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Oru» und Verla, der Auldaer Actiendruckcrc» petersga-c Nr. e (tearmonld.
Jli 121.
Iuröa, Frettag, den 30. Mai 1902.
29. Jahrgmg.
Wer persische Besuch in Potsdam.
Der Schah von Persien traf heute (Donnerstag) in Potsdam ei«, um auf Einladung des Kaisers den FrühjahrSparnden beizuwohnen. ES ist daS vierte Mal, daß ein Schah nach Berlin kommt. Ebensowenig wie früher ha auch der gegenwärtige Aufenthalt eines „Königs der Könige" in Berlin politische Bedeutung. Moßaffer-ed'din Schah Kadjahr, Schahinschah, ist 49 Jahre alt. Er ist Muhammedaner. Ueber daS „Haus des Schah" enthält das Golhaische Almanach genaue Angaben, wonach er sechs Brüder und elf Schwestern, sechs Söhne und elf Töchter hat. Ueber die Zahl seiner :■ Frauen aber finden sich im Hoskalender keinerlei Angaben.
Wenige Jahrzehnte find verstrichen seit dem ersten Besuche seines Vaters Rafft-ed-din am Berliner Kaiserhofe; und wie ander« haben sich seitdem die Verhältnisse tn Persten und auch die Perser selbst gestaltet, wenigstens diejenigen, die an der Spitze des perfifchen Staatswesens stehen. Das Gefolge Naffr-ed-din's schlachtete damals Hammel in den Gemächern der Berliner Königs« schloffes, die ihnen eingeräumt worden waren. Da« waren Gestalten, die in unsere westeuropäische Welt hereinschneiten wie gänzlich fremde Wesen, die auch alle» um fich herum mit vollkommen fremden Augen anschauten. Jetzt aber bekommen wir Leute zu sehen, denen europäisches Wesen gar '.nicht mehr fremd ist, die vielmehr die Vorzüge europäischer Bildung und Kultur durchaus etn- gesehen und danach auch entsprechende Reformen in ihrem Lande bereit» in großem Umfange ein« » geführt haben.
Und was so ziemlich ganz neu ist bei einem « asiatischen Herrscher: Schah Moßaffrr«ed - din ist in überzeugter Weise volksfreundlich — nicht «ach altem Despotenzuschnitt, indem er je nach Laune und augenblicklicher Stimmung diesem oder jenem Unterthanen eine persönliche Wohlchat erweist! Ec betreibt vielmehr eine wirk« Äch volkSthümliche Politik. Abgefchafft wurden unter seiner Regierung die drückenden Brod« und Fleischsteuern, die inneren Zölle und die Wege» «gelber. Die ganze Postverwaltung und daS Zollwesen wurden durch europäische Beamten von Grund aus reformirt; das Münzwese« wurde nach modernen Regeln eingerichtet, und die Vortheile dieser verständigen Neuerungen fallen so sehr in die Augen, daß höchstwahrscheinlich in der nächste« Züt noch andere Zweige der Staatsverwaltung in Persien nach dem modernen europäischen Zuschnitt umgeändert werden. Persönlich ist Moßaffer«ed»dtn dabei so freundlich gegen Jedermann und so freigebig, daß ftine Umgebung ohne Aufhören in der Be- sorgniß schwebt, der Schah möchte sich wieder einmal gänzlich verausgaben. Ja früheren Jahren war der Schah vielfach leidend. Der Behandlung und de« Rathschlägen berühmter
deutscher Aerzte, so besonders des Professor« Pfeiffer in Wiesbaden, verdankt er eine nachhaltige Bsffsrung feiner Gesundheit, so daß man hoffen darf, er werde zum Wohle seines Lander noch lange Jahre auf dem Throne feiner Väter fitze«.
Persiens Politik zu leite« ist gar nicht so leicht; de«n Persien muß fich, ebenso wie Afghanistan, beständig zwischen de» beide» feindlichen Mächte» Rußland und England hindurch winden. Daß das Kunststück bisher gut geglückt ist, hat Persten in erster Reihe dem Großvezier Ali Asgar Chan, Atabeg-Asam zu verdanke«. Dieser hat bereits mehrere Reise» an europäische Höfe unternommen; aber ganz besonders für Deutschland empfindet er unbegrenzte Hochachtung, und deswegen kommt man ihm auch mit großer Freundlichkeit entgegen. Einmal fiel er bei dem Schah in Ungnade. Aber nach kurzer Zeit wurde er wieder in Aemter und Würden eingesetzt, und nunmehr ist er aus der Gunst seines königlichen Herrn nicht mehr zu verdränge». Zum Kabinets« chef hat fich der Großvezier eine« Mann von gänzlich abendländischer Bildung ausgesucht, M ohand eß-ul.Mamalek, der auch den Titel eines Ministers der öffentlichen Arbeiten führt. Dieser hat seine beide« Söhne zur Ausbilduug »ach Berlin gesandt, btffe» Studienanstalten in de» Augen der Perser den entsprechenden Anstalten in Paris und London den Rang abge- laufe» haben.
Naffr-ed-din war für die Berliner bei seinem ersten Besuche eine Figur, von der fie nicht recht wußten, ob sie ihn als höchst komische Erscheinung watdlich belachen, oder ob sie ihn als eisen asiatischen Despoten verabscheuen sollte». Bei seinem Sohne Moßaffer-ed'din ist dies anders. Man bringt ihm Achtung und Freundschaft entgegen; und die Eindrücke, die der persische Herrscher aus der nordischen Großstadt mstnehmen wird in seine sonnige Heimath, weroen keineswegs unangenehm sein.
Berlin, 29. Mai 1902.
+ Der Reichstag wird am nächste« Dienstag wieder mit seine« Plenar-Sitzungen beginnen. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung stehe» die dritte Lesung der Branntweinsteuer und das Gesetz über die Besteuerung der künstlichen Süßstoffe. Im Vorjahre hat die Linke, poch ganz am Ende der Tagung, eine Beschlußfassung über die Branntweinsteuer durch ein Verfahren unmöglich gemacht, das von Obstruktion fich genau so unterschied wie ein Ei vom ander». Vor dieser letzten Vertagung des Reichstages vor Pfingsten begann dasselbe Manöver von neuem, als es sich darum handelte, den Zeitpunkt der Berathung für daS Branntweinsteuer-Gesetz zu bestimme«. Man hat also anzunehmen, daß die Freisinnigen und Sozialdemokraten beabsichtigen, diese Kniffe von neuem zu versuchen, und die einzig wirksame
ftihtaats-ltimtniBgra nm alt« Lnhkjsm.
Halbvergefsene Geschichten aus dm 30 et und 40 er Jahren be8 19. Jahrhunderts von B. S. Soester.
,27 ------- (Nachdruck verboten.)
„Herr Leutnant von Adlerskopf," begann er mit verstelltem Ernst, '„id) komme nicht als Freund, sondern als Regiments-Adjutant. Ich muß sie ersuchen, sich als Gefangener zu betrachten und bitte um Ihren Degen."
Ich war keines Wortes mächtig. Mein Gott, was war vorgefallen? Was würde Jansen denken, wenn ich mich morgen ftüh nicht stellte? Die Gedanken wirbelten mir im Kopf herum und halb betäubt raffte ich mich endlich zu der Frage auf: „Und weßhalb, was habe ich verbrochen?"
„Und das fragen Sie noch. Sie blutdürstiger Geselle!" lachte Mattelly.
Dann schritt er an meinen Schreibtisch, wo 3—4 sauber konvertirte und sorgfältig gesiegelte Briefe bereit lagen, meinen Tod den fernen Lieben zu melden, ergriff sie und gab sie mir mit den Worten: „Die können Sie jetzt getrost ins Feuer werfen, lieber, alter Adler, diesmal ist es nichts mit dem Abschied für's Leben." Der brave, edle, pflichtgetreue Jansen hat streng vorschriftsmäßig Ihr abscheuliches Vorhaben dem Kommandeur gemeldet und der Oberst schickte mich unverzüglich ab, Sie in Ketten zu legen."
Das also war des Räthsels Lösung!
„Ja," fuhr Mattelly vergnügt fort, „ein -Lieber, vernünftiger Kerl, dieser Kamerad Jansen.
Natürlich brauchen Sie auf Ihren Freund Spinnern jetzt nicht mehr zu warten, der ist ebenfalls längst dingfest gemacht." Dann nahm er meinen Degen, entfernte sich so vergnügt lachend, wie er gekommen war, und ließ mich mit tausend unruhigen und aufregenden Gedanken allein.
Es war eine große Wohlthat für mich, als Kant und Hartor erschienen und ich ihnen das Geschehene mittheilte und mit ihnen über die daraus entstehenden Folgen aussprechen konnte.
„Kriegsgericht, fünf Jahre Festung," meinte Kant lakonisch.
„Nun," beschwichtigte Hartor, als ich enffetzt auffuhr, „so schlimm wird es ja nicht werden, aber auf 2—3 Jahre müssen Sie sich immerhin gefaßt machen. Immer noch bester, da es nun nnmal so gekommen ist, als zum Krüppel oder todt geschossen zu werden."
Einige Tage später bekamen Spinnern und ich die Ordre, uns nach Kassel zu begeben, wo wir im Kastel internirt wurden.
Drei Wochen darauf fand das Kriegsgericht tatt; ich wurde zu drei Jahren, Spinnern zu sechs Monaten Festung verurtheilt.
An einem schönen Julitag hielten wir unseren Einzug in die alte, so reizend gelegene, kleine Bergfeste Spangenberg.
Ringsum grüntej und blühte das Land in der üppen Fülle des Hochsommers. Die kleinen Städte und Dörfer, in der Nähe gesehen meist so verfallen und schmutzig, lagen malerisch in das Grün gebettet. Die Aussicht von oben war reizend, und unsere Zimmer, wenn auch spartanisch einfach eingerichtet, luftig, freundlich und geräumig. Leidensgenossen finde« wir auch, sogar außer
Hilfe bagege» ist die, daß bet Reichstag t» so starker Anzahl fei»er Mitglieder sich versammelt, daß er auch ohne die Freisinnige« und Sozialdemokraten beschlußfähig bleibt. ES handelt fich nicht nur um die »eue Branntweinsteuer mit ihren namentlich für die viele» kleine» Bre»»ereien im westlichen und südlichen Deutschland wohlthätige» Bestimmungen, sondern auch um andere, sehr wichtige Di»ge. ES sei in diesem Sinne nur an die Zucker-Bvrlage, an daS Toleranz-Gesetz deS Centrums und an ähnliche Dinge erinnert. Ueberall droht der guten Sache Gefahr, wenn die Mitglieder der MehrheitS-Parteien des Reichstages nicht wie ei« Man« int Reichstage erscheinen und auSharren, bis die Berathungen über diese wichtigen Gesetze beendet sein werden. Der Vorsitzende der CentrumS« Fraktion des Reichstages hat in diesem Sinne an alle Mitglieder seiner Partei eine Aufforderung gerichtet; dasselbe ist bei den Konservativen geschehen. Scheitern diese Berathungen von neuem in Folge der Winkelzüge der Opposition, dann werde« die MehrheitS-Parteien selbst die Schuld daran tragen, genauer gesagt diejenigen Mitglieder dieser Parteien, die auch diesmal ihrer Pflicht als ReichStagSbote« nicht nachkommen. Mögen siezusehen, daß daS Gemeinwohl keinen Schade» erleidet!
-s-Akn Zolltarif-Kommission de« Reichs- tage« hat sich am Dienstag und Mittwoch mit den Zöllen für allerhand Erzeugniffe der chemische« Industrie beschäftigt, die ohne Ausnahme nach den Vorschläge« des Regierunasentwurfe» angenommen wurden. Mittwoch Nachmittag wurde die Berathung bei Nr. 285 — Soda — abgebrochen und auf Freitag ftüh 10 Uhr vertagt. Soda gehört zu den wichtigsten Erzeugniffe» der deutsche« chemische» Industrie und bildet einen bedeutenden Ausfuhrartikel.
X Zolltarif im preußischen Atzgeörd« «etenhavse. In der nächsten Woche wird im preußischen Abgeordnetenhause der Antrag der Konservative» und des CentrumS zur Berathung gelangen: die Staatsregieruvg aufzuforder«, im Bundesrathe auf die Erhöhung der Getreidezölle über die Zollsätze deS BunveSrathsentwurfes hinaus hinzuwirken. Der Antrag ist vo« den Konser« vative» ausgegangen, bekanntlich aber auch von de» meiste« CrntrumSabgeord«eten unterschriebe« worden. Die Freiksnservativen haben, wie eben« fallS bekannt, eine» eignen Antrag eingebracht, der eine abgeschwächte Form des konservative» Antrages darstellt.
+ I« der Mittwochs-Sitzung der Incker- siene^ Kommission erklärte Abg. Pingen (Ctr.), wenn jetzt keine Zusage» bezüglich der Frachtermäßigungen gegebr« würde«, sei eS besser, die Verhandlungen bis Oktober zu vertagen. Staatssekretär Graf PosadowSky sprach fich entschieden gegen die Vertagung auS. Komme die Konvention nicht zu Stande, würde die deutsche Zuckerindustrie in die größten Schwierigkeiten gerathe». Abg. Müller-Fulda beantragt hierauf Vertagung bis zum 1. Oktober, da die Sache nicht geklärt jei, auch über die in Ausficht gestellte neue Kontingentirung Klarheit geschaffen werden müsse. PosadowSky bekämpfte
den militärischen, einen richtigen Demagogen, den liebenswürdigen, hochgebildeten Dr. Eg aus Marburg. Ich habe mich mit ihm angefteundet und noch jahrelang mit ihm korrespondirt.
Etliche Bücher gab es schon damals, aber ob sie lesen konnte? Ach, es wäre riesig nett gewesen, wenn auch jetzt noch ab und zu ein Landgraf mit ritterlichem Gefolge und dem Troß von Landsknechten, Jägern, Pferden und Hunden in die alte Veste eingerückt wäre, denn nachdem der Reiz der Neuheit zugleich mit der schönen Jahreszeit vorüber war, stellte sich bald öde Langweile ein. Mir graute vor dem Winter, ich hatte Heimweh.
Der Kommandant war ein alter, geistig stumpfer Mann, dabei ein Gamaschenknöpfer und Kümmelspalter erster Güte.
Mcht, daß er uns gerade chikanirt hätte, aber er schenkte uns nichts und gestattete uns nicht die kleinste Freiheit.
So las er u. A. gewissenhaft jeden ankommenden oder abgehenden Privatbrief, nicht nur des verdächtigen Dr. Eg, sondern auch von uns. Keine leichte Aufgabe, denn selbstverständlich wurden die Briefe immer nichtssagender, aber auch keine allzuschwere, denn man beschränkte sich aufs Rothwendigste.
Die Familie des Obersten bestand zudem nur aus .feiner alten, stets unsichtbaren Frau und aus einer betagten, taubstummen Tochter, die ich zuweilen, strümpfestrickend, im Burggärtchen sitzen sah.
Es war trostlos!
Wie schon Eingangs erwähnt, vermittelte eine Botenfrau den Verkehr mit der Welt, d. h. mit Kassel. Sie war, zum Glück, eine nicht nur körperlich sehr rüstige, sondern auch sehr ■
nochmals den Vertagungsantrag. Die Aussetzung der Verhandlungen werde im Auslande so gedeutet werden, daß Deutschland die ftmoention nicht annehme» wolle. Nach längerer Debatte, in bet auch Staatssekretär Richthofe« gegen die Vertagung sich aussprach, zog Abg. Müller-Fulda einstweilen seine» Antrag zurück, um dem Seniorenkonvent Gelegenheit zu abermaliger Beschlußfassung zu geben. Er erklärte aber, daß et fich vorbehalte, den Antrag bei paffender Gelegenheit zu erneuern. Hierauf ttitt eine Mittagspause ein.
+ Die „cherrolsen" «»ter einander — ein unerschöpfliches Thema! I« Sachsen find fie schon öfter hintereinander gerathe» wegen der Landtagswahle«. Jetzt paßte eS den Berliner Größen der Sozialdemokratie nicht, daß die bayerische» Genoffen für die bekannte Entschließung in ihrer Abgeordnetenkammer mitgestimmt haben, in der die Regierung zur Vorlage einer Wahlrechtsreform aufgefordert wird. Das Berliner sozialdemokratische Centralorgan schimpfte darob etwas weniges und hatte Überhaupt an den bayerischen Sexoffen allerhand auszusetzen, wofür eS nun tn dem Münchener Organ der Abg. von Bollmar abgekanzelt wird. DieS geschieht in einer Weise, die durch die beffere und feinere Tonart sehr vortheilhaft absticht von den polternden Redensarten des Berliner Centralorgans, daS daraus aufmerksam gemacht wird, daß auch in der Sozialdemoftatie die Bayern für bayerische Angelegenheiten die Selbstständigkeit ihrer Meinung beanspruchen. Nur in Nürnberg überwiegen stark Berliner Einflüsse. Dort war kürzlich „Genosse" Roß köpf ans der Partei „hinauSgeflogen", weil er Nachrichten aus der Partei an den fretstnnige» .Fränkischen Kurier' gegeben hatte. Trotzdem ist er in dem benachbarten Wahlkreise Ansbach- Schwabach vo» der Sozialdemokratie wiederum als Kaudidat für die nächste ReichStagSwahl aufgestellt worden. ,DaS läßt tief blicken!"
* Kamvrrrg, 28. Mai 1902. Eine Lohnbewegung bereitet sich i« de« Hamburger Baugewerbe« vor. Die Meisterinnung hat die Forderung neunstündiger Arbeitszeit abgelehnt. Daraufhin fand eine vo« 2500 Maurern besuchte Vsrftmmlung statt, die mit großer Mehrheit beschloß, in eine Bewegung zur Erreichung der neunstündigen Arbeitszeit bei einem Stundenlohn von 70 Pfg. einzutreten. Doch will man eine« allgemeine« Ausstand vorläufig nicht herbei- führen sonder» die einzelnen Arbettgeber durch partielle Arbeitseinstellungen willfährig machen; bei der augenblicklich sehr regen Bauthätigkett verspricht man sich davon Erfolg. — Die Zimmerer und die andere« Bauarbeiter beabsichtige», sich den Maurern anzuschließrn.
Arrs dem Landtage.
78. Sttzmig vom 28. Mai 1902.
Der Gesetzentwurf über die Neurexelung der Ber- traßSoerhältnifle der Main-Neckar-Bahn wurde nach kurzer Berathung an die Budgetkommissio« verwiesen.
WWSSSSSS«»- «BMaKSBai kluge Frau und führte alle, auch oft schwierige Aufträge überraschend gut aus.
Vater schickte mir auf meine Klagen hin zuerst Bücher, alle in englischer Sprache und lediglich militärische Dinge behandelnd. Sehr interessant war das auch nicht, und so war ich froh, daß mein ältester Bruder Henry, der als Auskultator an dem Obergericht zu Kassel stand, mir viel gute und interessante Bücher, und worum ich besonders gebeten, solche, die sich mit Mathematik befaßten, zusandte. Diese Wissenschaft war nämlich mein Leibroß, welches ich am liebsten tummelte. Auf diese Weise machte also das Schicksal aus einem lustigen, leichtherzigen Leutnant, einen muffigen Bücherhocker und Stubengelehrten.
Hart, sehr hart war es mir auch, als schon nach 3 Monaten die Stunde schlug, daß mein treuer Freund Spinnern — wir waren natürlich sehr intim geworden — in Gnaden entlassen wurde.
Aber diese Stunde schlug auch noch einem Andern.
Ohne daß wir eine Ahnung davon hatten, hatte unser alter Quängelkommandant, unserer Beaufsichtigung müde, den Kurfürsten um feine Entlassung gebeten.
Den Tag vor Spinnerns Abreife nach Hanan — ich hatte ihm natürlich taufend Aufträge zu geben, wir hatten eine Art Geheimschrift verabredet, um uns ungestört von unserem Sklavenvogt unterhalten zu können, (er war in derselben als „dürrer Ast" bezeichnet) — kam die Absetzungsordre und zugleich ein Bries von Spinnerns Vater an diesen mit der Nachricht, daß er, Major von Spinnern, als Nachfolger des „dürren