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fi’*'(XP"5,,,,,i"* „lllustnrte Sonntags-Zeitung", Juldaer ßescbicbtsblätter“ und £otterie-fiste
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Jfä 103.
gfuföa, Dienstag, den 6. Mai 1902.
29. Jahrgang.
G Zum Branntweinsteuer-Gesetz.
Di«,Bren»er«i-Zeitu»g', diel« Bonn erscheint, bringt beachtenswerthe Mitcheilunzen zum Branntwernsteuer-Grsetze. Sie schreibt u. A.:
„Das Centrum in seiner Thätigkeit in der BranntweinKeuerkomMission ist in der Thal des „Centrum" derselben, waS die Kornbrennerei mit Vergnüge« konstatiren kann.
„Die im Westen und Süden deS Reiches woh- «enden Brennerei. Besitzer bilden daS SroS der Settewe-Brennerei und auch der Preßhefe-Bren- nereien; diese können, wir glauben in deren Sinne zu reden, den Maßnahmen des Centrums vollste« Beifall zoll«« und dieser politischen Partei Da«k aussprechen für Die Stellungnahme für das Gewerbe, welches man sonst wohl als Stiefkind im Hause des Deutschen Reiches betrachten kann. Da nun durch diese an- zuerkennende Thatsache deS Schutzes durch das Centrum für den Weste« und Süden auch die in anderen Landestheilen weniger zahlreich vorhan» denen Kornbrenner und Preßhefe.Fabrikanten die gleiche Fürsorge genießen, so waren wir berechtigt, im Eingänge von der „Korybrennerei" im Ganzen zu reden.
„Sehr richtig sagt die .Germania', und wir können er ja auS eigenem Erleben und eigenster Erfahrung bestätigen, feit der neuen Aera in der Branntweinsteuer-Gesetzgebung, die 1887 inau« gurirt wurde, daß die Konservativen mit der Hand an der Gesetzesklinke stets nnr für die Kartoffelbrennerri sorgten, auf deren Leib doch nur die Gesetze zugeschnitten wurden, während alles andere ein mehr oder weniger nicht zu beachtendes Etwas war. Die Regierung tra diesem Zustande als ausgleichender Faktor nicht immer entgegen, weil die übrige Brennerei ohne Protektion war und eben Niemanden hatte, der auch einen Finger an der bekannten Klinke haben konnte. Durch das Centrum ist das et» Anderes geworden, und dafür wollen wir unseren Dank auszusprechen nicht zurückhalte»."
„Ma« lese doch die Berha»dlu»ge» seit 1887 bis auf den heutigen Tag, und man wird finden, wie Abgeordnete wie Gamp, Holtz, Dietrich, von Brockhause» und besonder- die beiden Ersteren seit 1887 gearbeitet haben, wK auch jetzt wieder die Abgeordnete» der Rechtspartei-» nur die östliche, die Kartoffelbrenneret, in Schutz »ehmen. Dabet zeigt et» Beispiel, wie fich in manchem Kopfe ein Urtheil bildet, wen» ein Abgeordneter der Rechtsparteien von der Preßhefebre«nerei schlankweg behauptet hat, daß dieselbe nur verdorbenes Material und Lupinen verarbeite. Und solcher will und soll dann in der Kommission ei» Gesetz berathe», welches die Hefebren«erei auch betrifft. Der Laufbursche solcher Brennerei weiß schon, daß nur bestes Material und besonders besseres als zur Kartoffelbrennerei für Hefe- Erz-uqniß nöthig und Lupinenoerarbeitung ein Blödsinn ist. Wen« ferner die Kenntniß solches Abgeordneten nicht so weit geht, daß er weiß, wie die süddeutsche« bestehenden Verhältnisse in Bezug auf Kontingentirung aus Staatsverträgen
ftiMHriluunityffl nms elfte Smhtffee.
Halbverzeffene Geschichten aus den 80 et und 40 er Jahren des 19. Jahrhunderts von B. 6. Soester.
9 ------ (Nachdruck verboten.)
„Was, nun das nenne ich mir einen netten Freund, 6 Thaler noch, und als ich Dich heute Mittag anpumpen wollte, behauptest Du Heuchler, Du hättest Sturm 5 Thaler leihen müssen und verfügtest selbst nur noch über 8 gute Groschen! Und Deine leere Geldbörse hast Du mir sogar gezeigt, o solch ein Hallunke!"
ja, ja," lachte der Schlafende vergnügt, „ich bin klug und weise, mich betrügt man nicht. Weißt Du, mein Adler, wo ich meine Kröten vor Deinen Adleraugen verberge, sag's aber keinem wieder, hörst Du! Im Rand meiner Mütze! Gelt darauf kommst Du nie, ach, Ihr seid ja alle Schafsköpfe und ich stecke Euch alle in die Tasche!"
Ich stöhnte tief und warf Stürmchen einen schmerzlichen Blick zu. (Hartor saß etwas hinter Sturm auf einer Truhe und hatte sein Gesicht mit einem Taschentuch bedeckt, offenbar vermochte er das Lachen nicht mehr zu unterdrücken.) — „Ich habe es Ihnen voraus gesagt, Stürmchen, es ist kein Kinderspiel und man macht oft traurige Erfahrungen, aber nun," rief ich, und erhob meine Stimme, „soll er meine Macht mal fühlen und muß thun, was ich will. Sehen Sie, jetzt fasse ich beide großen Zehen, nun ist er ganz willenlos. Geben Sie recht acht!" kZ^Nu» rief ich mit verstellter Stimme: „Herr
beruhen, so muß ma» fich frage», ob ein Be- rather bei solchem Gesetze, wie die Branntwein, steuer, so weit fie den Süden und Weste» betrifft an seinem richtigen Platze ist.
„Es ist ja im Oste« ganz selbstverständlich, wenn dort von Brennerei oder Brenner« gesprochen wird, man ebe» nur die Kartoffel- brennereien und -Brenner meint, daß man a« anderer Stelle in dem Gewerbe selbst stets bei Aeußerungen das ganze Breunereigrwerbe im Munde führt, ohne der Zustimmung der Getreide- br-nnerei sicher zu sei» oder fie nur gefragt zu habe«.
„Wie anders dagegen von Mitgliedern der Kommisfion, die dem Centrum angehören, welche die Materie ganz beherrschen und fich, wenn nöthig, hinein arbeiten. Die Anträge der Cen. trum-Sabgeordneren z. B. von der Erhöhung des Kontingents beim Üebrrgange vom Dünn- zum Dickmaischbetriebe (analog der Minderung im umgekehrten Falle), die Freilaffung eines Tyeiles der Kornbrenner von der Brem,steuer usw., zeige» volles Verständniß auch für die Kornbrennerei und die Hefefabrikanten, und deshalb wiederholen wir den Dank seitens dieses TheileS der Spiritus-Industrie an diese Abgeordnete» und wünschen, daß auch die Angehörige» anderer Parteien bei der leider in Aussicht stehenden Wiederkehr der Arbeit in dieser spezielle» Gesetzesfabrikation fich unfern Dank erwerben möchten."
So wett die Bonner .Brennerei-Zeitung'. Aus diesen Ausführung«» sachverständiger Kreise ist ersichtlich, daß die Interesse» der süddeutschen Kornbrenner durch die Kommissionsbeschlüsse dies Mal dank der Thätigkeit der CentrumS- abgeordnete« in recht befriedigender Weife ge- wahrt worden sind. Nicht minder find ober auch die Interesse» der zahlreichsten von ollrn Brennereikategorieen, der sogenannten Material- brennerete», deren «S mehr als 60000 gibt, und die fich gleichfalls hauptsächlich im Süden und Weste» Deutschlands befinden (besonders in Bayern, Württemberg, Bede», Hesse» u»d R hei »land), deren Klagen fei fünfzehn Jahren den Reichstag beschäftirt baden, dies Mal in weitgehender Weise berückstckt.r worden, so daß fie wohl am meiste« von allen B'enneret- Arte« zufriede» gestellt fei« dürsten, nenn fie die Wirkung des neue« Gesetze» erst in der Praxis erprobt haben werde«. Alle diese Kon- zeffione« an de» Süden und Westen Deutschlands waren nicht so ohne Weiteres zu erlangen; es bedurfte langwieriger Kämpfe, um solche den entgegen stehende» Interessen des Ostens abzu- ringen, da diese gewohnt waren, in der Bräunt« weingesetzgebung nur ihre eignen Vorthrile berück- fichtiqt zu sehen.
Die allgemeine Anstcht im Reichstage geht denn auch dahin, daß das Centrum in der Branntwein-Kommission sehr gut abge. schnitten hat.
Um so mehr müssen die Angriffe der bayerischen Herrn Finanzministers von Riedel befremden, welche dieser in der letzten Woche im bayerischen Landtage gegen die Centrumsabgeordneten Müller.Fulva und Speck gerichtet hat,
als ob solche die bayerischen Jntereffen in der Branntiveinfrage nicht wahrgenommen hätten. Vielleicht hat eine Mangelhafte Information seitens des bayerischen Regierungroertreter«, der mehr die JMereffen der ostelbtschen Kartoffel- brenner, als die der kleinen Materialbrenner seines Landes zur Richtschnur zu nehmen scheint — ist er doch sogar für den Denaiuriru"g« zwang eiugetreten! —, den Anstoß zu diesen durchaus ungerechtfertigte» Angr ffe« gegeben. Man sollte billigerwets« wohl erwarten, daß solche von maßgebender Seite eine Berichtigung erfahren.
So viel steht fest, daß die Beschlüsse der Reich«tag«?ommission, wie solche jetzt vorliegen und wie fie hoffentlich auch vom Plenum de» Reichstages bestätigt werden, den Brennereien Süddeutschlands und Westdeutschlands nach jeder Richtung Vortheile bi- ten, welche fU aurfchlikßtich dem sachverständigen und nachdrückl chru Emtrrten de» Centrums für ihre Jnteresst« zu verdanken haben werden.
Berlin, 5. Mai 1902.
He Die Zreichs1ag»Lo«i»i-»r« X Urisze» Kkisrtch ist von Herr« Eugen Richter m der ,Freisinnigen Zeitung' als ein unpass! «der Scherz hingestillt woroe«. Aber »ach allen orlicgenden Nachrichte» hat es sich dobei um mchr als das gehandelt: Der Gedanke ist in Lübeck c,anz augenscheinlich ernsthaft besprochen worden. Sv ganz abenteuerlich und so vollkommen ungewöhnlich und ntu wirb ein solcher Plan auch tddr sei». Der später« Kaiser WUHelm I. gehörte als Mitglied der prevsnschen Nattonalvrrsammiung an. Prinz Albrech! oo« Prruße», der Vater des jetzigen Regem n oo« Braunschweig, war Mitglied des Nord-sutfche« Reichstages, und Prinz Friedrich Karl voL Preuße« hat dem Deutsche» Reichstage arg hört. In Bayern sehen wir Prinzen deS kö- r ijche« HauseS in der Kammer der ReichSräthe fiy»» — warum sollte nicht Prinz Heinrich von Preußrn dem Reichstage anaehöre«? Auch der Umstand, baß er aktiver Offizier ist, hindert nicht. Der Ojfizier darf bei u»S zwar nicht wählen, kann aber gewählt werden. Fsld- marfchall Graf Moltke hat bekanntlich lange Jahre dem Reichstage als Mitx.led angehört.
X Kie «eree Solerk'Msslage scheint im preußischen Landtage wirklich noch Thaisache «erden zu sollen. E« wurde in diesen Tagen von einigen Zeitungen berichtet, es solle fich dabei einzig und aller« um eine wertere Vermehrung des An- fiedeluugsfonds und gleichzeitig um die Errichtung einiger Domäne« in der Provinz Westpreußen handeln. Rach weiteren Zeitungsmeldungen soll aber auch in dieser neuen Vorlage die eigentliche Sprachenfrage ganz unmittelbar berückfichtigt werden. Sollte das wirklich der Wahrheit entsprechen? W nn nur die preußische Regierung nicht auch noch Widerstand in solchen Parteien sich
schafft, die bisher immer Ja sagten zu alle» ihren polenpolütschen Maßnahmen!
ii Die deutsche Anrwsvdernng nimmt sortgesitzt in beträchtlichem Maße zu. Neber Bremen allein find während de« Monats April 16.773 Personen ausgewandert gegen nur 9501 Personen in demselben Monat de» Vorjahr«».
X Ae» Aä-iRg. Auf einmal ist der Häring zu vorher ungeahnter Bedeutung gekommen. Di« Mehrheit der Zolltarif.Kommission de» Reichstage» hat den Häringszoll gestrichen, den der Bundetrath in seinen Tarifentwurf eingesetzt hatte, und mit üb« raschender Lebhaftigkeit hat Staats- ftlrdär Grat Posadowsky den Kampf für dieEr- baltung dieses Zolle« \ ausgenommen. Da« Ding ist es werth, z- auer betrachtet zu werden. Der Zoll wurde von der sonst zollfteuudltchen Mehrheit d-r Kommisfion abgelehnt, wobei allerdings such die Sozialdemokratie muwirkte; und diese sonst zollftenudliche Mehrheit bat damit bewiesen, daß e» ihr nicht darauf ankommt, grundsätzlich überall Zölle zu bifchließen und einzuführen. Sie bat durch diesen Beschluß vielmehr bewiesen, daß fie genau zu unterscheiden versteht zwischen denjenigen Zöllen sür Lelerrm'tiel, bei denen die Erhaltung {rotier heimischer Berufsstände an Wichtigkeit oberen steht, und anderen solchen Zollen, bei denen solche Gefichttpunkte in den Hintergrund treten, also einzig und allein der ander« Stardpunkt übrig bleibt, daß er fich um ein Lebensmittel handelt, so» dem in anfier« ordentlich umsarrgr-ichstt« Maße und der großen Hauptsrche nach von den ärmeren Bevölkerung«» schichten Gebrauch gemacht wird. Der „Schneider- karpfea" spielt bei un«, wie sattsam bekannt, eine ungemein wichtige Rolle, und wenn es nicht vörhig ist, einen Zoll dafür einzuführen zur Erhaltung eine« wichtigen heimischen Erwerbs- stände«, dann lehnt die sooft schutzzöllnerische Mehrheit der Zolltarif-Kommission im In- tereffe unserer weniger bemittelten VolkStheile diesen Zoll ab. Die Haltung ist folgerichtig und volksfteundlich. Aber jetzt kommen di« Offiziösen und suchen nachzuweisen, der HäringSzoll müsse sein im Interesse der deutschen Fischerei. Die deutsche Seefischerei ist nun gerade zu Gunsten der bessern Volks- ernährung so viel, wie nur irgend möglich zu unterstütz?». Aber dies geschieht bereits von Reichswegen in ausgedehnten Maße, wie kürzlich erst in diesem Blatte auSgesührt wurde; und sollten die Verbündete» Regierung«« diese Reichs- Unterstützung der deutschen Hochseefischerei noch weiter vermehre« weöw, dann würden fie mit diesem Beginnes im Reichstage schwerlich auf Widerstand stoßen. Die Ziffern, die bi« amtliche .Berliner Korrespondenz' sür dcnHärings- zoll inS Feld führt, spreche» i» der That auch gegen denselben. Die deutsch« Häringsfisch-rei hat fich nämlich, nach diese» amtlichen Zahlen- cinqabm zu schließen, während der fitzten z dn Jchre genau verzehnfacht; ihre Ergebnisse find, »ach dem Werthr berechnet, von 647 000 Mark in 1892 auf mehr als 6 Millionen Mark in 1901 gestiegen. Das ist an sich äußerst erfreulich, spricht doch aber gerade nicht sür die Nochmendigksst einer Erhöhung des Härings-
von Kant, stehen Sie auf, haben Sie vergessen, daß Sie durch die Huld Seiner König!. Hoheit als Rittmeister zu den Husaren verletzt worden sind, stehen Sie sofort auf, Ihre Eskadron steht schon marschbereit, Ihr Pferd ist gesattelt, schnell, schnell!" —
Dann drückte ich ihm mit den Worten: „Und hier Ihre Reitpeitsche," eine dünne Gerte in die Hand. Kant fuhr mit einem Ruck aus dem Bett und ehe ich mich versah, hatte er sich rittlings auf das Brett des geöffneten Fensters geschwungen und tobte tollkühn, wie ein Besessener, darauf herum. Sturm schaute ihm mit dem Ausdruck vollsten Entsetzens nach, auch mir ward fast angst bei diesem tollen Gebühren und ich tauschte mit Hartor einen besorgten Blick.
„Wir müssen ihn wecken," sagte ich dann zu Sturm, „es ist die höchste Zeit, er könnte, weiß Gott, zu Schaden kommen. „Adrian, Adrian!" chrie ich nun den fortwährend laut komman- direnden und auf feinem harten, schmalen Sitz wie toll herumhopsenden Freund an, „wach auf, wach auf!"
Im Nu erstarrte der gespenstige Reiter zur Bildsäule, er stierte uns der Reihe nach an, eine Augen rollten und mit hohler Stimme rief er: „Wo bin ich, was ist mit mir geschehen?" Und bann plötzlich in Wuth ausbrechend, nochmals: „Wo bin ich, und was ist mit mir geschehen?" Stürmchen stürzte auf ihn zu und riß ihn vollends von seinem jetzt mehr unbequemen als gefährlichen Sitz herab. „Beruhige Dich, Kant, beruhige Dich, Du hast gewandelt!"
Ich saß neben Hartor auf der Truhe und lachte mit ihm im Verein, was ich lachen konnte. Sturms treuherziges: „Beruhige Dich, Du hast
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gewandelt!" wirkte geradezu überwältigend. Kant wischte sich den Schweiß von der Stirn: „Ihr hättet mich ein bißchen eher wecken können," meinte er bann vorwurfsvoll, „mir ist von bem Kommanbiren bie Kehle ganz trocken geworden, habt ihr mir noch einen Tropfen übrig gelassen?"
Ja, das hatten wir. Ich holte die Flaschen und Gläser aus der Ecke, wo ich sie sorglich geborgen hatte und der wieder ins Bett gestiegene Nachtwandler trank mit langen durstigen Zügen. Sturm und Hartor verabschiedeten sich bald. Stürmchen meinte, es wäre doch sehr, sehr interessant gewesen, so hätte er sich's eigentlich nicht vorgestellt. Hartor hingegen versicherte mir leise, er hätte in seinem Leben noch nicht so lachen müssen, wie an diesem Abend, und Kaut und ich hätten unsere Rollen famos durchgeführt.
Sie gingen und ich verschwand auch schleunigst im Federland, denn „Morgen müssen wir mar- fchiren!" hieß es. Zurück ging's nach Hanau und das Manöver und die lustigen Erlebnisse dieser Zeit gehörten der Erinnerung an.
III.
Die Spinnweben.
Meine Schwiegermutter hatte uns eingeladen, Aenneles Ferien bei ihr zu verleben und da es mich selbst drängte, das alte Hanau, und bie paar alten guten Freunbe, bie ich noch bort hatte, mal wiederzusehen, so nahmen wir die Einladung für mich, meine Frau und Aennele dankbar an. Ich habe es nicht bereut, es waren ein paar schöne Wochen, wenn auch mit manchen wehmütigen Empfindungen gemischt, bie wir unter ber Mutter gastlichem Dach verlebt haben. Die alten Freunbe nahmen mich, durch bie Bank,
mit großer Freundlichkeit auf, der Karl Wegner vom Martt, noch ganz der alte, nur dick und grauharig geworden, Frist Christ, der nun ein reicher Fabrikant geworden, der lange Tom, noch ungebeugt, aber die rothe Mähne stark gelichtet und stark gebleicht, der gastfreie, ewig junge Louis Seeneid, in dessen Revier wir so manches Häslein geschossen, mein alter Regimentskamerad Major a. D. v. Schlieder u. a. m. Wie gesagt, alle waren unendlich freundlich, und wir tauschten frohe Erinnerungsbilder zusammen aus', aber trotz dem „Du", was uns noch verband, trotz den alten Erinnerungen — ich wurde bei manchen das Gefühl nicht los, daß man sich innerlich doch fremd geworden, das Wott „Freund" nur noch ein äußeres Band war; das Leben, das uns so verschieden geführt, hatte auch auf unser Gefühlsleben, unsere Charakter verschieden eingewirkt, den einen gereift, den anderen verbittert, und so gab es keinen recht harmonischen Klang mehr zwischen uns, ttotz beiberfeitigem guten Willen.
Am meisten kam mir dies bei Robert Schlieder zum Bewußtsein. Hatte er auch nie zu meinen Intimen gehört, ich hatte den ehrenhaften, aber etwas engherzigen Kameraden immer gern gehabt, und steht man 15 Jahre zusammen in einer Garnison, so kommt bei den vielen gemeinschaftlichen Beziehungen ein Freundschaftsverhält- niß fast von felbst. Er gehörte zu den Verbitterten, den Verkannten. An der Majorsecke gescheitert, zog er nach Hanau, der Heimath seiner Frau, (es lebten dort noch feine Schwiegermutter, eine verwittwete Forstmeisterin Bäring, mit ihrer unverheiratheten Tochter Elise) und war fest davon überzeugt, wie er mir sofort an«