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Iu0öa, Samstag, den 12. April 1902.
29. JahrgMg.
I richte in Gumbinnen die Krosigk Affaire, die wie noch kaum je ei» Kriminalfall in Deutschland die Gemüther in Bewegung gesetzt hat, d,e Militärgerichte beschäftigen. Inzwischen sind bereits Jahre in's Land gegangen, ohne daß das in den Annalen der neueren deutschen Armee-Geschichte wohl einzig dastehende Borkommniß, daß ein Offizier vor der Front meuchlings ermordet wird, seine Sühne gefunden hat.
Bekanntlich wurde der Rittmeister und Eska, drons-Chef der ix Gumbinnen stationirten vierten Schwadron des Dragoner-Regimentes Nr. 11, d. Krosigk, ein Sohn des Generals der Karat- lerie v. Krosizk, am 21. Januar v. I. in der fünften Nachmittags-Stunde, während er in der Reitbahn mit einer Abtheilung seiner Schwadron Reilüburigen vornahm, durch einen aus dem Hin- terhalt abgegebenen wchlgezielten Schuß getötet. Man fand später in der auch als öffentlicher Durchgang dienenden Vorhalle, welche Reitbahn (1) von den Ställen trennte, vor der zur Reitbahn führenden Flügelchüre (Bandenthüre) einen noch rauchenden Karabiner, dessen Besitzer, der Dragoner Weber, sich aber im Moment der That in der Reitbahn selbst befunden hatte. Der Schuß war durch ein in der Bandenthüre befindliches sogenanntes „Guckloch" abgegeben worden. Von dem Thäter selbst fehlte jede Spur, er war ihm, begünsttgt durch die erste Aufregung, in der Dunkelheit der Winterabends gelungen, sich auf dem weitläufigen Kasernengrundstück in Sicherheit zu bringe». Allerdings hatte der Dragoner Baranowski, der kurz vorher ein Pferd durch den Vorraum hindurch geführt hatte, Jemand au der Thüre stehen sehen, er hatte die Person jedoch nicht näher erkennen können. Bon mehr Belang waren die Angaben des Schmiedes Skopeck, der hinter Baranowski wenige Minuten vor der That, von der Schmiede her kommend, den Vorraum paffirte. An der Bandenthüre, deren einer Flügel ein wenig geöffnet war, standen zwei Personen.
Durch den Spalt schaute der eine, wie er in dem Lichtschein erkennen konnte, ein Mann mit schwarzem Schnurrbart, hindurch. Da beide Per- sonen Schirmmütze und Mantel trugen, will Skopeck in ihnen Unteroffiziere bezw. seinen Wachtmeister oermuthet habe». Aus Furcht vor Strafe, weil er vorzeitig den Dienst ver- laffe» hatte, sei er schnell in den Krümperstall eingrbogen. Dieser Krümperstall spielt in der Anklage eine hervorragende Rolle. Er ist der erste in der Flucht der sich an einander anschließenden Ställe und hat nur einen Ausgang, welcher ebenfalls auf die Vorhalle ausmüxdet und welcher der Bandenthüre gegenüberlregt. Skopeck hielt sich einige Minuten bei den Krümperkutscher» auf. Als er wieder aus dem
(Nachdruck verboten.) Hg. Gumbinne», 11. April 1902.
Verhandlung vor dem Oberkriegrgericht des ersten Armeekorps infolge der vom Kriegsherrn der 2. Division (Insterburg), Generalleutnant von Alten eingelegten Berufung erschienen nur noch Marten und Hickel auf der Anklagebank, während gegen Domning die Anklage fallen gelassen worden war. Das Oberkriegsgericht schenkte diesmal dem Haupt« belastuxgszeugen Skopeck vollen Glauben und vereidigte ihn. Hickel wurde zwar mcagels ausreichender Beweise freigesprochen. Marten dagegen schuldig befunden und zum Tode verurtheilt. Gegen dieses Urtbeil hatte die Vertheidigung des Angeklagten mit Erfolg Berufung eingelegt. Das Reichsmilitärgericht hob das U theil wegen ungesetzmäßiger Besetzung des Gerichtshofes auf und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück. Es haben sich daher jetzt von neuem unter der Anklage des Mordes und der Meuterei Sergeant Hickel und der wegen Fahnenflucht degradirte Dragoner Marten in der am 17. d. M. ihren Anfang nehmenden Verhandlung des Oberkriegsgerichts zu verantworten. Die Verhandlungen werden wieder hier in der Dragonerkaserne geführt.
Die Anklage stützt sich vollständig auf eine« Indizienbeweis, bei dem die peinlichste Minutenberechnung eine Hauptrolle spielt und zwar über den Aufenthalt der beiden Angeklagten in der Zeit vo» 4.30 bis 4.40 Uhr, wobei aber auch der Aufenthalt der Angeklagte» von 4 Uhr ab, wo sie auf der Regimentskammer Feierabend machten, theilweise sogar durch Wegausmeffungm »achgerechnet werde» oufj. Gegen Marten führt die Anklage eine Reche Verdachtsmomente an. Bei den Feststellungen, welche Unteroffiziere zur Zeit der That dienstfrei waren, soll et nicht hervorgetreten. sondern unter den Diensthabende« stehen geblieben sein. Er will die Aufforderungen überhört haben. Dann wolle» ihn Dragoner auf dem Korridor in der Nähe des Standortes deS zur That benutzten Karabiners gesehen haben, was Marten aber bestreitet. Außerdem hat er, als ihm nacheinander Bizewachtmeister Schulz, Sergeant Bunkus und Gefreiter StumrieS von dem Ereigniß Mittheilung machten, jedesmal getha», als ob er noch nichts von dem Vorfall jehört hätte. Marten entschuldigte sich damit, >aß er fich nicht verrathen wollte, weil er sich von dem Reitdienst gedrückt hatte. Schließlich oll er fich auch »och durch die Aeußrrung: „der H«»d soll heute noch roth «erde»" verdächtig
Die dänischen Antillen will die Kopen- h>,ener Regl-rung an die Vereinigten Staaten von Amerika verkaufen. Man glaubte seiner Sache sicher zu fein. Da auf einmal begegnete man im Parlament ungeahnten Schwierigkeiten, so daß ei fast aus- s?h- als müßte das Ministerium znrücktreten. Nach emigen geheimen Sitzungen der Volksvertretung scheint nun aber ei» geeigneter Ausweg gefunden worden zu fein. Voraussichtlich werden die Bewohner der Insel» selbst in einer Volksabstimmung um ihre Meinung befragt werden.
J auf einen Fortschritt derselben schließen ließen. Schalk Burger weiß zwar jetzt, wo Präsident Sterin steckt; aber er hat noch immer nicht in persönliche Berührung mit ihm gelangen können.
। Zum ersten Mal haben fich die Engländer anständig benommen gegen einen gefangenen Burenführer: Der Burenkommandant Kruitzinger ist von dem gegen ihn eingesetzten Kriegsgerichte freigesprochen worden und wird nunmehr als gewöhnlicher Kriegsgefangener behandelt. Umgekehrt aber sind mehrere australische Offiziere des britischen Heeres hingerichtet worden, weil man — leider erst sehr spät' — ent- deckt hat, daß sie gemeine Schandthaten, Raub und Mord, an gefangenen Buren fich haben zu Schulden kommen lassen. Das wirft wiederum ein Helles Schlaglicht auf die bösartigen Elemente, die das britische Söldnerheer enthält.
Der Weltfriedenskongreß Hal diesmal w dem herrliche» Monaco getagt und mit Einschluß der britischen Vertreter einstimmig zwei Entschließungen über den Burenkrieg angenommen. Die eine beschwört die Mächte, auf den Krieg den vierten Artikel der Haager Friedensübereinkunft anzuwenden, der von der Vermittelung der Mächte handelt. Die zweite Entschließung beglückwünscht die holländische Regierung zu dem Anerbieten ihrer guten Dienste in dem Sinne einer Bermitttelung. Außerdem wird die britische Regierung aufgefordert, einen gerechten und ehrenhaften Frieden abzuschließen . . . Wenn das nun etwas nützen wollte!
In Norwegen wird demnächst ein anderer TOann an die Spitze des Ministeriums treten. Staatsminister Steen wird nach der Beendigung der gegenwärtigen Parlamentstagung zurücktreten. Das bedeutet nur einen Personenwechsel, aber keinen Wechsel im politischen System.
Auch das britische Parlament hat seine Sitzungen wieder aufgenommen. Staatssekretär Bal- sor antwortete auf eine Anfrage, er könne keine
Der inzwischen zur Ermittelung vom Berliner Polizeipläsidium nach Gumbinnen gesandt« Poltzei- kommiffar von Bäckmann kam aber zu der lieber- zeugung, daß man in Skopcck gerade die Person verhaftet habe, die etwas von den Thätern gesehen habe. Auf Grund der Angaben Skopeck« und weiterer Verdachtsmomente wurden von ihm der Sergeant Hickel und der Unteroffizier Marten, beide von der Krosigkschen Schwadron, in Haft gebracht und es wurde gegen Beide wegen Mordes Anklage erhoben. Dis Verhaftung erregte um fo mehr Aufsehen, als es sich um den Sohn und den Schwiegersohn eines erprobten, in 33 jähriger pflichtgetreüer Dienstzeit ergrauten Soldaten, des alten Wachtmeisters Marten handelte, eines Mannes, der die drei Feldzüge mit Auszeichnung mitgemacht hotte. Als Motiv für die That nahm die Anklage Haß und Familienrache gegen bett Rittmeister an.
Die Anklage hat im Laufe der mehrfache« Instanzen verschiedene Wandlungen durchgemacht. B i der ersten Verhandlung im Mai v. I. erschien noch als dritter Angeklagter der Unteroffizier Domning auf der Ankla.i bank unter der Anschuldigung der Begünstigung. Das Kriegsgericht hatte aber, nachdem es Skopeck als einen unglaubwürdigen Zeugen nicht vereidigt hatte, alle drei Angeklagten freigesprochen. Bei der erneuten
Der neue Krosigk-Prozeß vor dem Ober-Kriegsgerichte.
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Zum vierten Male wird mit der am nächsten Donnerstag beginnende» neuen Verhandlung gegen
Wocheit-Kim-schan.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 12. April 1902.
Die Rundreise des Staatssekretärs Grafen Posadowsky durch die Hauptstädte der größeren deutschen Bundesstaaten ist am letzten Montag beendet worden. Augenscheinlich bat es sich dabei um die Besprechung einer ganzen Reihe von politischen Fragen gehandelt; aber die offiziösen Verlautbarungen darüber klangen so, als habe eS sich dabei einzig und allein darum gehandelt, festzustellen, daß die Regierungen durchaus nichts geändert wissen wollen an den Ge- treidesatzen ihres Tarifentwurses ... Und dazu sollte -. n Posadowsky so lange im Reiche herumgereist &"? ^Uwu6e' wer mag. Wir glauben es nicht. Ader hübsch ist es auf keinen Fall und auch gar nicht nach dem Geiste der Reichsverfassung, daß die Regierungen auch diese Gelegenheit einzig und allein dazu benützten um in herausfordernder Weise der Mehrheit des Reichstages zu sagen, daß sie sich keinen Pfifferling kümmern um das, was diese als dringendste I Wünsche des deutschen Volkes in dessen parlamentarischer Vertretung vorbringen. Beharrlichkeit, maßvolles aber festes Auftreten wird die beste Antwort darauf fern.
Stalle hrrauSkam, -vare» die beiden Persone» von der Bandenthüre verschwunden. Alsda»« aus Neagierde selbst zu dem Guckloch tretend habe er gesehen, daß der Rittmeister auf dem Eroboden lag, und daß ihm Oberleutnant von Hoffmann mit einem Messer den Uniform» rock aufschnitt. Dir That wäre danach also geschehe», während Skopeck im Krümperstall war. Nach den Bekundungen der Krümper- kutfqer soll jedoch der Schuß gefallen sein, nachdem Skopeck den Stall verlassen hatte. Sie wußten, daß der Rittmeister in der Reitbahn, um Pferde zu gewöhnen, mit Platzpatronen schoß. Als aber unmittelbar nach dem Weggang Skopeck« ein Schuß ganz besonders laut schallte, rief einer der Kutscher seinen Kameraden zu: „Da hat wohl Skopeck die Thüre ausgelassen." Skopeck dagegen will noch im Stalle gewesen sein, al« dieser laute Schuß zu hören war, er will nur schon aus dem Bereich des Lichtscheines der Stalllaterne herausgewesen sein, so daß ihn die Krümperleute nicht mehr sehen konnten. Gegen Skopeck, der nicht zleich mit seinen Beobachtungen heraustrat unb >effen Angaben anfänglich sehr verworren waren, lenkte sich naturgemäß ber erste Verbucht unb er würbe in Haft genommen.
Vielleicht glauben die Regierungen, die Mehrheit »es Reichstages werde sich am Ende doch einschüchtern lassen aus Furcht vor Neuwahleu zum Reichstage unter dem Losungsworte des Zolltarifes. Nun angenehm würden solche Neuwahlen auf keinen Fall' fein; denn sie würden die Leidenschaften aufs höchste erregen, und das um rein materielle Güter. Aber ?e,nnJ* dmrwch so sein müßte, braucht die Zollfreund- liche Mehrheit solche Neuwahlen auch nicht zu fürchten Das beweist von neuem die Ersatzwahl zum Reichstage in dem Wahlkreis Elbing-Marienburg. Dort ist der konservative Wahlbewerber von Oldenburg im etften Wahlgange als der Hauptvertreter der zoll- i freundlichen Richtung glatt gewählt worden. Die ländlichen Bewohner haben dabei mehr Stimmen für chn aufgebracht als im Jahre 1898 konservative Stimmen abgegeben wurden. Die katholische Arbeiterschaft hat jedenfalls klar erkannt, daß m, allgemeinen Volksinteresse — ein erhöhter Zoll- schUtz für die Landwirthschaft nothwendig ist. Da« ist von neuem dargeihan worden durch die Darlegungen »er ArbeitersekretärS GiesbertS aus M.-Gladbach rn einer Versammlnng in Köln in diesem Sinne, und ourch die gute Aufnahme, die diese Darlegungen sanden.
Lu Großherzogthum Luxemburg hat der Großherzog kraft der Verfassung feinen Sohn, den erfc großer sog als Statthalter eingesetzt, weil fein Gesundheitszustand die größte Schonung er- ftrdert. Vor einer Parlamentskommission wird der Erbgroßherzog den vorgeschriebenen Eid leisten.
Die Schulangelegenheit in Wreschen ist augenscheinlich tn ein neues Stadium getreten: Nach den Berichten Posenscher Blätter ist der bis- herlge Schulinspektor in Miloslaw zum Kreisschul- lnspektor für Wreschen ernannt worden. Danach wußte dre Versetzung oder Amtsentlassung des bisherigen Schulinspektors Winter bereits in aller Stille erfolgt ober doch fest beschlossene Sache fein. ™ I.^n Rußland geht man mit den härtesten Maßregeln von neuem gegen die katholischeGeist- Uchen vor, die dort ihre Pflicht thun wolle» in der Erhaltung der nachwachsenden Jugend für ihren katholischen Glauben. Bischof Zwierowitsch von Wilna hat vor dem Besuche der russisch-orthodoxen Pfarr- schulen gewarnt - das ist seine Pflicht, das mußte er thun. Darauf hin wurde er »ach Petersburg berufen, um sich zu verantworten. Er lehnte eS aber ab, sein Verhalten zu ändern, und lehnte es auch ab, auf fein Bisthum zu verzichten, worauf er nach dem aufjerften Osten de« europäischen Rußland verbannt ------«tue» «etuunuiunu ceaen
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ÄÄ* ‘“iWe"Sieii"“"« “■ .... Der Dominikanerpater Graf Robi.no ist im Alter von 73 Jahre» in Düsseldorf gestorben. Sr war es, der im Jahre 1866 nach Berlin entsandt wurde, um dort eine Niederlassung der Dominikaner zu begründen; er war eS auch, der bei dem bekannten Moabiter Klostersturm der aufgeregten VolkS- menge entgegentrat, die die Dominikanerniederlaffung sturmen wollte, und sie durch ein ebenso entschiedenes tote kluges Auftreten von ihrem Vorhaben abzu» bringen verstand. Während de» Kriege» von 1870/71 P°ier Roblano eine aufopferungsvolle Thätig- keit im Interesse der verwundeten Krieger entfaltet.
Der katholische UniversitätSverein in ©aliburg b«t seinen ersten Vize-Präsidenten verloren, de» Prinzen Eduard vo» Liechte»- ste'n. Der Prinz mußte aus Rücksicht auf feine angegriffene Gesundheit das Amt niederlezen; jede andere Lesart ist falsch, namentlich aber die Be- h°uptung, daß Ministerpräsident von Körber fein Mißfalle» geäußert hätte darüber, daß Prinz Liechten- stem, »er auch ein StaatSamt bekleidet, die Geschäfte deS Umverfitätsvereins besorgte. W
Abgeordnetenhause $tn8*L wieder einmal auf des Messer» I irr?' ^?$re •1r895 sind dem deutschen Gynt-
S. J^e«^ Parallelklassen eingefügt I »erben, ohne daß daS Parlament darum befragt i ^rden wäre. Lange Zeit hat sich niemand weiter darum gekümmert; jetzt erheben verschiedene Par- L ? t Forderung, diese slovenischen Klassen müßten wieder beseitigt werde». Die Forderung ist berech- hgt, wenn auch verspätet, und Ministerpräsident
• v- ,r silcht nach einem geeigneten Aus- tiefer Frage. Die Deutschnationalen und Deutschliberalen drohen mit Obstruktion, wenn dieser Forderung mcht nachgegeben »ird.
Fiume ist die Ruhe wieder eingekehrt 1 den unruhigen Elementen zunächst Strenge .2- ”*^2; einigen berechtigte» Forderungen »er «»»ständigen Arbeiter nachgegeben worden war.
Dem Oberpolizeimeister Trepow i» Moskau cm?!8 Attentat zugedacht gewesen. Ein gewisser MichalewSki verlangte, Trepow als vitt- peller zu spreche». Sin Beamter im Dienste Namens Saremba wie» den Bittsteller ab, worauf dieser mitgezucktemDolche aufZ.remba sich stürzte. Der Dolch- 1 9°^ J!n« fehl, ist aber ein neuer vewei» dafür, daß °'e^arung in gewissen Bolkskreise« wieder einen recht bedenklichen Grad erreicht hat.
Rundschreiben des hl. Vaters, das das Datum des Josephstages trägt, ist als das Testa- ment Leos des Dreizehnten bezeichnet worden; und mit vielem Rechte! Was es will, und was es enthält sit kurz,m der letzten Wochenschau berichtet worden: Es weist vor allen Dingen auf die modernen Mächte des Umsturzes, des Unglaubens, der Gottesleugnung und der Staatenpolitik, die sich immer weiter in vielen Landern entfernt von den leitenden Grundsätzen des Christenthums und der Kirche; es richtet dann weiter emen prophetischen Blick in die Zukunft, die schließlich — ob nun früher oder später! — eine Wiedervereinigung aller Christen in der katholischen Kirche bringen wird. In der freidenkerischen und Gottes« ! ^ugnerpresse hat es natürlich nicht gefehlt an hämischen Semertungen darüber. Aber der tiefe Eindruck, den °er hl. Vater auch mit diesem Rundschreiben bei allen gebildeten Menschen hervorgerufen hat, ob nun Katho. liken oder nicht, geht sichtlich hervor aus vielen Aeuße- rungeit jener Presse, die sonst cuf die Tonart m^.r"en Kulturkampfes gestimmt ist. Eines dieser Blatter, bte nationalliberale.Berliner National- Zeitung, hat sogar unmittelbar zugestanden, daß das Rundschreiben verwandte Saiten auch bei den Protestanten und Freidenkern anklingen läßt; und daraus ttsteht man besser, als aus allem Andern, daß Leo richtigen Wege gewiesen hat, die end- Iich zu der ersehnten, allgemeinen Wiedervereinigung fuhren werden. Dankbar wird der Name unseres kirchlichen Oberhauptes in diesem Sinne genannt wer- den von allen unseren Nachkommen; und gerade dieses »Testament" wird einen leuchtenden Wegweiser für sie bilden für alle kommenden Jahrhunderte.
Das Grab hat sich geschloffen über den sterblichen Resten unseres verewigten Führers Dr. Lieber. Die Ehrur^en, die dem Tobten zu theil würben, entsprechen den Verdiensten des Lebenben. Bischof Willi von Limburg fonbte ihm bte letzten Worte in bas Grab nach. Papst Leo XIII sanbte burch ben Kardinal Nampolla eine Beileidskundgebung nach (Samberg. Zahlreich waren bte Aeußerungen ber Theilnahme aus ben höchsten Regierungskreisen; namentlich ber Reichskanzler unb Staatssekretär Graf Posabowsky »aren °"rch solche Kundgebungen vertreten, die in warmen und lebhaften Ausdrücken die Verdienste des Verstorbenen nicht nur um die deutschen Katholiken, son. der» um das ganze deutsche Vaterland rückhaltlos anerkennen. Unb nicht minber zahlreich waren bie Thetlnahmebezeugungen brr Leitungen anberer politischer Parteien. In ber Reihe dieser hat sogar Herr 11 Singer nicht gefehlt als Vertreter des Centralvor- ftanbe» der sozialdemokratischen Partei! Wir aber 1 »oHen nun in bem Geiste des abberufenen Führer» i weiterhin treu unb fest an ber Sache unb an ben I Grundsätzen festhalten, bte uns vorgezeichnet worden sind von ihm unb von seinem Vorgänger Windthorst — für Wahrheit, Freiheit unb Recht!
Die Zolltarif-Kommission bes Reichstages tagte in tiefer Woche täglich zweimal. Nur am Samstag soll keine Sitzung stattfinben. Zunächst handelt es sich um die Einfuhrzölle für Weintrauben, Wem, Obst unb Erzeugnisse von Obst, bie in manchen Stucken höher festgesetzt würben, als bie Regierungsvorlage vorschlägt. Seiber haben auch diesmal die Vertreter ber Regierungen, bte das Wort ergriffen
gar feine Zölle für Obst unb begleichen zulassen!
Dem württembergischen Sanbtageift nunmehr bte feit einiger Zeit erwartete Novelle zum Volks sch ulges etz e zugegangen, wobei es sich hauptsächlich um bte künftige Regelung ber Bezirksschul- aufftcöt handelt. Diese wurde bisher von Geistlichen tut Nebenamte ausgeübt. Nach ber neuen Vorlage so»?» in Zukunft eigne Bezirksschulaufseher im Hauptamte angestellt werben, bie sowohl als Geistliche als auch Schulmänner sein können und nach der Konfession der ihnen unterstellten Lehrer ernannt werben. Nach der Vorlage soll bas neue Gesetz am 1. Oktober 1903 tn Kraft treten.
mdaerMZeitung
Mil Anterßaltungs -Beilage „Illuffrirle Sonnlags-Ieilung"