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Illustrirte Sonntags-Zeitung", .Juldaer Gescbicbtsblätter" und Cotteric-Ciste

Druck und Verlag der Suldaer Aettendruckerei Peteregaffe llr. 2 (Barmenia

M 107.

JuNa, Montag den 12. Mai 1902.

29. Jahrgang.

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S Die Kongregationen in Spanien.

Seit lotigez Zeit gelange« immer abwechselnd MclSungen und Gegenmeidungen zu uns über den Stand der Kongregaliousfragc in Spanien. Das liberale Ministerium des Herr« Sagasta hatte de« Freimaurern und Radikalen eine sogenannteReform- des KongregationsWesens in Aussicht gestellt; und da ein Ministerium dieser Färbung in Spanien theilweise von den Radikale n und Republikanern abhängig ist, würde eS in Verlegenheit kommen, wenn gar nichts auf diesem Verwalturgsgebiete geschehen würde.

Zunächst hatte man vor, das französische Beispiel nachzuaqmen. Aber zu einer so gewaltsame« Maßregel lassen sich wieder die gemäßigten Liberalen nicht herbei, deren UnterstLtz.'.ng Herr Sagasta ibmso nolhwrndig braucht, wie diejenigen der Radikalen; und so kam es denn, dcß vo-!ä fig der greise Minister- Präsident die ganz« Sache auf die lange Bark schob. Den Republikanern wurde gesagt, man brauche längere Zeit zur Vorbereitung und Aus- sührurg dieser Maßregeln; und man setzte als Ziel den 1. Oktober fest. Inzwischen suchte man Anschluß in Rom, da in Spanten auch ein liberales Ministerium nicht unmittelbar gegen vatikanische Wünsche handeln kann.

Am 19. September des Vorjahres war die Königl. Verordnung ertasten worden, durch die den kirchlichen Genossenschaften ein Gesuch um Ermächtigung an die Regierung zur Bedingung gemacht wird. Die Folge davon war eineAeuße- ruvg des heil. S uhles durch den apostolischen Nuntius in Madrid, daß der hl. Stuhl mit dieser Verordnung nicht einverstanden sein könne. Ts wurden Verhandlungen angrknüpft, und deren Folge wiederum ist ein soeben ergangenes Rund­schreiben des apostolischen Nuntius in Rom m alle Bischöfe und Prälaten in Spanien. Darin wird mitgetheilt, daß der Papst der Königir.-Re« gentin Maria Christine und dem Ministerium Sagasta sich gefällig elwrisen wolle. Der päpst­liche Stuhl hält daran fest, daß diejenigen geist- litten Genoffenschasten als zu Recht bestehend an­erkannt werden wüsten, die bereits die Ermäch­tigung der Regierung erlangt hatten, und zwar nach dem zwischen dem hl. Stuhle und der spani­schen Regierung abgeschlossemn Konkordate. Der Minister-Präsident Sagasta vertritt die entgegen- gesetzte Austastung, und die Kurie will entgegen­kommen. Die gkiftlichen Genossenschaften sollen die Form der Eintragung in das Ttaatsregister erfüllen; diese darf ihnen aber nicht verweigert werden. Damit würde der äußere« Form nach die Königl. Verordnung erfüllt; wen« aber die spanische Regierung mit der Erfüllung dieser äußeren Form sich begnügt, ohne wirklich in eine Prüfung der Frage einzutreten, ob einer Genostrn- schast die Ermächtigung zu ertheilen sei oder nicht, dann verzichtet sie in der Lhat auf dir Ausfüh­rung jener voraufgegangenen Verfügung.

tim Site» Lnhkffm.

Halbverzeffsne Geschichten aus d-n SS er und er Jahren drS 19. Jahrhunderts von B. ®. Corster.

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Hör' mal, mein Adler," spann nach einer Weile Kant das Gespräch fort, während wir des Wegs nach dem Wilhelmsbad entlang gingen, ich habe da einen Einfall. Wir kommen jetzt gleich an Onkels Garten, wie wär's, wenn wir einbrächen und Tante die Nothwendigkeit klar machten, daß sie als Mutter einer erwachsenen Tochter die Verpflichtung hätte, nächsten Sonn­tag eine Land- und Wafferparthie nach Stein­heim zu arrangiren. Die Dore kennt ja noch keinen Menschen!"

Ich muß hier einschalten, daß Kants Onkel, der Geheimrath Rubertus, eine Villa vor dem Thore besaß, welche die Familie den Sommer über bewohnte. Die siebzehnjährige Tochter Theodore, ein nicht hübsches aber sehr kluges und amüsantes Mädchen war vor kurzem aus der Pension gekommen und sollte im nächsten Winter in die Geselligkeit eingeführt werden Die erst 35jährige lebensfreudige Geheimräthin, unbedingt die geistvollste und liebenswürdigste Dame Hanaus, war meine besondere Gönnerin, mit Freuden stimmte ich daher Kants Vorschlag zu. Wir hatten das Glück, die Damen nicht nur zu Haus, sondern auch unseren Wünschen sehr geneigt zu finden. Flugs wurde eine Liste der Aufzufordernden aufgestellt und unter diesen dursten natürlich Lotte und Mine Nierenfett

Es wird berichtet, die spanische Regierung habe sich bereits mit diesem Vorschlag einver­standen erklärt, auch ihre Bereitwilligkeit zu er­kennen gegeben, nachher alle Kongregationen nach diesem Grundsätze zu behandel«, also auch die­jenigen, die bisher «och gar keine Ermächtigung zum Aufenthalts und zur Niederlassung in Spanien erhalte« hatten. Das würde jedenfalls der beste Ausweg aus dem Zwiespalte sei«. Die Regierung war in voreiliger Weise zu weit ge­gangen ; und nun kann sie nichts Klügeres thun, als die angebotene Verständigung gut zu heißen und anzunehmen, um damit den unliebsamen Streitfall aus der Welt zu schaffe«. Es ist kaum anzunehmen, daß das Ministerium Sagasta mit starrem Widerstande gegen de« Vatikan in Spanien auf die Dauer durchdringen würde; und deswegen wird es auf den vorgeschlagenen Ver­gleich eingehen und dem hl. Stuhle dankbar sein müflen dafür, daß er diese« Ausweg aus dem Dilemma vorgrschlagen hat.

Berlin, 10. Mai 1902.

X N-tchMarrzler Hraf Mfilsrv hat bei der ersten Lesung der Zuckeroorlage im Reichs- tage für seine Ausführungen nur den vollen Beifall der freisinnigen und sozialdemokratischen Redner gefunden ein Beifall, der ihm vermuthlich nur in geringem Grade angenehm gewesen sein wird. Der Vorgang hat auch Beachtung im Auslände gefunden. Die Londoner .Times' schließt nach ihrer Art au« dieser Thatsache, daß der Reichs­kanzler gar keinen fisten pailamentarischen Boden unter den Füßen habe: obwohl erdie Agrarier fortgesetzt umschmeichele", werde er von diesen in einer wtrthschastltch so hochwichtigen Frage im Stiche gelassen; e« werde nur ein schwacher Trost für ihn sein, bisweilen zum Ersätze dafür den Beifall der Herren Richter und Bebel zu finden .... Die Auffassungrweise des Londoner Blattes ist ja nun so falsch und so gehässig wie möglich. Aber beachtenrwerth bleibt es doch, wie aufmerk­sam im Auslande auf di« Vorgänge im deutschen Reichstage aufgrpsßt wird. Wollen die Ver­bündeten Regierungen die richtigen Schlüsse daraus ziehen, so müflen sie mehr, als die« j-tzt im all­gemeinen geschieht, auf die berechtigten Wünsche der Reichstagsmehrheit Rücksicht nehmen, und weniger eigenmächtige Politik treiben.

X Ir. Kiever wwd das HSerprSstdtwm. Halbamtlich schreibt die ,Norvd. Allz. Ztg.': Wir sind schon riamal der Legende entgegen- getreten, wonach von Se. Maj. dem Kaiser und Könige dem verstorbenen Abgeordneten Dr. Lieber Anerbietungen wegen Verleihung einer Ordensauszeichnung oder eines höheren Amtes gemacht worden sei-n. In den lltzte» Tage» abermals in der Presse erzählt worden, Se. Maj. der Kaiser habe dem Abg. Dr. Lieber Orden und schließlich auch den Oberpräsidentenposten in Kaffrl angeboren. Wir wiederholen deshalb, daß HMmWWHHIWIWBaS! iUUWI.IililM IWMII HfcHMUHAM« M» nicht fehlen, und dann flog Kant und ich in die Stadt zurück, um unsere Burschen, möglichst noch heule zu allen Betheiligten senden zu können. Strahlend kam Kant auf mich zu:Adler, mir lächelt Fortuna. Das aimable Frauenzimmer- chen, Susette Mejer, hat zugesagt, hingegen läßt die alte Madame Eßler mit Bedauern melden, Bernhard sei in Paris und käme leider bis zum Sonntag nicht zurück."Den wärst Du los," stimmte ich bei,aber wie ist's mit Sturm?" Du hast ganz recht, mein Adler," daß Du ihn erwähnst," war Kants unvermuthet sanfte Ent­gegnung,es ist immer der gröbste Fehler, einen Gegner zu unterschätzen. Wir kämpfen eben beide um diesen hohen Preis, die Entscheidung liegt ja doch in ihrer Hand." Der ungewöhn­lich ernste Ton, mit dem Kant dies sagte, machte mich fast betroffen, sollte er diesmal wirklich tiefer gehen, war diese Liebe kein Strohfeuer, die so schnell erlosch, wie sie aufgeflackert? Ich war besorgt um den Freund. Sturms Neben­buhlerschaft fürchtete ich freilich wenig, aber ich glaubte genau zu wissen, daß Bernhard Eßler der kleinen hübschen Mejer nichts weniger als gleichgiltig war. Ich konnte mich ja irren, und jedenfalls nichts an den Verhältnissen ändern, also abwarten und Augen offen halten.

Der schönste Sommersonntag erschien, und einem Bienenschwarm gleich fiel die zahlreiche Gesellschaft in den reizend gelegenen Burggarten von Steinheim ein. Der Wirth, bei Zeiten be­nachrichtigt, hatte für lange Tische und Bänke und sehr guten Kaffee gesorgt. Kuchen, Zucker­bretzel, Zwieback, Kreppel rc. in ungeheuren Mengen, waren von den Damen mitgebracht, ebenso die verschiedensten guten Dinge für ein

all; Behauptungen über Anerbietungen, die Se. Maj. der Kaiser und König dem verstorbenen Centrumsführer direkt oder indirekt gemacht habe« soll, gänzlich aus der Luft gegriffen sind". So das offiziöse Blatt. Daß dem Abg. Dr. Lieber dennoch ähnliche Anerbietungen wirklich gemacht worden fhb, ist doch wohl nicht zu leugnen und wird ja auch in der vorstehenden halbamtlichen Kundgebung gar nicht geleugnet. Von welcher Seite aus das geschehen ist, wird man vorerst aber schwerlich erfahren. Denn wenn das Ent­sprechende auch ausgezeichnet ist in den Tage­büchern des verstorbenen CentrumssührerS, so werden diese Tagt b Scher jetzt eben auch noch nicht an die Oiffentlichkeit gelangen.

* Daß her Deeisiwwd erneuert werde« wird, hat der österreichisch-ungarische Minister des Auswärtigen, Gcluchowski, am Mittwoch mit aller Deutlichkeit in de« Delegationen zu Pest in folgender Form gesagt:Der Dreibund, deffen Giltigkeit im Mai 1903 abläuft, geht nunmehr der Erneuerung entgegen, nachdem die drei Kabinette formelle Zusicherungen hinsichtlich ihrer besten Absichten ausgetauscht habe», den zwischen ihnen bestehenden Allianz-Vertrag in seinem vollen Werth aufrecht zu erhalten und recht­zeitig an die Unterzeichnung der einschlägigen Instrumente zu schreiten."

X Die wette Aoke* Morkage ist dem preußischen Landtage noch immer nicht zuzegangen. Die entgegengesetzten Meldungen in anderen Zeitungen waren unrichtig. Nach übereinstim­mende« Zeitungsnotizen sollen in der Vorlage weitere hundert Millionen Mark gefordert werden für Ansiedelungszwecke in den Landes« thrilen mit polnisch sprechender Bevölkerung; eS soll indessen schon jetzt feststehen, daß vom Land­tage im nächsten Winter «och weitere hundert Millionen für die gleichen Zwecke ab- verlangt werden sollen. Auch in konservativen Kreisen beginnt man bedenklich zu werden. Es handelt sich nur um landwirthschaftliche Ansiede­lungen, wie sattsam bekannt ist.Sollen so schreibt dir agrarisch .koaservatise.Deutsche Tages- zeitung' die Ansiedelungen wirthschaftltch ge­deihe», soll das verwendete Geld thatsächltch und bildlich Zinsen tragen, so müssen die Preise der landwirrhschajtlichen Erzeugnisse derart sein, daß ste nicht nur die Erzeugungskosten decken, sondern einen mäßigen Gewinn abwerfe«. Geschieht das nicht, so können neue Ansiedelungen viel mehr schaden, als eützen." Möglicherweise hängt die Verzögerung in der Einbringung dieser neuen Polrnvorlage mit Meinungsverschiedenheiten inner­halb der Staatsregierung selbst zusammen.

+ Der AleichstagrIbahlkrei» Bayreuth ist durch den Tod des nationalliberalen Abgeord­nete« Friedel verwaist. Er gehört zu denjenigen Wahlkreisen, an dene« man so recht die Berech­tigung des Bismarck'sche» Wortes studiren kann, daß der Liberalismus die Vorfrucht der Sozial­demokratie ist. Im Wahlkreise Bayreuth wurde« soch im Jahre 1890 nicht weniger als 6071 frei« sinnige Stimmen abgegeben; 1898 waren es aber nur noch 2314 Stimme«. Der Verlust der Frei­sinnige« ist durchaus der Sozialdemokratie zu gute gekommen. Diese zählte imJahre 1890 nur 1100,

kaltes Abendbrot». Riesige Kurnpen saure Milch lieferte der Wirth dazu.

Schon bei der Ueberfahrt im Boot, über den zwar breiten aber momentan fehr flachen Main, hatte Kant sich geschickt Susette genähert, und um die Ehre gebeten, beim Kaffee ihr Tischnachbar sein zu dürfen. Mit liebenswürdigem Bedauern erklärte das niedliche Mädchen, daß sich Leutnant Sturm dieser Gunst bereits für Kaffee und Abend­essen versichert hätte. Kant war wüthend.Ich muß den Kerl unschädlich machen," zischelte er mir zu,am liebsten möcht' ich ihn gleich ins Wasser werfen!"

Sei doch vernünftig", bat ich,damit könntest Du Dir in Fräulein Mejers Augen nur schaden, der Nachmittag ist ja noch lang und Du wirst noch viel Gelegenheit haben, mit ihr zu sprechen!"

Die Mädchen sind, weiß Gott, unberechen­bar," meinte Kant, zwar noch ärgerlich aber doch schon bedeutend ruhiger,begreif' ein anderer, was ste an dem Dummkopf hat!"

Kant führte feine Koustne Dore zu Tisch und richtete es geschickt ein, wenigstens vis-ä-vis von Sturm und Fräulein Mejer Platz zu finden. Aber die Hoffnung, nun über den Tisch herüber die Unterhaltung mit dem Gegenstand seiner Liebe anzufangen, schlug ebenfalls fehl, denn Susette war stets von Sturm oder von Leutnant Hartor, der an ihrer anderen Seite saß, vollständig in Anspruch genommen, und zuweilen wollte es mir scheinen, als ob sie absichtlich vermiede, mit Kant zu sprechen.

Ich hatte keine Dame zu Tisch geführt und saß neben Fräulein' von Rubertus. Da Kant sicherlich zerstreut war und sich der Kousine gegenüber wenig Zwang auf erlegte, so unter«

dagszen im Jahre 1898 nicht weniger als 4200 Stimmen. Die nationalliberale Stimmenzahl ist während derselben Zeit um etwa 500 Stimmen zurückgegangen.

* Der preußische GeseHeutrvurs fiter deu yötzereu Nerwattuwssdiewst hat ein «igen- thümliches Schicksal gehabt. Di« Eingangsworte mit dem Namen und den Attributen de« Königs waren so stark abgekürzt worden, daß im Abge­ordnetenhause auf besonder» Antrag hin eine Aenderung damit hätte vorgenommen werden müflen. Um da« zu vermeiden, war die Vorlage von der Regierung zurückgezogen, in entsprechen­der Weise vervollständigt worden und ist nunmehr dem preußischen Abgeordnrtenhause von neuem zugegangen.

* Die Irrdertarrfiedlrrugeu irr Zfakastiu«. Die Versuche, Juden im hl. Lande anzustedeln, sind schon wiederholt unternommen worden, aber stets mit schlechtem oder gar keinem Ersolge. Neuerdings wird berichtet, daß in Genf eine große Schaar polnischer und deutscher Juden, zum großen Theil Landarbeiter, auf der Rück­reise von Jerusalem eintraf. Der Führer der Leute erklärte, daß der Ansiedlunzsoersuch in Palästina mißglückt sei. Der Boden um Jeru­salem sei sehr arm und habe eine klägliche Ernte geliefert. Außerdem befinde sich der ganze Handel in den Händen der Mahamedaner und die Be­völkerung kaufe lieber von ihren Religions« genoffen als von den Juden. Auch die Eifen­bahntarife seien sehr hoch und machten einen Profit unmöglich. Wenn die Juden auf sich selbst angewiesen find, hat es natürlich mit dem Profitmachen seine doppelten Schwierigkeiten.

+ Jas KlsenSahnrmglfick Sei Zschorlau ist, wie bekannt, veranlaßt morde« durch Achsen­bruch am Tender i« der Nabe. Eisenbah«mi«ister von Thielen hat auf eine Anfrage deswegen im preußische« Herrenhaus« geantwortet, gerade an einer solchen Stelle sei ein Achsenbruch sehr schwer zu entdecken; es sei das denkbar beste Material verwendet worden usw. Wenn es in der Thatdenkbar bestes Material" gewesen wäre, hätte die Achse nicht brechen könne«. In einer erneuten halbamtlichen Darlegung wird nun gesagt: die Räder werden fest um die Achsen ge­schweißt und find stets fest mit der Achse ver­bunden. Es sei daher keinem noch so geschickte« Schlosser oder Techniker möglich, während des Betriebes die Achse» in den Radnaben auf Be­triebssicherheit zu prüfen. Man müffe sich da­mit begnüge», daß die Achseaus bestem Material" hergestM sei usw. Leider haben die Herren von der Regierung immer nur Worte der Verneinung für alle Vorstellungen in Eisenbah»angelege«heiten. Es würde beffer, und im Interesse des Rufes unserer Eisenbahnen auch klüger sei», wenn sie etwas williger darauf eingehen wollten. Wen» das Bewußtsein, daß es sich umbestes Material" handle, nun täuscht, wie hier in diesem Falle, und diese Täuschung so schreckliche Folgen hat, dann muß die Leitung der Eiseubahnvera:altung daraus bedacht sein, solche Täuschungen zur Un- Möglichkeit zu machen, nicht aber allen Borstel« hingen in diesem Sinne ihr eigensinniges Nein entgegensetzen. Die Achse stammte aus der

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hielten wir beide uns um so eifriger. Das kluge Mädchen durchschaute vollständig den Herzens- zustand des Vetters, und als dieser jetzt ziemlich unvermittelt, wie aus tiefen Gedanken heraus, ausrief:Na, warte nur, hernach spielen wir Russisch Laufen" und dann bin ich der Ruß!" meinte Dore sofort,dann denkst Du sie zu fangen. Nun soviel ich weiß, versteht Sturm das Laufen auch. Nun aber, lieber Adrian, fei auch mal ein bischen für andere Leute da, wir sind hergekommen, um uns zu antüfiren und wenn Du etwas Hübsches sehen willst, dann guck mal ein wenig dorthin." Gleichzeitig legte sie ihre Hand auf meinen Arm, um auch mich auf den Gegenstand ihres Vergnügens aufmerksam zu machen. Ich folgte dem Blick ihrer klugen braunen Augen die einzige Schönheit in dem blaffen, mageren, von brandrothen Haaren um­gebenen Gesicht, und sofort war mir klar, was und wen sie meinte. Auch Kants ver- droffene Miene klärte sich auf, als fein Blick auf unseren Hauptmann Karl Damian Otterbach fiel, der wie zwischen zwei Fettpolstern inmitten der beiden Schwestern Nieren faß. Sein ver­wittertes- Banditengesicht strahlte vor Behagen, denn abwechselnd wurden ihm die köstlichsten Gerichte angeboten.Kinder, der ist verloren!" lachte Kant,die holde Lotte hat seine schwächste Stelle richtig herausgefunden, aber neidet ihm nicht fein Glück, und vor allem" setzte er warnend hinzu,wenn Euch Euer Leben lieb ist, so hütet Euch vor Lottes Kreppeln!"Warum," lachte Dore,sind sie in Nierenfett gebacken?" Schlimmer als das, theuere Base, in Oley (Rüböl) wurden sie gesotten."

Ach geh, Adrian, Du übertreibst!"