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9«n<iwr in JaU*. * mit Zlnlerhaltungs -Aeikage ^Zllullrirle Sonntags-Zeitung"
- Stu» ent Verlag kf Auldaer Xdinttatikwl Pekwflage St«. 8 (»anntnkK.
JuLöa, Freitag, den 2. Mai 1902.
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29. JahrgMg.
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0 Zum Gumbinner Mordprozeffe find die beiden Angeklagten Marte« und Hickel, wie wir bereits ausführlich in der gestrige« Rümmer der ,Fnld. Ztz.' berichtete», von der Anklage deS Mordes und der Meuterei frei» gesprochen worden. Die Berufung des Gerichtsherrn gegen daS freisprechende Urtheil der ersten Instanz ist damit also verworfen. Der Gerichtshof hat fich uuf den Standpunkt gestellt, daß gegen die beiden Angeklagten schwer wiegende VerdachtSgründe vorliegen, namentlich gegen den Angeklagten Marten. Aber die Belastungsmomente reichen nach der Anschauung des Gerichtshofes nicht aus, um ein Schuldig gegen Marten zu sprechen; und für den Angeklagte» Hickel hat der Gerichtshof gar keine Gründe entdecken .können, die für seine Schuld so stark sprächen, daß eine Brrurtheilung irgendwie zu rechtfertigen sei.
SDamit hat fich der Gerichtshof in Urberein» stimmung gebracht mit de« allgemeine« Volks- urtheil. Die Freisprechung der beiden Angeklagten wird ohne Zweifel überall mit vollkommener Befriedigung ausgenommen, so außerordentlich es auch zu bedauern ist, daß ein solches schändliches Verbrechen noch nicht die Sühne durch ein gerechtes Ttrafurtheil findet, und obwohl das doppelt zu bedauern ist, weil das Der- brechen gerade innerhalb unseres Heeres vorkommen konnte. Es ist freilich schwer, aus de« Wust von Zeitungsberichte« ein sicheres Urrhetl über den Prozeß, über den Werth der vielen Zeugenaussagen und über die Bedeutung aller der vielen Begleitumstände fich zu bilden. Aber der allgemeine Eindruck, der durch den Prozeß heroorgerufen worden ist, dürste ohne Zweifel der sein, daß durch die erneute Verhandlung dieser Sache von dem Oderkriegsgerichts sie VerdachtSgründe gegen Marten nicht zugenommen haben, sondern vermindert worden ftnx Bisher beispielsweise wurde als wichtig der Punkt angesehen, daß Unteroffiziere oder überhaupt Militärpersonen mit steife« Mützen und schwarzen Schnurr- bärte« an der Bandenthär der Reitbahn gesehen worden sein sollen. Nach den Ergebnisse» dieser «eur» Verhandlung muß dieser vorher als wichtig angesehene Punkt als ziemlich hinfällig gelten.!
Auch das Urtheil der ersten Instanz hatte auf Freisprechung gelautet, und zwar auch deswegen, weil das Kriegsgericht den Beweis der Schuld als nicht erbracht erachtete und auch damals stimmie daS allgemeine VolkSurtheil mit dieser Entscheidung des Kriegsgerichtes überein. Dann folgte das erste Urtheil deS Ober-KriegsgerichteS: Mar- ten wurde zum Tode oerurtheilt, Hickel freigesprochen — und selten wohl hat ein Urtheil im Volke eine solche Erregung heroorgerufen, wie dieser erste Urtheil des Ober - Kriegsgerichtes. Ueberall und allgemein vertrat man die Ansicht,
rMmts-SriMMM eines eite» Snheffe».
Halbvergeffene Geschichten auS den 80 er und 40 er Jahren des 19. Jahrhunderts von B. 6. Coester.
6 ------ (Rachdruck verboten )
Als ich fertig war, faßte Adrian mich um die Taille und legte seinen Kopf auf meine Schulter und ich that desgleichen mit ihm, und dann lachten wir, lachten, bis die Thränen unsere goldenen Epaulettenränder trübten, und Kamerad Sturm stand daneben und lachte aus vollem Halse mit O Du herrliches, befreiendes, erlösendes Lachen!
Immerhin war es gut, daß inzwischen die Dämmerung stark herabgesunken war und uns und unser übermüthiges Gebaren etwas verbarg. Ein vorübergehender Bürger, der, in langem Schlafrock gehüllt, ein Hausmützchen auf dem Haupt, eine Pfeife mit schön bemaltem Porzellan- köpf im Munde haltend, wohl im Begriffe war, einen Nachbar zu besuchen, warf uns einen erstaunt mißbilligenden Blick zu, der aber leider nur unsere Lachlust erhöhte. Ich holte nun die drei Holzkeilchen aus der Tasche und bot je eines Sturm und Kant großmüthig an. „Laß mich mit dem Blödsinn in Ruh'," schrie Kant zomig und warf das unschuldige Keilchen in weitem Bogen von sich, „foll ich nicht gleich 'nen Leimtopf mitnehmen oder ein Tischbein, für den Fall, daß der Bauer nur einen dreibeinigen Tifch hat!"
Sturm lachte wieder vergnügt und steckte das Keilchen ein, „man kann nie wiffen," meinte
daß die Beweise für ein Schuldig durchaus unzulänglich waren; «u» hat die zweite Verhandlung vor dem Ober - Kriegsgerichte ergeben, daß daS allgemeine Volksmtheil das rechte war im Gegensätze zu dem erste« oberkriegSgerichtliche« UrtheilSpruche.
Auch diesmal wieder hat der Staatsanwalt einen Antrag auf Verurtheitung der beiden An- zrklagten wegen TodtschlagrS gestellt. Natürlich oll dem öffentlichen Ankläger nicht im entferntere» abgesprochen werde«, daß er seine« Antrag n einer vollkommen festen Ueberzrugung stellte, von der er durchdrungen war. Aber einigermaßen unbegreiflich bleibt dieser Antrag deswegen doch. Denn vor allen Dingen hat ja die erneute Beweisaufnahme das Dunkel, welches über der traurigen That schwebt, ebenso wenig gelichtet, wie die Gerichts-Verhandlungen vorher. Außerdem wird der Herr Staatsanwalt bei sehr wenigen Leuten Verständniß für seine Schlußfolgerung finden, daß es fich wohl nicht um emen mit Ueberleqnng auSgrführten Mord, sonder« um einen Todtschlag handele, begangen in der Erregung. Zu einer plötzlichen Erregung lag doch gar kein Grund vor. War Marten von Haß erfüllt gegen den erschossenen Rittmeister, so sehr, daß er auf de« Gedanken vrifi.-l, ih» umzubringrn, dann lag ohne Zweifel ein über- legener Mord vor, hrrvorgegange« auS den haßerfüllte« Erwäsungen einer längere« Zeit. Da nun aber die Beweisaufnahme zu einer solche« Annahme nicht im mindesten ausreichte, blieb hier nur ein ganz unbestimmtes Entweder — Oder übrig: entweder schuldig der Mordes, oder frei von jeglicher Schuld. Der Staatsanwalt hat doch wahrhaftig nicht den Beruf, auf jede« Fall eint Anklage aufrecht zu erhalten, auch dann, wenn die erbrachten Thatsachen nicht dazu ausreiche«. Wenn diese« Letztere der Fall ist, dann muß doch auch der StaatSanwült die entsprechenden Schlüffe für sich und für sein Verhalten darau« ziehen. Auch ist e« geradem widersinnig, eine Handlung des Marten im.Affekt" und gleichzeitig auch eine Theilnahme de« Hickel an dem Verbrech.» anzu- nehmen. Wer im „Affeki" handelt, in einer heftigen E.regung des Augenblicke«, N r sucht sich doch nicht et ft mit* vulm Umschim n Theil- Nehmer zur Ausübung der That, fordern stürzt nach der Waffe, sucht die geeignete Deckung, schießt und tödtet, vorausgesetzt daß der Schuß trifft. Aber so etwa« wie eine Verschwörung im Affekt anzunehmen, bedeutet einen unmöglichen Widerspruch in sich. Der Herr Staat« anwalt mag also von seiner Anklage selbst vollkommen durchdrungen gewesen fein; aber ein Meisterstück der durchdachten Klugheit hat er damit ganz gewiß nicht abgelegt.
Nach allem Voraufgegangenen ist nicht anzunehmen, daß da« freisprechende Urtheil noch einmal von irgend einer Sette her angegriffen werde. Voraurfichtlich wird es vielmehr bei der Freisprechung bleiben, denn es liegen Gründe zu einer erneuten Revision ganz augenscheinlich nicht mehr vor.
er. Ich aber war leichtsinnig wie mein Freund Adrian und warf das Ding weg.
Der erste September, der Tag des Abmarsches war herangerückt und froh bewegt ging's in die weite, weite Welt. Je höher die Sonne stieg, um so tiefer sank freilich unser Frohmuth, und als wir unser erstes Nachtquartier glücklich erreicht hatten, war ich vor Müdigkeit kaum im Stande, etwas zu essen und taumelte, nachdem ich mich durch ein großes Glas Buttermilch herrlich erquickt hatte, förmlich in die hochgewölbten Kiffen des ländlichen Lagers. Aber trotz aller Müdigkeit vermochte ich nicht einzuschlafen, wegen des Geruchs von schlecht gereinigten Federn, der den Kissen entströmte. Er nahm mir den Kopf ein und verursachte mir schließlich solche Uebel- keit, daß ich aufstand und den Tiefen meiner Manöverkiste ein frisch gewaschenes Hemd entnahm, auf welches ich alsdann meinen müden Kopf bettete. Mit Wonne sog ich den Dust des frischen Leinens ein (Shirtinghemden zu tragen, war damals noch als gräßlich unsolid streng verpönt!), und hätte mich nun endlich der wohlverdienten Ruhe erfreuen dürfen, wenn nicht Freund Kant, der das Zimmer mit mir theilte, durch wiederholtes Lichtmachen und Aufstehen mich daran verhindert hätte. Er konnte aus anderen Gründen nicht schlafen, der Geruch ge- nirte ihn nicht, aber er war, wie er wüthend auf mein ärgerliches Ersuchen, endlich ruhig zu sein, bemerkte, leider Gottes nicht so „dickfellig" wie ich, und ertrüge die Biester nicht mehr. Ich murmelte etwas von „dicknäsig" in den Bart und sah dann, schon halb im Traum, nur noch, wie er den gelben Wachsstock in der Rechten (ein solcher gehörte selbstverständlich damals auch zum
Berlin, 1. Mai 1902.
X Der Zteichslagvpräfideat chras Aakkefirem wirs feit einiger Zeit in heftiger Weise i« polnische« Blättern ««gegriffen, und seit mehr als Jahresfrist wird im Stille« in seinem Wahlkreise unter de« Polen gegen ihn agitirt. Es war einige Zeit ruhig geworden davon. Jetzt wird von neuem gegen den Grafen Ballestrem Sturm gelaufen. So läßt fich jetzt wieder der.Wielkopolani«' vernehme«: Da auf die Anftage, wann die Interpellation Radziwill wieder auf die TagrSoronung deS Reichstages gefetzt werden soll, der Präsident trotz der ange- droluen polnische« Obstruktion den Pole« nicht zu Willen war, müßten die Wähler dem Grafen einen Denkzettel geben. Die oberschlefische polnische Presse habe die Pflicht, dementsprechend zu agitire« Denn es liege im Jntereffe der Polen, jene Interpellation zu besprechen u s. w. u. s. w. Dazu ist erstens zu bemerke», daß die Urheber jener Interpellation selbst auf die weitere Besprechung derselbe» verzichtet habe«, weil dieselbe Angelegenheit ausführlich im preußischen Landtage besprochen worden ist. Zweitens ist nicht anzunehmen, daß die oberschlefische polnische Presse den Wunsch erfüllen wird, de« man i« der vorher angeführten Weise an ihre Adresse richtet. Die oberschlefische Polenpreffe hat ausdrücklich die gemeinsame und übereinstimmende Erklärung abgegeben, daß in Oberschlefien die Polen für daS Centrum eintreten müffe«; fie kann doch nicht jetzt fich selbst widersprechen. Und drittens würde Graf Ballestrem in der voraurfichllick eintretende« Stichwahl auch ohne die Unterstütz »q der Polen gewählt werde«, und diese rou o?« dann zwischen den bekannte« zwei Stühlen auf der Erde fitze«. ES ist nicht anzuuehmen, vatz fie auf so thörichte Rathschläge höre« sollten.
X Arr-Llä » fche ArSeiler. In vrrschie- denen Blätterr, k-uste man während der letzten Zeit Klagen da. über lese«, daß in unnöthtger Weise auSlänoische Arbeiter anstatt deutscher Arbeiter bei öffentlichen und anderen Arbeiten beschäftigt würden. Wenn daS wirklich in un- »öthiger Weise geschieht, bann ist es auf jeden Fall zu verurtheilen. Aber die Ansichten darüber, ob daS unnöthig ist oder nicht, können verschieden fei«. So kann man beispielsweise sehr gut begreifen, warum bei gewissen Erdarbeiten neben dem scheu auch ausländische Arbeiter aagestellt werden, unter anderen auch bei den Arbeiten am Teltow-Kanal. Es klingt ganz einleuchtend, wenn in diesem Sinne von der Bauleitung desselben einem Berliner Blatte geschrieben «ird: „Die Schuld daran, daß bei Bau deS T llow-Kanals im vergangene» Jahre vorwiegend Ausländer beschäftigt gkw.'sen find, tragen weder der TUtower Kreis, noch die U»° ter« , hm er. ES ist pber deutsche Arbeiter ein
gestellt worden, der fich gemeldet hat. Die Zahl solcher Arbeiter war aber eine sehr geringe, und in de« «eisten Fällen haben die deutschen Arbeiter «ach kurzer Zeit, meist schon nach wenige« Tagen, die Arbeitsstelle freiwillig verlassen. DaS mag hauptsächlich daran liege«, daß sich die deutsche« Arbeiter für derartige schwere u«d zum Theil gesundheitsgefährliche Arbeiten... wo oft wochenlang im Wasser gearbeitet werde« muß, nicht eignen. Die fremden Arbeiter . . . fett Jahre« bei Tirfbauunternehmunge« regelmäßig thätig . . . besitzen auf diesem Gebiete eine größere Leistungsfähigkeit und Widerstandsfähig- kett gegen die nachtheiligen Einflüffe so schwieriger Arbeiten." Solche Srüaoe muß man gelte« lassen und mögen in ähnlicher Welse auch anderwärts den Ausschlag geben für die Beschäftigung ftemder Arbeiter. UebrigenS ist fest- zustellen, daß sehr viele der von auswärts ge- kommenen Arbeiter, namentlich auch Pole», »och ohne Beschäftigung find. In ihrer Hrimath fehlt eS an Landarbeitern. In der Fremde laufen jetzt die armen Leute zum Theil ohne Arbeit umher. Gibt es denn gar kein Mittel diesem Unfug ei« Ende zu machen?
n Jur Aranutmsi« Novelle. Reichskanzler Graf Bülow hat Mittwoch Abend empfangen die Herren von Graß-Klani», Vorsitzender des Vereins für Spiritusindustrre, Freiherr zu Putlitz und Amtirath Säuberlich- Goerbitz zu längerer Unterredung. Natürlich hat es fich dabei um dar Branntweinsteuergesetz gehandelt.
X Jncker-N-rl-s- ««* Inster-J*- dnfirie. Die Vertreter der deutschen Zucker- Industrie haben bereits vor einiger Zeit eine Versammlung in Berlin abgehalten und fich darin mit den Bestimmungen der Brüsseler Konvention beschäftigt. Jetzt soll an diesem Frei- tag und Samstag eine neue solche Versammlung abgehalten «erden, um auf Grund der Vorlage, die dem Reichstage zugegangen tst, endgiltige Beschlüsse zu fasse« und den gesetzgebende« Körperschaften zu unterbreite». In diese» Tage» hatte der Vorfitzende deS HauptauSschuffe» deS Vereins deutscher Zuckerindustrttllrr eine Audienz beim Reichskanzler Grafen Bülow, die natürlich auch mit der Zucker-Vorlage in ursächlichem Zusammenhänge stand. Reichskanzler Graf Bülow soll den Wunsch geäußert haben, die Vorlage kurzer Hand noch vor der bevorstehenden Vertagung deS Reichstages zu erledigen; und that« sächlich soll dieser S-ckwurf schon in de« ersten Tagen der nächste« Woche den Reichstag beschäftigen. Ob in diesem Falle Berathung und Erledigung zusammenfallen werden, bleibt abzu- «orte«. Sehr interessant ist eine Aeußerung deS österreichischen Fi«a«zministerS über bk Brüsseler Abmachungen und ihre muih- maßliche Wirkung, wenn fie vollzogen werden sollten, eise Aeußerung, die in ihrem Wortlaute erst nachträglich bekannt geworden ist, weil fie bezeichnender Weise in dem entsprechenden Telegramm deS cffiz öftn TeiegrophenbureauS unter- drückt wurde. „Leider — so sagte der Minister — wird der durch die Brüsseler Zuckerkonferenz g?a?bere Zwang zur Ein-
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eisernen Bestand der Manöverausstattung), zur Thür hinausging, mit der Absicht, die Nacht im Pferdeftalle zuzubringen.
Außer dem Bett ist mir aber auch das erste Mittageff en in dem Hause meiner biederen Quartierwirthin für immer im Gedächtniß haften geblieben. Ländlich einfach, gab es für uns beide Offiziere nur einen riesigen Kump grünen Lattichfalats, eine Schüssel Kartoffeln und einen Teller voll leider steinhart gekochter Eier. Der Salat war nach dortiger Sitte nur mit sauerem Schmand angemacht, wir vermißten an ihm, aber auch zu den Eiern sehr, ein wenig Salz.
„Aber dem kann Frau Rupp doch abhelfen," meinte Kant und schrie mit Stentorstimme den Namen der braven Wittib.
„I," meinte die Erschienene, „das können Sie haben, Salz habe ich immer im Haus."
Sie ging, sie kam wieder — und hatte das Salz in ihrer Hand, einer Hand, die — ich suche nach einem Ausdruck — vermuthlich am Sonntag zum Kirchgang gewaschen worden war, seitdem nicht wieder. Und das Weib — Gott verzeih es ihr — nahm das Salz zwischen die „Maus" ihrer beiden Dreckpfoten und zerribbelte es auf diese Weise über dem Salat. Wie eine Mischung von Salz und Pfeffer legte es sich auf die jugendgelben Blatter des Lattichs. Ich warf Kant einen kläglichen Blick zu, hätte aber beinahe wieder lachen müssen, als ich feine vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen bemerkte. Ländlich — schändlich!
Na, Mutter Rupp hatte kaum daS Zimmer verlassen, als wir mit unendlich zarter Sorgfalt die obersten Blätter des Salats entfernten und zum Fenster 'rauswarfen. Die Hühner stürzten
fich nur so darauf, das darauf gestreute Gewürz schien ihnen bekannt; dann ging ich in die Küche und bat Frau Rupp um „noch ein bischen" Salz.
Sie war sehr erstaunt und prophezeite uns, wir würden einen ganz „eiligen Dorscht" auf so viel Salz bekommen.
Bei dem nächsten Quartier trafen wir es um vieles besser. Diesmal durften wir unsere müden Leiber behaglich in den zwar auch bäuerisch schweren, aber doch reinlichen und geruchlosen Betten eines reichen, sogenannten „englischen" Bauern, ausstrecken. Diese englischen Bauern stammten keinesfalls von Engländern ab, sondern wurden deshalb so genannt, weil ein gemeinsamer Urahn einst nach Großbritannien aus- qewandert und dort als mehrfacher Millionär ohne Hinterlassung von Leibeserben gestorben war. Die Erbschaft zerfiel zwar in unendliche Theile, da keine näheren Verwandten existirten, es kam aber doch auf jedes Haupt dieser an» pruchslosen Menschen eine ganz bedeutends Summe.
Selbstverständlich erfuhr dieser unerwartete Segen in der Hand der Besitzer meist eine sehr wunderbare Anwendung. So war es mit das erste, daß sämmtliche englische Bauern ihre Söhne in das Kadettenhaus nach Kassel schickten, ein Schritt, der den Kurfürsten in eine ohnmächtige Wuth versetzte, da er verfassungsgemäß, wenn die nöthige Vorbildung vorhanden war, nichts dagegen einwenden konnte. Aber von 'tiefen ihm aufgedrungenen „Engländern" brauchte er nur einen zum Offizier zu machen, die andern wurden schon vorher vpn ihren Vätern aus der Kriegsschule wieder herausgenommen und widmeten fich wieder, zum größten Thett wenig»