuernd auf die Fleischpreise in den Städte'« hinwirke« müssen. Daß die Liberale» zum großen Thelle auch die städtischen Einfuhrzölle (OctroW) für Nahrungsmittel billigen, weiß man ja. Ader weniger allgemein bekannt ist es gewesen, daß namentlich solche Großstädte, die unter freisinnigem Parteiregimente stehe», ganz erhebliche Einnahmen erzielen au8 dem Betriebe ihrer Schlachthäuser. Bei dem heute in dritter Lesung berathenen AuSführungSgesetze zur Schlachtvieh- und Fleischbeschau ist diese Thatsache aufs neue zum Vorschein ge­kommen. Und dabei gehe» die Städte so weit, daß sie zwangsweise auch solches Fleisch noch ein Mal untersuchen lasse», das vorher, bevor das Fleisch in die Stadt eingeführt wurde, schon ein Mal untersucht worden ist. Von diesen Dingen handeln die Paragraphen 4 und 13 des genannten Gesetzentwurfes, und es »arm die Abgeordnete» Ehlers (freif. Vereinig) Dr. Langerhans (freif, Volksp.), Martens, Dr. Sattler und Wolff-Biebrich (natl.),

Großpapa Cassel hatte acht, sage und schreibe acht Töchter, — vier schöne und vier mords­garstige. Als kluger Mann sagte er sich, die schöne Mädchen werde ich leicht los, die garstigen bleiben sitzen, ergo — sie werden nur paarweise' abge­geben, wer Mine will, kriegt Bine dazu, wer Louise, die Sophie ec. Nun kam mein Papa und hielt um Mine an, er bekam sie, aber Bine natürlich dazu. Abwechselnd führt eine Haus, die andere strikt indessen, so geht es schon seit 26 Jahren. Daher habe ich so viele Strümpfe und zwei Mütter, aber" schloß er lachend, „Mama ist die schönere der Schwestern, die schönste über­haupt von allen."

Das glaubte ihm Jeder ohne Eidschwur. Armer Kerl! Armer, lieber, hübscher Kerl! Welch trauriges, trostloses, menschenunwürdiges Ende nahm der Mann, den die Natur wie zum Halb­gott erschaffen hatte. An jenem Sylvesterabende, in dem die bewußte Gesellschaft bei Schreckbergs tattfinden sollte, war es, wie es einem anständigen Sylvesterabend zukommt, rechtschaffen kalt, und mit besonderem Behagen stieg ich in Tante Bines Strümpfe und dann in Begleitung von Kant und Bruder Henry durch die schneebedeckten Straßen nach dem stattlichen Hause unseres Gastgebers.

Von den dargestellten „Dablos" sind mir nur wenige im Gedächtniß geblieben, aber das erste Bild war so eigenartig, daß ich es nie vergessen 'onnte. Ich habe auch später im Leben nie Aehn- iches wiedergesehen.

Die Bühne stellte eine Bildhauerwerkstatt bar.

Im Vordergründe fast an der Rampe standen auf großen, schwarzbezogenen Kasten die Marmor- wüsten Friedrich Wilhelm IV. und der Königin Elisabeth. Er mit der Militärmütze, die Königin

mit dicken Locken an den Schläfen. Der König war kürzlich erst zur Regierung gelangt, aber irgend welche Beziehungen hatten wir nicht zu ihm, und eine polittsche Anspielung war mit der Darstellung nicht verknüpft.

Ich habe scholl erwähnt, daß Baron Schreck von Schrecksberg den vorjährigen Winter in Ber­lin verbracht hatte und sich von dort nicht nur die Anregung für fein Fest, sondern auch reizende kleine Büsten der Majestäten mitgebracht hatte, die ihm jetzt als Modell dienten. Die in weiße Gewänder gehüllten Darstellenden, die dicht mit Gipsstaub oder Mehl bestreut waren, hatten die Augen geschlossen und die Täuschung war fast vollkommen. Erst nach und nach erkannte man Hartors und Frau Elschens schöne Züge und wurde sich bewußt, daß sie gar keine Ähnlichkeit mit dem erlauchten Paar zeigten, ja unloyalerweise bedeutend schöner als jene waren.

Rechts und links, etwas zurück, erhoben sich auf Piedestalen die Figuren eines prächtigen Apolls und einer berückend schönen Diana; das Brautpaar Ferdinand O' Donell und Mathilde Berthumi erschien wie geschaffen für diese Rolle. Dazwischen lagen theils aus wirklichem Gips einzelne Füße und Torsos, unter ihnen aber auch ein wundervoller weißer Frauenarm, geschickt durch ein Loch der Coulisse gesteckt, und dieser gehörte, wie wir später erfuhren, meiner alten Freundin dem „vergnügten Giße!" an. — Die Krone des Ganzen war aber die Gruppe im Hintergrund, eine Märtyrin, die, von tödtlichem Speerwurf ge­troffen, am Kreuz niedergesunken war, an dessen einen Querbalken sie sich mit der linken Hand festhielt.

Neben ihr stand der Herr des Ateliers, der

die, habet diese liberale» Anschauungen und Forderungen vertraten, zum Thetl in geradezu leidenschaftlicher Weise. Abgeordneter Dr. Langer­hans zog dabei gleichzeitig gegen die in zweiter Lesung beschlossene Erleichterung zu Felde, daß nicht alle Hauifchlachtunge» grundsätzlich unter den Zwang der Trichinenschau genommen werden. In sehr ruhiger, fachlicher und darum auch über­zeugender Wetse legten die Redner der Rechten und deS CentrumS die Richtigkeit der entgegen­gesetzten Anschauungen dar: Daß eS ungerecht ist, das Fleisch durch doppelte Untersuchungs- gebühren planmäßig zu vertheuern und dadurch den Städten au» nothwendigen Nahrungsmitteln eine reiche Einnahme zu verschaffen, so die Abge­ordneten Schmitz und Herold vom Centrum und die Abgeordneten Ring und vo« Mendel von den Konservative». Minister Freiherr von Hammerstein stellte sich überwiegend auf die Seite dieser Mehrheit, und schließlich wurde daS Gesetz in feinen einzelnen Theilen und alSdann auch in der Gesammtabstimm- u«g gegen die Stimmen der Freisinnigen und der meisten Nationalltberalen angenommen. Im Verlaufe der Debatte erklärte der Minister, daß dem Landtage in feiner nächsten Tagung ein besonderes Schlachthaus-Gesetz vorgelegt werden würde. Nach den gefaßten Beschlüffen unter­liegen also Hausfchlachtungen nur dann ter Trichinenschau, wenn dies durch besondere Polizei­verordnung vorgeschrieben ist. Die doppelte Ge­bührenzahlung hört auf — aber erst vom 1. Oktober 1904 ab (§ 4), während das Gesetz im übrigen am 1. April 1903 in Kraft treten soll. 3» neuerer Zeit find übrigens die Sitzungen des Abgeordnetenhauses sehr schwach besucht. DaS macht die Zeit nach Pfingsten!

X La«dt»s»wahke« «nh Sozialdemo­kratie. Die sozialdemokratischen Abgeordneten Heine und Bernstein haben fich Überein­stimmend dahin ausgesprochen, daß die Sozial­demokratie fich an de» nächste» preußische» Landtagswahlen betheiligen müffe, und nicht nur das, sondern auch Bündnisse abschließen müffe mit de« Parteien. „Die Bündnisse feie« ein «othwendiges Kampf- und Machtmittel in der Politik ebenso wie im Kriege". Da werde« die Herren Richter und Singer ja mehrfach Gelegen­heit bekommen, einander nach ihrem gegen­seitigen Werthe abzuschätze»; und wenn solche Bündniffe geschloffen werde«, dann werden ja auch die Bänke im Sitzungssaale des preußischen Abgeordnetenhauses nickt mehr frei von Sozial­demokraten bleiben. Nach unserem Geschmacke würde es keine Veranlassung zur Trauer sei«, wen« »eben de« Häuptern eines Barth und Eugen Richter auch die Gesichter eines Bebel und Singer austauchen würden. Daß einBünd- «iß zwischen Freisinnige» und Sozialdemokraten die Zusammensetzung des preußischen Abgeord­netenhauses wesentlich verändern könnte, ist voll­kommen ausgeschlossen.

h Das Neichslagsmavdat des Avg. Nasse»»»««. Herr Abg. Soff ermann, das Haupt der nationalliberalen Reichstagsfraktion, sollte angeblich in seinem ReichstasSWahlkreise Jena nicht mehr kandidieren wollen. Der

Bildhauer, mit Hammer und Meise! bewaffnet schien er noch die letzte Hand an das Kunstwerk zu legen. Es waren die Gastgeber selbst, die diese Gruppe darstellten, und brausender Beifall belohnte sie für die gehabte Mühe.

Immer und immer wieder mußte der Vor­hang zurückgezogen werden, man konnte sich nicht satt sehen. Aber die Darstellenden ermüdeten doch allmählich.

Als der Vorhang abermals bei Seite gezogen worden war, hatte der König von Preußen und eine hohe Gemahlin die Augen geöffnet und lachten ins fröhlich an. Apoll grüßte militärisch, Diana ttixte und der schöne Arm auf dem Sammtpolster trommelte einen Marsch.

Nur die arme Märtyrin, die uns den Rücken zukehrte, fing ohne Ahnung des Hexensabbaths der hinter ihr aufgeführt wurde, still und ergeben an ihrem Kreuz, in ihrer schwierigen und unbe­quemen Stellung. Wir bemerkten aber mit Ge- nugthuung, daß der Bildhauer sie wenigstens von dem grausamen Speer befreit hatte, und mit diesem in der Hand verbeugte er sich immer und immer wieder, als Dank für unseren Bei- allsjubel.

Es war aber auch schön gewesen! — Nun ‘am eine ziemlich lange Pause, die mit Besprechen des Gesehenen und mit Vertilgen allerlei guter Sachen angenehm ausgefüllt wurde. Mandelmilch und „Morgenröthe" wurden nebst kleinen Plätzchen herumgereicht.

„Morgenröthe" war eine sehr beliebte Speise. Wie mir eine junge Dame später verrieth, bestand ie aus Eiweiß, Zucker und Fruchtgelee, Die . Hauptsache bei der Herstellung war tüchtig schlagen und rühren. Je länger man rühre, desto mehr