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E Zur Frage der Handwerker- Genoffenschasten.
Eine große Gefahr für die Organisation des Handwerk- überhaupt bildet ein unüberlegtes und übereiltes Handeln; dies zeigt sich z. B. in der JnnungSbUdung. Viele Innungen habe» sich im Laufe der Zeit wieder aufgelöst, weil bet ihrer Gründung nicht genügend geprüft wurde, welche Art der Organisation nach Lage der wirthschaftlichen, sowie örtlichen Verhältniffe am ersprießlichsten war. Und die Auflösung dieser Innungen mißkreditirte dann vielfach die Innung-. Bewegung überhaupt. Lehnlich ist eS auch im Senosseufchafswesen für daS Handwerk. Auch hier muß mit großer Vorsicht und lieber« legung vorgegangen werden. Fehler, die be« gangen werden, rächen sich nur zu leicht, indem die hierdurch herbeigeführten Mißerfolge geeignet find, daS ganze SenoffenschaftSwesen in Verruf zu bringen und gerade die Handwerker, die zur Gründung am eheste» berufen find, abzuschrecken.
Bevor man z. B. Rohstoffgenoffenschasten gründet, sorge man deshalb zunächst für den Anschluß der Handwerker an eine Kreditgenoffen- schäft. Denn wenn ein Rohstoffgenoffenschaft lebensfähig sein soll, muß zunächst der Kreis ihrer Mitglieder genügend groß, sodann müssen auch die Geschäftsanteile derart sein, daß hinlängliches Betriebskapital vorhanden ist. Viele Handwerker vermögen sich jedoch auS dem Grunde einer Rohstoffgenoflenschaft — also einer Genoffenschaft zum gemeinsamen Bezug von Rohstoffen und Halbfabrikaten — nicht anzuschließen, weil sie in Folge von Mangel an Kapital an einen und denselben Fabrikanten gebunden find, der Kredit gewöhnlich schnell anwächst und zu immer größerer Rücksichtnahme auf den Fabrikanten verpflichtet. Vermittelst deS Kredites bei einer Genossenschaft, JnnungSbank, vermag der Handwerker sich jedoch von seinem Lieferanten frei zu machen und seinen Anschluß an die Genoffenschaft zu vollziehe».
Wie bereits bemerkt, muß die Rohstoff- Genoffenschaft zunächst genügend eigenes Kapital bei Beginn ihrer Thättgkeit habe», und vor allem soll man fich hüten, den genoffeuschaftlichen Gin- lauf mit Borg zu beginnen; man warte lieber einige Zeit und sammle zunächst Einzahlungen der Mitglieder auf ihren Geschäft antheil, der etwa 300 Mark betragen und nöthigenfallS in monatliche» Raten von mindestens 1,50 Mark aufgebracht werden kann.
Dann möge man klein anfangen. Zunächst genügt eine einfache Lagerstelle und Beschränkung der Geschäftsstunden auf bestimmte Tage und Stunden. Wenn man nicht sogleich hoch hinan» will, wird die Entwickelung desto sicherer und gedeihlicher fein. Daher beschränkt fich auch die Rohstoffgenoffenschaft zweckmäßig zunächst auf die gangbarsten, am meisten gebrauchten Materialien der betreffenden GewerbSzweigeS, zum Beispiel eine Schneider-Einkaufsgenossenschaft auf den gemeinsamen Bezug von Futterstoff. Zwirn, Knöpfen und die gangbarsten Kleiderstoffe: später tann man werthoollere und nicht dem Massen- gebrauche dienende Artikel führen.
leMttts-ErmerwM kims alten tMhkffkl.
Halbvergeffene Geschichten aus den 30 er und 40 er Jahren des IS. Jahrhunderts von B. S. Loester.
25 ------ (Nachdruck verboten.)
Mir selber unbewußt, war es aber wohl weniger dies Gerechtigkeitsgefühl, als meine Antipathie gegen Kamerad Jansen, die mich veranlaßte, für einen armen Hausirer einzutreten, den er in gewohnter Manier aufzog.
Um den alten Mann, der den Albernheiten ein würdiges Schweigen entgegensetzte, etwas zu entschädigen, kaufte ich ihm ein Loos ab; aber meiner Bitte, den Händler doch in Ruhe zu lassen, begegnete Jansen damit', daß er mich höhnisch mit einer Judenfreundschaft neckte, und meine Verzeihung erflehte für den Frevel, mich in meinen heiligsten Gefühlen verletzt zu haben. Nun floß mir, wie man zu sagen pflegt, die Galle über. „Ja wohl," entgegnete ich ihm «chnrf, ich leugne nicht, daß ich große Hochachtung vor einem Volke empfinde, welches vor fast 2000 fahren schon für würdig befunden wurde, den Sohn Gottes bei sich zu sehen!".
„Den sie kreuzigten," lachte Jansen spöttisch (Ulf.
«Ganz recht, den sie kreuzigten," antwortete rch, auf diesen Einwurf gefaßt, „aber sein Werk konnten sie nicht vernichten, die Religion E ~ter$e' die er gepredigt, eroberte die Welt. Wenn Jesus von Nazareth heute wieder erschiene, würden sich wieder solche finden, welche
Iutöa, Dienstag, den 27. Mai 1902.
Für de» Verkauf der gemeinsam bezogenen Maaren an die Genossenschaftsmitglieder hat sich in der Praxis der Grundsatz bewährt, zum im Handel üblichen Preise zu verkaufen und später den Ueberfluß an die Mitglieder nach Verhält- »iß der Einkäufe zu vertheilen, letzteres natürlich erst dann, wenn die Antheile »oll gedeckt sind. Baarzahlung der Mitglieder muß die Regel sein und nut in sehr vorsichtiger, durch daS Statut genau begrenzter Weise darf diesen Kredit gegeben werden. Den Einkauf der Rohstoffe be- sorgt der Vorstand in der Regel selbständig, jedoch ist dem AufsichtSrath ein gewisses Mitbe- stimmungsrecht einzuräumen, namentlich hinstcht- lich der Auswahl und Festsetzung des Betrages der einzukaufenden Rohstoffe.
Von großer Bedeutung für das Gedeihen der Genoffenschait ist schließlich die genaue Regelung der Befugnisse deS Lagerhalters; für diese» Posten muß jedenfalls bei größerem Betrieb eine tüchtige kaufmännische Kraft eigenS angestellt meßen. Aber eS dürfen dem Lagerhalter unter keinen Umständen weitgehende Befugniffe eingeräumt werden, zum Beispiel, daß er den Mitgliedern auf seine eigene Rechnung Maaren kreditirt. Für den Bestand der Genoffenschaft könnten sich daraus verhängnißvolle Folgen ergeben.
Wenn fich zu strenger Beobachtung dieser Grundsätze die von echt genoffenschaftlichem Geist beseelten Handwerker eines Gewerbszweiges zu- sammenschließen, und ein tüchtiger uneigennütziger Vorstand und AuffichtSralh die Geschäfte übernimmt, dann wird der wirthschaftliche Erfolg nicht auSbleiben, wie thn die Erfahrung schon oft bestätigt hat. DaS Beispiel einer gut geleiteten und blühenden Rohstoffgenoffenschaft wird dann leicht die Gründung weiterer Genossenschaften nach sich ziehen, die fich zweckmäßig zu Verbänden zusammenschließen, um möglichst Abschlüffe im Großen herbeizuführen.
f] Der diesjährige Charitastag.
Ein deutlicher Beweis für daS erfreuliche Anwachsen der CharitaSbewegung find die jährlich stattfindenden Char.tas-Tage. Unter stets größerer Betheiligung wurde» diese in den letzten Jahren i» Augsburg, Berlin, Aachen abgehalten.
In diesem Jahre ist München für die Tagung (17. bis 19. Juni) bestimmt. Ein Blick in daS soeben veröffentlichte Programm zeigt, wie viel Neues auf dem Gebiete sozial- charitativer Fürsorge in de» letzten Jahren geschaffen ist. Tagen doch gleichzeitig mit der Versammlung des CharitaSoerbandes die nationalen und internationalen Mädchenschutz-Vereine, sowie die Vorstände der Arbetterinnen-Patro- nagen unter dem Schutze deS heilige» Philippus Neri. Auch der Mäßigkeitsbewegung ist eine besondere Versammlung gewidmet. Es steht demnach zu erwarten, daß die Tagung in München den CharitaSfreunde» viel des Inte« reffanten und Anregenden bieten wird, zumal durch den in München schon bestehenden lokalen CharUaSoerband die Vorbereitungen mit großem Eifer getroffen werden. Eine Reihe hervor- ragender Redner sind gewonnen. Die Hauptarbeit der Tagung ist der Jugendfürsorge und
„kreuziget ihn" riefen, und Sie, Herr Kamerad, würden zu diesen gehören!"
Ich hatte mich in eine förmliche Hitze hinein geredet, während Georg Jansen vollkommen ruhig blieb und gleichgiltig seinen großen schwarzen Schnurrbart drehte. Die Unterlippe weit vorgeschoben und auf den Bart herunter spielend, meinte er fast gelassen, das fiele ihm gar nicht ein, erstens sei kreuzigen keine Mode mehr und zweitens sei er getaufter Christ, wovon ich mich beim Durchlesen der Kirchenbücher vom Jahre 1809 der St. Martinskirche in Kassel selbst überzeugen könnte.
Seine Art und Weise reizte mich unbeschreiblich, ich war nahe daran, ihm seine Schrambs- nafe vorzuwerfen und ich dankte es allein Hartors freundlich mahnendem Druck auf den Arm und seinen leise geflüsterten Zuspruch, mich nicht hinreißen zu lassen, daß ich den angefangenen Satz: „Ja, wenn ich wieder nach Kaffel komme, will ich das nicht unterlassen, Ihr Christenthum ist schwer zu erkennen," mit den Worten schloß: „Denn die vornehmsten Gebote unseres Gesetzgebers, als da sind: „Liebet Eueren Nächsten, und liebet Euere Feinde," befolgen Sie nicht!"
Ja, es war gut, daß Hartor dazwischen kam, sonst wären wir schon an jenem Abend aneinander gerathen, denn Jansens Augen funkelten wuthentbrannt mich an, offenbar war er auf eine Anspielung auf sein jüdisches Aeußere gefaßt gewesen.
Auch Kant kam jetzt hinzu und zog mich, seinen Arm^unter^den feinigen schiebend, mit sich fort:
dem Mädchenschutz gewidmet. Letzerer findet besonder- eingehende Behandlung durch einen Bericht des Herrn Kanonikus Dr. Müller- Simonis aus Straßburg Über den Stand der Mädchenschutzoereine und die Bekämpfung des Mädchenhandels. Die Frage de- Arbeiterinnen- fchutzes in den Patronagen wird von dem Obmann der christlichen Arbeiterorganisationen Oesterreichs, Herr» Leopold Kunschak aus Wien, behandelt werden. Als Referenten Über den Schutz der schulentlaffenen Jugend bezw. die Fürsorge- und Zwangserziehung in Deutschland find Herr Generalsekretär Dr. Pieper- M.-Gladbach und Herr RechtSrath Dr. Men- zinger-München gewonnen; an beide Referate soll fich eine freie Erörterung anschließen. Ebenso wird in der Mäßigkeitsoersammlung (Referenten Pfarrer Schwarz-Warthausen (Württemberg) und Dr. Winkler-München Diskuffiou zugelaffen. — Außer den genannten Herrn werden noch sprechen Dr. Sch orer-München über die Wohlfahrtseinrichtungen Bayerns, Herr Superior Ringeisen speziell über die Ursberger Anstalten. Endlich in der letzten allgemeinen Versammlung wird Herr Gutsbefitzer Freiherr von Frey- berg-Jetzendorf Rückblick und Ausschau halten Über die ländliche Wohlfahrtspflege, und Herr Dr. med. Gassert, Mitglied des Chari- taSverbands - Vorstandes, die modernen Bestrebungen auf dem Gebiete der CharitaS würdigen.
Der Zutritt zu allen Sitzungen ist für Mitglieder der Charitasverbände unentgeltlich, für die übrige» Besucher werden Karten zu 2 Mark (bezw. 3 Mark bei Beanspruchung eines »urnme- rirten Platzes) auSgegeben. Wegen Erlangung von Eintrittskarten sowie Auskünfte» wende ma» sich en das Sekretariat des katholischen CharitaSoerbandes in München, Odeonsplatz 5.
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Berlin, 26. Mai 1902.
* Im Metchstage werden morgen (DienS- tag) die Zolltarifkommission und die Zuckersteuerkommission ihre Arbeiten wieder aufnehme». Die Zolllarifkommisfion setzt die Berathungen bei Position 245 fort. Sie tritt um 10 Uhr Vormittags zusammen, während die Zuckersteuerkommisfion erst um 1 Uhr beginnt. Neue Anträge find in beiden Kommissionen bis jetzt noch nicht gestellt.
* Der Vorsitzende der Ae«trn«»fr»ktto« de» Neichslnge», Graf Hompesch, hat an alle Mitglieder der Fraktion folgendes Rundschreiben erlaffen:
Bei seinem Zusammentritt wird der Reichstag zu beschließen haben über bei Süßstoff gesetz, die Afrika- eisenbahn, bte Branntweinsteuer - Borlage, unseren Toleranzantrag (beide letzteren in dritter Lesung) und vielleicht auch über die Brüffeler Konvention und Zucker, fteuernovelle. Diese Gegenstände können sämmtlich in kurzer Zeit erledigt werden, wenn die Präsenzstärke so groß ist und so stark bleibt, daß der augekündigten Obstruktion mit Erfolg entgegengetreten werde» kann. Ohne diese fortwährende Präsenzstärke ist dagegen ein Ende der Berathungen nicht abzusehen, zum großen Nachthril der politischen Stellung del CentrumS und
„Bist Du verrückt geworden, Adler, mit dem Kerl anzubinden? Bleib von ihm, sag ich Dir. Ob er nun Däne oder Jude, Franzose oder Hesse ist, von edler Rasse ist er nicht, das glaub' mir."
Von diesem Moment an herrschte zwischen Georg Jansen und mir, wenn auch keine offene Feindschaft, so doch ein gespanntes Verhälttüß, wir sprachen kein Wort über das Nothwendigste miteinander.
Auch auf meinen Verkehr mit Eric Jansen, dem jüngeren Bruder, blieb diese Spannung nicht ohne Einfluß. Er begegnete mir stets sehr kühl und fast abweisend.
Das war mir leib. Eric Jansen war in allem der schwächere Abdruck seines Bruders. Etwas kleiner, nicht so schön, nicht so klug und nicht so boshaft wie Georg, und ich hatte mit ihm, der 1—2 Jahren jünger wie ich sein mochte, wenn auch nicht intim, so doch immer gut mit ihm gestanden. Seine gänzlich unmotivirte Unfreundlichkeit gegen mich, berührte mich peinlich, hätte er in die Zukunft schauen können, er hätte gewiß einen anderen Ton gegen, mich angeschlagen.
Ich habe schon einmal in diesen Blättern erwähnt, daß ich, ein Menschenalter später, zum Kommandanten desselben Regiments ernannt wurde, idem ich damals als Leutnant angehörte.
Einer der Hauptleute, die alsdann unter mich zu stehen kamen, war dieser Eric Jansen.
Er brachte mir denn auch das größte Miß- trauen entgegen und war fest davon überzeugt, daß der Oberst ihn das Unangenehme entgelten lassen würde, was dem Leutnant seiner Zeit
29. Jahrgang.
»um nicht geringen Steiger unserer treu ausharrende» aber unter dem Absentismus leidenden Fraktions» genoffen. Ich habe daher die Pflicht, die geehrte» Herre» Kollege« nicht allein zu bitten, sondern auf daS allerdringendste aufzufordern, bereits am 3. Juni, an welchem eventuell eine namentliche Abstimmung zu erwarten ist, fich in Berlin einzufinde» und dort bis zur Berabschiebung obiger Borlagen zu verwellen.
* Im Sitzungssaal» be» Abgeordneten- Hanse» sind während der Pfingstferien Probearbeiten für die zukünftige Ausschmückung de» Saales ausgeführt worden. Man hat an der rechten Wand vom Präfidentensttz hinter der Regierungsbank ein Gemälde angebracht, welche» die Handels- und Gewerbezweige der Stadt Königsberg in Ostpreußen verkörpert. Da» Bild zeigt im Vordergründe die Symbole der Pferdezucht, der Fischerei, der Land- und Forst- wirthschaft. Ein Pferdehändler feilscht mit einem Käufer um den Preis zweier Pferde, in der Mitte sitzt eine Fischersfrau mit einem Korb Fische uitb unterhält sich mit einem alten Schiffer, an der rechten Seite ist in einem regen Fachgespräch ein Bauer mit drei Förstern vertieft. Der Hintergrund zeigt die Stadt Königsberg im Schnee mit ihren KIrchthürmen und einer einsamen Straße, in der eine Droschke langsam ihres Weges zieht. Das Gemälde ist von der Hand de» Maler» Han» Koch. Ein zweites Standbild, die Schiffsbauanstalt Vulkan an der Oder mit ihren Schiffen und Docks darstellend, im Hintergründe Stettin ist be- reits vor einiger Zeit angebracht worden. Man geht bei der Ausschmückung von dem Gedanken aus, die größten Städte der preußischen Monarchie mit ihrem Gewerbe und Handel darzustellen. Weitere Bilder sollen noch folge», so z. B. Danzig, Breslau, Magdeburg, Berlin :c. Des weiteren find vier weiße Säulen mit einem Goldüberzug probeweise versehen und andere Verzierungen angebracht worden.
* Zur Zsolea-Aortage bedauern die liberalen »Posener Neuesten Nachr.' auf das lebhafteste, „wenn die neueste Vorlage mü ihrer so Überaus knappen, der Schwierigkett der Materie i» keiner Weise entsprechenden Begründung im gestrecktenGalopp genommen werde» sollte, wie es nach Allem, waS verlautet, den Anschein hat. Gerade solche Vorlagen, welche den Sharick- ter einer repressiven Politik an fich tragen und der Niederschlag stark erregter Kämpfe und Parlaments - Debatten sind, sollte» auch be» Schein vermeiden, als ob sie ab irato entstanden find. Das widerspricht durchaus deutschem Wesen und deutscher Gepflogenheit." Der „feste Ton" in der Begründung der neuesten Vorlage sei nicht geeignet, die schweren Bedenken zu behebe», die fich jedem nicht auf Hurrahstrich geaichten Deutschen gegen die Fortsetzung der einsettigen Landpolitik aufdrängen. In der vorgeführte» Gestalt sei die Vorlage als kein Segen zu erachten. Gegen die abweichenden Meinungen werden fich frellich zum Ueberdruß immer wieder die Vorwürfe der Vaterlandslosigkeit breit machen, der undeutschen Gesinnung, der Reich »feind sch ast und dergleichen Süßigkeiten mehr. „Wir find so anmaßend, ebenso deutsch und monarchisch zu denken und zu empfinden als diejenigen, welche immer die Betheuerung ihres Patriotismus al» Aushängeschild und Legitimation zur Schau trag« von ihm und seinem Bruder zugefügt worden war.
Aber ich kann mir vor meinem Gewissen das Zeugniß ausstellen, daß ich ihn, streng unparteiisch, wie jeden anderen behandelte und nie auf jene für mich so peinliche und folgenschwere Vergangenheit anspielte oder ihrer Anderen gegenüber Erwähnung that.
Dank der Paradiesesblume hatte die Erinnerung daran auch jede Bitterkeit verloren, uni> wenn ich Georg Jansens gedachte, beherrschte mich nur ein Gefühl, das des Mitleids um ein verlorenes Leben.
Ein von Natur reich begabter Mensch — gestorben — verdorben! — Daß es das Schicksal aber nicht umgekehrt eingerichtet, hatund nachmals Eric Jansen nicht mein Oberst geworden ist, dafür bin ich doch recht dankbar.
Einige Zeit nach oben erwähntem unliebsamen Wortgefecht mit dem älteren Jansen, machten wir, etwa ein Dutzend Offiziere und einige der uns näher stehenden Civilisten, einen gemeinsamen Ausflug nach Frankfurt a. M.
Es war zur Zeit der Ostermesse, und waS uns besonders hinzog, waren die uns als sehr sehenswerth gerühmten Darbietungen der „Englischen Reiter". So benannte man damals affe. Kunstreiter, weil diese zumeist aus England stammten. Da wir bis zum Anfang der Vorstellung noch reichlich Zeit hatten, so schlenkerten wir Arm in Arm, zu zweien oder dreien, wie es der Zufall fügte, durch die in voller Frühjahrspracht stehenden Anlagen nach dem Friedberger Thor und dem Hessendenkmal. (F. f.)