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CrntT und Verlar der Auldaer HttimSraltn» petcrsgailc Nr. 4 ivarmoniei.
M 127.
Juldcl, Freitag, den 6. Juni 1902.
29. Jahrgang.
M Aus Dr. Liebens Wahlkreis.
Herr v. Graberg ist nicht vom Nassauischen Bauernverein ausgestellt worden, wie er selbst in einem Schreiben an tie Berliner.Germania' fest- stellt, da der Bauernorrei« als solcher sich mit Politik nicht befaßt. Aber nach der G-reral- Versammlung des Bauernvereins am 4. Mai hat eine Zusammenkunft von Vertrauensmännern des Bauernvereins aus 68 Ortschaften stattgefunden, und bet dieser Gelegenheit ist Herr von Graberg alS Kandidat für die bevorstehende Ersatzwahl zum Reichstage aufgrstM worden. Herr von Graberg erklärt, er sei ehedem fest davon überzeugt gewesen, daß er als offizieller Centrums, kandidat aufzestillt «erden würde, nachdem Herr Dr. Porsch bie Kandidatur abgelehnt hatte: Gegen diesen Letzteren würde er niemals aufge< treten sein, aber durch die nachträgliche Ausstel- jung des „Rechtsanwaltrs Dr. Dahlem, eines im Wahlkreise größtentheils unbekannten Mannes, sei er schwer enttäuscht worden-. Herr v. Gra> berg stellt in seinem Schreiben fest daß Herr Dr. Dahlem „weder Mitglied des Nassauische» Bauernvereins ist, roch jemals JastiltartuS des- selben war". Der Stimmen des Bundes der Landwirtyr hatte sich Herr von Graberg für den Fall seiner Kandidatur rach seiner eigenen Mt- rheilung bereits im Anfänge des Monats April versichert; er hat davon auch „ganz offen den Herren des Wahlkomitees Mittheilung gemacht". Herr von Graberg schließt: „Ich bin aus innerster Ueberzeuzung Katholik und ein treuer Anhänger der Crntrunttpartet. Aber als alter Offizier konnte rch bisher meine Zurücksetzung gegen Herrn Dr. Dahlem nicht verwinden."
Herr non Graberg zieht also seine Kandidatur nicht zurück. Wenn die Dinge so bleiben, wie sie jetzt liegen, hat man also thatsächltch mit zwei katholischen Wahlbewerbern zu rechnen, bk einander dekämpsen wollen. Aus dieser unrr- quicklichen Sachlage gibt es nur einen Ausweg, nämlich den, daß alle beide Herren von der Kandidatur zurücktrete« und ein neuer CentrumSkandtdat auf- g e st e l l t w t r d. Es ist nicht hinweg zu leugnen, daß die Kandidatur Dahlem bei den Bauern lebhaftem Wider stände begegnet und auch stets begegnen wird. Ts ist aber ebenso wenig hinweg zu leugne», daß wiederum Herr von Graberg bei anderen Cent rums- kreisen auf Widerspruch stößt — nicht etwa deshalb, weil er der Vorsitzende des Bauern. Vereins ist und nachdrückliche Vertretung der bäuerlichen Interessen verspricht, sondern auS an. derrnGründen.derenTrörterung nicht hierher gehört. SS ist sehr die Frage, m ihm seine Versicherung, ein treuer Centrumsmann zu sein, die Pforten der CentrumSfraktion des Reichstages öffnen würde.
Noch ist es Zeit, die Kandidatenfrage in anderem Sinne zu lösen. Es fehlt auch gar nicht an einem geeigneten Manne, der treu auf dem Bode» des C'utrumsprogramms steht und bet allen Berufsständen gleich beliebt ist, auch in den bäuerlichen Kreisen des Lirberschen Wahlbezirkes. Wenn man einmal danach suchen wollte, würde mau ihn sehr bald finden!
IntiiMs-kliimm-ri imes alki tmhO».
Halbvcrgrfsene Geschichten aus de» 30 er und 40 er Jahren deS IS. Jahrhunderts von B. S. Eoester.
83 ------ (Nachdruck verboten)
Wir, d. h. eine kleine Bande von etwa aeossem Acshelaviek (8 Mann) mochten ungefähr ssorok werst (40 Werst — circa 6 deutsche Meilen) von Brodino entfernt sein; es war eine erbärmliche Kälte, und wir waren vollständig erschöpft, als uns die einbrechende Nacht zwang, unter den Trümmern eines abgebrannten Bauernhauses notdürftigen Schutz zu suchen. Den ganzen Tag hatten wir nichts zu essen gehabt, denn die Dörfer mußten wir ängstlich vermeiden, und hatten nur den brennenden Durst ab und zu durch etwas Schneewasser mildern können. Taumelnd vor Erschöpfung und Müdigkeit krochen wir in einem Kellerloch zusammen. Neben mir lag Gießer, der einzige vom Regiment, mit dem ich zusammen geblieben. Wer die anderen waren, ob Freund odex Feind, ob Offiziere oder Gemeine, — ich habe nicht die leiseste Ahnung. Hunger und Kälte, Krankheit und Entbehrung hatten alle sozialen Unterschiede verwischt. Aus dem todesähnlichen Schlummer weckte mich am anderen Morgen ein heftiger Schmerz an der linken Hand, und nur mit Mühe gelang es mir, eine hungrige Ratte, die sich darin festgebiffen, zu entfernen.
Auf mein Geschrei erwachten die Gefährten, die bereits glaubten, die Kosacken hätten uns überfallen. Rasch wurde ich von meiner. An-
][£kS neue jrarrzösischeMinisterium.
D<s Radikabn regieren j tzt in Frankreich. Sie hatten öJr den letzten Wahlen unter allen Parte en in Frarkreich die größte Macht. Jetzt, nach diesen Wahlen, kann gar keine andere Part i mehr gegen sie aufkornmen. Die Radikalen haben mit Herrn Leon Bourgeois den Präst'sentenstuhl in der Abgeordnetenkammer besetzt. Nun wird aus ihren Rethen auch dar neue Ministerium gebild-t.
Er ist kaum noch daran zu zweifeln, daß an die Spitze des neuen Kadinets der Senator Combes treten wird, ein radikaler Kulturkämpfer vom reinsten Wasser. Herr CombeS hat ais Geschichtsforscher einen guten Namen, auch über FrarkreichS Grenzen hinan«. Minister war er bereits einmal, nämlich ein ganzes halbes Jahr lang Unternchtrminister in dem rattkalen Krbinet des Herrn Bourgeois vom Oktober 1895 bis zum April des Jahre« danach. Es heißt, er w»rde neben dem Präsidium in seinem eignen Ministerium die Leitung des Kultusmimsterium« und des Ministeriums des Innern übernehmen; unb damit würden alle Maßnahmen gegen die relfg Öfen Genossenschaften allein seiner eignen Entscheidung unterstellt sein. Herr Combrs hatte auch dos Referat bei den jüngsten pmlarmnlarischen Kämpfen um dar sogenannte neue Vereinrgrsetz, dar bekanntlich viel eher die Bezeichnung „Gesetz zur Unterdrückung der Orden und Kongregationen" führen müßte.
Die Möglichkeit ist erwogen worben, in das Kabinet auch gemäßigt republikanische Elemente htneinzunehmen. Man dachte dabei nicht an Leute aus der Gruppe des Herrn Mslir-e. des Führers des rechten republikanischen Flügels selbst. Von dits-r Gruppe hct sich eine kleinere Gruppe unter der Führung des Abgeordneten Barthou losgelöst und ihre Stellung zwischen den Melinisten und den Radikal n genommen. Ihr gehört auch der erste Vizepräsident der.Ab- gel-rdneterikammer an, Herr Etienne. Aber in einet radikalen Putewrrsammlm 8 hat sich Widerspruch dagegen erhoben, semäl ate Republikaner in das Mi»istertum aufM^ men, und das Eade vom Liede wird eine aru sprocher-.e radikale Parteizusamwensetzung desj töen sei», wenn nicht zu allerletzt roch ein sozial stisch angehauchter Herr nach der Art des Herrn Millerand seinen Weg in die Reoierung hinein findet.
Daß Herr Delcassä Minister des Aeußern und General Andrä Ktteg?Minister bleibt, stand von vornherein sest; wahrscheinlich behält auch Lanessan daS Marineministerium. An der eanzen politischen Lage würde durch eine solche KabinetSbildung kaum etwaS geändert werde«. Ob diese letztere den Wünschen des Präsidenten Loubet vollkommen entspricht, ist zweifelhaft. Dieser hätte venvuthlich die Hinzuziehung gemäßigt republikanischer Männer sehr gern gesehen. Ein nationalistisches Blatt verhöhnt Herrn Loubet deswegen mit folgenden Worten:
„Herr Loubet hatte von Frieder« gesprochen (in der Rede, die er bei seiner Rückkunft aus Rußland in DüErchcn hielt I Red ) und nun antwortet ihm die Kammer mit einer Kriegserklärung. (Man glaubt nämlich, Herr Loubet WWWW >WzWMM»MWWSWWWMMWSMWMSSMSWW greiferin befreit, aber ebenso rasch entspann sich ein wüthender Kampf um das delikate, uns so unerwartet vorn Himmel bescheerte Frühstück.
Jeder erhielt schließlich ein Bröckchen, — fett war die arme Ratte leider auch nicht, — und ich, der ich doch das größte Anrecht hatte, mußte mich mit einem Schenkel begnügen.
Die Sonne war inzwischen höher gestiegen und es wurde Zeit für uns, unseren Leidensweg wieder fortzusetzen, den Weg, auf dem sie, die Leben spendende, und die Leichen unsere einzigen, aber unfehlbaren Führer bildeten.
Gießer hatte sich nicht gerührt, und als ich jetzt an ihm rüttelte und ihn zum Aufbruch mahnte, bemerkte ich an der Starre seiner Glieder, daß ich einen seit Stunden tobten Mann vor mir liegen hatte."
„Schrecklich, schrecklich!" schluchzte Tilde, die jüngste der Schwestern, „was mußt Du gelitten haben, armer Bruder, als auch der letzte Freund von Dir ging! Brach Dir nicht das Herz vor Traurigkeit,?" Leutnant von Krafft sah die Sprechende einen Moment mit trübem Lächeln an.
„Traurig war ich keineswegs, liebe Tilde," fuhr er dann fort, „im Gegentheil, gelacht hab' ich wie ein Narr, weil er sich doch nun nicht mehr wehren konnte, als ich ihm seinen ver- hältnißmäßig noch guten Rock aus- und mir anzog. Es hätte seine Schwierigkeiten haben können, da Gießer viel kleiner und schmäler als ich war, da aber der eine Aermel fehlte — er, war fammt dem linken Arm von einer Granate' fortgeriffen worden —, so ging es leidlich, und mit einiger Mühe gelang es mir, auch den untersten Knops zuzubringen. Den fehlenden
habe die ®iebera>abl Deschantt's zum Hamner» präsiderttn gewünscht! R<d) Er hätte bester hataes gtthan zr schweige, denn es ist immer lächerlich, die Miene eines Souveräns aufzu- steckra, wen« man «ach der Verfassung nur ein Knecht ist -- leite« zu wolle«, wenn man folgen muß. Links um. marsch! Di-ker Anfang der neues Kammer ist brdrittsrm. Ec beweist, daß sie noch sektirischer, gehässiger, übelthäkerischer sein wird, a!s die letze."
Berlin, 5. Juni 1902.
4- Mieder etanteil frte „Bsrs«»setz«»gs- tyse««. D e Besetzung der Lchrstüble an de« UriivnfilätLN wurde tu diesen l-tzten Tagen das Thema emtr Auseinandersetzung tm Fwanz-Aus- schuffe der bayrische« Abgeordneten-Kammer. Drr Geichichts - Professor Theodor Mommsen in Berlin war brkLMtlich mit einer Kundgrdur-g her- vorgeireten, in der er gegen die grundsätzlich-- Be- fttzurg brstitümter Lehrstühle an den Unioeifi'äten nut Katholiken W derfp-uch erhob; aus diesem Aklaffe Klaren ihm vo.i Professoren einzelner Universitäten Zustimmungs- Adr«stcn zugegangen — auch von day irischen Professoren. An diese Thttsrche knüpfte Abg Dr. Schädler on, indem er ausführt?, ihn iMercssire die Betheüigung bayerischer Professoren a« der Adreff» für Mommsen. Außerdem aber legte er nachorückl chen WiLrr- sprach gegen die herauSfordrrrrde Behauptung er«, daß gläubiger Katholizismus mit einem Lehr- Auftrage an einer Universttä urwerlräzlich sei; das Heiligste, was ein katholischer Student zur Universität mirbringt, dürfe nicht durch un« cläub'ge Hock chul. Lehrer grsährdet werde«. Libeial« und ^i'ttalsemo^rates suchten natürlich bie AussÜhr n -r deü Abg. Dr. BLädler zu erlftäften. E k,mmt aber darauf nicht weiter an. Nur dm *<• t es anerkannt zu werden, daß der sozialdrwo" mische Abg. von Volkmar richtro ' as r- ft.tzt», was man unter Freiheit der Wiffe^schLsr .«a vr:stehen hat; denn er wies in diesem Kinne garauf hin, daß auch katholischen Gr lehrten die Feeihelt in der Forschung gewährt werde« muß. . . Theodor Mommsen beschämt durch ben Führer der bayerischen Sozialdemokratie! — Bon Bedeutung sind außerdem die AuSsühruRgen deS bayertsckeA RultuSmlnifletg Dr. dor Landmann. Er wies daraus Yb», daß btt den Berufungen ans Lehrstühle an den Universitäten nicht nur die wistenschaftlichr Tüchtigkttt und die Lehrbefähigung, sondern auch die verschiedenen Richtungen zur Geltung kommen müffen. fei also auch geboten, daß tn Geschichte und Philosovhie die katholische Richtung den gebührenden Platz erhalt« — wie in Straßburg, wmübrr eine besondere EätrüstunZ gar nicht angebracht ge- w-ftn fei.
-V Kie preußische AuriZk« Morkage het, wie bekannt, rosntg Aussicht auf Annahme im Abgeordr«ter.hnuse, obwohl destm zuüändigr Aermel ersetzte ich, indem ich dgs eine Hosenbein über den Arm zog, das andere dann um den Hals legte und über der Brust befestigte. Ach, war das himmlisch warm! Die Hose hat mir hernach ein anderer wieder abgenommen, einer, der eben stärker war, als ich, aber den Rock behielt ich, und in dessen Tasche befanden sich auch die Orden und die Brieftasche, die ich, wenn möglich, seiner artnen Frau bringen möchte."
„Hier ist sie," sagte Frau Linchen, die Tasche vor ihren Mann hinlegend, „wird es Dich nicht zu sehr erregen, sie zu öffnen? Sie ist verschlossen und einen Schlüssel fand sich nicht.",
„Gib her," bat Herr von Krafft, „oder vielmehr bitte ich Sie, lieber Doktor, sie mit Gewalt öffnen zu wollen; zugeschlossen ist sie nicht, zugerostet durch Blut und Nässe."
Als der Doktor Krasft's Wunsch erfüllt hatte, ergab sich, daß die Brieftasche nichts enthielt, als jene kleine Tasche, in welche Frau v. Krafst seiner Zeit das Vergißmeinnicht-Bouquet gestickt hatte.
„An jenem Tage," fuhr der Leutnant, nach dem dies Intermezzo erledigt war, fort, „hatten wir auch insofern Glück, als wir kein mal durch herumschwärmende Kosacken belästigt wurden. Diesen Unholden gegenüber hatten wir Wehrlosen nur eine Waffe; sahen wir sie bei Zeiten, so stellten wir uns tobt und verkrochen uns möglichst hinter Schneehaufen.
Freilich neigte sich der kurze Wintertag bereits seinem Ende zu, ohne daß ich, außer dem Rattenschenkel, irgend etwas zu essen erlangt hatte, und fast ohnmächtig vor Hunger wankte ich als Letzter hinter den Andern her. Plötzlich drang
Kommission sie iit der erste« Lesung a«genommett hat. A« heutige« Donnerstag hat diese Vorlage in der Kommisston die zweite Lesung durchzu" machen, und oirlfrch .oird die Vermmhung laut' daß diese zweite Lriung schon in derselben Rom« miifion mit der Ablehnung der Vorlags enden werde. Anders Der alt es sich mit dem Gesetz« entwmse über dir andere Regelung des Vorbe« reitungSdirrsteS für die höheren Vrrwaltungsbr« amten. Eine allgemeine Erörterung, die in derselben Kommission darüber ftattfanb, ergab die Tbatsache, daß die M-hrheit der Vorlage freundlich aegenüber steht.
X Neue Meichsstsuer« i« Sicht? Der Rüchs Eiat für 1903 wird mit einem Fehlbeträge ton 70-80 Millionen Mark zu rechnen habe» — so versicherte der Schatz - Sekretär Freiherr v. Tdielmann in der Zuckersteuer-Kommission des Reichstages, und zwar ungerechnet die Vrr« m.nbetung der Einnahme aus der Zuckersteuer. Deswegen verkündet Eugen Rrchter's.FreisiLnige Z'g.' neue R ichssteuern M Gicht! Der Schatz« Kekrrtär und auch der preußisch; Fmarizminiftrr haben im Laufe der Berathungr» der Zuckrrsteuer« Kommission in diesem Sinne auf Erhöhungen der Tabaksteuer u-rd der Biersteuer hingewiesen. Habe« dieHrrren denn schon w eder vergessen, daß Redner aller Parteien im Reichstage erst ganz kürzlich nachdrücklichen Widerspruch gegen diese Möglichkeit erhoben haben? Die Herren Ober-Finanzmänner werden darum gut daran thun, nach einer andern Lösung dieser Finanzfrage zu suchen. Sich jitzt schon in der P c ff; darüber aufzurege», wie das Defizit von 1903 zu dickm sein werde, hat gar keinen Zweck
+ Ai- I- L-r.AsmmWo« hat heute (Donnerstag) die Kontingentirung« - Anträge mit 15 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Die Zustimmung zu der Brüffeler Konvention enthält der angenommene Schlußparagrcph: „Der Reichstag ertheilt seine Genehmigung zu dem in Brüffel übgeschloffenen Vertrage über die Behandlung des Zuck.rs. . ." Vorbedingung ist ober eine Einigung äb;r die Jn'andsteuer, mit der cs noch weite Wege hat. — Am Freitag wirb zunächst das G-setz über Besteuerung bet Süßstoffe von der Kommission berathen, bevor die zweite Lesung der Zucker-Vorlage begonnen wird.
□ Mannheim, 5. Juni 1902. Heute Mittag 12 Uhr fand in Anwesenheit de« Groß- herzog«, der Großherzogin, des erbgroßherzoglichen Paares, der Prinzen M<x und Karl, sowie der Damen und Herren des Gefolge« und zahlreicher geladener Gäste, darunter Mitgliedern beider Kammern, die feierliche Eröffnung der land- wirthfchaftlichen Ausstellung statt.
——————»m——
Ans dem Keichsla-e» X» 187. b»m 5. Juni 190*2.
Die üttrrnattonale Vereinbarung zum Schutze der für die Landwtrlhschaft nützlichen VSgel wir» in ttster Berathung erledigt und gleich darauf auch in zweiter Lesung angenommen. — In der Debatte gibt
Abg. AeeKH (frcif. Bolksp) feiner Freude über di- endliche Vollziehung der Vereinbarung Au-druck, gleichzeitig aber auch seinem Bevauern darüber, daß Italien der Be embarung nicht beigetreten ist. Nnoerständltch erscheint es dem Risue-, warum auch Rußland, Däne- maik und Holland nicht beigetreten find. Einige ■man—■■■ i i'imaaiMi । um um in !■—mhm der Jubelruf „loschedej, loschedej1' (Pferde) an mein Ohr und flößte mir neue Hoffnung und neue Lebenskraft ein."
(Ich muß hier einfügen, daß mein alter Oberst gern mit den paar Brocken russisch, die er noch wußte, renommirte, und da er sie unzählige Mal wiederholte, haben sie sich mir oben so fest in's Gedächtniß eingeprägt, und jetzt renommire ich damit.)
Was wir fanden, übertraf unsere kühnsten Erwartungen. Denkt Euch das Glück, nicht nur 2 tobte Pferde fanden wir, etwas seitlich vom Weg liegend (und daß das Fleisch frisch geblieben, dafür hatte die Kälte gesorgt), sondern auch einen umgestürzten, mit etwas Stroh gefüllten Karren! Mit wahnsinniger Gier stürzten wir uns auf die todten Thiere und als der erste wüthendste Hunger gestillt war, beriethen wir, wie wir die Karre am zweckmäßigsten als Nachtquartier Herrichten könnten. Die reichliche Nahrungszufuhr hatte unsere Kräfte gestärkt, und so vermochten wir, nachdem wir einen kleinen Platz oberflächlich vom Schnee befreit hatten, wenn auch erst nach großen Anstrengungen, die Karre vollständig umzustülpen und das wenige Stroh, welches sie enthielt, auf dem Boden auszubreiten. Dann wurde sie, wie eine Eskimohütte, rings herum mit Schnee bedeckt und nur eine kleine Oeffnung zum Hereinkriechen gelassen.
Wohlich warm wurde es uns bei dieser Arbeit und unbeschreiblich glücklich fühlten wir uns, als wir endlich fertig geworden, hineinkriechen und schlafen konnten.
So lange der Fleischvorrath anhielt, blieben wir in unserem Palast und verließen ihn erst