Einzelbild herunterladen
 

WA

täglich, ,hme kxr -«nd FEier- 1C, s.edeÜötKt

■JIA. <H# Mt eri«ni#r2,«t »te*

3- P«‘3<UM *”

ung

ptkMoail« a». e

wird entfpre

Äabatt gei

Hamen die Petit, geile 2L Pfg.: bet

Jnferete» $1* einspaltige «eile oder Seen» RaumtSPsa.Si»

mit Lea Beilagen

IBushirte Sonntags-Zeitung“, „Suldaer 0e$d)id)isblätter" und Eotterie-fiste.

Ich ging den ganzen Tag auf die Jagd nach — Insekten, Fliegen, Käfern, Würmer«, und brachte fie meinem Kuckuck, der so wild in seinem pyramidenförmigen Korbe umhertobte, daß ich diesen gegen daS Umstürzen mit Steinen be« schwere« mußte. Der Gefangene verschmähte alle Leckerbissen, die ich ihm verschwenderisch dar- reichte. Schon am dritten Tage war mein armer Kuckuck tobt. Er wollte sterben. Ich machte mir Borwürfe, dem freiheitliebenden Mitglieds der Vogelrepublik Wölkenkuckucksheim gegenüber den grausamen Kerkermeister gespielt zu haben — freilich zu spät. Seitdem liebe und achte ich den Kuckuck, trotz seiner etwas perfiden Eierlegerei in fremde Nester, doch als einen ehrenwerthen, gesinnungstüchtigen Kerl, der lieber in bei Tod geht, ar8 Knechtung und Kerkerung erduldet.

Nächst der Nachtigall ist wohl kein anderer Bogel so allgemein im Volksliede gefeiert worden, wie der Kuckuck. Aus den in allen Ländern er­tönende« Kuckuckssagen könnte man ein reiches Universalpoom zusammenstellen. Wenn mir der Vogel auf Erfrage« noch zehn bis fünfzehn Jährchen zufichert, werde ich mich dankbar be­weise» und ibn mit homerischem Schwung in einer „Kuckuckmde" poetisch zu feiern versuchen.

An« dm IrzeMlm» Mtt Walkt.

Studie vo» S.

(Nachdruck verboten.)

Bei den großen Meistern, der christlichen Kunst kamen die Anlagen uab die Neigung zu dem er­wählte« hohe« Berufe oft schon i« den Kinder­jahre« zum Ausdruck. Es möge das an einigen Beispiele» gezeigt werden. Peter Cornelius wurde zu Düsseldorf am 23. September 1783 geboren. Bereits in früher Jugend offenbarte sich sein angeborener Kunstsinn, indem Abgüsse im Antikensaale und Bilder dazu dienen mußte», den schreienden Knaben zu beruhigen. Im Alter, in dem der Schulbesuch beginnt, reinigte er seinem Vater Pinsel und Palette; bald wurde er zum Zeichne« »ach de« Striche« Rafael'scher Bilder angehalte«. Schon als zehnjähriger Knabe schnitt et Bildet in schwarzem Papier auS, die er «ach den Stellen der biblischen Geschichte sich erfand. Ueber sein- erste« Arbeite« schreibt Cornelius: „Es wat nicht leicht eine Gattung bet Malerei, worin ich mich nicht geübt, wen» es verlangt wurde. Es waren oft geringfügige Aufträge (Kalenderzeichnungen, Kirchenfahnen), denen ich eine Kunstweihe zu geben trachtete, theils aus angeborenem Triebe, theils nach der Lehre meines Vaters, welcher immer sagte, daß, wenn man sich bemühe, Alles, was man mache, auj's beste zu machen, man auch bei ollem etwa- lernen könne."

Johann Friedrich Overbeck wurde am 3. Juli 1789 zu Lübeck geboren. Er war ein Sohn des Se»ators Dr. Oocrbrck; die Mutter Elisabeth, geborene Lanz, wachte mit liebevoller Sorgfalt über ihren Sohn, der ei» schüchternes Kind war und dem sie ein tiefes religiöses Ge­fühl ei^pflanzte. Merkwürdig ist, daß er, der evangelische Knabe, unzählige Male in die arme und verborgene katholische Kapelle zu Lübeck sich schlich und dort stundenlang vor einem Mutter - gottes-Bilde weilte, das er mit Ehrfurcht und Entzücke» betrachtete, dabei im Stillen erwägend und hoffend, daß et einst als Mann im Stande sein werde, ein solches Bild zu male». Und diese Hoffnung hat ihn nicht betrogen. Er ist ein gottbegnadeter Künstlet geworden und der BegrÄnder der neuen christlich deutschen Maler­schule. In Rom machte er sich mit Stolbergs „Geschichte der Religio« Jesu" bekannt und las den Thomas von Kempe«, den et so lieb gewann, daß et ihn auch andere» empfahl. Durch das Studium der Kirchenväter gewann er allmählig „die volle, feste, vernunftgemäße U-berzeugung, daß die von der katholischen Kirche aufbewahrte Lehre die wahre, nämlich die von Christus den Apostel« und durch sie der ganze» Welt für alle gegebene Lehre sei. Wie vor ihm Veit, Schadow und Christian Schlosser, wurde er ein Mitglied der katholischen Kirche. Am Palmsonntage den 13. April 1813 legte er vor dem Altar des hl. Aloysius in der St. Jgnatius-Kirche zu Rom das feierliche Glaubensbekenntniß ab und wurde ix den Schoß der Kirche ausgenommen, um fort­an, wie er selbst eS sagt, „für seinen Verstand einen leitenden Stern, für seine Seele unaus­sprechliche Ruhe, für sein Herz volleSfGenügen zu finden^. Das erste Bild, das er nach seiner Konversion malle, war „die Madonna mit dem Kinde".

Die Ahnung und Sehnsucht, welche sein Seele bewegten, als er als Knabe vor dem Matienbilde in der Kapelle zu Lübeck kniete, hatten sich erfüllt. Der verehrungswürdige Mann bewahrte in feinem ganzen Leben ein reines Herz

und bei allem Ruhme einen demüthige» Sinn. Die heilige Gottesmutter, zu welcher Overbeck schon als Kind durch Gottes Gnade geführt wurde, hat feine Andacht und sein Verlangen mit Wohlgefallen angenommen und mit herrlicher Gewährung gesegnet.

Melchior Paul von Deschwanden wurde geboren am 10. Jaguar 1811 zu Stans, dem Hauptorte des KantonS Unterwalden in der Schweiz. Des Knaben frühestes, liebstes Spiel­zeug war die Kreide, die Kohle, die Bleifeder. Da rutschte er im Ellernhause auf dem Ahorn­fußboden bet Wohnstube umher unb zeichnete auf ben glatten Tafeln die Gegenstänbe, die et sah, sowie die Bilder seiner Phantasie. Später wurden Tische und Bänke mit Sreibebilbetn Über­deckt und jeder Papierstteifen, dessen bet kleine Künstler habhaft werben konnte. Am liebsten zeichnete er das Bild bet hl. Mutter Gottes. „Mein erstes Erwachen", so schreibt er in seinem Lebensabrisse, „galt bet religiösen Malerei; mein erstes Ideal war die liebe Mutter Gottes, wenn ich sie als Kind in einigen unserer Kapellen unb auf unferm Fronleichnarns-Attare sah." An Fruchtbarkeit des Schaffens kommt nicht leicht ein Maler ihm gleich. I» ber Blü'hezeit seines künstlerischen Schaffens von 1840—1861 malte er 761 Oelbilder. Deschwanden fühlte wohl, daß er sich hätte beschränken sollen; aber er war zu edel, zu gut, zu fromm, um einer armen Kirche ober Kapelle ein Bild versagen zu können. Man kann wohl sagen, daß seit den Zeiten des gott­seligen Angelico da Fiesoie (f 1454) kein Malet den erhabenen Beruf, für die Religion unb die Kirche zu arbeite», durch bie Kunst zu predigen, zum Guten anzuregen, so streng erfaßt, so stand­haft durchgesührt und ihm fein ganzes Leben ge- weiht hat, wie Paul Melchior von Deschwanden.

UenaBcbtes.

- Der Schah auf Aeise«. AuS Leipzig, vom 4. »..wirb der .Bofsischen Zeit«»«' berichtet: Die drückende Hitze bei gestrige« Tage» hatte selbst dem Eidah, der doch in dieser Beziehung weit wem,er empfindlich ist, alS wir Mitteleurvpäer, gehörig zugesetzt. «IS er, zur Abfahrt nach Karlsbad bereit, seinen Salonwagen auf dem bay-rischen Bahnhof bestiege« hatte, machte er sich? bequem, setzte seine Lammfell- mütze ab, knöpfte den Hemdskragen ab, zog seinen R-ck au» und streifte die Hemdsärmel auf, und daS alle» höchst ungrnirt coram publico. Da«« lehnte er sich zum Wagenfcnstcr heraus und ,rnoß sichtlich befriedigt eine halbe Stunde lang - um fe viel war er zu früh gekommen — die Abendlüft. vorher halte er sich nach der Fahrgeschwindigkeit de» ZugeS erkundigt, und erst, als er erfahr, daß sie nur 80 Kilometer tn der Stunde betragen werde, war er beruhigt ldurch Rußland ist er 12 Tage und 12 Nächte gefahren!). So zeigte sich der „König aller Könige" den Leipzigern von höchstmensch- licher #itt„ zMude«. Die Direktion

des Blindeu-Jnstttutes auf der Hohe« Warte in Döb« ling veranlaßte einen ihrer weiblichen Zöglmge, Fräulein Isa Mittler, die Staatsprüfung für daS Lehramt in der frauzöstschen Sprache - der erste Fall in O-ster- „ich - abzulege«. S.e bestand dieselbe mit sehr gutem grfeiee und wurde berufen, den hierzu geeignete» Zög- l-ngen des Blinden-Jnstrtute» Unterricht in der franzö- fischen Sprache zu ertheilen. Auch die Staatsprüfung für daS Mufiklehramt Haren vier Zöglinge des Blinden« Institute», darunter einer mit Auszeichnung, abgelegt.

* Eine französische Agentur hat soeben einen aeaen den Schah von Persien angestrengten Prozeß ans Zahlung von mehr als 10,000 Mark für die Lieferung von etwa 48,000 Zeitungsausschnitten verloren, und auch M. Delcaffe hat sich nicht bewogen gefühlt, seine bekannte Rontine im Einziehen von Geldern in diesem Falle zu bethätigen und seine Beziehungen zu dem asiatischen Potentaten dadurch stören zu lassen. Die „Daily Chronicle" ermahnt nun die englischen Geschäftsleute, sich diesen Fall zur Warnung dienen zu lassen und bet der Anwesenheit des Schahs im geschäftlichen Verkehr mit demselben recht vorsichtig zu sein. Vorausbezahlung zu verlangen wäre ja der sicherste Weg zur Umgehung aller der­artigen Schwierigkeiten, aber dies dürste wohl kaum möglich sein'; jedenfalls wären hohe und weitreichende Credite in solchen Fällen stets vom Nebel.

* Der Lämmergeier als KindeSräuber. Aus Uzica (Kroatien) wird gemeldet: Ein nahegelegenes serbisches Dorf wurde am vergangenen Donnerstag in große Aufregung versetzt. Eine Feldarbeiterin, die sich zur Arbeit begab, ließ ihr einjähriges Kind in der Obhut ihrer elf Jahre alten Tochter zurück, die jedoch daS Kind ohne Aufsicht ließ und in den Hof trug. Ein Lämmergeier, der gerade den Hof umkreiste, erblickte das Kind, stürzte mit Blitzesschnelle aus seiner Höhe herab und entführte es in die Lüfte. Auf das Geschrei deS Müdes eilten die Nachbarsleute herbei, konnten aber nur mehr zusehen, wie der Lämmergeier mit dem aus Leibeskräften schreienden Kinde immer weiter in die Höhe stieg. Der Mndesräuber hatte sein Opfer mit sich in den Horst geschleppt. Die Bauern, die sich aufmachten, um dar geraubte Kind zu retten, erstiegen zwar unter unsäglichen Mühen den stellen Nestplatz des Lämmergeiers, aber fie fanden nur mehr blutige Knochen und blutgetränkte Kleiderreste vor.

• Die Klarinette al» Drvhmittel. Ein Klari­nettist nähert sich, wie der .Courier de Paris' erzählt,

M 131.

Jucöa, Mittwoch, den 11. Juni 1902.

Werzeichniß z,er NeirauschaffvngeA der StLsdischeu LaudeSbibliothek zrt Fulda

Siatlijahr 1901 (April 1901-März 1902).

(Fortsetzung)

«UovLeilch, gritbr.: Die Grabhügel von Lenbing-»' Sömmerda unb Nienstedt. Eit einer Geschichte ber Keramik Mittel« deuischlanbS.) Halle. Fol. — Heft 1 unb 2. 1883—84

Weltgeschichte. Unter Mitarbeit hervor« raaenber Fachgelehrte« herauSgegeben von Hel- ntolt. Leipzig und Wien. 8. — Bb. 3. (West- «sie« und Afrika), 1901.

Oe schichte ber Europäischen Staaten. «etauSg. von Heeren . . . (He ren-Ukert'sche Sammlung). Gotha. 8. Lfrg. 60, 1 unb II: <Hartman«; Italien imMittelalterlu. 11,1), 1901. — Lfrg. 61,1: (Blök: Geschichte ber Niederlande, I), 1901.

Schntttzeß' Europäischer Geschichts-Ko« lend er. N. F. HerauSgegeben von Rolof f. München. 8. - Ja'hrg. 15 (1899) unb 16 (1900).

JoHrhuudert. Das XIX. Jahrhundert in Wort unb Bild. Politische unb Kultur. Geschichte von Hans Krämer inVerbinbung mit Anbrrn. Berlin . . Wien. 4 - Bb. 4, 1900.

Sier«, Alfreb: Geschichte Europas seit be« Verträge» vo» 1815 bis zum Frankfurter Frieden von 1871. Berlin. 8. — 3b.3, 1901.

AMiotHek deutscher Geschichte . . . . HerauSg. vonH.v.Zwiedineck-Südenhorst. Stuttgart. 8 — [öb. 2.] (Mühlbacher: Karolinger), 1894.

D»ste«eckier, Otto: Regesta Diplomatie» neenon Epiatolaiia Hietoriae Thuringiae . . . . Jena. 4. — Bd. 1 und 2(500-1227), 1896—1900. *

Julius: Diplomatisch-Historische Forschungen. Gotha 1879 8. *

Mirvt, Karl: Die Publizistik im Zeit­alter Gregor- VII. Leipzig 1894. 8.

KelS»ter»«ge« und Ergänzungen zu Jans- -sen» Geschichte de« deutschen Volke». Heraus- gegeben von L. Pastor. Freiburg i. B. 8. — II, 2 und 3 (Der Karmelit Eberhard Billick); II, 4 (Jesuiten an ben deutschen Fürstenhöfen); II, 5 (Bauernkrieg in Steiermark, 1525); III, 1 (Kathol. Restauration in Königstein »nb Rieneck). — 1901-02.

Aamprecht Karl: Deutsche Geschichte. Berlin. 8. — Erg. Bd. 1: Zur jüngsten deut­schen Vergangenheit, 1, 1901.

Scheütheitz, Fr. G.: Allbeutschland au ber Jahrhundertwende, 1800—1900. München 1900. 8.

Kampf. Der Kamvf um da» Deutsch- thum. HerauSgegeben vom Alldeutschen Verbände. München. 8. — Heft 5 (Elsaß-Lothringen), 1902. — Heft 7 (Tirol), 1901.

Krone»: Oesterreichische Geschichte von 1526 bi» zur Gegenwart. Leipzig. 12. — Bd. 2, 1900

Aotze»zoKer« Ka-rÜmH. Forschungen und Abbildungen zur G.schichte ber Hohenzollern in Brandenburg-Preußen. HerauSgegeben von P. Seidel. Berlin und Leipzig. 4. — Jahrg. 4, 1900.

Aorm», Fritz: 200 Jahre Preußischer Geschichte. Gedenkschrift zum. 18 Januar 1901. Berlin 1901. 8.

Zeitschrift des Verein« für hessisch« Ge­schichte und Landeskunde. Kaffcl. 8. — N F- Bd. 25, 1901. (F. f.)

Der Kuckuck.

Plauderei von A. Straßburger.

(Nachdruck verboten.)

lieber den eintönigen Frühlingssänzer draußen im Walde sind gar mancherlei Märlei« ver­breitet. Sehen wir einmal zu, welche Rolle er darin spielt.

Ein Märchen, daS mir bie Mutter in meiner Jugendzeit erzählte, rangirt ben Vogel einiger­maßen neben ben alten ewigen Jude« Ahas- verus, ihn, wie tiefen, zum Opfer beS Zornes unserer Heilandes machend, ber ihn, wie jenen mit dem Wanderfiuch, mit bem Fluche belegt haben soll, big zum Enbe aller Tage feinen eigenen Namen auszurufen. Christus — so mutet bie alte Mä-r — ging einst an einem Backerlaben vorüber unb bat um Brob. Der tet*e» geizige Bäcker schlug rauh die Bitte ab, «ber seine Frau unb bie sechs Töchter waren mtlberen Sinnes unb schenkten bem Herrn je ein wob. Der Lohn blieb für fie nicht aus, benn «w fie starben, wurden sie als Siebengestirn an

ben Himnel versetzt. Aber auch beS Brod- fabritanten Lohn ließ nicht auf sich warten: er warb in einen Vogel verwandelt, der, so lange bas Siebengestirn vom Frühjahr bis zu Johanni am Himmel sichtbar, fortwährend den Menschen verkünben muß, baß er bet „Kuckuck" sei. — Zu jenem Volksmärchen gesellt sich auch noch bie, sich ebenfalls in ber Bäckersphäre bewegende Variation, daß ber bie Bitte des Herrn ver« weigernde Geizhals in theurer Zeit Teig gestoh- kn, der liebe Gott aber, Mitleid mit den hungrigen armen Leuten fühlend, durch ein Wunder den gestohlene» Teig während des Backen« ersetzt habe. Wen» nun der Bäcker das Brod auS dem Ofen gezogen und bas volle Ge­wicht, trotz seines Diebstahls, erkannt, sei ihm jzbeSmal bet verwunderte Ausdruck entfahren: „Guck! Guck!" Deswegen sei ihm auch für feine ganze künftige Vogelexistenz dieser Ausruf octroyirt worden. Die Bäckerprämisse ist der Vogel aber bis auf bie heutige Stunde nicht losgewotben; hört man doch in einigen Gegenden Deutschlands jetzt noch den ihm nugerufenen Sprich:

„Kuckuck, Bäckerknecht,

Sag mir recht,

Wie viel Jahr ich leben soll?"

Es ist ein scheuer, feiger Vogel, ber Kuckuck, daneben ein sprichwörtlich gewordener liederlicher, hinterlistiger Schelm. Ma« denke nm an die „Kuckuckseier", die der nichtsnutzige Bursche in fremde Nester legt und be« armen gelbtauben, bet Lerche, sogar ber kleinen Grasmücke, die Sorge überläßt, sie auszubrüten. Es wäre biefe Schalkheit, bie ja nicht vereinzelt im Leben ba- steht und auch von ««gefieberten Zweibein lern praktizirt wirb, noch zu verzeihen, wenn sich damit nicht die Grausamkeit verbände, daß der aufgedrungene Pflegesohn flegelhaft den eigenen Kindern ber Ziehmutter dos tägliche Brod gierig vor bem Schnabel wegschuappt und ohne Reue bie unschuldigen Kleinen dem Hungertode Über- lieferte.

Der Kuckuck gehört zu den Vogel-Touristen, die man Überall findet, in alle» Weltiheilen; ob auch in Australien, wo die Thierwelt eine absonderliche, kann ich aus eigener Erfahrung nicht behaupten. Bei uns i« Deutschland pflegt et schon im April einzutreffen, sich zu ver- heirathen, bis etwa um Johannis seinen Ge­sangsstudien obzuliegen, worauf er dann den Juli hindurch noch ein lautloses, kontemplatives Waldigen führt unb im August wieder von bannen zieht. Nut die im Sommer zur Welt gekommenen Kuckuckssprößlinge übe» ihre Flug- kraft noch bis »um September unb begeben sich bann auf die Reise.

Daß ber Kuckuck in Deutschland mit bem Volksleben in Connex getreten, ist bekannt genug. Wer hat von uns, namentlich in der Jugend, den zweiiönige» Sänger nicht gefragt: „Wie lange werde ich noch leben?" und sich nicht gefreut, wenn der Prophet darauf mit einem Schock Jahresrufe antwortete.

In England lebt ber fonberbare Vogel selbst in Dichterwetken. Ein altenglisches Bolkrliebchen beginnt mit den Worten: „Sommer ist gekom­men herein, sing' laut Kuckuck l" Selbst ein englisches Gek-rnobuchlted preist den Kuckuck als Bringer guter Botschaft unb Anstuger beS Früh­lings. Unb auch auf bie Bühne hat man ihn gebracht, Shakespeare hat ihn unsterblich gemacht in einem 1598 erschienenen Lustspiel, in welchem er de« Winter und den Frühling vorführt, jenen als griesgrämige Eule, die sich durch nacht- wächterisches Tuten, diesen als Kuckuck, ber sich in einem Wettgesang mit jener durch das froh­lockende „Kuckuck!" tunb gibt. Achnliches hat 1593 ber britische Komödienschieiber Thomas Nash in einem Stücke gebracht. —

Der Aberglaube, baß sich ber Kuckuck nach Johannis in eben räuberischen Habicht verwandle unb seine kleinen befiederte» Kollegen morde und verspeise, ist uralt. Damit wird dem armen Vogel aber ein Verbrechen angedichtet, dessen er nicht schuldig ist. Trift ein ehrlicher Insektenfresser und sollte darum nicht verfolgt werden, was übrigens auch selten geschieht. AuS ber Zeit, alS ich selbst noch Jäger war, erinnere ich mich, daß ich mit allen ehrsamen Waidmännern jede Aufforderung, einen Kuckuck — ebenso de« Storch — zu schießen, mit Verachtung zurückgewiesen habe« würbe. Wozu auch den willkommenen Alliirten des Lanbmanns und Gärtners gegen das feindliche Jnsektenheer tödtxn, der außerdem bisher so glücklich gewesen, noch nicht ben Zungen­kitzel überfeiner Gourmands zu reizen. Kuckucks- brate« schmeckt nicht.

Als ich noch als Knabe auf dem väterlichen Gute lebte, brachte mir einst ein Bauernjunge inen lebendigen Kuckuck, den er schlau in einer Pferdehaar-Schlinge gefangen. Ich setzte ihn in einen von Weide« geflochtenen Hühnerkorb, einen solchen, wie er in Ostpreußen benutzt wirb, um die mütterliche Henne mit ihren jungen Küchlein für die ersten Lebenstage ber letzteren zu bergen.

29. Jahrgang.