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IrrLHcL, Samstag, den 3. Mai 1902

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utsenez Reich

(Nachdruck verböte«,)

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< z>r»ck und V«rl-L Ml Fuldaer Xdt«i6nKt<*«l pete*6«g« kl». 8 (fiavwMU).

Die innere Einrichtung unseres Zeltes bestand in der Hauptsache aus zwei Strohschütten und vier wollenen Koltern. Unsere Manöverkisten mußten als Stuhl, resp. auf die hohe Kante ge­stellt, als Tisch dienen. Am Eingangspfosten des Zeltes war ein Nagel eingeschlagen, an dem bei gutem Wetter der Rasierspiegel aufgehängt wurde. Bei schlechtem Wetter mußte man sich so aut als möglich im dämmerigen Zelt selbst behelfen, denn einen Bart wachsen zu lassen oder die geheimsten Kriegspläne an den Erb­feind verrathen, wurden damals ungefähr als gleich verabscheuungswürdige Verbrechen ange­sehen und geahndet!

War's gutes Wetter, gab es fideles Leben im Lager, besonders Abends und an Sonntagen, wenn der hohe Adel und die Bürgerschaft von halb Kasfel angerückt kam, uns zu besuchen. Trübe, triste und trostlos schauten hingegen des Lagers Gassen bei längerem Regenwetter drein. Das Gehen in dem aufgeweichten Boden war ermüdend, das Marschiren beinahe unmöglich. Am schlimmsten aber waren die Nächte.

Schon bei gutem Wetter brauchte man einige Tage, ehe man sich an die immer etwas dumpfe Luft im Zelt, den Geruch von Stroh und Lein­wand gewöhnt hatte. Mit Eintritt der Nacht, je stiller es ringsherum wurde, desto lebhafter rourde das Krabbeln, Kriechen, Zirpen und Rascheln im Stroh. Im Anfang glaubte ich immer, die Käfer und Mäuse oder was da her­um krauchte, kämen mir direkt in die Ohren oder über das Gesicht gekrochen. Ganz leise raschelte es erst von fern, ganz heimlich kam's heran, immer näher, immer näher, jetzt — da — direkt am Ohr! Wüthend hob ich den Kopf und schlug

Nun wurde die Suppe aufgetragen, Fleisch­brühe mit Fadennudeln. Schade, ich hatte ein Vorurtheil gegen Nudelsuppe. Wenn ich näm­lich in meinen Kinderjahren von Schlangenbad reden hörte, hatte ich es mir stets wie Nudel­suppe vorstellen müssen, und bekam ich Nudel­suppe, mußte ich natürlich an Schlangen denken und diese Jdeenverbindung verleidete mir diese Nahrung ein wenig. Nichtsdestoweniger hätte ich mich, hungrig wie ich war, mit Wonne auf das „Schlangenbad" gestürzt, wenn mich nicht die Wahrnehmung, daß die Suppe etwa zwei Strohhalme dick mit geriebener Muskatnuß be­deckt war, davon abgehalten hätte. Ich warf einen kläglichen Blick auf Freund Kant und dieser, die Zugabe jetzt erst bemerkend, bat sofort mit einem großen Aufwand von lieblichen Wor­ten die Wirthin um einen Teller Suppe ohne Muskat. Die Grebin, welche glaubte, mir wollten aus Bescheidenheit auf die kostspielige Muskat­zugabe verzichten (ihr Mann war „Grebe", ein heut verschwundener Ausdruck für Schulze, Bürgermeister), lachte ihn freudig an: „Wegen dem bißchen Mufchkat machen Sie sich weiter keine Sorge, Herr Leutenant, mr hunn's un mr kunn's".

Was war zu thun? Wir pusteten aus Lei­beskräften, fobald sich die Thür hinter der freund-

Berlin, 2. Mai 1902.

+ S«i«z chrorg vrm ^rerrhe« ist heute Abend 73/* Uhr gestorben. Er «ar am 12. Febr. 1826 al» Sohn des Prinzen Friedrich von Preußen und der Prinzessin Luise von Anhalt-Bernburg zu Düsseldorf geboren. Sein Großvater war der Bruder des Urgroßvater« de« jetzigen Kaiser«. In bett letzten Tagen wurde berichtet, daß der Prinz an einer Herzaffektion erkrankt sei und daß er mit bedenklichen Schwächezuständen zu kämpfen habe. Prinz Georg war General der Kavallerie, ist aber in militärischen Dingen nie hervor­getreten. Seine Neigung galt der dramatischen Literatur, die ihm mehrere Werke verdankt, die meist unter dem Pseudonym G. Conrad er­schienen sind.

h Srirrz Hewrich vsrr Preuße« al» M-ichsrM»-Ka»rbidatr Ja Lübeck stad die Freisinnigen auf den merkwürdigen Gedanken verfallen, den Priszen Heinrich von Preußen als gemeinsamen Kandidaten oller Ordrnmgs- partsibn für die ReichLtagswahl auszustellen, um die Sozialdemokratie aus dem Wahlkreise zu verdrängen. Am nächsten Mittwoch soll förm­licher Beschluß darüber gefaßt werden.

+ In Sache des MtzttSs«-» OerSttSge»- Mvl-w erhalten roir von unserem LandtagS- abgeordneten Herrn Geh. Regierungsrach Dr. Goebel folgende Zuschrift aus Berlin: „In Nr. 98 las man eine beunruhigende Mittherlung auS Geisa. Danach soll der Bah »bau Gerstungen-Hünfeld mit Abzweigung nach Geisa wiederum auf den tobten Strang zu ge- talben drohen ur.b durch die Weigerung BachaS, den betreffen! < Ancheil am Grunderwerb zu übernehmen, das ganze Projekt ernstlich in Frage gestellt werden können. — Ob Vacha der Groteherzo:l. Regierung Schwierigkeiten be­reitet, weiß jch i ht zu sagen. Daß aber letztere den StaatLve - < rag nicht in der Weise durch, führe» «erde, w l et von dem Wetmarischen und Preußischen Landtage «udgiltig genehmigt worden ist, erscheint nach den Erkundigungen, die ich an kompetentester Stelle eingezoqen habe, völlig ausgeschlossen. Tin Grund zur Beunruhigung für die Interessenten liegt also nicht vor."

* Bas diesjährige Je Mahl der Keutrnm»- fretifiott«® des Reichstages und Abgeordneten- Hauses wurde gestern Abend unter zahlreicher Betheilig ang in dm Festfälen des Abgeordneten- Hauses abgehalten. Auch die Mitglieder der polnischen Fraktionen beider Häuser waren a!8 Gäste anwesend. Der Vorsitzende der Cmtrums- fraktion des Reichstages, Graf Hompesch, war durch die Trauer um seine kürzlich verstorbene Gemahlin verhindert, an dem Festmahle theilzu- nehmen. An seiner Stelle brachte der Äbg. Dr. Spahn den ersten Trinkspruch auS und zwar, wie üblich, auf die CerrtrumSwähler bei

England und die „Los von Rom"- Bewegung.

Während in Oesterreich politische Unzufrieden­heit die der katholischen Gemeinschaft entfremde- ten Elemente in die „Los von Rom">Bewegung mit sich sortreißt, in Frankreich durch Versal- gung und Bedrückung der kirchlichen Order, dem ohnehin schwindenden religiösen Sinne des katho« lischen Volkes neue Wunden geschlagen werden und in Deutschland durch führende Leute auf feiten des Protestantismus und des modernen Unglaubens ein regelrechter Preß- und Volks- kulturkampf gegen dt^ katholische Kirche inscmirt und geführt wird, erhebt sich im stolzen britischen Jnselreich immer lauter der Ruf nach Wieder- vereinikiung mit Rom. Nicht nur, daß die öffent­liche Meinung gegenüber der katholischen Kirche ungleich gerechter und freundlicher gewor­den ist, als in der ersten und größeren Hälfte des 19. Jahrhunderts der Fall gewesen, und daß die Uebertritte zur Kirche fortwährend zahl- reich und ansehnlich find, auch die Bemühungen, eine Aussöhnung der anglikanischen Kirche als Ganzes mit der römischen Mutterkirchr anzu- bahnen, nehmen einen ungeahnten Aufschwung und ziehen immer weitere Kreise.

Zweimal während des 19. Jahrhunderts ist non Katholiken der Anstoß zu einer solchen Be­wegung gegeben worden, und zwar seit 1827 durch den Bischof Doyle und dann durch die be­freundeten Konvertiten, de» Pasfionistenpater Ignatius Spencer und Ambros de Lisle (1838 bis 1864). 1864 trat der Anglikaner Pusky an die Spitze, seit 1894 haben die Bemühungen des bekannten Lord Halifax eingefitzt.

Nun erscheint mit einem Male, wie wir dem neueste« Hefte der „Laacher Stimmen" (III, 1902) entnehmen, ein wahrhaft phänomenales Buch aus der Feder eines anglikanischen Geistlichen, der in geachteter Stellung noch tyätig im Kirchenamte stehend, als Lehrer vielfach geschult und erfahren und zu seinem Bischof als Kirchenobern in unge­trübt freundliche« Beziehungen, laut und offen den Ruf nach Wiedervereinigung mit Rom er- hebt. Der Titel lautet: England und der hl. Stuhl. Ein Versuch zur Förderung der Wieder­vereinigung. Von Spencer Jones. Mit einem Vorwort von Viscount Halifax. (England and the Holy See. London 1902. 8°. XXVIII U. 440 p.)

Wir können hier nicht de» Inhalt des Buches skizziren, nicht eingehen auf feinen geschloffenen Gedankengang, der an die nothwendige Einheit der von Christus gestifteten Kirche anknüpfend, das göttliche Ideal der Kirche, wie es in der hl. Schrift klar gezeichnet vorltegt, von den hl. Vätern dort erkannt und selbst im Book of Common prayer stellenweise noch anerkannt worden ist, vor Augen führt und de» Anschluß

lichen Frau geschlossen, das „vlßchen Muschkat" so gut es ging, von der Suppe ab und schöpften die oberste Schicht vorsichtig in unsere Gläser. Umsonst, wir verspürten einen Höllenbrand in der Kehle, als wir die Suppe glücklich unten hatten. Dann gab's sehr zähes Rindfleisch, als Sauce ein braunes Mehlpapp mit Rosinen. Dazu Reisbrei mit Zucker und Zimmt bestreut und stark versalzen. Mit Todesverachtung ver­tilgten wir alles und versicherten unserer freund­lichen Wirthin der Wahrheit gemäß, daß wir ein solches Mittagessen noch niemals genossen hätten und den Aufenthalt bei ihnen niemals vergessen würden. Unseren Dank nahm der Grebe mit herablassender Würde, seine Gemahlin strahlend vor Stolz und Glück auf.

Am 9. September rückten wir in Kassel ein und bezogen sofort das Lager, welches auf den Stoppelfeldern dicht bei Wehlheiden errichtet war. Die Einrichtung unserer Zelte war eine höchst primitive und unterschied sich wenig von den Mannschaftszelten. Wir hatten doppeltes Leinen­dach und theilten zu zwei, die Leute zu acht ein Zelt. Mein Zeltgenoffe war Leutnant Sturm, ein liebenswürdiger, gutmüthiger, wenig geistig begabter Kerl, von einer schier ans Unfaßliche grenzenden Leichtgläubigkeit. Welchen Unsinn hatten wir fchon mit ihm angestellt, wie .viel Reinfälle hatte er schon erlebt, nichts nahm er übel, aber auch nichts kurirte ihn. In einem Punkt aber genoß „Stürmchen" — das war fein Spitzname — die allgemeinste Achtung, er war unbestritten die feinste Weinzunge im Regi­ment und seine Bowlen waren über jedes Lob erhaben. Darauf that er sich denn auch nicht wenig zu gute.

MmMrhmtnmg« trat» alten Lnrhchn.

Halbvergessene Geschichten aus de« 30 er und 40 er Jahren des 19. Jahrhunderts von B. S. C o e st e r.

an Rom mit feinen klar sb^egrexzte» Dogmen, seinem oberste« Lehramt u»b seiner fisten Leitung für die anglikanische Kirche sl« eine Lebensfrage darihut. Wir wollen hier auch nicht auf die glänzende BewriSführMg eingehr«, mit welcher der ausgereiste, Kare, bis in die Tiefen feiner Seele dos Ehrfurcht für die hl. Schriften Md dow Liebe zu Christus und seinem Reich auf Erden durchdrungene Mann die Hauptschwierig. leiten bespricht, die gegen die katholische Kirche ins Feld geführt werden: Glaubensregrl urd Bibellesung, Martenverehrung und Unfehlbarkeit, Exkommunikation und Index, Beicht und Ablaß, Messe und Heiligenbilder, Fälschungen und Jesuiten. Wir möchten nur auf den Geist des Buches aufmerksam machen, der treffend in den Motten des Berfaffers gekennzeichnet ist.

„ES kann doch nicht alS ein Bestnndtheil unserer reliaiösen Pflichten nochzewiesen werden, Rom zu hassen und Roms Lehre zu entstellen."

Der Vrrsaffer will keine Kontroverse, in wel> cher man gegeneinander di« Wahrheit verfechten will, sondern fteundliche Erörterung, in welcher man miteinander die Wahrheit sucht, nicht Fehde, sondern Ausgleich, nicht Abrechnung, sondern Verständigung. Darum hat er auch selbst ein Buch des Friedens geschrieben, das ernt der trostreichste« Erscheinungen int kirchlichen Leben der Gegenwart und eine wundervolle Apologie der tömisch-katholischtn Kirche ist. Spencers „England und der hl. Stuhl" «ährt den Glauben bei katholifchen und anglikanischen Lesern. Darum fördert es auch die Verständigung. Lord Halifax meint in seinem Vorwort:

„WaS unser Berhättmß zur römischen Kirche angcht, mit welchem fich vorliegendes Buch speziell beschäftigt, so kann ich nur glauben, der Geist, weldjcc in diesen Seiten weht, ist ein solcher, dah er — wenn einmal allgemein ersaßt — eine Berände- runq der Beziehungen zwischen Rom und England herbeizuführe« vermag, welche eine Wiedervereinigung zur Möglichkeit machen würde, und dteS ohne daß ein wesentlicher Srundsatz geopfert werden müßte."

Wan« wird wohl in kiefern Äüge der Sc- rechtigkeit und Liebe auS den R Yen ee§ deutsche« Protestantismus heraus e-e so ein« drucksvolls VersöhRungSschrist gchtzr .-^rn und willrg ausgenommen werden? Wer t-.-> neueste Kampsbewegung gegen die katholisch' Ki'che ver­folgt hat, wird, befürchten wir, i« adjehbarer Zeit die dazu nothwendige Stimmung für völlig ausgeschloffen halten. Die deutschen „So« von Rom"-Bewe«er wollen eben die Kontroverse und pflegen dieselbe in tagtäglichen Lilerntursrzmg. Kiffen, sie wolle« nicht den Ausgleich, sondern dis Fehde, nicht Verständigung, sondern Abrechnung. Sie wollen nicht mit uns die Wahrheit suchen, sondern gegen uns. Und was darunter leidet, das ist der Glaube und die christliche Liebe. In England baut man aus, bei uns ist die Zrr- störung das Losungswort, und leider nicht nur fit etliche Führer der neuen antikatholischen Be­wegung, sondern auch für die Massen, welche sie mit" jedem Tage mehr in ihre Bewegung herein- ziehen.

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29. Jahrgang.

de« Reichstaas. und Landtagswahlen. Der Vor- fitzende der Centrumsfraktwn des Abgeordneten- Hauser, Aba. Fritzen, widmete ein begeistert aus- genommenes Hoch dem am Mahle theiluehmenden Pr ästdenten des Reichstags, Grafen Ballestrem, und dem Vizepräfidenten deSAbgeordnetenhauseS.Frhr«. v. Heereman, worauf Graf Ballestrem mit einem Hoch auf den Wahlspruch des Crntnrms Für Wahrheit, Freiheit und Recht" und Frhr.

von Heereman mit einem launige« Tcmkspruch auf die beiden FraktionSvorfitzenden erwiderte. Nachdem dann noch die treue Waffenbrüderschaft zwischen den Cerrtrumsfraktionen und den pol­nischen Fraktionen der beiden Häuser durch ewe« Austausch von Trinksprüchen zwischen dem Abg. Dr. Pichler und dem Vorsitzenden der polnische« Fraktion des Reichstages, Fürsten Radziwill, zum Ausdruck gebracht worden war, und »bg. Trimborn in humorvolle« Worten der Presse gedacht hatte, schloß die Reihe der Trinksprüche mit einem Hoch des Abg. Dittrich aus die Direktorien deS Reichstages und Abgeordneten­hauses. Das Mahl nahm wie immer, einen heitere« und anregenden Verlauf.

h Wsrlue-Ilekrnlerr. Unter den Man», schäften der Reichsmarine werde« gegenwärtig 2764 Süddeutsche gezählt, und von diesen stammen auffälligerweise nicht weniger alS 1737 aus Elsaß-Lsthringe«. Nach Bayern gehöre« 477, nach Baden 310 und nach Württemberg 240. Auch unter den Offizieren. Ingenieuren und See- kadetten gibt es verhältmßmößig sehr viele Elsaß- Lothringer, eine auffällige Erscheinung, deren Gründe schwerlich leicht zu erklären sein werden.

• Zum ch»mvi««er Wordprozetz bemerkt die .Köln. Zlg.': „Es ist mit Sicherheit anzu- nehmen, daß der neue Gerichtsherr nicht in Den Fehler des General- von Alten verfalle«, sonder« den Spruch ohne Weiteres bestätigen wird. Die Verhandlungen find mit solcher eingehenden Ausführlichkeit geführt worden, daß die Annahme ganz ausgeschlossen scheint, daß ei« neues Ver­fahren ei« andere« Licht in die Angelegenheit bringen könnte. Sollte trotzdem noch ei« neues Verfahren beantragt werden, so hätte eS sich auf die Revision zu beschränke«, über die das Rsichsmililärgericht zu urthellen hat. W-nn man nun sagen kau», daß unser neues Militär» gerichtsoersahren fich durchaus bewährt hat, so bleibt aus diesem Prozeffe doch ein trauriger Rückstand zurück, aus dem unsere H-eresoer- waltung sür die Zukunft ihre Lehren ziehen muß: Für Lente wie der Rittmeister von Krosigk ist im deutsche» Heere kein Platz, sie müffen so bald als möglich aus ihm entfernt werden,dennfie schädigen die Disziplin und fie untergraben die Grundlage des Vertrauens und der Willigkeit, die einen Hauptpfeiler unseres Heeres bedeutet. Erschwerend wirkt es, daß die schlechten und disziplinschädliche« Eigenschaften KrosigkS anscheinend be- kannt waren, und daß man eS trotzdem immer wieder mit ihm versucht hat. Wir wissen, welche sehr erklärlichen Beweggründe dafür obwalteten, aber über der Rückfichl auf eisen hochverdiente« alten General müffen die Rück- mit der geballten Faust — a propos, gibt es eigentlich auch ungeballte Fäuste? flatl wie möglich auf das Stroh und augenblicklich trat Todtenstille ein.

Nicht für lange natürlich, dann fing das Spiel von Neuem an.

Wieder ein Faustschlag und wieder schein­barer Frieden, und nun galt es, diese Pause zu benutzen und möglichst schnell einzuschlafen. Das lernte sich mit der Zeit, und was wollten diese kleinen Unannehmlichkeiten auch bedeuten gegen die Qual einer längeren Regenperiode!

Gummimäntel und Decken kannte man da­mals noch nicht, und nur wenige konnten sich den Luxus gönnen, ein größeres Wachstuch mit sich zu führen. Man kroch zusammen so gut es ging und unter den feuchten Decken und Mänteln erwartete man frostzitternd den Morgen. Ein Lächeln des Sonnenzeltes ließ aber besonders uns Leutnants sofort alle diese Mißhelligkeiten vergessen, und im frohen Zusammensein mit den Brüdern, alten und neuen Freunden, verlebten wir, allem Unwetter zum Trotz, herrlich schöne, unvergeßliche Stunden in unferm schönen Kassel.

Die Abschiedsstunde kam uns allen viel zu früh heran. Arn 27. September wurden die Zelte abgebrochen und wieder heimgewandert.

Hatten wir den Hinweg durch Marburg oder vielmehr Oberhessen genommen und die Orte Dornheim, Fronhausen, Kirchhain, Treysa, Sing­lis, Harle, Nieder-Vorschütz, Besse und Ihrings­hausen berührt, so wurde der Rückmarsch durch die Provinz Fulda genommen und in Besse, 'Homberg, Hersfeld, Hünfeld, Neuhof, Steinau und Gelnhausen Station gemacht. Am 6. Ok­tober trafen wir wieder in Hanau ein, hatten

—mit ZlrtterHaltmigs-Mrilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung"