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Ausland
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[] Rußland und Frankreich.
Feenhafte Pracht hat der russische Zarenhof entfaltet zur Ausnahme des Präsidenten der französischen Republik.
Schon der Empfang an der Rhede von Kron« tobt war äußert glanzvoll: ein imposantes russisches Begrüßungsgeschwader erwartete daS Geschwader des Präsidenten; mitten in dem russischen Geschwader war des Zaren Dacht Alexandria zu erblicken, mit dem Zaren und dem Großadmiral Großfürsten Alexis an Bord. Dieser Letztere begrüßte den Präsidenten Loubet auf dessen eigenem Schiffe Montcalm; und als dann beide zusammen nach der Alexandria sich begeben hatten, hißte diese die Flagge der französischen Republik neben derjenigen des Zaren, und der Beherrscher aller Reußen brachte mit seinem glänzenden Gefolge de» in einfachen schwarzen Frack gekleideten Herrn Landet bis zu deffen Gemächern in dem großen Schlöffe in ZarSkoje Sfelo bei Petersburg. Bor dem Alexander- palais aber, in dem das Zarenpaar wohnt, spielte nachher die Musik des absoluten Herrschers die Marseillaise, als Herr Loubet erschien, um dem Zarenpaare seinen ersten Besuch zu machen.
Und überaus prächtig waren die übrigen Ver- anstaltungen. In den kaiserlichen Orangerieen werden mit Vorliebe La France-Rosen gezüchtet, und nicht weniger als sechstausend dieser herrlichen Blumen waren für die Ausichmückung der Tafel verwandt, an der Abends 71/» Uhr in dem Spiegeliaale des Alexavdrrpalais oaS EmpfangS- mahl für den Piäfidenten Loubet stattsond. Zweihundert Personen waren geladen. Zur Rechten des Zaren saß der Präsident. Eigens für diesen Abend waren zweihundert viel gitedrige Bestecke auS schwerstem Golde und silberne Tafelaufsätze angefertigt worden, deren Pracht auch auf einet kaiserlichen Tafel eine Seltenheit ist.
Und nun die Trinksprüche! Bisher nannte man einander „die befreundete und verbündete Nation". Diesmal find diese Ausdrücke noch verstärkt worden. Zar Nikolaus trar.k auf das Wohl deS Präsidenten und auf die Größe und daS Glück des schönen, befreundeten und verbündeten Landes"; und Präfident Loubet erwiderte mit einem Trinksprüche „auf das Glück und die Größe Rußlands, deS aufrichtigen und und treuen Verbündeten Frankreichs......"
Mehr an Ehre und Empfangsfestlichkeit kann Herr Loubet, kann die französische Republik nicht verlangen; und die französische» Republikaner werden aufs neue in Wonne und Glückseligkeit schwimmen, wenn sie die Berichte über diese festlichen Veranstaltungen zu Ehren ihres Präsidenten lesen uns über den großartigen Empfang, den der russische Herrscher ihm bereitet hat. Aber diese Empfangsschauspikle können etwas Auf- regendes nur für die Franzosen selbst und höchstens noch für die Engländer haben — für jene im angenehme», für diese Letzteren im unangenehmen Sinne. Denn was einst war, nämlich der deutschfeindliche und dreibundgegnerische Charakter des russisch französischen Zweibundes, ist nicht mehr. Da« hat erst kürzlich Graf GoluchowSki festoestellt bei feiner Rede in der
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Halbvergeffene Geschichten aus den 30 er und 40 er Jahren des 19. Jahrhunderts von B. S. Soeste r.
21 ------ (Rachdruck verboten.)
„Dann kommen Sie." Mit diesen Worten schritt sie auf Fräulein von Hernig zu. „Herzens- Sylvia, würdest Du mir einen großen, großen Gefallen thun?" — „Aber selbstredend, liebe Ralla, wenn es in meiner Macht steht." „Ich möchte nämlich schrecklich gern nach Hause und mal nach Norachen sehen, möchte dies aber möglichst ohne Auffehen in's Werk setzen. Wenn Du mit mir gehen wolltest, Herrn Rohden habe ich schon in's Vertrauen gezogen, er wird sich uns anschließen. Wir machen dann scheinbar eine kleine Promenade. Am Fuß des Berges trennen wir uns. Wir gehen in die Stadt, Herr Referendar aber kehrt zurück und beruhigt, wenn nöthig, Deine Mama und meinen Mann über unser Verschwinden." — Fräu- tan von Hernig sah die kluge, warmherzige Freundin einen Moment prüfend an. „Ich bin
allem einverstanden," dann, Frau v. Grimmers Hand drückend, setzte sie leise hinzu: „Ich danke
o, wie dank' ich Dir." „Kommen Sie, Herr Rohden," bat sie dann, und zum erstenmal glitt etwas toie ein Lächeln über ihre ernsten Züge, --gehen wir, damit Norachen recht bald einschläft, was sie ohne ihre Mama kaum fertig bringt." do gingen wir. Als ich zu der Gesellschaft zurückgekehrl, entledigte ich mich meines Auftrags bei Frau von Hernig und Herrn von Grimmer, letzterem zugleich mittheilen^ das '».ine Frau sich
29. Jahrgang.
fische Ministerprästdent Waldeck-Rousseau habe sich entschlossen, vor dem 1. Juni den Präsidenten Loubet um seine Entlaffung aus dem Amte zu bitten, und Herrn Loubet die Sorge zu überlassen, beim Begin» der neuen Kammertagung ein neues Kabinet zu bilden. Herr Waldeck- Rouffeau hat, derselben Meldung zufolge, seine Ministerkollegen und den Präsidenten noch vor der Abreise des Letzteren nach Rußland von seinen Absichten in Kenntniß gesetzt. Man weiß nicht recht, ob das nur eine Schauspielerei des Ministerpräsidenten ist, oder ob ernsthafte Absichten dahinter stecken — ob er nur recht schön gebeten sein will, noch im Amte zu bleiben, oder ob er wirklich aus diesem Amte scheiden will. In Paris gehen schon seit einiger Zeit Gerüchte um, als wolle Herr Waldeck-Rouffeau ans wirklicher und aufgezwungener Rücksicht auf seine Gesundheit ins Privatleben sich zurückziehen. Auch sind allgemein die ganz außerordentlichen Lobsprüche aufgefallen, die Präsident Loubet unmittelbar vor seiner Abreise nach Petersburg in seiner Rede zu Brest Herrn Waldeck-Rouffeau gespendet hat; man schloß daraus schon auf besondere Vorgänge hinter den Kuliffen. Rach der Behauptung einiger Blätter soll Waldeck Rouffeau danach streben, mit dem Senats-Präsidenten Falliöres die Rollen zu tauschen. Dadurch würde die politische Lage in Frankreich kaum verändert werden. Höchstens könnte es- sich um einen kleinen Ruck nach dem rechten republikanischen Flügel hin handeln. Zunächst bleibt abzuwarten, ob denn Herr Waldeck-Rouffeau auch wirklich seinen Posten zu verlaffen gedenkt.
• 3tom, 31. Mai. Bei der Berathung des berichtigten Budget« des Finanzjahre« 1901/1903 in der Kammer sprach der Schatzminister d i B r o g l i o seine Freude darüber au«, daß er sich mit sämmt« lichen Rednern im Einvernehmen über die finanzielle Lage befinde; der Minister führte au«, da« Be- trieb«jahr werde mit einem Acttvüberschuß von mehr al« 13 Millionen abWiße».
• 31. Mai 1902. Zur Lage
in Rußland kommen sensationelle Meldungen auS den Gebieten deS Bauern-Aufstandes, wonach die Zahl der auftührerifchen Bauern noch immer 80,000 beträgt. Im Moskauer Kaganka- Gefängnisse sollen 300 Soldaten und 17 Offiziere internirt lein. Ein Regiment Infanterie wurde von Moskau in die Provinz verlegt, weil von den Offizieren verheimlicht wurde, daß an einen großen Theil der Mannschaften auftührerische Proklamationen vertheilt worden find.
* 21. Mai 1902. Gestern hat
der Präfident der neuen Republik Cuba Palma das erste Dokument in seiner Eigenschaft als Präfident unterzeichnet. Nachdem ihm der bisherige amerikanische Gouverneur Wood auS diesem Anlaß seine Glückwünsche ausgesprochen batte, holte letzterer unter Salut die amerikanische Fahne nieder und hißte mit eigener Hand die cubanische Flagge zum Zeichen, daß die Vereinigten Staaten. Cuba freigemacht hätten. General Gomez wohnte der Feier bei. Gouverneur Wood ging unmittelbar nach der Hiffung der cubantschen Fabne mit seinem Stade und mit de» amerikanischen Truppen an Bord der von hier fort kam, erleichterte ihr die Sache auch und so sagte sie schließlich ja. „Ich will Ihnen eine treue Frau sein, Herr Leutnant," hat sie ihm bei der Verlobung gesagt, „SWe kann ich Ihnen nicht heucheln, genügt Ihnen das, so will ich die Ihre werden!" „Und ob es ihm genügte, ganz glückstrahlend ist der gute Mensch, und ich habe die Beruhigung wenigstens, meine Sylvia bekommt einen grundbraven, ehrlichen, guten Mann, der sie, wie sie es verdient, auf Händen tragen wird." — Das klang freilich anders, als der Bericht der Frau Amtsgerichtsräthin und machte mir die Sache plausibler. Daß Ehler sich verlobte und daß sie durch die Heirath dem ferneren Zusammenleben mit der ihr innerlich ganz fern stehenden Mutter entging, mochte dazu beigetragen haben, sie in ihrem Entschluß zu bestärken. —
Jahre vergingen. Ich war längst von hier fort und hatte die Menschen, die mich damals so lebhaft intereffirten, fast vergessen. Da traf ich eines Abends im Palais-Restaurant mit Max Wüsten zusammen. Er war inzwischen Hauptmann und noch dicker geworden. Natürlich erkundigte ich mich auch nach dem Befinden feiner Frau Kousine. „Meinen Sie Sylvia Hernig?" ftug er erstaunt. „Natürlich, wen sonst?" — „Ja, die ist aber noch nicht Frau Kousine, sie ist noch unvermählt und pflegt momentan bei ihrer Schwester Else vier Masernkinder in Einbeck." „Noch unvermählt," staunte ich, „ja, du großer Gott, warum denn?" „Haben Sie denn nicht gehört, was der arme Werben für Pech gehabt?" „Kein Wort, bitte, sagen Sie mir rasch,kwas geschehen ist." _______
’ a _. (FoUsrtzunWolit.)
Iutöa, Donnerstag, den 22. Mai 1902.
parlamentarischen Delegation. Die Franzosen buhlten einst um die Gunst des zarischen Rußland, weil sie von diesem Hllfe erhofften für die „Revanche". Das war des Pudels Kern, obwohl man äußerlich die Sache umgekehrt darzustellen und die Welt glauben zu machen suchte, man wolle nur Schutz haben gegen neue bewaffnete Angriffe der ländergierigen Deutschen. Die russischen Politiker haben niemals daran gedacht, den Franzosen behilflich sein zu wollen bei der Rückeroberung von Elsaß-Lothringen. Aber die Annäherung der französischen Republik war ihnen nichts weniger als unangenehm, um so wenioer unangenehm, als sie fofort einsahen, daß sie diese Annäherungslust sehr zum russischen Vortyeile würden ausbeuten könne». Und das ist ja auch in reichlichem Maße geschehen.
Mit Sehnsucht harrte man in Frankreich auf den Tag, an dem der Zar endlich einmal öffentlich die Franzosen seine Verbündeten nennen würde; und im Jahre 1895 geschah das zum ersten mal, nachdem Herr Hanotaux. der damalige französische Minister des Auswärtigen, in der Pariser Abgeordnetenkammer zuerst von dem „Bündniffe" zwischen Frankreich und Rußland gesprochen hatte. Das hatten die Ereignisse in Ostasien zu Wege gebracht, der Krieg zwischen Japan und China und der darauf folgende Friede von Schimonoseki. In Petersburg und auch in Paris befürchtete man als Folge dieser Ereigniffe ein ungebührliches Ueberwiegen der britischen Machtstellung in Ofiafien, und diese Möglichkeit «ar für beide Mächte äußerst unan- genehm. Man ging Über die Gegensätze hinweg, die zwischen der russische» und der französischen Politik der Türkei gegenüber bestehe», und man verbündete sich in aller Form. Aber damit erhielt der Zweibund auch einen anderen Charakter. Er verlor das Gegensätzliche gegen Deutschland und den Dreibund. Der Draht zwischen Berlin und Petersburg war wieder geknüpft, Rußland und Oesterreich einigten sich über die Behandlung der Balkanfragen, Jtabe» und Frankreich p igaffen ihren Zwist und näherten sich einander and das Endergebniß dieser Entwickelung ist, ß Großbritannien in ausgesprochenem Gegensny; zudem Zweibunde Frankreichs und Rußland sich befindet. UnS stört das nicht.
Im übrigen darf man de» Zweibund trotz der sechstausend La Fraice-Rose» und der goldene» Bestecke und der filberne» Tafelaufsätze auch nicht allzu tragisch nehmen. Die Engländer haben die Franzosen in Aftika verdrängt: Das Wort Taschooa kennzeichnet jene Niederlage der Franzosen hinlänglich; die Russe» kümmerten fich nicht im Mindesten darum. Die Franzosen wollten den türkischen Großherrn unter ihren Einfluß beugen und entsandten daS Punzerge- schwader nach Mytilene; aber von Petersburg aus wurde unmittelbar entgegengearbeitet zum augenscheinlich große» Verdruffe der Pariser Politiker. Man weiß also gegenteilig recht gut. daß die Liebe ihre Grenzen hat. Und des» egen ist des Herrn Loubet -oesuch in ter Zirenstadt noch weniger dazu angethan, uns deuticde Reichsbürger in Ausregung zu bringen. Dieser Zweibund, dessen Hauptaufgabe eS geworden ist, die britischen
Ansprüchen in ihre» Schranken zu halten, kann unS vielmehr nur angenehm und willkommen sein.
Berlin, 31. Mai 1902.
n Die wette Molettvorkage wird da« preußische Abgeordnetenhaus alsbald nach den Pfingstferien beschäftigen, möglicherweise in der ersten Sitzung. An diesem Donnerstag wird die Vorlage gedruckt vorliegen und den Mitgliedern de« Abgeordnetenhauses zugehen.
-f- Ans dem Wahlkreise Dr. Liever'r. In dem Wahlkreise Dr Siebet’« ist al« Kandidat für die Nachwahl vom Centtum bekanntlich Rechtsanwalt Dahlen-Oberstem aufgestellt worden. Dieser Kanoidatur stehen bi« jetzt gegenüber der national- liberale Wabtbewerber Krawinkel und ein Sozialdemokrat. Im Jahre 1898 Regte Dr. Lieber im ersten Wahlgange mit 9452 Stimmen gegen 5467 nationaUtbetale, 691 sozialdemokratische und 121 zersplitterte Stimmen. Jetzt wird berichtet, der Bund der Landwirthe wolle einen besonderen Kandidaten aufstellen. Die nationalliberale Berliner .National-Zeitung' bemerkt dazu: „Diese Kandidatur kann nicht die geringste Aussicht auf Erfolg haben, sondern fühlt lediglich eine (Stimmen« zersplittetung herbei, die lediglich dem Centtum zu gute kommt." Aber nach den Wahlergebnissen von 1898 zu schließen, hat doch der Nationalliberale ohnehin keine Aussicht auf de« Mandat!
n OSwstige Dersiehrs-wzeiche«. Im Monat April haben die preußischen Staatseisen- bahnen au« dem Güterverkehr rund zwei Millionen Mark mehr eingenommen, als in demselben Monat he« Vorjahres. Diese Zunahme de« Güteroer'e^i« entspricht dem allgemeinen witthschastlichen Bilde, das eine schwache, aber doch immerhin e ne Besserung der wirthschast- lichen Lage erk-imen läßt. Die ungünstige Witterung während be» Pfingstfeste« wird umgekehrt einen verwinde en Einfluß auf die Einnahme» au« dem Perso > verkehr aueüben. Ma» schätzt diese« Ausfall eins: ^e'len auf etwa zwei Millionen Mk.
+ ZlachsilL^e zwm SchnlkrawaK tw Wr-sch-«. Vom Reichsgericht war, wie bekannt, die Revision der Wreschener Verurtheilten ver- toorfen worden bi« auf einen einzigen Fall, in dem der Revision theilweise stattgegeben wurde. Daraus haben die Verurtheilten Gnadengesuche heim Kaiser eingereicht; aber diese Gnadengesuche find vomKatser abgelehnt worden, wie der ,Leipz. Gen.-Anz.' zuverlässig erfährt. Nur in einem Falle steht die Erledigung be« Gnadengesuche« noch au«.
• N«»is, 22. Mai 1902. Eine Meldung deS offiziösen Telearaphekbureaus erzählt, der ftanzö
direkt von zu Haus nach dem Kasino begeben würde, wo, wie üblich, das Fest durch Tanz seinen Abschluß fand. Fräulein von Hernig erschien nicht wieder, aber Leutnant von Ehler blieb bis zuletzt, trotzdem er am nächsten Morgen schon um sieben Uhr abreifen mußte. —
Zu den Manövern wurde auch ich eingezogen, verlebte dann ein paar Wochen auf Rügen und kehrte erst Ende Oktober hierher zurück. Einer meiner ersten Besuche galt der Frau Amtsgerichtsräthin. Nachdem die bekannten Redensarten gewechselt, stand die Räthin plötzlich auf und entnahm einer, auf einem Nebentisch stehenden Bronzefchaale zwei elegante Karten, offenbar Verlobungsanzeigen. „Nun, was sagen Sie dazu, lieber Rohden, wer hat mal wieder recht gehabt, sehen Sie mal, fast zu gleicher Zeit gekommen, „Sie" acht Tage später als „Er"!"
Frank v. Ehler und Adda v. Bangert, las ich, zwar ohne Erstaunen, aber doch mit leisem Bedauern. Also doch, ich Thor hatte immer noch gehofft! Gleichgiltig ergriff ich das zweite Blättchen, hatte aber kaum einen Blick darauf geworfen, als ich mit einem heftigen „Nicht möglich!" von meinem Stuhl auffuhr. Ich traute meinen Augen nicht:
Sylvia v. Hernig Otto Werben, Premier-Leutnant a. D. stand da, schwarz auf weiß.
„Lieber nehme ich an, meine Augen täuschen mich, als daß ich das glaube; meine beste, gnädige Frau, sagen Sie mir, daß es nur ein schlechter Scherz ist!" — Die gelaunte Frau lachte etwas überlaut. „Sie werden sich an den Gedanken gewöhnen müssen, ebenso wie es Fräulein
Sylvia gethan. Ja, ja, das hochmüthige Dämchen hat wohl auch eingesehen, daß es schließlich noch annehmbarer ist, als reiche Frau Fabrikbesitzerin in Schlesien zu sitzen, als hier bei Mama Hernig alt und grau zu werden, da nahm sie den guten Werben mit in den Kauf. Ich glaube, er hätte, wenn sie es verlangt, sieben Jahre auf sie gewartet, wie Jakob auf Rahel, so verliebt war er in diese blaffe Bohnenstange. Mein Geschmack war sie nie!" Ich verabschiedete mich bald, es drängte mich, Frau v. Grimmer aufzusuchen, um aus dem Munde der Freundin Sylvias zu erfahren, wie es zu dieser mir ganz unglaublich erscheinenden Verbindung gekommen war. Die junge Frau empfing mich allein. Ich war so erfüllt, daß ich es kaum über mich vermochte, die Antwort auf die Frage nach ihrem und Klein-Noras Befinden abzuwarten. „Und Fräulein v. Hernig hat fich verlobt!" stieß ich ganz unvermittelt hervor. „Ich sehe, man hat es Ihnen schon mitgetheilt," lächelte Frau v. (Stimmer, „und Sie sind sehr überrascht." — „Ich hätte es nie für möglich gehalten, gnädige Frau." „Lieber Herr Rohden," sagte die junge Frau jetzt tief ernst, „Sie wissen, ein Tropfen, der immer fällt, höhlt einen Stein aus. Werden hat Sylvia feit Jahren geliebt und Frau v. Hernig war er um feines Geldes willen ein willkommener Schwiegersohn. Immer hat sie schon das arme Mädchen drangsalirt, die Werbung anzunehmen. Jetzt, nachdem, er den Abschied genommen, wiederholt er seinen Antrag noch einmal. — Er hatte den Moment gut gewählt. — Meine arme Sylvia war kämpfesmüd', die Mutter lag ihr Tag und Nacht in den Ohren, und daß er seinen Abschied genommen und sie