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mit Zlnterhaltungs -Meilage „ZMlKrirte Sonntags-Zeitung" •" prtmsagt n». li i»äHK»iM

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Jul'öcl, Donnerstag, den 10. April 1902.

JI2 81.

29. Jahrgang.

O Die Regierung und Dr. Lieber.

Durch ein Berliner Lokalblatt ist zuerst die Meldung gemacht worden, dem Abgeordneten Dr. Lieber sei nach der Erledigung der Flottenvorlage im Reichstage das Angebot gemacht worden, er möge wählen zwischen den hohen Aemtern eines Staatssekretärs, eines preußischen Ministers oder eines Oberpräsidenten. Dasselbe Blatt fügt jetz seiner ersten Meldung die zweite hinzu, daß das Angebot nicht von dem Reichskanzler und Ministerpräsidenten Fürst Hohenlohe^ Schillingsfürst ausgegangen sei. Wenn das richtig fein sollte, dann würde man aus dieser Verneinung mit voller Bestimmtheit auf die andere Stelle schließen können, von der dieses Angebot aurgegangen sein müßt«. Daß es überhaupt erging, ist bestätigt worden durch die Zuschrift eines parlamentarischen Freundes des verewigten Centrumsführer« an ein angesehenes katholisches Blatt: man hat also an=. zunehmen, daß die Meldung zutreffend sei. Von anderer Seite ist dann noch ergänzend hinzugefügt worden, e« habe sich hauptsächlich um da« Ober­präsidium der HeimathSprovinz Dr. Lieber'S ge­handelt. Dr. Lieber hat in einer Reihe von Tagebüchern werthvolle politische Aufzeichnungen hinterlaflen. Aller Voraussicht nach wird durch diese Aufzeichnungen auch besagter Fall genau aufgeklärt werden. Auf jeden Fall ist ein solches Angebot ergangen, und e« ist vollkommen un­zulässig, nach dem Wunsche der .Kölnischen Zig/ die ganze Sache als „parlamentarischen Klatsch" zu behandeln. Das würde ja nichts Anderes be­deuten, als den Dahirgeschiedenen in der gröb­lichsten Weise zu beschuldigen, er habe seinen ver­trauten Freunden ein Märchen ausgebunden!

Nach den vorliegenden verstreuten Notizen kann man sich schon ungefähr ein Bild der Vor­gänge machen, die sich damals abgespielt haben. In Berlin geschieht manches ohne Wiffen der verantwortlichen Regierungsmänner, was, streng genommen, ohne deren Wiffen nicht geschehen sollte. Und namentlich in der Zeit, als der greise Fürst Hohenlohe Reichskanzler und preu­ßischer Ministerpräsident war, ist das in sehr umfangreichen Maße der Fall gewesen, weit mehr »och, als gegenwärtig. Es klingt also ganz wahrscheinlich, daß Herrn Dr. Lieber in der ersten, durch die Annahme der Flottenvorlage erzeugten freudige» Stimmung ohne Rücksicht auf Reichskanzler, Minister und verantwortliche Re­gierung ein solches Angebot gemacht worden sei. Die Situation damals wurde als eine außer­gewöhnliche betrachtet, auch vom Kaiser. Da? geht auch daraus hervor, daß der Kaiser zum allerersten Male den gesummten Reichstag zu einem Festeffen nach dem Berliner königliche» Schlöffe einlud, wobei der Abgeordnete Dr. Li-der vom Kaiser durchaus als die Hauptperson be­handelt und in ein längeres Zwiegespräch ge­zogen wurde, das für die übrigen Anwesenden unnahbar war.

Das Centrum schuldet seinem abberufenen Führer doppelte» Dank dafür, daß er jenes ehrenvolle Angebot dankend abgelehnt hat. Was wäre denn Dr. Lieber dem Centrum noch ge­wesen als Oberpräst^ent der Provinz Hessen- Naffuu? Ein todter Mann. Denn daß es wirk«

Der Weiter Schuld.

Original-Roman von Fr. Coll et.

«1 ------(Nachdruck verboten.)

Erst wollte es Stephanie bei ihrem Vater ver­suchen Dort aber that sie nichts, diesem den Aufenthalt im Hause angenehm zu machen, im Gegentheil, fortgesetzt ließ sie ihre Galle au« über den erbärmlichen Hausrath, die Schmutzwirthschaft und wie sie das alle» nannte. Dir Alte warf ihr wohl vor, warum sie nicht früher gekommen sei, sie habe sich ja nicht dem Grünrock in Waren­dorf an den Hals zu werfen brauchen und was dergleichen Vorwürfe mehr waren. Im Grunde aber freute er sich doch, daß er die Stube geheizt, zu feiner Zeit ein Essen angerichtet, feine Kleider und Wäsche in Ordnung fand. Vater und Tochter waren aber doch zu sehr von einander verschieden, um auf die Dauer ein erträgliches Zusammen­leben führen zu können. Al« der Frühling in'« Land zog, hielt e« Stephanie nicht mehr in ihre« Vater« Kotten. Eines Tage« fand Kemper Stephanie« Schrank und Kasten ausgeräumt, sie selbst mit ihrer Habe war verschwunden, kein Lebenszeichen von ihr fand sich, kein Wort de« Abschied«, kein Fingerzeig, wohin sie gegangen.

Da« war wieder ein neuer Anlaß, der Trunk­sucht zu fröhnen. Die Menschen suchen ja so gerne Aerger und Verdruß al« Deckmantel oder Entschädigungsmittel für ihre Leidenschaften. Die Kemanns hielt Kemper in seinem bethörten Ge- müthe für diejenigen, welche allein Schuld an seinem Unglück seien, immer mehr und mehr wuchs

lich zu der Urbernahme eines SlaatssekretariateS oder eines preußischen Ministeriums durch Dr. Lieber hätte komme» könne», ist schwer zu glauben; oder aber, eS hätte ein umfangreicher Personenwechsel in d en höchsten Ttaatsämtern stattfinden müssen, um dem Abgeordnete» Dr. Lieber und feine» politischen Auffassungen eine» bessern Rückhalt zu geben. So sehr er persönlich durch seine hervorragenden Eigen­schaften für die Urbernahme eines solchen Amtes geeignet war, würde er doch allein mcht viel habe» auSrichten könne» gegen alle die Andere», Die ihm entgegen gestanden hätten. Dr. Lieber hat augenscheinlich die ganze Situation mit einem Blicke übersehen, und fein schlagfertiger Geist hat ihm auch hier den rechten Weg gezeigt, der einzig und allein zu der Ablehnung jenes hoch ehrenvollen Angebotes führen kannte und dem Cmtrum und den deutschen Katholiken den Führer erhielt, dessen fir nothwendig bedurften!

Ohne Zweifel werde» wir, je mehr wir über Dr. Lieber hören und erfahren werdm, desto genauer über die außerordentlich hohe Bedeu­tung und über die großen Verdienste belehrt werden, die der B-rewigte um das Centrum und um die deutschen Katholiken sich erworben hat!

die Frage einer Post union mit Holland noch nicht für spruchreif hält. Im übrigen ist die von den Utrechtern gegebene Anregung recht erfreulich: sie beweist, daß die frühere nervöse Furcht der Holländer, gelegentlich von dem mächtigen Deutschen Reiche „verschluckt" zu werden, nicht mehr vorhanden, oder doch auf ein Mindestmaß zusammengeschmolzen ist.

h, Zolrerträguisse und Mttrveupeustoree« Ja der Münchener .Allgemeinen Zeitung' wird berichtet, daß die Unterredungen des Staats­sekretärs Grafen Posadowsky mit Den Vertretern der einzelstaatlichen Regierungen die Unmöglichkeit der Verwendung der Mehrerträg- niffe aus Sen Zöllen für Arbeiterwittwe» und Arbeiterwaisen ergeben hätte». Das wird das Centrum nicht abhalten davon, mit Nachdruck dieses edle Ziel im Interesse der deutschen Arbeiterschaft zu verfolgen. Uebrigen« hat doch der Reichskanzler Graf Bülow im Reichstage s lbst gesagt, er billige grundsätzlich, die Ver­wendung dieser erhöhten Zolleinnohmen zum allgemeinen Besten. Wie reimt sich das zu­sammen?

h De* sogenannte „Städte • Hag" nach dem Plaue der Berliner FreistimSgrößm scheint bei den anderen Stadtverwaltungen sehr geringen Beifall zu sichen. Gleich anderen Stadtoer- tretungen hat die Stadtverordneten-Versammlung in Bunzlau Den Wunsch zu erkennen gegeben, es möge kein Vertreter der Stadt Bunzlau zu dieser Kundgebung gegen die Getreidezölle ent­sandt werden.

Berlin, 9. April 1902.

+ Reichskanzler Gras Antow ist aus Oberitalien wieder abgereist, hat aber für seine Rückkehr nicht den nächsten Weg über München, sondern den Umweg über Wien gewählt, wo seinem Eintreffen heute (Mittwoch) Abend entgegen« gesehen wirb. In Wien soll eine Aussprache mit dem auswärtigen Minister,G rafenGoluchow«ki, erfolgen, was als ein ganz natürlicher Vorgang erscheint nach den voraufgegangenen Auseinander­setzungen über Dreibund und Dreibundverhältnisse zwischen dem deutschen Kanzler und dem italie­nischen Minister Prinetti. An besondere Aus­einandersetzungen über handelspolitische Fragen braucht man dabei gar nicht zu denken. Aber daß auch solche dabei gestreift werden, kann man sich ohne weiterer denken.

h Gi« Nostvervand Mischel» AoKand »md Deatschtaad soll unter anderen der Gegen­stand von Berathunge» fei», die bei einer Zusammenkunft holländischer Handels­kammern in Utrecht oder Arnheim stattfinden werden. Die Einladungen zu der Zusammen­kunft find von der Handelskammer in Utrecht bereits an die anderen holländischen Handels« kammern ergangen. Wie die deutschen maß- gebenden Stellen zu diesem Plane sich »erhalten, ist zur Zeit nicht bekannt. Eine ähnliche Frage, nämlich ein entsprechendes Pofiabksmmen mit der Schweiz, wurde unlängst im Rrichtage bei der Berathung des Postetats aufgeworfen. Da­mals drückte sich Staatssekretär Kraetke sehr zurückhaltend aus, so daß man wohl annehmen kann, daß die Verwaltung zur Reichspsst auch

der Groll und Haß gegen aller, was diesen Namen trug, und da ihm Bernard fortgesetzt die Summen verweigerte, die er zu erpressen suchte, entstand in Kemper der Gedanke, die ganze Familie in» Unglück zu stürzen, wie die seine hineingestürzt war.

Je mehr er diesen Gedanken verfolgte, desto mehr befreundete;er sich mit ihm, schließlich war diese Rache der ganze Inbegriff seines Denkens und Sinnens, und er that den Schritt, den Bernard Kemann längst befürchtet hatte, beging den Verrath, der neues Unglück auf viele Herzen häufen sollte, die, in ihrer schönsten Blüthe stehend, auch Anspruch auf Glück und Friede hatten.

Karl Wagner sollte der erste sein, der davon erfuhr. Eines Mittag« ließ sich bei ihm, zu seinem nicht geringen Erstaunen, der Kreisrichter melden, ein alter, äußerst liebenswürdiger Herr, im ganzen Städtchen beliebt.

„Womit kann ich dienen, Herr Rath?" fragte Karl, al« der Besucher Platz genommen.

„Ja, mein lieber Herr Oberkontrolleur, eigent­lich können Sie mir heute nicht dienen, aber viel­leicht erweise ich Ihnen einen Dienst durch eine Mittheilung, die Ihnen so wie so amtlich hätte mgehen müssen, die Ihnen aber, in mündlicher Zorm und schon jetzt gemacht, vielleicht von Nutzen ein könnte. — Horchen Sie auf: „Sie wissen vohl, daß der Mensch, der im vorigen Winter bei dem Schmuggler-Renkontre den Schuß auf Sie abgab, einen Vater hat, der ebenfalls den Schmuggel betrieb ?“

Wagner war aufgesprungen: „Er ist genug, Herr Rath, ich weiß alles", unterbrach er diesen, „jener Kemper, ein verlumpte« Subjekt, hat ent­weder selbst oder durch seine Tochter die Familie

Parlamentarische Nachrichte«

+ Die AoKtaris-Aommiffto« des Neichs- tages ist in ihren Beschlüssen über die Zölle für Weintrauben, frisches Obst, Wein, Most und dergleichen mehrfach in erheblicher Weise von den Tarifsätzen des Rrgierungs-ntwurfes abgewichen. Nach diesen Beschlüsse» solle« betragen der Zoll für frische Weintrauben 20" Mk. (Antrag Wallen­born), für. gemostete, gegorene Weintrauben und Weinmische 24 Mk. (Reqierungssatz), für Wein und frischen Most von Traube» in Fässern und Kesselwagen, je »ach dem Gehalt au Weingeist: bis 14 Gewichtstheile von hundert 24 Mk., 14 bis 20 Gewichtstheile 30, mehr als 20 Gewichts, theile 160 Mk. (Regierungsvorlage) für Nüsse 4 Mk. (Regierungsvorlage-, für unverpackte Aepfel. Birne», Quitten vom 16. November bis 30, Sep­tember 2.50 Mk., verpackt 10 Mk., in der üb- tigen Zeit frei, für Aprikosen und Psu fische 8, Pflaumen 6, Erdbeeren 20, Himbeeren, Johan­nisbeeren, Stachelbeere» 5 Mk., (verschiedene Anträge). Der Vertreter der württember- gischen Regierung sprach sich dabei gegen alle Obst-Zölle aus. Alsdann kam am Mittwoch das getrocknete Obst an die Reihe (Taris- positio» 47). Nach längerer Debatte wurde nach einem Anträge deS Crntrumsabg. Dr. Spahn ein Zoll von 10 Mk. für getrocknete Aepfel und Birnen, derselbe Zoll für unverpackte Pflaumen und ein Zoll von 15 Mk. für verpackte Pflaumen festgesetzt. Bet dieser Gelegenheit wurde von einem Regierungsvertreter festgestellt, daß wir allein aus Serbien für 6 Millionen Mark ge­trocknetes Obst beziehen. Bei den folgenden ........... - ......■■■................. Kemann denunzirt, daß Vater und Sohn eben­falls den Schmuggel betrieben hätten! Ist es nicht so?" fragte er, als erwarte er in einer Verneinung feiner Frage die Erlösung von einer schweren Last.

„Leider!" bestätigte betrübten Tones der Kreis­richter und fuhr dann fort: „Man spricht davon, daß Sie Beziehungen zu der Tochter Kemanns unterhalten, Herr Oberkontrolleur, und da dachte ich Ihnen nützlich zu sein, wenn ich Ihnen diese Mittheilung jetzt mache, natürlich nur für Sie, worauf ich rechne. In einigen Tagen muß ich den jungen Kemann vor laden und gegebenen Falles »erhaften lassen, inzwischen können Sie wenigstens etwa« unternehmen, um sich selbst etwa gegen die Folgen des schweren Schlages zu schützen."

„Ich bin Ihnen sehr verbunden, Herr Rath, und werde gewiß auch im Interesse meiner Braut aus Ihrer Mittheilung Nutzen ziehe». Vorläufig werbe ich der traurige» Pflicht ausweichen, Ihnen bei der Bestrafung meines besten Freundes be­hilflich fein zu müssen."

„Adieu, mein lieber Herr Oberkontrolleur," sagte der Kreisrichter sich erhebend, „wir Juristen find feite» die Ueberbringer freudiger Botschaften, hoffentlich hat meine heutige nichr die Üblen Fol- gen, die wir befürchten." Mit einem warme» Händedruck verließ der Besucher das Zimmer.

Karl hatte feit jener Nacht, in welcher er über Stephaniens Anklagen gegen Bernard und feinen Vater mit sich in's Reine gekommen war, die Möglichkeit dessen, was ihm der Kreisrichter eben mittheilte, unzählige Male erwogen, war dies doch, wie er sich Überzeugt hatte, die einzige Ge­fahr, die den Kemanns drohte. Seine Pläne für

Positronen (Obst in einfacher Zubereitung, Obst- mus, Südfrüchte, Obstsäfte), Positionen 48 bis 59, blieb es in allen Stücken bet den Sätzen deS Regierunosentwurfes.

Arrs dem Karrdtage.

•O — 64. Sitzung

vom 9. April 1902.

Bor dem Eintritt in die Tagesordnung gedenkt Präsident von Aröcher des verstorbenen Abgeordneten Dr. Lieber, der seit 1870, also ein ganzes Menschen­alter hindurch »em Hause angehört und sich mit großer Arbeitskraft und großer Arbeitsfreudigkett an den Ge­schäften des HaufeS und der Kommission betheiligt hat. Das Haus ehrt daS Andenken des Berstorbenen in üblicher Weise durch Erheben von den Sitzen.

Alsdann tritt daS Haus in die Emzelberathung deS Eisenbahn-EtatS ein. Die Einnahme auS dem Personen- und Güterverkehr ist mit 390 Millionen Mark veranschlagt. Bei der Generaldebatte, die zunächst darüber eröffnet wird, gibt Minister von Ghieke« die übliche Ueberstcht über die Betriebsergebnisse der preußi­schen Staatsbahnen. In einzelnen Gebieten hat fich eine Mindereinnahme von 3 v. H ergeben, eine Ber- minderung der Einnahmen, die ohne Beispiel dasteht und einen Ausfall von 35 Millionen bedingt- Dieser Ausfall hängt mit dem verminderten Güterverkehr zu­sammen; der Rückgang bei den Einnahmen aus dem Personenverkehr ist nur unbedeutend. Namentlich die Beorderung von Massengütern hat abgenommen, so stark, daß dadurch zwei Dritlheile der Mindereinnahme bedingt werden; und unter diesen stehen wieder Roß und Kohle an erster Stelle. Wie das laufende Rech­nungsjahr fich gestalten wird, läßt sich noch nicht sagen. An Gehältern und Löhnen hat nicht gespart werden können, ebenso wenig an Materialien, wxil diese nach bestehenden Verträgen bezogen werden. Ein neuer Vertrag mit dem Kohlensyndikat ist. noch nicht ab­geschlossen, ebensowenig mit bett Schienenwerken und mit den Kleineisenfabriken. Als vermuthlich bezeichnet der Minister eine Mindereinnahme von 80 Millionen im laufenden Jahre, von denen 20 Millionen Er­sparungen abzuziehen sein würden. Der Minister fügt indessen hinzu: er sehe dennoch nicht mit Sorge in die Zukunft, denn man werde auch über diesen Zustand Hinwegkommen. Unsere Finanzen aber feien so fest begründet, daß wir auch einmal einem solchen Nieder­gange mtt Ruhe zusehen können. Bon den Unfällen sagt der Minister, daß sie trotz der BerkehrSvermehrung nicht häufiger geworden seien. Die Verwaltungsreform wird von ihm in dem Sinne gekennzeichnet, daß bo8 Bureaupersonal feit 1894 um 8000 Personen sich ver­ringert hat, gleichzettig aber alles geschehen sei, um die Sicherheit des Betriebes zu erhöhen.

Der natl Abg. Marco bezeichnet es als einen un­gesunden Zustand, daß mehr als dreihundert Mill.isneik für Eisenbahn-Neubauten aufgehäuft worden, und daß unsere gejammten Staatseinnahmen in zu hohem Grads von den schwankenden Eisenbahneinnahmen abhängig seien, Der Redner gibt zu erwägen, ob es nicht besser sei, zur Sicherung unserer Finanzwirthschaft die Abgabe auS den Eisenbahnüberscküffen an die Staatseinnahmen zu fixiren, schon damit der Finanzminister nicht einen zu weiten Einfluß auf die Eisenbahnverwaltung erhalte. Außerdem bezeichnet der Redner unsere Eisenbahn- frachtsätze als zu hoch im Vergleiche zu den Tarifen in anderen Ländern und als zu lheuer für daS Gedeihe« unseres Gewerbes. Schließlich verlangt der Redner mehr technische Kenntnisse für die Beamten, für die die juristischen Kenntnisse allein nicht genügen.

Finanzministir Irtzr. von Aheinvabe« erwidert, eS würoe eine falsche Auffassung sein von den Aufgaben des Finanzministeis, daß dieser auf ein gewisses Mit- bestimmungsrecht bei der Eisenbayn verzichten solle, während er es in alle« anderen RefsortS auSübt. Eine allgemeine Herabsetzung der Tarife bezeichnet der Mini­ster alS bedenklich. Jedenfalls müssen wir uns hüten davor, Einnahmen, sie wir haben, aus der Hand zu geben,

Minister von Wieke» nimmt die Ausbildung der Beamten in Schutz. Die Ergebnisse der elektrischen BetriebSversuche auf der Wanriseebahn bei Berlin schil-

biefen Fall waren reichlich überlegt und ihm dünkte somit auch der Weg klar oorgezeichnet, den er zu gehen hatte.

Seine ihm vom Arzte schon gleich nach der Heftung verordnete Brdekur hatte er »och nicht gebraucht, da er dm dazu gewährten Urlaub im Interesse eines schwer erkrankten Kollegen nicht ausgenutzt hatte. Deshalb verfaßte er noch am Nachmittage ein Schrecken mit Der dringenden Bitte um sofortige Beurlaubung und sandte e8 ab. Wie er erwartet ha te, traf umgehend eine zustimmende Antwort ein, die ihm gestattete, bald «bzureise».

Es war ihm schmerzlich, nicht von Elise Ab­schied nehmen, nicht dem Freunde eine Warnung zugehen lassen zu könne». DaS eine glaubte er nicht übet'« Herz zu bringen, das andere verbot ihm seine Pflicht, die er dis zum letzte» Augen­blicke treu erfülle» wollte.

So fuhr er denn eires Morgens, eS waren vier Tage seit jenem Besuche deS KreiSrichterS verflossen, mit bepacktem Wage« zum Münster- thore hinaus, ohne Abschied, ohne Gruß, wie ein Verjagter. Wehmüthige Gedanke» begleiteten diesen Abschied, der vielleicht ein solcher auf Nimmer­wiedersehen werde» konnte. Vorher hatte et noch den KreiSrichter schriftlich gebeten, ihm von einer eventuelle» Verhaftung Mittheilung zu mache».

Am gleichen Tage, es mochte gegen 11 Uhr fein, erschien ein Polizeidiener im Kemann'schen Hause, ausgenommen, wie man in den Bürger­häuser» kleiner Städte die Polizeidiener aufnimmt, mit einem Scherze, eher Frage nach diesem uns jenem, die in der Rigel auf die gleiche Weiss beantwortet werden.