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FuldnerMZeitmtg

mit den Beilagen

29. Jahrgang.

Jutta, Dienstag, den 10. Juni 1902.

42 130.

vriuk und Verlag der Auldaer AcllendrnLere» petersgage llr. 4 lDarmanle».

„/«nttEtrl»*: »rdaklian 3ol. Saum,

Jur jnlrrclt 3. ParjtlUr in L-Ida.

„lllustrirte Sonntags-Zeitung“, „Fuldaer Gescbicbtsblätter“ und £otterie-£i$te.

Erlckikint täglich. w Ausnahme der Sonn-und Feier- «aqe B'erlciiahrl. ß'-us°p"'' ohneBnngerohn und Besteügeld in nu(ba und QU«;

Inserate: Ti» einspaltige Delil» geile oder Deren RaumI5Pfa..Re« Hamen die Perit- zeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.

Abftbm der Kaiserin Friedrich. Die entsprechende

Voriaae ist diesmal dem preußischen Landtage,

kannt und der niemals abzunehmen schien) setzte

vergnügt und Herr Arens schrieb eine Null hinter

im Tag geirrt haben. Aber nein, auf rage bestätigte mir der Johann, daß man

die Missive, worauf er freund- ich mich annen zog. meine Fi

meinem Namen in

lich grüßend von dannen zog.

Landtagsabgeordneten wollte. Ja bemfelbe* andere Leute, die sich nennen, noch bet der Reichstage de» frei«

dringen, daß es für die Guiammtheit der

Nattonalltb-rale« gar nichts Allgemeines mehr — , .

gibt, und damit das werde», was ma» de» rote blkannt, noch nicht zugeganger, soll ihm aber Anfang vom Eade zu nennen pflegt; und auf' nnA »tr>-v oMienf<68inli<6 balbomtlichen An» solche unsichere Brücken will die nattonalliberale

Parteileitung nicht treten.

Die Absage des General»Sekretärs Patzig an die Herren in Greifswald bedeutet, daß die natio*aUtbetale Parteileitung vor dem Einflüsse des linken freifinnfreundlichkn Flügels ihrer Partei zurückgewichen ist. Soll man das als ein kenn­zeichnendes Merkmal der gegenwärtige» Partrt- klitterungen innerhalb der verschiedenen Schattirun» gen unserer Liberale» betrachten? Daß manche Freisinnige mit Waden st» Lachsen und auch mit | Wasserstiefeln wieder einmal recht lüstern nach I dem Apfelbaume blicken, an dem als Früchte Minister»Slffel, Staats»Sekretariate und dergl. hängen, ist offenbar. I» der Zucker-Kowmisfiou btS Reichstages nannte kürzlich ein Freisinniger sich und seine politischen Freunde bie„R-gierung8- Partei saus phraae“, und bei der Sozialdemo­kratie hat mau seit einiger Zeit ein neues Re­gister gezogen in der Schimpf-Melodie gegen die Freisinnigen. Man übertrifft sich bei den Herren ^Genoffen" selbst an Grobheit dabe?. „In regel­mäßigen Abstanden," so ließ sich in den letzte» Tagen das Berliner sozialdemokratische Central- Organ vernehme«, „liebt es unsere freisinnige Presse, von großen Umschwüngen, vor. Konflikten und Götterdämmerungen dräuend zugleich und Hoffaungsselig zu schreiben. Das sind dir kriti­sche» Tage, ba der Seist des,Berl. Tageblattes' umgeht und Rudolf Moffe sich in seidenen Hof- Hose-, ahnungsvoll wandeln sieht.... In de« letzten Tagen war wieder einmal eine solch« Welt­wende. Die Junkerherrschaft verglühte i» Flam­men. und das brave liberale Bücge.'thum stand im Vorzimmer bereit, um dir schleifenden Zügel der Regierung zu übernehmen. Der mir der Promptheit eines kommandirten Parademarsches ausgeführte Auszug der Herren Bülow, Rhein- baden und Möller (aus dem preußisch?« Ahgeorb- netenhause) beflügelte die liberalen H'ffuungen. . . . ." Nicht übel geblasen! Aber u ist bitter für die Freisinnige», gleichzeitig von em .Vor­wärts' sich mit der Schmeichelei angerer- t zu höre», daß „dieseVertreter des freisinnige« Bo gertyumS um der Illusion der Juvkeisturzes willen den letzten Rest von Verstaub, um von Charakier nicht

«ach einer augenscheinlich halbamtlichen An» künvigung im kächste« Wmter zu^ehen. Der Ar laß zu doser ges-tzgeberischen Aendrrung soll vom Kaiser selbst ausgegangen sein.

Gesehenes einen Augenblick mit der Thür in der Hand stehen und stierte mich beuche biente an.

Es wurde mir unbehaglich zu Muthe. Sollte

dem seeikonservativen Dr. Rewold sprechen Wahlkreise haben aber ebenfalls »attono Liberal

fich nicht mehr stcher in seinem Wahlkreise Jena — aus allen diese» Thatsach-n zusammenge» «ommen erklärt es sich sehr deutlich, warum denn eigentlich die nationalliberale Parteileitung entgegen der früher» Gewohnheit eS seit einigen Jahren geflissentlich vermeidet, eine» ollgemei«e« nationalliberalen Parteitag eivzuberusen. Der Wunsch, daß daS wiederum geschebe« möge, ist mehrfach laut und deutlich in Einzelversamm­lungen und in der »attonalliberale» Press« aus­gesprochen worden; aber die Parteileitung hörte dos nicht, weil sie es nicht hören will. Eine solch« allgemeine Parteioersammlung tösnte die überraschende Tdatfache ans T«qeslicht

zu rede«, zu verliere» drohen."

Glücklich die Partei, deren Stellung und deren Einfluß-Thermometer mcht steigen und sinken mit

er fragend hinzu: „Herr Leutnant werden doch erscheinen?" „Aber selbstverständlich," nickte ich

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Halbvergeffene Geschichten aus d-n 30 er und 40 er Jahren deS 19. Jahrhunderts von B. S. Coeste r.

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Endlich kam mir Denkvermögen und Sprache wieder. „Kerl," schrie ich, und schnappte nach Lust, so zornig war ich, „gottloser Wicht, jetzt, — jetzt — be—hälft — Du ihn aber — auch!" „Zu Befehl, Herr Leitnant," antwortete Herr Leuiner prompt und mit einer bewunderungs­würdigen Schnelligkeit war er aus der Stube verschwunden, mich mit meinem Zorn und meinem Verdruß allein lassend.

Ich fiel schwer auf den alten Korbsesfel, der die Stelle des Großvaterstuhls bei mir vertrat, und grübelte über mein Geschick nach. Das fehlte noch. Gerade noch!

Müde, hungrig, verdrießlich, die traurige Ausficht auf Thee und Kommisbrod, einen gäh­nend leeren Geldbeutel und keinen Kamm! Ob ich bald Thee erhalten würde, erschien mir auch fraglich, denn Amandus ließ sich vermuthlich in der nächsten Stunde weder sehen noch hören.

,,Wollte ich dem Kerl auch gerathen haben!" dachte ich ingrimmig, hatte aber den Gedanken ffoch nicht zu Ende gedacht, als sich die Thüre öffnete und mein Famulus — ohne anzuklopfen, rote es beim Militär Vorschrift ist, — eintrat und nur ganz unbefangen meldete, ein Lohndiener wünsche mich zu sprechen.

Mir ahnte Gutes! „Soll eintreten," befahl lch Mit bedeutend milderer Stimme und Stimmung

bie Gefahren hin, die uns von Rußland her drohen, der L tztere bezweifelte namentlich die Be­fähigung der oeuischen Unterhändler, die nach B üffel entfan't worden waren. Beide Redner sprach » gegen die Annahme der Konvention. Auch Abg. Müller-Fulda vom Cenlrum meinte, ein Meisterstück hatten diese Diplontaten in Büffet auf keinen Fall abgelegt; und in klarer, überzeug" her Ausführung wie« er daran hin, daß bie in Trüffel vereinbarten Zölle ganz und gar den Intelessen der Lavdwirthschaft zu­wider laufen. Sud) ba« st llte Abg. Müller von neuem fest, daß unter der Herrschaft dieser Konvention der Kolonialzucker wahrscheinlich sehr „ billig zu un« hereir kommen und unsere eignen Er­

den Strahlen der Gnaden sonne der Regierung, zeugniffe gefährden würde. Lebhafter Beifall begleitete DaS ©entrurn kann sich (von der Sozialsemokratie wiederholt die Aurführungen der Centrumrrednerr. abgesehen) unter den größeren Parteien dieses Mt Interesse wurde dem sozd. Abg. Bern- Vorzuges ganz erfreue». Und gerade darin be- stet« zugehört — nickt wegen seiner AuS- ruht eins der allerststesten Grundlagen des feste» führungen über be* Zucker, sondern deswegen, C'strumf-Tburmes. weil er deuteseineJungfernrede im Reichs-

wurde. Staatssekretär Graf PosadowSky ühlte sich heute dagegen weniger sicher in der )arlLm;ntarische» Arena. Man kann getrost agen, daß er nirgends erheblichen Eindruck machte, als er bas Gespenst neuer Steuer» a» bie Wand malte, um Stimmung für bie Zucker» Vorlage bet Regierung zu machen. Auch an dieser Stelle ve-zeichnen bie Parlamentsberichte „Heiterkeit". Abg. Dr. Rösicke vom Bunde der Landwirthe sprach gegen bie Konvention und wies ebenfalls daraus hin, daß Rußland sich ja ausschließe und die Ausfuhrprämie» beibehalte. Aber alle Länder müßten diese Prämien tb» chaffe»; nur so habe man es ehedem verstanden. Für die Konvention sprachen dann »och die Ab« «ordneten Dr. Paa sche (natl), Gamp (frei» ons.), Graf Bernstorff-Uelzen (Deutsch» )annoöera»et), Dr. Barth (stets. Bg.), von Maltza» (kons), gegen dieselbe Abg. Dr. Hahn vom Bunde der Landwirthe. Dann wurde die Generaldebatte geschloffen und der erste Ar» tikel der Konvention mit großer Mehrheit an» genommen^ ebenso der Rest der Konvention. — Reichskanzler Graf Bülow wohnte der ganzen Sitzung bei, ohne fich ax der Debatte irgendwie zu betheiligen. Der Schluß des Reichstages wird am Mittwoch eteartei.

+ Zur M-SSmplrmg des Alüohok- WitzSranche». Dir Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses zur Vorberathung deS An» träges des Abg. Frhr». v. DouglaS hat ihre Berathungen beendet und diesem Anträge die nachfolgende endglltige Form gegeben:

„DaS HauS bet Abgeordnete» wolle beschließen, die t,l. TtaatSregierun, aufzufordern, schon in der nächsten Tagung nach dem Bor«ange der Gesetzgebung süddeutscher Staaten den Entwurf eines Gesetzes zur Verhütung und Einschränkung des schädlichen GenuffeS alkoholhaltiger Gerränke vorzulegen."

X Am Aeich»1age herrschte heute (Montag eine recht lebhafte Stimmung. Da« machte der Zucker, der für un« in Deutschland ebenso wie in den anderen Ländern mit Zuckerrübenbau eine ungemein hohe wirthschaftliche Bedeutung erlangt hat und auch in den Rrichreinnahmcn eine außer» ordentlich große Rolle spielt. Die dritte L.sung der Aufhebung des Diktaturparagraphen In Elsaß- Lothringen war binnen weniger Minuten ab- gethar; denn sie verursachte nicht die geringste Debatte mehr. Dann fo'gte sofort der Zucker- Vorlagen zweite Berathung. E« handelt fich dabei, wie man ja weiß, um zwei verschiedene Dinge: um die in Brüssel abgeschlossene internationale Vereinbarnnz, und um die Festsetzung der in­ländischen Verbrauchsabgabe. Die Kommission be« Reichstages hat, wie bekannt, dem Plenum den Vorschlag gemacht, beide Vorlagen zu genehmigen, j aber nur unter der Bedingung, daß zunächst die Jnlandsteuer auf 12 Mark, vom 1. September 1905 ab aus 10 Mark für den Doppelzentner I herabgesetzt wird (jetzige Abgabe 20, Regierungs­vorschlag 16 Mk.), die KoMingentirung bleibt und die Konvention nicht eher vollzogen wird, bevor das Zuckersteuergesetz im Reichrgesetzblatte ver­öffentlicht ift Die fre.sinnige Volkspartei schlug heute durch den Abg. Wiemer vor, eine Ver- brauchrabgabe von 14 Mk. festzusetzen. Die Ion» servativrn Redner Graf Kanitz und Graf Limburg-Stirum schlugen sehr kräftige Töne in der Generaldebatte an. Der Erstere wies auf

==- —sasssB—Bst tage hielt. Der neue Genoffe schien fich schon

ganz heimisch auf dem neuen Parlamentsbode» DrUrfuzes gU »ühlen; er sprach sicher und gewandt. .Aber

Berlin, 9. Juni 1902. ec hascht augenscheinlich ebenso, wie viele andere + (Siwe WenLeLel«»« be?f «enoffm auch, »«ch Absonderlichkeitt«: er bi.

- Dk»»schrtfte« t» il5ieu6en ist bereits hauptete rämlich, England würde von der Kor- ror längerer Zeit angekündigt worden. Die Ver- vention ben größten Schaden haben . . .! u«< anlaffung waren gewiss? Erscheinungen nach dem wunderte sich, daß er tüchtig dafür ausgelach

letzte» Ersatzwahl zum , _ finnigen Dr. Gothrin wählen helfen; und diese ft*b nun höchlich erregt über jene „nationale" Vereinsgründung. In einigen der Zeitungen, bie auf Bern linke» Flügel bet Partei marschtren, wird Sturm gelaufen gegen den Generalsekretär Patzig, unb höchst wahrscheinlich wird dieser auf seine Rede in Greifswald verzichten.

Es fehlte bekanntlich nicht viel daran, daß der un« sympathische Abg. Freiherr Hryl zu Herrnsheim aus her nationalliberalen Partei auStrat, und Herr Bass ermann, das Haupt der nationalliberalen Reichstags-Fraktion, fühlt

O Partei-Gruppirungen.

Nicht bie Centrumrpnffe oder konservative Blätter find es gewesen, die zuerst die Frage an ben Reichrkanzler gerichtet haben, ob er fick denn mit seiner Politik, namentlich mit seiner Wirth- schastSpolMk, auf die nationalliberale Partei stützen wolle. Diese Frage tauchte zuerst auf in ben Zeitungen der bürgerlichen Demokratie. Dem äußern Anscheine nach ist sie gar nicht unberechtigt; denn ungeteilten Beifall findet die Reichsregie­rung tm Reichstage, findet die preußische Slaatr- regierung im preußischen Abgeordnetenhaufe eigent­lich nur bei ben Nationalliberalen — genauer gesagt bei der Mehrheit der Nationalliberalen.

Denn diese find in fich so wenig einig, wie nur je zuvor, auch in wirihschaftlichen Fragen, eigentlich in diesen am allerwenigsten. In der nationalliberalen Partei sitzen Mitglieder de« durchaus fteihändlerischen und zolltariffeindlichen Handelsveriragivereinr; aber da« hindert dieselbe Partei gar nicht, auch Mitglieder des Bundes der Landwirthe aufzunehmen — oder umgekehrt, wenn man will. Und die eine, freilich die größte Gruppe der Nationalliberalen geht mit dem Zolltarif der Regierung durch Dick und Dünn.

Auf dem eigentlich politischen Gebiete sieht eS ebenso ans bei den Nationalliberalen. I» dem pommrrschsn Reichstagswahlkretse Greifs­wald-Grimmen haben Kosservatioe, Fretkonser- vative und „Rechis-Natronalliberale" einen „Ntio- nalen Wahloerein" zusammen gegründet; und um dieses Kind auS der Taufe zu hebe«, soll in Greifswald eine große Versammlung stattfinde», in der Herr Patzig, der Generalsekretär der nationalliberalen Partei, Seite an Seite mit

vorher wird 'n Komödienstück abgespielt". Haus.

Und dann erwartungsvoll an dem gelben Fast geblendet trete ich in den hellerleuchteten Bleistiftstummel leckend (den ich nie größer ge- Vorplatz und ziehe die Schelle. Der mir öffnende ..... * ’ ' > Diener blieb wie vor Erstaunen über etwas nie

und horchte erwartungsvoll auf, von welcher Seite Nach diesem angenehmen Intermezzo erschien mir eine jetzt so besonders willkommene Einladung mir die Welt bedeutend weniger mangelhaft ein­kommen würde. gerichtet, als mir noch vor einer halben Stunde

Herein trat würdigen Schrittes der allbeliebte! vorkommen wollte und ganz zufrieden setzte ich Lohndiener Herr Wilhelm Arens, ein weißer Rabe mich an den Tisch, den Leutner inzwischen gedeckt unter seines Gleichen, der nur den einen Fehler und ließ nur mein.frugales Abendbrod schmecken, hatte, so anständig, ja vornehm auszusehen, daß Der Tag des Festes^ erschien.

schon mancher fremde hochstehende Gast sich ihm Uebngens -- ich hatte mich verschrieben, als

vorgestellt hatte, und manche mit Hanaus in- ichvoni emer Einladung „zu nem Löffel^L-uppe timen Verhältnissen unbekannte Dame ihm ein gesprochen. Diesmal hieß e_>: „Zum Thee nu Schleifchen im Kotillon gebracht oder ihn in der nachfolgendem Souper .

„Nullpolka" (in der bekanntlich die Damen enga- ich "ff" «n dM bewußten ^age ange- giren) zum Tanz aufgefordert hatte. | nehmerwerse nicht viel Dienst g-habt hatte konnte

' Als- dich- Metis,»teige, flets wM-mmme I ’

H--- «”S trat bei mir ein, trotz feines w-rde., V, natürlich di- F-isn-

vollen Aeußeren rn bescheidenster Haltung wie Sonderheit der Scheitel, denn noch immer gewöhnlich hielt er m der liechten emen Blei- , nur Taschenbürstchen und das

stift, m der sinken eme große Liste, die Missive ^ende, unter dem Rücken desselben versteckte

m Kämmchen zu meiner Verfügung.

„'Ne Empfehlung von Herr und Frau Bern- Endlich war das schwere Werk vollbracht. Hard Eßler," begann er sein Sprüchlein, „und $ie Seitenhaare waren an den Schläfen stramm sie lassen Herrn Leutnant von Adlerskopf zum na$ ben Mengen zu gestrichen und kühn wölbte Mittwoch Abend zu 'nem Löffel Suppe bitten." bie tadellos gerathene „Tolle" über der Stirn.

„Wird getanzt, Herr Arens?" fragte ich $n meinen Mantel gehüllt, durchschritt ich

interessirt. • eiligst die dunklen, menschenleeren Straßen und

Arens nickte: „Awwer erst nach 'm Subbe, erreichte bald das mir wohlbekannte Eßler'sche

Man kann nicht bringend genug wünsche», baß die preußische Regierung be» gewünschten Gesetzentwurf schleunigst ausarbeite» möge. Ge­rade Preuße« bedarf seiner unter allen deutschen Bundesstaate» am allermeisten zur Bekämpfung namentlich der SchnapSpest in den oberschlefische» und wrstlichen Jndustriebezirken, aber auch zur Abhaltung der Heranwachsende» Jugend von dem chr schädlichen Atkoholgcnuffe. Sehr angenehm wurde man i» diesem letztem Sinne berührt von einer ZeitungSmellung der letzten Tage: danach beginnen akademische Behörden Ech-dungen an­zustellen über diejenigen studentische» Verbindungen, bie offizielle Frühschoppen abhalten.

4- Dom AleSerkarleK. In diesen Tagen hat in Köln unter dem Vorsitze des Gehrimerath« Jencke, be« Direktor« der Krupp-Werke, eine Sitzung derjenigen Kommission de« Crntralver- bande« deutscher Industrieller stattgesunden, die das Kartell- und Syidstatswesen bearbeiten soll. Er ist beschloflen worden, auf der betretenen Bahn zur Erreichung des lieberlartell«, des Kartells der Kartelle, fortzuschreiten. Alls in Deutschland be­stehenden industriellen ^Bereinigungen dieser A:d sollen nach dem Bffchlufle dieser Kommission dmch Rundsckr eiben auf ;eforbert werden, sich zur Er» reichung de« gedachten Zwecke« dem Crntralver» baabe anzuschließen, und da« Direktoüum kiffeS L'tztem soll eine besondere Abtheilung darin zu Thee und Souper erwartet würde und führte j mich in ein als Herren-Garderobe eingerichtetes ! Zimmer.

Der Mantel war bald abgelegt, und nachdem ich mich durch einen Blick in den zwischen zwei gedrehten Säulchen hängenden Toilettenspiegel überzeugt hatte, daß alles in bester Ordnung war, begab ich mich nach dem Salon des gast­lichen Hauses. Unheimliches Dunkel statt des erwarteten Kerzengefunkels umfing mich. Nur in einer Ecke brannte eine bescheidene Talgkerze, an deren Feuer ein hemdsärmlicher Mann sich be­mühte, einen Fidibus zu entzünden.

Als die Thüre aufging und ich eintrat, sprang er mit einem entsetzten: „Ach, Du großer Gott!" in die nächste Fensternische, offenbar um seinen etwas wenig gesellschaftlichen Anzug zu verbergen, kam aber fast unmittelbar wieder hervor und rief mit offenbarer Erleichterung im Ton: „Ach, Du bist's Adler, verzeih, daß ich Dich fo ungastlich empfing; ich fürchtete; eine der Damen wäre herein­gekommen, und ich habe, um mir beim Lichter­anstecken keine Flecken zu machen, den Rock aus­gezogen."

„Das sah ich, Bernhard," war meine Ent­gegnung, „und ich merke, ich bin zu früh ge­kommen, laß mich Dir helfen."

Das nahm er gern an, denn alle Diener waren von den Komödianten so in Anspruch genommen, daß Niemand Zeit fand, die Kerzen zu anzuzünden.

Ich bekam ein zweites Talglicht und ein halbes Dutzend Fidibusse und machte mich eifrig an's Werk.

Zuerst die prachtvollen 4armigen Bronzekande­laber, die vor dem hohen Spiegel rechts unb links die Alabasteruhr flankirten. (F. f.)