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81 Fuldaer
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Jutöa, Mittwoch, den 7. Mai 1902.
JK 104.
29. Jahrgang.
Wegen des Feiertags Christi Himmel- fahrt wird die nächste Nummer unseres Blattes erst am Freitag ausgegeben.
0 Oesterreich und Ungarn.
Der Kampf um de« „Ausgleich" zwischen Oesterreich und Ungarn währt bereits länger, als der dreißigjährige Krieg; den« er hat i. I.1867 begönne«, und ein Ende ist noch gar nicht abzu« sehen. Der Kampf hat im Laufe der Jahrzehnte auch nicht etwa eine mildere Form angenommen; das Gegentheil ist vielmehr die Wahrheit. Und um nun die Lage noch schwieriger zu gestalten, kommen dann »och die Hindernisse dazu, die aus den bösen parlamentarischen Verhältnissen in Oesterreich entstehe«. In Oesterreich muß die Regierung denselben Kampf immer zweimal durchkämpfen: einmal mit den theuren Freunden in Ungarn und dann mit dem Parlamente, vorausgesetzt, daß ein solches da ist. In Ungar« hatte bisher der leitende Minister stets eine Parlaments. Mehrheit hinter sich, die mit ihm durch Dick und Dünn ging, mochte er nun mit der Wiener Re» gierung verabrede«, was er wollte; und ziffer«» mäßig ist die Regierungsmehrheit im ungarischen Reichstage auch heute noch so stark, wie unter de« Ministerpräsidenten Wrkerle und Tisza. Ob sie aber unter Koloman von Szell auch «och innerlich so fest geschloffen ist, wie unter dessen Vorgängern, ist eine «ndere Frage. Die Mitglieder der alten Tisza-Partei sehen mit augenscheinlichem Neide, wie die Leute non der früheren Nationalpartei ihnen a» Macht und Ansehen im Parlament und Regierung den Rang ablaufe«, obwohl die Nationalparteiler doch ehemals eine scharfe Oppofition gege« die Regierung bildeten; und es ist gar nicht ausgefchloffrn, daß eines schönen Tage- diese Gereiztheit der TiSza-Männer der alten Schule zu offene« Zwiste führt. Der kürzlich verstorbene Handelsminister Koranszky «ar der rechte Mittelsmann, um diese» aufS neue drohenden Gegensatz zu verwischen; sein Tod nach »ur vierzigtägigrr Amtsführung bedeutet darum einen doppelt schwere» Verlust für Herr» vo» Szell. Sollte» die Verhältnisse im ungarischen Parlame»te sich in der Folgezeit etwa auch schwieriger gestalte«, dann würde« die Dinge, obwohl man eine Steigerung kaum für möglich hielt, noch wett verwickelter, als jetzt, in der habsburgischen Doppelmonarchie werden.
' Neuerdings komme» zu den längst üblichen Ausgleichs-Auseinandersetzungen auch die Verhandlungen über den neuen Zolltarif hinzu. Sie wurden vor Jahresfrist etwa eingeleitet; und seit dieser Zeit kau» ma» i« regelmäßiger Wiederkehr lesen, daß Ministerpräsident vo» Körber seine« Amtskollegev vo« Szell i» Budapest und dieser wiederum Herr» vo» Koerber in Wie« besuchte. Aber ebe«so regelmäßig ist auch nach jeder solchen Zusammenkunft die Enttäuschung
gefolgt darüber, daß wiederum keine Einigung erzielt werden konnte; und jedesmal brachten dann die Wiener Osfiziösen die nun schon zur ständige» Rubrik gewordene Beschwichtigung, daß ma» doch ja nicht glaube» möge, die Berathuug sei ergebnislos verlaufen: die Sache des Zoll- tarifes sei vielmehr wiederum um ei« gutes Stück gefördert worden usw. usw. Man liest derlei und legt es zu dem Uebrigen". Aber schließlich wird ja wirllich eine Einigung auch darüber erzielt werde», ganz einfach darum, weil es nicht anders geht. Nach der sogenannten, von beide« Seite» t. I. 1899 angenommenen „Szell'schen Formel" hätte die Berathuug über den autonomen Zolltarif mit dem Beginne dieses Jahres beendet sein müssen; und nach derselbe» Abmachung werden der neue Zolltarif und das neue Zoll- und HandelSbündntß zwischen Oesterreich und Ungarn zur «othwmdigen Vorbedingung für den Abschluß gemeinsamer Handelsverträge mit anderen Staaten gemacht. Ohne die Einigung zwischen Oesterreich und Ungarn also auch keinen Handelsvertrag mit Deutschland, oder gesonderte Handelsverträge zwischen dem Deutschen Reiche auf der eine« und Ungarn und Oesterreich auf der ander» Seite; und dann müßte wiederum ein besonderer Handelsvertrag auch zwischen de« beiden Reichshälften der habsburgische» Monarchie abgeschlossen werden. Die Reihe der Möglich- ketten — oder auch, wenn man will, Unmöglichkeiten — wird endlos, wie man sieht, unter der Annahme, daß der gemeinsame österreichisch- ungarische Zolltarii nicht zu Stande komme» sollte. Und unter dem Drucks dieser Erkenntniß wird er, trotz aller Hinderniffe, endlich doch zur That- fache werden.
Für den unbetheiligten Dritte« fehlt es dabei nicht an Gelegenheit zu einer gewissen Schadenfreude. Bei fast allen solchen Ausgleichsoerhand- lungen saß bisher allermeist Oesterreich auf dem BerlegenheitSschemrl. Diesmal hat Ungarn mehr Grund, als Oesterreich, Besorgniffe zu hegen vor der Möglichkeit, daß am Ende etwa doch nichts hersuSkommen könnte. In der Zukunft nämlich wird Ungar« für den Absatz einer Erzeugnisse mehr als bisher auf die öt ereichifche Reich-Hälfteangewiesen sei». Nun wollen di- Ungarn geradejetzt auch einenThell threrStaatsschud konoer- tire«. Das würde ihnen sofort schwer werden, wenn im Auslande die Annahme sich festsetzen sollte, eS könne die angestrebte wtrthschaftltche Einigung innerhalb der habsburgischen Monarchie nicht zu Stande kommen. Den» zunächst baut ma» im AuSlande noch immer «eit mehr auf di« Finanzkraft und auf die Finanzgebarung der Leute diesseits, als denjenigen jenseits der Leitha. Die Herren Magyaren, sonst stets zum lleber- muth und zu Ueberforderungen geneigt, haben deswegen jetzt «llen Grund dazu, friedselig und bescheiden zu sei».
Daß olle Freunde deS Dreibundes und namentlich des Freundschaftsbundes zwischen Deutschland und dem habsburgischen Katserstaate im Ernste den dringende» Wunsch hegen müffen, die ersehnte wirthschaftliche Einigung zwischen Ungar» und Oesterreich möge baldigst erreicht werden, versteht sich von selbst.
Berlin, 6. Mai 1902.
+ parlamentarische Nage§s!der. Die dritte Lesung der „Kleinen Diäten - Vorlage" im Reichstage hat dis debattelose Annahme derselbe« gebracht. Die Herren von der Linke» habe» nicht mehr ein Won dagegen gesagt; vtelleicht habe» sie sich auch anders besonne» und wollen nun stillschweigend die 2000 Jfc. annehms», die ihnen für ihre Mühewaltung und ihre persö -lichen Ausgaben während der Arbeitszeit der Zolltarif-Kommission geboten werden. Bei der zweiten Lesung hatte der Abg. Eugen Richter wieder einmal de» Reichskanzler Fürste» Bismarck als einen grundsätzlichen Gegner aller Grldentschädigungm für die Mitglieder des Reichstages bezeichnet. Ganz zutreffend widerspricht dieser Auffassung die.Deutsche Volkswirthschaftl. Korrrsp.', indem sie u. A. schreibt: „Tatsächlich war Fürst BtS- marck gar kein grundsätzlicher Gegner der Reichs- tags-Diäten. Jr mehr Erfahrungen er mit dem Reichstage machte, desto mehr befestigte sich bei ihm die Ansicht, daß em Parlament mit Diätxn traktabler als ein solches ohne derartige Emolument» sei. Bismarck wollte also, allerdings unter gewiffen Bedingungen, Diäten gewähren. Als solche Bedingung galt ihm, daß die Dauer der Sessionen durch Diäten - Bezug nicht verlängert werden dürfe, sondern möglichst abgekürzt werden müsse, und zwar nicht etwa wegen deS Kostenpunktes. Er wollte also nicht Tagegelder, sonder«, sofern seine sonstige» Bedingungen erfüllt würden, eine sessionSweise zahlbare Entschädigung für de» Aufenthalt in Berlin gewähren ... Er glaubte durch ein SessionS« Pauschale im möglichster Ausmerzung der Br- rufS-Parlameru.irrer kurze Sessionen herbeiführen zu könne» . . . ." Daß Fürst Bismarck im Urbrigen zum Ausgleiche Bedingungen stellte, die nicht erfüllbar waren, ist sattsam bekannt. DaS ändert ober nichts daran, daß er kein grundsätzlicher Gegner der Bewilligung einer Geldeutschädigung »ar, und der Gewährung einer runden Entschädigungs-Summe entsprach ganz und gar seinen Vorstellungen darüber. Solche sessionSweise zahlbare Entschädigungen hat man übrigens in anderen Länder« längst, so i« Frankreich, Italien re.
+ Aolxerr der Maifeier. Die Maifeier der Sozialdemokratie ist zwar diesmal außerordentlich still und bescheiden ausgefallen, nichtsdestoweniger hat sie theilweise recht unangenehme Folgen für die Arbeiter gehabt, io namentlich in Berlin. Allein hier beträgt die Zahl der Arbeiter, die infolge des ersten Mai entlassen worden sind, ungefähr viertausend, der Hauptsache nach Holzarbeiter. Da nun die Berliner sozialdemokratischen Gewerkschaften beschlossen hatten, die Entlassene« »u unterstützen, kostet ihnen nunmehr diese Unterstützung täglich die runde Summe voy zehntausend Mark.
fe Der petsskenm Iolr ist nach langer Debatte von der Zolltarif-Kommission des Reichs
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Halbvergeffene Beschichten aus de» 30 er und 40 et Jahren des 19. Jahrhunderts von B. 6. Soester.
10 ------ (Nachdruck verboten.)
Ich war ernst geworden bei dem Geplauder des Kindes, die Gedanken schweiften zurück in die Vergangenheit, wo ich Elise Bäring gekannt hatte, jung, liebreizend, fröhlich und übermüthig, rote das Kind an meiner Seite, und ich gedachte des furchtbaren Schicksals, das sie getroffen und das aus ihr gemacht, was sie heute war, eine fast menschenscheue einsame alte Jungfer, die theilnahmslos an Menschenleid und -glück vorüberging! „Mein Herzenskind," entgegnete ich daher, aus diesem Grunde heraus, meinem Töchterchen, „wenn Du wüßtest, wodurch das arme Wesen so geworden ist. Du würdest ihre Erscheinung nicht mehr als lächerlich empfinden, sondern wie ich, einen tieftraurigen Eindruck mit fortnehmen. Aber abgesehen davon, daß der Geisteszustand der Fräulein Elise jetzt doch kein ganz normaler ist, kann von einer Vererbung der Schweigsamkeit nicht die Rede sein, denn früher, ehe sie das entsetzliche Unglück traf, das ihres Lebens Blüthe knickte, war Fräulein Bäring das munterste übermüthigste Mädchen in ganz Hanau, ja, um vieles lebhafter als ihre Schwester Line, die Frau o. Schlieder und war als beste Tänzerin sehr gesucht auf allen Bällen."
Aennele hatte mir tief betroffen zugehört. Ihren Arm unter den meinen schiebend, bat sie leise: „Willst Du mir erzählen, Papa, was es
war, was Fräulein Elise erlebt hat?" „Ja, Kind, gern," entgegnete ich, „Du wirst daraus die Lehre ziehen, daß man nie vorschnell über jemand ein Urtheil fällen soll. Denk, wenn Du einmal wieder solchem armen alten Mädchen gegenüberstehst, an einen Rosenstrauch im Herbst, Du siehst nur noch das dürre Holz und die Dornen und wendest Dich ab. Vergiß nicht, daß auch er einst Rosen getragen und daß Du nicht weißt, woher der Wind, der Sturmwind kam, der ihn seiner Blüthen beraubte. Fräulein Bäring hat sich dereinst ihres Lebens Herbst auch anders vorgestellt, als sie die glückstrahlende, liebende und geliebte Braut des Oberförsters Walther war.
Er war viel älter als sie und man wunderte sich allgemein darüber, daß die Neigung des ernsten Mannes gerade auf dies muntere Kind gefallen und auch ein wenig darüber, daß sie offenbar sehr innig erwidert wurde. „Ich brauche solchen Sonnenschein für mein einsames Forsthaus," hat er gesagt, und sie versicherte: „Und ich muß einen haben, der mir imponirt, ich kenn' mich, ich mach' sonst Dummheiten. Der Arnold tanzt nicht, wenn ich pfeife, und trotzdem weiß ich, er hat mich über alles lieb, und so einen brauch' ich!" Nun der Walther hat eine Oberförsterstelle bekommen, so weit von Hanau und so nördlich, wie es unsere hessischen Verhältnisse nur erlaubten, nämlich in der Nähe von Rinteln, in der Grafschaft Schaumburg.
Bei der Entfernung (man reist heute in der Zeit, die man damals von Hanau bis Rinteln brauchte, bequem bis Petersburg) war es natürlich, daß der Bräutigam erst zu der am 2. Oktober festgesetzten Hochzeit wieder hierherkommen
würde, ein halbes Jahr lang war das Brautpaar auf brieflichen Verkehr angewiesen.
„Ehe ich mich aber da vergrabe, wo sich die Füchs' und Wölf' Gutnacht sagen," äußerte Elise zu ihren Freundinnen, „will ich mein Leben noch gründlich genießen und zum Schluß gibts ’ne große, große Hochzeit, zu der ich Euch und alle Offiziere einladen werde. Einen Polterabend hingegen will ich nicht, ich hasse Polterabende mit ihren albernen Aufführungen. Entweder wird man dabei in den Himmel gehoben, ist eine Jdealgestalt, mit allen edlen Eigenschaften der Welt ausgestattet, daß man vor Verlegenheit nicht weiß, was für ein Gesicht machen — (und der Arnold ist im Stand und guckt sich um, wer eigentlich gemeint sei, denn mich erkennt er in dem Engel nicht wieder!) oder aber, und das ist fast ebenso unangenehm, es werden allerhand Jugendeseleien ausgegraben und zum Gaudium des Publikums aus dem so wohl verdienten Grabe der Vergessenheit herausgeriffen. Ne, danke! Eine fröhliche Hochzeit, aber keinen Polterabend!"
So geschah es denn auch. Uebrigens war es ein günstiger Zufall, daß Fräulein Bäring so dem Polterabend abhold war, denn als es so weit kam, schrieb der Bräutigam, daß er zwar rechtzeitig seinen Urlaub eingereicht und auch erhalten habe. Trotzdem könne er erst in der Frühe des Hochzeitstages in Hanau einreffen, da Se. König!. Hoheit der Kurfürst in einem Revier eine Hofjagd abhielte, und da ehlen, trotz Urlaub, das hieße bei dem bekannten Charakter des hohen Herrn die ganze Zukunft aufs Spiel fetzen.
Die Hochzeitsgäste, zu denen auch ich gehörte, hatten sich in der alten Marienkirche versammelt,
tages nach dem RegierungSentwurse angenommen worden. Dieser schlägt die Beibehaltung des gegenwärtige« Zolles von 10 Mark vor. Die nächste Sitzung der Kommisfio« findet am 27. Mai statt.
h Die Aneker-Kommifsis«, die am heutige» Dienstag eingesetzt worden ist, wird vrrmuthlich mit ihre» Sitzungen bereits am 27. Mai beginne», nicht erst am 3. Juni, wie daS Plenum deS Reichstages. Dieser Wunsch wurde wenigstens im Seniorenkonvent des Rrichstazes geäußert.
X Irre SacHarin-I^age. I» diese» Tagen war in einigen Zeitungen zu lesen, es werde für de« Reichstag ein Antrag vorbereitet, wonach die Saccharinfabrikalio» in Deutschland Überhaupt verboten, daf"r den Fabrikanten aber eine angemessene Entschädigung gezahlt werde» sollte — i» ähnlicher Weise, wie es mit de» private» Postanstalten gehalten worden ist. Von einem solche« Anträge ist in der That die Rede gewesen; er wird jetzt aber nicht im Reichstage eingebracht werden. Im übrigen liegt es außerordentlich nahe, die Saccharin-Frage gleichzeitig mit der neuen Zucker-Vorlage zur Entscheidung zu bringen. Man kann sie eigentlich gar nicht i« befriedigender Weise erledigen, so lange unsere Zuckervertheuerung «sch völlig im Ungewissen schwebt und ebenfalls zu den umstrittenen Frage» gehört. Im Zusammenhangs damit ist der Hinweis auf die Thatsache von Interesse, daß in der Republik Frankreich letzthin im Verlaufe der Ttatsberathung ein Gesetz beschlossen worden ist, durch das bei hoher Geldstrafe verboten wird, Saccharin oder andere künstliche Süßstoffe, die einen höheren SüßigkeitSgehalt haben als Rohrzucker oder Rübenzucker, ohne deren Nährwerth zu besitzen, für andere als Heilzwecke oder Apothekerzwecke oder für die Herstellung von Dinge» zu verwenden, die nicht als Nahrungsmittel dienen sollen. Dieses Gesetz ist in Frankreich beschlossen worden mit der Zustimmung deS sozialdemokratischen Handelsministers Millerand.
Hc Zu der Sisenbahn-Angelegenheit Gerstu«- mit Abzweigung nach Geisa schreibt man uns Folgende-: In dem Staats- vertrage zwischen der weirnarische» und der preußische» Regierung ist vorgesehen, daß die roeimari« sche Regierung de« Grund und Bode», soweit er auf dem Großherzogl. Gebiete zum Bahnbau nöthig ist, der König!. Preuß. Regierung unentgeltüch zur Verfügung zu stellen hat. Diese Bedingung wurde von dem weimarischen Landtage gemäß der Regierungs-Vorlage unter dem Vorbehalte angenommen, daß „die beteiligten Gemeinden und sonstigen Interessenten hierfür aufzukommen sich vorher verpflichteten." Bezüglich der Strecke Vacha- Geisa hat sich nun Geisa bereit erklärt, für de» Erwerb desjenigen Areals einzutreten, das für die nach Geisa zu gelegene halbe Bahnstrecke nöthig sei. Vacha dagegen weigert sich, eine gleiche generelle Verpflichtung für die andere Hälfte zu übernehme». Freilich verlangt man dort auch für einen größere« Theil des «öthigen TerrainS de» Großstadt - Preis von 5 A. pro Dm, und wie der Landtags-Abgeordnete Simon-Tiefenort Im Plenum des Landtage- mittheilte, für ein
fprachen leise mit einander und harrten der Ankunft des Brautpaares.
Auch der Pfarrer war schon erschienen und sprach einige Worte mit unserem Oberst. Meine Augen waren gerade auf die beiden Männer gerichtet, da trat der alte dicke, sich so unendlich wichtig fühlende Kirchendiener Friederichs auf die Herren zu und stattete dem Pastor einen Bericht ab. Es mußte etwas Wichtiges fein, denn der Pastor hob, wie tief erschreckt beide Arme zum Himmel empor und alle drei redeten eine Weile eifrig miteinander. Dann trat der Pfarrer auf die Hochzeitsgäste zu, während der Oberst sich mit ernstem Gesichte der Truppe junger Offiziere näherte, die, darunter auch ich, etwas abseits von den anderen Herrschaften stand. „Meine Herren," begann er, und man hörte, wie seine Stimme vor Erregung zitterte, „ich bin der Bringer trauriger Kunde, ein furchtbares Unglück ist geschehen. Oberförster Walther ist vor drei Tagen auf der Hofjagd bei Nenndorf das Opfer einer mörderischen Kugel geworden. Ein kaum aus dem Zuchthaus entlassener Wilddieb hat aus Rache (er hielt ihn für Walthers Vorgänger, deffen Pflichteifer er die Zuchthausstrafe verdankte) die ruchlose That begangen, er ist erwischt und wieder in Fesseln gelegt und hat mit cynischer Gelassenheit alles bereits gestanden. Gott, der das Schreckliche geschehen ließ, tröste die arme Braut und ihre Eltern." Wir waren wie vom Donner gerührt, keiner erwiderte ein Wort, nachdem der Oberst geendet. Schweigend verließen wir die Kirche; aus dem Kreis der HochzeitZbäste drang lautes Schluchzen. Wie anders endlgte der Tag, dm wir in froher Erwartung begrüßt!" (F. f.)