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**Ä^RÄÄ1W Jlluslnrle Sonntags-Zeitung“, Juldacr Beschicbtsblätler" und Cotterie-Eiste.
K Fuldaer
. mit den Beilagen
29. Jahrgang.
Iut'üa, Montag, den 16. Juni 1902
JK 135.
Deutsches Reich
(Nachdruck verboten.)
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nützt wird, konnte man iw diesen Tagen so etwas wie eine Entschuldigung lesen für die Haltung des Grafen Bülow im preußischen Abgeordneten» hause. „Sine Aenderung des preußischen Bundes» rathSvolums ix den grundlegenden Fragen der Tarisreform würde der Rücktritt Preußens vom Kompromiß der Verbündeten Regierungen, die Entbindung auch der übrigen Einzelstaaten von diesem Kompromiß und die Aushebung der Vor» aussttzungen bedeuten, die für'den Bundesraths» beschluß über die Einbringung des Tarifentwurses an den Reichstag maß lebend waren." Ja naiür» lich! Ohne eine Aufhebung dieses „Kompromisses der Verbündete« Regierungen" ist ja eben eine Einigung mit der Rrichktaasmehrheit nicht möglich; und wenn nun Prtußen damit vorginge, dieses erste Kompromiß falle« zu lassen und eine neue Beretnbarung über die strittigen Getreide» zöll; anzubahnen, dann würde sie nur etwas thuri, das von der überwrezer-.den Mehrheit deS Reichstags und des Volkes mit Dan! und An- erkennvna angenommen und gelobt werden würde. Der O.fiziosus ist naiv genug, in Abrede zu stellen, daß Graf Bülow durch fein Auftreten im Lbgt ordxetevhause die Mehr hüt „brüskirt" habe. Na, wenn auch das noch keine BrüSktrung war, dann möchten wir reiften, wie eigentlich eine wirkliche Brüskirung aussehen soll.
Von neuem wird die Behauptung aufgefiellt, das fei die einzig mögliche Antwort gewesen aus die „Nichtbeachtung" der Standpunkte der Regierung bei der Mehrheit. Dir Antwort dar» auf ist jo aber schon im voraus im preußischen Abgeo.dmtiNhaUse selbst g grben worden. Es handelt sich hier durchaus nicht um ei-e „Nicht» beacht mg" der Regierung, sondern vielmehr um eine „Nichtbeachtung" der Wünsche und durchaus begründeten und darum auch berechtigten Interessen einer starken Mehrheit der Vkvölkerung und deren Vertreter im Parlamente durch die Regierung. Das ist die Wahrheit, und matt sollte endlich aufhören damit, durch solche Verdrehungen der Thatsachen mit den wichtigsten Vslksintereffen ein solches Spiel za treiben.
sähe.
X Kanfmärmische Schiedsgerichte. Von einigen Handlurtgsarhtlfenorreinru wird bekanntlich seit längerer Zeit eine lebhafte Agitation be« triebe», die aus Einrichtung kaufmännischer Schiedsgerichte,- analog den G-werbegerichte», übzielt. Verschiedene Handelskammer haben sich dafür, andere dagegen erklärt. Urter letzteren war auch die Handelskammer der Stadt Lr-rSberg, deren Stellungnahme darauf beruht, daß sich in ihrem Bezirke kein Bedürfniß rn dieser Beziehung gezeigt habe uxb es an Arbritsstoff für solche KchreSsgerichte fehlen würde uxb ferner in der Erwägung, daß die Bildung von Gondergrrichten für einzelne Stände eigentlich recht schlecht in unsere Rechtsordnung hineirpisi". Bekanntlich hat sich auch Graf Posadowsky in der Reichs» taossitzung vom 18. April 1902 bei der Be- rmhung bet Seemanvsordnung gegen die Sonde:» grrichte ausgelp ochen. Ec meinte, doS ersehnte Ziel sei nur zu erreichen, wenn man nicht weiter Einzelgerichte adsplittere, sondern b;i den Amtsgerichten ein beschleunigtes und wesentlich verbilligtes Verfahren für alle Ansprüche aus dem Arbütrroerhältwiß eisführte, insoweit sie nicht bereits dem Gew-rbegerich!§gesttz unter- likgm. Wir hoffen, daß die Regierung diesen Worten Ttzaten folge» läßt und daS Zioilprozch-
verfahren bet den Amtsgerichten einer Prüfung unterzieht, die den Staut pinkt der betheiltgtex Volksiutrreffen gebührend würdigt.
+ $ie Müffele- Ancker Fionventi»« wird in den nächsten Tagen auch im französt» scheu Parlamente verhandelt werden. Neulich wurde berichtet, die franzöfische Regierung be» schäftige fich m t Erwägungen sür den Fall, daß die Konvention sich arls unausführbar erweisen sollte. Jetzt scheint man in Paris bestimmt auf die Annahme der Konvention in der französischen Abgeordnetenkammer zu rechnen. Nach der amt» lichen Feststellung haben im Reichstage gegen die Konvention gestimmt: 41 Konservative (Parteistärke 52), 8 Fceikonservatioe (Parteistärke 20), 9 Nationalltbrrale (Parteistärke 51), 17 Mitglieder des Cmtrums (Parteistärke 106), 8 Antisemiten, 12 Polen, 8 Fraktionslose (von im Ganzen 36). Unter den 17 Mitgliedern des Centrums, die gegen die Konvention gestimmt haben, befanden sich auch die Abgg. Müller
schreiten, die die Gewohnheiten gebildeter Mensche» um deren AuSdrucksweise ziehen, wäre Herrn Balliu kaum möglich gewesen. Man darf wohl annehmen, daß die Rede bereits nach dem Sekte vorn Stapel gegangen ist.
-t- Der §»samm-»schk«ff der ev««ge. lisch-« Latndes Kirche« ist zum Gegenstände eii er Kundgebung deS Evangelischen Bundes gemacht worden. Dieser hat an die Eisenacher „Evangelische Kirchenkonferenz" eine Eingabe gerichtet, ix der gesagt wird, d-r Evangelische Bund „vertraue darauf, daß die Kirchenkonferenz nunmehr in der Lage sein werde, den Zusammenschluß der deutschen evangrlischex Landeskirchen krästia zu fördern . . ." Der Evangelische Bund scheirt sitzt sehr darauf aus zu sein, daß man ihn von oben her wieder mit günstigeren Augen betrachte. Denn, daß die Kundgebung ntcvts weiter bezweckt, als jme obere» Regionen auf den Bund aufmerkiam zu machen, ist klar. Der Zusammenschluß der Landet ktrchen wird bekanntlich niemals zu Stande kommen.
X A»ssHWütk««g pko1ek««1ifcher Mirch-«. Der preußische Kultusminister hat die Konsistorien darauf hingewiesen, daß die farbige Ausschmückung des Innern der Kirchengebäude eine künstlerische Behandlung erfordert, ebenso die Erneuerung solcher Aurichmückangen, die au» frühere: Z-it stammen. Deshalb soll der größte Werth gelegt werden auf die Gewinnung erster K affe für die Amführung derartige: Arbeiten, sodaß diese L.tzteren besser unterbleiben, wenn solche K äste nicht vorhanden find. Da« ist ein sehr richtiger und verständiger Standpunkt. Dte Anweisung ist gleichzeitig ein neuer Hinweis darauf, daß man auch im P.otestantismuS je länger desto mehr wieder Werth legt auf den Schmuck der Kirchen. Ost Höri man heute schon Aussprüche, daß ja Vas Innere dieser oder sirrr evangeltschen Kirche „ganz katholisch" aus-
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Meine'Wirthe waren nicht nur sehr freundlich und gutmüthig, sie entbehrten auch vollständig der Rehleibschen aufgeblasenen Würde, über die ich mich so oft hatte ärgern müssen. Madame Bier (ich. müßte eigentlich „Biore" sagen) die aus einer französischen Familie stammte, war für mich eine Quelle fortgesetzten Vergnügens durch ihre urkomische Be- resp. Mißhandlung der deutschen Sprache, die sie zwar vollkommen verstand aber nie richtig sprechen lernte.
Sie war eine brave Frau und hatte ihre Last mit dem hübschen „Marriche", das stark auf die leichtsinnige Seite neigte.
Sie war auch eine reinliche Frau, aber Wanzen hatte sie doch im Haus. Das erfuhr ich zum Glück nicht am eignen Leib, — meine Zimmer waren und blieben frei davon, sondern auf eine andere Art.
Meine Zimmer gingen beide nach vorn, aber ein kleines, sehr kleines bescheidenes, nach dem Hof und auf halber Treppe gelegenes Kabmetchen, mußte ich in Gemeinschaft mit meinen Wrrthen benutzen. Durch das nur handgroße Fensterchen desselben konnte ich. wahrnehmen, daß die Bierin ihre Betten im Hof lüftete und eifrig klopfte.
„Frau Mutter", rief da plötzlich Jean aus seiner Werkstatt, „hat Sie was gefunden?"
„Keine einzige"! gab die Frau Mutter zur Antwort, dann aber schaute sie sich einen Moment scheu um, hielt die Hand vor den Mund und rief, (zu meiner teuflischen Freude,) dem Sohn halblaut: zu: „Quatre vingt quatre!"
Von diesem stillen Beobachtungs- und Laufcher- posten aus vernahm ich auch manche, nicht für
Fulda und Herold.
+ Die Zkokea.Sorrog- ist im preußische« , )errenhaase am heutigen Gamrtag unverändert ungenommen worden. Es waren zwei Ab- änderungsantrüge ein geb rächt worden, von denen der eine die Wirkung der Vorlage auf einige ostpreußische, bet anbere auch auf einige pommer» che Kreise erstreckt reiften wollte. Die Vorlage wurde aber in ihrer ursprünglichen Fassung angenommen. Den Standpunkt der Polen vertraten Graf Kwilecki und Fürst Radziwill. Graf Kwilecki zärlt zu den gemäßigtesten Elemente« unter den Polen. Aus seiner heutigen Rede kann man nun aber sehe«, wie das herrschende System auch schon bei diesen gemäßigten Elementen Erbitterung erzeugt hat gegen die preußische Reglermrg Gleichzeitig versicherte aber auch Graf Kwilecki, daß alle Polen auf dem Bose« preußischer Loyalität sich befänden. Vox der Regierung sprachen die Minister Freiherr von Rheinbaben und Studt. Dieser Letztere kündigte umfassende Maßnahme« der Regierung aus dem Gebiete bet Volksschule an.
Potsdam, 15. Juni 1902. Am heutig« Todestage d.s Kaisers Friedrich erschienen di« Kaiserin und Prinz Eitel Friedrich im Mausoleum und testen einen Lorbeerkcanz mit weißen Nelke« und Orchideen am Sarkophage nieder.
-4- LiSyTeaort, 15. Juni 1902. Das Bulletin von heute siüh 7 Uhr lautet: Die Nacht verlief oerhältntßmäßig ruhiq. Der König schlief ziemlich viel. Das Allgemeinb.fi.rdex zeigt sidoch keinen Fortschritt zum B ssern.
G Was wird nun?
Am allernächsten liegt die Frage: Was wird htnn nun in der Zolltarif-Kommission des Reichs»
3 Es gibt hoffnungsfreudige Gemüther, ni, aanz ernsthaft wähnen, die Kommiftion könne mit allen beide« Lesungen deS Zolltarifs bis etwa Mitte August fertig fein. Daran ist ganz einfach «ar nicht zu denke«. Auf btm genau »ntaeaengefttzten Standpunkte stehen Andere, und diese verkünden Unheil. Sie meine«, die Zslloorlagen würden überhaupt nicht mehr aus drr Kommiffion herauk kommen. Wie bei so vielen Dingen, so wird wohl auch hier die Wahrheit i» der Mitte liegen. Es wird länger dauern, aber am Ende wird die Kommiffion auch diesen Stoff bezwingen, der ebenso riefen» hast im Umfange wie sp öoe in der Behandlung ist Aber die Kommission wird nach dem Urthrilr erfahrener Parlamentarier sehr froh fern könne«, wen« sie bis Mitte August die erste Lesung hinter sich haben wird; denn die Jadustriezölle werde» nicht geringe Schwierigkeiten machen.
Was aber wird dann werde«, wenn die Kommission ihre Arbeiten beendet haben und daS Plenum des Reichsteg-s im SpZtherbste dieses Iihres feine Zollberathungen ausnehmen wird? FcÜhw vernahm man i« der Piss? verschobener Parteien zusersichtliche St mmrn in dem Sixre, daß die Rrichsttgiermiz schließlich doch in der Frage der lanbwi thschastlichen Zölle, d o vornehmlich der Getreidezölle, doch «achgeben und sich bemühen werde, derMehchrit des Reichstages sich zu rah'.rn. I» freisianigen Blättern e sichten en -vor einiger Zeit auch ganz bestimmteZollzahle», die das Kompcomiß der Z rinnst darstellen sollten. Man wird inbtftm gut lhu«, auf solche Angaben nicht gar zu große Hoffnungen zu fetzen. Die schroffe Art, in der Reichskanzler Graf Bülow im preußischen Abgcordnüenhause auf den rnlsprechendeK Antrag der Konfsroatioen und des Centrums gemriroortri hat, hat alle solche Hoff runger, auf ein Nichts zurück.edrägt. Weniger als jemals vorher ist sitzt Aussicht cetbanbex auf eine für alle Äsilen annehmbare Verständigung. Gerade deswegen ist die Arbüt der parlamertarischorr Kö.prr- fchaften an den Z Rom lagen fo außerordentlich undankbar. Gerade deswegen sicht man mit
einem gereiften Grauen, mit großer Unlust an cllm den Bingen, die da kommen sollen, L* die Zukunft. Es (st ein niedrrdrückmdis Gefühl, das man cmpfi-tdri, wenn man bedenkt, daß eigentlich jahrslangs parl^merrtarifche Arbeit umsonst getha« werden soll, um dann — noch einmal eo« vorn cugefangen zu werden. Aber die Regierung wird fiÄ täusche« darin, wenn sie wähnt, auf diese Weise die Mehrheit des IftichStag -S mürbe z« machen. Sie , wird «och einfthen lernen, daß sie mit disser Brhandluug der errtscheidruden Fragen einen argen taktischen Fehl.T bezauLe-s har; denn der Widerstand gegen das, was als unge»üzsnd erlcmnt wordrn ist, wird sich je lLngrr desto wehr festigen bei den- jenigen, die dieser: WiLerfiand h'-gr«.
In tirem süddeutsche« Organ, das mitunter zu ha'ba'rtlichen Darlsgmigerr au§ Berlin br°
So weit hatte ich geschrieben, da ging die Thür auf, und gewohnheitmäßig sich in derselben etwas bückend, trat mein Bruder Henry ein.
„Großer Gott, Christian", rief er aus, ich komme eben, um Dich abzuholen, wir sind zu Gaslers eingeladen, um Hartors Verlobung mit Henriette zu^ feiern, und nun sagt mir Sturm, Du seist „dienstlich verhindert" auszugehen. Arrest, das dritte Weihnachtsfest als Sträfling! Das ist zu toll, was war denn eigentlich los, warum sitzest Du?" — Stumm, ergeben hatte ich die zornig heroorgesprudelte Rede über mich ergehen lassen, stumm schob ich ihm das eben Geschriebene zu.
Während des Lesens verschwand die Zornfalte, die in fein liebes, schönes Gesicht gar nicht hinein paßte, mehr und mehr. „Armer Karl", lachte er, so 'n Pech!" Dann ergriff er, die Feder und schrieb unter das von mir angefangene Gedicht mit feiner steilen, feinen Schrift die folgenden Verse nieder:
„Und so klagt er bitter; seine Thronen Läßt gefrieren schauerlicher Frost, In des blonden Bartes kurzen Mähnen Perlen sie, erstarrt int grimmen Ost! — „Heinrich"! rief ich, sprich, was läßt Dich gteinen, Steh mir Rede, warum schluchzest Du?" Da entwich er sprachlos — stumm und meinen Ohren strömt nur ein neues Schluchzen zu.
nüte Sitte ttthkjsn.
Halbverzefsene Geschichten aus be« 30 er und 40 er Jahren des 19. Jahrhunderts von B. S. Coe sier.
Ans dem Kaudtage.
93. Sitzung som 14 Juni 1902.
Die dritte S.f teg des Aussührungsgesehes zum Reichsgsietz über die Unsallfürsorge für Gefangene v>rursacht> nur noch eine kurze Debatte. (Sani vhie Debatte wurde dec erste Paragraph angenommen, d r von der Beipflichtung deS Staates ha .b«lt zur Unfallfüsiorg- und °°n der Uebertragung dieser Verpflichtung auf b stimmte öffentliche Kürper-
dem zweiten Paragraphen wurde eine kurze Debatte verursacht durch eiien konservativen Antrag. Danach sollcri, in Abandeung der Beschlüffe mich bestimmte Standrede, die sie dem luftigen Marriche hielt.
Zum Unglück für diese war der hübsche verführerische O'Donell, der nun längst die Epau- letten trug, uns v.s ä via gezogen und feineJBer» lobung hielt ihn nicht ab, mit dem lieblichen Mädchen zu liebäugeln.
Um öfters in's Haus zu kommen, besuchte er mich häufig, und obgleich mir feine Besuche erst in zweiter Linie galten, was ich anfangs nicht ahnte, trat mir der viel jüngere, aber sehr liebenswürdige Kamerad doch näher.
Leider hatte ich keine Macht, ihn vom Trinken abzuhalten; diese traurige Neigung stürzte ihn oft in Geldverlegenheiten, wobei er dann meine Hilfe in Anspruch nahm.
Freilich anpuntpen ließ ich mich nicht. Mst dürren Worten hatte ich mich gegen die Zumuthung oewehrt, mein Geld — auf Nimmerwiedersehen natürlich — durch fei ne Gurgel ju jagen; aber er verstand es auf andere Weise, mir Geld zu entlocken.
Sobald er sich wieder auf dem Trocknen sah, kam er zu mir und bot mir „aus Mangel an Platz" Strümpfe zum Verkauf an, wundervoll feingestrickte wollene Socken, wie ich sie in solcher Güte und Feinheit nie besessen hatte.
Dem widerstand ich nicht, denn ©trumpfe, gute, neue Strümpfe, waren in mehr als einer Beziehung meine schwache, meines Anzuges schwächste Seite.
Der heutige glückliche Ueberleutnant hat keine Ahnung, welche Schwierigkeit damals ein unbe»
Berlin, 14. Juni 1902.
X Ksr» di-
fftttzA«Se«. Erst nachttäglich wird der Wortlaut der bereits mehrfach brsprocheuen T fchrede bekannt, in der Herr Ballt«, der Letter der Hamburg-Amerika-Linie, die staatlichen Un er» ffütznngen von Schifffahrtslinien aufgebrßdt., „Die Eubfidien löjtne.i mir gestohlen werben" hat Herr Ball« gesagt. Aber er hat nicht gesagt, daß er damit die Uhteistützingen englischer Schiff'ührtslinikx durch die englische Regierung gemeint habe. Vielmehr hat Herr BaÜin an einer anderen Stelle seiner Rede ganz laut und deutlich fiiue Meinung dahin kux!) gethan. daß der deutsche Sch ffsdau der staatlich??! Fürsorge gor nichts zu verda-ckcN habe. N-ch schroffw sich ar.szusicückei-, ohne dje Grenzen zu über»
Und ein Büßer steht er da im Kittel, Putzt, was sich nur putzen läßt, die Wett Putzt er Stiefel, die ererbten Löffel, Meme Orden und das Bayonnett!
Keine Silbe hat er mehr gesprochen. Traurig ist er. Seiner Augen Glanz Ist erloschen. — Was Du auch hast verbrochen, „Sanfter Heinrich", ich verzeih Dir's ganz. —
Das ist der Sang vorn fanften Heinrich, ich hoffe meine lieben Kinder er hat Eueren Beifall.
Henry und ich hatten unsere gute Laune bald wiedergefunden, wir lachten ob meines Mißgeschicks und belachten den Vers, der da von „ererbten Löffeln und Orden" sprach. Beides existirte nur in meines Bruders Phantasie.
Auf Hartors Verlobungsfeier mit der feinen fanften Henriette Gasler, auf die ich mich schon lange gefreut, mußte ich freilich verzichten, eben- fo auf ein Tanzvergnügen bei den wieder masern- reinen Ruberus, aber eine am Sylvester Abend stattsindende Gesellschaft bei Schreckbergs hoffte ich mitmacheu zu können. Bis dahin war ich wieder ein freier Mann.
Diese Gesellschaft warf schon lange ihr- Schatten voraus; man munkelte allerlei von große artigen Überraschungen die da vorbereitet würden. Herr von Schreckberg hatte den vorigen Winter — in dienstlichen Angelegenheiten — in Berlin zugebracht und dort allerlei künstlerische Anregungen empfangen, die er nun bei den „Lebenden Bildern", denn um diese handelte es sich — verwerthen wollte. —
Die Zeit „zwischen den Jahren" benutzte ich, um mich in meiner neuen Wohnung einzurichten, und fühlte mich — trotz des bösen Anfangs — j bald wohl darin.