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Jtl 128.
Julöa, Samstag, den 7. Juni 1902.
29. Jahrgang.
G Der neue Kurs in Frankreich.
Senatsr CombeS ist nunmehr in amtlicher Form zur Bildung des neuen französischen Ministeriums vom Präsidenten Loubet aufgefordert worden.. Die Veröffentlichung der Ministerliste wird nicht lange auf sich warte» laffen.
Bor einigen Wochen Hai General Andre, der auch in dem neuen Robinet Kriegs Minister fein wird, bei einem Offiztersbankett in seiner Eigenschaft als Minister eine Rede gehalten, die in ihrer Art einzig dasteht und dennoch außer, halb der französischen Greiizpsähle wenig brachtet worden ist. Der KriegSminister sprach nämlich über Kirche und Gotteszlaube» und hat sich nicht entblödet, den Offizieren den Rath zu ertheilen, von diesen nach seiner An ficht übet« ständigen Begriffen sich abzuwenden. Was für rin Fanatismus, waS für ei« Haß gegen Gott und Christenthum gehört dazu, einen Kriegs Minister dazu zu bewege«, bei einer osfistellen militärischen Festlichkeit m dieser Tonart Reden zu halten! Das Thema gehört ganz und gar nicht in seine Ministerthätigkeit; aber der Mensch Andrö siegt mit seiner atheistischen Wuth vollständig über den Minister, so daß dieser Gotlesleuznung und vollkommene Abwendung von Kirche und Christen- thum seinen Untergebenen predigt.
Und wie war der Entwickelirngszang des Herrn Combes selbst? Herr Combes ist ein abgefallener katholischer Priester. Der Abfall erfolgte bereits in den Jugendjahreu des neuen Ministerpräsidenten; nichtsdestoweniger ist er nicht vergesst», und man kam, nicht anders als die Auswahl gerade dieses ManaeS als eine Handlung ausgesprochener Fündseligkeit gegen die Kirche zu betrachten. Die Parteifreunde des, Herrn Combes streben seit Jahr-n danach, nickt nur die diplomatische Verbindung zwischen Frank- reich und dem Vatikan abzubrechen. Im Budget» auSschuffe der Abgeordnetenkammer ist der Ausgabeposten für einen Gesandten beim hl. Stuhle schon mehrfach durch radikale Mehrheiten gestrichen worden. Roch immer wurde er im Plenum der Kammer auf die Befürwortung der Regierung hin wieder hergestellt; aber es ist sehr die Frage, ob in einem Ministerium Combes auch noch das Bestreben zur Geltung gelangen werde, die diplomatische Verbindung mit der päpstlichen Kurte aufrecht zu erhalten. Herr Delcassv, der bisherige Minister des Aeußern, würde ohne Zweifel auch in Zukunft ebenso da- für eintreten, wie er eS bisher gethan hat. Aber neuerdings ist eS fraglich geworden, ob Herr Combes diesen Minister deS Aeußern sich wieder« um aussuchen weroe. Verschiedenen Mittheilungen zufolge soll er nur geringe Neigung dazu besitzen und seine Augen auf andere Männer geworfen haben, natürlich ebenfalls ausgesprochen radikale Parteigänger. ES brauchte nur die französische Regierung zu wollen, dann würde die diploma
tische Vertretung der sra«zöfische« Republik beim Vatikan sofort zu einem Dinge der Vergangen- heit werden.
An die Sp'fce' de« Unterrichtsministers soll Herr Trouillot treten. Wie Herr Combes im Senate parlamentarischer Berichlerstatier über das sogenannte Vereinsgesetz war, so erfüllte in der Abgeordnetenkammer dieselbe Pflicht Herr Trouillot; und seitdem hat derselbe Herr Trouillot kaum eine Woche vorübergehen laffen, ohne eine Rede gegen die „Klerikalen" zu halten. Unter solchen Umständen muß man sich darauf gefaßt machen, daß der neue Km« in Frankreich nichts Anderes bedeuten wird, al« «ine stark vermehrte Auflage derjenigen Feindseligkeit gegen alles Kirchliche und Christlich«, die schon unter Herrn Walseck-Roufstau an der Tagesordnung war.
Ein radikaler Held entwickelte vor einigen Tagen bei einem von radikalen Parietqrößen in Part« veranstaltete« Fcstschnwuse sein Programm. ES war Herr Press ensö. Sei« Programm gipfelte in den Punkten: Verringerung Der militärischen Dienstzeit, progressive Einkommensteuer, Trennung von Kirchs und Staat Aber die erste und größte Hauptsache ist auch für Herrn P.efsensö der Krieg gegen die Kirche. „Gehen wir zum Angriffe über!" — rief er aus: „3tt der Zukunft ist kein Waffenstillstand mehr möglich zwischen der Republik auf der einen und unseren beiden tödtlichen Feinden auf der andern Sette: dem Militarismus und dem Klerikalismus." Run werden fich die Franzosen ja hüten Davor, abzurüsten. Da« „befreundete und verbündete Rußland" würde böse Augen dazu machen, wenn „daS treue und schöne Frankreich" mit dem „Militarismus" avfräumrn und etwa nach den unsinnige» Rezepten eines Pressens« ober eines JauräZ und seiner sozialistischen Genoffen ein Miliz-System eirführen und dadurch seinen Werth als verbündete Macht ganz bedeutend herabsetzen wollte. Solche Schwärmereien werden nach wie vor beschränkt bleiben auf die Reden nach dem Sekt ober vor de« Wahlen, um leichtgläubigen Leuten auf dem Lande wa§ vor- zugaukeln von bisher ungeah»ten Stern Nachlässe«. Aber baS LooS der Kirche wirb oermr-wUch unter der Herrschaft dieses neuen Kurses kein t^eidenS- wertheS sein; und daß den Radikalen die Trennung von Staat und Kirche wirklich als das zunächst anzustrebende Ziel oorschwebt, haben die Herren schon sehr deutlich in dem Budget- Ausschüsse der voraufgegangenen Abgeordnetenkammer ausgesprochen. In diesem AuSschuffe wurden bereits förmliche Anträge in diesem Sinne gestellt.
Der neue französische Kurs wird noch deutlicher alS seine Vorgänger darthun, daß die R publik kirchenfnudlich ist und immer weiter gedrängt wird auf dieser abschüssige« Bahn, mag sie nun wollen ober nicht. Alle Katholiken, alle Christen sollte« daraus dir entsprechenden Schlüffe ziehen!
fortmmMnMmmgni ums alten iimhchi!.
ftaltoergeffene Geschichten aus de» 30 er und 40 er Jahren dtS 19. Jahrhunderts von B. S. Coe st er.
84 ------ (Nachdruck verboten.)
Es ist aber gewiß nicht ohne Nutzen, dem heutigen Geschlecht, welches in seiner wohligen Sicherheit, als Angehöriger eines gewaltigen und starken Reiches, kaum mehr eine Ahnung davon hat, wie traurig und kläglich es vor 70—80 Jahren in unserem deutschen Vaterlande aussah, mal wieder in Erinnerung zu bringen, was seine Väter und Großväter in jenen Zeiten unter der Herrschaft eines zwar genialen, aber auch selbstsüchtigen Mann gelitten haben. Ohne Zweifel, Napoleon I. war einer jener menschlichen Erscheinungen, die nicht mit dem gewöhnlichen Maaßstab gemessen werden dürfen, aber — wie unter Blinden uns der Einäugige als König erscheint, — so möchte ich fragen, wäre Napoleon so groß geworden, wenn die Andern nicht so erbärmlich klein gewesen wären?
Wenn wir an unsere deutschen Fürsten der damaligen und der nachfolgenden Epoche denken, müssen wir schweigend unser Haupt verhüllen. Verständlich aber wird uns erscheinen, daß die Franzosen sich hoch, hoch erhaben über uns fühlten, und uns, die wir sie durch unsere thörichte Anbetung alles französischen Wesens in dem Glauben ihrer Ueberlegenheit gestärkt hatten, glaubten 1870 mit leichter Müh in die Tasche stecken zu können.
Gottlob, die große Zeit fand große Männer. Unser treuer alter Kaiser setzte selbst Blut und
Leben ein, sein Land zu schützen, der Dreiundsiebzigjährige scheute keinen Augenblick vor dem Krieg und seinen Strapazen zurück. Drum ward ihm zum Lohne, was seinem Vater das Schicksal versagte.
Nicht die Kaiserkrone meine ich, ach nein, die hat unser Heldenkaiser gewiß oft mehr als [eine Last, eine neue, schwere, ihm auferlegte Last empfunden, sondern die endliche Einigung Deutschlands zu einem großen starken Reich!
Er war glücklicher, wie sein Vater und hat es leichter gehabt, denn ihm stand ein Bismarck zur Seite, und kein Napoleon I. gegenüber.
Aber er hat es verdient, dieses Glück! — Ich bin dem lieben Gott dankbar, daß er mich 1870 mit erleben ließ, aber, meine lieben Kinder, ich habe auch 1866 erleben müssen.
Glaubt mir, es war hart, sehr hart, als ich das Kommando meines alten, lieben Regimen s niederlegen mußte, aber keinen Moment hat mich das Gefühl verlasfen, daß das, was für den Einzelnen schwer zu tragen war, ein Glück sei für unser liebes kleines Vaterland, für das Hessenland.
Schwer und hart war es für uns, die wir den Heb er gang mitmachen mußten, hart besonders für mich.
Seit jenen Zeiten, daß mein Ahn-Herr Wern- her von Adlerskopf mit starker Hand die Rechte des Enkels St. Elisabeth vertheidigen half, bis auf mich herab, haben wir Adlerskopfs stets treu und fest zu unserem Fürstenhaus gehalten, das mit seinen Hessen (was auch der Einzelne verschuldet haben mag) fest verwachsen war in Freud und Leid.
Nun hieß es verzichten um eines großen
Berlin, 6. Juni 1902.
+ Kei«e Fok-ra«z i* Sachse« Am letzten Donnerstag. glerchzeitig mit bet dritten Lesung des Toleranz Gesetzes im Reichstag», ist in der zweiten sächsischen Kammer die Interpellation besprochen morden, in der die sächsische Staatsregierung nach ihrer Haltung zvm Toleranz-Gesktze befragt wurde. Staatsminister v. Metzsch hat die Kammer über die Absichten bet sächsischen Regierung keineswegs im Unklar « gelaffen: die sächsische StaatS- regi erring wirb im Bunbesrathe gegen das Toleranz-Gesetz stimmen! Das war nach allem Voraufgegangenen leider nicht anders zu erwarten.
4- Aar preußisch« Kette«Ha«r ist zum 12. Juni Nachmittags 2 Uhr einberufen, um zunächst über die Polen-Vorlage zu berathm. Danach hat man mit Bestimmtheit anzunehmen, daß der Landtag mit dem Ende der nächsten Woche geschloffen wird.
* Der .Reichsanzeiger' schreibt: In der heutigen Sitzung deS Centralausschufsts der Aleichr- H««K wies Prästant Dr. Koch darauf hin, daß die Anspannung Ende Mai ebenso wie Ende April größer war, als im Vorjahre, indeffen sei die Lage doch durchaus befriebigenb. Der Metollbestand sei um 101 Mill. Mk. stärker, als 1901, der Golbvorrath so groß, wie nie zuvor. Die Anlage fei um 55 Mill. Mk. kleiner, die fremde» Gelber um 54 Mill. Mk. größer, die Notenresrrve um 30 Mill Mk. größer als im Vorjahre, w-n gleich die Ueberdeckung wieder geschwunden st' Der Rückfluß aus der Anlage in den letzten T iqen sei befriebigenb, die fremde« Gelder hätten sich um 11 Mill. Mk. vermehrt, obwohl die fu.me« Wechsele,urse nicht gerade günstig seien, !> stehe doch keine Besorgniß vor Gelbausfuhr. Ern Grund zur Diskontver- änderung sei * cht vorhanden.
X Gesetz hat heute (Freitag)
die Zucker-Kommiiston des Reichstages beschäftigt. Mit 18 gegen 10 Stimmen ist ein Antrag angenommen worden, nach dem in dem zweiten Paragraphen be8 Gesetzentwurfes ein allge- meines Verbot der Herstellung künft- licher Süßstoffe ausgesprochen wird. Dieser Antrag wurde eingebracht von de« Abgg. Dr. Paascke (natl), Prinz Arenberg (Centr), von Stauby (kons.) und Graf Carmer (kons.); vom Centrum stimmten dir Abgg. Speck und Müller-Fulda gegen den Antrag. Nur mit besonderer Ermächtigung deS BundesratheS soll fernerhin Saccharin hergestellt und aus dem Auslands singe ührt werden, und die Abgabe von Sacckarin soll in Zukunft nur solchen Personen g stattet sein, z. B. Apothekern, die die amtliche Krlaubniß zum Bezüge von künstlichen Süßstoffen besitzen. Die Fabrik^», die sich mit der Herstellung von Süßstoffe« beschäftigen, sollen
Zieles willen, auf anererbte Stellung im Lande, auf heimische Eigenart, untertauchen und fast spurlos verschwinden in dem großen preußischen Staatswesen!
Aber freilich, der Gedanke, einem solchen König fortan dienen zu dürfen, wie unser alter Kaiser war, der erleichterte Alles und entschädigte für jedes Opfer. Die alten Germanen mögen ihren Kriegsgott ähnlich verehrt haben, wie wir unseren „alten Kaiser", so geliebt aber haben sie ihn sicher nicht!
Jedoch wohin oerirren sich meine Gedanken, ich vergesse, daß ich „Leutnantserinnerungen", für meine Kinder hier niederschreiden, und von meinem alten Oberst erzählen wollte!
Aber ich habe nicht mehr viel von ihm, da ich von feinen Kriegserinnerungen nur das persönlich Erlebte wiedergeben wollte, zu berichten und zu sagen.
Als anno 13 der Kurfürst Wilhelm I. feine treuen Hessen wieder mit ihrem Namen nennen durfte, als Jerome mit fammt der französischen Herrlichkeit von dem Sturm, der von der Schlacht bei Leipzig herüber geweht kam, spurlos verschwand, da hatten sich auch die Kräfte des Leutnant von Krafft wieder eingestellt, und er konnte fich seinem Kurfürst wieder zur Disposition stellen. Bei den Gardeschützen fand er Wiederanstellung.
Nun bezog das junge Ehepaar eine bescheidene Giebelwohnung in der unteren Karlstraße, die außer 2 Mansarden, nur eine gerade Stube enthielt.
Man mußte sich damals einschränken, denn der schon jahrelang andauernde Krieg, der auch über das Hesfenland so schwere Zeiten gebracht hatte, die furchtbaren Steuern, die Jerome, aller«
i in entsprechender Weife entschädigt werden, ebenso wie es seinerzeit mit den private» Postanstalten geschehen ist, aber nur solche Fabriken, die den Betrüb bereits vor dem 1. Januar 1901 begonnen und auch noch in der Zeit vom 1. April 1901 bis 1. April 1902 regelmäßig betrieben Hasen. Das Gesetz soll nach einem ebenfalls mit 18 gegen 10 Stimmen gefaßten Beschlüsse am 1. April 1903 in Kraft treten. Dieser spätere Zeitpunkt wurde nach dem Vorschläge deS Schatz- htteiärS Frhrn. von Thielmann gewählt. Zuerst sollte das Gesetz schon am 1. Oktober 1902 in Kraft treten.
+ Ite prentzi/che Inristen-Aorlage wird allem Anscheine »ach, ebenso wenig wie die Vorlage über die Vorbereitung zum höheren Verwaltungsdienst, nicht mehr zur Verabschiedung im Abgeordnetenhause gelangen. Die Sitzung der fraglichen Kommisfion des Abgeordnetenhauses, die Donnerstag Abend stattfinden sollte, ist nachträglich abgesagt worden. Unter solchen Umständen gewinnt die zuletzt aufgetretene Nachricht von einem Schluffe de« Landtage» mit dem Ende der nächsten Woche sehr an Wahrscheinlichkeit.
X Der Zfieichskanzker u*b die Konservative Partei. Von ollgemeinem Interesse ist eine Kundgebung der Konservativen Korrespondenz, des ausgesprochenen Partei -Organs der Konservativen. In einem Artikel, der ganz augenscheinlich von der konservativen Parteileitung unmittelbar veranlaßt ist, wird die Haltung des Grafen Bülow zu dem konservativen Getreide- zollantroge im preußischen Abgeordnetenhause besprochen und darin u. A. das Nachfolgende gesagt: „. . . der konservativen Fraktion kann das Recht, die Stimmung ihrer Wählerschaft im Landtage öffentlich darzulege«, keineswegs streitig gemacht werden. ... In dem vorliegenden Falle aber handelt eS sich um Berücksichtigung einer großen BevölkerunaSfchicht, die mit voller Hingebung die Politik der R gierung unterstützt. . . Jedenfalls durfte man annehmen, daß die Behandlung des konservativen Antrages in einer weniger schroffen Form erfolgen werde. DaS demonstrative Verhalten deS Herrn Ministerpräsidenten ist darum allgemein bedauert worden; den» eS hat die konservativen Mitglieder des Abgeordnetenhäuser unnöthiger Weise schwer verletzt. Der Jubel der Linke» . . . dürfte als bester BrweiS dafür diene», welch g‘o§en Fehler sie (die Staatsregierung) mit der Behandlung deS konservativen Antrags- gemacht hat."
X Nie InterpeKatto» wegen der SHiffs- gesslkschaste« soll am nächsten Montag, de« 9. Juni, auf die Tagesordnung des Reichstage« gesetzt werde». Reichskanzler Gras Bülow hat fich bereit erklärt, sie zu beantworten. Recht eigrnthümlich wurde man berührt, durch eine jüngst weiter verbreitete Aeußerung des Direktors Ball in von der Hamburg-Amerika-Linie. Früher hatte diese Gesellschaft keinen lebhaftern Wunsch, als eine ReicdSunterstützung zu erhalte». Jetzt sagt Herr Ballin, diese Unterstützung w.rke nicht vorthtilhast; eine solche Industrie, wie die Sch ff- sahrt, müffe sich frei entwickeln. Warum wohl? Augenscheinlich paßt es Herr« Ballt« schlecht.
dings auf Befehl Napoleons, dem Land auferlegen mußte, hatten die Bewohner verarmt.
Dankbar nahmen Kraffts daher das Anerbieten der Madame Sonntag an, den kleinen Karl, an den sie sich unendlich attachirt, bei sich zu behalten, um so dankbarer, als Frau von Krafft einem Familienzuwachs entgegensah.
„Davon mag es herrühren," meinte der Oberst, „daß mein Sohn, „erster Ehe", der Karl, mir immer fremd geblieben ist. Ich glaub', ich war ihm stets „der Herr Vatter selig". Er hat stets „Sie" zu mir gesagt, und ist, denken Sie sich nur, — mein Sohn, ist Perre (Pfarrer) geworden! Unglaublich, nicht wahr? Nun, von den 3 andern Söhnen „zweiter Ehe", die Du und „Baba," wie echte Kasseler Plagen zu sagen pflegten, ist keiner „Perre" geworden, sondern prächtige, tüchtige Soldaten, an denen sein Vaterherz fich ehrlich erfreuen durfte.
Auf Hanaus gesellige Verhältnisse hatte die Veränderung im Regiment keinen Einfluß. Oberst von Krafft hatte weder die Mittel noch die Absicht, Gesellschaften zu geben. Das von Madame Sonntag ererbte kleine Vermögen feiner Frau hatte er benutzt, um sich vor dem Thor ein bescheidenes kleines Haus nebst Garten anzukaufen, und zwischen der Arbeit im Garten und dem Dienst theilte er feine Zeit.
Zu jenen Zeiten verlangte aber auch kein Mensch, daß ein Oberst, geschweige denn der Kapitän oder der verheirathete Leutnant, Gesellschaften geben ober repräfentiren müßte.
Gesellschaften gab nur, wer die Mittel dazu hatte, und das war damals in Hanau glücklicherweise bei Vielen der Fall, und ich will Eüch ein andermal auch davon noch Einiges berichten. (F. f.)