Maxkt-rrichts.
□ Iraukfurt«. M., 7. April 1902. (Setretde- Marktbericht, mitgetheilt vonJosephStrauß, Agent, der sich bei An- und Verkäufen bestens empfiehlt.) Wetzen ab unserer «egend 17.25-17.60 Mk., Weven frei hier 17.50-00.C0 Mk., Weizen, La Plata und KansaS (kleberreicher Weizen) 17.00—17.75 SRI, Weizen, Redwtnter und rufltsche Sorte» (kleberreicher Weizen) 17.25—17.75 Mk., Rogge« ab uns. Weg. 14.25—14.50 M., Roggen, frei hier 14.50-14.75 Mk., Braugerste, Wet- terauer, 15.75—16,25 Mk., Franke» (Ochsenfurter Gau), Pfälzer u. Ried, 16.50 6« 17.00 Mk., Hafer (je »ach Qualität, erquis. 25 bis 50 Pfg. über Notiz) 16.50 bi» 17.00 Mk., MaiS (gesunder La Plata) 12.50 biS 00.00 Mk., Weizenkleie 8.75—9.00 Mk., Roggenkleie 9.25 biS 9.50 Mark, Malzkeimr 9.50 biS 10.00 Mark, getrocknete Biertreber 10.25—10.75 Mark, Spelzenspreu per Tentuer 2.00—2,25 Mark; Haferhülse» 2.25—2.50 Mark per Gentner; Weizenmehl (autom.) Nr. 0 24.50—25.00 Mk., Weizenmehl Nr. I 22.50 bis 23.00 Mk., Weizenmehl Nr. m 20.50-21.00 Mark, Weizenmehl (erquis. Qual.) pr. Sack 1.50 biS 2.00 M. über Notiz, Roggenmehl 0 22.50 biS 23.00 8DÜ, Roggenmehl 0/1 1.25—1.50 Mk. darunter; Lorfstren 1.40 Mk. »er Gentner. Die Preise verstehe« fich per 100 Kilo ab hier, hävfig auch loco auswärtiger Stationen bei mindeste»» 10,000 Kilogramm.
Weizen dringende» Angebot ».rhaude», welche» äußerst geringfügiger Kauflust begegnet. Rogge» hat fich di» Nachfrage auf dem seitherige» Nioea» gehalten. Gerste blieb geschäftSlo». Hafer »«kehrte in behaupteter Haltung. Mai» »ur sporadisch geringe» Geschäft. Weizen-, Roggenklne, Malzkeiwe »nd getrockaete Biertreber habe» ihre» »orwöchentlichen Preisstand behauptet. Spelzenspreu «nd Haferhulse» normal« «ensumverkehr, der sich oh», PreiS»«ä»der»ng abwickelt». Mehl hießt di« seitherige Lustlofigkeit an.
Zeitung
29. Jahrgang
daß der Wirth
Anlaß genoffener Gastfreundschaft ziehen wir den Beutel im Hause des Gastgebers! Nun besteht doch das Wesen 1
Trinkgeld.
Bon Dr. jur. I. Tenge.
------ (Nachdruck »erboten.)
DaS Trinkgeldgeben ist eine Einrichtung, die fich allgemeinster Unbeliebtheit erfreut, die allerorte» als drückende, häßliche Last empfunden wird, und die zu beseitigen doch Keiner de» Muth und die Kraft findet. Auch ohne den Juristen zu fragen, weiß Jeder, daß daS Trinkgeld eine freiwillige Gabe ist, und daß zu ihr Niemand rechtlich gezwungen werden kann. Und doch werden immer neue Gelegenheiten gefunden, bei denen Trinkgelder gegeben werden, immer neue Personenklaffen strecken trtnkgeldlüstern die Hand aus.
Von den Trinkgeldern, die man de« Kutscher, dem Kellner, dem Portier, dem Hausknecht, dem Laufburschen gibt, kann man wenigstens noch sagen, daß ste einem Gebiete angehören, das vom geschäftlichen Verkehr, vom Selbe beherrscht wird. Aber daß auch auf dem Gebiete deS ge- sellfchaftlichrn Verkehrs das Trinkgeldergeben immer mehr um fich greift, ist eine Um fitte, ein Unfug, eine Entartung unseres gesellschaftlichen LebenS. Mit dieser schlimmste« Spezies des Trinkgeldes sollen fich die folgenden Zeile« näher befaffen.
Die Gegenden sind recht vereinzelt, wo man beim Verlassen eines Souper» oder DinerS kein
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ben Ueberzieber anzieht, also nur zufällig mit uns in persönliche Beziehung kommt und «ns die müheloseste Dienstleistung gewährt.
Wenn nun das Trinkgeld keine Bezahlung für die von der Dienerschaft des Gastgebers uns erwiesenen Dienste ist, geben wir es dann viel- leicht aus Wohlwollen gegen die Dienerschaft? Ach nein, sehr weit entfernt sind wir davon, Wohlwollen zu empfinden, wenn wir durch daS im Flur bis zur HauSthüre aufgestellte Dienst- personal Spießruthe« laufen müffen.
Wenn nun nicht in unseren Brziehungen zu den Dienstboten unserer Gastgebers der Grund für daS Trinkgeldgeben zu suchen ist, so müßte er aus dem Gebiete unserer Beziehungen zum Gastgeber selber zu finden sein. Aber auch hier suchen wir vergeblich «ach ei«em vernünftigen Grunde, vielmehr führt uns dieses Suchen und daS dadurch verursachte schärfere Nachdenken zu der allerhäßlichsten Seite dieses Trinkgeldes. Machen wir uns nur einmal klar, was das bedeutet: Aus
daß ihne« die Mittel gewährt werden, über ihre Verhältnisse zu leben. Mit Recht sagt Franz v. Holtzendorsf (Gegenwart 1881 N 10), daß durch das Tn» kgeiderwesen der Moral,lät der unteren Klaffe richt wenig geschadet werbe.
Aber die Mä-gel aufdeckeu, um mit Goethe (Aus meinem Lcben, 6. Buch) zu reden, ist nicht genug; ja man hat unrecht, solches zu thun, wenn man nicht zuzletch das Mittel zu dem b.ff-ren Zustande anzugeben weiß. Nun, in seinem eigenen Hause hat es ja ein Jeder in der Hand, diese Unsitte zu beseitigen. Er gebe seine« Dienstboten eine Extravergütung und untersage ihnen dafür auf'S strengste, Trinkgelder anzunehmen. Noch beffer und wenigstens im intimeren Kreise leicht auszuführen ist eine Belehrung und Aufklärung über daS Unvernünftige, Häßliche und Schä liche dieser Unsitte, und eine Verabredung, bei den gegenseitige« Besuchen keine Trinkgelder mehr zu gebe«. Für de« größere« KreiS oer Geselligkeit erscheint freilich eine solche Verständigung, weil sie ein Sichnäherstehen voraussetzt, nicht angängig. Aber auf einem andern Wege scheint mir auch hier die Abschaffung dieses Trinkgeldes nicht unmöglich. Als Vorbild kann die Art und Weise diene«, wie man sich an vielen Orten von der lästigen Unsitte der Neujahrs-Gratulationen frei gemacht hat: man zahle an ei« gemeinnütziges Institut, welches hilfsbedürftige Dienstboten unterstützt, kranke Dienstboten pflegt oder treue Dienstboten belohnt, einen regelmäßigen angemessenen Beitrag u«d kaffe durch den Vorstand dieses In- stitutrS unter Aufforderung zur Nachahmung die Namen der Geber mit Angabe des Zwecke) der Gabe, da» gesellschaftliche Trinkgeld abzulösen, öffentlich bekannt machen. Ein geeignetes Institut, daS eine solche Unterstützung gern annimmt, wird überall vorhanden sein oder sich leicht gründe« kaffen. Arme Wöchnerinnen, die vor ihrer Ehe dienten, die Kinder derselben, arbeitsunfähig gewordene Dienstboten und dergl. kaffen sich sehr zweckmäßig in den KreiS der mit solchem Gelde |u Unterstützenden hineinziehen. Durch diese Bei- träge wird dargetyan, daß die Herrschaften die Dienstboten nicht verkürzen, sondern nur das bisher für sie unzweckmäßig und zu ihrem moralische« Schaden Aufgewendete richtig und nützlich verwenden wollen, und die Veröffentlichung der Namen der Geber gibt auch dem Kleinmüthigen >ie Kraft, sich anzuschließen und mitzuhelfen a« der Befreiung unseres gesellschaftlichen Verkehres von dieser häßlichste« aller Steuer«!
Rudolf v. Jhering, der Bahnbrecher im Kampfe gegen das Trinkgeld erzählt (siehe Wester- mann’» Monatshefte, Jahrg. 26, Heft 307, S. 95) von einem penfionirten höheren Offizier, der an einem Orte lebte, wo dar gesellschaftliche Trink- geld besonders hoch war, und der erklärte, er sei nicht in der Lage, an dem gesellige« Verkehr derjenigen Kreise, auf welche er seiner Stellung «ach ange wiese« war, theilzunehme«, weil die hohen Trinkgelder für ihn unerschwinglich seien. Hier erscheint also da- Trinkgeld al» das Hemrnniß des geselligen Verkehre». Eine Unsitte, die der Reiche und der Verschwender eingeführt haben, wird zum Fluch für den ordentliche», aber minder begüterten Mann.
Sittlich gute, gerechtfertigte Gründe für daS gesellschaftliche Trinkgeld kaffen fich nicht auffinden. Wie eS entstanden ist, läßt fich nicht nachweisen. ES kann Eitelkeit, es kann Prahlsucht, eS kann auch Nachäffen der goldenen Manschettenknöpfe, Busen-Nadeln, Brillant-Broschen, mit denen unsere irdischen Größen daS Personal ihrer Gastgeber beglücken, die Wurzel des Trinkgelder-Un- traute» gewesen fein, etwa- Gutes ist eS nicht gewesen.
Widerwärtig wie die ganze Einrichtung ist auch die Ueberlegung, di» man, wenn anders man fein Geld nicht wegwerfen kann oder will, bei jeder Gelegenheit darüber anstellen muß, wieviel man geben soll. Ma« will nicht zu viel, ma« darf nicht zu wenig thu«. Welchen Maßstab soll ma« anlegen? Beim Lohne weiß ich genau, wozu ich verpflichtet bin; beim Almosen oder bei sonstigen wahren Freigebigkeiten bestimme ich nach meine« Mittel« und nach der Würdigkeit deS Empfänger» die Gabe. Aber beim Trinkgeld? Toll ich die Geschrnacklostgkeit soweit treiben, ein gutes, wenn auch langmütiges Diner mit einem höheren Trinkgelde zu cenfiren, al» ein, wenn auch mit geistreicher und anregender Unterhaltung gewürzte» einfache» Abendbrod?
Hat nun wenigstens diese» Trinkgeldgeben gute Folgen? Nein, auch hier können wir nur Nach- tt)eilige» entdecke«: da» Gesinde wird durch die Trinkgelder verdorben und die Herrschaft hat den Schade« davon. I« einem Hause mit großer Gesellschaft erreichen die Trinkgelder, welche die Dienstboten einheimsen, eine Höhe, die in einem schreienden Mißverhältniß zu chrer Arbeit, ihrem Lohne und ihrer ganzen soziale« Stellung steht, eine Höhe, der die Dienstboten nicht gewachsen sind. Darf man fich da «och wundern, wen« sie de« Maßstab für da» richtige Berhältniß von Ar- beit und Lohn verlieren, wenn sie das mühelos Jesammelte Geld sinnlos wieder vergeuden, wenn e Dank diesem reichen Geldstrome anfangen, eS ihrer Herrschaft «achzuthun in Kleidung, Putz und Vergnügungen? »er seiner Dienstmagd bie Kittel gibt, die Dame zu spielen, hat e» selbst ver- schuldet, wenn sie zur Dienstmagd unbrauchbar wird. Die überhand nehmenden Klagen über Faulheit, Unbotmäßigkeit, Unzuverlässigkeit und Leichtsinn der heutigen Dienstboten haben nicht zum geringsten Theile darin ihre« wahre« Grund,
nimmt. Auch unfern zur Zeit geäußerten Wunsch der Heranziehung der Arbeiter zu de« Wahlkomitees ist noch sehr wenig Folge geleistet, trotzdem die Parteileitung wiederholt selbst die örtlichen Wahlkomitees dazu aufgefördert hat. EZ ist daher die höchste Zeit, daß nach dem Rechten gesehen wird. Unsere Gegner find längst an der Arbeit und treffen alle Vorbereitungen für etwaigen Wahlkampf.
Eine durchgreifende Neugestaltung ix der Wahlorgaxisatio« auf der breitesten Grundlage, Ausbau des Vertrauensmännersystems bis in» letzte Dorf und die letzte Straße und zwar unter Heranziehung intelligenter fchaffenSfteudiger Ar- beiter ist erstes Elforderniß zu einer Besserung der Verhältniffe. In der langen Zeit zwischen den Wahlen kümmerte ma» fich bisher wenig um d» Wähler und ihre Jitereffe«. Kommt dann die Wahl, so sollen im Handumdrehm die Wähler bege.stert werden. Auch das muß anders werde«. Die Wähler müffe« rege erhalten und ihre« Wünschen und Jntereffen muß näher getreten u?iij um ihre Mitwirkung nachgesucht werden. Die Agitation darf nicht erlohmen, sondern muß ununterbrochen in der Oiffentlichkeit und von Mund zu Mund fortdauern.
Ganz besonders, so fügen wir noch hinzu, muß dis Aufklärung der Massen, die am meisten der verhetzenden Agitation unserer Gegner ausgesetzt find, in Angriff genommen werden. Gerade diese Kreise, deren Jntereffe wir doch vertreten müffen, müffe« von uns erfahren, durch welche Mittel dies geschieht und wie wir selbst Mitarbeiten können.
der Gastfreundschaft gerade darin, . alle Unkosten der Bewirthung, selbstverständlich einschließlich der erforderlichen Bedienung, allein bestreitet. Mithin ist die Er- scheinung, daß der Gast für die genoffene Gastfreundschaft zahlt, ja sogar meistens eine Summe aufwendet, welche die Kosten seiner sonstigen entsprechenden Mahlzeit im Restaurant oder im eigene« Hause vielleicht erreicht, vielleicht noch überschreitet, geradezu ei« Hohn auf die wahre Gastfteund- schast. Man weiß wirklich nicht, bei wem von beide« durch den Unfug dieses Trinkgeldes daS feine Gefühl in stärkerem Maße abgestumpft ist: bei dem Gaste, der im Hanse seines WinheS für das ihm Gebotene in'» Portemonnaie greift, oder bei dem Wirths, oer die» duldet oder sogar begünstigt.
Trinkgeld gibt. In der Regel wird ein solches gegeben- Aus welchem vernünftigen Grunde? Man hört die Antwort, das Dienstpersonal deS Gastgebers habe doch durch uns Gäste mehr Arbeit gehabt. Ja, ist denn diese Arbeit uns geleistet, ober nicht vielmehr dem Gastgeber? Unb wen« in der That daS Gesinde ein Anrecht auf eine Vergütung für die Extraarbeit erworben Hut, ist es dann nicht seine eigene Herrschaft, die ihm diese Vergütung zu gewähren hat? Wie kommt der Gast vollends dazu, dem etwa vom Gastgeber engagirten Lohndiener, der durch da», was er an Speisen und Getränken mit «ach Hause nimmt, völlig abgegolten wird, noch seiner- seit- einen Zuschuß in Gestalt eines Trinkgeldes zu geben? Der Gesichtspunkt der Vergütung für uns geleistete Arbeit schlägt nicht durch. Denn erstens stehen wir al» Gäste des Haus- Herrn zu deffen Dienerschaft in gar keiner recht- licken, uns zur Vergütung deren Leistungen verpflichtende« Beziehung. Zweitens erhält die Dienerschaft die uns gewährte Mühewaltung bereits vergütet, sei eS in ihrem allgemeine«, sei e» in einem besondere« Lohne. Dritten» steht die Höhe de» Betrage», de« wir dem Dienstboten de» Gastgebers al» Trinkgeld auShändige«, in gar keinem «ngemeffenen Verhältniß zu seiner durch unser Erscheinen verursachte» Mehrarbeit. Wen« 20 Personen al» Gäste erschienen sind unb jede gibt durchschnittlich 1 Mark, so erhält der Dienstbote für einige Stunden Rehrarbett eine Vergütung, für die er sonst ebenso viele Tage, vielleicht Wochen arbeiten muß. Vierten» wird das Trinkgeld nicht demjenigen Dienstboten zngrwendet, welcher die meiste Arbeit geleistet hat, oder mit deffen Arbeit wir vielleicht am meiste« zufrieden find, z. B. der Köchin, sondern wir geben eS demjenigen Dienstboten, der uns \
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* D«r Unterschied. Erster Schusterjunge: »Jetzt habe ich'» aber rauS, welches der Unterschied zwischen unserm Meister und den Gesellen ist." — Zweiter: „Na, was ist er denn?" — Erster: .Wmn ein Geselle irank ist, dann heißt es: er war besoffen; und wenn der Meister besoffen war, dann heißt eS: er ist krank."
• Wink mit dem Aannpfaht. Gattin (die neue Photographie ihre» ManneS betrachtend): „Aber Otto, wie ich aus der Photographie ersehe, fehlen an Deinem Rock zwei Knöpfe!" — Gatte: .Ja, schon seit vierzehn Tagen. Gott fei Dank, daß Du daS endlich bemerkst! Deswegen habe ich mich ja photographiren laffen. ,
* Kdchfler Begriff. .Alle Wetter, ist der Schlangenmensch dort aber gelenkig!" — .Nicht wahr? Ja, ich möchte glauben, der wäre im Stande, fich selbst einen Fußtritt von hinten zu versetzen, so daß er »on der Bühne unter'» Publikum fliegt!"
• Uenzeitig. Hausfrau (zum Dienstmädchen): .Rosa, gestern schenkte ich Ihnen ein Kleid! Wollen Sie die Güte haben und mir dasselbe mal leihen? Mein Mann hat alle meine übrigen Kleider — versetzt!"
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den Ernst bet Sage noch immer nicht erkannt. Da» ist um so bedauerlicher unb unverantwortlicher, als die Möglichkeit einer ReichStag»- auflösuug und damit noch früherer Wahlen unter dem Zeichen ber Zollfrage — durchaus nicht so fern liegt. Vemrrkekswerth ist, was in dieser Hinsicht kürzlich der.Vorwärts' (Nr. 64) schrieb:
.Es steht schon heute unerschütterlich fest, daß dre deutschen Wähler Gelegenheit erhalten werden, ihr Votum Über die Zollfrage zu besprechen. Mit dieser Thatsache hat inSbefonrere die Sozialdemokratie zu rechnen. Für die Z,ll-N e u w a h l e n »orznberetten, ist jetzt unsere unmittelbarste Aufgabe, zu deren befriedigen- den Lösung kein Tag versäumt werden darf. Die Befestigung und Ausdehnung der Organisation in den einzelnen Wahlkreisen, die Sammlung von Geldmitteln, die Aufstellungvon Kandidaten, wo solche noch nicht vorhanden find, muß mit allem Nachdruck betrieben werden. Es wird gelten, einen Wahlkampf zu führen, wie bisher die Partei noch keinen zu führen hatte. Die Brod- und LebraSmittelwucher- Parteien werden alles aufbieten, um fich im neuen Reichstage die Mehrheit zu fichern. Das muß, koste t« waS es wolle, verhindert werden. Die Wahlparole ist die beste, die wir unS wünschen können. Es handelt fich um die Brod-, um die LebenSintirrffen der großen BolkSmehrheit, die eS zu vertheidigen gilt gegen die Raub- und Beutrpoutik der Junker und Junkergenoffen."
Möge man hieran« in CentrumSkreife« die richtige Lehre ziehen. Sollte eS thatfächlich zur Reichstagsanflösung kommen, so bürste man mancherorts, wo zur Vorbereitung vor» Neuwahlen bisher so gut wie nichts geschieht, einen orbentlichrn Denkzettel erhalte«. Aber auch ab- gesehen von dieser Mözlichkeit möge man im Hinblicke auf bie nächstjährigen ordentliche« ReichStagswahlen sich nirgendwo länger in »er« hängnißoolle Sicherhe.t einwiegen und denke«: -.Ach das hat ja noch lange Zeit." Weitgehendste Beachtung möchten wir daher namentlich folgen- der Mahnung ber ,Wrstd. Arb.Ztg/ (Nr. 12) wünschen:
Darüber herrscht doch wohl kaum ein Zwei- sel, daß bie Stellung unserer Partei kaum jemals so schwierig war, akS gerade jetzt. Die wirthschaftliche« Streitfrage«, die gegenwärtig in ber politischen Arena ausgekämpft werde« in Verbindung. mit dem stillen Kulturkampf, ber immer h-sttger entbrennt, geben unserm Gegnern Waffen i« die Hand, die sie sehr geschickt gegen unsere Parte? verwenden und durch welche sie Beunruhlguiig i« die Kreise unserer Wähle: hiueintragen. Die Äermuthung, daß die Zoll- frage zu einer ReichStagSauflösuug führen wird, gewinnt immer mehr an Bode«, und es ist nicht ausgeschloffen, daß wir plötzlich vor eine Reichs- tagSwahl gestellt find, die uns mancherorts völlig unvorbereitet antreff en würde. Aber selbst davos abgesehen, habm wir im nächsten Jahre allgemeine Rmwahlm z:m Reichstage Der Ausfall einer solchm Wahl würde aber aller Voraussicht «ach i« manche« Orten derartig fein, daß cs uns «och lawge Z it in de« Ohrm klingen würde, falls man nicht schleunigst mit alle« "Eten dos Versäumte nachholt u«d euer- Lisch die Rsorganisatton und Agitation auf-
)(Rechtzeitige Wahlvorbereitung.
U*ber Jahresfrist stehen wir vor der Reichstagswahl, und es dürfte daher schon jetzt keineswegs zu früh sein, um ernstlich an bie Vorbereitungen zum Wahlkampf zu denken. Schon j tzt muß man sich überall die Frage vorlegen, wie eS mit ber Parteiorganisation fleht, ob hier nicht «oth wendige Verbesserungen vorzunchmen sind, ob nicht insbriond-re i« den industriellen Wahlkreisen die Arbeiterschaft mehr wie bisher zur thatigen Mitwirkung an ber Leitung der Organisation heranzuziehen ist rc
Die Wahlvorbereitungen dürfe« nicht auf die lange Bank geschoben werben. Die Erfahrung hat oft genug g Ihn, wie vnk.brt es ist, bis zum letzter: Augenblicke die Hände in den Schvcß zu legen, den Gegnern das Feld zur Agitation zu fibtrlcffen und höchstens einige Wochen vor ber Wahl Alarm zu schlazen in der Minung, nun bie Wähler schnell zusammen- treiben zu fßn ieu. Man braucht nur an bie trfibefl Ersah! unzen zu erinnern, welche die Cmtrumkpartei im vergangenen Jahre bei der Reichsjagrsrsatz>vahl im Wahlkreise BmSburg- Mülheim-Ruhrort machte. Wie hier, so hat man 1898 in manchen industriellen Wahlkreisen die L-Hre erhalten, daß eS im Punkte der Okgani- falten und Agitation besser werden müffe.
Unb hat man sich diese Lehre zu Nutze gemacht? Gewiß, i« einer Reihe von Wahlkreisen hat man tüchtig gearbeitet, reorgsnistrt und agjt’rt, häufigere Versammlungen gehalten, Flug- blätter verbreitet re. In vielen anderen ist je-
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