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^eranlmortli*: S»r di« Red-ktl»« J»(. Baum, für Jnierale J. Patjeller in Suita.
mit den Beilagen
„llluslrirte Sonntags-Zeitung", Juldaer ßescbkblsblälter" und Cotlerie-Eiste.
Drutf und Derlei »er Jaltaer A-tiendruLen» Pelerigaffe fr. 2 (barcionte).
HL 132
Julöa, Donnerstag, den 12. Juni 1902.
29. Jahrgang.
O Kulturkampf in Frankreich.
Da- neue französische Ministerium hat nun« mehr der Abgeordnetenkammer sein politisches Programm oorgrlegt. Ministerpräsident CombeS bat die Programmerklärung am Dienstag in der Kammer otrltfen; sie ist nicht um ein Haar versöhnlicher ausgefallen, als von Anfang an ver- muthtt wurde.
Das sogenannte Vereiasgrfttz, daS Ausnahme- gesetz also zur Unterdrückung der religiösen Orden, war von Herrn Waldeck Rousseau mehr rote eine Warnungstafel aufgerichtet worden. Man erwartete nicht von ihm, daß er ganz peinlich genau auf der Ausführung aller einzelnen Bestimmungen dieses Gesetzes bestehen würde. Aber anders steht es mit den Absichten deS Herrn Combes. «Das Vereinsgcsttz — so sagte Herr Combes — tritt jetzt in die Periode seiner Ausführung durch die Verwaltung ein. Die Regierung wird darüber wachen, daß keine der Bestimmungen des Gesetzes wirkungslos bleibe." Wenn man sich uuu die Herren genauer ansteht, denen im neuen Ministerium diese Ausführung des Gesetzes obliegt, dann weiß man, daß das nicht nur Redensarten des Herrn Combes sind um der schönen Auge» der radikale« Brüder und der Tastalisten willen, sondern der ernsthafte ArSdr-rck fester Kampf« abfichte-i. Um so widerwärtiger wirkt dabei die Heuchelei, die in den arideren Worten der französischen Ministererklärung liegt, dcß die Regierung „n ch! dulden wolle, daß ein Theil des Klerus versuche, die Kirche mit den religiösen Kongregation?» zu idertüfiziren —", gerade als wollten die neuen gottesleugnerischen Minister .etwas thun im J-tterrff der Reinheit der Kirche!
Noch bedenklicher aber klingt die Grelle, in der von der zukünftigen Handhaburg des Unter« rrchteS die Rede ist. Ganz klar ist nicht darin gesagt, daß Herr Combes die bestehende Unter« rtchtSfreiheit aufheben und allein die französische StaatSschole gelte» laff-n wolle. @S kommr in der Ministererklärung sogar ein Satz vor mit der Behauptung, der Staat wolle auS dem öffentlichen Unterrichtsroes-n kein Staatsmonopol machen. Lhatsächlich aber will man das bestehende Unter« richtsgesetz von 1850 abschaffen, und der Staat soll fortan um des Herrn Compes eigene Worte zu brauchen — „über den Unterricht wachen, der jedem Bürger zu theil wird". Es wird darauf ankommen, in welcher Weise diese Absichten aus« geführt werden. Jedenfalls ist vor allen Dingen daran zu erinnern, daß die französische Staatsschule, ganz nach den Wünschen der Sozialdemokratie, eine» Unterricht in der Religion überhaupt nicht mehr kennt. Die französische StaatSschuie bat einen ausgesprochen kirchenfeindlichen und übrrharpt christen« feindlichen Charakter; und ganz augenscheinlich strebe» die neuen Machthaber in Frankreich dahin, die Heranwachsende Jugend nach ausgesprochen aotteSleugnerischen Grundsätzen zu erziehe». General Andrö, der Kriegs Minister unter Waldeck-Rouffau und Kriegsministrr auch unter CombeS, hat ja in einer Ministerrede von dem Gottesbegriffe als von einem vollkommen Überwundenen Standpunkte gesprochen; und auf
rMM-rkiMkMM lims litt! tnhtftt.
Halbvergeffene Geschichten aus den 30 er und 40 er Jahren deS 19. Jahrhunderts von B. S. Coester.
88 ------ (Nachdruck verboten.)
Das Stück war zu Ende, Diener erschienen, -ordneten die Stühle an den Wänden entlang, entzündeten die Krone und reichten Limonade und kleines Backwerk herum.
Ich suchte den Wirth auf, mit der Bitte, mich der Flachsblonden vorzustellen, ich mußte ihre nähere Bekanntschaft machen.
„Wen meinst Du nur?" fragte Bernhard erstaunt.
Er hatte als Souffleur mitgewirkt und die kleinen Intermezzos nicht bemerkt.
Mit einer Schulterbewegung wies ich nach der Dame hin, die mitten in einem Kreise von Herren stand und jene offenbar herrlich unterhielt.
Bernhard sah hin, schüttelte den Kopf und packte seine eben an ihm vorbeischlüpsende Frau am Rock: „Suseliebes, wen hast Du uns denn da eingeladen?"
Suseliebes Augen wurden noch größer vor Erstaunen, als sie, den Blicken ihres Gatten folgend, die blonde Dame musterte.
„Wer ist denn das, ei du großer Gott, wer ist denn das? Bernhard, Du mußt hingehen und sie fragen, wo sie herkäme."
„Aber Liebling, wie kann ich das?"
„Bester Mann", war die energische Antwort, ---Du brauchst Dich nicht zu geniren, diese Dame
diese Melodie wir nu« wohl die ganze neue Untklkichtspolitik in der französischen Republik gestimmt sei».
Kommt das so, wie zu vermulhen steht, bann ist bet Kulturkampf in Frankreich i« aller Form unvermeidlich. Wird nach den Rezepte» regiert, die Herr Combes am l-tzren Dienstage in der Pariser Abgeoldmtenkammir empfohlen und als maßgebend für die RegierungS • Politik auf den Gebieten der Kirche und der Schule bezeichnet hat, dann ist ein völliger Bruch mit dem Vatikan unvermeidlich. Darin würde u-öglicherweise der Vatikan auch seine politische Steliungnahms zu der Republik eteer Korrektur unterziehe», und die weitere Fsrge kö:nte alsdann die fein, daß wieder ein mosrarchtschsr Thronbewerber beffere Aussichten auf @ifo?üe erkält. Vor all-n Dingen aber würde durch solche Maßregeln der Reßierurg hrffemlich der christliche Sinn in der sranzösiiche» Familie wachaer ült-lt und es wüt de dadurch auch einigen Bischöfen kiar werde», daß kein Friede z Äschen der Kirche und dieser Republik bestehen kann, die den Atheismus zum Staatsdogma erhebt. DaS neue französische Ministerium gibt vielleicht durch seine religionsftindltche lieber schärfe den ersten Anstoß zu einer allmählichen Umirälzung in Frankreich wieder zum Gute«; in diesem Sinne könnte man kaum anders urthnlen als so: je wilder die re!igio?sfeinüliche Verblendung ihr Wese» treibt, desto eher wird Aussicht auf eine Wandlung zum Besseren, die stch tut dem Volke heraus im Gegensatz? zu DieserR-gierung vollzieht, vorhanden sei».
Berlin, 11. Juni 1902.
X Der zilerchstag hat vor feiner Ver« tagursg dis zum 14 Oktober am heutigen Mittwoch roch zwei T'hurgkn ab^ehalten, von denen fcte dne früh 9 Utjr, dir andere Nachmittags 3 Uhr begann. Ja oer Vormttlagssitzung handelte es stch um die zweite L sang des Süßstoff-Ge seyeS, das in der Kommiffion eine ganz andere Gk stakt erhalten hat, geMissermaßen auf ganz anderer Grundlage aufgebaut worden ist. Die Regierungsvorlage enthielt nur eine kräftige Besteuerung der künstlichen Süßstoffe; die Kommiffion hat Beschlüffe gefaßt, die auf ein grundsätzliches Ver bot der Fabrikation und der Einfuhr künstlicher Süßstoffe hinauSlausen. Nur in Apotheken dürfen diese Stoffe roch frilgihalten werden, wmn sie besondere Stlaubniß dazu haben; und sie dürfen nur verwandt robben zu wissenschaftlichen und zu Zwecken der Heilkunst. Alle Redner befleißigten stch möglichst kurzer Darlegungsweife. Nur die Vertreter der Sozialsimokraten und Freistnr igen hielten überhavpt eigentliche Reden, nämlich die Abgeordneten Hermes (frelf.VolkSp.), Fischer- Sachsen (sozd.) und Pachnicke (freis. Vereinig ), die in theilweise mehr als lebhafter Redeweise gegen daS Verbot der künstlichen Süßstoffe Widerspruch erhoben. Abgeordneter Becker ——WUMM
ist keine Dame und gehört nicht in unser Haus. Geh nur — gelt Herr von Adlerskopf Sie gehen mit meinem Mann?" — Ja, das that ich gern, denn ich war selbst zu gespannt aus des Räthsels Lösung.
Wir näherten uns der unbekannten Schönen, ,.die eben in eine Makrone biß und der es ganz hörbar schmeckte und Eßler, sich verlegen die Hände reibend, den lachenden Kreis der sie umgebenden Herrn durchbrechend, fragte zaghaft, wen er eigentlich die Ehre und das große Vergnügen habe, bei sich zu sehen.
Erstaunt unterbrach die Schöne ihre Beschäftigung und fragte mit vollem Mund, ohne jede Scheu: ,
„Was wollest?"
Das war genügend, um Eßler zu beweisen, daß er wirklich keine Dame vor sich habe, und er fragte nun seinerseits ziemlich kurz, wer sie fei, und wie sie hierher in sein Haus tarne.
Diesem energischen Ton gegenüber verlor das Mädchen ein wenig von ihrer Sicherheit und meinte in halb unwilligem, halb weinerlichem Ton, sie sei doch das Gretche Tannebaum aus Marköbel und mit ihrem Kusseng Schorsch hier, der sie eingeladen.
„Zu gütig von diesem „Schorsch", bemerkte Herr Eßler ironisch, wo steckt denn der edle Herr?"
„Grad iffer mal ausgetrete", war Gretchens Antwort, und freudestrahlend nach der Thür zeigend, rief sie „Siste, do iffer jo. Du Schorsch, gehste gleich her!"
Schorsch erschien, geschmückt mit einem von blauen Perlen gesticktem Einsatz, der die Stelle des Vorhemdes vertrat, eine Pelzmütze auf dem
vom Centrum oerthetdigte die Vorlage im Jnn- reffe der Landwirthschast. Im Namen ter Mehrheit des Centrums erklärt der Redner, daß, diese die Vorlage in der Fassung der KommiffionSbefchlüffe avnehmen wird. Ein Theil des CsutrumS — so erklärt der Redner zum Schluffe — macht seine Zustimmung zu der Brüsseler Konvention von der Annahme des vorliegenden Gesttz-s abhängig. Der nstl. Abgeordnete Dr. Hasse sprach gegen die Beschlüffe der Kommlsftor-, der fteiko^s. Abg. Gamp dafür. Gegen die Vorlage spricht Abg. Hofmann-Hall (iüdd. VolkSp), für dieselbe der nationalllbsrale Abg. Dr. Paasche. Ueber den zweiten Paragraphen wurde namentlich abgestimmt. Es ergab sich die Annahme Dieses Pa-agraphen mit 193 gegen 115 Stimmen. Der Minderheit gehören tn die Sozialdemokraten, Freifirnigen und die folgenden Mitglieder der Natiovalltberalen und der Cmlrums - Partei: Beck-Aichach, FuS- argel. Kirf», Marbe, Rtvtelen. Schaettgen, Spick, Stephan, Timmermann, Trimborv, Weißenhagen, Wöllstein, — Baffermar.n, Beumer, Büsing, P.inz Schö-iaich - Curolath, Depken, Endemann, Esche, Franken, Srmler und Uhtemann. Man sieht, daß vom Centrum nur wenige Stimmen aegen die Voilage abgegeben sind. Der els-e Paragraph handelt von der Entschädigung der Fnbri« len. Ein freistimiger Antrag, die Entschädigung auf das achtfache anstatt aus das sechsfache eines jährlichen Reinertrages zu bemessen, wird vom Gchatzftkretär Freiherrn v. Thielmann bekämpft und vom Hause abgelehnt. Angenommen wird ein Antrag des freikonservatioen Abgeordnete« Gamv, bei der E Mittelung des Reinertrages einen Höchstgewinn von 4 Jk. für das Kilogramm oorauszulktzm, und mit diesem Zusätze der ganze § 11. Der übrig? Theil des Gesetzes gekargt nach kurzer Debatte i* der Fassung der Kom- missiou-S. Anträge zur Annahme Nur wird noch zum zwö'ften Paragraph-« ein AbänderunzS-A«. trag des sreikonfervativrn Abgeordneten Gamp angenommen, wonach der Reichskanzler ermächtigt robb, schon vom Tage d-r Publikation biesrS Gesetzes ar. den bestehenden Fabriken vo>zuschrei- den, wie viel sie noch fabriziren dürfen Das Gesetz soll am 1. April 1983 in Kraft treten. — Die NachmittagSfitzung, den dritten Lesungen und Gesammtabstimmuvgen gewidmet, brachte eine ergötzliche Auseinand-rsetzung zwischen den freisikmigen Abgeordneten Dr. Barth und Richter auf der einen und Herrn Singer von der Sozialdemokratie ans der anderen Seite. Die ersten beiden tadelten die Sozialdemokraten wegen deren leerer Demonstrationspolitik: sie spielten sich als Wohlthäter ihrer Wähler auf, stimmten gegen jede Zacket steuer, verschwiegen aber, daß dann unbedingt andere Steuern als Ersatz dasüe angeführt werben mußten. Herr Singer rächte sich, indem er den Freisinnigen vorhielt, daß sie ja ohne die Hilfe der Sozialdemokraten gar nicht mehr im Reichstage vertreten fein würde« I Danach wurde das Zackersteuergesetz fast einstimmig angenommen; nur der kons. Abg v. Siouly stimmte dagegen. Unmittelbar danach er folgte die Annahme des Süßstoff, gesetz es in dritter Lesung und in der Grsammt- absttmmung gegen die Freisinnigen, Sozialdemo.
Kopf, und eine kurze Pfeife qualmend zwischen den dicken Lippen haltend.
Ohne irgend welche Notiz von uns zu nehmen, ging er auf fein blondes Büschen zu. „Du Gretche", meinte er, vollkommen gemüthsruhig, „mer fan err, die Danzerei is hier newe an in die „Drei Hase".
„Na drum aach", sagte Gretchen wieder ganz unbefangen und mit einem freundlichen, „adjis beisamme", verließ sie an Kuseng Schorschs Hand den Saal.
Noch lange aber bildeten Gretchen Tannebaums naive Bemerkungen das Gesprächsthema unseres Kreises.
Zu dem sich nun anschließenden Souper führte ich Fräulein Bertha von Seschen zu Tisch.
Es ging außerordentlich heiter zu, am lustigsten aber wohl in jener Ecke, wo neben Kaut und Frl. Eßler, Ferdinand O' Donell mit der bildschönen und zu allem Frohen stets aufgelegten Tochter unseres Majors, Mathilde Bertuni, saß.
Das schöne Paar schien für einander geschaffen und es wurde wohl an diesem Abend der Grund zu dem Herzensbund« gelegt, den sie, fast unmittelbar nachdem O' Donell Leutnant geworden, der Welt kund und zu rotffen gaben.
Unser junger trinkfroher Fähnrich war längst mit seinem Tischroein fertig, der im kristallenen Flakon vor jedem Herren stand, und hatte wiederholt aber vergeblich den sonst so aufmerksamen Lohndiener Arens um Ersatz gebeten.
„Sofort, gleich!" Mit diesen Trostworten verschwand er stets aus dem Bereich von O' Donells Stimme, der zuletzt so ungeduldig wurde, daß es Bernhard Eßler auffiel. Ganz ärgerlich rief
kraten und mehrere Natrorralltderalen. — Die dritte Lesung der Brüsseler Zucker-Kon» vrntion brachte ein Rede-Duell zwischen dem Reichskanzler Grafen Bülow und dem Abg. Fürsten Bismarck, wobei dieser Letztere daS letzte Wort erhielt. Ec bezeichnete die Konvention als einen Sprung ins Dunkle, wogegen der Reichskanzler lebhaften Widerspruch erhob. Ma« kamt nicht sagen, daß Abg. Fürst Bismarck allzu höflich in der Hin« nnb Widerrede verfuhr. — Dte Äbgg. Herold (Ctr), Graf Kunitz ltons.), von Rarborff (fretlonf.)und Müller-Fulda (Centrum) hatten zu bet Konvention einen Zusatz beantragt, daß die Kündigung des Vertrages zum September 1908 oder später rechtzeitig zu erfolgen habe, wenn nicht vorher der Reichstag seine Zustimmung zur Verlängerung gegeben habe. Reichskanzler Graf Bülow lehnte biefen Antrag ganz entschieden ab, worauf er von dem Abg. Herold zurückgezogen wurde. Die namentliche Äbstimmmtg über die Konvention ergab deren Annahme mit 209 gegen 103 Stimmen. — Das Branntroeinsteuergefetz wurde alsdann in der Schlußabflimmung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnige« ebenfalls angenommen. — Reichskanzler Graf Bülow verlas die kaiserliche Verord« mmo, wodurch der Reichstag bis zum 14. Oktober vertagt wird. Alsdann wurde die Sitzung — nach abermals 3^2 stündiger Dauer, beinahe neun Stunden Sitzung an einem Tage! — mit einem lebhaften Hoch auf den Kaiser geschlossen.
* Der Wechsel im Kisenüc-hnminifteri««. Die ,Post' hält es für sicher, daß Minister Thielen bald nach Schluß des Landtags von seinem Amte, das er 11 Jahre lang in der vortrefflichsten Weise verwaltet habe, zurücktrete« werde. — Dte .Kreuzzeitung' meldet, als Nachfolger Thielens sei vor längerer Zeit bereits Herr d. Podbielski genannt worden. Gegenwärtig sei aber ein anderer nicht mehr aktiver General für bas Amt des Eisenbahnministers in Aussicht ge- nommrn. Der .Braunschw-iger LandeSzeitung' wirb von Berlin aus guter Quelle gemeldet, zum Nachfolger des Ministers o. Thielen fei bet Wirkliche Geheime Oberfinanzrath Lehmann, zur Zeit im Finanzministerium, ausersehen. Diese Nachricht erscheint bet .Germania' sehr unglaubwürdig, obwohl Geh. Rath Lehmann nach feinet Affefforprüfung im Jahre 1882 zur Eisrnbahn- verwaltung übergetreten und vor seiner Berufung inS Finanzministerium von 1889 bis 1891 Direktor des GifenbahnbetriebSamtes in Braunschweig gewesen ist. Die .Kölnische Zrstung' kneldet, daß Minister Thielen sich nicht leicht ent- schloff?» habe, von seinem Amte als Leiter deS Ministeriums ter öffentlichen Arbeiten zurückzu- treten. Ausschlaggtbend sei für ihn die lieber* zeugung gewesen, daß jüngere Kräfte nöthig seien, die wasierwirthschastlichen Vorlagen, welche nach Verabschiedung des Zolltarifs und Abschluß der Handelsverträge mit aller Kraft durchgeführt werden sollten, zu vertreten. Die .Köln. Zeitung' bezweifelt allerdings, daß bet Nachfolger ThielenS die Leitung beider Verwaltuttgen, der Eisenbahnen und des «auwefens in einer Hand weiterführen könne. Beide Verwaltungen hätten sich inzwischen
er Arens an und befahl, den Herrn sofort zu bedienen.
Da zeigte sich aber Arens erst in seiner ganzen Größe. „Herr Eßler", sagte er bestimmt, der kann warten, er hat jetzt schon genug, und wird bald zuviel haben".
„Einerlei", meinte aber Eßler, „geben Sie ihm sofort anderen Wein!"
Mit einem bedauernden Achselzucken lehnte Arens alle weitere Verantwortung von sich ab, und brachte dann sehr, sehr langsam dem leichtsinnigen Fähnrich eine etwas über die Hälfte gefüllte Flasche.
Zu mehr verstand er sich absolut nicht, et kannte sein Pappenheimer.
Nach dem Souper drückten sich diejenigen, die kein Vergnügen am Tanz selbst und keine Verpflichtung hatten, tanzende Töchter zu chaperonniren.
Tische und Stühle verschwanden blitzschnell und fröhlich, aber für heutige Begriffe sehr feierlich und ehrbar begann das Tanzvergnügen. Mit steif gestrecktem Arm hielt man seine Schöne von sich ab und bemühte sich redlich bei Mazurka und Contre danse durch zierliche Pas und Com- pliments ihren Beifall zu erwerben.
Dazwischen wurden Erfrischungen hemmge- reicht, Bowle, Limonade, Zuckerwaffer — (ein Getränk, welches sich damals besonders die Damen — sogar in Restaurants und Hotels — vorsetzen ließen und welches erst vom Bier verdrängt wurde), — die beliebte Mandelmilch und — Bouillon. Letzteres würde mir selbst jetzt fast unglaublich erscheinen, wenn nicht ein tragikomisches Vorkommniß, welches sich während des Tanzes ereignete, meine Erinnerung bestätigte.