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29. Jahrgang.
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^revolutionären" Sozialisten bei der Stichwahl die
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verantworuich: Siir 6it Srtaltion Jof. Saum, lür JnSerafe 3. patjellrr in Lulda.
Druck und Drrtai 6tr Snttotr actienJratfrrrt peteregaifc Nr. « (fcarmonid.
Unb die Gespräche? Bengel-, die im nächste« Jahre koufinnirt werden sollen, führen manchmal eine Unterhaltung, bei der ein Schutzmann roth werden kann. Hebet die Thaten, die z« diese« Worten gehören, «olle« wir lieber nicht «eilet teden.
athmen können. Bleichsüchtig, «ervöS und frühreif kommen fie wurmstichig in- Leben hinein. Die einen werden vorzeitig geknickt al- Opfet der Noch, die anderen al- Opfer der Eitelkeit und Unvernunft.
Im Hochsommer soll nun die Ferieureise die Sünde« bei ganzen Jahres gut machen. Da- geht nicht. Auch nicht einmal in dem günstigsten Falle, wenn da- Kind an einen Seestrand kommt, wo ei ohne Sorge« und Zwang richtig spiele« kann. Wen« die Eltern sonst auf „Vergnügung-- reife«“ durch Gebirge oder „sehen-würdige“ Städte das Kind mttschleppe», so ist da- eine zu große Strapaze für den schwachen Körper oder }« viel Reizung für de« ohnehin überfütterte« Seist.
Ei wird jetzt ein Gesetz gemacht, um die Kinder gegen übermäßige ErwerbSarbeit zu schützen. Dai ist sehr gut und schön. Aber nicht bloß die Kinder der ärmeren Klaffe werde« vielfach über ihre Kräfte angestrengt, sondern auch die „höheren“ Sprößlinge, und kein Gesetz kann fie schützen. ES gibt Kinder, die vor lauter Studiren, Uedungen, Drillen, aufgezwungene« Vergnügungen rc von Morgens früh bis Abend- spät keine Viertcläunbe habe«, wo fie mal
i Dai städtische Leben wirkt wie Treibhaushitze auf die jungen Pflanzen. Das schießt unheimlich schnell auf, aber Kern und Kraft ist nicht darin. Der erst? Reif in der Frühlingsnacht verdirbt da- frühreife Zeug.
Man darf aber nicht glauben, daß die städti« I sche Lebensweise nur für die Sprößlinge der unteren ! Klaffe ihre Gefahre« habe. Die „höheren" Töch- ! ter und Söhne stad auch von der Frühreife bedroht. Die „bessere Erziehung" ist vielfach nicht das erwünschte Brems- und Abkühlung-.Mittel, sondern steigert noch den Treibhaus«Frühling. Unvernünftige Eltern bringen es manchmal dahin, daß ihre Kinder mit 12 Jahre« schon an« fange«, „bkafirt" zu werden. Ich kenne Mädchen von 13 Jahren, die schon alle Theater abgeklappert habe« und vom Faust bis zum kleinen Cohn in den ganzen alten und neuen Bühnenwerken Bescheid wlffen. Eirkuffe und Konzerte laufen so nebenher. DaS Kind weiß allezeit, was „in Berlin los ist“, weil die Eltern und Verwandten es an allen Gesprächen und an allem Zeitvertreib theilnehme« [affen. ES schleckert in den Konditoreien nicht nur Kuchen und Schlagsahne oder Ehokolade, sondern auch Witzblätter, Karrikaturen und sonstige „Setstesnahrung“, an der sich mit« | unter noch Erwachsene den Skelenmagen orrderbe«. Es studirt alle Schaufenster, und was kann | man vor den Berliner Schaufenstern nicht alles I lernen! Auf die „zarten Beziehungen“ zwischen de« Zöglingen benachbarten Töchterschulen und Gymnasien sei nur mit dem Finger gedeutet. Kinder in kurzen Kleidern holen manchmal am Postschalter schon postlagernde Brirflei« ab.
Viele Elter« find froh und stolz, wenn ihre Kinder sich ftühreif zeigen. Sie halten daS für einen Vorzug ihrer Raffe, vielleicht auch für ei« Verdienst ihrer sorgfältigen Erziehung. Leider betreibt ja gerade das Elternhaus noch mehr als die Schule die Treibhauskultur. DaS Kind wird so schnell al- möglich durch alle Klaffen und alle Examen getrieben; wen« die Lehrer bremse» wollen, find die Eltern in ihrer Eitelkeit und ihrem Eigennutz schwer gekränkt. Eine Privatschule muß schön gefärbte Cmsuren ertheilen und darf die Unfähigkeit nicht fitzen laffen, sonst geht die Kundschaft verloren.
Wenn daS krankhaft ausschießende Kind mal ernstlich krank wird, so schilt man auf die „Hebet, bürdung in der Schule“. In neueren Zetten aber pflegt die Schule wirklich keine übermäßigen Lasten aufzulegen. Die Eltern aber überbürde« sehr häufig dar Kind, z. B. mit Mustkstunde«, mit Tanzstunden, mit Theaterbesuchen und sonstigen Vergnügungen, mit Gesellschaften, mit langem Ausbleiben am Abend. Das Kind thut dann noch ein UebrigeS durch da- fortwährende Lesen von allen möglichen UnterhaltungSschriften, die gekauft, geliehen, auSgetauscht oder gemaust werden.
Unvernünftige Eltern freuen fich, wenn ihre Kinder recht viel hinter Lesebüchern oder am Klavier fitzen, statt „kindische Spiele" zu treibe». O ihr Thore»! Nichts ist dem Kinde gesunder, als wenn eS recht lange recht kindlich spielt und von den Vitgnügungen oder der „Weisheit“ bet Erwachsenen nichts weiß und nicht- wissen will.
Wunderkinder brauche« wir nicht zu habe», aber gesunde Kmder! Gelehrt und geschickt können fie immer noch werden, wenn fie nur mit kräftigem Körper und unverdorbener Seele aufwachsen. Aber wenn fie im Rente geschwächt find, dann nützt aller Schliff und alle- Angelernte nicht-.
Italien hat eine neue Ministerkrise durchge- macht: der Kriegsminister General di San Martino ist von seinem Amte znrückgetrete», ohne daß die Regierung bisher einen neuen Kriegsminister gefunden hätte. DaS Kriegsministerium wird einstweilen von dem Marineminister mit verwaltet.
Das Königreich Spanien rüstet sich zur
... . . n . । e «18 Rußland einlaufen, sind bei dem
ÄÄÄ' ^^.'^.^?^inraßland gegen siebzig Herr.
Erscheint täglich, m Ausnahme bet Sonn- und Feier« tage. Vierteljährl. ^E'lugrpreis. »hneBringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts IM.50 Ps,
mit seinem Ministeramte ein Ende haben; und dann jte^e Herrn Wolbeck-Rousseau der «ugenbltck gekommen sei», Anschluß nach rechts zu suchen, ber den gemäßigte» Republikanern. Diesen aue*9 A " sich kl»,erweise assen ,«halten.
Die Pariser Zettu»ge» urtheilen i» ,a»i eigen« . *“k 1'* -- -- Verhältnisse in -.ußland: Danach müßte im Zarenreiche ein QUgemctnet Personenwechsel in den höchsten Staats- stkllen zu erwarten sein — vielleicht der Neber,an« Mmh iU ninemk vollständigen SchreckenSregimente mit
Unpolitische Zeitläuse.
® Berlin, 8. Mai 1902.
-------- Nachdruck verboten.
Mochru-Rrmdschrm.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 10. Mai 1902.
Stimmen eintraten. Dieser hat nämlich in der Stich- toabl nicht weniger als 4246 Stimmen gegen die Hauptwahl zugenommen, der Nationalliberale aber rund tausend Stimmen weniger erhalten, als er bei genauer Einhaltung der ausgegebenen Wahlparolen hatte erhalten müssen. Vermuthlich find bei der Stichwahl auch ursprünglich sozialdemskratischeStimmen auf Herrn v. d. Decken übergegangen.
In Berlin ist am 2. Mai Prinz Georg von Preußen gestorben. Er war im Februar 1826 ge« boren als Sohn des Prinzen Friedrich, des ältesten Neffen des König« Friedrich Wilhelm III. Nach den Ueberlieferungen seines Hauses hat er die militärische Laufbahn durchgemacht und wurde im Jahre 1866 auch zum General der Kavallerie befördert. Aber eigentliche militärische Neigungen hat er niemals gehabt. Er war Schriftsteller und hat unter dem angenommenen Namen Georg Konrad eine Reihe von Schauspielen verfaßt, die ohne' Ausnahme ansprechend sind und theilweise mit bedeutendem Erfolge aufgeführt wurden. Ohne Uebertreibung kann man sagen, daß der Verewigte stets eine sehr beliebte und volksthümliche Persönlichkeit war und diese Beliebtheit auch verdiente. Seine sterblichen Reste finden ihre Ruhestätte in dem romantischen Schlosse Rheinstein bei Bingen. M
Endlich, endlich ist der Prozeß wegen der Ermordung des Rittmeisters von Krosigk endgiltig beendet: D«s Ooerkriegsgericht in Gumbinnen hat die beiden Angetlagten Hickel und Marten frei, gesprochen, wvil es «n genügenden Beweisen gegen die beiden Dragonerunteroffiziere fehlte. Der Staats« anwalt hat bis zllitzt den verwunderlichen Standpunkt eingeno nm -K, er müsse irgend etwa« herauS- kommrs habt., Hst deswegen die Anklage aus Mord fallen gehffet und die Anklage auf Todtsälag „im Effekte" .... Als ob Jemand „im
Ei» beliebter Mißgriff ist auch Me „Wohl« that“ drS RadeS. Die Bewegung auf dem Fahrrade denke« fich manche Elter« alS ein
kommen aus den spanischen Provinzen aufs neue beunruhigende Nachrichten von Unruhen und bedrohlichen Bewegungen — der Tanz auf dem Vulkan I
I» Südafrika bereitet sich nun nach allem Anscheine wirklich der Friede vor. Die Burenführer Delarey und D met rathen allen Ernstes zur Kapitulation unter annehmbaren Bedingungen; und tot diese beiden Löwen zum Frieden sprechen, werde« die übrigen Buren schwerlich taub gegen solche Rathschläge bleiben. Am 25 Mai soll eine große Versammlung von Burenvertretern stattfinden, um über die Friedensfrage gemeinsam zu berathen.
Der preußische Etat ist nunmehr auch endlich unter Dach und Fach gebracht, nachdem auch das Herrenhaus seine Zustimmung dazu gegeben hat. Auch l,nfl t8 ohne die jetzt anscheinend unvermeidlich geworden« Polendebatte.
Bei der Eröffnung der Düsseldorfer Aus- stellung hat Reichskanzler Graf Bülow das Festmahl sich dazu auSersehen, um eine politische Rede zu halten, d,e der Hauptsache nach unserer künftigen Handelspolitik galt. Dabei sprach er auch wieder emmal das berühmte „Unannehmbar“ auS; aber eS Vang noch weniger bestimmt als sonst. " Reichsverwaltüug - sagte der Kanzler - 4u r,n« fci" einem neuen wirthschaftlichen Mwunre thun kann, das zu leisten sind wir nach besten Kräften bestrebt. Sie wissen, daß e» das Ziel ^Rei^politck ist, auf der einen Seite. . . der ^ndwirthschast aus ihrer schwierigen Lage nachhaltig «ufzuhelfen und damit gleichzeitig den inneren Maaren- absch zu steigern . . Deshalb sind die Verbündete« Ö’3e" lR ,ber Tanfvorlage mit recht erheblichen &aSlUn9ettOrl?l,,rrFat,t,r^utte bi» an die Greüze bT Abschlüsse langfristiger Handelsverträge nvchBerembarten gegangen, aber auch nicht weiter “ i einer ihrer ... «me Bankettrede verpflichtet nicht! Und , ach dieser bti k ? LiÄr.
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C-lle-wi^^ -L" bfm h«nnoverschen Wahlkreis tnnr- 'st ausgefallen, wie zu vermuthen
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schlaaen R^v 1»5 326 Stimmen ge I Die Pariser Zeitungen n
5°unb ber Landtoirthe, Konservative und i tbümlicher Weise über die ÄStmÄ*“ bielßSb:
ou«oenehT„ i 5 &attei Wahlenthaltung al» Parole b» konnte das Ergebniß kein anderes sein.
eÄÜ? h A ba* stark- WachSthum der säÄ-äWJ 7- p INSSWTZRZ Hauptwahl für den Kandidaten a bfr Meldnnge», die aas Rußland einlaufen, sind bei dem
Heute konnte man endlich de» angenehmen Feiertags Spaziergang durch die langsam aufgehende Natur mache«. Der Frühling ist dieses Jahr sehr bedächtig gekommen. E- ging fast wie bei ber Echttrnacher Springprozesfio«, zwei Schritte vor und eine« zurück, manchmal auch zwei zurück. Eia sachverständiger Freund setz'e mir auseinander, das schade nicht, die Langsamkeit sei besser, als die Ueberstürzung, da« Grünzeug bleibe gesünder, sauberer und kräftiger bei diesem gebremsten WachSthum unter kühlen April« und Mailüfterln; TreibhauSwärme im Frühling tauge nichts.
AlS ich mir daS überlegte, kam mir ei« Trupp allergrünste Jungen entgegen, die dummstolz ihre Cigaretten pafften und i« krampfhafter Groß« thuerei die jungen Herren herausbrißen wollten. Lächerlich und traurig zugleich.- ungesunde Frühreife im menschlichen Frühling!
Die Cigarette» Haffe ich überhaupt auS tiefster Seele. Lüder muß man fie immer mehr schaue» und rieche». Die Cigarette ist modern. Sie ist da- rechte Genußmittel für alle diejenigen, die eine ordentliche Portion DeckentabakS nicht ver« tragen können und doch schon rauchen wollen. Wer »och zu klein oder zu schwach oder zu zart ist für eine gewöhnliche Cigarre, der steckt fich dieses Papierröllchen mit dem fadenförmigen Zeug auS dem Orient in den Mund und bläst feine« Mit- menfche« den süßlich-brenzlichen Rauch um die Nase. DaS preußische BereinSgesetz ist so unhöfl ch, von I Frauenspersonen, Lehrlingen und Schülern“ in j _______ ______________ ______ wv „,w
inem Athen, zu sprechen; bei dem modernen Ciga-1 wirklich Kinder sein und frisch und frei auf« rettengenuß finde» fich auch die emancipirtenFravenS- " “ —-------
Personen mit Lehrlingen und Schüler« zusammen. Ich will ja bei Leibe nicht, daß d e lieblichen Damenmündchen oder die unreifen JungenmSul- che» durch eine riesige Regalia entstellt werden — oder gar durch eine Pfeife. Aber wer nicht fähig ist, den landesüblichen Tabak zu rauchen, der soll daS Rauchen überhaupt bleiben lassen.
Mein Trüppche» grüner, frühreifer Jungen kam natürlich auch auS dem Wirth-Hause. Früh krümmt fich, was ein Haken werden will; die angehenden Alkoholiker sangen heutzutage schon zu „kneipen“ an, wenn sie kaum die Hose allein zumachen können.
Die Finnen haben sich der Kosakenknute gefügt und lassen^ nunmehr die RekrutenauShebungen ungestört vor sich gehen; fie ergeben fich verzweifelnd in daS Geschick, ihre Bolkseigenart allmählich vollständig an das Ruffenthum zu verlieren. Die Untersuchungen gegen Balmaschow, den Mörder des Ministers Sstpjägin, haben keine Mitschuldigen zu Tage gefördert, obwohl e» um gar nicht» Anderes. al« um «ne ausgebreitete Verschwörung sich handel» kann. Das Urtheil über ihn ist noch nicht gesprochen. Der Mann ist, wie es heißt, einer unheilbaren Lungen- krankhelt verfallen und wohl auch deswegen von der Verschwörung als Vollstrecker des Mordes ausersehen worden.
Endlos ziehen fich die Verhandlungen über den gegenseitigen Finanzausgleich und über die Feststellung des neuen Zolltarifs in Oesterreich- Ungarn hin. Man ist freilich daran gewöhnt, daß diese Verhandlungen viel Zeit in Anspruch nehmen. I Aber diesmal, wo die Sache durch den neuen Zolltarif noch verwickelter geworden ist, nimmt die Auseinandersetzung die Geduld aller Betheiligtcn in besonders hohem Grade in Anspruch. Die Ministerpräsidenten von Koerber und von Szell besuchen einander gegenseitig in Budapest und in Wien. Jedesmal hofft man auf befriedigende Lösung der schwebenden Fragen; aber auch noch jedesmal kommt hinterher die Vertröstung auf nächstes Mal. E» ist also ganz ungewiß, wie lange diese Verhandlungen noch dauern werden.
Am letzten Montag haben im Reichstage die Herren von der Linken wieder einmal Material geliefert für die Anschauung, daß es gar nichts schaden wurde, wenn die Geschäftsordnung des deutschen , Parlamentes besser als jetzt vor Mißbrauch geschützt wäre. Eine Mehrheit des Hauses, die sich aus Konservativen, Reichspartei und Nationalliberalen zu- sammensetzte, beantragte, nach der Zucker-Vorlage das "^?"?kweinsteuergesetz auf die Tagesordnung zu setzen anstatt Petttwnen, wie der Präsident vorgeschlagen hatte. DaS wollte die Linke verhindern. Herr Eugen Richter stellte den Antrag auf namentliche Abstimmung darüber. Ehe es aber zur Abstimmung kam, entfernten sich so viele Mitglieder der freifinnigen Parteien und der Sozialdemokratie, als nöthig war, um das Haus beschlußunfähig zu machen; und damit hatte erne Minderheit von etwa fünfzig Abgeordneten den ganzen Reichstag unter ihre Botmäßigkeit gebracht. Erlaubt ist das, aber nobel und im eigentlichen Parlamentarischen Sinne ist das nicht.
An demselben Tage hatte vorher Reichskanzler . r'lf Bülow die neue Zucker-Vorlage mit emer längeren Rede eingeführt. Ec suchte darzuthun, daß die deutsche Zuckerindustrie ihr« Rettung nur finden könne durch Annahme der Brüsseler Vereinbarungen und auch der Jnlandsteuer von 16 Mark rar den Doppelcentner, genau wie die Vorlage des BundesratheS es vorschlägt — gerade als ob der Reichstag nur noch dazu auf der Welt wäre, Ja und Amen zu jsagen, zu dem, was der Bundesrath ihm vorspncht! Dabei handelt es fich aber, wie man ja weiß, um eine der allerwichtigfien wirthschaftlichen Fragen. Aus dem Zucker hat da» Reich eine Jahre«- ernnahme von 120 Millionen Mark; die Arbeitslöhne innerhalb der Zuckerindustrie betragen 40 Millionen; bte Menge des in Deutschland erzeugten Zuckers beträgt rund 25 Millionen Doppelcentner jährlich — eine fo wichtige Sache muß mit Bedacht behandelt werden! Im Name» des Centrum» beantragte vbg. Becker, die Vorlage an eine besondere Kommission zur Vorberathung zu überweisen; und diesem Anträge «st entsprochen worden, nachdem auch die Redner der Rechten, die Abgg. von Levetzow und von Kar- dorff, die Ueberweisung an eine Kommisfion dringendst empfohlen hatten.
Das Toleranz-Gesetz, da» vomCentrum beantragt worden ist, hat nunmehr die zweite Lesung dnrchgemacht und ist unter Ablehnung aller Ab- anderungsanträge in derselben Form angenommen worden, wie es auS der vorberathenden Kommission herauSgekommen war. Der Vertreter des Königreichs im Bundesrathe hat fich auch diesmal vollständig ausgeschwiegen; und überhaupt war wahrend dieser Berathung kaum irgend ein hervorragender Vertreter des BundesratheS im Reichstage zu erblicken! .
JnOrof»: Die einspaltige Petil- zeile oder deren Raum 15 Pfg., Reklamen die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
m der augenblicklichen « eine Krönung des^e^Königs 1 f°K 8 $b3nthmir»'”5 ' Madrid ist dafür ein Festprogramm ausgearbeitet
bOi“ suchen sollte! Außerdem regt der , worden, das eine Zeit von zwei Wochen in Anspruch
: unb vermuthlich Millionen kostet. Gleichzeitig
sollten im deutschen Heere keinen Platz finden!
Bon einem schweren Unfall ist in der Nacht von Sonntag z» Montag der U-Zug über £?o: unb Leipzig bei der kleinen Station Zschonau zwischen Leipzig und Bitterfeld betroffen worden. ES brach eine Achse des Tenders, «nb in Folge dessen entgleiste» zwei Wogen. Zwei Personen wnrden getödtet, darunter der natl. Reichsrae iabge- ordnete Friede l-Bayreuth unb eine Dame Mehrere Personen wurden schwer verletzt.
Die jugendliche Königin der Niederlande st ans ihrem Schmerzenslager von neuem schweren Leiden unterworfen worden, die fie nochmal» in schwere Lebensgefahr brachten. Zn Folge der Typhu». rkrankung der Königin mußte zu einer künstlichen Geburt geschritten werden, die mehrere Stunden in Anspruch genommen und der Dulderin unsägliche Schmerzen verursacht hat. Nichtsdestoweniger besteht Hoffnung darauf, daß der jugendlich kräftige Körper der Königin auch diese Gefahr überstehen wird. _..„3n Belgien ist dem Sturme so tiefe politische Stille gefolgt, wie fie tiefer und vollkommener kaum gedacht werden kann. Die Sozialdemokraten haben mit ihrem Politischen Katzenjammer zu thun: Mußten fie doch sogar erleben, daß ihnen die deutschen „Ge- Ä" Vorlesungen ganz öffentlich in der Pr/ e hielten wegen ihres Leichtsinnes und ihrer politischen Unreffe. Die Plötzlichkeit, mit der die den Sturm folgte, beweist außerdem, daß die stünmsche Bewegung nur das Ergebniß künstlich von außen in das Volk hinein getragener Erregung war und in der Volksstimmung selbst gar keinen Boden hatte. In demselben Augenblicke, in dem die Agitation aufhörte, war c» auch mit der Aufruhr- bewegung vollkommen vorbei. Am 25. Mai muß nun beJ Mitglieder der belgischen Kammer neu «nflä h}, | icto^lt werten, unb vermuthlich wird dabei die Was d,e Reaktion zum Schaden der wüthigen Herren „Ge- i“™8 »offen nicht anSbleibe». Das kommt davon!
Die Stichwahlen für die französische 7 b"tenkani mer sollen am nächsten Sonn- tag stattsinde». Der in Pari» von einem Nationa- listen «u» seinem alten Wahlkreise verdrängte Radi- kalenführer B r i s s o n hat einen neuen Kre's gefunden: $er ^Bkjirk Die im Departement Dröme will alle republikamscheii Stimme» in der Stichwahl für Brisson abgebe» und sichert ihm dadurch das Gewähltwerden *" ®e’ie- Nichtsdestoweniger würde
e« für die Radikalen eine herbe Niederlage sein, wenn emer^ihrer ältchen uno angesehensten Führer wirklich ’ ro t r, tu fß«ti8 «ntetliegen sollte.
$err M i l leran d, der sozialistische Handelsminister,
mit den Beilagen
„lüustrhte Sonntag$--Zeitung°, „Fuldaer Ge$d)icbt$blätter<< und £otterie--£i$te
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___ Iu£öa, Samstag, bett 10. Mai 1902.