M 126.
Jut'dtt, Donnerstag, den 5. Juni 1902
29. Jahrgang.
Deutzchez Keich
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(Nachdruck verboten.)
werde ich wohl nie vergessen, denn", setzte er
auf für wir
*erantnwrtti<6: Sür tie Xetettion 3»L Saum, für Juierate 3. parjtller in Lulda.
Orutf un» Vertag !>er Jaltaer 3ctten»ru4rre* Peteregafle Ur. 8 (Barmanie).
Seine Nothlüge erwies sich auch sür sie wohl- thätig; sie hatten Zeit, sich zu fassen und sich zu verabreden, wie und was sie mit dem noch immer sehr Schonungsbedürftigen reden durften. 'S Kathrine wurde eiligst nach der Entengasse geschickt, wo die Schwestern, die Stiftfräulein Fritze, Sophie und Mathilde von Krafft, ihr bescheidenes Heim aufgeschlagen, um auch ihnen das Allen noch Unfaßbare mitzutheilen.
Dem kleinen Karl, der jeden Abend gewöhnt war, den „Herrn Vatter fei." in sein Gebet einzuschließen, mußte man auch auf ein Wiedersehen schon hier auf Erden vorbereiten — kurz es gab Mancherlei und Vielerlei zu bedenken.
Trotz des Doktor's Mittel und strengen Befehls verbrachte Herr von Krafft eine fast schlaflose Nacht, aber die Freude, die er empfand, als er endlich die geliebte Frau und das Kind in die
und gleichgiltig anstierte. Aber bald wurden wir gute Freunde. Es wurde nämlich empfind- ich kalt, und instinktiv suchte das Schweinchen meine Nähe und ich rückte mit Freuden etwas zur Seite, um dem lieben Wärme spendenten Gefährten Platz.
Airs dem Reichstage«
■W» 166. •tfcuvg Dem 4 Juni 1902.
Die dritte Berathung der Branntweinsteuer wird fortgesetzt bei § 41, der von der Maischraum'- ft euer handelt. Diese wird nur von beit landwirlh- schaftlicheu Brennereien erhoben; dafür sind Letztere von
dieGcfahren geöffnet, dir ihrem Vocksihum drohe»; sie werde« deswegen mehr als früher auf der Hut sein, diese ihre nationale Eigenart sich dauernd zu erhalten.
als einer Beziehung ein Glückstag für uns. Im klebrigen kann ich nicht viel berichten, wie im Traum Wandelnde sind wir des Weges gegangen, und besonders die Zeit, die ich auf deutschem Boden verlebt habe, ist wie aus meinem Gedächt» niß ausgelöscht. Der Geist war durch all da§ ihn umgebende Elend, durch die maaßloßen Entbehrungen derartig stumpf geworden, daß ich nur noch zwei Gedanken fassen und 2 Worte aussprechen konnte: Hunger und Deutschland. Als ich Letzteres erreicht und die ersten deutschen Laute wieder an mein Ohr schlugen, ließ die Spannkraft nach und ich sank zusammen. Wo, ahne ich nicht mal mehr. Dunkel, wie ein halbverwischter Traum, schwebt mir ein Stall vor, in dessen einer leeren Abtheilung, — ach, sie- waren alle leer! — ich auf einem Strohhaufen lag. Wer die Barmherzigen waren, die mir diese unendliche Wohlthat zu theil werden ließen, daß ich ungestört schlafen und ruhen durfte, uni» die mich doch, zweifelsohne, auch mit Essen uni» Trinken versorgten, davon habe ich, wie gesagt, nicht mehr die leiseste Ahnung. Ich war viel zu schwach, um denken zu können.
Vielleicht hätte ich aber auch längst den gastfreien Stall vergefsen, wann ich nicht noch einen Mitbewohner in Gestalt eines braven Schweinchens erhalten hätte. Neugierig beguckte und beschnüffelte es mich, während ich es stumpf
und küßte zum erstenmal steiwillig die abgezehrte Rechte des Vaters.
Gleichzeitig trat auch Frau von Krafft vor und legte die Orden und die Brieftasche, welche Dr. Stark in den Lumpen versteckt gefunden, vor ihn hin.
„Gießers Orden, Gießers Brieftasche!" rief der Leutnant sichtlich erregt aus, sank aber plötzlich, sich die Augen mit der Hand bedeckend, leichenblaß in den alten, Wachstuch bezogenen Lehnstuhl zurück und wurde ohnmächtig. Ohne Zweifel war die Erinnerung an die erlebten Schrecken beim Anblick der Orden fo lebhaft vor seine Seele getreten, daß der noch schwache Körper dem Ansturm der Gedanken erlag und er das Bewußtsein verlor. Laut auf kreischten die Frauenzimmer, während das erschrockene Kind unter den Tisch kroch.
Madame Sonntag faßte sich zuerst, rannte in die Küche und befahl der Kathrine, die gerade voll Genuß ihren Fasttags-Reisbrei herunterschaffte, schnurstracks zu Dr. Stark zu laufen und ihn bitten herzukommen, der Herr sei erkrankt.
Acht Tage lang mußte er wieder das Bett hüten, und das Jahr 1814 hatte schon seinen Einzug gehalten, als er zum ersten Mal wieder im Kreis der Seinen am Abendtisch saß. Das Kind lag zu Bett, an seinem Platz zwischen den 5 Damen — denn die 3 Stiftsdamen waren auch erschienen —, saß Dr. Stark und alle auschten mit Spannung und Interesse, was ihnen Herr von Krafft über seine Erlebnisse mittheilte.
„Den Tag von Gießers Tod," begann er,
am heutige« Mittwoch mit ben Zöllen für Farbstoffe beschäftigt und diese fast durchweg nach dem Entwürfe des Buudesrathes angenommen. Nur in einer Position wurde eine Aenderung beschlossen: Für Zinnober wurde eine Herabsetzung des vorgefchlagenen Zolles von 25 Mark auf 10 Mark beschlossen.
X Der Gexttkarveiler • Kongreß ht Zürich hat enbgtlttg beschlossen, an der Fern- Haltung der christlich-sozialen Arbntervereinigungen und derjenigen Gewerkschaften fenzuhalien, an denen auch Arbeitgeber beteiligt sind. Nachdem dies beschlossen war, erhoben sich die Vertreter der deutschen christlichen Gewerkschaften und verließen den Saal. Das gehässige Borgehen der Sozialdtmokrotie gegen bte übrigen Lrbeitervrr- tretet beweist von neuem, daß es der Sozialdemokratie in erster Rethe darauf ankommt, die ausschließliche Herrschaft über alle Arbeiter zu erlangen, außerdem das unoeiäiberte Festhalten an der alten widerwärtige« Klaffenhetze. Friede und Wohlfahrt können nur gedeihen bet einträchtigem Zusammenarbeiten der Arbeiter und der Unternehmer, niemals aber bann, wenn bte Arbeiter geflissentlich im ewigen KriegSzustanbe gegen die Unternehmer gehalten werden. Hierin liegt ein abgrundtiefer Unterschied zwischen den christlichen Gewerkschaften und der Sozialdemokratie, der für alle Zeiten ein gedeihliches Zusammenarbeiten beider im Interesse der Arbeiter unmöglich macht. Die christlichen Gewerkschaften scheuen sich nicht, im Jntereffe bet Arbeiter der Sozialdemokratie die Hand zu bieten zu gemein« schaftlichem Wirken; die Sozialdemokratie stößt ober die bargebotene Hanb schroff zurück!
baß eine Herads-tzung der Jilandsteuer 12 urb 10 Mark aus finanziellen Gründen die Reichsregierung unmöglich sei. Nun, werden ja sehe»!
st Ale ZoCtsrif-Kommission hat
Berlin, 4. Juni 1902.
st Aer Schluß des preußischen Land- tage» soll nach neueren Meldungen bereits für den 14 Juni in Aussicht genommen sein. Dann müßte das Herrenhaus zum 11. Juni einberufen werben. E-n bestimmter Beschluß der Regierung darüber liegt ougensche nlich noch gar nicht vor.
st Die Iurifte« Aottkazze soll von der preußischen Regierung zurückgezogen werden: so wollen dir Konservativen es nach einem heute (Mittwoch) gefaßten FrekiioliSbeschluffe von der preuß schen Regierung oerlangen. Auf die Begründung dieses Verlangens kann man einigst« maßen gespannt fein.
+ Do« chetreidelarerHSusers ist am letztem Dienstag t« der Bu^grtkommission des preußischen Ubgeordnet-nhauses die Rede gewesen. Nach der vorliegenden amtliche« Ausweisung hat die Summe der bewilligten Staatsgelder bis zum Ende des Jahres 1901 im ganzen 5 Mill. Mark betragen. Die Staatsregieru-g weigert sich aber noch immer, feste Zusage« für die Zukunft zu geben: ihre Vertreter wehren sich oa- gegen mit der Behauptung, man könne noch nicht übersehen, wie bas Kotnhaus-System sich bt» währe. Immerhin muß man die gesammelten Erfahrungen als günstig ansehen. Denn kürzlich sind, wie seinerzeit berichtet wurde, Staatsgtlver unter sehr günstige« Bedingungen für dir Er- richtung.eineS Kornlagerhauses in Fulda in Aussicht gestellt worden.
X DertragvSrrrch der Aröeiter. Die Frage von dem Vertragsbrüche der Arbeiter wird in Folge der konservativen Interpellation nicht zum erstenmal im preußischen Abgeordnetenhause zur Sprache gebracht werden. Schon mehrfach ist die Rede davon gern sen, und mehrfach haben die Vertreter der Regierung geäußert, eine entsprechende Gesetzesvorlage befinde sich in bet Vorbereitung. Es it noch nichts dergleichen erfolgt; daraufhin erfolgte nun diese Interpellation. In einem Punkte bringt sie etwas Neues. Früher sprachen die Konservativen nur immer von den Vertragsbrüchen ländlicher Arbeiter; jetzt ist ganz im allgemeinen von einer Bestrafung des Vertragsbruches der Arbeiter die Rede — allo nicht nur der ländlichen. Das gefällt den Organen der großen Industrie. Eines der Organe des Centralverbanbes der Industriellen empfiehlt datum seht die Beachtung unb Würdigung dieser Interpellation. Die Ansichten über dieses Thema sind bekanntlich sehr getheilt. Jedenfalls muß man stets von neuem hervorheben, daß die Interpellanten weniger eine Bestrafung der Arbeiter selbst im Auge hebe», als die Errichtung von Schutzwchren gegen allerhand Umhi.be, Arbeiter von einem Arbeitgeber
„Aber mein Gott, wo ist meine Frau, wo ist -die Mutter, wo mein Kind? Sind sie krank, leben sie nicht mehr, warum sehe ich Niemand?" — "Wie gesagt, Dr. Stark wat tödtlich erschrocken, übet die unerwartete Wirkung seiner Worte.
„Also ist es doch Herr von Krafft," dachte -er staunend, „und so entstellt, daß keine der Damen ihn erkannt hatte," dann faßte er sich schnell, drückte den armen Mann in die Kissen zurück, und bat ihn, sich vor allem zu beruhigen, seine Sieben seien alle wohl und gesund.
„Aber Ihre Frau, Herr Leutnant," fuhr er fort, „ahnt nicht, daß Sie ihr so nahe sind. Sehen Sie, Sie waren dem Tode nah und ohne Besinnung. Wir durften die zarte Frau nicht der Ansteckung und der furchtbaren Aufregung aussetzen, wir wollten Ihrem Kinde, was vielleicht bald vaterlos sein würde, wenigstens die Mutter erhalten, und so glaubten Madame Sonntag und ich in Ihrem Sinn zu handeln, wenn wir Ihrer Frau vorläufig verschwiegen, welchen Gast dies Haus berge. FühlenSie sich aber stark genug,und ver- ftrrechen mir, sich zusammen zu nehmen, sollen Sie morgen Ihre Frau sehen, und jetzt wird dies Pulver genommen und geschlafen, denn auch die Freude greift an." •
Man kann sich den Gemüthszustand der Frauen, * als der Doktor mit der Nachricht kam, vorstellen.
mH den Beilagen
„Tllustrirte Sonntags-Zeitung“, Juldaer Gescbicbtsblätter" und Cottcne-Ciste.
wegzulvck-it, um sie einem anderen zuzuführen, und gegen U ternehmer, die nachher unter Kenn Miß aller dieser Umtriebe solche Arbeiter annehmen.
+ InterpeKaLio« üSer de« Schissjkatzrls- Di«S- Die konservative Interpellation im Reichstage über den de lisch-amerikanischen Schifffahrts- Ring hat folgenden Wortlaut:
„Die Unterzeichneten erlaube« sich, an den „Herrn Reichskanzler folgende Anfrage zu rich- „ten: W lche Bedeutung für de« deuischen See- „handel ist nach Auffassung der Verbündeten „Regierungen dem amerikanisch-englischen Echiff- „fahrts - Trust und ben von deutschen Schiff- „fahrtS-Gesellschaften mit demselben getroffenen „Vereinbarungen beizvmeflen?"
h Kte Incker Kommission de« Deich,- tage« hat sich heule (Mülwock) mit der Kon- tingentiru«g beschäfttat, aber bestimmte Beschlüsse noch nicht gefaßt. Anscheinend halbamtliche Verlautbarungen versickern von neuem.
ItttmilsMimriiW fiere elfte tmW,.
Halbvergeffene Geschichten aus den 80 er und 40 er Jahren deS 19, Jahrhunderts von B. €>. Coester.
W Die Buren nach -em Frieden.
Die genauere Betrachtung der Friedens- bedingungen läßt keine« andere« Schluß zu, als den, daß die Buren den Engländern sehr viele Zugeständnisse gemacht haben. Es fehlt nicht ax Leitungssttrnme«, die bie Burenvertreter, die solche Bedingungen unterschrieben, der Feigheit, wenn nicht unmittelbar des Verrathes an ihrer eigenen Sache zeihen — wundersam kennzeichnendes Beispiel für ben WomkelmuLh in dem Urtheile ber Menschen! Wie kann man so'chen Männern wie Botha, Delorey und Christian Dewet zutrauen, baß sie den Engländern diese .Zagefiärbniffe gemacht haben sollten ohne die zwingende Ueberzeugung, daß sie gar nicht anders handeln konnten? Noch eben e hoben alle diese Zeitungen die Burenhklden tn den Himmel als Master aller denkbaren Tagenden, ur.b auf einmal sollen dieselben Männer zu Feiglingen, zu pflichlvergeffene« Vtrräthern geworden fein? Unmöglich!
Ihre staatliche Unabhängigkeit haben die Bure« eingebüßt. Aber wahrscheinlich haben 'sich ihre FriedensUnterhändler gesagt, daß diese Einbuße nicht auch ben Verlust ihres Volksthums bebeutet; benn ihre Sprache wirb in ben Schulen erhalten und unter gewissen Umständen auch als Gerichtssprache anerkannt. In diesem Punkte sind die Briten zurückzewichen. 'Vorher hörte man von London her nur immer die Versicherung, daß fine fremde Sprache niemals geduldet rotrben lö.ne in einem Lande unter englischer Oberhoheit; diese Abmachung über bie Burensprache widerspricht jenen Prahle- reien schnurstracks. D.e burischen Friebrnsunter- ihänble« mögen sich getröstet haben mit der Hoffnung auf bie außergewöhnliche Lebenskraft ihres Stammes. Burenfamilien mit zehn unb zwölf Rinberx gehören in Transvaal unb im Mranjrlanbe zu ben gewöhnlichen Erscheinungen, und mit diesem Frieder sschluffe ist bie Bure«- sache, ist bie Zukunft bes sübasrikonischen Burenstammes noch lange nicht verloren. Wenn dieser Stamm nur seine Eigenart sich bewahren ta«n, bann hat er noch immer Aussicht barouf, einstmals den Engländern das heimzuzahlcn, was diese jetzt an ihm verbrochen habe«. Unb diese Eigenart zu bewahren sind gerade die Buren mit ihrer Zähigkeit, um nicht zu sagen Starrfinn, ganz besonders gut veranlagt.
Außerdem ist ja den Buren-Kolonien Selbstverwaltung zugestchert. Wie diese gedacht ist, hat der britische Minister in feiner Unterhausrede verschwiegen. Aber dieses Schweigen kann man schwerlich ungünstig für die Burensache deuten. Läge darin ein besonderer Triumph für die Engländer, dann würde Herr Balfour wohl redeseliger gewesen fein. Es besteht also noch immer Hvffaung darauf, daß diese Selbstverwaltung den Buren umsaffenbe Rechte einräumen soll: ehe man biese Form ber Selbstverwaltung der Buren nicht kennt, sollte man sich auch kein endgiltiges Urth.il über die Bedeutung des ganzen Friedensschluffes bilden.
Vor dem Kriege und vor dem Raubzuge Ehren- Jamesons waren die Buren mehr in Gefahr, zu verengländern als jetzt. H-rr Jameson und dieser grauenhafte Krieg habe« ihnen bie Augen über
den Zuschlägen zu der BerbrauchSabgabe bszw. Brennsteuer befielt.
Dem bisherigen Gcfitze hat die Kommission einen neu«n lütten Absatz hinzugesügt, wonach vom 1. Juli 1962 an nur solche als tandwlithschaftliche Brennereien gelten sollen, wenn die Brennstoffe in der Hauptsache von den Brennereibcfitzern selbst gebaut worden find — entsprechend bei Genossenschaftsbrennereien von den einzelnen Genvflen - und wenn die Rückstände vo» de« Theilnehrnern in rem selben Verhältnisse verfüttert werden. Bei Mißernte» darf ver Bundesrath eine Ausnahme zulafsen.
Die Freisinnige Bi Peinigung (Antrag Pachnicke) und die Fieifinnige BolkSpartei (Antrag Müller-Saga«) beantragen Streichung dieser Bestimmung.
Abg. Iischveck (freif. Volksp.) sucht darzuthun, daß diese Streichung im Jnterifle der Heineren Land« wirthe liege; ebenso erhebt
Abg. Augst (südd. Bolksp.) Widerspruch gegen de« neuen Absatz.
Drr württemb. Ministerialdirektor vo« Schneider hegt denselben Wunsch im Jntereffe der zahlreiche» kleineren Genoss-nschaftsbrennereien in Württemberg, und ungefähr in demselben Sinne äußerte sich der badische Ministerialdirektor Scherer für badische Ber- hältniffe.
Die Abgg. Aiever (natl.) als Württemberger und Zehnter (Csntr.) als Badenser stimmen den Vertretern ihrer Staatsregierungen bei, worauf
Abg. Sachnicke (freis. Bereing.) in längerer Rede die ganze Maischbottichoersteuerung als eine verkehrt« Besteuerungsart darstellt. Der neu von der Kommission beantragte dritte Absatz müsse gestrichen werden, und seine Freunde verlangen namentliche Abstimmung darüber.
Abg. Speck vom Cevtrum verwahrt die Mehrheit der Kommission gegen den Borwurf, als hätte sie nicht genügend das Jntereffe der kleineren Landwirthe berücksichtigt. Der Redner füh t aus: Es handelt stch hier gar nicht um ein unzulässiges Vorgehen gegen die land- wirthschaftlichen Genossenschaften. Dieser Borwurf würde nur dann berechtigt sein, wenn das Gesetz im übrigen unverändert geblieben wäre. Die Kommission hat aber bekanntlich die Brennsteuerabstufung so abgeändert, daß danach bie kleineren Brennereien weit besser fortkommen, als bisher; und das kommt auch de» kleinen Genoffenschaftsbrennereien zu gut. Deswegen ist eS durchaus zuläsfig, die Genoffenschaftsbreunereien be» Borschriften des neuen Absatzes 3 zu unterstellen. Meine politischen Freunde find aber bereit, die Bestimmungen dieses Absatzes in dem Sinne zu ändern, daß sie nur gelten sollen für Brennereien, die nach dem 1. September 1902 betriebsfähig werden — anstatt nach dem 1. Juli. Ich stelle einen förmlichen Antrag in diesem Sinne.
Der sozd. Abg. Murm spricht von „entern gehässigen Vorgehen der Agrarier gegen die bäuerlichen Genossenschaften' — muß aber zugeben, daß die „Agrarier' selbst von ben Genossenschaften Gebrauch machen. DaS geschieht indeffen nach deS Redner? Ansicht nur dann, wenn eS, wie beim Milchringe, auf einen Kampf gegen die Städter ankomme.'
Nach einigen weiteren Bemerkungen der Abgg. Dr. Mansche (natl), Dr. Semker (natl.) und Ham» (freikons.) werden die Abänderungsanträge abgelehnt; der neu beantragte Absatz 3 wird mit der von dem Abg. Speck beantragten Aenderung der Zeitbestimmung in namentlicher Abstimmung mit 201 gegen 71 Stimmen angenommen.
Paragraph 43» handelt von der Brennsteuer. Diese soll gezahlt werden von Brennereien, die jährlich mehr alS 200 Hektoliter erzeugen, und zwar in Abstufungen, nach aufwärts steigend, von 2 bis 6,50 Mk. iür das Hektoliter, je nach der erzeugten Branntweinmenge. "7- VTZZ-
Ein Antrag Wurm (sozd.) will diesen ganz« Paragraphen streichen, also die Brennsteuer überhaupt beseitigen,
Abg. pachnicke (freis. 8g.) beantragt, die Brennsteuer erst bet einer Jahreserzengung von 300 Hektolitern beginnen zu laffen.
Die freis. BolkSpartei ist nach einer Ausführung deS Abg. Mülker-Sagan grundsätzlich eine Gegnerin der Brennsteuer.
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Rabatt gewährt.
Arme schließ»» durfte, schadete dem Vielgeprüften nichts. Er kräftigte sich von Tag zu Tag und der Doktor gestattete, daß er am Weihnachtstag zuerst ein paar Stunden außerhalb des Bettes im Kreis der Familie zubringen dürfe. Von einer Bescheerung war natürlich keine Rede, aber Frau Linchen hatte doch eine kleine Peitsche und einen Hampelmann besorgt, den der Vater dem Kleinen schenken sollte. Dieser hatte noch immer eine große Scheu vor dem so plötzlich aufgetauchten Familienoberhaupt und nannte ihn noch lange "ben Herrn Vatter selig!" —
Als am heiligen Abend der Herr von Krafft )em Kinde die Gaben überreichte, brach dieses in einen Jubelruf aus:
„Das hat mir der Herr Vatter selig von „_____. .... _..8.M..., ...... , ..j...............
Rußland mitgebracht, oh ich dank Ihnen vielmals," mit traurigem Lächeln hinzu, „es war in mehr zu machen.
Erscheint täglich, «n. Ausnahme der "MW f A ,
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