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HL 101
Iuröa, Samstag, den 3. Mai 1902.
29. Jahrgang.
find unb nicht glatt auf die Minute ihr Alibi
em sozialdemokratischer Reichstagsabgeordaeter die Idee wieder: aufgebracht hatte, die Kemaüsfiansmitglieder in dieser 'Mari
Bei der „festen Ueberzeugung*, daß dieser und kein andrer der Schuldige ist, reiht sich ein Miß, verständniß an da« andere, ein Fehlschluß an den andern; vor lauter mißdeuteten Einzelheiten steht »an schließlich den Wald nicht mehr. So »ar doch «ine entscheidende Hauptfrage die, ob denn der angebliche Mörder wirklich «inen so starken Haß auf den Rittmeister gehabt habe, um zu einer
weiß man nicht recht. Zunächst Iwird da« Kriegs- mmtsterium gleichzeitig vom Marineminister verwaltet.
Au« Südafrika liegen Nachrichten von 8e» dentnng nicht vor. Die Buren wollen augenscheiu- ttch erne «rt Srie,»Parlament schaffen, mit dem die Lagländer daun verhandeln können. Die Mann- sLaften de« General» Delarey haben die entsprechen- Wahlen Bereit« vollzogen.
Weise für ihre persönlichen Ausgaben sschadlo« zu halten I Die Vorlage wurde schließlich zur Borbe. rathung an die Budgetkommission überwiesen.
Das preußische Abgeordnetenhaus ist nun auch mit der dritten Ltat-lesung fertig geworden.
In Württemberg regen sich nun auch die Leute von der Lo« von Rom-Bew egung. Der Evangelische Band hält einen eignen Agenten dafür, den Pastor Gmelin. Und in diesen Tagen haben zwei dieser Helden ein Buch herausgegeben unter dem Titel: »Wa» Jedermann heute von der inneren Mission wissen muß" — in dem ganz offen dazu aufgefordert wird, gerade die Katholiken sich aurzusuchen für da» Werk der . . . „Verkündung des Evangeliums*. Ein schnöder Hohn! Die Verfasser sind Direktor Hennig und Stadtpfarrer Wursten in Heilbronn.
Montag hat der Papst das „Römische Komitee* unter der Führung des Fürsten Karl zu Löwenstein empfangen und gleichzeitig fünfnndvierzig Vertreter deutscher katholischer «weine. Fürst Löwenstein las eine Huldigungsadreffe vor. Der heilige Vater »nt- wartete in einer Rede, in der er zu« Festhalten an den bisher verfolgten Grundsätzen ermahnte und an deren Schluffe er den Anwesenden seinen apostolischen Segen ertheilte. Der Papst verwies ganz besonders auf die Ueberliefernngen au« der Zeit Wiudthorst's und sprach die Hoffnung aus, daß da» deutsche Centrum stet« in dessen Sinne geleitet sein möge. Nachher wurden die Pilger dem Kardinal Rampoll« vorgestellt.
Das bayerische Schulgesetz ist von der Abgeordnetenkammer «unmehr im ganzen mit 81 gegen 70 Stimmen angenommen worden.
In D ä n e m a r k ist die Frage von dem Verkauf der kleinen westindischen Insel« an die Vereinigten Staaten von Amerika nunmehr auch in öffentlicher Sitzung des Folkethin,S verhandelt worden. Der gefaßte Beschluß entspricht de« voraufgegangenen Ankündigungen: Mit 98 gegen 7 Stimmen hat der Folkethiu, de« Antrag des Abgeordneten Anders Nielsen angenommen, die Bewohner jener Inseln selbst über die Sache abstimmen zu lasse«. Minister des «eußern Deunyer bat sich mit dieser Regelung einverstanden erklärt. Nunmehr muß die Angelegenheit noch die Zustimmung der ersten Kammer, des Landsthing erhalten.
Die Bessern«, in dem Befinden der Königin Wilhelmina von Holland hat erfreulicher Weise an,ehalten. Die Sönigiu bekundet wieder reges Interesse an ihrer Umgebung, und die Königin- Mutter hat sich während der letzte« Tage wiederholt sehr günstig über da« Befinden der Königin geäußert. Bon der Einsetzung einer Regentschaft ift dem zu Folge keine Rede mehr.
I« Frankreich haben am letzten Sonntag die Neuwahle« zur Deputirtenkammer statt- gesunden. Das Interessanteste daran ist die That- fache, daß die Hauptstadt Pari« ga»z überwiegend nationalistisch gewählt hat. Der alte Radikalenführer Brisson ist von einem Nationalisten in seinem angestammten Pariser Wahlbezirke gleich im ersten Wahlgange vollständig besiegt worden; und Herr M i l l e r « n d, der sozialdemokratische Handelsminister, muß sich einer Stichwahl gegen einen Nationalisten unterziehe». Die Nationalisten haben also nicht unerheblich an Sitzen in der Volksvertretung gewonnen. Aber darin liegt nicht die Hauptbedeutung dieser Wahlen; denn in der Provinz haben die Nationalisten keine Erfolge zu verzeichnen. Die Hauptbedeutung dieser Kammerwahlen liegt vielmehr in einem „hörbaren Ruck nach rechts* bei der republikanischen Mehrheit. Diese Letztere wird ziffernmäßig etwa ebenso stark, wie in der letzten Kammer sein; denn den Ausfall der zahlreichen Stichwahlen kann man ja ziemlich sicher im Voraus beurtheilen. Aber es könnte sein, daß sie später et »e andere Zusammensetzung als bisher aufwiese, so daß Ministerpräfident Waldeck-Rousseau sein Kabiuet von den sozialistischen Elementen säubern und bürgerlich - republikanische Männer dafür einstelle« könnte. Die sozialdemo-! kratische Stimmen zahl hat ganz entschieden nicht unerheblich »bgenommen imÄergleiche zu den letzten und vorletzten Neuwahlen zur Deputirtenkammer. Die Regierung rechnet nach wie vor für sich auf eine sichere Mehrheit von 80 61» 90 Stimmen.
gewesen fei*/ Wen« der gnädige« Frau ein Schmuckstück abhanden kommt, iso wird an den Fegern abgezählt, welche Hausgenossen wohl an da» Kästchen herangekommen sein könnten und welchen non diesen Personen die That wohl zuzutrauen wäre. Daraufhin erfolgt dann der Urtheittspruch: ®8 kann niemand ander» gewesen sein, all die und diel Das scheint bomben« fest zu stehen, und doch stimmt es sehr häufig nicht. Hinterher stellt sich heran», daß außer dem verurtheilten Kammermädchen auch noch andere Personen oder gar eine diebische Elster unbemerkt an da» Schmuckstück gekommen find. Oder el zeigt sich, daß statt de» Dienstmädchen» ein Kind, da» man für ganz unverdächtig hielt, die Sache entwendet oder verschleppt hat. — | Trotz dieser warnenden Erfahrungen im alltäglichen Leben blieb der Staatsanwalt in Enm- binnen bei seinem „negativen Beweis*. Er sagt: Der Rittmeister ist in der Kaserne nnt einem Rilitärkarabtner erschossen worden, als» muß ei* Militär der Thäter sein! Da habe» wir schon die erste trügerische Voraussetzung; denn e» ist doch wohl möglich, daß ein Molkst, namentlich ein ortskundiger gewesener Soldat, sich in die Kaserne schleicht. Run sagt er weiter, die Angehörigen der anderen Schwadronen könnten e» nicht gethan haben und e» sei als« der Mörder in der eigenen Schwadron de» ermordeten Rittmeister» zu suchen. Diese zweite Schlußfolgerung ist auch ganz unficher. Er baut aber auf diese» unsolide Fundament noch weitere Stockwerke: Die Mannschaften der Schwadron scheinen ihm nicht verdächtig, also will er den Thäter durchaus bei den Unteroffizieren suchen. Die Unteroffiziere werden durchgefiebt, und schließlich bleibt die Sache auf Marten und Hickel hängen. Zwei sollen'» gewesen sein, weil ein bedenlltcher Zeuge zwei Männer mit steifen Mützen an der Schießstelle gesehen haben will;
auf die Folter; jetzt kann e» nur noch zu einer See len« Folter kommen, aber der ganze Mensch kann auch dabei zu Grunde gerichtet werden, namentlich wen» man nebenbei seinen Körper in Untersuchungshaft nimmt. Darum brauchen wir Über die mittelalterliche Rechtspflege nicht so pharisäisch die Nase zu rümpfen. Unfehlbar ist die moderne Rechtspflege noch lange nicht, wenn sie einmal fehl greift, i» kann ei grausame Folge« fSr daS unschuldige Opfer deS »erdachte» haben.
dicien-Beweis*. Wer ihn antastet, wird frei-1 Mordthat zu schreiten. Der letzte G-richi-haf hat
Unpolitische Zeitkäufe.
G Berlin, 1. Mai 1902. -------- Nachdruck verboten, dllso Marten und Hickel freigesprochen! Allen deutschen Zeitungslesern ist damit ein Stein vom Herzen gewälzt. Denn in ganz Deutschland bil auf die weitesten Entfernungen von Gumbinnen «erfolgte man diesen militärischen Mordprozeß mit großer Spannung und einer gewissen Besorgniß. Die beiden einfachen Unter- osfiziere waren seit einem Jahre zu „Helden de» Tage»* geworden, weil auf ihre Kosten sich ein Kriminalroman abspielte, der die erdichteten Romane unter dem Strich an Spannung Über, traf. Der alte Weltweise Aristoteles hat schon die Entdeckung gemacht, daß ein tragische» Schau» spiel zugleich Mitleid und Furcht erwecke. MUleid erregt hier mit Recht daS Schicksal der Angeklagten, die dreimal mit wechselndem Glück eine Gerichtsverhandlung aus Tod und Leben durchmachen mußten, obschon die BerdachtSgrÜnde von Anfang an sehr schwach waren. Und die Furcht ergab sich au» der Envägnng: Kann nicht ein jeder von un» in die Fallstricke eine» solchen Indizienbeweises grrathrn, wie er mit so großer Kunstfertigkeit und Zähigkeit gesponnen und geschürzt wurde, weil man durchaus zu einem dunklen Verbrechen die Schuldigen haben wollte? Kann nicht ein unglücklicher Zufall un» auch in die Nähe eine» Verbrechens bringen und un» so die Verfolgung eines Berliner Kriminalkommissar» zuziehen, der mit erstaunlicher Energie die falsche Fährte verfolg,? Und wenn die Militärgerichte bei dieser erstem ernste« Probe nach chrer Reform versagen sollten, wie steht e» bann uw die Rechtssicherheit unserer Brüder und Söhne, die im Heere dienen? — Der Freispruch von «um- binnen hat eine beruhigende Antwort auf die sorgenvollen Fragen gegeben.
liberalen Wahlbewerber Fabrikant Wehl mit 7382 Stimmen. Außerdem erhielten Hofbesitzer Bödiker vom Bunde der Laudwirthe 4673 und der sozialdemokratische Thielhor« 5420 Stimmen. Wer in der Stichwahl siegen wird, ist schwer zu sagen.
Bon größerem Interesse für das Centrum ist die Ersatzwahl in Saarbrücken. Dort hat wiederum der nationalliberale Kandidat, Justizrath Boltz, den Sieg errungen, diesmal gleich im ersten Wahlgange. Er erhielt 17 957, vr. Muth, der Kandidat des Eentrums, 14 398 Stimmen. Im Wahlkreise Saarbrücken werden jedeSmal sehr starke Wahlbeeinflussungcn auSgeübt; deswegen wurde auch die Wahl des Herrn Boltz für ungiftig erklärt. Immerhin ist die Stimmen- zahl des Ceutrums von 10806 im Jahre 1898 auf die oben genannte Ziffer diesmal gestiegen; nach einen Wahlkampf, oder deren noch zwei, dann wird der Wahlkreis dem Centrum gehören, wenn es das Arbeiten inzwischen nicht vergißt. Der Wahlkreis ist rem mdustriell; und es find fast alle Stimmen für Wahlbewerber abgegeben worden. Em Sozialdemokrat namens Spaniol erhielt ganze — — 826 Stimmen! Das hat man de« Centrum zu verdanken, da« die Arbeiter an seine Fahne zu feffeln »ersteht! Anch der Freihandelsverein - soll heißen Handelsvertrag»»««« — h«t dort agitirt. Sein Er- folg ist, wie man fleht, gleich NM.
Der Reichstag hat die Seemannsordnnng mm wirklich ««ter Dach and Fach gebracht. Fast begann man ja daran zu verzweifelu. 8m lebhaftesten ging es zu am letzte« Montag, al« die Gewährung der Beldentschtdigung von je 2400 Mark an bie Mitglieder der Zolltarif-Kone«eisfivn zur ersten Berathnng stand. Dabei wnrde, wie eS nicht anders zu erwarten war, auch die Mgemeine Diäten- ftage wieder «ufgerollt; aber der Obergenosse Singer blamirte sich dabei noch besser, als es selbst Herr Singer sonst kann, fr donnerte gegen die Vorlage lo« in den heftigsten Poltertönen, nannte die Zu- muthung für die Mitglieder der Kommisfion eine „unwürdige*, ohne dabei zu überlegen, daß « damit gleichzeitig gegen den Grundsatz der Diätengewährung überhaupt sprach, und behauptete zuletzt sogar, kein Sozialdemokrat würde diese Entschädigung amiehmen. Die Herren Genosse« ober, nnd am meisten ihr Ober- a npt Singer, waren nicht wenig verblüfft, als ihnm der Centrumsabg. Dr. Bache« »achwies, daß gerade
Tranrig sieht es i« Z « r e» r e i ch e aus. Namentlich in Kleinrußland, in »en Gubernien von Charkow «nd Poltawa; hat sich der kleine« Bauern eine überaus heftige Bewegung bemächtigt. Die russische« Zeitungen dürfen nichts darüber bringen. Aber gerade daraus kann man erst recht Schlüsse ziehen auf die Gefährlichkeit der Unruhen. In Privatbriefen, die aus Rußland nach Deutschlano gelangt find, wird die Zahl der Aufstä«digen ans 18000 und mehr geschätzt. R«»b, Brand «nd Plünderung kennzeichnet die Thate« der Aufwiegler, die in einem einzigen Zusammenstöße mit de« Truppe« mehr als j vierzig Todte auf dem Platze gelassen haben. Es ■ kann kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß die I «. ■. - - n.' o ' ■
arme« Leute vo« nihilistischen Hetzern aufgeregt ^n. "50B .Rechtswegen getroffen. Zu allen worden find durch wahnwitzige Vorspiegelungen, als S^ten Haden Unschuldige unter bet Rechtspflege wolle es der Zar selbst habe», daß sie sich gewaltsam leiden müssen. Früher spannte man bie Körper das verschaffen sollten, wa« ihnen hauptsächlich fehlt *“c ,"UÄ '------------
nach der boranfgegangenen Mißernte: Saatgetreide und Nahrungsmittel. Das Schloß auf einer Be- fitzung deS Herzogs von Mecklenburg ist rein a«»ge- Mndert worden, und ähnlich ist es auf vielen anderen größere» Besitzungen zugegangen. Man erfährt nur nichts darüber! Herr von Plewe, der neue Minister des Innern, ist sofort nach seinem Amtsantritte nach Kleinrnßland abgereist. Die neue Verschwörung durchzieht augenscheinlich ganz Rußland.
Im italienischen Ministerium kriselte es
*«•: Der Kriegsmimster General di San Marino ist aus dem Amte geschieden; warnm,
Schwadron erlitten hatte, zu seinen Genossen gesagt: „Der Hund muß heute noch Farbe be- kennen oder „noch Blut sehen*. Diese Reden«, art erklärt sich ganz einfach, wenn fie ans da» Pferd bezogen wird, da« er den Abend noch zwischen bie Schenkel nehmen wollte. Aber der »Hund* sollte nun durchau« auf den ermordeten Rittmeister bezogen «erden, und da hat die Redensart keinen Sinn und Schick mehr, «in Ermordeter kann doch keine Farve bekennen; es hat auch »och kein Mörder seinem Opfer angedroht, daß es fein eigne« Blut „sehen* solle. Trotzdem hat die handgreifliche Mißdeutung der Redensart bis in die dritte Anklagerede hinein ihre Rolle gespielt. Aehnliche Mißdeutungen und Vorurtheile find mehrfach vorgekommen.
Wochrrr-Rrmdschrw.
(Nachdruck »erbaten.)
X Fulda, 3. Mai 1902.
Geräuschvolle Festtage hat die badische Hauptstadt Karl-ruhegesehen: Der Gr oßherzog von Baden hat die seltene Jubelfeier des fünfzigstcn Regierungsjahres begangen. Der Kaiser nnd der König von Württemberg haben be« Jubilar auf dem Throne persönlich ihre Glückwünsche dargebracht, und von allen Seiten sind diese Glückwünsche in überau« reicher Zahl eingetroffen. Die Glückwünsche de» Bundesrathes überbrachte Reich-klanzer Graf Bülow en der Spitze einer Abordnung desselben. Der Erzbischof von Freiburg hat ein Hirtenschreiben aus Anlaß der Jubelfeier erlassen, in dem es *. «, heißt:
Der Staat, die höchste Entwickelung be« natürlichen Volkslebens, erhebt sich aus der Familie, wie der Baum aus der Wurzel. Gesundheit und Kraft oe« Heranwachsenden Volke», ei« schönes Maß wahrer Bildung, ein edles Selbstbewußtsein und der Geist echt christlicher Freiheit, der so vortrefflich ein christliches Volk vor dem heidnischen Staat-Wesen auszeichnet — diese und andere Segnungen fließen aus der christlichen Familie dem Volksleben und aus diesem dem Staatrieben zu. Und wenn die christlichen Fürsten ihrer Völker Väter sind, die „ihre Gewalt von oben empfangen haben,* und wenn ihre Völker, „weil sie Gott fürchten, auch ihre Könige ehren* so ist dies das Werk Jesu Christi. Darum soll da« Volk nicht von Christus lassen und nicht auf andere Propheten hören, auf Lehrer des Unglauben» und der Gottlosigkeit. . . . Badens Volk hat wirklich keine« Grund, solchen Berfährern auf die Wege des Verbrechens zu folgen. Verfassungsmäßig und gesetzlich steht es uns ja offen, zur rechten Zeit und a« rechten Orte unsere« Rechten Gelt««, zu verschaffen... Wir find Untertanen eine« edlen Fürsten, welcher reich ist wie an Jahre« und Erfahrungen, so an Tugenden und Verdiensten ...
Was sonst selten vorkommt: Der Großherzog hat den Glückwunsch einer politischen Partei angenommen uub erwidert, nämlich einen Glückwunsch de» Centralvor- f ande« der nationalliberalen Partei. Herr Dree-bach, er Borfitzende der sozialdemokratischen Fraktion des badischen Landtage«, hatte im Auftrage deS Großherzogs vom Hofmarschallantte eine Einladung zu dem Jnbiläumsfestmahle bei Hofe erhalten; die Fraktion hat aber die Einladung abgelehnt, weil---
„bie Vorbereitungen zur Maifeier keine Zeit ließen*. Ob «an in Karlsruhe noch einmal eine solche Einlabung ergehen lassen wird?
Zwei Ersatzwahlen zum Reichstage haben ßattgefunden. In dem hannoverschen Wahlkreise Celle-Gifhorn muß noch eine Stichwahl statt, finden zwischen dem beutschhannoverschen Wahlbewerber v. d. Decken mit 6080 unb dem national«
Im .November 1900 »ar der Rittmeister v. Krosigk mitten in der Reitbahn meuchlings er. schossen worden. Im Juni 1901 war die erste Verhandlung gegen den angeblichen Mörder und seinen Schwager als angeblichen Helfer; beide wurden freigesprochen. 6» wurde Berufung eingelegt und im August 1901 verhandelte da» Oberkriegsgericht nochmal» in der Sache. Der Staat»anwalt ließ diesmal den Mord al» „Todt, schlag* erscheinen und beantragte statt der Tode»., ,------,
strafe zwölf Jahre Zuchchau». DaS OberkriegS« ■utt Marten und Hickel zufällig verschwägert gericht verurttzrilte aber den vermeintlichen Mir. unb nicht glatt auf die Minute ihr Alibi «der zum Tode und sprach den mitangeklagten (Aufenthalt an einem anderen Orte) Nachweisen Schwager zum zweiten Male frei. Zum Glück können, „fo müssen fie e» sein*, war das Oberkriegsgericht nicht regelrecht zusammengesetzt worden, — da« gab dem Reich». Militärgericht die Möglichkeit, da» bedenkliche [ Urthetl der zweiten Instanz zu vernichten. E» tarn nun im April 1902 zur dritten Verband- fang, die nach 14tSgiger gründlicher Prüfung zur Freisprechung der beiden Angeklagten geführt hat. Also der Hauptangeklagte hat eine Ber- nrtheifang zum Tode und zwei Freisprüche erlebt, der zweite Angeklagte drei Freisprüche. Sind nun die Beiden endlich gesichert? Wahrschein, sich, denn wollte auch der GerichtSherr noch Revision einlegen, so würde dieselbe schwerlich ... ________,
Erfolg haben. Der Hauptangeklagte Marten I Pferd in eine sehr ärgerliche Lage gekommen war muß freilich noch, wenn nicht etwa Begnadigung und 'eine schwere Kränfana vor versammelter eintritt, biS zu Mitte Juni im Gefängnißbleiben,1 ÄrJC~*L-----" ' .. ■ - _
»eil er wegen eine» Fluchtversuche» rechtskräftig zu einem Jahre verurthrilt worden ist. Daun wird auch ihm die Freiheit wiedergegeben; aber wie? In seinem Schlußwort vor den Richtern sagte er von sich selbst: „Ich bi« immer mit Leib und Seele Soldat gewesen, wie mein Vater; nun bin ich nur noch ein Schatten.*
Bei der Verfolgung dieses Manne» ist alle- gesetzlich zugegangen; sein furchtbare- Schicksal
lich von den Eiferern beschuldigt, daß er von de" nothweudigstenHilfsmitteln derRechtSpfiege nichts mrstehe. Gewiß, im Mittelalter sagte auch jebe* Fachmann: Die Folter ist unbedingt nothwendig; wie kann man denn ohne da» Hilfsmittel der ^peinlichen Frage* hinter da» Geheimniß de» Verbrechen» kommen? Damals ging e» nicht ohne Foster und jetzt geht e» nicht ohne Jndicien.Be. weis — so lange nicht die fortschreitende Kultur etwa» Bessere» erfunden hat. Abschaffen kann man den Jndicien-Bewei» nicht, aber man kann u»d muß ihn mit der größten Vorsicht und der peinlichsten Gewissenhaftigkeit handhaben, nament* «ch von Vorurtheil und Tendenz sich fteihalten.
Der Vertreter der Anklage im Sumbinner Prozeß gibt ein lehrreiche» Beispiel, wie e» nicht gemacht werden darf. Er fängt mit dem .negativen Beweis* an. DaS ist trotz deS la- teinischen Namens ein volkSthümlicheS Verfahren unter dem Motto: „88 kann kein Anderer
So eine künstlich« Siebung und Sichtung mittel« de« stet« sich verengenden Kreise« kann man machen, um überhaupt auf eine Spur zu kommen. Aber dann muß man immer wieder so vorurtheilßfrei fein, um den Ausgesiebten nicht ohne Wettere» für überführt zu halten, sondern erst noch die positiven, einwandfreien Schuld- beweise suchen. Hier war bie Ueberzeugung de» Berliner Kriminalkommissar« und der Anklage, behörde aber gleich so befangen, daß man dem Angefchnldigten auch die harmlosesten Dinge im bösesten Sinne auslegte. Da hatte ,. B. der Unteroffizier Marten, der durch ein störrisches