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JuLöa, Freitag, den 13. Juni 1902.

29. Jahrgang.

Oruit und Verlag bei Jaltaer Xctlenbrudero peterijaffe Nr. i (barmonk).

Erscheint täglich, m Aurnuhmkdcr Sonn- und Feirr- ,oqe Vierteljöhr!. gtiugsprtis ohneBrmgerlodn und Bestellgeld in ftulba und aus- SärtU3B.5O$t1

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tttcntmortli»: Sür M< Xrtattion 3ol. Baum, . BdläflCtt

iür jnkrai«j.paejeuer in juita. „Musste 8onntag§-Leitung", Juldaer SeschichtsblWer" und £otterie--£iste.

[] Gasthaus-Reform.

Der Deutsche Vereiu für Gasthaus« Reform tritt mit einem „Ersten Auskunf'S-Blatt" vor die Okffrntltchkeit. Er ist noch nicht fertig qebildet. Beine Bildung hat erst Mitte Januar 1902 begonnen; über seine endgiltige Verfassung soll später erst Beschluß gefaßt werden — ent­weder schon im Herbst dieses Jahres oder späte­stens im Januar 1903.

Die Bestrebungen dieses in der Bildung be­griffenen Verein« werden vielfach ebenso verkannt, wie die Grundsätze des Vereins gegen den Miß­brauch geistiger Getränke. Die deutschen Temperenz- Bestrebungen find ihrer überwiegenden Mehrheit nach nicht darauf gerichtet, jeglichen Genuß alkohol­haltiger Getränke grundsätzlich zu verbannen, wie man dies vielfach in England und in den Ver­einigte« Staaten von Nordamerika findet, und wie auch vereinzelie Körperschaften oder Bruder­schaften bei uns in Deutschland dies anstreben. Der Name des vorgenannten Verein« sagt dies schon, wenn man ihn genauer sich anst-ht. Denn er nennt stch nicht Vereiu gegen geistige Getränke, sondern Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke. Ebenso will der Deutsche Verein für Gasthaus - Reform die alkoholhaltigen Getränk« nicht vollkommen aus den Gasthäusern auSschlnßen. Man will vielmehr balür sorgen, daß beiderlei in den Reform.Gastdäusern zu haben ift: neben alkoholfreien auch olkoholartige Geträl ks. Aber für den Verkauf dieser lktzteren sollen besondere Grundsätze beobachtet werden, so daß sie eine« Mißbrauch dieser Getränke auSschlirßsn, und das find Bestrebungen, die jeder vernünftige Mensch ohne weiteres als gut anerkennen muß. Auch diijentgen Menschen haben für ihr Geld ein Recht auf Be- wirthung, die etwas Anderes als Bier, Wein oder SchnapS zu genießen wünschen; aber thatsächlich gibt eS einstweilen nur sehr wenige Gastwtrth- schäften, in denen ihrem Bedürfnisse Rechnung getragen wird. Der genannte Reform-Verein hofft mit Recht, durch fein Wirke« und durch die Errichtung eigentlicher Reform - Wirchshäuser in diesem Sinne einen besonderen Eir fluß auf unser gesammteS GaNhauswesen auSzuüber.

Noch zwei andere Programmvunite hat der ge­nannte neue Vereiu. Sie werden in seinem Ersten Au»- kunftrblatte mit folgenden Worten gekennzeichnet:

Drittens erwarten wir, daß da« große Publikum gegen Kneipen, die bloße Agenturen der Alkohol Jntereff nten sind, unfreundlicher wird und gegen* den Trinkzwang sich mehr und mehr auflehnt. Viertens: daß die Gesetz­geber den jetzigen Zustand beseitigen, wobei beständig Konzessionen zum Verkaufe geistiger Getränke, alio zu einem dem Volke sihr oft schädlichen Geschäfte, an Privatleute vertändelt werden, und zwar an Leute, die ihrer ganzen Lage nach nicht einen möglichst geringen, sondern einen möglichst hohen Absatz dieser gefährlichen Getränks erstreben müssen. Es ist eine leidige Roth, daß heute dieser gefährliche Handel oft auch den bedenklichsten Menschen anoertraut werden muß, sobald sie sich in den wirklichen oder scheinbaren Besitz eine« konzesstontrten Lokals sitzen.

Ilutnmtg-Lmumwgkn IMkS Ml Sm-rffn.

Halbver-eflene Geschichten aus de« 30 er und 40 er Jahren MS IS. Jahrhunderts von B. S. Coe fier.

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So giündlich hielt er diesen Schwur, vaß der schöne, begabte, liebenswürdige Junge in der BlLthe feiner Jahre am delirium tremens starb, und die schöne Mathilde frühzeitig zur Wittwe machte.

Doch meine Gedanken gshenmtr mal wieder durch.

Bald nach diesem Vorfall endigte das schöne Fest und mit waklich aufrichtigem Dark verab­schiedeten mir uns bei unser» liebenswürdigen Wirthen.

Ich trabte vergnügt dmch die klare Winter­nacht nach Hauke. Bon Müdigkeit empfand ich keine Spur, im Gegentheil, ich war etwas erregt durch den genossene« Wein und die lebhafte Unter­haltung. Trotzdem freute ich mich auf mein Heim, denn mein rechter S-ietel fug an mich ganz un- begrelflicherwelfe greulich zu drücken.

Fast hinkend erreichte ich zuletzt das am Neu- städter Markt belegene Hau», wo ich ern dritten Stock 2 Z mmer inne hatte.

Mit einem Seufier der Erleichterung fuhr meine Hand in die rechte Hosentasche, ihr den Hausschlüssel entnehmen.

Gere , ter Gott, er war nicht da! Trostlos irrten meine Augen über die totale Finsterniß der Front, ich wußte es leider zu genau, daß alle Be­wohner längst schliefen und alle Schlafräume nach dem Hos gingen.

Aber eben so genau wußte ich, daß ich den Schlüssel eingesteckt hatte; ihn aus der Hosentasche

Nun, die Einwirkung auf da» große Publikum ist die Sache der Resormoerein» selbst. Macht er seine Sache gut, übertreibt er namentlich nicht» in seinen Bestrebungen, dann wild e« ihm auf diese Weise am allerstchersten und am allerbesten gelingen, Stimmung für sich und seine Bestrebungen zu machen und damit die ohne Zweifel gute Sache, die er vertritt, zu fördern. Derartige Reformen können sich nicht plötzlich und gewaltsam vollziehe«, wenigsten« nicht in unserem Lande und in unseren Verhältnissen; sie müsse« sich allmählich Bahn brechen. Und auf diese Weise wird der Verein, nach und nach auch am sichersten den gewünschten Eindiuck auf die Gesetzgeber machen. Wenn die Welt sieht, daß die neue Sache gut ist, dann wird die Weit dieser nuten Sache von selbst sich zu­kehren. Daß die Regierungen ihr fteundlrch gegenüberstehen, ist unzweifelhmt sicher. Für Preußen ist soeben erst diese Versicherung im Ab- giordnetenhause gegeben worden, urd in den süd­deutschen Staaten ist die Beaufsichtigung der Gast- wirthschaften ohnehin schon weiter gediehen und besser, al» in Preußen. Man darf darum hoffen, daß der Deutsche Verein für Gasthaus-Reform einen günstigen Boden für seine guten Bestrebungen finden möge. *)

•) Ws- Auskunft wünscht über den Verein, wende sich an Herrn Dr. Bobe in Weimar, ober an Herrn Rechtsanwalt Eggers in Bremen.

Berlin, 12. Juni 1902.

4- Ierttfch tzotkäNdischer Zfvstoerei«. Die angekündigte Versammlung deutscher und hol­ländischer Handelskammern hat am sitzren Mittwoch in Utrecht stattaefunde«, um sich mit der Fraae eines deutsch holländischen Post ,-reiuS zu beschäftigen. Acht holländische in,o zeyn deutsche Handelskammern waren bri der Ver­sammlung vertrete«, von deuischr« dicj Mf,en aller Bezirke des Niederrheins und des »o v- oefilichen Westfale«. Einstimmig ist von der Versamm­lung eine Entschließung angenommen wo-den, in der der Abschluß eines Postoereins zw-.scheu Holland und Deutschland nach dem Muster des deutsch, österreichische« PostoereirS als in hohem Maße förderlich erachtet wird für die wirthschaft- liche« und die HaudelSintereffen der beiden Nach­barländer. Als besonders wünschenswerth er- achten die Handelskammern für den wechselseitigen Verkehr die Herabsetzung des PortoS für Post­karten, Briefe, vor allem auch schwere Briefe, Drucksache«, GeschäftSpapiere, Waarer.piodiN auf dir im beiderseitigen Jnla»de üblichen Postsätze. Man kann nur wünschen, daß die Entschließung die gewünschte Wirkung nicht verfehlen und der holländisch-deutsche Pvstvereiu bald zur Thatsache werde« möge. Dasselbe trifft zu auf d«S Poft- verhältuiß zwischen dem Reiche und der Schweiz.

+ Krßeöv»--« Svsr di- Syndikate. Aus die schon häufig in verfchiede«en Parlamenten

zu verlieren war unmöglich, also wo war er? Mechanisch griff ich nochmals in d'e Tasche, das mal bi« zum Grund gehend, und — fand auch diesen nicht.

Da halte ich de» Räihsel« Lösung! Nun wußte ich piötzl'ch auch, warum mich mein ©riefel o drückte. Die Tasche hatte ein Loch, und der Schlüssel saß im Stiefel.

Im nächsten Moment bcckre ich auf den nicht« weniger als einladenden Treppenstufen und ver- nchie den Stiesel au«zuz!ehen.

Ja, p«osit Mahlzeit, zog sich was! Ich hatte »ie Stege vergessen, und wenn es etwa« Boshafte», Widerwillige« und Hartnäckiges auf Erden gibt, o ist es ein metallener Stegenkaopf, der in einem >urch Schneewaffer gequollenen Leder sitzt.

Wütbender Reißen half so wenig als schmei- chtlndc» Bohren, er rührte sich nicht, em Messer hat e ich auch nicht.

Was sollte ich machen?

E« gab nur eine Möglichkeit, an den Höllen- chlüssel und heute Nacht noch in mein B.tt zu dmmen, ich mußte, — bombte dictu! — die Hois auszieher.!

Angenehmer Gedanke für einen unglücklichen Leutnant in voller Uniform, in eisiger Winter­nacht. auf einem zwar zu« Glück menschenleeren, aber hell vom Mond beschienenen Marktplatz!

Aber was bli-b mir übrig, ich konnte roch nicht hier st hsn bleiben und erfrieren, ich wurde auch noch gerade todtmüde.

Da« Haus, welches ich bewohnte und jetzt so dnngend zu betreten wünschte, war ein Eckhaus und stieß mit der Seitenfront an ein schmale« mnkle«, nach der französischen Allee führendes Gäßchen. Das war meine Rettung.

aufgeworfene Frage, ob »ie Relchslegterung sich nicht für die ungesunde Eatwtckelung des Kartell- wesens und der industriellen Syndikate interesstre, hat noch immer die Antwort gelautet: es schwe­ben Erwägungen ober Erhedun gen da­rüber. Aber gemerkt hat von diesen Erwägungen und Erhebungen «och Ntemaud etwas. Jetzt ist vom Retchsamte des Inner« bie' Aufstellung einer Liste über die wirthschastlichen Vereine, die im Reiche bestehen, in Angriff genommen worden. Die Kartelle, Syndikate u»d Trusts werden nicht in diese Lrstr aufgenommen, und zur Erklärung dieses Uwstandes versichert wieder einmal ein OjfiziasuS, daß über die Kartillfraqe „schon seit geraumer Zeit selbständige besondere Erhebungen fchmchi-n". Mit der „geraumen Zeit" spottet der Oifiziosus seiner selbst und weiß nicht, wie! Es wird nun wohl noch einmal „geraume Zeit" vergeher, bis wirklich irgend etwoS geschieht, da­mit nun ja das neu von den Syndikaten b.» triebene Kartell aller Kartelle i« seiner Entwickelung und Bildung «ich! gestört werde.

+ Iie Spirrtus-IndvSkie hat einen neuen Apparat hergestellt, nämlich einen Pflug, bei dem bie treibende Kraft ein Spiritusmotor ist. Der Kaiser hat stch kürzlich auf seinem west­preußischen Gute Cad'nen einen solchen Spiritus­pflug im Betriebe vorsähren lassen, und zwar von dem Direktor der Mvtorensabrik in Ob> rursel, Herrn Blumenthal. Der Apparat soll mit seinen Leistungen sehr befriedigt haben und namentlich für den Gebrauch auf hügeligem Gebiete sich eignen, wo Dampspflüge häufig versagen.

X Aerr tritt de« Mckzng an. Kürzlich hatte Herr Ballin, der mehrfach orden- gezierte General-Direktor der Hamburg-Amerika- Linie, bei einem festlichen Essen i« Hamburg eine Aeußerung gethan, die mehrfach und mit Recht als etwas febr Auffälliges vermerkt wurde. Die genannte SchifffohrtS-Gesellfchaft bezieht, wie be­kannt, für hitjf' iflen ihrer Schiffe, die auf der Lmie nach Osr.si n verkehren, eine Unterstützung vom Reiche uns bat diese Unterstützung auf ihren Antrag hin erhalten. Jene Bemerkung Ballin's mußte also w b’ -ingt außerordentlich auffallen. Man deutete ft s », daß man zwischen den Zeilen daS Bedauern B,Ürn'S darüber herauSlese« wollte über die Befug» ß der Einmischung der Reichs- behörden in die .tierhältnisse seiner Sesellschast. Das werd wohl auch deS Pudels Ker« gewesen sein. Aber j tzt läßt Herr Ballin in der Preffe verbreiten, er habe die — englische» Staatsunter- stützunge« für Schifffahrts-Gesellschaften gemeint. Herr Ballin stellt damit hohe Ansprüche an die Glanbensseligkeit des Publikums.

+ Die I-Kkommiffto« des Zsteichstage» hat in ihrer heutigen (Donnerstag«) Satzung über die Einthetluvg ihrer Arbeiten sich schlüssig gemacht. Es ist beschlossen woiden, zunächst die erste Lesung der Zolltarif» zu beenden und dann eine längere Pause in den Berathungen eintreten zu lassen. Einstimmigkeit herrschte über die Noth- roenbigleit, beide Lesungen unbedingt vor dem 14. Oki ober zu erledigen. Im Laufe der Debatte forderte Staatssekretär Graf Posadowrky auf, die arbeiten zu beschleunigen. Eine rechtzeitige be­stimmte Entscheidung über die RegiervngSoorlage

Dahinein brückte ich mich, und b g-rn-r mein Vorhaben auSzufüb-en. Es ging langsam, beim der Mantel und Rack waren mir entsetzlich im Wege, ober e« ging doch.

Schon glaubte ich bie Hand nach dem treulosen Flüchtling au»finden zu können, als ich e>,schockt zusammenfuhr. Fast unmittelbar an meinem Ohr war ein furchtbarer Ton erklungen. Tu, ju, tu, tu, tutetutuuuub! und:

„Hört Ihr Herrn und laßt Euch sagen, die Glock- bat Drei geschlagen!" grunzte ein heiserer Bierbaß

Im wachsten Augenbl ck verdunkelte stch der Eingang de« mich bergend» Gähle nS, ein Sp tz b, schnüffelte mich argwöhnisch und bie mächtige Gestalt des biederen Wächter» dec Nacht nahte sich meinem Standorte.

„Stu, na, na. was haben wir den vor, n-x da." — ei verstummte, ai» er plötzlich erkannte, einen Offizier vor stch zu haben.

Das war Rettung für mich.

Obgleich ich geärgert und beschämt genug war, ging ich sofort auf den Alten zu, und erklärte ihm meine fatale Sage.

Der Nachtwächter lachte, daß ihm da« Bäuch­lein wückrite.

„Nämmeses nur nct iwel, Herr Leidnant, ne awwer auch so was--!“

Lachmd schloß er mir auf und lachend ent frrnte er sich und ich, wenn auch nicht lachend, aber doch sehr froh, endlich intra muroa zu fein, stolperte über einen wohl in Gedanken im Weg stehendm leeren Kerfcheümer *) tobt - tortmüde in mein Zimmer.

*) Kehrichteimer.

»erde bem Ansehen Deutschland« gegenüber dem Auslände nutzen. Die Kommisfion beschloß, morgen Mittag zu schließen, dann vom 18. Juni ab, rvocheidtäglich außer Samstag» von 9 bis 2 Uhr zu brrathkn und alle 14 Tage eine Pause vom Freitag Mittag bi« Dienstag früh zu machen. Präsident Graf Bullestrem erschien in der Rom» Mission, begrünte dieselbe und theilte mit, baß zunächst von den bevillioten Diäten für jedes Mitglied ber Kommission 15 Mk. täglich al« Vor­schuß zur Auszahlung gelangen sollten. Der Rest werde bann am Ende der Kommiffionsberathungen zur Vertheilung gelangen.

4- ASstim»n«g SSsr die Ancker- Konvenlio«. In fast alle« Parteien find am letzten Mittwoch bei der namentlichen Abstimmung über die Brüffeler Zucker-Konvention Stimmen gegen dis Konoenlwn abgegeben worden, ausge­nommen dte Sozialdemokraten und Freisinnigen. E» habe« beispielsweise gegen die Konvention gestimmt vom Centrum die Abga. Graf Hompesch, Hubrich, Müller-Fulda, Dr. Marcour, Pingen, Schmidt (Warburg), Strzoda, Lar ger; von den Konservativen viele; von den Nationalliberalen u. a. Fehr. H:yl zu Herrnsheim, vo« Kauffman-, Leineweber, Münch-Ferber, Gras Oriola, mehrere Polen und Auttsemiten und vo« den Fraktions­losen u. a. Fürst Bismarck. Die Freikonser- oativen habe« zum größten Theil für die Konser­vativen gestimmt.

+ Atttomevilfagrt Sarir-Wie«. Die Schweizer Karton-behörden haben bi« sitzt die Erlaubniß noch nicht ertheilt dazu, daß die Auto­mobilfahrer auch die Schweiz im Rsnntempo durchrasen. Die Behörden der freien Schweiz nehmen mehr Rücksicht auf die gebotene öffent­liche Sicherheit der Straßen, als die Behörden in Frankreich und Oesterreich und, wie cs scheint, auch in Bayern.

X Aa» preutzische Avgeordueteahtrus hat am heutigen Donnerstag den Gesetzentwurf über die Umlegung von Grundstücken in Frankfurt am Main in dritter Lesung an­genommen. Diesmal stimmten auch Eentrum und Konservative dafür. Bei dem Gesetze über die llxfallfürforae für Gefangene wurde auf einen Antrag des CrntrumSabg v. Savigny der erste Paragraph in der ursprünglichen Fassung brr Regierungsvorlage wieder hergestellt, nachdem Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben dringend darum gebeten hatte. In dieser ursprünglichen Fassung wurde dann die Vorlage gegen die Stimmen der Konseroatioen und Freikonservativen in zweiter Lesung angenommen. Hernach wurden Petitionen berache«, darunter einige von allgemeinem Interesse, die sich nämlich mit der Besoldung deS Lehrpersonals an öffentlichen Mittelschulen und höheren Töchterschulen beschäftige«. Nach den Peti­tionen sollen diese Besoldungen gesetzmäßig ge­regelt werden, wc s ein Regierungskommissar alS unmöglich bezeichnete, da vorher daS Mädchen« fchulwesen selbst erst gesetzlich geregelt werden müsse. Dennoch rource der Antrag der Kom­misfion angenommen, die Petitionen der Regie­rung als Material zu überweise«. Dasselbe geschah mit einer Petition um Gewährung des

M t Hilfe dr« braven Stiefelknechts war ich bclb meines Quäler« ledig, und die Glocken der französischen Kirche riefen schon die Gläubigen zur Andacht, al« ich erst wieder au« tiefem, traumlosen Schlummer erwachte. Ich wusch mich und schellte nach dem Frühstück, was ich, als ich in mein Wohnzimmer trat schon vorsand. Neben bem« selben l . g ein auf grobes, rauh?» Papier geschriebener Brief. Er liegt vor mir und ich schreibe die köst­liche epistola ab. Keine Anrede, der Sch.eiber ging gleich aus'« Ganze.

• m— Von we-pm gesternvachtlichten Allärm und Specktokolorum auf bet Treppe wie e< innen Run« traft stehb kündiche Ich ihnen bie Wonung in 4 Wochen.

Fon Rechtswechenl

Der Haa-wlrih und Bierbrauer Wilhelm Rehleib."

Na da» war aber doch stark!

Ich f-ßle mich am Kopf, es war doch nicht meine Schrld, daß der Eimer dagestandea und ich Im Finstern daran rannte, und außerdem war da» durch ihn verursachte Geräusch nicht so sta.k gewesen, daß es Jemand hätte aufwccken können, gewiß ober kein Kündigung» gründ.

Aber rechts gilt g bl eb die Kündigung darum doch!

Ich schellte wüthend meinem Burschen, der sich noch gar nickt hatte sehen lassen, aber statt seiner erschien Rehleib« Marthchr und fragte nach meinem Begehr. „Von Ihnen will ich gar nichts", schnauzte ich sie unfreundlich an, „Wo ist mein Barsch?"

„Ach das Unglück", meinte Marthchen voll Wohlbehagen, wie e« tie Leute empfinden, wenn