Deutsches Reich
Fuldaer
M 111.
JuLöa, Freitag, den 16. Mai 1902.
29. Jahrgang.
(Nachdruck verboten.)
Halstücher vervollständigten die Toilette. Jeder während 7/e Rechte ' des SgFTeÄt! 58ut> hatte außerdem ein Gesangbuch im Arm. Am Pardon, Prinzen, weißes Patschhändchen umfaßt
Als wir, einig geworden, uns verabschiedeten, stolperten wir im Hausflur über eine Kinderschaar, em unentwirrbarer Knäuel von schwarzen Gesichtchen und rothen Haaren.
„Pechvögel!" murmelte Kant ingrimmig. Der uns höflich hinausbegleitende Vater, einen schlechten Eindruck auf die neuen Miether fürchtend, griff zum Knieriemen, und wie die Sonne auf Gerechte und Ungerechte scheint, so schlug er zu blind- ungs, wohin er kam. Die Pechvögel kannten dies Verfahren offenbar. Mit geradezu unheim- ucher Schnelligkeit und völlig lautlos waren sie rm Nu verschwunden, als wenn der Erdboden sie verschluckt hätte.
Wir also zogen gegen Ende März ein, und waren ein paar Wochen lang von unserer Wohnuna hoch befriedigt.
, Binnen kurzem hatten wir sogar gelernt, urcht über die Pechvögel zu stolpern, obgleich vrese, mit Ausnahme des Sonntags und des ältesten weiblichen Pechvogels, ihren ständigen Aufenthalt _ im Hausflur hatten. Pechvogel I, gen. fern., saß dagegen meist auf der Thürschwelle und strickte. Unsäglich schmutzig, mit ungekämmten vrandrothen Haaren und zerlumptem braungelben ^leid, strickte sie stets braune Strümpfe weiß, weiße blau, und blaue braun oder weiß an. Warum wohl?
In der Nacht vom Sonnabend auf den Sonntag ging aber etwas Wunderbares im Hause und der Familie unseres Wirthes vor. Wer kennt nicht das Märchen von den drei geraubten Prinzessinnen, deren Gatten je drei Tage resp. Wochen und Monate, Adler, Bären und Walfische waren, und die ein tapst rer Bruder mit Hülfe von drei Adlerfedern, bezw. Bärenhaaren und Walfisch- chuppen erlöste. Immer erinnerte mich Familie Porke, wenn sie Sonntags, neun Köpfe hoch, in die nahe Kirche zog, an dies Märchen. Zwar sahen unsere Augen nie den Prinzen, waren aber von seiner Existenz und seiner Kraft überzeugt, mittelst dreier zauberkräftigen Schweinsborsten, der gesummten Familie Porke eine für den Sonntag menschenwürdige Gestalt verleihen zu können.
auffallendsten war für uns die Hautfarbe der entzauberten Prinzen, und ich finde keinen anderen Vergleich, als den alten verbrauchten: wie Milch und Blut. Denselben überraschenden Eindruck machten auch die drei nun erscheinenden Jungfrauen. Wie Türkisen glänzten die sechs Augen- paare in den frischen zart rosa Gesichtchen. Die Damen hatten sauber gefaltete Sacktücher, an Stelle der brüderlichen Gesangbücher, ich vermuthe, sie halfen sich gegenseitig aus.
Nun öffnete sich die Hausthür zum drittenmal. Heraus trat des Hauses Gebieter, ernst
lasten des Zuges auf dem Bahnhof Deutz einen Unfall; et blieb mit dem Fuße an einer Schwrlle hängen, stürzte und verletzte sich am Kopfe. Nachdem ihm ein Nothoerband angelegt worden war, kehrte er mit dem nächsten Zuge in seine Heimath zurück.
+ Ansfische und österreichische ArSeiter, also vornehmlich Polen au« Galizien und Rujfisch- polen, in land- urd forstwiithschafilichen Betrieben »r ter lagen bisher der Pflicht zur Jv v rltditätS- vnficheiung nicht, wenn sie nur für einen bestimmten Theil de« Jahres zum Aufenthalte im Jnlande zugelass-n waren. 3 in Gegensätze dazu hat jetzt da« Reichrversicherungsamt eine neue Verordnung erlassen, und zwar deswegen, weil in den meisten deutschen Bundesstaaten nicht solche Vorschriften wie in Preußen bestehen, die den ausländischen polnischen Arbeitern den Aufenthalt nur für einen gewissen Theil des Jahrc, gestatten. Es sind indessen für die Handhabung dieser Versicherung einzelne Erleichterungen für die Versicherungsanstalten vorgesehen worden. Allen In- tenssenten fei die wue Verordnung zur Beachtung empfohlen.
(Herz-, Nieren-, Gehirnkra^kheiten usw.) mit der Trunksucht in elxem inneren Zusammenhang stehen, so kann man auf Umfang der Verheerungen, die der Alkobolismus in der Bevölkerung an« richt«, noch nicht annähernd einen Schluß ziehen. Immerhin ist zu verzeichnen, daß weibliche Per- sonen selten am Säuferwahnsinn sterben. Was das Alter betrifft, so liefert das kräftige Mannes- alter die meisten Todesfälle dieser Art.
Weste machten sich die hohen Vatermörder, durch eine schwarze Riesenbinde in die Höhe gehalten.
* Mehr als 80 Millionen Mark an gtiftiwgew zum Wohl- de? Arsteit-r sind fstl 1901 in der Ehrentafel des Z ntralvereins für das Wohl der arbeitenden Klaffen verzeichnet, zwanzig Millionen m hr al- im Vorjahre und hoppelt so viel wie 1899. Diese Summe wurde durch 1135 v rfchiedene Stiftungen erreicht, die i" mehr als der Hälfte aller Fälle von Aktien- gesellschasten ausgingen. Von der Gesamml- summe entfallen zwanzig Millionen auf gemein-
Berlin, 15. Mai 1902.
* Wie die,Pos. Ztz/ berichtet, ist der Regierungspräsident Kr ahmer in Posen eingiladen worden, den Kaiser aus der diesjährigen Zlord a«dsf«tzrt, die im Juli stUlstudet, zu b gleiten. Man bringe diese Mloung mit der im September bevorstehenden Anwesenjeit des Kaisers in der Provinz Pofen und ihrer Hauptstadt in Ver- ündung, indem man annehme, daß der Kaiser ich durch den Regierungspräsidenten von Polen auf der Rise eingih nr Bercht über die Ver- hältniffe in der Provinz erstatten kaffen will.
* Der Reichs- und Landtags abgeordnete Küken eil tt am Dienstag beim Ver-
♦ König Alsons XIII.
Der 17. Mai 1902 ist ein bedeutungsvoller Tag in der Geschichte Spaniens. An diesem Tuge vollendet König Alfons XIII, sein sechzehntes Lebensjahr, wird damit nach dem spanischen Gesetze regierungsmündig und besteigt den spanischen Königsthron.
Nahezu siebzehn Jahre hat die Königin- Mutter Maria Christine aus dem Hause der Habsburger die Regentschaft über Spanien ge- führt. Denn als ihr Satte, Röxtg Alfons XII,, starb, war ihr Sohn noch nicht geboten. Dieser erblickte daS Licht der Welt erst sechs Monate nach dem Tode seines Vaters. Starke Um- wälzungen haben sich in Spanien während dieser Regentschaft vollzogen; fast der ganze spanische Besitz an Ko'onieen ist dem Königreiche verloren gegangen. Aber der Königin Maria Christine kann man für diesen Verlust nicht die geringste Schrils aafbürden. Dieser V-rlust war die un- erbittliche Folge deff-n, was oorausgegangen war; und der Regentin kann die Geschichte für ihre wahrhaft nicht leichte Regentschastsführung nur das allerbeste Zmgniß ausstellen.
Alfons XII. war nur zehn Jahre König ge- wesen. In dem jugendlich-n Alter von achtzehn Jahren bestieg er den Thron; als achtund- zwanzigjähriger junger Mann wurde er in die Ewigkeit abberufen. Ec starb an der Lungen- schwindsucht, und es lag injoigediffen die Be- sorgniß vor, daß auch sein nachgeborener Sohn von sehr zarter Gesundheit sein werde. Der Königin Maria Christine lag also eine doppelte Sorge ob: die politische TMgkeit als Mutier eines Landes, das seit langen Jahrzehnten ohne Aufhören von revolutionären Bewegungen durchzuckt wird; und die Aufgabe, ihrem Sohne und seiner gefährdeten Gesundheit eine ganz besonders sorgsame und hingebende Mutter zu fein.
Die Erziehung des jungen Königs ist überaus jorgfältig und verständig geführt worden. Streng wurde seine Lebensweise geregelt. Körperliche Hebungen aller Art sollten seinen Körp r stählen und es wurde ihm eine tüchtige mit.» täusche Ausbildung gegeben. Ader die geistige und sittliche Erziehung wurde nicht vernachlässigt, und jetzt berechtigt der junge König zu den besten Hoffnungen. Man rühmt an ihm eine A*ills und klare Auffaffung, ein vorzügliches Gedächtniß und einen heiteren, liebenswürdigen Charakter; und wenn nicht alles trügt, so wird sich der jugendliche König zu einem tüchtigen Manne entwickeln. Als Mutter ihres Sohnes Hal Maria Christine augenscheinlich vorzügliche Erfolge zu verzeichnen.
Auch die Lrndesmutter kann sich guter Flüchte ihrer THSligkeit rühmen. Es war eine Unmöglich« it, aus dem Lande Spanien, so wie es vor zwanzig und dreißig Jahren war, im Handumdrehen einen Ocdnungsstaat zu machen, der in bufem Sinne auch nur b- scheidenen Forderungen nach unserem deutschen Maßstab- genügt hätte. Aber es ist doch ohne wirkliche Revolution ab- gegangen, und trotz aller unruhigen Zuckungen, namentlich in Katalonien, muß man sagen, daß im allgemeinen unter der Regierung der Königin
grfdicint täglich, m Ausnahme der Tann-und Feier, löge. Vierteljährl.
jugsprns ohneBringerlohn und Bestellgeld in Sulba uiib.au«- wart« I M.50 Ps,
IklliMtS-tzMMWkll lllkS Ml «Mhkjsk«.
Halbvrrgefsene Geschichten aus den 30 er und 40 er Jahren des 19. Jahrhunderts von B. 6. Eoester.
X Ai« mehr eis schneidiger Lsndraty «st Herr von Alten, der vom schleswiger Wahlkreise in da» preußische Abgeordnetenhaus gewählt wurve. Wegen starker Wahlbeeinfluffungen, die i >—->—» jwunjig w«monen aui gemein» dabei vorkamen, ist die Wahl ungiltig erklärt «ütsize Zwecke im Allgemeinen, 151/» auf Pen- worden. Jetzt wird berichtet, das konservative stonS- und UnterstützungSfonds, 6^/, aus Prämien Wahlkomitee habe den Wahlmännern die Wieder- and Gewinn brtheiligung, 6 auf Wohnungs- wähl der Henn von Alten empfohlen. Ganz richtig fürforge, 4l/s auf Krankenfürsorge, je 4l/3 auf bemerkt dazu die freikonservative ,Post', daß die \ Altersheime und BildungSzwrcke u. s. f. Auf Wahlmänner unter solchen Umständen ehrenhalber Preußen kamen 52, aus Sachsen 11, auf Bayern gar nicht anders stimmen können, al« bei der ersten 8 und auf Hamburg 2 Millionen. Den Ehren- Wahl; daß also die Wahlbeeinflussungen, die bet platz nimmt die Stadt Berlin mit 18 Millionen der ersten Wahl ausgeübt wurden, auch für diese ein; die Provinzen Rheinland und Hessen- zweite Wahl noch forttvirksn müssen. Danach f N a s s a u folgen mit je 9.
müßte also auch die zweite Wahl im Abgeordneten-1 * Einen Beitrag zu den schädliche« Nokae« vvd dl« ff, v. » .u r i I . , , £ f ff liefern die Nachrichten über
P.n° bw schleswiger Konservativen sollten darum die Sterbefölle an Säuferwahnsinn im Staate, lieber gkich einen anderen Kandidaten aufstellen. Nach den sta desamtlichen Aufzeichnungen er-
X HSeröürgermerste, Hanh von S1«tt- liegen oiefer Krankheit jährlich in Preußen Bart wird vermuthlich bereits Sieben gehabt ungefähr 600 Personen. Und zwar erscheint baben, m denen er wünschte, den Mund in seiner diese Zahl mit Rücksicht auf das Fehlen eines
°9en’ ^tetage in B-ilm nicht Leichenschaugesetzes als Minimalzahl? Dafür
so voll genommen zu haben, wie er es gethan spricht auch die Thatsache, daß mehr als die
x RDingen ist noch ftflzustellen, daß Hälfte dieser Todesfälle in den Städten den
der Herr Oberbürgermeester es auch mit der Wahr- Standesämtern gemeldet w'tden, in denen in der «”Tmen Er vmuchte R gel übliche Totenscheine bei der Meldung ^"V"?^?"^°uungen des württember- oorgel-gt werden. Berücksichtigt man ferner, ri'unitD "rmd'lchek krebsen daß zahlreiche Todesfälle an anderen Krankheiten zu gehen und diesen als einen Mann yinzustellen,' ..... -
bet ein Gegner jeglicher Getreidezoll-E Höhung sei. Die vorliegenden Zeitungsberichte stimmen darin so genau überein, daß ein Zweifel daran ausgeschloffen ist. Nachträglich wird nun behauptet, es sei „gegen j 'e weitere Erhöhung dec © treibe- jölle Über den »- iroutf deS Bundesrath, S hinaus* gemeint gewes n Aber jene Z-itungSberichte und auch der gan^ Zusammenhang der Sauß'schen R:de kenizeict, n diese nachträglichen Beschwich- ttgurgs - Vers: als wenig ruhmvolle Drückebergerei ; wer fi 6 n dieser Weise zu drücken sucht, mit deffen Srü. en muß es schlecht bestellt sein. Das nächste, w Herr Gauß leistete, ist die Redensart, es wü de ein „nationales Unglück- fein, wenn der Zolltarif - Entwurf Gesetz werde, und er stellte sich dabei an, als habe er damit ganz Württemberg hinter sich. Aber gerade in Württemberg haben ja sogar Mitglieder der demokratischen Partei im Landtage an Kundgebungen für höhere landwirthschafiliche Zölle sich betheiligt, so daß Herr Gauß sich nur auf die Sozialdemokraten und einen Theil der württem- bergischen bürgerlichen Demokraten stützen kann. Auch am 17. Mai 1879 wurde in Berlin ein | s'grn. Städtetag gegen die damals erste Emsüh- rung von Getreidezöllen abgehalten; auch damals regnete es so übertriebene Redensarten. Dann wurde der im Jahre 1879 etrgesührte «etreife- joß verfünffacht; aber sogar H-rr Oberbürgermeister Gauß wird schwerlich etwas von einem „nationalen Urglück", das hinterher eintrat, gemerkt haben. 0 ei tacuisses!
ßvua und Verlag bet Jnltaer Xclitndmtferrt pekregaffe fit. 2 (Darmonir!.
Maria Christine die inneren spanischen Verhältnisse in ruhigere Bahnen eingelenkt sind, und daß namentlich die monarchische Staatsform eine gute Festigung während dieser Regentschaft er- fahren hat. Die Persönlichkeit bet Regentin hat dazu ohne Zweifel nicht wenig beigetragen. Vor allem hat ihre strenge Sittlichkeit und die ebenso strenge Sittlichkeit in ihrem Hoflcben einen sehr günstigen Eindruck auf das Land Spanien ge- macht — ein Umstand, der in Spanien und im Vergleich: zu den voraufgegangenen spanischen Königshöfen leider, auch besonders heroorgehoben werden muß. Der Name Isabella sagt für sich allein genug. Auf jeden Fall hat Maria Christine die Regentschaft mit einer Pflichttreue, einer Selbstlosigkeit, einer Aufopferung geführt, die ihres Gleichen suchen und die höchste Anerkennung verdienen.
Maria Christine hat sich als Regentin bereits von den Ministern verabschiedet. Ihr Sohn wird aber als König ihres Beirathes und der Unterstützung tceu ergebener Männer, neben den Ministern, vorläufig nicht entbehren können, wenn auch ein sechszehnjähriger Spanier und König zugleich infolge seiner Nationalität und seiner besonders gearteten Erziehm>g ein anderer Mensch ist, als ein sechzehnjähriger Durchschnittsdeutscher. Zu seinen Lehrern gebürte auch der J-suiten- pater Montana Im Vorjahre schied dieser aus dem königlichen Dienste aus Rücksicht auf die jesuit?!-feindliche Bewegung, die in der Madrider Beoö.kerung angefacfct wordiN war, um der Königin unnöihige Verlegenheiten zu ersparen. Einen besseren Lehrer in Religion und Sittenlehre konnte Alphovs XIII. auf keinen Fall haben, und man kann deswegen begründete Hoffnung daraus hegen, baß diese Erziehung ihre guten Früchte bei dem fingen’ Kön'g tragen werde.
Die Karlisten protestiren gegen seine Krönung. Das braucht ihn nicht zu geniren. Gleicht er in geistiger und sittlicher Beziehung seinem Vater, bann darf man hoffen, daß er bald fr ft auf den Füßen stehen und daß seine Regierung dem Lande Spanien Segen bringen werd
der Hand einen blau baumwollenen Regenschirm mit Messinggriff und Spitzen.
Den rechten Arm reichte er mit einem Schwenker, der mir die Thränen in die Augen trieb, der ihm folgenden Hausfrau. Auch sie war unkenntlich in Folge gründlichen Waschens. Die drallen Glieder waren in ein steif gestärktes, mit braunrothen Blumen bedrucktes Kattunkleid gepreßt. Den Oberkörper bedeckte ein grünes, dreieckiges Tuch, welches etwas über die Taille reichte, den Kops ein Hutungethüm von gelbem Stroh und dunkelblauen Bändern. Auch ihre, im Arm des Gatten ruhende Linke hielt krampfhaft das zusammengefaltete Sonntagsschnupftuch,
m öffnete sich die Hausthür zum dritten- Heraus trat des Hauses Gebieter, ernst und feierlich. Das Haupt krönte ein etwas röth- klcher, sehr hoher, schmalkrempiger Cylinderhut, wohl ein Erbstück aus Urväterzeit. Zu dem lang- schößigen braunen Bratenrock und der blauen
* Deutsch Kübwestafriäa isi der Bau der Eisenbahn Swakopmund.Windhoek mit seiner Spitze b.s Kilometer 340 angelangt und her Unterbau bis zur Militärstation Brak- water (Kilometer 360) ftrtiggestellt, Zwischen Windhoek und G.b o> ist eine ständige helio-
I hielt, der scheppbemig wie ein Dachs, furchtbar ■ wackelnd, an ihrer Seite den Weg zur Kirche ging. I Nun setzte sich der Zug in Bewegung. Erst । die sechs Großen, paarweis, dann die Alten mit dem Dachs. Er mit Riesenschritten, sie trippelnd und sehr einwärts gehend, das Kind wackelnd — es war ein Schauspiel für Götter!
Kant behauptete, Nr. 8 sei übrigens in der „Mördergrube" (so benannte er das Schlafzimmer, in welches wir nie einen Blick werfen konnten, da, so lange wir dort wohnten, weder Thür noch' Fenster jemals geöffnet wurden) zurückgeblieben, er habe beim Vorübergehen deutlich Geschrei oder eine Art Grunzen vernommen. Ich lasse die Frage offen, ob Nr. 8 nicht nur in Kants Phantasie existirte. Jedenfalls reichte wohl die Kraft der drei Schweinsborsten nicht so weit, auch ihm eine menschliche Gestalt zu verleihen, oder es wat für den Kirchgang noch zu jung.
Der Zauber entwich leider so rasch, wie er gekommen, und am Montag stolperte man wieder über den dreckigen Klumpen gänzlich sittenloser Pechvögel. — Mit unserer Wohnung aber waren wir sehr zufrieden, so lange freilich nur, bis des Sonnengottes Kuß heißer die Erde berührte und alles ringsum zu neuem Leben erwachte. Da begann um uns herum ein unheimliches Leben und Weben, Krabbeln und Krauchen und eines Nachts weckte Kant mich mit dem Schreckensruf: „Wanzen, Hölle und Teufel, Wanzen!" Was wir alles versuchten, um in dem sich nun ent- spinnenden bitteren Kampfe Sieger zu bleiben, damit könnte ich Bände füllen. Wir unterlagen. Es ist dies ein hartes Geständniß für zwei tapfere Krieger, aber wir unterlagen der Uebermacht. Neben diesen blutgierigen gemeinen Kreaturen
^nftrnft: Di« einspaltige Petil- zeile ober Deren Raum 15 Pfg.,Reklamen die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
i gehindert dmchschritt am Sonntag Morgen ..... ... ... w g^Ut,i,
felbft der Fremdling den Hausflur. Sem Blick . sehr fein. Im linken Arm klemmte er ein dickes, \ fiel durch die stets weit geöffnete Zimmerthür auf! metallbeschlagenes Gesangbuch, und trug dabei in einen, mit weißen Sand bestreuten, blendend "
weißen Fußboden und ruhte mit Wohlbehagen auf einem einladend gedeckten Kaffeetisch, wo auf blitzendem Messingbrett goldgeränderte, blumengeschmückte und mit sinnigen Sprüchen versehene Tassen prangten. Allerdings war dies nur Scheingefecht, denn auch sonntäglich wurden alle Mahl- eiten in der Küche eingenommen. Aber es machte ich doch gut. Von der Hausschwelle war die arbenblinde Strickerin verschwunden, und man tiefi daselbst auf drei höflich grüßende, die Mützen von den sorgsam mit Wasser frisirten Rothköpfen abreißende Gentleman. Sauber gewichste Stiefel, lange Hosen, sehr kurze Jacken und schwarzseidene
pirnnlirorUi»: Siir die Xedattion Jof. Sn um, mit den Beilagen
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