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29. Jahrgang.
gfutda, Mittwoch den 11. Juni 1902
JK 131
(Nachdruck verboten.)
87
0 Bei der Vertagung. ;
Zum zweiten Mal wird der Reichstag i versagt; einen dritten Winter also wird diese i ungewöhnlich lange Tagung der deutschen Volk«- < Vertretung umschließen, sovaß alsdann die ganze i Mandatrdauer dieses Neichetages nur in zwei ■ Tagungen zerfallen wird, von denen die erste zwei Jahre umfaßte, diese zweite nicht weniger als drei Jahre umfaßen wird. Wenn dann auch tiefe Riefentagung beendet fein wird, wird dieser Reichstag durch einen neuen zu ersetzen sein.
Die erste Tagung stand unter dem Zeichen Militärischer Forderungen. Flotte und Land Heer erhoben wieder einmal ihre Ansprüche an die Vertretung der Volkes unter dem verderblichen Einflüsse des Bewaffaungswettreuners aller Länder, und fie fanden die Mehrheit der VolKvertreter willig, diese ihre Ansprüche zu erfüllen. Und nicht minder hatte der Reichstag in der zweiten Tagung Gelegenheit, seine patriotiscke Bewtlligungssieudig- keit zu bethätigen in der Gewährung der Mittel für den chinesischen F-ldzug. Damals sagten die Herren am Regierungstische, das Geld könne ja niemals, niemals alle werden und widersprachen den Warnern in der Mitte der Volksvertreter, die weniger hoffnungsreich in dis Zukunft blickten. Jetzt ist bereits bei denselben Herren am Regie- rungstische der ständige Hinweis elr.g kehrt auf die Rothwendigkeit, neue Reichrsteuern zu be> willigen. Bier und Tabak sollen wieder einmal bluten — einen andern Ausweg aus der inzwischen eingekehrten Finanznoth kennen angeblich die Herren im Bundesrathe nicht.
Diese zweite Tagung steht unter dem Banne des ZollgefpensteS, daS fich nun als ba$ | langweiligste aller Gespenster entpuppt Hal, die| man j malS sah, so lange der Reichstag besteht. I Schon im Winter von 1900 bis 1901 sollte kS kommen, und sogar die Thronrede kündigte eS an, mit der der Reichstag eröffnet wurde. Aber eS kam nicht. Der erste Winter der gegen» WSrügen Riesentagung verging, und eS ver» «eigerte allen Anrufen, doch endlich zu erscheinen, den Gehorsam. Wieder ertönte« Warnungen auS der Mitte der Volksvertretung heraus: Man möge doch nicht länger zögern mit der neuen Zolltarif-Borlage, sonst werde eS nicht mehr möglich sein, sie in der laufenden Gesetz- gebungSPeriode deS Reichstages zu erledigen. Aber wiederum hörten die Regierungen nicht darauf. Die Offiziösen spöttelten über die Warner und rechneten aus, daß noch übermäßig viel Zeit vorhanden sei. Jetzt aber sagen so ziemlich olle politischen Wetterkundigen, biß die Verabschiedung der Zoüvorlagen während der MandarSdauer dieses Reichstages gänzlich unwahrscheinlich geworden sei. Beinahe stebzig Sitzungen hat die Zolltarifkommiffion de» Reichstages hinter fick>, und «och ist nicht viel mehr alS ein gutes Drittel oller Zolltarisposte« in der ersten Lesung durchberathen. Im Schneckentempo
schleiche« die Berathungrn dieser Kommission dahw, und wenn alles gut geht, dann köm-tt es ja sei«, daß fie ist der bevorstehenden Hoch- lommerzeit wirklich «och die erste Lesung zu E«.de brächte. Doch stehen alle die Industrie- Zölle bevor, die oh»e Zweifel erst recht wieder endlose Brrathungen hervorrustn werdet«, und bann kommt erster och dis ganze zweite Lesung,
von der vorläufig noch kein Mensch weiß, wann fie etwa vor fich gehen und um welche Zeit fie 1 enden könnte. Dabei ist von einer Obstruktion der Zollgegner noch keine Rrde gewesen. Diese steht uns nöglicherweise auch noch bevor, und wenn fie einsetzt, dann wird auch das letzte nicht mehr abzusehe» sein.
Und dabei sehen wir die Vertreter ver Verbündeten Regierungen in starrem Widerstand verharren g-geri alle berechtigten Forderungen und Wünsche der Vertreter derjenigen BolkLkrelft- denen sie die Geldbi willigungen für Heer unb Kriegt flotte vorher zu davk.n, bei denen sie die ihnen nothwendtge Unterstützung gesunden haben für kaS chinesische Kriegsabenteuer. Denjeutgkn machen die Regierungen Freuds, die jene patriotische« Forderungen ablehnten — so sehr, da' neuerdings die Streberelemente unter be's Links- I Parteien Morgenluft für sich zu wittern glauben und zu träumen anfangen von kmem goldenen Zeitalter für sie, in dem ihrs Leuts auf den Ministersesseln und in den Eiaatsftkretariaten ihren maßgebenden Einfluß spielen lassen könnten!
Unklarheit, Verworrenheit, völlige I Ungewißheit über das Gegenwärtige und Zu- künftige kennzrichnen die ganze poliüsche Lage Bei dieser neuen Vertagung des Reichstages noch weit schärfer und drastischer, alS bei der Vsr- taguwfl vor einem Jahre; usb wenn im Herbste bet Reichstag von neuem seine Arbeiten aufnehmen wird, bann wird er es mit dem stiebet- drückenden Gefühle thun, daß et vermuth- \ l-ch weitere Riesenarbeit auf dem Gebiete der Zollgesetzgebung umsonst thun muß, daß btt Rücheta, hcimgehen wrd noch zwei Jchre langer Arbeit, ohne dieses unglückselige Zollge- fpenst bannen zu tönnen. Außerdem wird auch dann baS unangenehme Bewußtsein an der Tagesordnung fein, baß bie Neuwahlen zum Reichstage unter einem Loosungsworte statt finden werde», baS mehr als jemals die reine Geldftage in den Vordergrund rücken u«b den Wahlkampf so unet qu'cklich wie nur irgend möglich gestalten wird. Wer wundert sich noch über die Zunahme bet ParlamentSmübigkeit?
Die Lage bei dieser Vertagung des Reichs- tags ist unbeschreiblich öde unb trostlos, und die Regierung trägt bie Hauptschuld daran. ES wäre bester gewesen, einen neuer. Rüchsiag her- beizurufen und diesem die Zollbürde aufzulaste«, als daS wenig anmuthige Schau« und Trauerspiel auszuführen, das wir jetzt arischen müssen mit der niederdrückenden Ahnung, oaß eS in drm । neuen Reichstage eine unvermeidliche Wieder- , holung fiaden werde!
lud uns mit einer Handbewegung zum Nähertreten ein. . .
Im Hintergründe des Saales war eine kleine Bühne aufgeschlagen, vor derselben stand eine Reihe Stühle, auf welche wir uns plazirten.
Eingedenk meines voreiligen Kommens, hielt ich mich jetzt desto bescheidener zurück und so kam ich auf die letzte, nicht ganz besetzte Reihe zu sitzen, voll Neugier der Dinge harrend, die da kommen sollten. Man hörte Kichern und Herumlaufen hinter dem Vorhang, schien aber noch nicht mit allen Vorbereitungen fertig zu sein, und so fand ich Muße, Raum und Gesellschaft ein wenig anzusehen. m ,
Das war nicht ganz leicht, denn die Beleuchtung war vorläufig des Theatersspiels wegen, noch ziemlich dürftig. Der große Kronleuchter warf bis jetzt nur die Lichtstrahlen zurück, die ihm von einigen, sich in seinen Krystallen spiegelnden Wandarmleuchtern gespendet wurden.
Dennoch bemerkte ich viele für mich fremde Gesichter unter den Anwesenden und vermißte liebe, alte Bekannte. So die beiden Familien Ruberus; dort hatten die jüngeren Kinder die Masern, nud um Ansteckung zu verhüten, besuchten die Herrschaften keine Gesellschaften mehr vor Weihnachten.
Neben mir, durch zwei oder drei Stühle getrennt, saß auch eine mir ganz fremde, junge Dame, im eifrigsten Gespräch mit unserem jüngsten Fähn- rich, dem lieben leichtsinnigen Knaben Ferdinand O' Donell. . . ,
Die Dame, die ich mit neugieriger Aufmerksamkeit musterte, hatte ein feines Gesicht, und sehr Helle, fast flachsblonde Haare.
Ruhestand zu trete»“. Möglicherweise »ii& nach dem Rücktritte von Thielen'S dir Absicht auSgeführt, die Wasserbauverwaltung auf das landMirthschaftliche Ministerium zu übertragen. Seit Jahren bereits wird darüber Klage geführt. daß die Wafferbausache« in Preußen gleichzeitig verschiedenen Ministerien unterstehen uab datum ohne Aufbören zu Kchwierigkeiteu und Verwickelungen Anlaß geben. Derselben,Rat.-Zig.' zufolge soll dem Kaiser bereits ein Antrag des BtaatsministeriumS in diesem Sinne vorliegen, und dann würde sicherlich daS letzte Minisletstündlei« Thielen's geschlagen haben; et war, so viel man weiß, stets ein Gegner dieser Versicherung. So bald könnte dieselbe übrigens gar nicht vor genommen werden, fontetn erst gleichzeitig mit dem neuen Etat, also mit dem 1. April 1903. Dann würde Herr von Podbielski gleichzeitig auch Kanalminister werden. AlS er Minister der Landwirth- schäft wurde, ging wirklich gleichzeitig dar Gerücht um, daß er berufen fei, bie Konservativen für de» Kanal zu gewinnen.
-f- Trichinenschau in Areutze«. Die Kommission drs preußischen Abgeordnetenhauses für die Vorberathung deS AussützrungS-GesetzeS zum Schlachtvieh- usb Fleischbeschau - Gesetz hat am Montag ihre Äerathungen begonnen, wird damit aber nicht so bald fertig werden, wie man anfänglich «ohl vermuthete. DaS Centrum hat fich bemüht, bie ersten drei Paragraphen, bie von bet Trichinenschau handeln, zu beseitigen oder boch abzuschwächen, so daß weriigstens für bie HauS- schlachiungen kein allgemeiner Zwang für bie Trichinenschau eirgrführt werde. Aber es ist mit diese« Bemühungen nicht durchgedtungen. Die ersten beiden Patagraphkn sind von bet Kommis- ston nach längerer Debatte in bet Fassung bet Regierungs-Vorlage angenommen worden, so daß danach alle Schlachtungen dem Trichinenschau- Zwange unterliegen, auch wenn es fich um HauS- schlachtungen handelt, bei denen man bestimmt weiß, baß allez Fleisch im eigenen Haushalte verbraucht wird. Der zweite Hauptpunkt, um den es sich dabei handelt, liegt in dem dreizehnten Paragraphen, durch den die Bezahlung der Kosten für dm Trichinenschau festgesetzt wird. Der dritte Parug-aph ist abgelehnt worben; et enthielt Ausnahme - Bestimmungen für bie hohenzollernschen
IIIII III.
Hastig drehte ich mich um, — da stand sie, wie aus dem Rahmen getreten im nämlichen Kleid, bezaubernd schön vor mir.
Das süße Oval des Gesichtchens, eingerahmt von dunkler Lockenfülle, einen Schmuck von Gold und Saphiren an Hals und Armen, einen feinen schwarzen Spitzenfchal leicht umgelegt, schaute sie mich freundlich an, mit den lieben, schönen, lachenden Augen. Dies Bild, das gemalte sowohl, als das lebende, ist mir unvergeßlich in die Seele gegraben.
Arme, schöne Susette Eßler!
Wie früh hat sie die Erde verlasfen muffen, wie bald brach der Tod diese holde Menschen- blume, und nie hat Bernhard Eßler diesen Verlust verwunden. Bald danach stürzte auch sein Haus zusammen, und der gastfreie, liebenswürdige Mann wurde zum menschenscheuen Einsiedler.
Armer, lieber Freund!---
Aber wohin verirren sich meine Gedanken.
Noch sieht 'ja die holde junge Frau in der Thür ihres Gesellschaftszimmers und fordert mich lächelnd auf, sie mit ihrem Bild zu vergleichen, noch bin ich selbst ein junger, sorgloser Leutnant, dem ttotz all der kleinen Mißhelligkeiten das I Leben lacht junb der jetzt Wachskerzen anstecken soll! — Mein und Bernhards Werk war nun vollendet, bald erschienen auch die ersten Gäste und der unvermeidliche Thee wurde herumgereicht.
Und dann kam für die Meisten, zu denen auch ich gehörte, eine lleberraschung.
Der Wirth führte feine Gäste durch das kleine Boudoir seiner Frau Liebsten und öffnete eine von hieraus gebrochene Thüre, die nach einem großen neuerbauten Saale führte, der sich im I Nebenhause über die Fabrikräume hinzog und
X Kisettvshnminist-r von Wiele« gehört seit Jahren schon zu beit schwankenden Mmistergestalten. Sein hohe« Alter berichtigt ihn auch vollkommen dazu, RuhebedÜrsniß zu empfinden; außerdem mußte er während her letzten Jahre mehr als eure unangenehme Er« fahrung auf politischem Gebiete machen. So Iflubigte er tn einer Rrde in Koblenz im Sommer des Vorjahres das Wieherkommen der Kanal« Vorlage für bie r ochste Tagung an, und barm kam die Kanalvorlage nickt. „Aus zuverlässiger Quelle“ gebt jetzt her Berliner ,Nattonal - Ztg/ die Mittheilung zv, daß Herr von Thielen „e»t- schlossen fti, unmittelbar nach der Beendigung der Landtags -Session In den
Irgend etwas Ungewöhnliches an ihrer Toilette fiel mir auf, was, kann ich nicht sagen, ich hatte für Damenkleider kein Auge. Nur daß sie schwane Filethalbhandschuhe trug, statt der üblichen Hellen Glacehandschuhe, das konstatirte ich sofort.
Auch ihre Haare waren in fo eigenthümlicher von der herrschenden Mode abweichender Art gemacht, daß es mir noch heute deutlich vorschwebt. Das Vorderhaar lag zwar wie üblich fast ange- schrniegt und durch einen Doppelscheitel getrennt über der Stirn, im Nacken aber hing ein Haar- ftrang tief herab, bog dann sich wieder nach oben und wurde auf dem Kopf durch einen dunklen Hornkamm festgehalten. Die Besitzerin dieses wunderlichen blonden Haarschopfes war offenbar sehr guter Laune, denn sie lachte und scherzte (etwas überlaut, kam es mir vor), vergnügt mit ihrem hübschen Nachbar.
Dem lustigen Gespräch wurde durch das Aufgehen des Vorhangs ein vorläufiges Ende bereitet, oder es wurde wenigstens in stark gedämpften Tönen fortgesetzt.
Unzweifelhaft nahm die Unbekannte regsten Antheil an der Aufführung. Titel und Inhalt des Stückleins sind mir total entfallen, nur erinnere ich mich noch, daß eine verfolgte Unschuld und ein alter frömmelnder Heuchler die Haupttollen darin waren. Letzterer wurde unübertrefflich gespielt von dem talentvollen, auch mir befreunbeten Assessor, Ernst Ammermann, einen Schwager des Regierungsrathes Schreck von Schrecksberg. Die Flachsblonde neben mir aber liebte und litt, jauchzte und jammerte mit der Heldin und bezeugte ihre rege Antheilnahme durch halblaute Bemerkungen, wie: „Na, so ’n Ekel!" ober;
Berlin, 10. Juni 1902.
x Kro»e, Kanzler «mb Parteien. Die ableh.ikuoe Haltung der preußische« Staats regle« mg gegen een konseroattvrn Antrag tm Abge- ordnstenhause, für eine Erhöhung der landwirth' schoftkichen Zölle über den Rigierungsertwmf thßug im Bandes rache ein utrete«, bildet noch immer d-u Gegenstand von Auskiianderfttzungen in der Presse. Dazu bringt die »Nordd. Allg. Zeitung' die nachfolgende, hochosfij'öse Mit- ihülung:
In verschiedenen Blättern tauchen über die Vorgeschichte der vom Ministerpi äfidenten Grafen von Bülow am 2. Juni im Ab- gecrKnettnhause abgegebenen Erklärung allerlei Erzählungen auf, denen der Gedanke gemeinsam ist, daß Graf von Bülow anfänglich eine entgegewtommenbe Antwort auf bie Interpolation (««trag! Red.) beabsichtigt habe und erst durch Se. Majestät den Käfter unh König zu einer anderen Haltung gedrängt worserr fti. Am weitesten geht darin ein rheinisches Blatt, das sogar angebliche Äeußr- rimgen Se. Majestät mitzutheile» weiß, durch die er« emgegenkommender Beschluß des Staats- misisteriumS umgestoßen worden fti. Wir müffen dieses Ge>chichtt«ttügen als Unfug be- zeichnen und stellen, um j-der weiteren Mythen- bildung vorzubevgen, hiermit fest, daß es für de« Reichskanzler und Mi-i terpräfidenten keinen Aua end lick des Schwankens darüber gab, welche Haltung ihm durch bie Interpellation aufgenöthizt war, usb daß er hierbei ebenso auf das Vertrauen der Krons wie auf die einstimmige Unter» stützuiugbeS StaatsministeriurnS rechnen konnte.
Der Verfaffer ber Mittheilung ist unverkenn- bar: eS ist der Reichskanzler selbst. Die Mit- theilung ist tn ihren Beweggründen sehr begreif» kich: es mußte dem Reichskanzler unangenehm sein, so hingest« llc zu werden, als habe er im Abge« orbnetenhause gegen eigenen Willen auf höheren Befehl gehandelt. Ader bei den Mehrheitsparteien des Reichstages wird diese Mittheilung bie Stimmung für ihn nicht verbeffern.
tMMs-SliMMW nm» ultra Suihrffku.
iHalbver,eflene Seschichten auS btn 80 et und 40 er Jahren dtS 19. Jahrhunderts von B. 6. Coe sie r.
„Bim", sagte ihr feines Sümmchen unter dem Glassturz, und mit Erschrecken sah ich, daß sie erst auf x/»7 Uhr zeigte. Für 7 Uhr war erst gebeten worden! Doch das half nun nichts mehr, | es war einmal geschehen. Während der Herr des Hauses bemüht war, auf einer Leiter stehend,! bie Krone zu entzünden, schritt ich auf einen Spieltisch zu, auf dem mehrere in silbernen Leuchtern stehende Kerzen ihrer Erleuchtung harrten. Als sie ihr fünftes Licht ausstrahlten, fiel mein Blick auf ein, über dem Tisch hängendes lebend großes Oelbilb ber liebreizenden Herrin des Hauses.
„Wie wundervoll und wie vorzüglich!" rief ich unwillkürlich aus und Eßler nickte mir vergnügt Bestätigung von seiner Leiter herab.
Frau Eßler war mir von ftüher her wohlbekannt; nach dem Bilde zu urtheilen, schien sie fast noch schöner geworden zu sein, als sie früher war. Herrlich hob sich ber weiße Hals und die schönen Arme von dem Rothlila des Seidenkleides ab. Voll Schelmerei funkelten die dunklen Augen auf mich herab, und fast glaubte man, ber frische rothe Mund müffe sich zum gewohnten fteunb- lichen Gruß öffnen.
„Nun, finden Sie mich ähnlich und gut getroffen, Herr von Adlerskopf?" fragte im selben Augenblick eine Stimme neben mir.
Lande.
+ DieAol««/rage reizt baSJntereffe un- ’erer westlichen Nachbarn in hohem Maße. Ein Pariser Blatt, baS der ftanzöstschen Regie- rung nahe steht, der ,Xemp5', beschäftigt sich in eigenartiger Weise mit der Marienburger Rebe des Kaisers unb mit ber Aeußerung brS Reichskanzlers Grafe- Bülow darüber im Reichstage. Die österreichischen Polen haben fich, wie bekannt, durch diese verschü denen Reben wiebrrnm sehr aufregen lassen, und (8 ist noch nicht ganz gewiß, ob es der öst-rli -chisch-n Regierung gelingen wird, den Poirvkiub von einer Interpellation barfiber im österreichischen Abgeorbnetenhause ab- zuhaliev. SK< diese Tha.sachen knüpft bet,Tempi' au unb schildert nun allerhand Gefahren, bie dem Dreibunde au6 diesen Vorgängen erwachsen könnten, benutze auch r,je Gelegenheit, um Oesterreich allerhand Nachtheile vorzuspiegeln, bie eS