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mit Zlnierhattungs-Meikage „Iüuflrirte Sonntags-Zeitung"

/ Druck und Verlar 6<f Stibare Xditnintitmt peteuegaffe Nr. e CBormraie).

)(Vereins- und Bersammlungsrecht.

Beim Reichstage sind in sehr großer Anzahl Petitionen eingegangen, welche die Schaffung eines rindeitlicken deutschen Vereins- und Versew.wlungs. rechtes verlangen, und gleichzeitig unch zum Thrit die Gewährung dxr gleiche« R-ch^ an Frauen wie an Männer. Sckon einmal hatte die Peti­tions-Kommission des Reichstages» darüber Bericht erstattet, nämlich in der Sitzung vom 8. Mai 1901. Seitdem sind wiederum zahlreiche Peti­tionen derselben Sinnes eingelaufen, so daß eine erneute Verhandlung darüber in der Petitions- Kommission notwendig wurde.

Die Kommission hat neuerdings in demselben Sinne beschlossen roi- schon früher. Sie hat zwischen zwei verschiedenen Fragen unterschieden, nämlich zwischen der Schaffung eines einheitlichen Bereins- und Versammlungsrechtes auf der einen und der Gewährung der gleichen Rechte an die Frauen wie an die Männer auf der andern Seite. Die Kommission hat daher beschiessen, folgenden An­trag zu stelle«:

Der Reichstag wolle beschließen:

1) Die eingegangenen Petitionen in Punkt 1 ^Schaffung eines Reichs« Vereins- und Versamm- tlungsrechtes) dem Herrn Reichskanzler zur B-rück- fichtisunq zu überweisen.

2) Die gleichen Petitionen in Punkt 2 (Gleich­stellung der Frauen mit de» Märnern in diesem Gesetzt) nur insoweit dem Herrn Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen, als de» Frauen die Theilnahme an Vereinen und Ver­sammlungen gestattet werde» solle, in denen die BerufSiutereffen derselben zur Verhandlung ge­langen, im übrigen aber über die Petitionen zur Tagesordnung Überzugehe».

Der erste Thetl deS Kommisfionsaetrages entspricht der Stellung einer sehr starke» Reichs- tagSrn hrhett. liebet den zweiten Theil ist zu streiten. Neuerdings geht, wie bekannt, eine kräftige Bewegung dahin, den Frauen auch die Mitgliedschaft von sozialpolitischen Vereinen zu eröffnen — eine Forderung, die durchaus zeit« «ist und auf die Dauer nicht versagt wer- nn. I« diesem Sinne müßte der zweite 'Theil des Antrages der Petttions-Kommission ergänzt werden. Die Frau ist unentbehrlich bei der sozialpolittschen Arbeit, und de-wegen müssen Ihr folgerichtig auch die sozialpolitische Vereine und Versammlungen offen stehen. Daß neuer­dings durch eine Ministerverordnung in Preußen Frauen als bloße Zuhörerinnen bei Versamm­lungen zugelassen werden sollen, ist in den letzten Lagen bekannt geworden.

O Ein Schreckens-Regiment.

Es erschien ganz erklärlich, daß die Fivländer endlich einmal die Geduld verloren und es mit lärmenden Straßenkundgebungen versucht haben

InrteaeMtiiitnmgti riet» eite« LmhOu.

HÄbver,essen« Beschichten aus bat 80 et unb 40 er Jahren be8 19. Jahrhunderts von B. S. Boe stet.

■4 ------- (Nachdruck verboten.)

Regungslos hatte der Angeklagte die Rede mitangehört, auf seinem blassen Gesicht war weder Staunen noch Schrecken zu sehen. „Darf ich mir die Klinge ansehen?" fragte er dann. — Sie wurde ihm gereicht. — Er betrachtete sie von allen Seiten und stteß endlich einen leisen Ruf der Ueberraschung aus. Dann zeigte er auf eine Stelle des Degens, und bat den Vorsitzenden, den Namen zu lesen, welcher sehr klein, aber deutlich an der bezeichneten Stelle eingravirt war. „Baron von Qualla, Eetinje 1830." las der Vorsitzende erstaunt. „Ja, Baron Qualla", bestätigte Junker mit traurigem Kopfnicken, „dieser Name bringt Ihnen und mir die Lösung dieses Räthsels, welches .mit fast den Verstand Cet hat. Qualla war am Tag vor jenem icksmorgen bei mir, und hat offenbar beim

Weggehen unsere Degen verwechselt." —

Diese Erklärung war allerdings sehr ein­leuchtend und der Vorsitzende sandte sofort einen Moten, der den Leutnant Baron Qualla herbei- holen sollte.

Der Gesuchte war bald zur Stelle und be­stätigte in vollem Umfang das von Junker be­hauptete Vorkommniß. Ebensowenig wie Junker, war ihm die Verwechslung der Dege» bis dahin zum Bewußtsein gekommen. Ganz unglücklich wat der junge, liebenswürdige aber leichtlebige

ES

Iuröa, Mittwoch, de» 30. April 1902.

29. Jahrgang.

sollten, da alle anderen Vorstellungen nichts halfen. Und dennoch erregte es vielfach Ueberraschung, daß die sonst so ruhigen Finnen auf einmal ihren Volkscharakter verändert haben sollten. Genauere Nachrichten aus Hrlfingfor« stellen nun auch wirk­lich die Vorgänge in Helsingfor» und neuer» din-s auch in Wiborg in eisern ganz andern Lichte dar, als die Telegramme des offiziösen Drahtbureaus. Gibt e« wirklich Unruhen in Ruß« land, wie neuerdings unter den Bauern in Klein- rußlsnd, dann erfährt man davon im Auslande wenig ober gar nichts. Deswegen war die sofortige und ausführliche Berichterstattung über die Vor­gänge in Helsingfor« einigermaßen überraschend und an sich greignct, Mißtrauen zu erwecken. J-tzt kommt es heraus, daß alle die Straß en- kämpie hervor gerufen wurden durch die Kosaken.

Das ist richtig, daß von 870 einbernfenen Leuten nur 38 sich eingefuuden hatten, darunter 31 Urtaugliche. Auch das ist richtig, daß die versammelte VolkLmenge die russischen Polizei­leute mit höhnischen Zurufen empfing und andere mißliebige Beamte und Senatoren ebenso be­handelte. Aber von irgendwelchem gewaltthätigen Angriff der Menge war keine Rede. Man drängte stch auf der Straße, lärmte, pfiff und schrie — sonst geschah nichts. Da auf einmal kam eine Schwadron Kosaken argessrengt und machte einen Angriff gegen die versammelte Menge. Die Kosaken ritten dabei auch auf die Bürgersteige und hieben mit ihren Nagajken (Knuten) auf die Menschen ein, die dort gant ruhig standen. Die Kosaken verfolgten sogar flüchtende Menschen in die Häuser und Studenten di« in die Universität hinein, und viele Herren, die die anwesenden Damen vor den Knutenhiebcn der Kosaken zu schützen suchten, wurden von diesen mit Säbel­hieben scheußlich zugerichiet. Mehrfach wurde dieser wüste Angriff wiederholt; oft sö, daß eine Abtheilung Kosaken die Menschen in eine Straße Hineindrängien und bann eine andere Abiheilung Kosaken von bet andern Seite kam und in die dichtgedrängte Mass« einhieb. Diese« wüste Schau­spiel, dem ver Gouverneur General Katgorodoff mit vielen berittene» russischen Offizieren zusah, währte von Nachmittag« vier bi» Abend« neun Uhr.

Um neun Uhr wurden die Kosaken zurückge- zogen, und sofort wurde alle« wieder ruhig. Ueb al« um dieselbe Stunde eine Kompagnie de« national - finnischen Gardebataillons übet den Senatsplatz marschirte, wurde ee von der Menge mit freudigen Zurufen begrüßt und in derselben Weise b!« in die Kaserne begleitet. Die Verant­wortung für die blutigen Vorgänge fällt auf die jenigen, die den Befehl zum Marschiren der Kosaken gaben.

Dtutsc

Reich

Berlin, 29. April 1902.

h Hex Toleranz Avtrag bre Kevtr««» wird imReichStaee voraussichtlichamDonners-

tag an dir Reihe kommen. Die Sozial­demokraten werden dabei, da eS bet erste Mai ist, durch Abwesenheit glänzen!

+ Aertagrmg des Mich« tag es. Im Seniorenkonvent des Reichstage» ist heute (Dienstag) die Frage von der Vertagung des Reichstage« auch offiziell zur Sprache gekommen. Allgemein ist der Wunsch ausgesprochen worden, eine Vertagung des Reichstage« noch vor Pfingsten eintrete» zu lassen; und man bezeichnete als den äußersten Zeitpunkt für diese Vertagung den 16. Mai. Die Geschäftslage läßt fich aber noch nicht penügeud übersehen, sodaß ein bestimmter Tag fich heute auch noch nicht festsetzen ließ.

ft DirnstpMcqt in den SchntzgeSieten. Dem Reichstage ist ein Gesetzentwurf über die militärische Dienstpflicht in den Schutzgebieten zugegavgen. Derselbe bestimmt, daß auch außer­halb von Deutsch-Südwestafrika lebende aus­ländische Reichrangehörige ihrer Dienstpflicht in diesem Schutzgebiete genügen können. Die Be­stimmung ist von besonderem Werthe für die Reichsangehökigen, b’e im Ksplande leben.

X Aie englischen KsrnzSSe verursache» »och immer Aufregung in dem fteihändlerische», demokratischen und sozialdemokratischen Lager. Jetzt ist es den Sozialdemokraten schwer aufS Herz gefallen, daß im britischen Unterhause ja auch „Genossen" sitzen, elf an der Zahl, und daß auch diese gar nicht- zu sagen für «öthig befunden haben gegen diesen entsetzlichen „Brodwuchn". Die Sozialdemokraten im britischen Unterhaufe haben zwar gegen die Einführung der Kornzölle gestimmt; aber keiner von ihnen hat ein Wort darüber gesagt, und nun ist das Berliner sozial­demokratische Zentralorga» tief betrübt darüber und höchlichst entlüftet. Unter einem sozialdemo­kratische» Handelsmintster in Frankreich hat dieses Land außerordentlich hohe Einfuhrzölle für Ge­treide, ohne daß auch nut ei» einziger sozial­demokratischer Widerspruch sich dagegen erhöbe. In der Schweiz tritt im Interesse der Kleinbauer» ei» sozialdemokratischer Arbeitersekretär für die Einsühruug starker Kornzölle ein. In England schweigen alle „Genossen", wenn dort ganz neu m d gänzlich gegen alle bisherigen Überlieferungen ein Setreidrzoll eingeführt wird---Die

deutsche» „Genossen" stehen in der ganzen weite» Welt mit ihrem Jammergeschrei vom „Brod- und Fleischwucher" ganz allein und verlassen da, und alles Zetern und Schimpfen hilft ihnen nichts dabei und bringt ihnen im Auslande keine Ge­sinnungsgenossen. Regt sich bei ihnen etwa schon so etwas wie ein ferner Gedanke, daß sie sich damit noch schauerlich blomiren werden? Daß daS kommen wird unb muß, steht fest und ist unausbleiblich. Rar einsehen können es die Herren „Genossen" noch nicht.

+ Die KrSarmrrg vo« Mohnhänsern für Ilvterveamle« hat eine erfreuliche Rolle gespielt in bet letzten Konferenz bet Vortragenden Räche des Reichspostamtes, über deren Inhalt man jetzt einiges erfährt. ES liegt danach ein eingehender Plan der ReichSpostverwaltung vor über Sicherstellung einer zweckmäßige» und gediegenen Ausführung von Wohnhäusern für Uuhrbeamte, und dieser Plan soll auSgeführt

Gesell, als er die Folgen übersah, die sein Ver­sehen veranlaßt. Die Thränen liefen ihm über die Wangen, als er Junker in unserer aller Gegenwart bat, ihm die schweren Stunden, die ihm sein Leichtsinn bereitet, verleihen zu wollen. — Mit trübem Lächeln ergriff Junker die dar­gebotene Rechte. „Ich verzeihe Ihnen gern, aber meine Verzeihung ändert nichts an der Thatsache, daß ich ein Menschenleben vernichtet, daß ich" — er stöhnte qualvoll auf — „ein Mörder bin." „Junker", rief ich entsetzt, „wie können Sie so etwas sagen, kein Mensch wird das denken, Sie sind doch ganz unschuldig." „Um Himmels willen, Herr Kamerad", bat nun auch der kleine Baron, „sagen Sie so etwas nicht. Ebensogut müßte ich mich dann als Mörder betrachten. Das furchtbare Unglück war lediglich eine Folge meines Leichtsinns, ach, wie oft hatte ich mir schon vorgenommen, den Degen abschleifen zu kaffen, — und des Zusammentreffens traurige Zufälle." „Sie mögen ja recht haben, Herr Kamerad," entgegnete Junker, „aber alle Ihre Reden machen den Tobten nicht wieder lebendig und ich — ich habe ihn getobte!!" — Dabei blieb der Unglückselige. Der von ihm erbetene Urlaub wurde ihm anstandslos bewilligt. Wo et die sechs Wochen verbracht, sagte er niemand, und keiner wagte, den jetzt ganz menschenscheuen Mann darnach zu fragen. Später hörten wir, daß er die Angehörigen des Erstochenen besuchte, und daß er diesen armen Schwälmer Bauern eine namhafte Unterstützung zukommen ließ. Kein Zweifel, er hat gehungert, um es möglich zu machen. Außer im Dienst, sah und sprach ihn kein Mensch mehr, und er sah aus wie ein am Tage wandelndes Gespenst.

Als der Unglückstag sich jährte, fand man den Armen tobt. Er hatte sich in die Stirn geschaffen und nur zu gut getroffen. Seine Papiere hatte er vorher alle sorgfältig verbrannt, nur auf dem Reißbrett lag ein Zettel, der die wenigen Worte enthielt: „Herr Gott, vergib, ich kann nicht mehr."

Wir sind alle mitgegangen, keiner fehlte, als wir ihn zur letzten Ruhe trugen. Der arme kleine Qualla schluchzte wie ein Kind an dem offenen Grabe. Auch der milde, alte Prediger von St. Marien hatte sich uns angeschlossen und sprach ein „Vater unser" an der Gruft. Mehr als eine ganze Predigt lag in dem innigen, aus wahrhaft christlichem Herzen kommenden Ton, mit dem er die Worte sprach: „Vergib uns unsere Schuld, wir auch wir vergeben unsere» Schuldiger»!" —

Armer, armer Kamerad, Gott schenke dir die ewige Ruhe. —

II.

Manöver.

Ich weiß nicht, wie heutzutage die Leute über das Manöver denken — unter Leuten ver­stehe ich nicht die beteiligten Civilisten, Bürger­meister, Quartiergeber rc., sondern die Leute vom Militär, Offiziere und Soldaten —, zu meiner Zett war das ja nur alle drei Jahre stattfindende Manöver eine mit Wonne begrüßte Abwechslung von dem drückenden Einerlei des Dienstes. Dies traf besonders für die Garnisonen von Hanau und Fulda zu, denn die daselbst lagernden Truppe» maschirte» alle »ach Kassel, wo sie sich mit dem dortigen Militär vereinigten und in einem Zeltlager Unterkunft sande». Da hatte man

werben „durch Einwirkung bautechnischer Kräfte". Diese halbamtliche Andeutung ist so unbestimmt, daß man genauere Schlüsse nicht daraus zi-be» kann. Immerhin ist es erfreulich, daß man überhaupt in so intensiver Werse mit dem Bau von Beamtenwohnungen sich beschäftigt.

• chnrnSinnen, 29. April 1902, Jrn Krosigk-Prozesse wurde heute die Beweis­aufnahme aeichloffe» unb die weitere Verhand­lung auf Mittwoch 9 Uhr Vormittags vertagt. Morgen finde» die Plaidoyers deS Vertreters der Ä? klage und der Verthetdiger statt.

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Aus dem Reichstage-

- 177. Sitzung vom 29. April 1902.

Nach kurzer Debatte wurde heute (DieuStagt a» die Rechnungskommisfion zurückverwlesen die Ueberstcht der Emnahmen und Ausgabe» deS Reiche» tm Jahre 19°°bbne jegliche Debatte wurde in erster Lesung er­ledigt und m zweiter Lesung angenommen de, Nachtrags etat für 1902 für hilfsbedürftige KriegStheilnehmer.

Alsdann folgte die Ge sammtabftimmung über die SeemannSordnung. Dav Gesetz wurde mit allen Stimmen gegen diejenige» der Sozialdemokrat«« angenommen. Dasselbe geschah mit den seerechtuch«»

Wek^erhin wurde die zweite Berathur.g deS Gesetz, «ntwurfes über dou Gerichtsstand der Presse fortgesetzt. ES liegen einige AbändrrungSa«- ttäl)‘ Antrag Beckh und Gen. (steif. Bp.): Für die periodische und die nicht periodische Press« eine» einzige« und ausschließlichen Gerichtsstand festzulegen und »war am Orte deS Erscheinens —

2) Antrag Albrecht und Gen. (sozd.) in demselben Sinne, außerdem aber besondere Bestimmung enthaltend über das, waS man unter „Ort deS Erscheinens* »u verstehen ha^Hrag @auIle,OTftner-Meiningen zu Antrag 2, diesen in einem unerhebliche» Punkte ab- a”be6taatifet«tät MeSerdiug bat um dieAblehnung aller dieser Anträge. Namentlich bekämpfte er da« «erlange», de» ausschließlichen Gerichtsstand für die nichtperiodische Presse am Orte des Erschein«» »n schaffen, und behauptete, für den Prioatkläzerser der »wette Gerichtsstand an dem Wohnorte deS Beleidigte« unertoßlich.^ stimmte grundsätzlich dem

Anträge Beckh zu, rieth aber »um Friede», um nicht daS Ganze zu gefährden. Ganz andere Anschauungen äußerte der sozialdemokratische

Ab«. Aeine, indem er auSsührte, man müsse Schwierigkeiten, die etwa entstehen tonnten, ruht, in Kauf nehmen, dürfe aber auf keinen Fall auS Furcht vor einigen solchen Schwierigkeiten zu Ungerechtigkeiten gegen die Press« fich verleiten lassen.

9 9 «bg. Brckth (stets. Bp.) bezeichnete die «orlag, in ihrer jetzigen Fassung alS etwa», daS man nicht al» einen Fortschritt bezeichnen könne: letzt solle \a der fliegende Gerichtsstand ausdrücklich gesetzlich festgelegt werden für die nicht periodische Presse.

Der kons. Abg. Dr. Hertel empfahl die Einbe. ziehung der nicht periodifchen Druckschriften in da« Gesetz: denn eS sei unerfindlich, warum tm Bereich« de» Strafprozesses ein Unterschied solle gemacht werben beispielsweise zwischen regelmäßig und unregelmäßig erscheinenden Flugblättern und Flugschrifte» irgend einer Partei. Die Mehrheit seiner Partei werde daher, wie er glaube, mit ihm für Streichung deS Worte» .periodische" in dem ersten Paragraphen stimmen. Im übrigen nannte eS der Redner gerade,» ei« nobile officium der Presse, auf den ausschließlichen Gerichts­stand am Erscheinungsorte insoweit zu verzichten, alS e« sich um PrivatbeletdigungSklagen handelt.

Der frets. Abg. Praeger vertrat de» entgegen- gesetzten Standpunkt. Er wies ,ur Begründung de»«

also, wenn der Dienst erledigt, Gelegenheit, die bescheidenen Vergnügungen der Residenz zu ge­nieße» , man besuchte Verwandte und Freunde und feierte manch fröhliches Wiedersehen mit alten Kameraden.

Im großen und gangen nahm man damals sehr selten Urlaub, denn das Reisen war damals nicht nur langwierig, sondern auch, für unsere meist schmalen Börsen, ein viel zu kostspieliges Vergnügen. Da war es wieder das Manöver, welches mancher Mutter Gelegenheit gab, ben geliebten Sohn wieder mal in ihre Arme schließen zu dürfen.

Es ist daher erklärlich, baß ich, als mir der Regimentsadjutant die Mittheilung machte, die Ordre, daß wir in acht Tagen marschiren mürben, sei eben eingetroffen, in besonders froher Laune durch Hanaus faubere, aber langweilige Straße» eilte und mir in Gedanken das frohe Wieder­sehen mit den Brüdern — die treuen Mutter- äugen hatten sich schon lange zum ewigen Schlaf geschlossen — ausmalte.

In der »ach dem Kanalthor führenden Straße traf ich auf den alten Premierleutnant Schlanker und voll frohen Uebermuths schlug ich ihn mit der Hand auf die Schulter: „Herr Kamerad, tn acht Tagen gehts »ach Kassel!" — Leutnant Schlunker, der das Schwabenalter bereits er­reicht hatte, trug fich stark mit der Hoffnung, da er „der nächste dazu war," in Kürze Hauptmann zu werden, und diese Hoffnung hat ihn nicht z» Schanden werben lassen, benn _ zum nächste» Manöver — also brei Jahre später — zog er stolz, glücklich mit zwei Sternen in Kassel em. Er war in feiner schlottrigen Haltung, dem knackschälige» Sang, der Typus jener alte».