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HZ 94.

Iuröa, Freitag, den 25. April 1902.

29. Jahrgang.

ö Rußland.

Berlin, 24. April 1902.

Wnantir Für Me Reaktion Sei Sait; st» Maate 2.pa»z»lle» tu Mio.

mtf AnlerHaltungs -Meikage „Illusirirle Sonnlags-Ieilung"

/Drmk und Verlag de» Suldae» Actieudrucke»«« peterrgaffe kl». 8 lvarwouie).

empfahlen, haben einsehen müffen. daß ihr Ein. fluß nicht ausreicht, um ihre Raihschläge zu Thaten reifen zu lasse«, und ziehen sich verdrieß, lich zurück. So ist in diese« Tagen auch be> richtet worden, Herr Wannowski. der Minister des Unterrichtes, habe seine Entlassung genommen und seinem bisherigen Gehilfen Senger Platz ge> i macht — WannowSki. früher Kriegsminister, ist . zwar ein Mann von altmsfischem Schrot und

Korn; aber er ließ mehrfach milde Anwandlungen erkennen und ist deswegen kein Freund deS all- mächtige« PobjedonoSzew, in dessen Person alles verkS pert ist, was nur immer zu dem denkbar härtesten iKnutenrrgrme«t gehört. Senger aber ist ganz der Mann «ach Pobjedonoszew'S Ge. sch macke; und deswegen klingt die Nachricht voll­kommen wahrscheinlich, obwohl sie amtlich noch nicht bestätig, ist.

Nach der früher« Verfassung sollte daS Groß, fürftenthum Finland nur durch die Personalunion mir Rußland verbunden, das heißt also, der russische Zar sollte auch Großfürst von Finland sein. Es ist zu begreifen, daß dieser Rechtsboden der zarischen Regierung auf die Dauer unbe- i wurde u«d sie dahin strebte, Finland dem i Zarenreiche enger anzugliedern und einzuoerlerbe». । Aber die Mittel, die zur Erreichung dieses Zweckes angewandt wurden, und die Plötzlichkeit und Ge. waltsamkeit, mit der das geschah, sind ganz und gar zu verurteilen. Die Fmländer gerade haben j «och niemals in revolutionärem Sinne sich be- i merkbar gemacht. Sie waren stets loyrle Unter» thanen des 3ne«; und daß sie nun jetzt zum offenen Stratzenaufruhr fltiff?«, ist lediglich dem : Umstande zuzuschreiben, daß sie die fortgesetzte rohr Vergewaltigung nicht mehr aushalten können, die von Petersburg her gegen sie ausgeübt wird. Und der Man«, der in allererster Reihe dieses Schrr cksnsregiment über Finland ausüble, ist ge.

I rade derselbe Herr von Plehwe, den der Zar zu I seinem neuen Minister des Innern sich auSer- koren hat. Was wird nun folgen?

We«n ma« den .Mokkowskija Wedomosti' glauben will, dem ausgesprochenen Organ der allerstrengsten altrusstschen Richtung, dann hat man arzunehmen, daß die Aera Plehwe eine neue Auflage sein werde der Zit, in der unter Alexander HI. der Graf D. A. Tolstoj Minister des Innern war, eine Zrit allerbösester und härtester Gewaltherrschaft, in der nur ein leiser Verdacht genügte, um einen Menschen für lange Jahre in die sibirischen Bergwerke zu bringe«, ohne daß eine regelrechte Untersuchung gegen ihn stattgefunden, ohne daß ein Richter Recht über ihn gesprochen hätte. Danach mag man ermessen, was das Zarenreich an politischen Leistungen von der Firma Plehwe und Senger zu erwarten hat! ■

Es war kein angenehmes Gefühl, daS die kleine Groppe bei diese« Worten beschlich und eS dauerte eine Weile, bis Karl sich soweit ge­faßt hatte, daß er erwidern konnte:

„Du magst wohl die rechte Ahnung gehabt haben, Bernard; Du stehst jedoch jetzt auch, daß

®^en zu seinem fünfzigjährigen Regierung-- Miläum als Führer einer Abordnung des Bundes- rathes dessen Glückwünsche darzubringen. Wegen dieser Reise wurde in dieser Woche die übliche Sitzung der Bunderrathes vom Donnerstag auf den Dienstag vertagt.

_ * Der DolKrverei« für da» Katholische Af"schland ist nunmehr auch in Berlin ein- gefuhrt worden, und zwar zunächst in der St. Mathtasgemeinde. Am Mittwoch Abend fand eine große Versammlung statt, in der 230 Männer ous ber genannten Gemeinde ihren Beitritt zum VolkSoeretn anmeldeten. Auch in den übrigen katholischen Pfarrbezirken der Reichrhauptstadt soll der Volksoerein in nächster Zeit eingeführt werden.

4- Das preußische NeSeuSahu-ch-setz ist nunmehr in der Budget-Kommisston des Abgeord­netenhauses durchberathen und wird am nächsten Montag auf die Tagesordnung im Plenum deS Abgeordnetenhauses gesetzt werden. Im Allge- meine« hat die Regierungs-Vorlage die Billigung der Kommission flefunde«. Bon den Petitionen, die ebenfalls berathen wurden, sind der Regie­rung dikjinigrn als Material überwiesen wor« den, welche um den Bau nachfolgender Linien bitten: Jülich - Baal - Dalheim, Kirchberg - Zell, Dümpelfeld.Weismes oder Hellenthal-WeiSmes Jünkerath - Hallschlag bis zu der «treck« Gero!.' stein.St. Bith, Wittlich-Daun, Polschag.Münster, maifeld-Lehmen-Gondorf, Völklingen-HeuSweiler- Lrbach oder Ledach-Tholey-St. Wendel, Pader- born-Lippspringe-Horn-Tteinheim oder Paderborn- Brakel und Paderborn «Horn. Steinheim-Höxter. AlS ungeeignet zur Erörtermitz im Plenum wurde eine Petition erklärt, die um den Bau einer Bahn von Büren über Wünnenberg und Fürstenberg nach Scherfede bittet. Im Ganzen genommen wurden von der Budget-Kommisfio« 6,972,000 A zur Beschaffung von Betriebsmitteln und 20 Mil­lionen Mark zur Förderung des Baues von Klein- bahnen bewilligt.

gut. Hoffentlich erfährt man dann auch, war dabei yerausgekommen ist.

X Uolnische Iorderntrge». Die ,Gazeta Grudziadzka' ist eines der Polenblätter, die ihre Meinung in de« aller kräftigsten Tönen vorzu« tragen lieben. Es ist deswegen nicht ohne Interesse, zu erfahren, wie sich die genannte Zeitung eine innere Politik und Verwaltung-, organisation vorstellt, mit der sie zufrieden sei« würde. I« den Vordergrund stellt sie die Be­seitigung aller Ueberreste der Kulturkampfs­gesetze, die Beaufstchttgung der Schulen durch die Geistlichen, Rückkehr aller vertriebene« Orden — nun, damit werden alle CentrumS- leute einverstanden sein; diese Forderungen werde« auch stets vom Crntrum im Reichstage und in de« einzelne« Landtagen erhoben. Die speziell polnische« Forderungen bestehe« im Nachfolgenden: „Gleichberechtigung der pol­nische« Sprache bei allen Behörde« und im ganzen bürgerlichen Leben, Unterricht in den Volksschulen anfangs nur polnisch, erst nachher auch Ausbildung in der deutschen Sprache. Die Beamten in den Landestheilen, in denen Polen wohnen, müffen geborene Polen sein, mindestens fließend polnisch sprechen. Alle polnischen Laubestheile — also Schlesien, Polen, West­preußen, Masure« und Ermland — müffen zu einem Ganze« unter der Verwaltung eines könig­lichen Statthalters mit einem besondern Land­tage vereinigt werden. In Berlin muß ein Minister für polnische Angelegenheiten sein . .* Genug davon! Wie man Schlestr« zu einem polnischen LandeSthril stempeln kann, ist unet« findlich. Im übrigen kann man den einsichts­vollen Polen nur immer wieder rathen, ihre „Ultras" darauf aufmerkiam zu machen, daß sie durch solche Tollheiten nur Schade«, aber niemals Nutzen stiften, und denjenigen, die der gerechten Behandlung der Polen das Wort reden, ihr Werk außerordentlich erschweren.

X Von einem , Kent-nm» Kompromiß" in Sachen der Getreidezölle läßt sich die,Südd. Reichs - Korresp.' auS Berlin berichten. Danach soll der Zoll sür Roggen und Hafer 5, für Weizen 6 und für Gerste 4 A. betragen. Woher der ge­nannten Korrespondenz diese Weisheit kommt, ist unbekannt. Zunächst handelt es sich noch um die erste Lesung der Zolltarif«Vorlage in der Kom­mission, die noch lange nicht beendet ist; wie sollte unter solchen Umstände« wohlJemand vom Centrum darauf verfallen, ein neues Kompromiß der Re-

X Arveit-vertzattnifle im Aergöan. Im preußischen Abgeordnetenhause ist am letzten Donnerstag die Rede gewesen von kn ArbeitS« u«d Lohnverhältniffen im Bergbau. Aus einige Äußerungen des stets. Abg. Dr. Hitsch stellte bet Handelsrninister fest, daß er bereits vor einiger Zeit Berichte darüber eingefordert, aber biS jetzt noch nicht erhalten habe. Diese Mit« thttlung wird ergänzt durch die Zeitungsnachricht, daß die staatlichen Bergbehörden gegenwärtig überhaupt Erhebungen über den Betrieb der Bergverwaltungen anstellt, namentlich im Ruhr- revier. Die Veranlassung dazu ist die Angabe gewesen, daß die Grubenverwaltungrn, veranlaßt durch die gegenwärtigen schlechte« Absatzoerhält« nisse, die bisher allgemein übliche achtstündige Schicht durch die Zehnstundenschicht ersetzten und die Belegschaft nur theilweise anfahren laffen wollen. Zeitungen, die die Interessen der Zechen zu vertreten pflegen, nennen diese Angabe un« wahr- Sozialdemokratische Blätter halte« fie aufrecht unter Nennung bestimmter einzelner Berg­werke; auch sollen massenhaft ausländische Ar­beiter angrstellt werden, obwohl eS nicht an Ar«

Vt A^sKauzker Mlom hat sich I die staatliche Bergbehörde dich Ver^ «ach^arlsruhe begeben, um dem Großherzog von nisse interePrt und sie klar zu stellen sucht, ist

^täglich, !•;. -ahme der md Feier- SL.. Äierteljährl. ütitigsprti« ohut Bringerloh» aub Lestellgeld in .Kuloa und aus- MrtS lM.S0.Pf.

auS“1 °edte6' bie Arusi voll wider- Karl Wagner schien endlich dar Rechte ge. ! strebender Gefühle. I funben zu haben; zufällig erfuhr er, daß der Bs-

I ^legraph brachte die Nachri bt sowohl sitzer eineS bedeutenden Kolonialwaaren-Großge- an Josephine nach Hargut, als auch an Karl, die schäftS die Absicht hege, eine« Sozius anzunebmen beide nicht ermangelten, bte herzlichsten Glückwünsche der später das Geschäft allein übernehmen und auszusprechen. Nichts aber erschütterte Bernard weiterführe« könnte. Er selbst lenkte zunächst £ Je^r' öIs be* ?ftt“bemiu<6ru(i) seiner geliebten BernardS Aufmerksamkeit auf diese Gelegenheit Schwester, die das Glück kaum zu fassen vermochte, und fand diesen auch bereit, daS Geschäft abzu- meinend 2oe?Je ' Ia^enb' bo[b schließe«. Einige Konferenzen mit dem Geschäfts­weinmd, ihrer Freude Luft machte. inhaber führte« zum Ziele.

so fand das Jahr 1864, das unter so trau- DaS Jahr 1865 ging jedoch auch schon zur Me' unsere Freunde Neige, als in Münster die Doppelhochzeit einfach

em glücklicheres Ende. Erst recht erfreut konnten und ohne Gepränge gehalten wurde. Karls iU Fufaug des folgenden reichlich bemessener Urlaub gestattete es, sich dem ! ^^"hetlung an Bernard gelangte, daß Reiseoergnügen nach Herzenslust hinzugeben und der König in Anbetracht der besonderen Umstände in Italien des nordischen Winter- zu vergessen, und der Verdienste des Vermtheilten um das' Ä----' - - - - a "

Vaterland, feine Gnade in vollem Umfange habe walten lassen und die Strafe ganz geschenkt habe.

Nun erst konnte Bernard über seine Zukunft bestimme«; bis er dieses gethan, sollten Josephine und Siise ihrerseits die Vorbereitungen zur Hoch, zeit, die Herrichtung ihrer Aussteuern kessen. Diese waren jedoch längst erledigt, ehr Bernard bestimmt hatte, wo er sein Heim nehmen wolle.

AlS echter Bohn Westfalens hing er mit jeder Faser seines Herzens an der Heimath, als Freund Karls zog eS ihn nach der herrliche» Stadt am Rhein, wo er auch seiner Schwester stets nahe war. Elwägunge« praktischer Natur aber ließen es ihm wünschenswert erscheine«, sei« Vermögen, dessen Besitzer er ja nun nicht «ehr allein sein wollte, in einem Geschäft anzu- legen, daS er kannte, in der Branche za bleiben, bte er betrieben hatte. ।

Vor einigen Monaten flog dem allgewaltigen "Prokurator des heiligen Syi-od, Herrn Pobjedo- nostew, unversehens in feiner Wohnung eine Ge- weh kugel an dem Ohre vorbei in bte Wand. Dann kamen dis Unruhen in Kijew, in Kasan, in Charkow, in Petersburg — sogar Im Becken bei kaspischen Meeres mußten die Säbel, Nrgajken und Flinten der Sollten eingreifen, um bie Rothschildschen Peiroleumwerke vor Zerstörung und Vernichtung zu schützen. Herr Trepow, ber Ober» poltzetmnster von Moskau, war der Gegenstand wiederholter Attentate; er mag es wohl nur einem Eugelfichern Untergeroanbe zu verdanken haben, daß er mit dem Leben davon kam. Minister Ssipjägin hatte das schußfesie H-md verschmäht, und so wurde er da« Opfer des frühern Studenten Balmaschow, dessen Mitve sch uorene nicht nur in - Rußland selbst, sondern auch in Paris, und wahr« schetnlich hauptsächlich dort, entdeckt wo den find. .In bet finnischen Hauptstadt H lsiugsor« entstehen wilde, blutige Tumulte, weil die Söhne Ftnlands nicht mehr nach altem Brauche nur in ihrem Heimathlande allein, sondern beliebig in allen russischen Regimentern ihrer Heererpfltcht genügen sollen; und in Kletnrußland sind die Kleinbauern von einer aufrührerischen Bewegung ergriffen worden, sodaß Herr von Plehwe, der neue Minister bes Innern, er als seine alleierste Pflicht erachtet hat, nach Kletnrußland zu eilen und dort wieder Frieden zu stiften — wenn nö hia, wiederum mit den Nagojken und Lanzen der Kosaken I

D-nn von Herrn von Plehwe hat Rußland «och weniger Reformen zu erwarte«, als von seinem Vorgänger Ssipiägin. War dieser eine Ruthe, so bedeutet Herr von Plehwe den „Skorpion". Wer darüber noch im Zweifel war, der mag sich belehren lassen durch die Jubelsanfaren, i« die die Vertheidtger des alt- russischen Knutenregimentes ausbrechen über diese Besetzung des Ministeriums deS Innern. Natür. lich würde es ei« großer Fehler fein, wen« der Zar plötzlich mit allen Ueberlieferungen brechen und nach dem Wunsche der umstürzlerische« Schwarmgeister, die i« ihrer fanatischen Ver­blendung auch vor Mord und Brand nicht mehr zurückschrecken, eine Revolution von oben her in «jene setzen wollte. Dafür fehlt eS in Rußland noch a« der notwendigen politischen Reife des j Volke,. Aber jene Schwarmgeister würden nicht i so reichlichen Anhang finden, nicht so gefährlich werden könne«, wenn die Regierungslenker die Zügel nut ein klein wenig lockerer lassen und ganz langsam und allmählich dem modernen Völkergeiste Zugeständnisse, wenn auch ganz kleine, machen würde«. llmgekehrt aber Verschärft man das Regiment von einem Jahre zum anderen, und alle diejenigen, die nun wenigstens von diesem Zaren mildere Regierungsformen erwarteten, sind aufs neue gründlich enttäuscht worden. Alle die Ratgeber, die Eat,ege» kommen sür gewisse Volks wünsche

Dann aber zog man in das neue Heim zur alten Metropole am Rhein, wo fortan ein neues Leben herrschen sollte. Als man eines Abends nach der Arbeit des Tages beisammen saß, wie eS schöner Brauch geworden war, und die Sprache wieder einmal auf die alten Zeiten und ihre überstandene« Leiden kam, fragte Berxard:

«Wißt Ihr auch, welcher Spruch der hl. Schrift mich während dieser trüben Zeit fast Tag und Nackt beschäftigt hat

Da ihm Niemand antwortete, fuhr et fort: -Das Wort lautet: Ich will die Sünden der Väter rächen an de« Rinbetn !*

gierung anzubieten. Der Gewährsmann der.Südd. Reichs • Korresp.', anscheinend ein Berliner Ossi- ziosus, benutzt die Sache auch nur, um wieder einmal in die nicht mehr ungewöhnliche Verstche- runa auSzubrech-rr, daß „für die Verbündeten Regierungen ein Ausgleich auf dieser Grundlage ebenso auSgrschloff.n sei, wie die Annahme früherer Kompromiß - Vorschläge. . . ." Nie. mand glaubt «s der Regierung, daß ihr unend­lich oft wiederholtes „Unannehmbar" vollkommen ernst zu nehmen fei; danach mag man diese neue Versicherung ebenso beurteilen. Der Herr Offi­ziöses, wenn eS nämlich einer ist, hätte sich also feine Weisheit füglich sparen könne«. Alles Ge­rede oder Geschreibsel dieser Art ist unter den ob­waltende« Umständen vollkommen zwecklos.

redliche Buße und Bruch mit der Väter Sünde die Rache versöhnen können!"

„Ja, Du hast Recht," bestätigte dieser, „ent­schuldigt, wenn mich manchmal noch bie Erinue- rung an die traurige Zeit überkommt, meine Frau muß auch «och genug darunter leiden. Aber unser Glück ist so groß, ich fürchte oft, er möchte erttäumt sein!"

„Josephine, bestelle doch eine Flasche von Eurem schönen Rheinwein!" scherzte Karl, „die wollen wir auf unser Glück leere», und dann soll Bernard sagen, ob es ein Traum ist!"

Lachend folgte man dieser Aufforderung, und so löste sich denn BernardS trübe Stimmung bald, um der Heiterkeit Platz zu machen, die gute Geister in das Traubenblut vom Rheiner­strand so gütig hineinlegen.

Aber noch ei» Schmerz stand dem Kreise unserer Freunde bevor; Trennung von Karl und Monate banger Sorge um sein Leben.

Der preußisch-österreichische Krieg deS Jahre- 1866 rief Karl nochmals ins Feld; schwer «ar der Abschied, bange Wochen verlebte auch er um die, bie ihm so teuer war. AlS aber eines Tages bie Post ihm einen Bries brachte, ber in Riesen- leitet» die Kunde enthielt: Hurra! Ei» Junge! da schwand seine Sorge, und wie die Ehrensalve» für seinen Erstgeborene» klangen ihm die Schläge feiner Geschütze in dem blutigen KriegSsptel.

Doch auch dieser Krieg ging glücklich zu Ende, gesund und heil kehrte Karl an den Rhein zurück und hotte reichlich nach, was er im herzen und Hissen bei seinem Söhnchen und dessen Mutt« versäumt zu haben glaubte.

Der Wörter Schuld.

Original-Roman von Fr. Coll et.

------(Nachdruck verboten.) (Schluß.)

Nachdem Bernard die Frage, ob et selbst noch «twas zu seiner Verthetdigung zu sagen habe, ver« nemt halte, traten die Richter ab. Im Publtkum, bas bisher lautlos, voll andächtiger Stille bit Verhandlung gefolgt war, besonder« den Aus- sühcungen des Verteidigers athemlos gelauscht hatte begann letzt das Für und Wider der Meinungen sich zur Geltung ,u bringen. Während die reinen Gefühlsmenschen unter keinen Umständen an eine Verurteilung BernardS glauben wollten, der doch mchts gethan habe, hielten es die Klügeren mit dem Verteidiger und meinten, er müsse unter allen Umständen verurtheilt werden.

Das Urtbeil sprach den Angeklagten zwar nach der Anklage schuldig, setzte auch bie vom Staats­anwalt beantragte Strafe fest, in ber Begründung folgte jedoch der Vorsitzende allen Entlastungsgründen de« Verteidiger« und gab so dem Verurtheilten eine moralrsche Ehrenrettung, die ber Gerichtehof dadurch besiegelte, baß er seinen Beschluß verkünden j ließ, er wolle in einem Gesuch den Angeklagten der Gnade de« Königs empfehlen und ihn so lange auf stetem Fuß laffen, bis die Entscheidung über das Gnadengesuch getroffen sei.

Sauter Jubel brach tm Zuhörerraume au«, al« ber Satz der Begründung bekannt wurde und hundert Hände boten sich Bernard zur Beglück­wünschung dar, da er an ber Seite feine« Ver-1

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