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KuldaerMZeitung

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peranttrcriil»: Für die Redaklion 3o|. Saum. |Lr Jit.tralt J. parzeller in Fulda.

mit den Beilagen

Illustrirte Sonntags-Zeitung",iuldaer Serchichtzblälter" und fotterie-Ciste.

Crutf und vertag der Fuldaer Aelleudrucker«» Pelersgaste Nr. e «Darmoniet.

M 134.

| Einiges von der Gewerbe-

Aussicht i. I. 1901.

Vor einig?« Tagen find die Jahresberichte der preußischen Gewerbe - Aufstchtsbeamten für 1901 erschiene«. Sie enthalte« auch diesmal manches Interessante Erfreuliches und Be- bäuerliches. Ein genauer Vergleich mit den Berichten des Vorjahres läßt fich nicht durch­führen, weil die ausgestellten Tabellen, aus denen man am leichteste« eine schnrlle Übersicht ge­winnen kann, eine andere Grundlage erhalten haben. Das jedenfalls, und das ist das haupt­sächlich Erfreuliche, sicht fest, daß die Durch­führung der bestehenden Arbeiterschutzbestimm- ungen von einem Jahre zum andern in wachsen­dem Maße mit gutem Willen und klarerem Verständnisse für ihre Bedeutung von den Unternehmern gehandhabt wird. Ueberhaupt befreundet fich das Unternehmerthum fortgesetzt mehr mit der Gewerbeaussicht, wie man sehr deutlich aus einigen einzelnen Beispielen ent­nehmen tarn, Der Gewerbeinspektor in Oppeln hat mit einer außerordentlich entwickelte« Industrie zu thun. Nichtsdestoweniger ist er nach seinem Berichte vor sechs Jahre« nur" 136 Mal von Gewerbetreibende« aufgesucht und um Rath gefragt worden. Im Jahre 1898 stieg diese Ziff-r auf mehr als 500; i. I. 1901 ist ec gegen 1200 Mal von de« Unternehmern zu dem Zwecke der RathSerholung ausgesucht worden. Dem Auffichtsbeamte« t« Arnsberg i. Wests, ist es freilich umgekehrt ergangen, er ist im Vor­jahre weniger von Unternehmern aufgesucht worden, als im Jahre vorher. Das ist aber schwerlich t« Zusammenhang zu bringen mit einer Abnahme der Beliebtheit der Gewetbeauf- ficht, ist vielmehr augenscheinlich auch eine Folge der ungünstigen Lage, in der die Industrie jener Bezirke im Vorjahre sich befunden hat. ES gab »icht viel neue industrielle Anlagen und Erweiterungen bestehender Betriebe; uns diese gerade veranlassen die Unternehmer am häufigsten zu einem Besuche beim Gewerbeinspektor.

ES wäre recht sehr zu wünschen, daß man dasselbe sagen könnte von dem Verhältnisse zwischen den Aufstchtsbeamten und den Arbeitern. Das ist leider nicht der Fall, und daS ist recht sehr zu bedauern. Namentlich dort, wo die Ar- beiterschaaren ganz besonders unter der Botmäßig­keit der Sozialdemokratie stehen, ist nicht viel von einer Hinneigung der Arbeiter zu der Ein­richtung der Gewerbeaufficht zu spüren. So hatte der Berliner Auffichtsbeamte im ganzen Jahre 1901 nicht mehr als fünfundfiebzig Be- suche und 190 schriftliche Eingaben von Arbeitern zu verzeichnen! Das find lächerlich niedrige Ziffernund die entsprechenden Ziffern sind auch anderwärts noch nicht hoch, wo tn den vorliegen­den Berichten von einererfreulichen Steigerung des Vertrauens" und dergleichen die Rede ist.

ItifeeeMthmmmgte rin« Ultra iiirhkjsn.

Halbvergessene Geschichten aus dm 30 et und 40 et Jahren deS 19. Jahrhunderts von B. 6. Coester.

40 ------ (Nachdruck verboten,)

X. Winterfreuden.

Nichts ist meiner Erfahrung nach für einen Junggesellen schwieriger, alr dar Miethen einer Wohnung! Wo er auch hinkommt, es tritt ihm stets ein Engel in Menschengestalt entgegen, der jeden Zweifel an der tadellosen Güte der Wohnung verstummen läßt.

Dieser-Engel ist die Hauswirthin. Nicht, daß sie stet» jung, blühend, verlockend ist, o nicht» weniger al« die« ist sie meistens, aber sie ist stets von einer geradezu unwiderstchlichen Güte und Freundlichkeit. Selbst die tiefäugigste, zahnloseste alte Hexe findet dem Unglückseligen gegenüber, der bet ihr miethen will, einen solchen Ton von mülter- wtt Sorgltchkeit und Güte, daß die Frage nicht Uder die Lippen will, ob auch der Ofen nicht rauche und die Fenster gut schlöffen, und doch liegt die Annahme nahe, daß der Ofenrauch ihre Augen ge- kothtt, und der Zug vom Fenster sie die Zähne verlieren ließ t

Meiner Schwäche mir bewußt, «ahm ich Kant mit, der eine mir unendlich imponirende Kühnheit oeiatz und den Redeschwall auch der Gewlegtesti-n mir -ex kaltblütigen Frage unterbrechen konnte, viel Wanzen, Raiten oder Mäusen man in die Zimm-r zu theilen hätte?

-tteduch trabte er treppauf, treppab mit mir;

JuLöa, Samstag, den 14. Juni 1902.

29. Jahrgang.

So berichtet beispielsweise der Gewerbeinspektor ix Düsseldorf; und wenn man sich die ent­sprechende« Ziffern von dort anfieht, so findet man doch, daß sie nichts weniger als hoch sind. In- tereffavt ist die Thatsache, daß die Arbeiter ebenso wie die U-tternehmer im Regierungsbe­zirke Opptln am fleißigste« de« Auffichtsbeamte« ausgesucht haben. Gerade dort hat d,e Sozial- demokratie noch am wenigste« Macht über die Arbeiter I Die sozialdemokratische« Arbeiterver­einigungen halten die Leute planmäßig von dem Aussichtsbeamten fern, vernachlässigen diesen grund­sätzlich; und dann sagen die sozialdemokratische« Redner im Reichstage, die Aufstchtsbeamten seien ja doch nur für die Unternehmer da, und «icht für die Arbeiter. Die anderen Arbeiterorgani­sationen, die nicht der rothen Fahne folge«, wenden stch dagegen auch mit steigender Bereit­willigkeit und mit wachsendem Vertrauen an die Aufsichtsbeamten, fordern diese auch auf, in ihren Versammlungen aufklärende Vorträge über die Afgelegenbette« des Arbeiterschutzes zu halten.

Weibliche Hilfskräfte hat die preußische Gewerbe­aufsicht nur in sehr geringem Umfangt. Sie sind nur versuchsweise angestellt in den Bezirken Ber­lin und Düffeldorf. Die Ernrichtung ist auch in diesen Bezirken noch neu, so daß ein abschließender Ur- thetl darüber unmöglich ist. In der Gewebe- Industrie von M- Gladbach mit ihren vielen weib­lichen Arbeitern hat die Assistentin eine b>sondere Bedeutung; und von dort steht in dem Düsseldorfer Berichte zu lesen, daßdie Bemühungen der Assistentin zu M. Glrdbach. den Arbeiterinnen ihres Dienstbereiches näher zu treten, bereits den Erfolg erzielen, daß die anfängliche Zurückhaltung rhrer Srutzbefohlenen allmählich fchw.ndet."

Die jugendlichen Arbeiter und ihre Beschäfti­gung machen der Gewerbeaussicht nach wie vor am meisten zu schaffen. Fast alle Zuwiderhandlungen gegen die Ardeiterschutzgesetze, wie sie im ganzen in etwa 7000 Fabriken während des Jahre» 190j. festgestellt wurden, gehören diesem Gebiete a», und ebenso fast alle die 900 Bestrafungen, die nothwendig wurden. Danach kamen Fäll »er Be­schäftigung weiblicher A: beiter, wobei tnctjreißb des Vorjahre» 1760 Zuwiderhandlungen festgestell wurden und 217 Strafen verhängt werd n mußten.

Alles in allem genommen ift die Aufgabe der Gewerbeinfp-ktion eine äußerst umfangrrw e. Da» ersieht man am besten daraus, daß während de« Jahre« 190» im ganzen genommen im Staate Preußen rund hunderttausend Revisionen stattfanden in Betrieben, die zusammen mehr al« 2*/» Millionen Arbeiter beschäftigen. Diese Revisionen wurden von 226 Beamten aurgesührt.

Berlin, 13. Juni 1902.

+ Winiüer vor, Rieten wird ohne Zweifel demnächst aus dem Amte scheiden. Wer sein Nachfolger werden soll, ift noch unbestimmt. Neuerdings wird als solcher Generalmajor a. D'

5 bis 6 Todfeindinnen hatten wir uns schon ge­macht und manche komische blitzschnelle Verwand­lung der süßen Engel in böse Teufel erlebt, als das Schicksal unS endlich erreichte uns wir bei dem ehrsamen Bürger und Sattler Hermann Bier eine meinen Wünschen ungefähr entsprechende Wohnung fanden und mieiheten. Parterre batte der Sohn Iran seine Wohnung und Werkstatt, während das alte Ehepaar Bier und ihre einzige Tochter's Marriche", eine Treppe hoch wohn­ten, wo auch die beiden an mich abgegebenen Zimmer lagen.

Auch be« Brief, der mir wieder ei« trauliches Heim versprach was ich freilich erst kurz vor Weihnachten beziehen konnte, auch diese«, sogar mit einer Planzeichmmg der Wohnung, besitze ich «och und hier ist er.

An

«Sehr giertet Her Lttdnand von Adlerkop se«. Woll- und Hochwollgeborn Hier! mit der Biie, zu Ihre gefällige Ginstgt, der ungefährlige Größen der Stube« e. c.

Auch habe Ich ifcnt mit eine kleine Hantzeich- «u«g bellend, worüber sich leicht ein Brkriff zu mache habe, Bezug oaß Geräumligkeit-Anschluß.

Hochachtungsvoll

H. Bier, Rendje und Sattlermeister, Umseitig!" Es bedurfte ein ger Zeit, bis ichbekrff", daß das letzte gehrimnißvolle Wort stch auf de« auf der wachsten Seite abgezeichneten Plan bezog. Diese« abzuzeichnen schenke ich euch und mir. Er enthielt schier unglaubliche Mißverhältnisse und bätte man danach asn bmen könne«, alle 4 nach ber Straße gehende« Räume, je 2 zweifenstrige und 2 emfenstrige Zimmer hätten die Gestalt eines schmalen langen Handtuches.

Budde genannt. Dieser war früher Chef der Eisenbahnabtheilung im Großen Generalftabe. jetzt ist er Direktor einer privaten Waffenfabrik. Generalmajor Budde hatte bei der Berathung der Kanaloorlage im preußischen Abgeordneter-Hause den Mittellandkanal vom militärischen Gesichts- parke aus vertrete«. Man behauptet von dem Generalmajor, daß er vollkommen ausgebildet als Fachmann sei, ebenso wie ein Mann, der aus dem Eisenbahnfache selbst hervorgegangr« wäre. Neben dem Generalmajor BudSe wird als Ministeranwärter auch Ministerialdirektor Möllhausen genannt. Von der Abtrennung der Wafferbau-Abtheilung vom Eisenbahn-Mi­nisterium dürfte vorläufig keine Rede sein.

X 3R<t«66fs»s*er de* zreichstages. Durch eine Reibe von Zeitungen geht eine wunder­liche Notiz. Der gegenwärtige Reichstag hat feine Thätigkeit begonnen am 6 Dezember 1898, obwohl er ja bekanntlich aus Neuwahlen hervor- gegangen war, die am 15. Juni jenes Jahres stattaefunden hatten. Nach jener Notiz soll nun die Regierung die Meinung vertreten, die Man- datsdauer dieses Reichstags laufe erst mit dem 5. Dezember 1903 ab, und somit werde es ein Leichtes fein, den Zolltarif auch noch in diesem Reichstage zu erledigen. Das ift einfach Unsinn. Die Mandatsdauer des Reichstages läuft mit dem 14. Juni 1903 ab, und es ist g-rnz un­möglich, daß man bei der Regierung auch nur einen einzigen Augenblick lang darüber im Zweifel sei« könnte. Seit das neue Deutsche Reich be steht, ist man darüber «och niemals im Zweifel gewesen.

st Die Aoke« Dorlage ist von der Kom­mission de» preußischen Herrenhauses einstimmig angenommen worden. An der Annahme der Vor­lage im Plenum des Herrenhauses ist noch nie­mals gezweifelt worden- Der Entwurf ist für diesen Samstag auf die Tagesordnung be« Herren­hauses gesetzt.

st Kie Ivt7f,»rif.Kommissio« des Zteichs- la-e» hat bmte (Freitag) die Berathung der Zölle für Gemebcstoffe begonnen, nachdem sie gestern die chem sche Abtheilung zu Ende berathen hatte. Die Zollsätze für Rohseide wurden nach der Regierung läge angenommen; bei den Zöllen für Kur st seide wurden Ermäßigungen vorgenommen, uno zwar nach den Anträgen des 6entrum»abu*orbneien Dr. Bachem. Dieser wie» borauf hin, daß die Fabrikation der künst­lichen Seide eine aufstrebende Industrie sei, die man nicht ohne Zollschutz lassen dürfe, namentlich auch nicht im Interesse der dabei beschäftigten Arbeiter. Die Zölle für Flor et- und Bourette- sei de wurden nach den Sätzen bei Regierung-> entwürfe« angenommen. Die nächste Sitzung ber Kommission wirb Mittwoch ben 18. Juni Vor­mittag« 9 Uhr stattfinden.

+ Die Ileischvescha« im preußische« Av- geordueieuhaufe. DaS preußische Abgeorvneten- haus hatte am Freitag über das AuSsühmngs- Gesetz zu dem Schlachtvieh- und Fleisch. beschau-Gesetzezu berathen. Geradezu drastisch wurde durck diese Berathung das verfehlte Der- fahrin bet Regierung gekennzeichnet, die so wich­tige und in bas Alltagsleben so tief einschneidende

Gesetzentwürfe zuerst auf die lange Bank schiebt und st: dann auf einmal Hals Über Kopf ange­nommen haben roiH. Redner aller Parteien tadel­ten heftig diesen Fehler, der ja oft begangen wird, aber gerade in diesem Falle sich besonders unangenehm fühlbar macht. Der LandwirthschaftS- Minister v. Podbielski konnte nicht einmal Auskunft darüber geben, wie die Regierung fich die Art der Ausführung der Trichinenschau vor« stelle: die Regierung habe sich noch nicht darüber schlüssig gemacht! Sehr wichtig ist der gegen die Linke nach einem Antragle des Adg. Herold (Ctr.) gefaßte Beschluß des Hauses, daß entgegen dem ursprünglichen Regierurrgsentwurfe und auch gegen ben Beschluß der Kommission die Trichinen­schau nicht durchaus für alle Schweine zwangsweise vorgeschrieben fein soll. Nach den heutige« Beschlüsse« dürfen Hausschlachtungen frei bleiben davon, wenn das Fleisch nur im eignen Haushalte verwendet uns nicht etwa durch polizeiliche Verordnung anders bestimmt wird. Diese Bestimmung wurde außer durch den Antragsteller Herold unterstützt durch die Abgeordnete« Fritzen und GrafPrafchma vom Centrum, von Mendel (kons.), Gamp und Rewoldt von den Freikonseroativen und Andere mehr. Nur die Freisinnigen und ein Theil der Nationalliberalen wollten die Trichinen­schau auch für alle Hausschlachtungen zwangs­weise eingeführt haben, bliebe« damit aber sehr stark in der Minderheit. Die übrigen Theile des Gesetze« wurden nach den Anträgen der Rommiffion angenommen. Die dritte Lesung findet am Samstag nicht statt. Der Präsident wollte sie auf die Tagesordnung setzen, mußte aber einem dagegen erhobenen Widerspruche nach der Geschäftsordnung weichen.

X Gi« deutscher Aoko»iakS««d ist in der Bildung begriffen. Die Männer, die diese Vereinr- gtünbung betreiben, haben natürlich ihre eigne und selbständige Meinung, wie sie jeglichem deut­schen Staatsbürger zusteht; und sie hallen mit dieser Meinung auch nicht hinter dem Berge. So konnte man in diesen Tagen in mehreren Blättern eine Darlegung lesen, die von dieser Sette her­rührte und noch einmal sehr klar und hübsch bar« legte, warum ber Bau der ostafrikanischen Central- bahn recht bedenklich, wenn nicht unmittelbar ver­werflich sei. Hervorragende deutsche Afrikakenner vertreten genau dieselbe Ansicht. Aber die Deutsche Kolonialgesellschaft ist sehr ungehalten darüber. Sie hatte bisher ein Monopol in Kolonialsachen, ober glaubte e» doch zu haben; und sie hat bisher diese ostafrikanische Centralbahn mit allen Mitteln unterstützt, die nur irgendwie möglich und zulässig waren. Da kommt nun ein Kolonkalbund und will ihr Konkurrenz machen fürchterlich! Da« wird in einem Waschzettel, den die Kolonialgksell« schäft an die Zeitungen gelangen Heß, at« koloniale Sonderdündelei" verdammt. Wozu ein neuer Verein? so wird schmerzvoll darin au»« gerufen. Aber wenn der Bund hält, wa« er ver« spricht, nämlich die kolonialen Dingeauf der Grundlage eine» nüchternen nationalen ReallSmu»" zu behandeln im Gegensätze zu der btbtngung«« lösen Kolonialbegeisterung, die man bei der Kolonialgesellschaft nur zu häufig findet, bann kann

Die beiden in der Mitte liegenden einfenstrige« Stuben entsprachen wenigstens noch entfernt der Zeichr-ung, die beiden Eckstuben jedoch waren 2 fast viereckige hübsche große Stuben. In diese 4 Räume hatte ich mich mit meinen bis jetzt unendlich liebenswürdigen HauSleuten zu theile«, unsere Schlafgemacher lagen nebeneinander, die Wohnzimmer (an das ihrige stieß die Küche), lagen weit auseinander, so daß man ganz ungenirt und unbehorcht darin hause« konnte.

Mit dieser etwas weitläufigen Beschreibung meiner Wohnung, die tch ja erst in 3 Woche« »«-ziehe« würde, habe ich mal wieder sehr oorge- jriffm und ihr müßt mit euren Gedanken wieder mit mit zurück in mein altes Logis geben.

Mein nächster Bursche war Martin Jakob aus Jesberg, ein dübscher, flinker, sauberer Kerl von raschen Begriffen.

Leider mußte ich bald die Entdeckung machen, daß meine befchetdemn Tabaks - Borräthe ganz unheimlich rasch abnahmen, mein Zucker schmolz und der Rain verduftete. Als ich aber auch noch eines Tages bemerkte, daß der Edle in meinen besten Stiefeln herumspazierte, ließ ich ihnetwas ilötzlich" in daS Regiment zurückversetzen mit dem lebhaften Bedauern, ihn meiner Finanzlage Halder nicht wie seinen Vorgänger zum Behalte« des entliehenen Objektes verurtheilen zu können. Ihr ßn«t euch denken, Kinder, mit welchem Wider­wille« ich am nächsten Sonntage die Stiefel ar- zog Aber der Wahrheit die Ehre meine isfiere Miene klärte stch auf, als ich dir Berner- !uvg macht?, daß die breite Quarrte des uuver- chämten Kerls wie ein Leistsnausschlag gewirkt und d-r Gtiefrl, dir mich früher abscheulich ge- »rückt hatten, jetzt herrlich saßen.

Wenn ich auch mal wieder einsehen mußte, daß jede» Ding auch seine guten Seiten Hai, so konnte ich mich trotz des angenehmen Erfolge-, de« die Miffethat für mich gehabt hatte, in späteren Zeiten, als mich ei« boshafter Schuster in die­selbe Lage brachte, nicht entschließen, zu diesem erprobten Mittel zu greifen. Ich zog den hölzer­nen Leiste« doch dem menschlichen vor.

Mein Umzug und das Weihnachtsfest rückten jeran; Leutner, mein alter Bursche, war noch krank, es hieß also abermals Umschau halten unter den Söhnen des Landes.

Der Feldwebel sandte mir einen Knaben, de« ch zuerst versucht war,Fridolin" zu nennen, renn so muß der bekanntefromme Knecht", der nach dem Eisenhammer geschickt wurde, auSgesehe» »üben. Da er aber auf diesen Namen nicht hörte und Heinrich getauft war, mußte ich mich daran zewöhnen, ihn Heinrich, woraus sehr baldfünf­ter Heinrich" wurde, zu rufen.

Dies Kind (keinEngU war so rein), war zum Glück reinlich und ordentlich, aber wie sagt »och Ottilie Wildermuth in einem ihrerGe- chtchten für die Heranwachsende Jugend:ES st ein Unglück, die Pfiffigen sind nicht ehrlich und die Ehrlichen find nicht klug! Meine Bursche« waren eine lebendige Illustrativ« zu diesem Ans­prüche.

Wie er zu dem Namen dersanfte Heinrich" am, und weich triste« Weihnachtsgeschenk ich ihm u verdanken harte, davon berichtet Euch ein dedicht, welcher ich auf der Rückseite eines alten Hauptwachenrapportes ausgezeichnet, noch unter meinen Papieren sand. E» mag hier Platz finden, und mit ihm der ganze alle Rapport.

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