29. Jahrgang.
Iul'da, Montag, bett 5. Mai 1902
JIS 102
(Nachdruck verboten )
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Druck und Dtrlafl der jnUatf Actiendruckerei peuregaBt llr. t fbarmonkk
Berlin, 3. Mai 1902.
ft Die Z!leichstag»La«dida1«r des Prinzen Keivetch in Lübeck wird von der .Freisinnigen Zeitung' als ein „schlechter Scherz" bezeichnet, den „ein ihr unbekannter Redakteur gemacht habe". Die Sache klang freilich recht abenteuerlich. Aber man muß sagen, daß die Lübecker Meldung dann sehr bis in die Eiuzel- heüen aurgearbeitet war.
X Nrirz cheorg Wilhelm vo« Knmver. l«»d soll die Heidelberger Universität besuchen. Profeffor von Bar in Göttingen war nach einem geeigneten Begleiter für den Prinzen gefragt worden, und dieser hatte den Privatdozenten Dr. Paul Knoke von der juristischen Fakultät in Göttingen empfohlen, einen Sohn de« Konststorial- rathes Professor Knoke. Dr. Knoke war ganz geneigt zur Uebernahme dieses Posten«, fürchtete aber, dadurch In Berlin in Mißkredit zu kommen. Deswegen wandte sich der Schwager des Prinzen von Cumberland, Prinz Max von Baden, mit der Bitte um eine Meinungsäußerung an den Kaiser, und dieser hat geantwortet, er werde dem Ministerium die geeigneten Anweisungen geben. Darauf ist Dr. Knoke in das Ministerium in Berlin berufen worden, und dort hat man ihm gesagt, daß die Annahme de« Posten« beim Prinzen von Cumberland ihm eher förderlich als nachtheilig sein werde. Ran hat Dr. Knoke die Stellung angenommen.
X Der Akvett» Hfla« des Weichslages. Nun ist es wieder zweifelhaft geworden, ob der Reichstag wirklich vor dem Pstngstfeste wird ver- tagt werden können. Sollte eS nach den Wünschen der Verbündeten Regierungen gehen, dann wenigstens roilr e eine Vertagung vor Pfingsten schwierig werden. In einer Besprechung nämlich, die im Hause deS Reichskanzlers zwischen diesem, dem Präsidenten Grafen Ballestrem und meh- reren Parteiführern stattfand, hat Gras Bülow eS als höchst wL.i'chenSwerth bezeichnet, daß vor der Vertagung sie Zuckersteuer • Vorlage, die Branntweinsteuer Vorlage und die Vorlage über de» Bau der ofiaftttanischen Eisenbahn von Darrs - Salaam «ach Mrogro noch erledigt werden. Die Wünsche der Regierung über die ostafrikani- sche Eisenbahn müffen wohl schon eher kundge- than worden sei», denn gegen die vorher gehegten Erwartungen hat die Budget-Kommission deS Reichstages auf einmal am Freitag diese Eisen- bahn vorgenommen und eine auSsührltche AnS- einar drrsetzung darüber herbeizeführt, die am DienStag fortgesetzt werden soll. Auch in einem andern Punkte soll den Wünschen der Regierung nachgegeben werde«: die erste Lesung der Zucker- steuer-Vorlage soll nämlich sofort in Angriff genommen, also der Zeit nach der dritten Berathun, der Branntweinsteuer-Vorlage vorgezogen werden. Es fragt sich nur, ob dann auch die weiteren Wünsche der Regierungen Erfüllung finden und die gänzliche Verabschiedung der Znckersteuer-Dor-
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„Ja, lieber ©turnt," erwiderte ich sehr ernst, das ist so 'ne Sache, erstens kann ich Ihnen nicht dafür garantiren, daß Kant nachtwandelt — außer bei Vollmond, da ist es ziemlich sicher und dann ist die Geschichte weder für ihn noch andere so ganz ungefährlich." — „Wie so nicht ungefährlich?" fragte Sturm erstaunt. „Stürm- chen sagte ich ärgerlich, „Sie sind wirklich das reine Kind. Wissen Sie denn nicht, daß ein Nachtwandler ganz unter dem Einfluß seiner Umgebung steht und alles thnn muß — und sei es das gräßlichste — was ihm befohlen wird? Sehen Sie, ich gäbe ihm z. B. dies scharfgeschliffene Rasirmeffer in die Hand" — ich entnahm dasselbe bei diesen Worten dem Etui und hielt es Sturm vor die Augen, der erschrocken drei Schritte zurückwich — „und erklärte nnserm Freund Kant, er sei ein Metzger und Sie wären — nicht wahr, Sie nehmen es mir nicht Übel — und Sie wären ein Schaf, das er schlachten müßte, er schnitt Ihnen ohne jeden Gewiffens- skrupel sofort den Hals ab und den Bauch auf."
„Aber das werden Sie nicht thnn, das ist ja schrecklich, lieber Adler," stöhnte Stümtchen.
„Nein, beruhigen Sie sich, ich weiß mit Kant umzugehen, habe die Sache schon ost mit ihm durchgemacht und manches erfahren, was er mir wachend nicht so ohne weiteres anvertraut hätte."
„Auf welche Weise dies denn?" fragte Sturm wieder hoch aufhorchend.
„Nun, durch die große Zeh'!"
„Aber die große Zeh' kann doch nicht sprechen, ich verstehe Sie nicht."
Jetzt platzte ich heraus, das Lachen ließ sich nicht mehr zurückhalten.
„Nein, Trautester, aber es ist männiglich bekannt, daß, wenn man einen Nachtwandler an der großen Zeh' packt, er alle seine tiefsten Herzensgeheimnisse, selbst solche, die er selbst noch nicht wußte, zum besten gehen muß. Aber nun kommen Sie, Kant und Hartor werden nicht verstehen, wo wir bleiben. Wenn Ihnen aber wirklich so viel daran gelegen ist, kommen Sie heute Abend um 10 Uhr her und bringen Sie Hartor mit. Es ist für den Fall, daß Kant wild werden möchte — er verfügt alsdann über übermenschliche Kräfte —, besser, wir sind drei gegen einen."
Sturm sagte freudig zu und wir gingen die Treppe herab, es bedurfte wiederum nur eines Blickes, um Freund Adrian zu verständigen, daß das Opfer in der Falle sei.
Nachdem das Reiseneceffaire (wirklich ein Wunderwerk für die damalige Zeit) genügend bewundert, schieden die Herren, nicht ohne daß mir Stürmchen noch einen verständnißinnigen Blick zugeworfen. Hätte der Arme ahnen können, wie wir jetzt auf seine Kosten lachten. „Du, die Idee mit dem Schaf ist unbezahlbar," lachte Kant, „ich hätte, weiß Gott, Lust, sie heute Abend in Szene zu setzen."
„Nein, nein," wehrte ich, „das könnte ein Unglück geben, Sturm wäre im Stande, vor lauter Angst blank zu ziehen, und schließlich wären wir die Geleimten."
Adrian sah das ein und ließ von dieser Idee ab, wir gingen dann selbander zum Wirth des Dorfes und erstanden drei Flaschen Wein, die sich als recht trinkbar erwiesen, es war ja auch dieselbe Sorte, wie der Wirth uns mit-
fnttnroMmntnmp eines alten Sahessn.
Halbver-effene Geschichten auS de» 80 et uxb 40 et Jahren deS 19. Jahrhunderts von B. 6. Eoester.
läge noch vor der Vertagung des Reichstages er- otgt Ma» Ian« sich zunächst nicht vorstelle«, »aß die Mehrheits-Parteien des Reichstages fich dem Wunsche der Regierung fügen und diese so außerordentlich wichttge und bedeutungsvolle Zucker- teuer «Vorlage so von kurzer Hand abthun sollen ohne eingehende KommisfionS-Berathung. Der tzenioren-Konvent deS Reichstages wird in diesen Tagen zusammentreten, um über den ArbettS- Plan Beschluß zu fasse».
X Die Krttäge der ASrfenstener find während de« Jahre« 1901 recht knapp gewesen. Im Etat für 1901 war fie mit 53,8 Millionen veranschlagt; eingebracht hat fie nur 27,8 Millionen. Sie ist also um 26 Millionen oder ast um die Hälfte ihre« Betrage« hinter dem Voranschläge zurückgeblieben. Diese Thatsache be- nützen einige liberale und grundsätzlich börsen- reundliche Blätter, um zu behaupten, daß die Erhöhung einiger börsenmäßigen Steuersätze vom Nebel gewesen sei. Die Behauptung ist aber gänzlich verkehrt. Man weiß doch ganz genau, raß mit 1901 die Zeit eines wirthschaftlichen Niederganges bei uns eingekehrt ist, und daß eine solche Zeit nicht ohne sehr starken Einfluß auf die Erträge der Börsensteuer bleiben kann, versteht ich ganz von sechst. Also nicht die Erhöhung lintger Steuersätze trägt die Schuld an der Herabminderung der Ertrages, sondern die ganze wrrth- schaftliche Lage. Das Publikum hat vorher so unliebsame Erfahrungen machen müffen mit Jndustriepapiereu, die in schwindelhafter Weise von der Jobberei in die Höhe getrieben worden waren und bann schreckliche Abstürze erlitten, daß es — um einen volksthümlichen Berliner Ausdruck zu brauchen — „die Nase voll hat" und nicht mehr spekuliren mag. Leider lehren die Erfahrungen früherer Zetten, daß auch die bittersten Lehren dieser Art nicht allzu lange nachzuwtrken pflegen. Daun beginnt der Tanz um das goldene Kalb von neuem. _
• Neber den Kirchenvesrtch der Gruppe« find neue Anordnungen erlassen worden. Dieselben lasse« erkennen, daß die Heeresverwaltung bestrebt ist, de« Truppe» be« Besuch des Gottes- dienfies ft oft al« thunlich zu ermöglichen. Im allgemeinen besagen die neuen Anordnungen: FkldgotteSdienste für geschloffene Trupprntheile werden nur vor dem Kaiser oder i« dessen Namen abgehalten. Für die Anordnungen zu diesem dienstlichen Akt ergehe« vo« Fell zu Fall die Entscheidunge« des Kaisers. Sonstige Gotter- dienste im Freien find nur abzuhalten, wenn ein BedÜrfniß hierzu vorliegt, ihre Abhaltung «ach den BekenntnifsLN erfolgt und sonst keine Gründe konfesfioneller Art dagegen sprechen. Ihre An- ordnung steht dem oberste« Befehlshaber zu. Den Kirchenbesuch hat der Gouverneur usw. so zu regel«, daß jeder Soldat evangelischen wie katholischen Bekenntnisses, abgesehen von den hohen kirchlichen Festtagen, soweit eS die örtlichen Verhältnisse gestatten, mindestens monatlich einmal zum sonntägliche» Gottesdienst geführt wird. Der Dienst, der außer dem unerläßlichen Wacht- und Ordormanzdisnst bei den Truppen an Sonn- und Festtagen gethan werden muß, ist unter gewöhnliche« Perbältniffrn stets so an« theilte, die der Herr Pfarrer für sich als Haus« wein kommen ließ.
Dann traf Kant seine Vorbereitungen, ine freilich nur darin bestanden, daß er sich von unserem Quartiergeber eine weiße Nachtmütze, von ihr, der Wirthin, ein Schälchen mit Mehl ausbat. Mit letzterem schminkte, mit ersterer schmückte er sich.
Er sah gräßlich aus; um voll zu würdigen, wie gräßlich, will ich hier fein Signalement hinsetzen, denn er war nichts weniger als eine Schönheit, nur die Figur war gut. Er war sehr mager, dick waren an ihm nur die Thränen- . säcke unter den kleinen, lustigen, grauen Augen und die Unterlippe unter dem struppigen roth- braunen Schnauzbart. Nun denke man sich die lange Gestalt in Hemd und Unterhosen, da« lange schmale Gesicht weiß gefärbt, dazu die Zipfelmütze! Es war wirklich ein Anblick, um das Gruseln zu lernen. Er hatte sich bei Zeiten ' gelegt, während ich dis Freunde unten im Wohnzimmer erwartete. Hartor theilte mir gleich mit, daß ihn nur Sturms inständige Bitten bewogen ' hätten, mitzukommen, er wisse nicht recht, ob eS : nicht eine Indiskretion gegen Kant sei.
Ich bat ihn, sich zu beruhigen und versicherte ihn, Kant habe gar nichts dagegen einzuwenden ; gehabt, nur könne weder er noch ich dafür garan» ' tieren, daß er wirklich heute nachtwandeln wurde. । „O, das wäre ewig schade," meinte Sturm,
während man Hartor ansah, er wußte nicht : recht, was er aus der Sache machen sollte. War i es Ernst oder Spaß? ,
, Ich bot meinen Gästen ein Glas Wem und i bann schlichen wir auf leichten Sohlen nach der - Kammer.
[] Ehescheidung in Italien.
Mit der Einführung der Ehescheidung i« Italien scheint es noch gute Wege zu habe«. Denn nicht «ur im südlichen, sondern auch im mittleren und nördlichen Italien hat fich eine kräftige Volksbewegung dagegen erhoben, die Ehescheidung durch Gesetz einzuführen.
Die Gesetzesvorlage, wonach dies geschehen soll, ist der italienischen Kammer schon vor längerer Zeit zugegange«. Aber man hat sich «och »icht recht an ihre Berathung herangetraut. Diese Vorlage beruht auf zwei Hauptarundfätzen; die Trennung der Ehe soll in zwei Fällen zuge- laffen werde«: Nämlich erstens, wenn der eine Theil des Ehepaares vo« bestimmten unheilbaren Krankhrite» befalle« ist, und zweitens, wenn eine persönliche Trennung der Eheleute vo« einander schon mindestens drei Jahre stattgefunden hat. Sind in einer She Kinder vor- banden, dann verlängert fich die Dauer der Trennung, die nachgewiesen werden muß, auf fünf Jahre.
Die Haltung der italienischen Liberalen zu dem Gesetzentwürfe ist das beste Kennzeichen für die Stimmung des Volkes. Während der letzten Jahre sind mehrfach liberale italienische Parlamentarier für die Vorlage eines solchen Gesetz- entwurfes aufgetreten. Aber jetzt, nachdem er erschienen und nachdem beobachtet worde« ist, wie ungünstig er im Volke ausgenommen wird, habe« die Liberalen eine« völlige» Rückzug auge- tretew. So ist der Abgeordnete Sonniuo vor einige» Jahren offen für die Ehescheidung aufge- treten; jetzt ober hat er seine Meinung auf einmal dahin geändert, daß das italienische Volk „noch nicht reif dazu fei, eine so tief einschneidende Neuerung ertrage» zu können". DaS heißt, Herr Eo»nino hat gemerkt, daß er sei» parlamentarisches Mandat in Frage gingen könnte, wenn er auch noch fernerhin als Apostel der Ehescheidung auftreten würde, und deswegen hat er sich löblich unterworfen. Und gerade so wie er haben eS andere Liberalenführer gemacht, beispielsweise Gianturco, Luzzatti und Andere mehr. Die namentlich aufgeführten Liberalen- führer find vo» großem Einflüsse bei ihren Parteifreunden, was schon daraus hervorgeht, daß fie alle drei bereits Minister waren. Nichts- destoweniger ist über das Schicksal der Vorlage »och »ichtS e»tschieden. Die Abgeordnetenkammer hatte eine vorberathende Kommission eingesetzt, und die Mehrheit dieser Kommission hat fich für die Annahme des GrsttzentwuifeS ausge- sprachen, wobei dir Liberalen immer in dem Sprecke« sür die Vorlage de» Sozialdemokraten den Voranttitt überlassen habe». Dieselbe Taktik wird «un wohl auch von den Libe- ralen in der Kammer selbst verfolgt werden. Sie werde« die Sozialdemokraten und Radi- laten reden lassen; fie selbst aber werden fich
Ich war gerade im Begriff, Sturm den wahren Sachverhalt auseinander zu setzen, als mich Adrian ziemlich heftig in den Arm knippte. Das übersetzte ich mir sofort sehr richtig in: „Süll, da gibts einen Jux."
Mit schwermüthigem Ton erzählte darauf Kant, daß er öfters, besonders aber bei Vollmond, von dieser Krankheit befallen würde und da man während der Dauer des Schlafes ja hilflos wie ein Kind fei, fo lege er Werth darauf, nur mit erprobten Freunden fein Zimmer zu theilen.
Wir hatten indessen unser Quartier erreicht, wohin uns die Herrn begleiteten, weil ich Hartor versprochen hatte, ihm mein englisches Reisenecessaire, von dem ihm Sturm Wunderdinge erzählt, zu zeigen. „Lad sie ein, uns heute Abend zu besuchen, es fei Vollmond heute und ich würde vermuthlich nachtwandeln," raunte mir Adrian rasch unter der Hausthüre zu; mit einem Blick gab ich meine Zustimmung zu erkennen und während er in das zu ebener Erde gelegene Wohngemach eintrat, lief ich mit raschen Sprüngen die Treppe herauf nach der uns angewiesenen Schlafkammer, das Gewünschte zu holen. Sturm hinter mir drein. „Adler," bat er, als ich ihn scheinbar sehr verwundert ansah, „wäre es nicht möglich, das ich mal dabei wäre?" „Dabei? Wobei?" „O, wenn Kant mal nachtwandelt."
mit den Beilagen
„lllustrirte Sonntags-Zeitung“, „Fuldaer ßescbicbtsblätter“ und £otterie-£i$te.
im Hintergründe halten und ihrer Mehrheit nach »ei der Abstimmung trotz der Warnungen der genannten Parteiführer für die Ehescheidung ein« treten. Wenigstens nimmt man im allgemeinen an, baß die Dinge diesen Verlauf nehmen werden, unb bar würde ja auch gänzlich dem entsprechen, wa« wir auch in anderen Säubern al« Proben liberalen Mannermuthe« kennen gelernt haben.
Daß bie Vertreter bei Kirche Gegner der Einführung der staatlichen Ehescheidung find, versteht fich von selbst. Der Papst selbst hat schon mehrfach bei paffenden Gelegenheiten seine Stimme dagegen erhoben; und vielfach wird in dem Kampfe gegen da« neue Gesetz eine vortreffliche Aeußerung des Kardinal« Eopecelatro angeführt: „Das Ehefcheidungsgefetz ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt zu einer minder zivilifirten Zeit. ES ist eine Rückkehr zu den Einrichtungen in der Zett Abraham«. Der Fortschritt besteht in der Unauflösbarkeit der Ehe, auf der bie Ordnung der Familie begründet ist, die für die Kirche al« die Jdealifirnng der Liebe gilt.*
Der Vater deS Gesetzentwurfes ist augenschein« lich der Minister-Präfident Zanardelli selbst. Gerade er war es schon akS Mitglied der Abgeordneten - Kammer, der immer wieder auf den Gedanken zurückkam, nachdem bitfer schon ab und zu feit nunmehr 30 Jahren in der italienischen Volksvertretung aufgetaucht war. Ma« sagt, der junge italienische König fei kein Freund der Neuerung, sondern leide den andere« Rathgebern fein Ohr, bie gleich Luzzatti und Gonnino von der Einführung der Ehescheidung nichts oder »och nichts wissen, wollen. Ob das ,sicher ist, läßt fich «icht feststellen. Zam mindeste« werden bie vorliegenden Thatsachen dadurch richtig gekennzeichnet fei», daß bestimmte Rathgeber, auf deren Ansichten Viktor Emanuel III. großen Werth legt, von der Durchführung der Ehescheidung ab» rathe». Aber man darf nicht vergessen, daß der König bisher der Ehescheidung nicht abgeneigt sein konnte; denn in der Thronrede ist ja unmittelbar daraus hingewiesen worden. W:nn »un auch das Königthum i« dem Umsturz Linde Italien nicht mit der Monarchie verglich n werden kann, vielmehr ost genug die bessere U^rzmaung deS Monarchen de« Wünsche« lintärat f der Parteien sich beugen muß, so kann man sich doch nicht gut eine so weit gehende Selbstverleugnung Vtk» i tor Emanvel's vorstelle«, daß er selbst in der 1 von ihm verlesenen Thronrede seiner eigenen Heber» i zeugung widersprochen haben sollte.
Leider steht auch die italienische GerichtSbar- 1 kett nicht auf derselben Stufe wie bie unserige. 1 Mehr als ein Beispiel der neueste« Zeit hat das ' bewiesen und gezeigt, daß italienische Richter auch ■ bestechlich sei» könne». Ein solches G^sttz aber • in der Hand unzuverlässiger Richter kann em 1 furchtbarer Fluch für das Land Italien werden, 1 so daß der Widerstand dagege» auch auf anderen 1 als kirchliche« Gründen beruht und nur allzu be- *• greiflich ist. Die weitere Entwickelung der Sache 1 erregt unser Interesse in hohem Grade.
«ÄÄ h r t r«t e: Die
MTIttt rt ME Kz VjL H H. Br U sx“
wird entsprechend.
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