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M 122

JuLöa, Samstag, den 31. Mai 1902.

29. Jahrgang.

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deutsches Reich

Berlin, 30. Mai 1902.

tmhkffn.

der 19. Jahrhunderts von B. s. Eoester.

28

(Nachdruck verboten.)

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vru» und DfrUg bei galban Hctitnbntftem pkIer»,aS- fir. i (baratonie).

Dann änderte sich urplötzlich meine bescheidene Haltung, verbeugte mich allseitig, versicherte, daß es mir das größte Vergnügen gewesen wäre, die Herrschaften umherzuführen und stellte mich schließ- ilch vor.

Wenn ich dann meinen Namen gesagt hatte: »Leutnant im 3. Infanterie-Regiment, Christian, «recherr von Adlerskopf," und dann die verlegenen -Utienen der braven Leute sah — ach Gott, es war zu hübsch! ’ '

Neugierig hatte ich an den Fenstern meiner dicht am Thoreingang gelegenen Stube gestanden, als unser nunmehriger Kommandant mit seiner Familie seinen Einzug hielt. Zuerst erschien der Major mit jden beiden ältesten Töchtern, Olga und Kathinka, frische, gesunde Mädchen, 19 und 20 Jahre alt. Der Major nicht sehr groß, hatte blondes mit Grau gemischtes Haar und ein ziem­lich dickes Bäuchlein; er glich entschieden meinem Freund Paul, resp. sein Sohn glich ihm. Dann kam ein Backfischchen, Natalia, mit dem nämlichen treuherzigen etwas nichtssagenden Apfelgesicht, wie die ätteven Schwestern, und direkt neben ihr. Arm in Arm, das niedliche 12jährige Zwillings­pärchen, Alex und Sascha, — beide wieder an den Vater erinnernd.

Nun endlich, ich war schon ganz ungeduldig

I als ob Gefahr tat Verzüge sei für das Vaterland, wenn der Reichstag nicht sofort Kotau machen und zu Allem, was die Verbündeten Regierungen wünsche», nicht sofort ja sagen will? Wenn Jahre, wenn Jahrzehnte lang der ermüdende Ueber- Parlamentarismus von der Linken her und die BergewaltigungSgrlüste und Hetzpeitsche der Re­gierung ohne Unterlaß auf di« Parlamente ein­wirken, dann müßte eS ja geradezu wunderbar fein, wenn wir von aller Parlamentsmüdigkeit verschont bleiben sollen. Sie mußte kommen unter den obwaltenden Verhältnissen, und eS wird noch ärger damit werden, wenn nicht die parla­mentarischen Dinge in der Zukunft ander- gehand­habt und namentlich nicht die Tagungsabschnitte so unnöthig lange bis tief in den Sommer hinein ausgedehnt werden — und das im Reichstage ohne eine Entschädigung für die persönlichen Aus­gaben seiner Mitglieder!

Es fehlt nur noch erneute Obstruktion der Linken, um das Gefäß der Parlamentsmüdigkeit zum Ueberlaufen zu bringen und wirkliche- Grauen vor den Parlamentsverhandlungen zu erzeuge» — aber immer stößt man auf diese Linke, auf die Freunde jener ,Weser-Zeitu»g', wenn man nach den, Grundursache» der unleugbar wachsen­den Pariamentsmüdigkeit forscht. Diese Linke sollte sich die Mißstimmung ihrer eigenen Presse über den schleppenden Gang der parlamentarischen Arbeiten recht sehr zu Herze» nehmen und ihrer Redelust ohne Noth die Zügel kürzen; damit würde der allerbeste und allersicherste Anfang gemacht werden dazu, das Graue» vor den Parlamentsoerhandlungen — um mit dem -üre- mer freisinnige» Blatte zu rede» — zu überwin­den. Die Barth, die Lenzman», Müller-Meiningen, die Stadthagen, Bebel, Stolle, Wurm und Ge­noffen sind es es, vor deren Reden man sich graut; und sie find es, dle den grundsätzlichen I Gegnern parlamentarischen Einflusses und wachsen­der Machtstellung der Volksvertretung am allereif­rigsten u.am allererfolgreichsten in dieHände arbeiten!

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Wahlkreise Ar. Lieöer'» hat sich die Zahl der Reichstag-kandidaturen um eine vermehrt. Auch Herr von Graberg, de- Präsidenten de- Nassauer Bauernverein-, ist al- Bewerber um da- Mandat auf den

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rärMieint täglich, ^-Ausnahme der Sonn-und Feier- iaqe. Vierteljahr!.

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ohne Bringerlohn und Bestellgeld in ftulba und aus-

<€*«**»*».*»«» ju Wie schnell verging der Winter, vor dem ich rkiltuauts-AiMruugku fW Olttl so gebangt, in Folge der harmlos fröhlichen Lurlt-ls-,« Geselligkeit, die sich im Verkehr zwischen „Majors"

MUthksskU. und uns „Sträflingen" nach und nach entwickelt

Halbvergeffene Beschichten aus de« 30 et unb 40 et Iahten ^tte* Das heißt, ganz ohne Schwierigkeit hatten “------- . ’ 1 rott den Eintritt in dies kleine Paradies nicht

erlangt, und noch heute gedenke ich mit Schrecken des unglücklichen ersten Besuches, den ich der Frau von Spinnern machte. Sie ist eigentlich mit 2 Worten beschrieben: unbeschreiblich liebenswürdig und unbeschreiblich häßlich. Polin von Geburt, hatte sie ihren Gatten kennen gelernt, als er ver­wundet und hilflos in ihrem elterlichen Haus im Quartier lag. Da hatte er Gelegenheit gehabt, ihre selbstlose Güte und von Herzen kommende Liebenswürdigkeit kennen zu lernen, und als der Friede kam, da hatte er das unschöne und durch den Krieg verarmte Mädchen als Gattin heim­geführt. ‘

ich aber, auf meine Freundschaft mit Paul pochend, ließ mich nicht abhalten, und ging allein.

Der Herr Major sei in die Stadt, zur Kirche gegangen, und noch nicht zurück, aber gnädige Frau ließ bitten, berichtete der Bursche.

In der blau tapezirten „guten Stube", (kein Schuster hätte sie heut zu Tag so einfach —) empfing mich, mit ihrem guten Lächeln, mir ein hartes, braunes Kinderhändchen entgegenstreckend, Frau Luna.

In der Nähe war sie fast noch häßlicher, aber wie bald vergaß man, daß der Teint blatternartig und die Zähne defekt waren, über die liebens­würdige warmherzige Theilnahme, mit der sie sich nach unserem Ergehen erkundigte. Dazu sprach sie ein hartklingendes mangelhaftes Deutsch, was ihr offenbar Mühe machte, denn plötzlich meinte sie:

„Ach, ich spreche serr schlecht deitsch, mais certainement Monsieur parle francais?" Und ich Unglücksrabe, mehr freilich aus Verlegenheit, als aus Selbstübeifichätzung antworte: „un peu!" (öng bö, sagte ich.) Da hatt' ich's! „Oh c’est charmant," schrie ganz entzückt Frau Luna, und sprudelte nun mit einer Lebhaftigkeit, die ich ihr nie zugetraut, einen Wortschwall hervor, von dem ich nicht etwa „un peu," wohl aber „rien du tont" verstand.

In peinlichster Verlegenheit saß ich ihr gegenüber. Endlich glaubte ich, mehr aus ihren Handbewegungen freilich als aus ihren Worten, zu entnehmen, daß sie von der schönen Umgebung Spangenbergs spräche, und beeilte mich, ein kühnes „oui tr£s belle vue" dazwischen zu werfen.

, Nie habe ich erfahren, von was sie gesprochen, aber sie sah mich so grenzenlos erstaunt unb

Besonderen Spaß machte es mir, wenn Freunde kamen — es geschah nicht oft — diese überall herumzuführen und im eintönig näselnden Ton der angestellten Fremdenführer ihnen die Sehenswürdigkeiten zu erklären und zum Gaudium der stets mitziehenden Leidensgenosfen, allerlei Schauergeschichten erfand und zum Besten gab. Besonders war es der berühmte, angeblich von Riesen gegrabene Brunnen, in den meine Phantasie nach und nach so viel Personen be­fördert hatte, daß das Wasser, wenn es auch »och keine Ueberschwemmung angerichtet, jeden­falls ungenießbar geworden wäre.

Mein und der Freunde Vergnügen erreichte aber seinen Höhepunkt, wenn am Schluß der Tour der reisende Biedermann in die Tasche a, um mich für meine Mühe fürstlich zu be- en.

O Unberechtigtes Grauen.

«Nicht ohne ei» gewisses Graue» könne» wir daran denke», daß in wenigen Tagen die parla- mentslose, die erquickliche Zeit vorüber fei» und die Stille der Ferien dem Lärm der politische« Arena Platz machen wird .... Ganz alte Leute können sich noch sehr wohl der Zeit er­innern, wo es unser schwärmerischer Wunsch war, in unserem Baterlande ei» Ab- und Ebenbild der Institutionen aufgerichtet zu sehen, die in London und i« Paris den Mittelpunkt des politischen Interesses für ganz Europa bildete» . . . Da­ist alles vorbei. A» die Stelle der gespannten Aufmerksamkeit und de- lebendige« Interesse- ist Gleichgiltigkeit und Ueberdruß getreten, und dem Wiederzusammentritt der Volksvertreter ... sieht man, wie gesagt, mit einem gewissen Grauen entgegen, um nicht zu sagen mit Ueberdruß und Widerwillen. . . ."

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I CentrumSpartei dieses Wahlkreises. Bo« Inte- reffe ist ferner, daß der Bauernverein beim Bunde der Landwirthe Unterstützung für seinen Kandidaten nachgesucht und die entsprechende Zusage auch erhalten hat; und nun liegen die Dinge so, daß ein offizieller CentrumSbewerber und ein katholischer Agrarier in Dr. Lieber's Wahlkreis einander bekämpfe« werden. DaS ist sehr zu bedauern. Im übrigen find mit dieser neuen Kandidatur die AuSfichten der National- liberalen auf Wahlerfolge vollständig zu einem Nichts zusammengeschrumpft. Die Ersatzwahl zum Reichstage für Dr. Lieber wird verrnuthlich noch viefsache und wahrschetalich leider auch recht erregte Erörterunge» Hervorrufen.

h. Das Abgeordnetenhaus hat den An- trag des konservativen Abgeordneten v. Bockel- berg, 12 Millionen für iuuere Kolonisation durch Bildung vo« Rentengütern zu bewillige», am Freitag an dieselbe Kommission verwiesen, der auch die Vorberathung über die Umgestaltung der General - Kommissionen obliegt. Nach bett Erklärungen der verschiedenen Redner stehen alle Parteien dem Anträge freundlich gegenüber, ein­zig ausgenommen die freis. Volkspartei. Die Re- gierung aber hat, obwohl der Antrag ja schon im Vorjahre berathen und an eine Kommission verwiesen wurde, noch immer keine Stellung dazu genommen, wie Minister v. Podbielski erklärte. Von mehreren Rednern wurde dieses Zögern der Regierung mit vollem Rechte getadelt, so nament­lich von den konseroativen Abgeordneten Frhrn. o. Wangenheim und v. Riepenhausen. Der Centrums-Abgeordnkte Schmitz wies ziffernmäßig nach, daß man mit den Rentengütern bisher sehr gute Erfahrungen gemacht hat.

+ Sozialdemokratie u«d politischer Mord. Daß die sozialdemokratische.Leipziger Volkszeitung' voll Lobes war für den Mann, der i» Wilna auf den Gouverneur vo» Wahl mehrere Reooloerschüffe abgab und diesen schwer verletzte, ist berichtet worden. Man hätte denken können, das sei eine besondere Einzelleistung des Leipziger Blatte- in einer hervorragend begeister­ten Stunde gewesen. Aber mit Nichten! Da- I sozialdemoiratische Berliner Centralorgan .Vor­wärts' nimmt fich der angefeindeten Leipziger Genossin wacker an und vertritt also Partei- i offiziell deren Verherrlichungen des politischen Morde-. Die- geschieht in einer kräftigen i Schimpferei gegen die freifinnige .Vosstsche Zeitung', die die Leipziger Ausfälle zu tadeln | gewagt hatte, und dem Gedanken Raum gab, nicht die ganze Sozialdemokratie denke so wie die.Leipziger Volk-zeitung'.

„. . . die schreckhafte Tante (Voß) — so schreibt der .Vorwärts' — unternimmt eS auch, die „fiute" Sozialdemokratie gegen die „An- thaten" der ,Leipz. Volksztg.' zu vertheidigen, und gegen diese ungebetene Bert Heid i- gung müffen wir entschieden protestiren. Wir müffen eS ablehnen, daß irgend ein deut­scher Sozialdemokrat zu den Heulmeiereien der kreischende» Tante finken könnte..."

Da8 genügt! Wie steht es denn nun,mit der angeblichen „Mauserung" der Sozialdemokratie zu einer radikalen Bürgerpartei?

I + K-glaud mt» der IMer. Ofstziö schreibt die .Nordd. Allgem. Zig.': „In der .Deutsche» Tagesztg.' war . . . die Frage gestellt, ob etwa England das Versprechen gegeben wor« ben sei, baß daS Deutsche Reich zuerst feine Entscheidung über die Brüsseler Konvention treffe« werde. Diese Frage können wir sehr kurz und einfach dahin beantworten, daß eine derartige Zu­sage niemals weder verlangt «och gegeben worden ist." Tine Vertagung der Zucker-Vorlag» bis zum Herbste erachtet der OfstziosuS als gleich- bedeutend mit der Ablehnung der Konvention — warum den«? Die Ablehnung würde aber „die Gefahr handelspolitischer Verwickelungen mit dem Auslande mit sich bringen" — warum den« ? Außerdem hätte man fich daS eben früher über­lege« solle«'

h Da» preußische ASgeordneteuhau» wird diesen Samstag keine Plenarsitzung ab­halte«, damit die Kommisfione« erfolgreich ar­beiten können.

+ Der konservative Antrag 58er die la»dwirtHschaftliche« IöKe wird im Abge­ordnetenhause voraussichtlich am Montag zur Verhandlung kommen. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Sache hat der Vorsitzende der Centrumsfraktio» Abg. Fritze« (Borken) die Mitglieder der Fraktion ersucht, zu der Ver­handlung fich pünktlich einfinde« zu wollen. Der Antrag lautet:

_ DaS Hau» bet Abgeordneten wolle beschließen, bie Königliche Staatsregierung aufzufordern, im Bundes« rathe bafür eivzutreten, baß ben von der Mehrheit bet ReichStagS-Zolllariskommisfio» auSgedrückten Wünschen auf Verstärkung be, lanbwirthfchafttichen ZollschutzeS übet die Zolltarifvorlage hinaus entsprochen werbe.

Der Antrag ist von ben Abgg. Graf Limburg« Stimm, Dr. vo« Hrydebrand und der Lasa, Dr. Porsch und Herold unterzeichnet und von 140 konservative« und 88 Centrumsabgeordnete» unterstützt.

* V-l-ra*z i# Sachse«. Von 77 Mit- gliedern der zweiten sächsischen Kammer wird die nachfolgende Interpellation an die Regierung der Königreiches Sachsen gerichtet:

Nachdem der Reichskanzler bei Einbringung der vom C en tat um im Reichstage gestellten Toleranzantrage« eine ablehnende Er­klärung abgegeben, der Vertreter der sächsische« Regierung fich derselben angeschlossen und diese Erklärung die allgemeine Zustimmung der Landes gefunden hat, stellen bte Unterzeichnete« an die königliche Staatsregierung die Anfrage, ob sie auch jetzt noch bereit ist, den Erlaß eines derartiLen Gesetzes, auch in der nach ben bisherigen Beraihungen des Reichstage» in Frage kommenden Fassung abzulehnen?

Es fehlen nur dis Unterschriften von fünf Abge­ordneten. Was die Interpellanten eigentlich wollen, geht an» ihrer Interpellation mit dem wunder­lichen Deutsch, in dem sie abgefaßt ist, nicht recht klar hervor. Aber augenscheinlich ist die Angst, es könnte in Sachsen wirklich noch einmal „Helle" und tolerant werden, die Mutter de» Gedanken- gewesen. Run, wir werden hoffentlich recht bald aus der Antwort der Regierung auf diese Inter­pellation erfahren, was die Regierung zu thun gedenkt. Das Eine ift klar: die Stellung de«

Inserate: Di« einspaltige Belitz zeile oder bereit Rauml5Pfg..Re« Hamen die Petit­zeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird ent sprechend. Rabatt gewährt.

Wer blickt mit solchem Grauen auf den er­neuten Begin» der Reichstagsoerhandlungen — das .Adelsblatt', bie .Kreuz Zeitung' oder etwa Leute von dem Schlage der „rückständigen Crn- trumsagrarier"? Gott bewahre! Die frei- finnige unb freihänblerische .Weser- Zeitung' in bet Welthanbelsstadt Bremen ist es, die der parlamentarischen Volksvertretung diese Unliebenswürdigkeiten sagt: „Es hilft aber nichts, das Grauen muß Überwunden werden--"

so seufzt die .Weser-Zeitung'.

„ Etwas Gutes wird dem Menschen wider­wärtig, wenn er es in zu reichlichem Maße ge. «ießt. Der herrlichste Wein wird zur Qual, wenn er in zu großen Mengen genoffen wird. And wenn sich nun Monat um Monat in unab­sehbar endloser Reihenfolge die Maffe der un­glaublich langen Reden der Herren von der linken Seite des Reichstages ergießt, mit denen ja die ,Weser-Zeitung' besonders gut befreundet ist, dann begreift man recht wohl, daß sowohl derer ein Ueberdruß fich bemächtigt, die diese Reden ohne Ende Über sich ergehen kaffen sollen, al- auch der Anderen draußen im Lande, denen zu- gemuthet wird, die mehr oder weniger ausführ­lichen Zeitungsberichte darüber zu lesen. Aber der Fehler des UeberparlamentariSmuS liegt eben gerade bei den Freunden derselbe« ,Weser- Zeitung' und bei de« Sozialdemokraten, und deswegen find die Zeitungen der Linksparteien ... ®.n’ ^ÄSsten berechtigt dazu, in solche Klage- Kampfplan getreten. Herr von Graberg sollte lieber Über die unleugbare Zunahme der Parla- nach dem Wunsche deS Bauernvereins der offi« - mentSmüdigkeit bei uns auSzubrechen. Ihre Leute zielle Kandidat des Centrums werden. Damit tragen selbst einen großen Theil der Schuld war ober die Leitung der CentrumSpartei nicht daran, während da« Centrum und die Rechte einverstanden, unb es folgte sodann in einer stets mit ihren parlamentarischen Reben Maß zu Versammlung von Vertrauensmännern bes halten verstanden haben und noch verstehen. CentrumS einstimmig die Aufstellung deS Rechts- Außerdem trägt eine starke Mitschuld die Reichs- anwalteS Dahlen i« Oberstei» als Wahlbewerber «gierung. Warum kann diese eS nicht unter- der CentrumS. Der Nassauer Bauernverein hat rA^ledeSmal vor dem parlamentarischen ThoreS- fich also mit der nachträglich von neuem aufge- schluffe den Reichstag noch mit hochwichtigen Gesetz- nommenen Kandidatur deS Herrn von Graberg entwürfen zu Überfällen und dabei fich anzustellen, in unleugbaren Widerspruch gesetzt zu der

vor Spannung, erschienen bie beiden kleinsten Mädchen, Lenka und Lottka, an der Hand der Frau Sonia Spinnern.

Ich fuhr förmlich zurück vor Schreck bei ihrem Anblick. Man denke sich ein zwerghast kleines dünnes Persönchen, mit dickem Kopf und riesengroßem käsebleichen Gesicht. Die Gesichts­züge waren eigentlich nur markirt. Kleine (ach so gute, freundlich blickende) Schlitzäuglein, eine kleine aufgestülpte Stumpfnase, die sich kaum über die Höhe der Backenknochen, die etwas vorstanden, erhob, und ein großer gradgeschnittener Mund, mit schmalen farblosen Lippen.

Gekleidet war die Gute in ein dunkelblaues Kleid und ein rührendes schwarz seidnes Mäntel- | chen. Den großen Kopf umrahmte ein schreckliches Hutungethüm, von dem ich mir nur noch eine I wehende graue Feder unb einen grasgrünen Schleier erinnere.

Genug, der erste Eindruck war geradezu de- primirend.

Ganz trübsinnig ergriff ich meine Guitarre und fingerte drauf rum.

„Lei — eise flehen, mei — eine Sie — der" — nein, das ging nicht.

„Liebend gedenk ich Dein — ", nein das noch weniger, aber jetzt hatte ich's: „Guter Mond, Du ge — e — ehst so sti — lle — ", ja, das war das Richtige, wie der gute, stille Vollmond sah unsere n^ue Kommandeuse aus, und gefühl­voll sang ich das Lied zu meiner Guitarre in den schönen Abend hinaus.

Gleich am nächsten Sonntag, d. h. zwei Tage später, beschloß ich meine Aufwartung zu machen. I

Die Andern fanden es noch als zu zeitig, \

^trant®ortli<6: Sür Mt »rtaftio« 3ot Sau«,

; „ Tlluslrirle Sonntags-Zeitung“, „Suldaer Geschicbtsblätter“ und fotterie-Ciste.