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mit Ute BdUgen

„IIMrirte Sonntags-Zeitung“, „Suldaer Oescbitbfsbläftef" und EoflerFe'-nste.

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JuLöa, Samstag, den 31. Mai 1902.

29. Jahrgang.

ftaaten Deutschland und Frankreich

Revolution mit einem Ruck ändern,

Der Gedanke des „begrenzten Teneralaus. tanbeS“ ist gänzlich neu. Was für Erfolge lauben denn die schwedischen Genossen mit sol- c »en angeblichen Schreckmitteln zu erzielen? Fürchten sie nicht von Anfang an, daß man sie

Unpolitische Zeitläuse.

® Berlin, 29. Mai 1902.

--------- Nachdruck Verbote».

Da» war ein schöne« Fronleichnamsfest! Nach der Wetterkarte von heute Abend muß e« auch in dem übrigen Deutschland so hübsche« Sommer­wetter gewesen fein, wie hier. Ein Gewitterchen am Nachmittage brachte keine Störung, sondern nur Staublöschung und Erfrischung.

Zu keinem andern Feste brauchen wir so nöthtg schönes Wetter, als wie zum Fronleichnams­fest. Hier zu Lande müssen sich die Prozessionen reilich in der Kirche halten; aber auch diese „häusliche" Feier wird beeinträchtigt, wenn die Leute mit nassen Kleidern und triefenden Regen­schirmen in der Kirche sich bewegen müssen. Die weißgekleideten Mädchen, die Blumen streuen und Lilien tragen, machen bei kaltem oder nassem Wetter keinen ungetrübten Eindruck. In den bevorzugten Orten, wo man dem Allerhetligsten einen Triumphweg über die Straßen und durch die Felder Herrichten kann, ist Wärme und Sonnen­schein in noch viel höherem Maße erwünscht. An­dächtig beten kann man freilich auch bei kaltem Wind und Regenschauern; aber im Herzen frißt doch der Aerger über den verdorbenen Schmuck und die häßlichen Schirme. Wenn der Himmel ein gnädige» Gesicht zeigt, so entfaltet sich nicht nur die äußere Pracht der Prozession, sondern e* gibt auch mehr Freude, Frische und Zuversicht int Innern. Mancher fromme Waller denkt sich beim Ausblick zum leuchtenden Himmel, er schaue von oben da« blendende Auge des allmächtigen Vater- wohlgefällig herab auf den irdischen Ehrendienst vor seinem Sohne.

Nun ist es nach einer schlechten Zeit von 5*/a Wochen plötzlich am Tage vor Fronleichnam warm geworden und am Festtage selbst der Sommer mit ganz ungewohnter Herrlichkeit eingekehrt. Wie ausgerechnet und abgepaßt!

Die Wettergelehrten verzeichnen, daß sich jetzt eine Depression im Nordwesten und ein Hoch­druckgebiet tm Süden gebildet hat, was unS südliche warme Winde verschafft. Aber woher es kommt, daß seit dem Wetterumschlag vom 20. April fortwährend die barometrischen Tief» und Hochdruckgebiete anders lagen und wir stet- den rauhen Polarwinden ausgesetzt blieben, das wissen die Serien nicht. Wo die Wissenschaft

ganz einfach auslacht, wenn sie der Regierung und dem Bürgerthum Furcht einflößen wollen, aber gleich von vorn herein sage«: ängstigt euch doch nicht; wir mache« ja «ur drei Tage General­streik? Ob nun i« Folge dessen a« einem oder dem andern Abend in einem Orte die Gasbe­leuchtung fehlt, oder diese und jene Zeitung ein­mal ausnahmsweise nicht erscheint, das wird der schwedischen Regierung nicht de« allerwinzigste« Schrecken einflößen. Die schwedische« Sozial­demokraten kö«ne« es nicht übel nehmen, wen« man ihnen nachsagt, sie hätten eine lächerliche Komödie aufgeführt. Und für solche Poffen- reißerei müssen nun Zehntausend« von Lohn­arbeiter« ihr Verdienst opfern, noch dazu auf die Gefahr hi«, hi«terher von den Unternehmern ausgesperrt zu werden — das ist dir ernsthafte und bedauerliche Seite deS Mummenschanzes! Daß dieser auch nicht den allergeringste« Erfolg zu Gunsten des allgemeinen Wahlrechte- bewirken wird, steht von vor» herein fest. Sehr wahr­scheinlich dagegen ist eine Wirkung im entgegen­gesetzten Sinne, nämlich Verminderung der Hin­neigung zum allgemeinen Wahlrechte bei dem Bürgerthum, weil dieses mit solchen Revolutiön- chen durchaus nichts zu thun haben will und sich geflissentlich von denjenigen abwendet, zu deren Mitteln solche Kundgebungen der Gewalt gehören. Die Sozialdemokratie stiftet also einzig und allein Schaden für diejenigen, von denen sie vorgibt, daß sie ihnen nützen wolle.

So bekommen die schwedischen „Genossen" auch Spott und Tadel genug aus dem eigene« Lager. „Im Ernste — so läßt sich daS Karls­ruher Sozialdemokratenblatt vernehmen — glaubt kein Sozialdemokrat (in Deutschland) mehr, daß die Gegner vor den Drohungen mit Revolution sich fürchten. Wenn selbst in Belgien, daS über

schloffen . .

Aber gerade in Deutschland ist es auch wieder die Sozialdemokratie, die dieser sozialen Reform durch unsinnige und gänzlich übertriebene For­derungen nicht förderlich, sondern im Gegentheil hinderlich ist.

Herzschlag. Die Krankheit war also nicht älteren Datums und auch nicht Ursache dafür, daß der Ver­storbene vorher aus dem Kultusministerium ausschied.

In Wiesbaden hielt sich zur Erholung Ge­heimrath Pobjedonoszew auf, der Oberprokurator des russischen 6eiligen Synod, der ausgeprägteste Typus des russischen Knuten- und GewaltregiemngSsystemS. Aber seines Bleibens ist in Wiesbaden nicht lange gewesen. Die Wiesbadener Polizei sagte dem Ge­waltigen, daß sie für seine persönliche Sicherheit keine Bürgschaft leisten könne. So kehrte Pobjedonoszew nach Petersburg zurück. Von den neulich umlaufen­den Gerüchten, daß er au» dem Amte scheiden solle, ist es wieder still geworden.

Der Friede in Südafrika ist noch nicht ab­geschlossen. Aber die Aussichten darauf, daß das bald geschehen werde, sind gut. Die anfänglichen Tele­gramme über die Friedensverhandlungen sind gefälscht gewesen, oder doch so verzögert und mit falschen Zeit­angaben versehen worden, daß niemand daraus irgend­wie sichere Schlüffe ziehen konnte auf den wahren Stand der Dinge. Die britische Regierung sowohl, als auch die europäischen Burenvertreter suchen ge­meinschaftlich den Anschein zu erwecken, als liege der Friedensschluß noch weit im Felde; aber alle Anzeichen deuten darauf hin, daß er glücklicherweise nicht mehr allzu fern sei. Die Unabhängigkeit der Burenstaaten ist natürlich nicht zu erhalten. Aber die Buren wollen sich, wie es scheint, in ihrer überwiegenden Mehrheit damit zuftieden geben, daß sie einen maß­gebenden Einfluß erlangen auf die innere Verwaltung ihrer Länder; und die britische Regierung will ihnen, wenn nicht alle Anzeichen trügen, darin sehr weit ent­gegenkommen. Auch die Amnestie für die Kapland- buren, die gegen England die Waffen ergriffen haben, scheint gesichert zu sein. Diese zu ertheilen ist ledig­lich Sache des Königs Eduard.

Die schrecklichen Naturereignisse in Westindien haben noch immer nicht ihr Ende gefunden. Zu den vul­kanischen Ausbrüchen auf der Insel Martinique und St. Vincent ist ein fürchterliches Erdbeben in dem mittelamerikanischen Staate Guatemala gekommen, de« die Stadt Quezaltenango zum Opfer ge­fallen ist. Die Stadt ist dem Erdboden gleich ge­macht, und auch hier haben Tausende von Menschen ihr Leben auf schreckliche Art eingebüßt. Auf der Insel Martinique fällt noch immer glühender Aschen­regen; die Bewohner wollen die entsetzliche Insel gänzlich verlaffen.

keine moderne Mllitärmacht verfügt, aber 300000 wohl disziplinirte, zum Aeußersten entschloffene Arbeiter zählt, die Revolution aussichtslos ist, wie wird es dann erst i« de« große» Militär» " ' ----- sein? Die

Dr. Linga, hat in der Nuntiatur zu München am 22. Mai stattgefunden. Als Zeugen waren dabet thätig die Domkapitulare Dr. Specht in München und Dr. Schädler von Bamberg. Die Konsekration und Inthronisation des neuen Bischofs ist erst nach einigen Monaten zu erwarten.__________

Der Kaiser weilte"während der letzten Tage in seinem lothringischen Schlöffe Urville bei Kürzel, von wo aus er täglich zu den großen Uebungen fuhr, die in der Umgegend von Metz abgehalten wurden. Auch der Kathedrale von Metz hat der Monarch ; einen Besuch abgestattet, dabei von Bischof Willibrord , Benzler mit einer Ansprache empfangen, in der dieser dem Kaiser dankte für das Interesse und die Förde­rung, die der Herrscher der Erneuerung des herr­lichen Gotteshauses angedeihen läßt. Au« Lothringen ist der Kaiser nach Potsdam gereist, um dort den Schah von Persien zu empfangen, der am 29. Mai eingetroffen ist.

Das Geschenk des Kaisers an die Bereinigten Staaten von Amerika, ein Standbild Friedrichs des Großen, hat den Kongreß der amerikanischen Re­publik beschäftigt. Einige UÄerrepublikaner behaupteten, Bildsäulen von Monarchen dürften in dem Gebiete der Republik nicht aufgestellt werden; und so mußte die Angelegenheit an die zuständige parlamentarische Kommission verwiesen werden. Aber die übergroße Mehrheit des Kongreffes hat nichts gegen das Ge­schenk einzuwenden; und so wird die Sache in be­sagter Kommission ein sttlles Begräbniß finden.

In Amerika besteht der Plan, das Geschenk des deutschen Kaisers zu erwidern durch eine Bildsäule Georg Washington'-, die alsdann in Berlin aufzustellen sein würde. Das würde daS erste Stand­bild des „Vaters der Vereinigten Staaten" außerhalb dieser Letzteren fein.

Königin Wilhelmine von Holland befindet sich auf dem Wege der fortgesetzten Besserung. Es heißt, sie werde demnächst, begleitet von ihrer Mutter, zu längerem Erholungsaufenthalte auf Schloß Schaum­burg a. d. Lahn eintreffen.

Das preußischeAbgeordnetenhaus hat die erste Lesung der neuen Polenvorlage in einer Sitzung erledigt und den Entwurf zur Vorberathung an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen. Reichskanzler Graf Bülow hat selbst die Vorlage be­fürwortet, bereit Annahme durch die Stimmen der Konservativen, Freikonservativen und Nationalliberalen sicher bevorsteht. Im Namen des Centrums sprach Abg. Fritzen gegen den Gesetzentwurf. Auch die frei« sinnige Vereinigung will diesmal nicht mitthun.

Präsident Loubet von Frankreich hat auf seiner Rückreise von Rußland nach Frankreich auch dem dänischen Königshofe einen Besuch in Kopen­hagen abgestattet. Im königlichen Schlöffe wurde eine Frühstückstafel abgehalten, wobei vollkommen un­politische Trinksprüche ausgewechselt wurden. Nach einem Aufenthalte von fünf Stunden setzte Herr Loubet seine Heimreise fort. Alsbald nach seiner Rückkunft erwarteten ihn sehr ernsthafte Auseinandersetzungen; denn eS steht ^nunmehr ziemlich fest, daß Minister­präsident Waldeck-Rousseau wirklich auS dem Amte scheiden und die Neubildung des Ministeriums dem Präsidenten überlaffen will.

DaS bayerische Schuldotationsgesetz hat nunmehr auch die Kammer der Reichsräthe be­schäftigt. Im Ausschuffe derselben ist Prinz Lud­wig, der Thronfolger, warm für die Konfessionsschule eingetreten. Reichsrath Graf Törring hatte für die Abschaffung der Konfessionsschule gesprochen. Ihm erwiderte Prinz Ludwig, indem er namentlich im Sinne der Freiheit den entgegengesetzten Standpunkt vertrat: Man darf die Eltern, die ihre Kinder in konfessionelle Schulen schicken wollen, nicht mit Gewalt an der Ausführung dieser Absicht hindern; man darf sie nicht zwingen dazu, ihre Kinder in Simultan­schulen oder in Schulen anderer Konfessionen zu schicken. Ein Antrag de« Frhrn. von Würtzburg wurde im Ausschuffe mit Stimmengleichheit abgelehnt, wonach Gemeinden unter gewiffen Umständen zur Er­richtung konfessioneller Schulen angehalten werden, die schon jetzt vorhandenen Simultanschulen aber be­stehen bleiben sollen. Der Katechetenparagraph ist ge- ällen. Auf diesen wird die Mehrheit der Abgeordneten­kammer vielleicht verzichten. Aber sie wird sicherlich dem Gesetze nur mit dem Anträge Würtzburg ihre Zustimmung geben.

Die Kammer der Reichsräthe selbst hat da» Schulgesetz in zweitägiger Berathung erledigt, am ersten Tag den Antrag Würtzburg und am zweite» Tag mit diesem Antrag den ganzen Gesetzentwurf mit allen gegen 9 Stimmen angenommen. Kultusminister von Landmann hat den Antrag Würtzburg dabei nach­drücklichst befürwortet als das einzige Mittel, u« die Zustimmung der Abgeordneten zu sichern.

Der internationale Bergarbeiter-Kon­greß in Düffeldorf ist im ganzen nicht allzu ftiedlich verlaufen. Aber sein Ende war ein offener Zwist. Bon deutscher Seite wurde die Einsetzung eines inter­nationalen bergmännischen Sekretariates beantragt. Aber auf den Antrag der englischen Vertreter wurde einfach zur Tagesordnung übergegangen; man kümmert« ich um di« deutschen Wünsche nicht. Für die deutschen md österreichischen Abordnungen erfiärte darauf der ozialvemokratische Abg. Sachs«, daß die Verbände dieser beiden Ländern von internationalen Kongressen ich zurückziehen werden, wenn in dieser Sache auch im nächsten Jahre kein greifbare- Ergebniß erzielt 1 werden fallt«.

Mochen-Rundschrm.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 31. Mai 1902.

„Keine Wolke trübt jetzt den politi­schen Horizont. Heute ist das gemeinsame Pro­gramm der Mächte, auf ftiedlichem Wege die Fragen iu lösen, deren Lösung man sonst den Zufälligkeiten es Krieges überließ. Die Geschicke der Völker werden sich in Zukunft vorbereiten und entscheiden in Friedenskombinationen. Verbunden mit den beiden mitteleuropäischen Reichen (Deutschland und Oester­reich-Ungarn) zu einem starken, friedlichen Bündnisse, und im Einverständnisse mit zwei weiteren Groß­mächten am Mittelmeer ist Italien am Besten in der Lage, in der Welt fein Werk der Beruhigung und der Versöhnung zu verfolgen . . ." Mit diesen Worten beschloß Herr Prinetti, der italienische Minister des Auswärtigen, in der italienischen Abge­ordnetenkammer eine Rede über den Dreibund und über die Gesammtheit der politischen Lage, die eine Antwort bildete auf di« Aeußernngen ver­schiedener Abgeordneten. Die Regierungen von Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Italien haben zwar nach den Mittheilungen Prinetti's noch nichts unterzeichnet; aber sie haben gegenseitig den Ent­schluß kund gegeben, zu geeigneter Zeit das Bündniß zu erneuern: „Der Dreibund, ein hervorragend friedliches und auf die Abwehr gerichtetes Werk, wird nach wie vor das mächtigste Element des Gleichgewichtes und des Friedens sein . . . Der Dreibund enthält nichts Feindliches gegen Frankreich, nichts, das dessen Ruhe und Sicherhett bedroht". In dem Dreibundvertrage ist Frankreich überhaupt gar nicht erwähnt!

Diese Ausführungen des italienischen Ministers find angenehme Ergänzungen zu der Rede des Grafen Äoluchowski in der Delegation. Wer noch immer Zweifel hegte an der Festigkeit und an dem Fort­bestände des Dreibundes, der wird sie jetzt endgiltig bei Seite legen. So vollkommen bestimmte Versiche­rungen lassen fernere Zweifel nicht mehr zu, di« übrigens bei uns in Deutschland kaum noch vorhanden waren. lieber die zukünftigen Handelsverträge bemerkte Prinetti, daß darüber noch nicht zwischen den Dreibundmächten verhandelt sei, daß die Regie­rungen aber ihre grundsätzlichen Anschauungen mit einander ausgetauscht hätten. Auch in der ungari­schen Delegation gaben am letzten Samstag mehrere Regierungsvertreter, darunter der Ministerpräsident Koloman von Szell, aus'« neue ähnliche Er- Erklärungen ab, die mit ebenso lebhaftem Beifall von der Mehrheit aufgenommen wurden, wie die Worte Prinetti's im italienischen Parlament.

Von einem schweren Verluste find die deutschen Katholiken betroffen worden: In der Nacht vom 23. nun 24. Mai ist Erzbischof H u b e r t u s Simar von Köln sanft verschieden an den Folgen der Lungen­entzündung, die ihn befallen hatte. Die Erkältung, durch die die Lungenentzündung hervorgerufen worden war, hatte der Erzbischof sich zugezogen in der Aus­übung seines Priesterberufes. Um so schmerzlicher ist der Verlust, als Niemand darauf vorbereitet war, ihn zu erleide«. Daß der verewigte Kirchenfürst drei Jahrzehnte hindurch an der Bonner Universität Dogmatik lehrte, bevor er 1891 zum Bischof in Paderborn und bann im Jahre 1899 zum Erzbischof von Köln erwählt wurde, ist ja bekannt; ebenso daß er während der kurzen Zeit, in der er Oberhirte der Kölner Erzdiözese war, alle Herzen im Sturm« er­oberte. Selten ist es einem Sterblichen beschiedcn, in so hohem Grade di« allgemeine Liebe und Hoch­schätzung aller seiner Mitmenschen zu gewinnen, wie dem verewigten Kirchenfürsten. In dem Beileids­telegramm, das der Kaiser ans Schloß Urville in Lothringen sandte, heißt es: „Die großen Verdienste des Verewigten in allen von ihm bekleideten kirch­lichen Aemtern, die seltenen, mit treuer patriotischer Gesinnung gepaarten ausgezeichneten Charaktereigen- schasten sichern ihm bei Mir für alle Zeiten ein freundliches und dankbares Gedenken". Der Kron- P cinz telegraphirte: „Ich bin über den Tod des Erzbischofs Simar, den ich noch vor kurzem in ?^ldorf begrüßt habe, tief betrübt. Nicht allein bte katholische Kirche, das ganze Vaterland verliert in ihm einen seiner besten Männer." Die Beisetzung des abberufenen Erzbischofs hat am 27. Mai im hohen Chore des ehrwürdigen Kölner Domes statt­gefunden, unter dem bekanntlich die sterblichen Reste der Kölnischen Bischöfe bestattet werden.

Aber noch einen andern Verlust haben wir zu beklagen: In Rom starb am 24. Mai in früher Morgenstunde Msg. Tarnassi, apostolischer Inter, nuntius im Haag und zum apostolischen Nuntius in München ausersehen. Msg. Tarnassi war leidend seit langer Zeit. Eben deswegen verzögerte sich auch die Besetzung der Münchener Nuntiatur. Der Kranke hat während der letzten Wochen schwer gelitten und fast gar keine Nahrung mehr aufnehmen können; die Art seiner Krankheit ist von den Aerzten niemals Aar erkannt worden. Msg. Tarnassi war früher bei der Nuntiatur in München als Ubitore thätig und Unnte die deutschen Verhältnisse und die deutsche Sprache genau; kaum ein anderer kirchlicher Würden- ' träger ist in so hervorragender Weise für diesen i Posten geeignet, wie Msg. Tarnassi es war.

Der Jnsormativ-Prozeß über den neu ernannten ^berhirten der bischöflichen Diözese Augsburg,! <

© Zwiespältigkeiten innerhalb der Sozialdemokratie.

Di« Vorgänge i« Schweden lenken aus'S neue die Aufmerksamkeit auf die verschiedenen An- fchauunge« innerhalb der Sozialdemokratie über sehr wichtige Grundsätze. Revolution oder ord­nungsmäßiges Verfahren — gewaltsame Maß- regeln oder parlamentarisches Benehmen, das ist die Frage. I« Frankreich ist die Sozialdemo- kratie in dem Streite über diese Frage in zwei getrennte Parteilager zerfallen: die Mehrheit bil- bet die „Ministeriellen", die Minderheit hat sich grollend als die eigene Partei der „Revolutio­nären" zufammengethan. In Belgien herrschte bisher die revolutionäre Richtung. Daher kam es, daß die Arbeiter, die sich «ach de« Worten der sozialdemokratische»? Häuptlinge richteten, als Kanonenfutter für diese auf die Straßen-Barri­kaden kletterten und das Verdienst einer ganzen Woche und mehr aufgeben mußten, ohne den ge­ringsten Erfolg dadurch für sich zu erziele«. Ver­lust und Katzenjammer waren die Folge; ob aber jetzt ihnen das rechte Einsehen gekommen fein mag, ist zweifelhaft.

In Schweden liegen die D nge genau so, wie sie vorher in Belgien lagen. Die Regierung hat einen Gesetzentwurf in der VolkSoerttetung ein- gebracht, der eine Ausdehnung deS bestehen­den Wahlverfahrens bezweckt. Nach dieser Vor­lage soll t« Zukunft jeder Staatsbürger, der das 25. LebenSjschr erreicht hat, Steuer« für Staat und Gemeinde bezahlt und seiner Militärpflicht genügt hat, eine Stimme habe«. Berheirathete, Wittwer und Männer über 40 Jahre solle« über ii»ei Stimmen verfügen. Man kam a« edlem solche« Wahlgesetze allerhand aussetze«, das ist zewiß. Aber Thatsache ist er doch, daß die Re- sierung den guten Wille» zeigt, der allgemeinen Stimmung im Volke Rechnung zu trage» u»d d«S geltende, «och weit mehr beschränkte Wahl- recht ei« wenig zu erweitern; daß daS nun gerade ei»e richttge und geeignete Veranlaffung sei, um ebe«falls in der Wahlrechtsftage in aufgeregter und gewaltsamer Weise Kundgebungen gegen die Regierung z« veranstalten, »erden nur wenige reute annehme«. Die schwedische Sozialdemokratie «t trotzdem solche Kundglbnnge« veranstaltet; sie olle« in einem General-Ausstande gipfeln, dessen Dauer indessen van Anfang an auf nur wenige Tage bestimmt worden ist, so lange nämlich im Reichsräthe über die Wahlrechtsftage verhandelt wird.

Unverhofft ist Geheimrath Dr. Kügler gestor­ben, der Präsident deS preußischen Heeresverwal­tungsgerichtes, früher Leiter de» preußischen LolkS- chulwesens. Der Tod erfolgte in Folge eines In- fluenza-Anfalles, der sich gleichzettig mit einer heftigen Erkältung einstellte. Die letzte Veranlassung war ein

Interessen der Arbeiter werden am beste« gewahrt durch die Propaganda sür die soziale Reform; daß die Verhältnisse sich durch eine ____________ ' ‘ ‘ , ist auSge-