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3. Parzelle» in Lnlta. * mit Anterhattungs -Anlage «Mufirirte Sonntags-Zeitung" Peterszalle ll». 2 (tonanüt).

: JK92.

JuLöa, Mittwoch, den 23. April 1902.

29. Jahrgang.

G Englands Staats finanzen.

Die neuen Zollmaßregeln der britischen Re­gierung haben die allgemeine Aufmerksamkeit von frischem auf den Stand der britischen Staate- finanzen gelenkt. Es kann nicht gnt stehen mit der. Finanzen eines Staate«, der zu so außer­gewöhnliche« Maßregeln greift, die dann auch, wie in höchster Geldnoth, in einer einzigen ParlamentSfitzung von der Regierung beantragt und alsdann auch sofort angenommen werden, ohne viel Federlesens zu machen. Und rhatsäch- lich kann man von einer Zerrüttung deS englischen Finanzwesens mit vollem Rechte sprechen. Um den Fehlbetrag zu decken, der in Folge des Burenkrieges in der britischen EtaatSkaffr ent. standen ist, mußte nicht nur die Tilgung der Staatsschuld unterbrochen, eS mußte vielmehr sogar die Staatsschuld außerdem um 32 Milli« onen Pfund oder mehr als 640 Millionen Mark vermehrt werden. Dann aber ist die Einkommen- steuer erhöht worden, und mit Finanzzöllen find belastet worden Maffenverbrauchsartikel wie Zucker, Thee, Bier, Branntwein, Tabak, Zi­garren, Getreide und Mehl. Daß im Vorjahre auch ei« Ausfuhrzoll für Kohlen eingesührt wurde, ist bekannt genug.

Im neuen Etatsanschlage ist die Dauer des Krieges auf noch neun Monate berechnet, und dafür ist ei« Kriegsbedarf eingestellt tm Gefammt- betrage von 21/» Milliarden Mark — was eine Milliarde bedeutet, kann man am deutlichsten er­messe« auS der Thatsache, daß gerade in diesen Tagen seit der Geburt deS WeltheilandeS erst eine Milliarde Minuten verstosse» war! — 21/» Milliarden in einem einzigen EtatSjahre! Wenn dann der Friüie zu Staude kommen sollte, er­wächst den Engländer« eine «eue, ungeheure AnSgabe: der Wiederaufbau der zerstörten Bure«höfe und jedenfalls noch viele andere Er­satzansprüche. Und außerdem wird England in de« Burenländer« eine ständige, nicht zu schwäch­liche Besatzung unterhalten müssen, so daß der bekannte englische Finanzpolitiker Siffon in eimm wohl begründeten Exempel das zukünftige dauernde britische Kriegsbudget auf etwa 80 Millionen Pfund Sterling oder 1600 Millionen Mark schätzt. Im Boranschlage des deutschen Reichs- etatS für 1902 find die gesammten ordentlichen und außerordentlichen Ausgaben für Landheer und Kriegsflotte mit rund 840 Millionen Mark eingestellt.

Diese ungeheure Steigerung der britischen StaatSauSgaben wird dann weiterhin nicht ohne Einfluß bleiben auf die dauernde Gestaltung der englische« Zoll- und Finanzpolitik. Zunächst kann man nicht etnsehe«, wie die Engländer es anfangen sollten, um zu vollkommen geordneten StaatSfivanzen zurückzukehren, ohne diese neuen Zölle und Abgabe» betzubehalten. Der außer- ordentliche Zuschlag zur Einkommensteuer kann freilich nicht zur dauernde» Einrichtung werden.

3>er Wüter Schuld.

Original-Roman von Fr. Collet.

52 ------(Nachdruck verboten.)

' „Meine Frage kommt Euch unerwartet und setzt Euch in Erstaunen," begann er deshalb wie­der, „er ist jedoch ein Umstand eingetreten, der mich zwingt, sie Euch vorzulegen; unser Geschick hat un« zu fest aneinander gekettet, al« daß ich eS wage» durfte, über mich zu bestimmen, ohne Euch gehört zu haben."

In kurzen Zügen schilderte er darauf den ge­spannt Horchenden die Vorgänge bei der Zusammen­kunft mit seinem Vorgesetzten und dessen Meinung über die Angelegenheit.

„Gewiß würdest Du sein Anerbieten gerne annehmen?" fragte Bernard, als Wagner geendet.

„Warum soll ich ««leugnen," entgegnete dieser, „der Beruf, den man selbst wählte, in dem man die schönsten Lebensjahre verbrachte und dessen Erfordernisse man kennt, ist einem gewiß lieb genug, al« daß «an ihn gefühllos von stch werfen könnte, gleich einem abgetragenen Rock."

„So nehme den Vorschlag de« Inspektor« an," rief Bernard, „betrachte mich nicht al« Hinderniß Deiner Laufbahn, hat fich mein Geschick ent­schieden, und die Umstände machen e« möglich, daß ich «ich dort ntederlaffen kann, wohin Dich Deine Vorgesetzten geschickt haben, so vereinen wir un« an jenem Orte; will da« nicht gelingen, gut, dann geben wir uns auch zuftieden, sind wir doch i« Stande, uns jederzeit sehen zu können, wen» es »othwendig wird oder wir e« wünschen."

Aber desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, daß die neuen Zölle b-stehen bleiben, daß auch die Einfuhrzölle für Getreide und Mehl, nun einmal eingeführr, nicht wieder beseitigt werden; und damit hat dann England seine bisherige Rolle als Musterstaat sür alle Ffeihandels­schwärmer für immer auSgespielt. Deutschland wird übrigens von diesen Zöllen gar nicht berührt. Die deutsche WeizenauSfuhr nach Groß­britannien hat tot Vorjahre nicht mehr als eine halbe M llion Zentner betragen. Die britischen Kolonien iuftraiien und Kanada werden in erster Reihe davon betroffm.

Berlin, 22. April 1902.

+ Kimd-srarh rmd preußisches Sisals- miuifleriam haben heute (Dienstag) Sitzungen abgehalten, denen beiden Graf Bülow prästdirte. Nach Erzählungen in parlamentarischen Kreisen hat es stch bei der Sitzung des Ministerium« um die Feststellung der Vorlage für den höher« Ver­waltungsdienst gehandelt.

+ Neber, hilft! Bet der Berathung des Kultusetais im preußischen Abgeordnetenhause hatte der Centrumsabg. Dr. Bachem Klage darüber erhoben, daß der katholische Religions­unterricht an den höheren Lehranstalten in Berlin so sehr vernachlässtgt werde. Die Mahnung hat geholfen. E» find nunmehr elf Gruppen statt der bisherigen acht für den katholischen Religions­unterricht gebildet, und außerdem ist bei drei der bestehenden Gruppe» die Zahl der Unterrichts­stunden vermehrt worden.

X Nochmals die Aerafaag i« Straf­sache«. Der Reichstag hat, wie bekannt, am vorigen SamStag »ach dem Wunsche b-t ent­sprechenden Kommisfion de» Gesetzentwurf ad acta gelegt, der aus den Anträgen der Abgeordnete» Rintelen, v. Salisch, Munckel und Lenz- ma»n entstanden war, zuletzt kurzweg als „lex Rintelen" bezeichnet, obwohl Herr Rin e'en längst nicht mehr Vater des Ganzen war. Ma» hatte angestchts dieser umfangreichen Justiz-Nooelle saft gänzlich vergessen, daß es fich ja ursprünglich nur um die Berufung in Strafsache« gehandelt hatte; es ist sehr gut, daß der Reichstag »unmehr durch hievon ihm angenommene Resolution diesen Kern wieder herauspeschält und in den Vorder­grund gerückt hat. Die Berufung in Strafsachen ist eine alte und stets mit Eifer erhobene Forde­rung. Aber neuerdings hat ste doppelte Berechti­gung erhalten. Der »eue Militär-Straf­prozeß nämlich, der seit dem Vorjahre in Gel­tung ist, hat diese Berufung; so lange in der Ctotlrechtspflege nicht auch die Berufung in Straf­sachen eingesührt ist, besteht zwischen der cioilen und der militärische» Rechtspflege ein wirklich un­liebsamer Unterschied in den leitende» Grundsätzen, der unserer gesammten Rechtspflege nicht zur Zierde gereicht. De» ungeheuer» Unterschied, der da be­steht, kann man fich gerade jetzt klar machen wäh-

Auch Josephine und Elise stimmten nunmehr zu, und so beschloß man, daß Kail, nachdem Ber­nard fich dem Gericht gestellt, dem Vorgesetzten hiervon Mittheilung machen und, wenn dieser auch bann noch auf seinem Plan bestände, i» diesem Sinne handeln solle.

Am nächsten Morgen trat Bernard de» harten Gang an. ES mochte etwa 11 Uhr fein, als er fich beim ersten Beamten der StaatSanwaÜfchast in dringender Sache melden ließ und sofort vor- gelaffen wurde.

Nach feinem Begehr gefragt, antwortete Ber­nard:

„Ich bin gekommen, um mich dem Gericht zu stellen und eine Schuld zu büßen, deren ich mit R cht angeklagt bin!"

Der Staatsanwatt, bis dahin mehr mtt einem vor ihm liegenden Attenstück beschäftigt, sah ge­spannt auf, zog dann eine Klingelschnur und fragte: „Wesse« bekennen Sie fich denn schuldig?"

„Der Anklage, die gegen mich erhoben ist, de« Schmuggel« und der Beihilfe dazu!" war Bernard« ruhig und ohne Erregung gegebene Antwort

„Ach ja, richtig, ich erinnere mich," bestätigte der Beamte, „Äemann, die Schmuggler-Affalre aus Warendorf, von einem Mitschuldigen denun- zirt.--Bringen Sie einmal die Akten Äemann

aus Warendorf," wandte er fich dann an einen eben eintretenden GerlchtSdiener, „und dann sage» Sie einem der Herren Sekretäre, er möge herüber kommen zum Protokolliren."

Der Diener verschwand. „Sie find jener Kemann also selbst?" fragte der Beamte da»» zu Ber­nard gewendet, „eS ist sehr klug von Ihne», fich

rend der erneute» Verhandlung des Prozesses wegen der Ermordung deS Rittmeisters v. Krosigk in Gumbinnen. Wären nämlich die Angeklagten im Krofigk-Prozeffe von einem bürgerliche» Gerichts­höfe in der erste» Instanz freigesprochen worden, dann würde eine Berufung gar nicht mehr mög­lich gewesen sein, dann hätte niemals auf de» zuerst erfolgten Freispruch deS Dragoners Mar­ten dessen TodeSurtheil und nun auch noch ein drittes Urthetl erfolgen könne«. Ma« erzählt fich, die Loslösung der Berufung in Strafsachen des Reichs-JustizamteS aus dem Ballast, der sie um­gab, fei erfolgt «ach Unterhandlungen zwischen dem Staatssekretär und den Führern hervorragen­der Parteien im Reichstage. Wenn diese Nach­richt zutrifft, dann würde auf das baldige Ein­bringen einer entsprechenden Regierungs-Vorlage im Reichstage Hoffnung vorhanden sein. Nichts ist mehr zu wünschen, als die Erfüllung dieser Hoffnung!

* Hentral-Anskttvflsstelre für Auswan­derer. Wie in der Reichstagsfitzung vom 10. März d. I. beschlossen wurde, soll der Deut­schen Kolonialgesellschaft künftighin eine Subvention von 30,000 Mark zur Errichtung einer Central-Auskunftsstelle für Aus­wanderer gegeben werde», die alle» Denen, welche künftighin auszuwandern gedenken, mit Rath und That zur Seite stehen soll. Die AuS- kunftSstelle ist bereits am 1. d. M. unter Leitung des kaiferllchen Generalkonsuls a. D. Koser in Thättgkeit getreten und hat am 15. d. M. ihre Geschäftsräume in Berlin, Schellingstraße 4, im II. Stock für das Publikum eröffnet. Die Sprechstunden find auf die Zeit von 11—3 Uhr an Wochentagen und von 12—1 Uhr an Sonn­tage» festgesetzt. Die Central-AuSkunftSstelle er- theilt auf mündliche oder schriftliche Ansr agen über die wirthschaftliche und politische Lage in jenen Ländern «»entgeltlich Auskunft an alle diejenige», welche nach einem anderen Lande auszumandern gedenken. — Wie viel Elend ist nicht schon dadurch entstanden, daß solche, denen e« in der Heimath nicht mehr gefiel, fich auf die V.r'prechungen eines Agenten ver­ließen und unbekannt mit den Verhältnissen ferner Gegenden zum Wanderstabe griffen? Viel- fach landeten fb mit nur wenigen Baarmitteln drüben ohne Kenntniß der einschlägigen Verhält- niffe, die fie zwange», fich irgend einer ftemben Kolonisationsgesellschaft bedingungslos zu er­geben, wollten fie nicht Hungers sterbe». Aber auch we»n ste sich soviel erübrigt, daß fie de» Rückweg zur Heimath antrete» konnten, landeten fie doch arm an der heimischen Küste, um fürder­hin in weit schlechteren Verhältnissen alS früher leben zu müssen. Dem soll daS Auskunftsamt der Deutschen Kolonialgesellschast vorbeugen, in­dem eS über alle einschlägigen Verhältnisse in andere« Ländern, namentlich überseeischen, bereit­willigst Auskunft gibt.

X per Nefä-i-uugsuMchweis für das Nau-ewerlle ist der hauptsächlichste Gegen­stand der Berathung bei dem JnnnngSverbandS- tage deutscher Baugewerkmeister gewesen, der am letzten Montag in Berlin im Archttektenhanse ab­gehalten wurde. Zu der Versammlung waren auch die Vorstände der Handels- und Gewerbe-

zu stellen," fuhr er dann fort, „so viel ich mich erinnere, war die Sache nicht so schlimm, alS es im Anfang schien."

Der herbefohlene Sekretär, ein Aktenstück in der Hand, trat eben ein, nahm an einem Neben- lische Platz und machte fich zum Schreiben fertig.

Das Protokoll, welches nun aufgenommen wurde, war ziemlich umfangreich, da es eine Schilderung von BernardS geben während des Zeitraumes eines Jahres darstellte und alle Ein- zelhetten enthielt. Endlich war da« Protokoll fer- tig und von Bernard unterschrieben.

„Ich muß Sie zunächst verhaften." sagte dann der Staatsanwalt, „bewahrheitet stch jedoch daS, w«S Sie da erzähtt habe», bann werde ich Sie auf freien Fuß setzen, da mir Ihr bisheriges Leben unter solchen Umständen jede Garantie bietet, daß Sie fich dem Gerichte stellen."

„Brinoen Sie de» Mann ins Gerichtsgefäng. niß, mit dem Bescheid, eS würde über denselben sofort Schriftliches folgen!"

Mit diesen Worten übergab der Staatsan­walt seinen Gefangenen dem Gerichttdiener.

„So," beschied der Staatsanwalt den Sekretär, als Bernard das Zimmer verlassen hatte, „nun lassen Sie ins Gesängniß den Auftrag gehen, den Kemann mit der größten Schonung zu be­handeln und ihn sofort davon in Kenntniß zu setzen, welche Vergünstigungen ihm als Unter­suchungsgefangenen gewährt werden können, und bann machen Sie alles fertig, was zum Archer- chiren nach feinen Angaben erforberlich ist. Wenn ich nach Tlfch zurückkomme, legen Sie mir bte betreffenben Schriftstücke vor."

Die gute Meinung des Staatsanwalts recht­

kammern etngelaben worben unb in stattlicher Anzahl erschiene». ES entwickelte» fich sehr leb- haste AuSel»a«dersetzungen, namentlich bei ber zweite« ber aufgeworfenen Fragen, die lautete: Wird das Bedürfniß deS Befähigungsnachweises sür alle Zweige des Bauhandwerks empfunden: Maurer, Zimmerer, Steinmetze, Stuckateure, Putzer, Dachdecker, Bauklempner, Brunnenmacher, Abbruchsunternehmer? Die Baugewerkmeister wollen ein unbedingtes Bedürfniß nur aner­kennen für die Maurer, Zimmerer und Stein­metzen, für die übrige» Gewerbe aber nur ein bedingtes Bedürfniß, während umgekehrt die Vertreter dieser anderen Gewerbe selbst dieselbe Berechtigung für fich in Anspruch nahmen. Diese Thatsache widerlegt die mitunter von liberalen und sozialdemokratischen Zeitungen unb Rednern aufgestellte Behauptung, baß nur bie „Zunft­schwärmer" ben Befähigungsnachweis verlangen sollen, bie Hanbwerker selbst im allgemeinen aber nicht. Schließlich einigte man fich am Montag über bie folgenbe Entschließung:

Da« Bedürfniß wird in erster Linie anerkannt für den Beruf der Maurer, Zimmerleute und Steinmetzen, dann ferner in beschränktem Umfange für die Gewerbe der Dachdecker, Brunnenbauer, Schornsteinfeger, Bau­schlosser, Bauklempner und sonstige Betriebe, deren AuS- übun, mit Gefahr für Leben und Gesundheit verknüpft ist . . . Die Betriebe der Stuckateure und Putzer find dem Betriebe der Maurer untergeordnet und ange- schloffen.

Auch verschiebene ber anberen, für diese Ver­sammlung aufgeworfene» Fragen erregten leb­hafte Debatte«, so namenllich auch die Frage, ob der in einem einzelne« Zweige des Hand­werks geprüfte Bauhandwerker berechtigt sein soll, auch solche Arbeiten zu unternehmen, die in den Bereich eine« anderen, prüfungspflichtigen Bauhandwerkers fallen? Diese Frage wurde mU einem bedingten Ja beantwortet: durch den Befähigungsnachweis in einem Gewerbe sollen verwandte Gewerbe in ihrem jetzigen Wirkungs­kreise nicht beschränk werde». Der Vorsitzende der Versammlung, Baumeister Fetisch, schloß die Verhandlungen mit der Bitte an bie Vorstände der Handwerkskammern, nun alles zu thu», damit endlich der Befähigungsnachweis wenigstens für daS Baugewerbe zur Thatsache werde--

Es w»rd wirklich Zelt dazu!

+ Die Diäten für die A-lttarifKo«. Mission. Die Vorlage deS BundesratheS über die Bewilligung einer Bauschsumme für die Mit­glieder der Zolltarif-Kommisston deS Reichstage- ist heute (Dienstag) im Reichstage zuge­gangen. Man glaubt, daß die heute abge­haltene außerordentliche Sitzung des Bundes- ratheS dieser Vorlage wegen einberufen worden war. Um waS eS fich dabei handelt, weiß man ja längst: jedem Mttgliede der Kommisfion soll eine Entschädigung von 2400 Mark gewährt werden für seine persönlichen Auslagen. Man rechnet jetzt bestimmt damit, daß die Vorlage im Reichstage Annahme finden werde. h

X Die Zolktarlf-ZeomMission de» Aleichs- Inge» hat sich am heutigen Dienstag mit den Zöllen für Milch, Butter, Eier und Käse beschäftigt. Die Debatte galt aber wmiger diesen Zöllen, al« vielmehr dem Berliner Mich- kriege und der Berliner Polizeiverordnung über die Befchaffenhett der Marktmilch. DaS Pub-

fertigte fich vollkommen, eS war kaum eine Woche vergangen, als Bernard eines Mittags fich bei feiner Schwester einfand, wo er mit Jubel empfangen wurde. Da erfuhr er denn, daß Karl feine Versetzung beantragt hatte unb bereits barSber unterrichtet war, daß er wahrscheinlich einer Verwaltung am Rhein Überwiesen werben würde, die ihn im Innern Dienst beschäftigen sollte.

Herrschte auch eben keine frohe Laune in dem kleinen Streife, so lah man der Zukunft doch mit Ruhe entgegen, hatte sich doch bisher alles fo gestattet, wie es Karl sich gedacht und den an­dern vorausgesagt hatte, als er ihnen feinen Plan entwickelte.

Etwa« Aufregung brachte daß Eintreffen ber Botschaft, das Karl «ach Köln versetzt fei, wohin er sich in wenigen Ta: en nach Ablauf feine« Ur­laubs zu begeben angewiesen wurde. Es begann ein geschäftiges Leben, die Hunderte Kleluigketten zu besorgen, mit denen liebe Hände einen Reisenden aurstasfiren

„Ihr entwickelt ja eine erstaunliche Erfindungs­gabe, Kinder," wehrte Karl ab, al» man ihm aller­lei „unbedingt noch wendige" Sachen und Sächelchen in die Koffer packte, jedoch ließ er fich gerne von ber Rothwendigkeit überzeugen, wenn ein Blick au« lieben, treuen Augen die Beweisführung be­gleitete.

Auch der Abschied Ratte wurde Überstanden, wieder war es der Sonnenstrahl der freubigen Hoffnung auf baldige unzertrennliche Vereinigung, der ihn erleichterte.

„Zwischen Stöln und Münster liegt keine Wüste", meinte Karl, al« er vom Fenster des Eisenbahn-