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HL 110.
JuLöa, Donnerstag, den 15. Mai 1902.
29. Jahrgang.
Berlin, 14. Mai 1902.
Strafe muß sein," flüsterte ich ihm seufzend
(Nachdruck verboten.)
Sicher war Lotte schon wüthend auf uns, aber
Mit überströmender
*
Erscheint täglich, m. Ausnahme der Sonn-und Fe>cr- taqe Vierteijährl.
e; u g s p r t i s »hneBrinqerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 M.üOP^
vruck und Verlag der Fuldaer Ucltendruckerel peteregaftc fto. i lldarmoute».
Für 1903 dürfte die Veranschlagung der Eisenbahneinnahmen und des Elsenbahnübe,- fchuffeS sich voraussichtlich erheblich ungünstiger gestalten; denn dieser Veranschlagung wird da« überaus ungünstige Jstergebniß des JahreS 1901 in Verbindung mit der Entwickelung deS Verkehrs ... zu Grunde gelegt . . .
Es soll aber vorläufig keine Aussicht vorhanden sein auf Hebung des Verkehrs. Nun, das wollen wir doch erst abwarten I Noch in der allerneuesten Zeit haben stch verschiedene! Herren von mehreren Regierungen anders aus-1 gesprochen, daß nämlich der ärgste Theil der wirthschaftlichen Krise überwunden sei und Befferung in Aussicht stehe. Diese andere An- schauung stimmt auch mit sonstigen Thatsachen überein, so namentlich mit den sich beffernden Berhältniffen auf dem Arbeitsmarkte. Und gerade jetzt geht die Nachricht durch die Presse, daß die preußische Bahnverwallung allein nicht weniger als 8277 neue Güterwagen in Bestellung gegeben hat, wovon 1792 auf den Direk- tionsbezirk Effen, 1400 auf Köln, 1320 auf Bromberg, 1290 auf Hannover, 1288 auf BreS-
I Sturm gesagt hatte, als er den Un- sie ließ sich nichts merken. glücksrock, der ihm den schönen Tag so total Liebenswürdigkeit empfing sie uns, den stocksteif I verdorben, Herl und unversehrt fand, wir er- dasitzenden Karl Damian jeder Unterhaltungsfuhren es me. Wohl aber vermied er in nächster r ™ - - - --
Zeit auffallend Kants Gesellschaft. —
Etwa acht Tage später kam Bernhard Eßler von Paris zurück unb- brachte eine allerliebste Neuheit von dort mit. Jeder seiner Bekannten erhielt in einem Kouvert zwei durch ein rosa Seidenbündchen zierlich verbundene Visitenkarten. Auf den eleganten, mit gepreßten Rändern und Goldschnitt verzierten Kärtchen, standen nur zwei Namen: „Susette Mejer" auf der einen, „Bernhard Eßler" auf der anderen.
h Ai- «eue ole»Vorlage soll nach den
neuesten Nachrichten in dieser Tagung dem preußischen Landttrge nicht mehr zugehen. Er bestätigt, ä« r^rnnri, , oap „oie «ccmte rserayr«
augenscheinlich die an dieser Stelle bereite ge- düng für alle diejenigen britischen Linien ein- äußerte Vermuthung, daß inne-halb der Regierung I trete, die nach Südafrika, Ostosien und Australien
dann muß man handeln, wenn die Zeit zum Handeln gekommen sein wird. Die Budget- Kommission des Reichstages hat schon diesmal den Verbündeten Regierungen bewiesen, daß sie zu handeln versteht, indem sie eine ganze Reihe nicht dringlicher Ausgaben strich und dadurch die .vom Bundesrathe vorgeschlagene Zuschuß-Anleihe zum Etat überflüssig machte, außerdem aber da, wo es nöthig war, mehr Ausraben bewilligte, als der Bundesrath vorgesehen halte, so namentlich für die höchst nothwendtgen Unterstützungen hilfsbedürftiger Kriegsrheilnehmer. Hebers Jahr o„. ____, „w„ wtl, „
wird es die Budget-Kommission des Reichstages | zu, daß die Reichsregierung sich doch nicht sicher wiederum nicht an dem entsprechenden Handeln \ auf dem fragliche» Gebiete fühlt. Es gehört zu fehlen lassen. den Schwächen des Herrn Reicksschabsekretär«.
+ Krheörrugert über die Ducüer-Irage. Infolge der entsprechenden Anregung der Zucker- Kommission des Reichstages find nach halbamt- kicher Mittheilung unter dem Vorfitze des Staats, sekretärs Freiherrn von Thielmann erneute Vernehmungen von Sachverständigen über I die Zuckerfraae eingeleitet worden. Die Sach- verständigen find ausschließlich auS de« Kreisen der Zuckerfabrikanten und der zu der Industrie in Beziehung stehenden Landwirthe gewählt. Der ,Nordd. Allg. Ztg.' zufolge findet zunächst die Vernehmung der Herren von Arnim-Güterberg, Kröger - Alten, Skene - Klettendorf, Coste - Biere, Karcher-Frankenthal, Preißler-Hannooer, Beren- des'Kulmsee, Brukner-Stralsund statt. Die sehr eingehend geführte« Verhandlungen werden in de« nächste« Tagen fortgesetzt werden. — So weit die halbamtliche Mitthrilunz. Es ist sehr zu lobe», daß diese Vernehmungen von Sachverständigen stattfinden. Noch lobenswrrther würde es gewesen sein, wenn die Reichsverwaltung stch genauer über diese Dinge unterrichtet hätte, bevor sie die Verhandlungen in Brüssel begann. Diese Vernehmungen von Sachverständigen lassen, so gut sie an sich sind, doch nur den einen Schluß
Hiermit müßte ich ja nun eigentlich das Kapitel meiner Jugenderinnerungen schließen, aber ich kann es mir nicht versagen, noch einen Blick in das Nest zu werfen, welches sich das holde Paar, Karl Damian Otterbach und seine Lotte Nierenfett, bald darauf erbauten. Ich bin ihnen diese Genugthuung schuldig, da ich sie über Gebühr über Stürmchens Mißgeschick vernachlässigt habe.
Mißgeschick emweihen wollten, mußte er noch besuch bei dem „Ottergezücht" (Kants neuester rmmer durch starkes Hinken den Eindruck, als Kosenamen für Lotte und Otterbach) gedrückt habe er sich den Fuß vertreten, festhalten. — Alles hat seine Grenzen, auch das Drücken
Ein Trost liegt aber auch in den K, gliedern der Halbamtlichen: So lange diese K>ogelteder ertönen, hat man nicht «eue große Selo forde- rungen zu fürchten. Denn unter solchen Um« ständen male« sie die Finanzlage stets mit den herrlichsten Freudenfarbe« — wie beispielsweise bei der letzte« Flottenvorlage.
lau usw. entfallen. Diese Thalsache stimmt doch auch nicht mit den finanziell,n und wirthschaftlichen Schwarzmalereien überein! Also mildem „Bedruck" wird es zunächst noch auszuhalten sei«, ganz besonders im preußische« Staate.
Dan« aber leben wir vorläufig im Mai 1902. Warum sollten wir uns jetzt schon aufregen über das, was ein Jahr später sein könnte, wenn alles recht schlecht geht? Das ist gar keine sträfliche Sorglosigkeit, denn wir wissen ja noch ganz und gar nicht, ob es den« wirklich so schlecht gehen werde. Es könnte ja auch sein, daß bis übers Jahr die ganze wirthschattliche und finanzielle Lage wieder ein günstigeres Aussehen bekommen hat. Das muß man in Ruhe abwarten. Und
den Schwäche» des Herrn Reichsschatzsekretärs, sich leicht mir feinem Wissen erhaben zu dünken über andere Sterbliche, bis er sich durch die Thatsachen davon überzeugen muß, daß er zu dieser Erhabenheit gar keinen Anlaß hat.
st Im AleichstagswaHlkreife Ar. Lieöer'v soll bekanntlich die Ersatzwahl für den verstorbenen Centrumsführer am 28. Juli stattfinden. Kandidat der Centrumrpartei ist ein Angehöriger des Wahlkreises selbst, der Rechtsanwalt Dr. Dahlem in Oberlahnstein.
selbst eine Einigung über die Vorlage nicht erzielt werden konnte. Desto besser!
auseinandergingen, gab der perfide Kant dem tags nach der Kirche auf den saueren Weg armen Ker noch den guten Rath den beschädigten ...«ß fii..," flüster ich ch.n
Jtoa sofort zum Reparrren zu schicken, und der j zu, als das aufmachende Mädchen uns das Ru= Schneiderseele anzuempfehlen, m Zukunft besseren hausesein des gnädigen Fräuleins versicherte. Zwrrn zu nehmen. Sicher war Lotte ickwn wütbend ans nn-i nftpr
st A-r HewewuU Städletag hat, wie nachträglich festgestellt wird, zu einem Zehntel au« ! Sozialdemokraten bestanden. Nicht weniger als 68 Theilnehme desselben gehören der sozialdemokratischen Partei unter solchen Umständen gewinnt man ii »ge« Verständniß für die geradezu lächerlichen ui.b unvernünftigen Uebertreibungen, die von diesem to^enannte» Städtetag« geleistet wurden. Es schadet aber weiter nicht« I
, + Aks» eudktch doch! Nach Pfingsten wird dem preußische» Landtage eine Vorlage zugehen über die Ausführung des F l e i s ch b e s ch a u- gesetzeS in Preußen. — Nach denVorlagen zu urtheilen, die der preußische Landtag »och er- ledige» soll, wird er ficherlich noch vier Wochen nach Pfingsten versammelt bleiben müssen.
+ Aampl-r-LSarteK. Durch daS Drahtbureau der Regierung — Wolff'sches Bureau — wird eine Meldung aus London verbreitet, nach der man dort „erst jetzt zu er- kennen beginnt, daß der amerikanische Dampfer- Trust stch nicht auf den nordatlantischen Verkehr beschränken will, sondern Theilnahme am gesammten Weltverkehr anstrebt." Ma» -beginnt zu erkennen", daß „die höchste Gefähr-
D Schreckliche Finanzdrohungen.
Seit einiger Zeit paßt eS in den Plan der Verbündeten Regierungen und in erster Reihe der Reichsverwaltung, die Finanzlage so schauer- lich wie nur irgend möglich darzustellen. In einer neuen halbamtlichen Darstellung wird von „nicht unbedenklichen finanziellen Manipulatto»en" des Reichstages gesprochen, wodurch gewissermaßen die öffentliche Meinung über die finanziellen Abgründe, die stch angeblich unter unseren Füßen aufthun, hinweg getäuscht werde» solle. Diese Beschuldigung wird zwar nicht unmittelbar ausgesprochen; aber man kann sie zwischen de» Zeile» lesen. Gemeint ist damit die Erhöhung der Einnahme aus den Zöllen im Etatsooran- schlage für 1902 über den Ansatz der Regierung hinaus; und dann wird die SchreckenSmalerei I i» folgender Weise fortgesetzt:
Das Reich hat schon den Etat des laufenden Jahres nur durch Ausschreibung von 25 Millionen Mark ungedeckter Matrikularum- lagen bei gleichzeitiger Zurückstellung einer ganzen Anzahl von minder dringlichen Ausgaben ... zu balarciren vermocht. Abgesehen davon, daß die Ursachen, welche zu der ungünstigen Gestaltung der Einnahmen des Reiches in den letzten Jahren geführt haben, noch fortwirken, kommt für 1903 in Betracht, daß in diesem Jahre der hohe Fehlbetrag aus dem Rechnungsjahre 1901 zu decken sein wird. Während dem Etat des laufende« Jahres aus 1900 nur ein Fehlbetrag von etwas über zwei Millionen zur Last - liegt, wird man stch für 1903 auf die Nothwendig-1 feit der Deckung eines Fehlbetrages von etwa 50 Millionen Mark gefaßt mache« müssen ...
Es wird als ein „schwerer Bedruck" (!) für die meisten Bundesstaaten bezeichnet, daß 25 Millionen ungedeckter Matrikularumlagen eingeführt wurden — u«d schließlich werden auch schreckliche Dinge für Preußen prophezeit; »üm- lich io:
Sparsamkeit ist natürlich j:tzt geboten, strenge Sparsamkeit auf allen Gebieten. Aber das ist । den Offiziösen bei der ganzen Finanz-Jeremiade gar nicht die Hauptsache. Die sogesannte Retchsfi «anzreform steck? ihnen im Kopfe: Das Reich unabhängig i» seinen Finanzen zu machen und dadurch den Reichstag mit seiner Budgetkommiffton in seinem Einflüsse auf die G-staltu»g der Reichsfinanzen hrrabzusrtzen. Neue Reichssteuern sollen ersonnen werden zu diesem Zwicke. Das Volk soll mehr Steuer« aufbrisgeu; um seine parlamentarische Vertretung in ihrem Einflüsse herabzusetze^ — das j Ex-mpel ist nicht unschlau. Nur scho e, daß eö j viel zu offen daliegt, als daß nun eS über-1 sehen könnte.
„Illustrirte Sonntags -Zeitung"
j verkehren", und daß der Trust durch den Gr- werb der Weißen Stern-Linie sofort in den Br- sitz von Linien nach Afrika, Australien und Neuseeland trete." Wer unter dem „man" ver- I ftawben wird, der „jetzt erst zu erkennen beginnt", ist dunkel. Hoffentlich findet sich nicht auch einmal in Deutschland ei» solcher „man", der „zu erkennen beginnt", wenn eS zu spät dazu ist. Jedenfalls steigt der Argwohn in Deutschland gegen das Dampfer-Kartell. Das kann man aus de» Aeußerungen liberaler und demokratischrr Zeitungen ersehen, die anfänglich ganz kritiklos und beinahe im Tone der Begeisterung das Wort
। des Direktors Ballin in Hamburg nachplapp erteil: I die deutschen Linien bleiben deutsch! Das deutsche Publikum möchte gern wissen, wie lange sie noch deutsch bleiben. So schreibt der nationalliberale »Hannoversche Kurier' jetzt:
Nach alledem ist eS um so unerläßlicher, daß über die Stellung der greßen deutschen Linien zu dem Trust volle und jedermann verständliche Klarheit geschaffen wird....
und die ebenfalls nationalliberale .National- Zeitung" gibt ganz unumwunden zu, daß der Trust, obwohl er als solcher keine Aktien der deutsche« Gesellschaften erwerbe» darf, dies durch Strohmänner thun kann. Uni) ist das nun etwa kein triftiger Grund zu Besorgnissen?
Es war schon einige Zeit seit den oben ge- ku-i"" oT” "™T T" . T" i schilderten Ereignissen verflossen, und wir hatten
rener. Da wir doch nicht alle anderen m sein \ uns noch immer vor dem üblichen Gratulations-!
Imtmmts-kliMNWi kims alten tmheffri.
Halbvergeffene Geschichten auS den 30 er und 40 er Jahren deS 19. Jahrhunderts von B. 6. Toester.
-wj- ’ 7— u-p -—— I Alles hat seine Grenzen, auch das Drücken, Als wir m Hanaus nächtlich stillen Straßen und so machten Hartor und ich uns eines Sonn-
vtiLiNworNiSi Lür die Xrlntiion Jnf. Sauai, für Jnftrair J. pa-zell-r in Sultu.
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mir den Zeigen
„Fuldaer OescbicWsblätfer“ und £otterie--£i$fe.
! + Maareutzans'Stetter. Manche Leute
können sich gar nicht genug darin thun, die Sondersteuer für Waarenhäuser und Bazare als unzweckmäßig, unwirksam, widersinnig und dergleichen mehr zu verspotten. War für Wirkungen durch diese Steuer erzielt werden, kann man beispielsweise in K ob lenz und Breslau studieren. Durch die Einnahme aus der Waarenhaussteuer erfährt in Koblenz der Betrag der Gewerbesteuer-Klasse 4 eine Ermäßigung um 45 v. H., der Gewerbesteuer- Klasse 3 um 30 v. H. In Breslau ist von drei Betrieben «in Betrag vnn 52 610,80 Mark vereinnahmt worden. Nach dem Vorschlag« der Magistrate« sollen auch hier die dritte und vierte Gewerbesteuer-Klasse um diese Summe erleichtert werden, so daß hier wie dort ganz im Sinne der Gesetzgeber die Waarenhaus-Steuer dem gewerb- I lichen Mittelstände und den kleineren Gewerbe- I treibenden zu gute kommt.
X Der 38a» der Zuckerrüve hat sich i» Deutschland, wie allbekannt ist, während der letzten Jahre sehr erheblich vermehrt. Aber falsch würde die Auffassung sein, daß diese Vermehrung bis in die allerneueste Zeit hinein stattgefunden hat; das ist nicht der Fall. Seit dem Vorjahre hat sich vielmehr die Bodenfläche, die innerhalb des Deutschen Reiches mit Zuckerrüben bebaut ist, nicht unerheblich vermindert. Diese Bodenfläche beträgt im laufenden Jahre 1902 nur noch 423,471 Hektare gegen 476,873 Hektare im Vorjahre; ste hat also um mehr als 11 v. H. ab- genommen. In den anderen europäische« Zuckerrüben-Ländern ist die entsprechende Verminderung wäbrend desselben Zeitraumes noch erheblicher: in OesterreichUngar» beträgt sie 16, in Frankreich und Belgien 24, in Holland sogar 35 v. H. Angesichts der bevorstehenden Verhandlungen im Reichstage über die Zackersteuer und die Brüsseler Konvention sind diese Zahle« von Bedeutung.
Nun wurde Kriegsrath darüber gehalten, was zunächst zu geschehen sei. Daß Sturm mit der Brezelbrosche auf dem Rücken nicht den Heimweg antreten konnte, war ja klar. Endlich kam man überein, daß er sich in eine dem Fräulein von Seschen gehörende, schwarzseidene Mantille hüllen solle, die der warme Sommerabend entbehrlich gemacht. Der gute hilfsbereite Kant half ihm, sie umzulegen. Dores Busen erhielt seinen Schmuck zurück, und Stürmchen, auf dessen Kosten natürlich die gräßlichsten Witze gemacht wurden, wurde wie ein Schwerkranker sorgsam von Kant und mir nach dem Boot qe-
sorge enthebend. Man sprach von der schon Ende September stattfindenden Hochzeit, die freilich, weil Dami es so wünschte, und sie sich in allem nach seinen Wünschen richtete — (dazu ein zärtlicher Blick und Tätscheln mit der fetten Rechten, von ihrer Seite, von seiner ein undeutliches Brummen) — nur in kleinem Kreis stattfinden würde. „Wir haben auch schon eine Wohnung gemiethet, ein allerliebstes Häuschen, zwar etwas klein, aber Raum ist ja bekanntlich in der kleinsten Hütte, nicht wahr, mein Liebling?" (Abermals Blicke, Täffcheln und Brummen, mir wurde schlecht.) „Und wo, wenn ich fragen darf?" erkundigte sich Hartor höflich. „Bei dem I Bürger und Schuhmachermeister Fridolin Porke," fiel jetzt zum erstenmal Hauptmann Otterbach in die Rede, sich wichtig in die Brust werfend. „Ja," bestätigte Lotte, verschämt die Augen senkend, „bei Porke in der Haingaß', kennen es die Herren vielleicht?"
Und ob ich das Haus kannte!
Hatten doch Adrian und ich mal fast ein ganzes Jahr dort gewohnt. Offensichtlich war | i es Lotte nicht sehr angenehm, als sie dies ver-'
■ nahm, schnellgefaßt aber fragte sie, ob denn die Wirthe angenehme Leute wären. Das konnte ich ehrlichen Herzens versichern, „nur," setzte ich hinzu, „haben sie schrecklich viel Kinder, schon damals waren es sieben oder acht."
„Oh," sagte Lotte, abermals lieblich erröthend und wieder in ihre affektirte Sprechweise verfallend, das genürt uns nicht, wür lüben Künder unendlich, nücht wahr, meun Lübling?" Was der Liebling grunzte, verstand ich nicht, wir verabschiedeten uns und ich wünschte dem edlen Hauptmann aufrichtig und ehrlich:
Gesegnete Mahlzeit.
Ah, ah, Gott sei Dank, überstanden. * *
Freund Kant und ich hatten Unglück mit unseren Wohnungen, oder besser gesagt, unseren Wirthinnen gehabt. Die eine war zänkisch, die ! zweite war freundlich, aber unerträglich zudringlich und geschwätzig. Die dritte war dreckig, die vierte schlampig; aber das Maß der Geduld lief über, als Kant in eine Wohnung gerathen, deren Herrscherin auf Gütergemeinschaft bestand, d. h. ihn bestahl. Da faßten wir den heroischen Entschluß, uns selbständig zu machen und mit Hilfe der Burschen allein Haus zu halten. Ich besaß schon einige Möbel und was uns noch fehlte, versprach Kants Mutter, die ja in Hanau wohnte, bereitwillig zu liefern.
Es gab nun damals in Hanaus Mauern zweierlei Wohnungen, solche mit — Wanzen und solche ohne Wanzen.
„Mit" waren erheblich billiger.
Unsere unschuldigen Leutnantsseelen • hatten natürlich keine Ahnung von diesem Umstand, und so kam es, daß ich, als wir eines Tages obdach-
?n(rrnle: Tie cinspallige $etit= -eile oder oeren Ra»ml5Pfg..Re- kia'nrn die Pelit- zcile 25 Psg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
Mein Humor der Situation überwog bei der heiteren Geheimräthin aber sofort alle weiteren Bedenken. Weg war der Aerger über den Neffen, weg das Mitleid mit Sturm. Sie schüttelte sich vor Lachen, wenn sie den Unglücklichen ansah, der seinen Platz an der Wand krampfhaft behauptete, verzerrt, verzogen, in fast unmöglicher, jedenfalls sehr unbequemer Stellung. Natürlich war fünf Minuten später der ganze kleine Kreis über die wahre Ursache seines „Mißgeschicks" aufgeklärt, und der unglückliche kleine I Leutnant konnte sich kaum retten vor all' dem । Mitleid, der Theilnahme und den guten Rath-1 schlagen.