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Jutöa, Samstag, den 24. Mai 1902.
29. JahrgMg.
Zweites WKrtt
Wochen-Knudscha«.
(Nachdruck »erboten,)
X Fulda, 24. Mai 1902.
Wenige Wochen find politisch so inhaltlos und bedeutungslos, wie diese letzte Woche. Das hoch- heilige Pfingstfest hat seinen Einfluß überall ohne Ausnahme ausgeübt; die Politik trat völlig in den Hintergrund.
Verschiedene Auseinandersetzungen in der Preffe hat eine Gabe verursacht, die Kaiser Wilhelm den Bereinigten Staate« von Amerika zugedacht hat: Ein Bronzedenkmal Friedrich» des Großen nach dem Marmordenkmal von Uphues, das in der Berliner Siegesallee steht. I« dem Telegramm, das der Kaiser an den Präfidenten Roosevelt richtete, sagt er: Er möchte durch das Geschenk die Erinnerung an de» Besuch de» Prinzen Heinrich »ach erhalten — und er wünscht, daß diese Gabe „angesehen werde al» ein dauernde» Zeichen der innige» Beziehungen zwischen den beide« großen Nationen". Präsident Roosevelt hat das Geschenk ohne Weiteres angenommen, und die amerikanische Presse hat dieser Verhalten der Präfidenten mit sehr wenigen Ausnahmen gebilligt. Nur die england- fteundliche Jingopresie hat allerhand daran auszn» setze», beeinflußt aber Niemanden dadurch. Dabei ist daran zu erinnern, daß Friedrich der Große als Erster von allen europäischen Monarchen nach dem Revolutionskriege die damals neue Republik als selbständige» Staatswesen anerkannte und dem General Washington einen kostbaren Degen al» Ehrengeschenk übersandte.
Die Aufhebung deS Diktatnrparagraphe» hat in Elsaß-Lothringen eine überau» gnte Aufnahme gefunden. AuS vielen Städten deS Lande» sind deswegen dem Kaiser DankeStelegramme zuge» gangen, und der Monarch hat sie unverzüglich alle telegraphisch beantwortet.
Einen sehr wichtigen Beschluß hat die b a y e r i s ch e Abgeord netenkammer gefaßt. Schon in der letzten Wochenschau wurde kurz daraus hingewiesen: Einstimmig hat die Kammer die von de« Aus- schufle vorgeschlagene Resolution angenommen, die eine Aenderung deS Landtags-Wahlrechte» i* dem Sinne des direkte« Wahlverfahrens fordert. Die Regierung hat die Vorlage eines entsprechenden Gesetzentwurfes für da» nächste Jahr versprochen. Als Grenze für das aktive und passive Wahlrecht ist da» 25. Lebensjahr angenommen. Vorbedingungen find ferner für dar aktive Wahlrecht die bayerische Staatszugehörigkeit, Ableistung des VerfaflungSeideS und mindestens einjährige Eutrichiung einer direkte« Staatssteuer. Die Wahlkreise sollen durch daS Gesetz fest umgrenzt werden, und zwar soll die Volkszählung l^Dez«»ber 1900 dafür maßgebend sei«. Auf 1® 38000 Seelen soll ein Abgeordneter entfallen. Im Großherzogthum Baden u«d im Königreiche Württemberg arbeitet ma« schon länger an einer »«tgemaßen Aenderung der Landtagswahlrechtes, ohne bisher zu günstigen Ergebnissen gelangt zu fein. 3” aber denkt man noch gar nicht a»
solche Dinge, obwohl ja das preußische Landtagswahlsystem noch weit schlechter ist als dasjenige, wie es bisher m Bayer» gehandhabt wurde. Nannte £ "ch Fürst Bismarck „das elendeste aller Wahlsysteme"!
__ Zeitweise schwadronireu gewisse Leute voy Wahlbünomffen des Centrums mit der Sozialdemo- kratte. Es hat derlei noch nie gegeben. Aber die Llberaten machen gar zu gern gemeinsame Sache mit den Herren „Genossen" gegen das Centrum.
T tS a"th wieder geschehen i« dem Münchener Gemerndewahlbezirke Schwabing, wo der Centrumsmann mit 562 Stimmen unterlag gegen den gemetnfomen Kandidaten der Liberalen und Sozmldemokraten, der mit 751 Stimmen Sieger tourte. Solche Verbrüderungen muß man fichlgenau merken!
tU/Uk Katholikengesetz ist i« brauu- schwetg,scheu Landtage noch nicht beratheu ?0sden. Die Kommission hat eS, wie schon neulich vttlchtet, wohl erledigt. Aber dann ist der Landtag bis zum Herbste vertagt worden, und damit auch ^Eerathung dieses Gesetzentwürfe» im Plenum de»
I» Berlin waren am Dienstag etwa 340 Str- trtter der nord- und ostdeutschen katho- e * ® rbeitero er eine versammelt. Mit sehr gcoßer Mehrheit, mit 267 gegen 70 Stimmen, ist die Gründung von katholischen Fachabtbeilungen inner- 2™. des Verbandes der Arbeitervereine beschlossen worden. Die Fachabtheilungen gleicher Berufe sollen
Bezirksverbänden und diese wieder zu einem ßrLn-Ktfet6enbe rusammenschließeu, so daß diese tdJt?"»?" h’® Seflalt einer katholischen Gewerk- wurde mehrfach in der Serin hrrvorgehoben, 'daß diese Organisation ®etottfi*rtft®e9ei,M ru den paritätisch christliche« S Ä", t«'®"' im Gegenthell mit ihnen D« - .>eh®n will.
Konar»L '?"rnationale Bergarbeiter- sammelt bat Vf”"” der Pfingstwoche sich ver- SroUe EnÄ in Düsseldorf getagt und die «rfeB ■ngenommen über die
^!wnks?trieL7Än in bf”
DiB fi.u.A » uns unter »er Mve.
von «uSeinflnh/rLuf?"H.'Frage hat de» Gegenstand Auseinandersetzungen m der erste» sächsischen
Kammer gebildet. Alle Redner traten für wirksamere landwirthschaftliche Zölle ein, als der Zolltarif fie enthält. Auch Oberbürgermeister Beck aus der Industriestadt Chemnitz betonte, daß die Industrie die Nothwendigkeit einer ausreichenden Zollschutzes für die Laudwirthschaft anerkennen und danach handeln müsse; hohe Lebensmittelzölle seien durchaus nichts Falscher. Minister von Metzsch erklärte: Wenn im weiteren Verlaufe der Verhandlungen noch andere Erleichterungen für die Landwirtyschaft sich ermöglichen lassen sollten, dann werde die sächsische Regierung unter Denjenigen sein, die diese Bestrebungen fördern würden; allerdings sei gegenwärtig an weitere Bewilligungen für die Landwirthschaft nicht zu denken usw. Gegenwärtig nicht, aber später vielleicht! Jedenfalls geht aus der Erklärung der sächsischen Ministers hervor, daß er dem Gedanken einer weiteren Erhöhung der Getreidezölle über die Sätze des BundesrathSentwurfeS hinaus nicht durch- aus ablehnend gegenübersteht.
Die schwedische Wahlbewegung hat den SuSgang genommen, der zu erwarten war: Das schwedische Parlament hat sich um die sozialdemokratischen Straßenkundgebungeu, Generalausstand und dergleichen mehr gar nicht gekümmert, sondern die ganze Wahlrechtsfrage auf zwei Jahre vertagt. Die erste und die zweite Kammer haben sich dabei ganz gleich verhalten. Die Vorlage der Regierung, die in der von beiden parlamentarischen Körperschaften angenommenen Entschließung innerhalb von zwei Jahren gefordert wird, soll auf der Grundlage des allgemeinen Stimmrechts stehen, jeder Staatsangehörige, der 25 Jahre alt geworden ist, seiner Wehrpflicht und Steuerpflicht genügt hat, soll wahlberechtigt sein. Diese Beschlüsse lagen in der Lust und würden genau ebenso gefaßt worden sein, wenn die Sozialdemokraten ihre Kundgebungen unterlassen und die Arbeiter nicht um den Verdienst von drei Tagm gebracht hätten.
Präsident Loubet von Frankreich hat den längst verabredeten und angekündigten Besuch beim Kaiser von Rußland gemacht. Am Dienstag ist er, begleitet von einem französischen Geschwader, ganz außerordentlich feierlich und prächtig im Hafen von St. Petersburg empfange» und nachher vom Zaren selbst in die für ihn bestimmten Gemächer im Residenzschloße in Zarskoje Sselo getestet worden. In den Trinksprüchen, die am Abend danack bei dem Prunkmahle gewechselt wurden, widmete der Zar jein Glas „dem schönen, befreundeten und r erblindeten Lande Frankreich"; Herr Loubet antwortete mit einem Trinkspruche auf „den treuen Verbündete» Rußland" — es ist also alle» im Zweibunde in schö ister Ordnung, und die französische« Republikaner könne« wieder jubeln über die Freundschaft de» absolutm Herrscher» aller Reußen. Im übrigen wird en der politische» Lage durch diese» Besuch schwer etwa« geändert werden. DaS Berhältniß zwischen dem Zweibunde «nd dem Dreibunde ist längst gut und sicher geworden, so daß uns Deutschen da» Bündniß zwischen Frankreich und Rußland nicht die kleinsten Besorgnisse einzuflößen braucht.
Eine kleine Ueberraschung würde eS dagegen sein, wenn sich eine Nachricht bestätigen sollte, die in diese« Tagen au» Pari» kam. Danach soll Herr Waldeck- Rousseau, der französische Ministerpräsident, auS seinem Amte scheiden wollen. Wir werden ja sehen, ob da» wirklich seine ernste Absicht ist.
.DaS französische Protektorat über die katholischen Christen im Orient hat einen neuen Stoß erlitten. Der Sultan hat einen Befehl erlassen, worin er nicht nur daS Recht des Deutschen Reiches, sondern auch de» Königreiche» Italien ausdrücklich anerkennt, ihre katholischen Unterthanen im Orient selbst zu schützen. Bisher nahm nach früheren Abmachungen Frankreich daS Recht der Schutzherrschaft für sich allein in Anspruch.
In Serbien hat das Ministerium de» Herrn Wuitsch im Parlament eine böse Niederlage mit seinen Finanzplänen erlitten. Eine Ministerkrise war infolge dessen unvermeidlich geworden. Aber der König hat wiederum Herrn Wuitsch mit der Bildung des neuen Kabinets betraut. Dieser übernimmt darin das Präsidium und das Aeußere; das kritische Finanz- fach ist Herrn Popowitsch überttagen worden, der kürzlich erst aus dem Ministerium austrat. DaS neue Ministerium besteht aus vier Radikalen, drei Fortschrittlern und einem Neutralen.
Schlimme Dinge find gleichzeitig an» dem Nord- oste« und dem Südwesten von Europa zu berichten: aus Rußland und auS Spanien. In der russischen Stadt Wilna ist ein neues Attentat gegen einen Würdenträger verübt worden, nämlich gegen den Gouverneur der Stadt, den Generalleutnant von Wahl. Ein Mensch, der sich Hirsch Lekert nennt, verwundete den Gouverneur, al» dieser den CirkuS verließ, mit Revolverschüssen an der rechten Hand und am linken Fuße — augenscheinlich au» politischen Beweggründen. In Madrid wurde eine anarchistische Verschwörung entdeckt, deren Zweck es war, den jungen König Also«» Xni. am Tage seiner Krönung durch da» Schleudern einer Dynamit- Patrone unter seinen Wagen in die Luft zu sprengen. Ueber die Einzelheiten der Geständnisse der verhafteten neun Anarchisten bewahren die Madrider Behörden Stillschweigen. Im übrigen ist die Königskrönung ohne Störung verlaufen. Als Ehrengeschenk des Kaiser» hat Prinz Albrecht von Preußen einen prachtvollen Degen überbracht, Solinger Erzeugniß; außer- d.m hat der Kaiser dem jugendliche» König ein Infanterieregiment verliehen.
Was aus den Friedensverhandlungen zwischen den Engländern und den Buren in Vereen »ging werde» wird, ist heute noch ebenso unklar, wie vor acht Tagen. Auf eine Meldung, daß die Verhandlungen so gut wie fruchtlos seien, ist eine
andere gefolgt, die das genaue Gegentheil behauptet hat: binnen wenigen Tagen werde der Friede geschloffen sein. Leider scheinen inmitten der Buren selbst arge Meinungsverschiedenheiten zu herrschen.
Dem Christenthum ist ein neuer Märtyrer erstanden: Die katholische Mission in der chinesischen Provinz Tsche-li ist von Grund aus zerstört und deren Leiter, der Pater Lo müll er vom Orden der Gesellschaft Jesu, in grausamer Weise ermordet worden. Pater Viktor Lomüller stammte auS Schlettstadt und war ftüher Militärarzt. Er trat in den Jesuitenorden ein, al» er bereits Oberstabsarzt war.
Die vulkanischen Störungen auf den westindischen Inseln Martinique und St. Vincent haben noch immer nicht aufgehört. Die betroffenen Gebiete sind schon jetzt vollkommen verwüstet und ein halber Meter hoch von Asche und Steine» bedeckt. Viele Ortschaften find vollkommen vom Erdboden verschwunden. Ueberall regt sich Hilfe, auch in Deutschland. Aber wer weiß, ob dir Inseln jemals wieder zu Ruhe und Frieden gelangen werden!
□ Beaufsichtigung der Aktien- Gesellschasten.
In Folge uuseres Artikels über die Frage der bessere« Beaufsichtigung der Aktien« Gesellschaften (Nr. 112, Zweiter Blatt) erhalte« wir auS unserem Leserkreise eine Zuschrift, bi« eS unserer Ansicht nach wohl verdient, zwecks fernerer Anregung weiter verbreitet zu werde«. Sie lautet:
„ES ist sehr anerkennenSwerth, daß Sie vo« Zeit zu Zeit die große wirthschaftliche Frage der Aktieugesellschafte« anschueide«, um immer wieder auf die Schäden hinzuweisen, welche dem heutige« Aktie«gesetz «haften, anderseits aber auch, um dar bisher so gleichitltige Publikum zur energischen Selbsthilfe aufzuraffe», soweit diese auf Grund deS jetzige« Gesetzes möglich ist. Leider ist diese Selbsthilfe bei ei«em „in alle« Sätteln gerechten" AusstchtSrathe nicht so einfach, wie dies wohl »er Gesetzgeber beabsichtigte. DaS Gesetz sagt zwar, daß jeder Aktionär gesetzwidrige Beschlüsse der Gesellschaft anfechte» kann, sofern er in oer Generalversammlung seine» Protest zu Protokoll gibt. GS ist dies sehr schön gedacht — leider bestimmt aber auch derselbe Paragraph, gleichsam wie ei« Dämpfer auf den gute« Wille« des Einzelnen, daß der Kläger solidarisch für allen Schade« haftet, der durch u«begrü«dete Anfechtung einer Beschlusses entstand. Natürlich läßt sich manch einer hierdurch bestimmen, lieber die sanken Aktie» mit Verlust zu verkaufe», als mit dem Risiko sich z« »er- bre»ne», die heißen Kastanien auS dem Feuer zu holen. Ein gewandter AufstchtSrath wird eS stets ermöglichen, de« einzelnen Aktionär ans Grund dieser Bestimmung mundtodt zu machen oder aber, falls eS zur Klage kommt, dahin strebe», dem Kläger einen verursachten Schaden anzu« hänge». We»n man bedenkt, wie viel bei Klagen oft vo» der Auffassung de» Richter» abhängt, so wird e» jeder begreiflich finden, we»n vo» dem obe» a»gezogr»e» GesetzeSparagraphe» nur im äußerste» Nothfalle Gebrauch gemacht wird!
ES ist aber auch gar nicht erforderlich gewesen, daß da» Gesetz in diesem Falle gleich auf den Klageweg verweist. Viel einfacher wäre e» gewesen, wenn da- Gesetz bestimmt hätte, jeder AufstchtSrath ist in der Generalversammlung jedem Aktionär gegenüber zu jeder Auskunft die Verwaltung betreffend verpflichtet. Ueber die Zulässigkeit der Frage entscheidet ein Unparteiischer!! Hierdurch würde die Situation geklärt, während die Klage al- äußerste» Druckmittel immer noch übrig bleibt. Es ließe sich aber »ach beet Ausfall bet Auskunft deS AufstchtSrath» sofort feststellen, ob hier ein sogenannter faulet Punkt liegt oder nicht. Andererseits aber dürste e» viel leichter sei«, dem Fragesteller eine eventuelle male fides nachzuweisen, die übrigen- in einer kurzen Generalversammlung lange nicht so schädigend wirken würde, wie während eine» sich lang hinziehenden gerichtlichen Prozesse-.
Um nun aber zu zeigen, wie tS heut zu Tage mit der Auskunft Seitens deS AufstchtSrath» bestellt ist, genügt e», die diese» Punkt sehr treffend charakterifirende Aeußetung eine» Hrreingefallenev wiederzugeben, welcher eS ablehnte, «och die Kosten für eine Reise zur Generalversammlung auSzu- geben, „weil man bekanntermaßen auf Generalversammlungen doch nicht» erfährt". Der Mann hat vollständig recht gehabt. Ein gewandter AusfichtSrath versteht e» sehr gut: „nicht» zu sagen!" SS bleibt nun dem Aktionär, fall» er den kostspieligen Prozeßweg nicht beschreiten will, übrig, beim Landgericht die Bestellung von Revisoren zn beantragen. Hierzu ist aber erforderlich, daß er ben zehnten Th eil bei Grundkapital» durch Aktien vertritt. Hat er diesen Besitz nicht, so muß er versuche«, die Vertretung «betet Aktien zu erhalten! Hierin liegt aber eine große Behinberung für die beste« Abfichte« de» Sin- zel«en. E» bleibt ihm nun mir die Flucht in die Oeffentlichkett, um die Vertretung anderer'
Aktien zu erhalten, wie wir derartige Annoncen zu Zeiten von Generalversammlungen vielfach in Zeitungen finden. Aber auch dieser Weg ist keinesfalls jo einfach, denn abgesehen davon, daß et einen großen Aufwand von Zeit, Mühe und Kosten erfordert, wirb er nur in benjenigen seltene« Fälle« zum Ziel führen, wo bet Antragsteller eine ben Aktionären bekannte Persönlichkeit ist. Bei bem raschen Wechsel be» Aktienbesitze» ist diese Voraussetzung aber nicht oft zutreffend.
Immerhin ist und bleibt eS bei der Thatsache, daß ein kleiner Theil be» Publikums lange Zeit vor bem Zusammenbruch einer Aktiengesellschaft den faule« Stanb derselbe^ kannte, ohne daß bie Verhältnisse ein Einschreiten gegen ben Aussicht»- rath gestatteten unb daß bet größere Theil be» Publikums sein Gelb verlor. Wie bie Sachen in Angelegenheit bet Beauffichttgung bet Aktien« gesellschaften jetzt liegen, wo eS bem einzelnen Aktionär so schwer gemacht ist, seine Rechte zu erkämpfen, kann es nur al» eine dankenSwerthe Aufgabe der Preffe betrachtet werden, wenn sie mit alle« Mitteln gegen bie faulen Aktienunternehmungen unb gegen im AufstchtSrath fitzende Dunkelmänner vorgeht. Sine unabhängige Preffe ist der beste Schutz be» Publikums und verdient die weiteste Unterstützung. Jede Akttengefellschaft, beten Aktien börsenmäßig gehanbelt werden, beansprucht ein öffenttiche» Jnteteffe.
Mißgriffe unb Ausschreitungen bet berufenen Verwaltungsorgane verdienen sofort in die Oeffentlief; gezogen zu werden, barnit daS Publikum weiß, wem eS bie Verwaltung feiner Anlagen anvertraut hat. JebeS Pteßotgan kann und muß hier segensreich wirken und kämpfen, um die Regierung von bet Nothwendigkeit einer schärferen Kontrolle bet Aktiengesellschaften zu Überzeugen, wie es nach jahrelangen Kämpfen bei ben vielen Versicherungsgesellschaften auch erreicht würbe unb zwar nur zum Vortheil unb nicht, wie man anfangs glaubte, zum Rui« bet Gesellschaften führte."
Unpolitische Zeitläuse.
G Berlin, 22. Mai 1902. --------- Nachdruck verdate». Bor Mitgefühl schaudern mußte man, wenn man zu Pfingsten Kinder in leichtem Weiß und Frauen in luftiger Frühjahrltoilette in die naßkalte Natur hinauSpllgem sah. Der Lnsthunger der Städter ist so groß und daS alte Her. kommen bei PßngstausflugeS so stark, baß bie Leute el in bet warmen Stube einfach nicht auShalten könne«. We«« wir eine« Vulkan hier hätten, bet zu Pfingsten an Stelle be» Wasser« regens einen Aschenregen bescheert hätte, so wäre bennoch eine ganze Masse Berliner nach braußen gefahren. Wer will e» auch ben Leuten Übel nehmen, wenn fie mal aus bet Steinwüste ihrer Straße heran» wollen in frische Luft unb Sonnenschein unb Maiengrün 1 Diese Sehnsucht nach der freien Natur ist ei« gesunder Zug. Wen« sich hier und da Schattenseiten bei der AuSfliegetei zeigen, wie bei allem irdischen Vergnügen, so soll man barlber sich nicht blindlings ereifer«. Müssen die Leute an den Feiertagen zu Hause bleiben, so pasfiren vielfach schlimmere Dinge, a!8 bei bem Bummeln in bet freien Natur.
Die Staatsbahnen, so heißt eS in ben Blättern, habe in Folge bei schlechten Pflügst« wetters einen Ausfall von etwa 2 Millionen. DaS übrige Fahrwesen i« ben Städten hat natürlich auch große Einbuße. Und nun erst die Wirthe in den Ausfiugorten? Hei, was für eine Rieseusumme Geldes hat unser Volk da „gespart"! Ach, mit diesen „Ersparnissen" läßt sich kein Staat machen. DaS bloße Nicht«»« geben vo« Geld macht noch »icht glücklich. Den lusthungrigen Städtern bekommt eS besser, wen« fie zu Pfingsten für die bereit gelegte« Groschen unb Markstücke sich eine Erfrischung in ber Frühling-natur holen können, als wenn fie in Ungemüthlichkeit daheim sitzen bleiben. Und die betriebe, welche dem üblichen FesttagSverkehr -jenen, haben ein natürliches Anrecht auf die Pfingsteiunahme. Entgeht fie ihnen durch die Ungunst deS Wetter», so bekommt manche chwächere Existenz einen schweren Stoß. DaS leib, wal bie Leute auf einem AuSflug nicht o» werben könne«, wirb längst nicht immer i» bie Sparbüchse gelegt ober zu nützlichen Zwecken »erwonbt, sondern man verwendet S größten- heil» zu Ersatz-Vergnügungen oder Trostmitteln, )te vielfach zweifelhafter Art find. Den größten Vortheil an ber Psingstverregnung hatten bie iäbttschen Kneipen, bie fortgesetzt überfüllt waren. Dazu kommt bann ber tröstenbe HauS« trnnk für die unfreiwiDigen Heimchen; ber Haus- trunk ist aber hoppelt so bedenklich, al» die Durststillung bei einem AuSflug. Und b«n wurde ein Theil de» „ersparten" Selbe» in bie Theater getragen. Die Schaubühnen, von dem