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Jutöa, Dienstag, den 15. April 1902.
29. Jahrgang.
W Deutsches Reich
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------(Nachdruck verboten.)
willigen lassen, dann aber die Kammer schließen will. Gerade dann, wenn die Verfaffungsände- rung im Parlamente berathen wird, soll ja nach den Plänen der Aufruhrmacher der Hauptlärm auch auf der Straße erst losgehen. Die Regierung würde also nur richtig handeln, wenn sie diese weitere Gelegenheit dazu einstweilen beseitigen wollte.
Die Liberalen und Fortschrittler aber, die sich haben zu der Betheiltgung an den Straßen kund- gedungen hinreißrn lassen, trifft tau« weniger Borwurf, als die sozialdemokratischen Macher der Revolution selbst.
Arm in Arm geschmiegt gingen sie den Weg weiter, der sie in de» Ort bringe» sollte. Bald beschäftigte sie die Frage, was Karl nun wohl ergreifen, welchem Beruf er sich zuwenden solle. Da schien man jedoch schwer einig «erden zu können.
Während Karl irgend eine andere Beamtenlaufbahn anzutreten entfchloffen schien, zu der ihn seine Bildung befähigte, mochte Eli'e davon nichts hören. „Ich bin reicher, als ich je ge- dacht," sagte sie, „mit dem Gelbe kannst Du Dich bei irgend einem Geschäft, einer Fabrik oder sonstigem, betheiligen, wobei Du auch Deine Bildung und Deine Kenntniffe aulnutze» kannst. Dein eigener Herr bist und keine Rücksichten zu nehmen hast."
Gegen diesen Vorschlag wendete Karl ei», daß seine Ausführung ihn als von seiner Frau Ver- mögen lebend htnstelle» würde, welchen Borwurf er vermieden sehe» möchte.
Der Streit wurde ziemlich lebhaft geführt, da er auf beiden Setten in edlen Beweggründen seine«
Diese Mittheilung Karl- besiegte auch den Rest des Widerstrebens. Sie drückte Karls Arm innig an sich, lehnte ihren Kopf an seine breite Brust und blickte feuchten Auges zu ihm auf.
„O, Gott, womit habe ich so viel Liebe verdient?" fragte sie selig.
„Danach forsche nicht, Geliebte," antwortete er, „nimm es hin das wiedergefundene Glück, wie Du sdas Leid hingenommen. Du kannst eS ge- brauchen.
wurde» und werde» noch Barrikaden gebaut, das Pflaster aufgeriffen und Saklaterne» zer- krochen. Sin Augenzeuge berichtet vom Sonn- tag Abend 51/« Uhr: „Ich kehr« soeben auS dem Marolleviertrl zurück. Die Erregung ist dort enorm, man spricht öffentlich davon, heute
Die parlamentarische» Häupter der Sozial- demokratte stelle» sich an wie die unschuldigen Lämmer, behaupten, sie könnten die Ungeduld der Arbeitermafle nicht beschwichtigen, sie möchten selbst mit der Regierung unterhandeln, würden aber von der einmal losgelaffeneu Maffe mit fortgeriffen ufm. usw. Das ist nichts weiter al- heuchlerische Ausflucht. Die Wahrheit ist, daß dieRevotution planmäßig vorbereitet und gefördert wurde, und daß das die Wahrheit ist, kann leicht bewiesen werde». Bereits,....................... ltulll ea> uua. ogr
«I.!Ü,bhreren Monaten hatte das leitende belgische belgischen Regierung gar nicht verdenken, wenn a AM Lieferungsvertrag sie wirklich, wie berichtet wird, sich von der mit Waffenfabriken abgeschloffen, der es in den Kammer nur noch die nothwendigen Kredite be- Stand setzte, für billiges Geld Revolver an seine' ’ ~
Parteigenoffen abzugeben. Die Revolverver- theilung hat inzwischen ihre» Fortgang genommen, und noch i-tzt, allein während der letzten Woche, sind nach übereinstimmenden Berichte» i» Brüffel gegen 20,000 Revolver vertheilt worden. I» de» Bergwerks- und Jndustriebrzirk-» find be- trachtliche Dynamitvorräthe von vielen Arbeitern angesammelt worden: die Führer der belgischen Sozialdemokratie werde» sich umsonst Mühe geben. Anderen weis zu machen, daß sie von alle» diesen Dingen nichts gewußt hätten. Was würde man denn b;i uns in Deutschland dazu sage», wenn durch die Expedition des Berliner .Vorwärts' Tausende von Revolvern zur Vertheilung an die Massen gelangten, die Herren Singer und Bebel aber nachher behaupten wollten, sie hätten nichts davon gewußt? „Elende Heuchelei!" — würbe ihnen von allen Seiten geantwortet werden. Und ' dieselbe Antwort gebührt auch de» Obergenoffen in der belgischen Kammer, mögen sie sich in un- würdiger Heuchelei drehen und winden, so viel sie wollen. Auch daß,Le Peuple', das leitende sozialdemokratische Blatt, sich jetzt so anstellt, als hege es für die bestehende Regierungsform der Monarchie nichts Anderes als Wohlwollen, ist nichts weiter als ein schwächlicher Versuch, die wahren Anfichten, die man wirklich darüber hegt, «zu verschleiern. Erstens ist es an sich zum Lache», wenn ein sozialdemokratische- Blatt al- Freund der Monarchie sich anfspielt, und ein Gebühren, daß jedem ehrlichen Polttiker widerlich erscheinen muß; und zweitens hätte man nicht in aller Form die Verbrüderung mit den spanischen Revolutionären feiern sollen, wenn man nicht die Anschauung auskommen laffen wollte, daß kman »ach einem völligen Umstürze trachte. End- ltch aber: was haben denn die vielfachen Ueber- fallegegenKlöster, Priester und Priester- Wohnungen mit dem allgemeinen Wahlrechte und mit der Aenderung der Verfaffung zu thun? E« gehört eine außerordentliche Keckheit dazu, gegenüber allen diesen Thatsachen noch behaupten M wolle«, man habe nur ruhige Kundgebungen für das allgemeine Wahlrecht veranstatte« wollen.
Was dagegen geschehen soll, haben die be- thörten Leute am Freitag und in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag bereits kennen gelernt: es muß rücksichtslose Strenge angewand werden, um die öffentliche Ordnung wieder herzustellen. Ein Unterhandeln ist erst dann möglich, wen« das geschehen sein wird; und wird es den Hüter» der Ordnung und der Staatsgewalt noch so schwer, den Befehl zu rücksichtslosem Einschreiten zu gebe«, so bleibt doch eben nichts Anderes mehr übrig. Die Verantwortung dafür tragen diejenigen, die diesen Auftuhr angezrttelt haben; mcht diejenigen, die jetzt gegen ihren Willen dazu gezwungen werde», die äußersten Mittel anzuwenden. Ma» kann es auch der
ich heimkehre von der KriegSfahrt gegen die Däne», können wir ja weiter streiten!"
So war in die Freude des Tage- wieder reichlich Bitterkeit gemischt. ES war jedoch nicht mehr selbst bereitete, es war solche, die von der Vorsehung ausgtng, auf die man gläubig feinen Blick wende« konnte.
8. Kapitel.
Wiedergefunden.
Und wie wär' eS nicht zu tragen Dieses Leben in der Welt? Täglich wechseln Luk und Plagen, WaS betrübt und waS gefällt. Schlägt die Zeit Dir manche Wunde, Manche Freude bringt ihr Laufl Aber eine fel'gr Stunde Wiegt ein Jahr der Schmerzen auf.
Emanuel Äeibrl.
Von BernardS Verbleib wußte weder Elise noch Josephine näheres. So viel Mühe sich auch letztere gab, im Gespräch mit be» Leute« aus de» hannover'schrn Srenzorte», die Geschäfte nach Hargut führte, etwas über feinen Verbleib zu erfahren, eS war vergeblich; die qualvollsten Vorstellungen drängten sich der Phantasie des Mädchens auf und jeder Brief von Ettse, von dem sie eine Erleuchtung deS Dunkels hoffte, verwirrte es nur noch mehr.
Im Gefängnisse zu Warendorf saß der Urheber all dieses Jammers, ei« TobsÜchttger, dem Säuferwahnsinn verfalle»; kein verständiger Wort war aus Dem Mensche» mehr herau^zubringen, und hätte man nicht seine erste im Vollbesitz der geistigen Fähigkeiten gemachte Aussage gehabt, man würde ihn in ei» Irrenhaus gesperrt und vo» feinen Reden weiter keine Notiz genommen Haden. (F. f.)
Ursprung hatte. Man war im Dorfe angekommen und ging auf WagnerS Vorschlag, auch für den Magen etwa- zu thun, nachdem da- Herz beftiedigt war, in ein WirthjhauS.
Kaum hatte man Platz genommen, als die Wirthin, eine würdige Matrone, eintrat, ein Zeitungsblatt in der Hand.
„Wissen Sie es schon," redete sie aufgeregt die beide» Gäste an, „eS gibt Krieg!"
Dabei legte sie die Zeitung vor Karl auf de» Tisch. An erster Stelle war fett gedruckt zu lesen: „Berlin, 1. Januar 1864. Der Krieg mit Dänemark, an dessen AuSbruch kaum noch zu zweifeln war, ist erklärt, indem dänischerseits heute die Proklamation des Patentes vom 18. November als Bundesgesetz gegen den Willen Preußens und Oesterreichs erfolgte."
Elise mochte sich im erste» Augenblicke über die Bedeutung dieser Meldung für den Geliebte« nicht klar sein; verwundert sah sie diese» a», der eine» Moment lang die Rechte über die Ange« legte:
„Da- beendet unfern thörjchten Streit," sagte er dann nicht ohne Bewegung, „als Reserve-Osfi- zier werde ich wohl schon in be» nächsten Tagen meine Orbre erhalten."
„Mein Sott, Du mußt i» den Krieg?" fragte Elise, die jetzt begriffen hatte, und wenn es noch eines Beweise- bedurft hätte, der ängstlich zitternde Ton ihrer Stimme sprach deutlich au8 ihr, daß sie keinen Augenblick aufgehört hatte, be» Mann an ihrer Veite von ganzem Herzen zu liebe«. .
„Wie tausende andere Männer mit mit," bestätigte Karl, damit gleichzeitig einen Trost ver- bindend, „nun kaffe uns die Entscheidung vorläufig in Gottes Hand legen," fuhr er fort, „wenn |
»Alles erwogen," wiederholte Wagner, mehr zu stch selbst. Dann fuhr er lauter fort: „Alles, auch mein zerstörtes Glück und die Thatfache daß iS ohne Dich nicht leben kann, auch meinen festen Willen, Dich nicht frei zu gebe», und wenn Du selbst tausendmal „Nein" dazu sagst? Hast Du das auch erwogen--? fragte er gedehnt,
ihr gespannt ins Gesicht blickend.
Elise schwieg. Was sollte sie auch darauf erwidern.
„Ich wußte, daß Du daran schettern wür- dest mit allen Deinen Ausreden und Schein- gründen, Elise," begann Karl von neuem, „eS Märe sonst ja Dein Reden und Thun durch -»ei lange Jahre Falschheit und Heuchelei ae. Men. Also, ich lasse Dich nicht," redete er in heiterem Tone weiter, wobei er ihre Hand er- griff, die sie ihm willig ließ, „und Du bleibst «ei», nicht wahr Schatz?" vollendete er de» i «atz, ihren Arm in den feinigen ziehend.
Langsam wanderten sie so dem Dorfe zu, deffe« Kirchthurm bereits sichtbar wurde. Elise war besiegt, ohne eS eigentlich zu «ollen, hatte sie ja schon den Widerstand aufgegeben.
»®8 wäre nutzlos, Geliebte," «ahm «ach «»er Weile Wagner das Wort, „daß Du bei vetaem Trennungsspruch verharrtest; waS geschehen mußte, um Dir und mir die Wahl des -«künftigen Lebensweges sreizugeben, habe ich I
Abend Rache an der Gensdarmerie zu nehmen. Beim Anbruch der Dunkelheit wird geplant, alle Gaslaternen zwischen der Rue des vers und dem Chapelleplatz zu zertrümmern und bann im Schutze der Dunkelheit gegen dis Gens barmen und die Polizei vorzugehen. Schreitet die öffentliche Macht nicht rechtzeitig mit genügenden Mittel» ein, fo gibt es heute Nacht einen Kampf, gegen den alles Bisherige nur Kinderspiel war. Gibt eS heute auch weibliche Tobte, so ist der Polizei daran keine Schuld beizn- rneffen; die Weiber geberben sich wie Megäre« und drohen, die Gegner mit Vitriol zu bekämpfen."
Die Lösung des Konflikte- dürfte wohl nur ans blutige Weise erfolgen; denn da, wie schon erwähnt, auch der Ausstans um sich greift, steht als drohende Geißel auch noch der Hunger in Aussicht. Hat dieser aber erst in den niederen Volksschichten sei» Echrcckensregiment angetreten, bann tritt in vollem Umfange die Tigernatur im Menschen hervor; und bann gibt eS! nichts Heilige- mehr, jegliche Ordnung wirb i vogelfrei erklärt und der Ausgang ist ein Ende mit Schrecken. Hoffen wir, daß eS der belgischen Regierung noch im letzten Augenblick.' gelingt, | die Leidenschaften einzudämme», bcmtt so Sitte und Ordnung in Belgien die Oberhand behalte.
Berlin, 14. April 1902.
+ Die SUtlitter Bürgermeister - Israge ist zunächst erledigt: die Berliner Stadtverordneten müsse» sich an Stelle des Stadtrathes kauf sm an n nach einem andern Kandidaten für den Posten eines zweiten Bürgermeisters umsehen. Stadtrath Kaufsmann hat eudgiltig darauf verzichtet. Er wird übrigens sehr bald, von einem Nervenleiden befreit, aus der Heilanstalt entlassen werde», in die er sich begeben hatte. Schon vor Monaten munkelte man davon, daß ?errRauffmann freiwillig verzichten wolle. Augen« chrinlich ist er von feinen freisinnigen „Freunden" nit halber Gewalt davon abgehalten worden, liefe» Verzicht auszusprechen, und dieser innere 1 konflikt mag nicht wenig zu seiner bedauerlichen Erkrankung beigetragen haben.
X Der Akeichstag nimmt an diesem DienS- ag seine Plenarsitzungen wieder auf. E- ist die 65. Sitzung innerhalb dieser Tagung, die be» anntlich nicht erst im Herbste des Vorjahres, onbetn bereits im Spätherbst« des Jahres 1900 hren Anfang genommen hatte. Zunächst handelt es sich um die Weiterberathung der Seemannsordnung. Dieser Gesetzentwurf ist schon ein« mal unerledigt geblieben und dünn vor dem Bundesrathe im Herbst 1900 dem Reichstage noch einmal vorgelegt worden. Ferner stehen »och zur Berathung die Vorlagen über die Branntweinsteuer, die Schaumwein- steuer, die Besteuerung der künstlichen Süßstoffe, de» Schutz der Kinder bei gewerb«
Die Sage dürste vielleicht sich »och mehrver- s schlimmer«, da der für Montag proklamirte Allgemeine Ausstand wohl zur Ausführung gelangen wird. Thatsächlich liegen denn auch schon Nachrichten über den Beginn des Ausstande- in verschiedenen Städten Belgiens von gestern vor. Eine gestrige Brüsseler Meldung besagt: In den meisten hiesigen großen Spinnereien ist der AuSstand allgemein. Die Zahl der Ausständigen in Mons wurde auf 18000 geschätzt. Eine Anzahl Ausständiger durchzog die Straße« von Ium et, um die Arbeitenden in bett Kohlengruben, Werkstätten und Glasfabriken vo» der Arbeit abznhalte«. Die Bürgergarde in Jumet wurde unter Waffen gerufen. Auch in Charleroi hatten zunächst 15000 von 40000 Arbeitern den Streik auf- genommen; dagegen hat der AuSstand in allen Kohlengruben die Arbeit illusorisch gemacht und auch die Vereinigung der Glasarbeiter beschloß zu guterletzt noch, die Arbeit niederzulegen.
Hand in Hand mit dem Ausstande gehen leider auch die Ausschreitungen. Ma« ist nicht sicher vor den blauen Bohnen, wenn man eS wagt, durch die Straßen der Stadt Brüffel einen Spaziergang zu unternehmen; vornehmlich in der Dunkelhiit. Ein Zusammenstoß der Volks» me ge mit der Polizei und Gendarmerie wechselt mit einem andere». Gestern und vorgestern wurden inSgesammt Über 20 Personen getöbtet und vielleicht weit über 200 verwundet. Es
[J Die Revolution in Belgien.
Allgemein wird angenommen, baß der Höhe- punkt der belgischen Aufstandsbewegung noch nicht erreicht ist; und dennoch wüthet seit mehrere» Tage« schon der blutige Straßenkampf in de» belgische» Städte», vor allem in der Hauptstadt Brüffel! Wie ist es gekommen, was soll daraus werde» ?
I kicher Beschäftigung, die Verbefferung der Veteranenunterstützung und über den Gerichts- R0*j!Aer P^sse. — Der Nachtragsetat für die hilfsbedürftigen Veteranen wirn im Re^ s- tage natürlich gar lernen Schwierigkeiten begegnen, und dasselbe trifft aus den Gesetzentwurf über be» gewerblichen Kinderschutz zu. D'? .»- deren drei Vorlage» sind alte Bekannt?: die KommisfionSberichte über die Schaumweinsteuer und die Süßstoffsteuer liege» auch bereits fertig oor. WaS aus der Branntweinsteuer werde« wird, steht noch dahin. Die Erledigung dieser Vorlage ist ohne Zweifel sehr wichtig, und es ist dringend zu wünschen, daß sie noch in diesem Tagungsabschnitte erfolgen möge. Außerdem handelt es sich aber auch noch um wichtige Anträge aus dem Haufe: es fei nur a» dem Toleranz-Antrag des Centrums erinnert, der an Wichtigkeit jenen Gesetzentwürfen nicht nachsteht, sondern sie an Bedeutung übertrifft. — Heber Pfingsten hinaus wirb ein beschluß- i fähiger Reichstag nicht zusammenzuhalten sei«. i Auch muß der Zolltarif-Kommission freier Spiel- raum gelassen werden für ihre Arbeiten. Ma« hat also vorläufig damit zu rechnen, daß der
I Reichstag vor Pfingsten aufs neue vertagt werde, nicht gefchlossen!
+ Der Golera«za«trag de» Zentrum* gehört zu de« wichtigsten und intereffantesten Fragen, mit denen der Reichstag sich noch i« I dieser Session beschäftigen wird. I« Mecklenburg ist im Wesentliche« der alte leidige Zustand I aus der Welt geschafft; in Braunschweig ist i wenigsten« ei« schwacher Anfang dazu gemacht. Aber von Sachse« hat man noch nichts dergleichen vernommen. Kundige Gewährsmänner verstcher» vielmehr, daß man sich im Königreiche Sachse« dagegen sträube, den gerechten und bescheidene« Ansprüchen der Katholiken zu willfahren. Wen« es so ist, dann hat das Centrum die doppelte und dreifache Verpflichtung, gegen solche Ungerechtigkeiteu Widerspruch zu erheben, bi« sie beseitigt sind; und wer ein Freund wirklicher Toleranz ist, sollte das Centrum in diesem Bestreben unterstützen.
X Die See«mtt«»ordvrmg steht auf der Tagesordnung der ersten (Di«nstags>)Sitzu»g deS Reichstages »ach den Osterferien. Diese Vorlage ist, nachdem sie früher schon einmal abge- lehnt worden war, vor l1/» Jahre« dem Reichs- tage nochmals zugegangen. Damals trat sofort eine besondere Kommission unter dem Vorsitze des konservative« Abg. Rettich zusammen, um ben Entwurf vorzuberathen; die Kommission hat de« Gesetzentwurf zweimal durchberathen und dazu nicht weniger als vierunbvierzig Sitzungen gebraucht. Damit ging der TagungSabfchnitt bis zum Frühjahr 1901 vorüber, und die zweite Lesung im Plenum konnte gar nicht eher in Angriff genommen werden, als bei der Wiedereröffnung des Reichstages im November deS Vorjahres. ES wurden dem Entwürfe fünf Sitzungen gewidmet. Sonn aber mußte er der erste« Lesung deS Zolltarifentwurfes und dem ReichSetat Platz machen; und wer die arbeiten des Reichstages seitdem auch nur oberflächlich verfolgt hat, muß ohne weiteres zugeben, daß an eine frühere Fortsetzung dieser Berathung gar
'T\z^w '■vy a ne sethan. Schon seit drei Wochen liegt mein Ab-
SSX Skater SwUtD. wi-dSgksuch bei de» Vorgesetzten, die darüber r nur im gewährenden Sinne entscheiden können."
Original-Roman von Fr. Coll et.