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Druck und Verlag der Jaltaer Actiendruckerel pelersgaiie Nr. i (fearowntek

M 105.

Jut'öa, Freitag, den 9. Mai 1902.

29. Jahrgang.

Abg. Herold über den Zolltarif.

Unser ReichstaMbgeordneter Herr Herold, -er bekanntlich zugleich LandtagSabgeorbneter für de« westfälischen Wahlkreis AhauS-Gtein- futt ist. hat an einer Versammlung des Volks - Vereins für daS katholische Deutschland, die am letzten Gonntaz in der Stadt LhauS ob- gehalten wurde, Gelszruheit genommen, vor seinen La«dtags>W«hler» über die Thätigkeit des Grrttrums Bericht zu erstatten.

Den Hauptpunkt in dem Bericht des Abz. Herold bildet natürlich den Z o l l t a r i f. F r a g e, u«d da der Abg. Herold als Mitglied der Zoll» tsrifkoMmission des Reichstags bekanntlich in hervorragender Weise thätig ist, so dürste« feine darauf bezüglichen AuSsühruvgen auch für weitere Kreise ein besonderes Interesse bra-tspruche«. Nschdeuz Dbg. Herold zunächst die Thätigkeit des C?«trum§ in sozialer Beziehung im Allze- meinen dargelezt, ging er mtt folgenden Nus- führungen auf den Zolltarif ein:

Neuerdings strhe der so bedeutsame Zolltarif zur Beralqung. DrS Ceut-um habe dar Bestrebe«, Land­wirt h s ch a f t KKb Industrie gleichmäßig zu schützen und langfristlxe und gute Hurtd'!8verträgr zu Stande zu bringen. Diese seien erforderlich, damit fich die Industrie danach richten könne, di dürften nicht nur dir Interessen einj'lnrr Beruflzweize, sonder» e£ müßten auch die der Lnndwirthschast brrückfichtigt werden. Die landwtkthschaftlichen Zölle bereiten nun die größten SchDiertzteite«. Die eine Richturg will zu hohe«, die andere zu wenig Schutz g-wkhrr«. Dis Landwnthschaft sei aber sehr wichtig. In der Land- wirthschafl seien 8,3 Millionen, in Industrie und Ge­werbe 8,2 SRlBionta EiwerbSthütige. Die gesammte Werthprodultion beträgt bei der Landwirthsqnst acht Milliarden, bei der Jedustrie 9 Milliarden. Wenn nun gesagt wird, daß der Schutzzoll nur de« Gioßgrund- besitz zu Gut» komme, so sei zu berücksichtigen, daß 76 pLt. der Bode»fläche durch Kleinbetrieb« brwtrth- fchaslet werden, während nur 24 plkt. dem Groß- bMrieb verbleibe«. De« kleine« Landwtrth und Arbeiter frt aber eine besiere Eatlobnunz für seine Arbeit und Mütze 4« gönnen. (Bravo.) Die Verschuldung drs Grundbesitzes nehme sortwihrrnd zu. Zur Zeit sei im Durchschnitt annihrend der halbe Berkaustwerth verschuldet. Durch Erhebung über 956 Betriebe in Preußen sei festgeftellt, daß fich Betrirbtkapital mit 5 pTi., Bedäude mit 8 pCt, Grundkapital aber nur mit 0,6 Mt. verziust. I» West­fale« seien über 241 wirthschaftliche Betriebe Erbebunge» ang,stellt und diese hätten ergebe», daß für Betrieb 4- kapital 5 pCt., Gebäude 2,4 vCt aber für Bode» nichts mehr bleibe. Mit der Rentabllität der Landwirthschaft ist er also schlecht bestellt, ®al Getreide werde bet de» heutigcn b lltg'.n Frachten zu so niedrigen d'-'etsen in» Land geworfen, daß ein angeMcfscner Schuh gewährt werden müsse. In den 70er Jahre« kostete die Tonne Getreide von Thicrgo »ach Liverpool 65 M. Fracht, 1900 nur noch 21 M., also <4 M. weniger. Heute kostet die Frucht von Nr» Dark big Liverpool nur noch 4.50 M. also etwa 22 Pfg. pro Centn«. Es sei also Zollschutz nolhwrndig.

E? wurden nun von agrarischer Seite 7,50 M. Zoll pro Doppelzentner für Getreide vorgeschlage», diese» fei vielleicht von jenem Standpunkte au» zu recht­fertigen. Seine Freunde hätten aber einen Mittelweg gesucht und in dem sozenanntrn Kowpromlßontr«« vor« . geschlagen 6 M. Mindeflzest für Weizen und für die übri e» drei Gktreidearten 5,80 M. Mindestzoll. Die Regierung ve» halte sich allerdings noch ablehnend gegen

kritMts-SkineNW« kims eiten SirlirM

Halbvrrgeffene Geschichten aus den 30 er und 40 er Jahren des 19. Jahrhunderts von B. E. Coester.

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„D, Papa, wie schrecklich, wie schrecklich," sagte Aennele, meinen Arm an sich drückend, und die Thränen liefen ihr stromweis über die Wangen. „Und Fräulein Bäring, wer hat es ihr gesagt, wie hats sie's ausgenommen?"

„Ueber die Tragödie, die sich im Haus ab- fpielte, hat mir Freund Schlieder genauen Be­richt erstattet, und ich will Dirs erzählen, so­weit ich mich der Einzelheiten noch erinnere. Aber jetzt müssen wir umdrehen, es weht bereits recht kühl vom Main her und Du weißt, Groß­mutter hat's nicht gern,’ wenn wir zu spät zum Thee kommen."

„Schon damals, ja, es sind jetzt schon 26 Jahre her, bewohnten Bärings das kleine Haus an der französischen Allee, in dem sie noch jetzt mit Schlieders wohnen. Es war als väterliches Erbtheil der, wie Du ja weißt, recht vermögenden Forstmeisterin zugefallen und ich glaube, es ist auch ihr Geburtshaus. Für die, nach Elisens Wunsch, so großen Hochzeit reichten die Räume natürlich nicht aus und sollte das Festmahl im „Riesen" eingenommen werden.'

Rur ein kleines Gabelfrühstück hatte die Forstmeisterin in dem zu ebener Erde liegenden Wohnzimmer für den erwarteten Schwiegersohn hergerichtet und Leutnant von Schlieder war gerade im Begriff, eine Flasche Rothwein zu

diese Sätze. Auch die thierische» Produkt», Fleisch und Butter uns so weiter, müßten geschützt werden. Wenn nun die Regierung bei ihrem ablehnende'.'. Verhalten beharrt und dem Wille» der MehrheitSparteien nicht entgegen komme, so sei leicht möplich, daß nichts z« Stande komme. Redner hofft aber, daß e» doch noch zu einer Verständigung komme, den» alle hätre« ei« Jntsreffc au dem Zustandekommen der Vorlage. Bi»her habe der Reichskanzler nur auf Banketten und bei festliche« Gelegenheiten seine ablehnende Stellung betont, offiziell aber noch keine bindende Erklärung ob» gegeben.

Ob bei Annahme der Vorlage eine wesentliche Berlheuerung, namentlich dr» Brodrs» eintrete, sei fraglich, und außerdem solle der Mehrertrag der landwirryschaftlichen Steuer» zur Errichtung eines Fonds verwandt werden, aus dem dm Hinterbliebenen Wittwen und Waise» der Urbeiterbevölke- r un g eine Unterstützung gewährt werden könne. Wenn die Rentabilität ter Landwirthschaft sich hebt, hat auch die Industrie und indirekt der Arbeiter wieder Nutzen davon.

Redner bittet in dieser schwierigen Frage um volles Vertrauen zum Centrum (Bravo)) in ihm feie» alle Berufe vertrete«, es biete eine Ver­tretung der Sesammtbrvölkermm und werd» seine Ent» schließungea stets nur zum Wohle der Besammtheit treffen. Das Centrum fei nicht einseitig und doch habe es für die Arbeiter mehr g«tha», wie irgend eine an­dere Partei. Die Landwirthschaft solle auch nicht mehr verlangen, als zu erreiche» sei, das. Centrum treibe praktische Politik. DaS Zentrum habe au der Lösung der sozialen Aufgaben mitzuwirkm und Sie Jntecessen aller Stände wahrzunehmer.; es bilde nicht nur für die Katholiken, sondern auch für die übrigen Parteien eine« festen Punkt.

Wr köur?e« diesen Atrssühruicgsn des Zbg Herold ts jeder Hinsicht bnr fl.chte«. Herr Abg. Herold, der beksmtUch selbst Gutsbesitzer;st und damit gewissermaßen in der Getreidezollsrage als „interrsfirt" erscheint, hat h er als Abgeordneter den unzweifelhaft und einzig richtigen Standpunkt dargelegt, der in volkSwirthschast» liche« Fragen grundsätzlich allein entscheidend sein muß: WatzrnehmuLg der Interessen aller GtLsde zum Wohle derKssammt» Helt. Auch i« praktischer und trktisch-r Hin­sicht wird man dem Abg. Herold uudedinzt bei- pflichten mfiffer, wenn er sagt, dir Landwnth­schaft solle nicht mchr verlangen, als zu erreichm fei. Im Bunde der Lundwirthe ist man freilich einer audrren Mü».u«g ober mu» befolgt dort weniAstenS eine andere Takt.!, die früher in de» Worten g pftlte: „Alles oder nichts".

Er ist erklärlich, daß der Landwirth in seiner Lage und nach seinen Berechnungen einen höheren Schutzzoll für alle landwiithschaftlichen Produkte als angemessen betrachtet, und kein Freund der Landwirthschaft würde derselben einen solchen nicht gönnen, so weit derselbe zur Hebung der Rentabilität der Landwirthschaft dienen kann. Aber der Abgeordnete, der al« Volksvertreter die Interessen aller Berufestände unter dem Ge- stchtkpunkte einer ausgleichenden sozialen Gerechtig- leit zu vertreten hat, soll einer einseitige« Interessenvertretung, gleichviel welcher Art, nicht dienstbar sein. Wenn ein Abgeordneter „praktische PslUik" treiben will, so kann und muß er sich, wie da« auch der Abg. Heold in seiner Ahanstr Rede gelhan hat, auf da« Erreichbare beschränken und demnach einer Verständigung seine Mitwirkung nicht versagen. 6« ist in parlamentarischen Kreisen bekannt, daß der Abg. Herold persönlich ein große« Verdienst sich dadurch erworben hat, i«ia«MiWMwaKwww ssfas/xumnna i ■ n i ■■■»»——am» öffnen, als auch schon der Wagen vorfuhr. „Da ist er, da ist er!" rief er fröhlich aus, „schon erspähet mein Auge das grüne Röcklein!"

Es war aber nicht der Bräutigam, dem Schwiegervater und Schwager jetzt in froher Hast entgegeneilten, sondern im Dämmer des Hausflurs erschien die hohe Gestalt des Ober­forstmeisters von Rattler aus Kassel, der Vor­gesetzte, aber gleichzeitige Jugendfreund Bärings.

In ahnungsloser Freude streckte dieser dem Freund die Hände entgegen: „Nun, das muß ich sagen, einen lieberen Hochzeitsgast als Dich, hätte mir Gott nicht schicken können. Du kommst grad zur rechten Zeit, Walther muß jede Minute eintreffen, da kannst Du rasch noch ein paar Bissen essen und einen Schluck trinken!"

Mit diesen Worten hatte der Forstmeister seinen alten Freund in die Stube genöthigt und in seiner Freude gar nicht bemerkt, wie der andere umsonst ihn zu unterbrechen suchte und offenbar nach Worten rang, um ihm den Zweck seines Kommens, der nicht der war, eine frohe Hochzeit mitzumachen, so schonend wie möglich beizubringen.

„Dore!" rief der Brautvater glückselig seiner Frau zu, „Dore, sieh nur, welchen lieben, uner­warteten Hochzeitsgast ich da bringe!"

„Keinen Hochzeitsgast, Frau Forstmeisterin," begann der Oberforstmeister, der endlich zu Wort kam, „im Gegentheil, ich bin gekommen, um Ihnen die traurige Mittheilung zu machen, daß Sie Ihren Schwiegersohn umsonst erwarten —"

«Ist Walther erkrankt?" fragte die zum Tod erschrockene Frau. „Schlimmer als das," sagte darauf der Oberforstmeister, „er ist nicht krank, ; er ist tobt, vor drei Tagen erlag er der Kugel

daß er in richtiger Würdigung aller rhassächiichen Verhältnisse auf eine Verständigung zunächst unter der Mehrheit der Zolltarif-Kommisston be« Reichs­tage« hingearbeitet hat, die in dem sogenannten Kompromißantrage über die Geireidezölle zum Ausdruck gekommen ist. Bedauerlicher Weise ist die Regierung diesem Kompromißantrage bi« jetzt noch nicht beizetretkn; aber für die weitere Be­handlung der Zolltariffrage wird es wohl auf keiner Seite unbeachtet bleiben, wenn der Abg. Herold die bedauerliche Perspektive eröffnete, „es sei leicht möglich, daß nichts zu Stande komme". Auch diese Erklärung entspricht nach unserer Kenvtn ß der wirklichen Lage der Dinge, sodaß wir auch darin dem Abg. Herold beipflichttu können.

Im Uebrigen aber feilte diese ruhige und obj-ktioe Behandlung der Z-lltariffrage, wie sie der Abg. Herold nicht nur für sich, iondern für da« ganze Lentrum in Anspruch nehmen kann, allen anderen Parteien und Jrteressen Vert.ltungen aU Micher dienen. Indem Abg Herold es als das Bestreben des Cent: ums tzinstillt«, Landwirth­schaft und Industrie gleichmäßig zu schützen und langfristige und gute Handelsverträge zu Stande zu bringen, hat er den Beweis geliefert, daß er selbst als „Centrums Agrarier", wie die links- liberairn Blätter ihn zu nennen belieben, nicht einen einseitig beschränkten Standpunkt einnimmt, sondern auch als Abgeordneter die Interessen der Industrie wahrzrmehmeu gewillt ist. Ob auf Sellen der Industrie die gleiche Bereitwilligkrit besteht, auch die Laodwirthschaft zu schützen? Jedenfalls aber ist, wie die ,Grrmania" mit Recht hsrvorhebt, die Ahauser Rede des Abg. Herold al« eh. ebenso politische« wie als „klärendes Er- eigniß" zu betrachten, und demgemäß wird die­selbe auch in dm politischen Erörterungen die wohlverdiente Beachtung finden.

Berlin, 7. Mai 1902.

X Mrinz AemriH LsmdMr! Vicht r M:t der Reichstag«kanvidatur des Prinzen Heinrich von Preußen in Lübeck war e« also doch ernst gemeint, nicht ein unpassender Scherz, wie die ,Freifinnige Zeitung' glauben zu machen suchte. Der Verein der freistnnigen Volkspartei in Lübeck Hai nämlich in einer Versammlung diese Kandt- batenfrage ganz ernsthaft behandelt und ist zu dem Beschlüsse gthngt, sie abzulehnen. Er handelte fich, wie bekannt, um den Prinzen al« den gemeinsamen Wahlbewerber der bürgerlichen Parteien im Gegensätze zur Sozialdemokratie.

* Dis SMI iM W-Mreife GeTs- KifhsrA beschäfttgt noch immer die Presse. Nach dm vollständig vorliegenden Stimmziffern aller Wahlbezirke berechnet der nationsü-b-rale ,Hannov. Ratter', baß von den 4673 Wählern, die i« der Hauprwahl für den Naudisaten des Bundes der LandNirthe tintrems. in der Stichwahl kaum 2000 für den nationalliberalen

aus feiger Mörderhand und heute, an seinem Hochzeitstag legen sie ihn in Rodenberg in die kühle Erde. Der Kurfürst hat mich selbst her­geschickt, Dir, armer lieber Freund und Deiner Familie die traurige Kunde mitzutheilen, und Euch seines allerhöchsten Beileids zu versichern. Gebe Gott Euch Kraft, so furchtbar schweres Geschick mit christlicher Ergebung zu tragen."

Mit starrem Schweigen hatten die drei Menschen den ihnen wohl unfaßlich klingenden Worten gelauscht, der Forstmeister war in einen Sessel gesunken.

„Mein unglückliches Kind," kam es jetzt, als der andere geendet, leise über feine Lippen, „mein armes, armes Kind."

Seine Frau hingegen verlor vor Angst und Schrecken total den Kopf. Laut schrie sie aus und lief dann einer Wahnsinnigen gleich die Treppe zu den oberen Räumen herauf, wo die Töchter weilten. Frau von Schlieder, schon fix und fertig angezogen, legte eben die letzte Hand an Elisens Brauttoilette, den Schleier ihr mit goldenen Nadeln im Haar befestigend. Heftig fuhr sie zusammen, als sie den lauten Schrei der Mutter vernahm, und Unheil ahnend, ging sie ihr ins Vorderzimmer entgegen. „Sine, Sine, o Du großer Gott, Sine, denk nur, der Walther ist tobt, erschossen, ermordet auf der Hofjagd; meine Elise, wie wird sie's tragen, ich kann es ihr nicht sagen, mir bricht's Herz." Das war auch nicht mehr nöthig, daß irgend jemand dem armen Mädchen die Kunde mittheilte, sie stand längst hinter der Thür, und hatte jedes Wort gehört. Sie hat nicht geschrieen und gejammert wie die Mutter, sie ist lautlos umgesunken, eine tiefe, wohlthätige Ohnmacht umfing sie. Frau

Kandidaten Wehl gefiimmt haben, der offiziell au$gegtbetten Wahlparole also nicht gefolgt find. H;rr Bödeker, der Kandidat des Bandes und der Koiistrvatroen, soll, der .Deutschen Volks­zeitung' zu Fol^e, „sicherem Vernehmen nach für dis Kandidatur des (Mlfischen) Herr» v. d. Drcken-Aoendorf zu der Stichwahl ein»e- treten feU". Dieser Behauptung des deutsch- hannovrrs^e» Blattes ist von keiner Sette wider­sprochen worden.

He Kir ostafr!ka»rLche Is«tr«lsah» ist noch unmittelbar vor Thoresschluß von der Budgelkommission des ReichSta-es erledigt worden. Es bandelt sich, wie bekannt, um eine Bürgschaft des Reiches für die Zahlung der Zinsen aus diesem Unternehme». Das Kapital soll auf 22 Millionen Mark festgesetzt und mit 3 o. H. verzinst werden. Nach einem ange­nommenen Rntrage des Cmlrumsa'ogeordnete» Müller-Fulda soll die Verwaltunz während der Bauzeit zu Laste« des Bausonds bestritten werden, au8 dem olle Leistungen der Gesellschaft bestritten werden, und dem alle Gmnahmev der­selben zufalle«. Ob durch diese Annahme in der Kommission auch die Annahme im Plenum des Reichstages verbürgt sei, bleibt in diesem Falle noch eine ukgelösts Frage.

* Der ,Staat«anzeiger' veröffentlich! heute da« Gesetz betreffend die Bewilligung weiterer Staatsmittel zur WerSefferKM »er WeH»»»g»vertzLUriiNe ros ArKeiter«, die in staatlichen Betrieben beschäftigt sind, und von gering besoldeten Staatsbeamten. Da­nach wird bekanntlich ein weiterer Betrag von 12 Millionen Mark auf dem Wege einer Anleihe zur Verfügung gestellt. Dem Landtage ist bei dessen nächster regelmäßiger Zusammenkunft über die Ausführung dieses Gesetzes Rechenschaft zu gebe».

Ht Die Ssyerische ISrfchofs - Ksmsrertz hat von Montag bis Mittwoch, wie vorher an­gekündigt war, in Eichstätt stattzefunden. Die Verhandlungen der Bischofs • Konferenzen tragen stets einen vertrauliche Charakter und find nicht für die O-ffentüchkeit bestimmt. Wen« daher jetzt gemeldet wird, diese Konferenz habe fich auch mit der Los von Rom - Bewegung befaßt, so klingt daS ja ga«z wahrscheinlich; aber wissen kann

es nicht. Man hat auch Grund, anzuneh« men, daß die weitere Einsetzung von Weihbi chöfen in Büyrrn ein Gegenstand der Berathurrgen ge­wesen sei. Diejenige» liberalen Blätter aber, die behaupten, daS aus stchrrer Qrelle erfahren zu habe», flunkern ihren lcichtgläubigen Lssern etwas vor.

+ StraßSveg, 8. Mai 1902. Der Kaiser wohnte heute dem Gottesdienste in der evan­gelische« GarnisouSkirche bei und beftcbiigie als­dann in der Landesdibliothek die Pvpyrussamm- lurg und die elsässischen Münzen. Das Früh­stück nahm der Kaiser bei dem kommar>direnden General Herw -rth von Bittenfeld ein. Um 4 Uhr machte der Kaiser mit bem Statthalter eine Aus­fahrt «i!ch den ForbS bei ObrrhauSbergen und besichtigte dort ns ter Führung des Gouverneur- ». Sick dir in btt Nw'e des Forts Kronprinz «eu angelegte, brr Brlleudung nabe sogenannte Kirschbaumhöhenbatteris. Um 5 Uhr kehrte der Kaiser zurück. H?ute Abend 8 Ubr findet Diner von Schlieder aber, die damals öfter nicht ganz wohl war und sehr geschont werden mußte, — es war vier Monat vor Mary's Geburt — fiel ihrem, besorgt der Mutter nachgeeilten Gatten in die Arme, und wand sich in heftigen Krämpfen. Er legte feine Frau auf das Sopha und riß verzweifelt an der Schelle, dem erscheinenden Mädchen zurufend, sofort einen Arzt zu holen. Dieser erschien auffallend schnell, herbeigerufen von dem Oberforstmeister, der, als er die Mutter so fassungslos schreiend davon laufen sah, auf das schlimmste gefaßt war.

Frau von Schtteder's Zustand besserte sich bald, ein befreiender Thränenstrom kam ihr zu Hilfe, aber Elise gegenüber schien alle ärztliche Kunst umsonst.

Stundenlang schon dauerte die tiefe Ohn­macht und der Geheimrath meinte kopfschüttelnd zu dem theilnahmsvoll sich erkundigenden Ober- forstmeister: „Es wäre eine Gnade von Gott, wenn sie nie wieder die Augen aufschlüge. Ich vermuthe, sie hat sich durch den. Fall auch eine Gehirnerschütterung zugezogen."

Aber Gott hatte es anders beschlossen. Nach den verzweifelten Angehörigen schier endlos dün- kenden Stunden schlug sie die Augen wieder auf und vermochte Wein und Arzneien zu schlucken. Aber an dem starren Blick, der voll­kommen theilnahmslos über ihre Umgebung glitt, merkte man, daß ihr Geist getrübt war. Man mußte sie füttern und anziehen wie ein kleines Kind. Tagsüber faß sie auf einem Stuhl am Fenster, immer stumm und regungslos auf einen Fleck schauend. Nichts machte den geringsten Eindruck auf sie, weder Besuche von Freundinnen, I noch das frohe Geplauder der Schlieder'schen.