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mit Zlnlerhattungs -Anlage „Zllustrirte Sonntags-Zeitung" DetfMsatt ttr. 1 Otawaexk).

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0 Die französischen Neuwahlen.

2430 Kandidaten für 591 Sitze i« der De» pntirtenkammer — das will etroai heißen! Wenn man alle die gehaltenen Wahlreten, alle die Wahlaufrufe an den Mauerecken, alle die Flug­blätter und eigens für die Wahlen gegründeten Zeitungen zusammenlegen könnte, was für einen Riefenberg würde das geben!

Nun haben die Neuwahlen am letzte» Sonn, tag stattgefunden; aber an eine wesentliche Aen- derung in den bestehenden Zuständen ist nicht zu denke». Die Nationalisten hatte» eine» riesen­haften Wahlapparat aufgeboten; aber fie haben, im Ganze« genommen, eine kräftige Niederlage erlitten, trotz ihres ausgesprochenen und sogar überraschend glänzenden Sieges in der Stadt Paris. Die Stadt Paris hat überwiegend nationalistisch gewählt, bei diesen Kammerwahlen ebenso wie bei den letzen Neuwahlen zum Pariser Semkinderalh; sogar Herr Brisson, der be­kannte republikanische Führer, ist von den Rationalisten geschlagen worden, und auch der HaildelZminister Millerand muß fick einer Stichwahl gegen einen Rationalisten unterziehen. Nach aller Voraussicht wird aber Mtllerand als Sieger aus der Stichwahl hervorgehen und Herr Brisson nicht. Daß Millerand in die Stichwahl gekommen ist, hat er der Spaltung der ftanzö fischen Sozialdemokratie zu verdanken. Mtllerand erhielt 4835, jein nationalistischer Gegner Pechin 4135, ein guesdistischer, d. h. „revolutionär" sozialdemokratischer Kandidat 1094 Stimmen. Man muß annehmen, daß von den „Revolutionären" bei der Stichwahl manche Stimmen auf Mille- rand übergehen werde». Rur dann könnte der sozialdemokratische HandelSminister in Gefahr komme», wenn seine intime« sozialdemokratische« Gegner sammt und sonders für Pechin in der Stichwahl stimmen würden; aber daß ihre persön- liche Feindschaft gegen Millerand schon einen solchen Siedegrad erreicht haben sollte, ist un- wahrscheinlich.

In der Stadt Paris also haben die Natio­nalisten ungeahnte Erfolge davongetragen. Da» für haben fie aber draußen im französischen Lande desto durchschlagendere Niederlagen er- lüten. In der ganzen Stadt Paris hat im erste« Wahlgange nnr ein einziger Ministerieller ge- fiegt, Herr Lockroy. Aber überall im Lande haben die Ministeriellen starke Fortschritte ge­macht. Sogar in Algier, das bisher vollkommen von den Nationalisten und Antisemiten beherrscht wurde, haben die Republikaner diesmal mit nicht unbeträchtlicher Mehrheit de» Sieg davon- getragev.

Ts ist also so gekommen, wie man es im allgemeinen erwartet hat: daß Ministerium Wal- deck-Rouffeau hat bei diesen Wahlen eine» urr- zweifelhafte» Sieg davonzetragen. Es würde auch thöricht sein, wenn man fich darüber täuschen wollte, daß nun damit die kirchenseindliche Politik der Republik sür eine weitere Reihe von Jahren festgelegt ist. Aber men darf auch nicht glauben, daß die treuen Katholiken in ihrer Mehrheit für die Nationalisten eingetreten seien; vielfach sind die Katholiken für republikanische Kandidaten

29. Jahrgang

Iutöa, Dienstag, den 29. April 1902.

eingetreten, und in sehr vielen Wahlkreisen hat sich die Geistlichkeit jeglicher Einmischung in die Wahlbewrqung enthalten.

Der R<publikanismus hat durch diese Wahlen eine neue und feste Stütze erhalten. Augen- scheinlich vollzieht fich auch innerhalb der ver­schiedenen republikanischen Richtungen fortgesetzt eine gegenseitige Annäherunz. Während dieses Wahlkampfes habe« verschiedene Männer von dem rechten republikanischen Flügel, aus dem Lager deS früher« Ministerpräsidenten Meline, ihre Absicht geäußert, dem Ministerium Waldeck- Rousseau ihre Unterstützung zu leihen, wenn dieses Ministerium nur von seinen sozialdrmo« kratischen Elementen gesäubert würde. Daß Herr Waldeck Rouffeau sich aus diese Letzteren nicht frstgelegt hat, ist bekannt genug. Er hat fich so eingerichtet, daß er jeden Augenblick auch mit der Gesammlheit der Republikaner regieren kann, ohne die Sozialdemokraten, und daS war jeden­falls sehr klug von ihm gehandelt.

Eo wahr es ist, daß durch diese Wahlen die Republik in Frankreich eine weitere Festigung erhalten hat, so kann man dennoch nicht sagen, daß dieselbe» eine Gewähr für alle Zukunft gäben. Ein sehr großer Theil der französischen Wähler richtet fich nach der Stellung der Macht­haber; die Zahl dieser unbedingten, farblosen RegierungSwähler ist in Frankreich erheblich be­trächtlicher, als bei uns im monarchischen Deutsch­land — im französischen Lande, nicht in Paris. Sollte unversehens in Paris eine neue gewalt­same Umwälzung eine neue politische Richtung aus Ruder bringen, dann würde auch die Wehl- Kimmung in Lande draußen sofort erheblich um­schlagen. Aber wenn wir Deutschen die Dinge nur deurthetle« wolle» nach politische« Gesichts­punkten. dann müffeu wir sage«, daß uns eine solche Umwälzung im Interesse der Erhaltung des Friedens nur unerwünscht kommen würde.

r»wmt«-ikiMl»»-e» iims eltri tUtzlffk».

Halbvergeffen« Geschichten aus dm 80 et und 40 er Jahren des 19. Jahrhunderts van B. S. Toe ster.

8 ------ (Nachdruck verboten.)

Jahr und Tag waren inzwischen verfloffen, ich war längst nicht mehr der jüngste Leutnant, sondern konnte mit Stolz auf einige Hintermänner herabsehen, um so stolzer, als ich inzwischen Batz-Adjutant geworden war. Auch sonst hatte sich mancherlei in der Kompagnie verändert. Kant hatte seinen Abschied genommen, er wollte sich die Welt ein wenig ansehen. An seine Stelle war ein junger, aus Oesterreich stammender und in dortigen Diensten gewesener Baron Qualla getreten.

An einem der infernalisch heißen Tage des Juli waren wir zur Parade auf dem schönen Paradeplatz versammelt. Der Oberst erschien und „Stillgestanden," „Richt Euch!" erklang laut und vernehmlich Junkers Stimme. Die erste Reihe prüfend herabsetzend, kam es ihm vor, als ob der fünfte oder sechste Mann etwas zu weit vorstände und ihn leicht mit der Klinge des gezogenen Degens berührend, rief er ihm gleichzeitig zu: „Henkel, eine halbe Idee gxrflct!“ Aber Leutnant Junker war noch nicht befriedigt. Zum zweiten Mal, und diesmal wohl etwas energischer, schob er den Man» mit der Degenklinge ein wenig in die Front zurück.

Im selben Moment sank der Soldat plötz­lich in die Knie und fiel dann, ehne eine» Ton von fich zu gchen, vornüber, und mit dem Ge-

Berlin, 28. April 1902.

h A-ichsd-stztt. 15'/, Millionen Mark beträgt die Summe, die die Etnzelstaaten für das EmtSjahr 1901 mehr an das Reich zahlen müffen, als fie an Ueberweisung-n erhalte«. Der Vor­anschlag hatte Ueberwetsungen und Zahlungen in gleicher Höbe angefttzt.

X Vie grotze» Schifffahrlsgese-schefte« habe» fich nun e«olich zu einer Erklärung darüber Herbeigelaffen, wie ihre Stellung in oder zu dem internationale« SchifffahrtSsy»dikat be­schaffen ist. ES wird darin bestätigt, daß die deutschen Gesellschaften eS abgelrhxt haben, dem emerikanisch-evglifcheu Syndikat brizutrete«, um „in jeder Beziehung ihre Unabhängigkeit zu wahren." ES find mit dem Syndikat Verein­barungen getroffen worden, die unter voller Aufrechterhaltung der Selbständigkeit der deut­schen Linie« eine Abgrenzung der beiderseitige»

sicht der Erde zugewandt, blieb er regungs­los liegen. Erschrocken sprangen Offiziere und Soldaten auf ihn zu, der anwesende Stabsarzt Dr. Schäfer sprach die Vermuthung aus, daß wohl Hitzschlag vorläge, und befahl, den Unglück­lichen so rasch als möglich nach der in nächster Nähe liegenden Hauptwache zu schaffen. Die Parade wurde schleunigst beendet, seng- und klanglos zog die Wache auf. — Noch ehe wir auseinandergingen, trat Dr. Schäfer mit ernster Miene auf uns zu, berichtend, daß leider alle Wiederbelebungsversuche vergeblich und der arme Kerl unwiderruflich todt sei. — Es «ar am Nach­mittag des Unglückstages, als ich, von der ftan- zösifchen Allee kommend, im Begriff den Neu­städter Markt zu durchqueren, von dem eilig hinter mir herkommenden Regimentsadjutanten, angerufen wurde. „Adler", bat er (die Kame­raden begnügten sich für gewöhnlich mit der Hälfe meines Namens), als er mich erreicht hatte, „wollen sie mir einen Gefallen thun?"

„Gern, was ist es?"

„Ach, begleiten sie mich zu Junker, ich muß ihm den Degen abfordern und ihn bis auf wetteres bitten, sich als Arrestant zu bewachten. Kommen Sie mit, ich bitte Sie, denn im Leben ist mir noch kein Gang so schwer geworden, wie dieser."

Ich schaute den Adjutanten sprachlos an. „Junker, Arrest? Aber Du großer Gott im Himmel, warum denn?"

„Es hat sich bei näherer Untersuchung her­ausgestellt, daß der unglückliche Henkel nicht am Hitzschlag gestorben, sondern erstochen worden ist. Uniform und Hemd find durchlöchert und auf der Brust zeigt ein winziger Blutfleck die Stelle an, wo die Spitze des Degens, Junkers

Jntkreffcnsvärk» und de» Ausschluß eines unter Umständen für beide Theile runiösen Kvnkurreuz- kaWpfeS zum Gegenstände haben." Die Syndi- katSlinie» haben fich auf die Dauer von zwanzig Jehren verpflichtet, ohne tzinverständviß der deutsche» Linie« mit keinem ihrer Schiffe nach einem deutschen Hase« zu komme«, wogegen dir deutschen Gesellschaften die Verpflichtung über­nommen haben, ihren gegenwärtige« Verkehr nicht über ein bestimmtes Maß hinaus zu er­weitern. Der Erwerb von Aktien der deutschen Gesellschaften durch das Syndikat und umge­kehrt ist verboten . . . Wie aber, wenn ameri­kanische Geldmävner unter der Hand deutsche SchtfffahrtSaktien erwerben? Davon, daß auch dar unmöglich gemacht sei, wird nichts gesagt. Die deutschen Schifffahrts-Gesellschaften erhoffe» nach der vorliegende« Erklärung „ein Aufblühen ihres eignen Geschäftes". Wir wünschen das gewiß aufrichtig. Hoffentlich bleibt das auch in späterer Zukunft so, und hoffentlich treffe« die Gesellschaften auch noch die geeigneten Vor­kehrungen gegen dar Ueberwucher« amerikanischer Einflüsse bei uni in Deutschland nach jenen zwanzig Vertragijahren! Gänzlich befriedigend kann man die gegebenen Aufschlüsse noch immer nicht nenne«. DaS wird erst dann der Fall sei«, wenn der Wortlaut der abgeschlossenen Vereinbarungen bekannt sei« wird.

h. Der städtische Protest «ege» die IoT Nontaste stößt in vielen Städten auf Wider­spruch. Jetzt wird auch aus Danzig berichtet, daß dort beschlossen worden ist, keinen Vertreter zu der Protest • Versammlung zu entsenden, die am 12. Mai in Berlin gegen den Zolltarif ab­gehalten werden soll.

h Knvalideu Nnter fliitz»«ß. Der Nach. tragSetet mit einer Forderung »on 1300 000 Mark für die Jnvaliden-Untrrstützung ist dem Reichstage nunmehr zugegangen.

st Je» preußische A-rrenhan» wird seine nächste Sitzung am Freitag de« 2. Mai, Nachmittags 2 Uhr, ab halten.

4- Doch immer steine Ae--k»«st des Jatzrra» Bekehr». Mehrfach schon ist in den Zeittmgen die B dr davon gewesen, daß eine durch daS ganze Reich g leichmäßige Regelung des Fahr­rad-Verkehrs in Borbereitung sei. So noth wen­dig eine solche Regelung ist, find die Mitthetlun- gr» dieser Art nichtsdestoweniger unrichtig ge- wesen. Der Vorstand des Berliner GaueS deS Deutschen Radfahrer-BundeS hat fich danach an maßgebender Stelle erkundigt und ersahren, daß noch gar keine Vorbereitungen in diesem Sinne getroffen fi»d. ES ist erstaunlich, bei de« Re­gierungen ei« so geringes Verständniß sür ei» so dringendes Verkehr S-Bedürfniß zu finden.

Aus de« AeichstAKe.

176. Sitzung vorn 28. April 1902.

In erster und gleich auch tu zweiter Lesung wird nach kurzer Debatte der Gesetzentwurf über die ver- läuaerung der Vollmacht für den Kaiser angenommen, im Einvernehmen mit demBnndeSratheden Gebühren­tarif für den Nord.Ostsee-Kanal feftzusetzen, und zwar auf wettere fünf Jahre, btS zum Sude deS JahreS 1907. Staatssekretär Graf PosadowSky em- Degen, dem Unglücklichen ins Herz gedrungen. Sie haben ja auch gesehen, wie Junker ihn zu­rückschob." — Ja, das hatte ich gesehen, das stimmte. Aber unmöglich, daß dieses Zurück­schieben mit der Klinge unserer stumpfen Friedens­degen den Tod eines Menschen zur Folge haben könnte. Unmöglich! Ich war so erschüttert, daß ich kein Wovt hervorbrachte. Auch der Regiments­adjutant ging, in trübe Gedanken versunken, schweigend neben mir her. „O Gott, daß dies grab Junker p offnen muß," rief ich dann aus, der geht zu Grund daran!" — „Sie können recht haben," meinte der Adjutant sehr ernst, der Überwindet es nie!"

Wir waren inzwischen in der Altstadt und vor dem einfachen Hans angelangt, welches Junker bewohnte. Da die Zeit seines Spazier­gangs schon vorüber war, konnten wir mit Sicherheit darauf rechnen, ihn zu Haus zu treffen. Wir fanden den Ahnungslosen über ein Reiß­brett gebeugt, trotz der schwülen Temperatur eifrig zeichnend. — „Was verschafft mir die Ehre?" war die erstaunte Frage, mit der er seinen ungewöhnlichen Besuch empfing. — Stockend, fast stotternd, ersuchte ihn der Regi­mentsadjutant um Herausgabe des Degens und erklärte den traurigen Grund feiner Mission. — Nicht ein Laut kam von den Lippen des Un­glücklichen. Mit weit aufgeriffenen Augen stierte er uns einen Moment an, fiel dann auf feinen Stuhl und schlug mit dem Kopf auf das Reiß­brett auf. „Vater" — „Vater", stöhnte er, weiter kam kein Laut aus feiner Brust. Ich trat ans Fenster, nach Fassung ringend. Ich hätte auffchreien mögen, die Brust wurde mir förmlich zusammengepreßt von miüeideuder Theilnahme

pfähl bte Annahme der Beilage. AuS dem H-ms« sprach nur Abg Dr. Hahn vom Bunde der Landwtrthe, dem die fünfjährige Zett zu lang bemessen erscheint.

Sodann folgte die erste Brrathung der Vorlage über die Gewährung von Diäten an di« Mil- glieder der Zolltarif-Kommission

Staatssekretär Graf Mesad»»»ü, führte in feiner Stnleitungsrede auS, daß die Anregung zu dem Gesetz- eutwurfe auS dem Hause gekommen sei. SS handelt fich dabei um eine Aenderuug der verfaffung — aber doch nur um eine solche von vorübergehender Dauer. Tagungen sollen nur so lange dauer«, alS eia Abgeord­neter eS »trage undjfeS vereinbaren könne mit feinen eigentlichen Geschäften. Wenn aber ein Abgeordneter ausnahmsweise lange in Anspruch genommen> werde, dann rechtfertige fich auch eine auruahrnSweise Snt- schädigung. Der Staatssekretär erklärte ausdrücklich, daß die Verbündete» Regierungen kein Präjudiz erblicke» in der Gewährung dieser «ntschädigun,.

Der sozd. Abg. Kl»,er wird gleich wegen s-ineS »fie« Satzes zur Ordnung gerufen; er sagt nämlich, die Borlage sei „geradezu eine beleidigende Zumuthung für den Reichstag". Nach dem Ordnungsrufe nennt er die Vorlage „unbegreiflich"; denn die G:ü»ve, die der Staatssekretär für die Vorlage angeführt habe, sprächen doch offenbar auch für die Forderung all,«mein« Diäten im Reichstage/ Nack d» «nficht deS RednerS handelt eS fich nur um eme Liebesgabe für die Herren, die dem Zolltarif zur Annahme »erhelsen wollen. S» traurig eS ist, daß die Regierung eine solche Vorlage machen konnte, so ist eS doch noch trauriger, daß der Staatssekretär behaupten konnte, daS S«ntrum habe ihm die Vorlage suggerirt. Die Zolltarls-Kommtsfio-r hat einen solche» Beschluß nicht »efaßt; ich bi» auch überzeugt, innerlich empfinden Sie alle die Unwürdig kett einer solchen Stellung." Redner erinnert dan» an die «ommifston für daS Bürgerliche Gesetzbuch, bte so lange Zeit ohne Diäten ««arbeitet hat. und ersucht darum, die Vorlage abzulehnen. Zunächst beantragt der Redner die Ueberweisung der Vorlage an die Budget« kommisfion. Sollte fie angenommen werden, »an» würden die fozialdem. Mitglieder der Z°lltarif-«om- mtsfion die Gnlschädigung jedenfalls^ der soztaldem. Parteikaffe überweisen, und dann würde daS Geld zur Bekämpfung de» Zolltarifs verwendet werde».

Abg. von Aeoetzow vertritt im Namen der Met, »attoen Partei m alle» Stücken den Entgegengesetzte» Standpunkt: Man könne der Zolltarif-Kommisfton die Arbeit nicht ohne Entgelt zumuthen, «an müsse viel- mehr da» Gesetz alS «tu Rothgesetz annehmen undauS. führe», von einer daraus entwürdigenden Stellung für die Kommisfion sei nicht die Rede; sonst wüßte der Ab,. Singer doch auch ei» Gegner der allgemeine» Diäte» sein. . ... „ .

Der natl. Ab,. M.sserma«» stimmt der Vorlage zu: die Nationalltberalen glaube», damit die Arbeiten der Zolltarif-Kommtffion zu fördern. 68 ^anbele allerdings um eine Verfassungsänderung, aber dochmcht um etwa. Neues; den» dasselbe sei in den fiebziger Jahren auch geschehen. Der Redner selbst hält mit fernen politischen Freunden an der Forderung, der all­gemeinen Diätengewährung fest, bestrettet aber, daß diese Vorlage mit bet allgemeinen Diätenflage etwa» z» ^""Abg*S«g«» Ztichter von der steif.Boiksp°rteier« widert, bei de» Justiz,esetzen in de» fi-biiger Jahren habe e» fich darum gehandelt, eine neue Grsetzgebung ,» schaffen, die bi» dahin tür Deutschland noch gar nicht bestand. Heute handele «8 fich nur darum, eine» bestehenden Tarif umzuänderu! Am besten würde e» sein, anstatt Diäten zu geben, die Arbeitsmethode i» der Kommisfion zu ändern - die Methode de» Kuh« handel»! Der Redner spricht sodann »o» em« „Schwenkung," die da» Eentrum in der Haltung zu dieser Frage vollzogen habe, mit Bezugnahme auf EentrumSblättrr. namentlich auf die .Köln. BolkSzt«.

Abg. Irtzr. »en AerMug vom Eentrum erklärt, daß seine Partei gewillt ist, der Vorlage zuzustimmeu. Die Behauptung Singer'» ist unrichtig, daß daS Centrum der Regierung die Vorlage suggerirt habe. Da» Centrum will »as Zustandekommen deS Zolltarifs fördern, dem e» freundlich gegenübersteht. Herr Rlchter hat fich auf Aeußerungeu in der CentrumSpresse be­zogen zu Ungunsten dieser Vorlage; diese Aeußerungeu an dem Geschick des armen Kameraden. Welch ein Schmerz lag in dem Ton, mit welchem er das Wort ausgestoßen. Dachte er daran, wie fein armer Vater leiden würde, wenn er hörte, daß durch die Hand feines Kindes ein Menschen­leben geopfert, oder, o Gott im Himmel, nein, das wäre zu viel gewesen, — glaubte er, der Fluch des Vaters habe dies Unglück auf sein Haupt herabbeschworen?! Ich weiß es nicht, ausgesprochen hat der Arme sich keinem gegen­über. — Keiner von uns sprach, wir ließen ihm Zeit, sich zu fassen.

Endlich erhob er den Kopf. Es war em schrecklicher Anblick, der sich uns bot. Völlig blutleer war das gelbe, eingefallene Gesicht, nur die brennenden, düsteren, dunklen Augen ver- riethen, daß ein noch Lebender vor uns saft. Auf der bleichen Stirn zeichnete sich seltsam em rotger Fleck ab, die Stelle, mit welcher er auf das Brett aufgeschlagen war. — Als er endlich zu sprechen begann, lag in feiner Stimme, mit der er den Adjutanten bat, seine Pflicht zu thun, indem er ihm gleichzeitig den Degen übergab, nicht die geringste Auftegung oder Veränderung. Es war bewunderungswürdig, wie er sich zusammen nahm.

Nach Erledigung aller üblichen Formalitäten entfernte sich der Regimentsadjutant mit einer stummen Verbeugung. Ich ging auf Junker zu und faßte seine Rechte mit meinen beiden Händen und drückte fie herzlich. Sprechen konnte ich nicht. Ich fühlte einen leichten Gegendruck. „Ich danke Ihnen, lieber Adlerikopf, ich danke Jhnen^ sagte leise der arme Mensch, dann folgte auch ich dem Adjutanten. — . _,

Der traurige Fall wurde ! selbstverständlich dem Kurfürsten, als obersten Kriegsherrn ge»